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Bekannte Slasher-Mär aus den Niederlanden - »Scream Week«

Scream Week Bekannte Slasher-Mär aus den Niederlanden
»Scream Week«

Wir wissen ja mittlerweile: Deutschland und deren Filmschaffende tun sich wirklich nicht gerade leicht, wenn es um Horrorfilme im Allgemeinen geht, oder es sich gar um das Subgenre, dem Slasher-Film handelt. Ausnahmen bestätigen da wirklich eher die unterdurchschnittlich zu nennende Regel und selbst da findet man noch genug, was man dann so kritisieren könnte. Nein, Deutschland ist wahrlich kein Filmland außerhalb von Komödien, seichten Liebesfilmen und leidlich bekannten Krimis.

Aber wie sieht es denn nun in unseren Nachbarländern aus? Ja Frankreich kommt da immer mal wieder mit wirklich derben Sachen um die Ecke und präsentiert uns da so ab und an einigen Filmstoff, der so richtig schön dreckig wie blutig die Zuschauer im Kino zusammenzucken lässt. Zumindest, bevor die deutsche Schere der allgemeinen Filmzensur (auch kurz FSK genannt) hier zugeschlagen hat.

Und man muss sich nun auch etwas positiv wundern über die Niederlande, die hier recht schön das Subgenre des Slasher aufgreifen konnte, auch wenn sie in dem Augenblick mit der Kamera formschön wegschwenken, wenn es denn wirklch an das blutige Handwerk geht. Nur leidlich bekannt kommt einem das dann allerdings auch irgendwie vor, denn für eine Homage an bereits bestehende wie bekannte Filme des Subgenre, orientiert man sich hier doch ziemlich stark gerade an einer ganz bestimmten, wie eben auch recht bekannten US-Produktion.

Zumindest konnte ich mir vor kurzem im Nachtprogramm des Fernsehen einen solchen Film aus den Niederlanden ansehen, der zwar nach einem mehr als recht bekannten Muster der Marke "Teenslash" umgesetzt wurde, allerdings dann doch irgendwie so frisch wirkte, dass er mir doch noch richtig Spaß machte. Man könnte auch sagen: "Ich weiß was du im Nachbarland (fasst) kopiert hast."

Scream WeekScream Week mit Nagelpistole und überraschendem Finale:
Es ist Sommer und eine ausgelassene Gruppe junger Leute verbringt den Abend gerade mit Alkohol und einem recht seltsamen Aufnahmeritual, bei dem zwei junge Aspiranten in einem kleinen Schwimmbecken voller kaltem Wasser und jeder Menge Eiswürfel ausharren müssen.

Ihr Ziel ist es, in dieser kleinen, erlauchten Gruppe von Studenten aufgenommen zu werden. Besonders Boris tut sich hier hervor, wenn es darum geht, die frostigen Qualen der zwei jungen Burschen noch etwas in die Länge zu ziehen. Dagegen sind einige, allen voran die hübsche Merel bereits der Auffassung, man sollte die Jungs doch langsam erlösen, bevor sie völlig einfrieren.

Aber dann passiert das, womit eigentlich niemand wirklich gerechnet hatte. Denn einer der Jungs kippt durch die eisige Kälte um und stirbt an Herzversagen. Das dies ein Unfall war, wird ihnen wohl kaum jemand wirklich abnehmen, zumal es selbst dem Dümmsten klar sein müsste, das Eiswasser in Kombination mit übermäßigem Alkohol und diversen Drogen nicht gerade die besten Voraussetzungen bietet, um irgendwann auch noch die Rente zu erleben. Besonders Boris tut sich nun bei den anderen wieder hervor und rechnet denen gleich mal vor, was aus ihrem Studium und ihren möglichen späteren Berufskarrieren werden dürfte, wenn sie mit dem Tod des Jungen in Verbindung gebracht werden. Zwar sind es besonders die weiblichen Gruppenmitglieder wie Merel, die zumindest noch einen Krankenwagen rufen wollen, doch auch sie wird recht schnell durch ihren Freund Thijs überredet, auch mal an die eigene Zukunft zu denken, zumal dem Jungen eh nicht mehr zu helfen ist. Also werden erst einmal alle zum Stillschweigen eingeschworen, bevor man daran geht, die Todesursache zu verschleiern, was ihnen auch scheinbar recht gut gelingt.

Ganze zwei Jahre später kehren Merel, Thijs, Boris, Kim und die anderen nach Sneek in Friesland zur alljährlichen Sneekweek (einer Segelregatta) samt den ausschweifenden Partys mit Alkohol, Drogen, Sex und Musik zurück. Und genauso wie damals mietet man sich auch jetzt wieder in einer Luxusvilla ein, wobei gerade Boris jedoch etwas hellhörig wie ungehalten wirkt, als man sich auch dem damaligen Todesfall wieder erinnert.

Zwar kommt unter ihnen so auch ein gewisses Misstrauen auf, jedoch hält sie dies aber auch nicht davon ab, sich in die nächstbeste Party zu stürzen, oder sich sonst den angenehmen Seitens des Lebens hingeben zu wollen. Doch die durchaus heitere Stimmung findet recht bald ihr blutiges Ende, als ein unbekannter Killer mit Nagelpistole und Stichsäge beginnt, sich in der Nacht unter ihnen ein Opfer nach dem anderen zu holen. Merel hat hierbei bald sogar Boris selbst etwas in Verdacht, zumal der sich bei Zeiten ziemlich seltsam aufführt. Doch dann muss auch sie erkennen, dass der oder die Killer, die hier späte Rache nehmen, aus einer Ecke kommen, welche sie wirklich niemals erwartet hätte.

Scream WeekAlles irgendwie geklaut:
Nein, Regisseur Martijn Heijne und Drehbuchautor Alex van Galen dürften sich hier wirklich keine große Mühe gegeben haben, hier nun eine wirklich frisch wirkende Homage des Teenslash auf die Kinoleinwand beziehungsweise auf den Fernseher zu bringen. Zumindest als ich am 09. Mai 2020 um 22:20 Uhr mal endlich wieder ein recht seltenes, eben störungsfreies Bild beim Sender Tele5 erhielt, kam mir die Handlung doch wirklich sehr bekannt vor.

Zwar lässt vielleicht der etwas seltsame deutsche Filmtitel SCREAM WEEK (Originaltitel: SNEEKWEEK) in Richtung der US-Horrorfilmreihe SCREAM hindeuten, jedoch  dürften nach dem Filmtitel die weiteren Ähnlichkeiten innerhalb der Handlungen doch recht dünn gesät sein. Denn es geht hier nicht um diverse Anrufe bevor der Killer in der Geistermaske blutig zuschlägt und auch der Anteil an eher komischen Einlagen, die man in den SCREAM-Filmen durchaus vorfinden kann, sind in SCREAM WEEK wahrlich eher verschwindend gering zu finden.

Dafür haben sich Martijn Heijne und Alex van Galen samt dem Produzenten Klaas de Jong ordentlich bei einer anderen kleinen US-Slasher-Filmreihe bedient, die mit dem deutschen Filmtitel ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST 1997 unter der Regie von Jim Gillespie sowie Jennifer Love Hewitt und Sarah Michelle Gellar in den Hauptrollen über die Leinwand flimmerte.

Man mag sich zwar auch redliche Mühe gegeben haben, die Kopie der offensichtlich recht gleichen Handlung in neue Kleider zu verpacken, allerdings sind die Parallelen zwischen dem Slasher-Film ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST aus dem Jahre 1997 und SCREAM WEEK aus dem Jahre 2016 doch weit mehr als nur erkennbar.

Heißt dies aber nun, dass man sich den Film SCREAM WEEK eigentlich schenken könnte? Nicht so wirklich, denn die Handlung mag zwar sehr deckungsgleich sein und auch wer dann als Film für das eigene Heimkino doch eher lieber zum Original greifen möchte, kommt nicht so wirklich an dem Umstand vorbei, dass es hier den Niederländern durchaus gelungen ist, die faktisch gleiche Grundhandlung irgendwie erfrischend moderner und bisweilen auch interessanter zu gestalten. Besonders das Finale kann bei SCREAM WEEK noch mit einer überraschenden Wendung in Sachen Killer aufwarten, mit der man so wahrscheinlich wirklich nicht gerechnet haben dürfte.

Scream WeekMeine Filmkritik:
Mit SCREAM WEEK hat man hier wahrlich keine inovative neue Seite bei den Slasher-Filmen aufgeschlagen, auch wenn man sich für das Finale wirklich mal eine recht interessante Wendung in der Frage des oder der Killer hat einfallen lassen. Zumindest in diesem Punkt hatte ich nicht kommen sehen, was uns die Macher dieses Slasher noch präsentieren würden. Allerdings sahen wohl auch die Macher des Film die Handlung eher mit einem Augenzwinkern als eine typische Homage von Teenager-Slasher-Movies wie ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (ab 1997 mit Jennifer Love Hewitt in der Hauptrolle), SCHREI WENN DU KANNST (2001 mit Denise Richards in der Hauptrolle) oder eben SCREAM (ab 1996 mit Neve Campbell in der Hauptrolle) an, und ließen somit die Möglichkeiten neuer, frischer Ideen in Sachen Handlung gleich zum Großteil links liegen.

Und war schon ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST nicht gerade ein wirklich bluitger Slasher, bei dem man uns explizit die jeweilige Form der blutigen Taten gnadenlos vor Augen führte, so  schwenkt man auch in SCREAM WEEK mit der Kamera dezent weg, anstatt uns nun mit diversen blutigen Einsichten zu erfreuen. Letzteres überlässt man also auch hier lieber dem Kopfkino des Zuschauers, was wiederum einen richtig schönen Popcorn-Horrorfilm eben ausmacht, den manche zarten Gemüter eben nicht zeitlich unbedingt kotzend über der nächstbesten Kloschüssel verbringen möchten.

Bei den Ideen hinsichtlich der Waffen, die hier zum Ableben so mancher Darstellerinnen und Darsteller führt, zeigt man in SCREAM WEEK allerdings recht viel bodenständige Fantasie und greift somit auf Mordinstrumente zurück, die man auch in jedem guten Baumarkt locker erstehen kann. Und seien wir mal ehrlich, in diesem Punkt ist SCREAM WEEK durchaus die interessantere Alternative als nur mit Öljacke und Packhaken auf einen blutigen Rachefeldzug zu gehen.

Ein weiterer Pluspunkt von SCREAM WEEK dürften die Darstellerinnen und Darsteller sein, die sich hier durchweg sehr professionell in ihren jeweiligen Rollen bewegen. Besonders hervorheben kann man da die Schauspielerin Carolien Spoor, die ihre Rolle als Merel recht glaubwürdig umsetzt, sowie Jord Knotter, dem man seine Rolle als Boris, der bisweilen einen unberechenbaren Fixpunkt innerhalb der Handlung darstellt, nur zu gerne abnimmt. Aber wie gesagt wird man auch sonst in Sachen darstellerischer Leistungen in SCREAM WEEK durchaus auf einem recht hohen Niveau als Zuschauer verwöhnt.

Und wenn wir es hier auch eben mit einer über weite Strecken recht gelungenen und bisweilen sogar erfrischenden Kopie eines anderen Slasher-Film aus den USA zu tun haben, so ist es keine verschenkte Lebenszeit, wenn man sich SCREAM WEEK trotzdem ansieht. Denn in Sachen Spannung, darstellerischen Leistungen und zumnindest im Finale mit einer doch recht überraschenden Wendung, wird man hier durchaus auf recht hohem wie modernisiertem Niveau bedient. Wobei ich allerdings bei den doch recht unterschiedlichen Angaben der Laufzeit nicht gänzlich ausschließen möchte, dass hier die deutsche Zensurschere durchaus auch wieder etwas zugeschlagen haben dürfte, denn zwischen der Originalspielzeit von 112 Minuten und den 108 Minuten bei der z.B. angebotenen Blu-ray sind es nach meiner Rechnung doch satte vier Minuten, die im Bermudadreieck der sogenannten Freiwilligen Selbstkontrolle spurlos verschwunden sein könnten.

Für den überraschend angenehmen Filmabend seitens Tele5 gibt es von meiner Seite aus daher für den Film SCREAM WEEK durchaus noch recht gute drei von insgesamt fünf Stichsägen als Höchstbewertung. Zwei dicke Stichsägen muss ich SREAM WEEK jedoch abziehen, weil der Großteil der Handlung doch wirklich recht abgekupfert wirkt, so das dies wirklich jedem Horror- und Slasher-Fan leider direkt mit Volldampf ins Auge springen muss. Da hätte man mit wesentlich mehr wirklich eigenen Ideen hinsichtlich der Grundhandlung auch ein wirkliches Highlight des Subgenre draus machen können. Allerdings will ich hier aber auch nicht so vermessen sein, um in der Nachbetrachtung nun völlig die Erfindung des Rades in Sachen Slasher nochmals einzufordern. Dies schließt natürlich dann auch mit ein, sich diesen niederländischen Beitrag des Subgenre zumindest vorurteilsfrei mal anzusehen.

Scream WeekScream Week
(Sneekweek)
mit Carolien Spoor, Jelle de Jong, Jord Knotter, Holly Mae Brood, Yootha Wong-Loi-Sing, Sanne Langelaar, Jonas De Vuyst, Kimberley Klaver, Marly van der Velden, Frank Lammers, Ferry Doedens, Diederik Ebbinge, David Lucieer u.a.
Regie: Martijn Heijne
Drehbuch: Alex van Galen
Produktion: Klaas de Jong
Musik: Keine Angaben vorhanden
Genre: Slasher/Thriller
DVD/FSK: 16 Jahre
Laufzeit: 108 Minuten (BD)
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Niederlande 2016

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