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Ein Unwetter und jede Menge Verrückter - »The Old Dark House«

The Old Dark House Ein Unwetter und jede Menge Verrückter
»The Old Dark House«

Bevor wir uns etwas in die Handlung dieses Films aus dem Jahre 1932 machen, sei hier schon einmal verraten, dass sich dieser Film, der sogar einige Zeit als verschollen galt, sich auch in der ULTIMATE CLASSIC HORROR COLLECTION (6 Horrorfilme auf 2 DVDs) befindet, wo er auch auf der Rückseite des Covers unter dem Titel DAS ALTE FINSTERE HAUS mit einer kleinen Inhaltsangabe angekündigt wird.

The Old Dark HouseDiesen deutschen Titel trug der besagte Film in Deutschland jedoch eigentlich nicht.

Denn als deutscher Titel wurde ebenfalls der Originaltitel THE OLD DARK HOUSE genutzt. Gleichsam gab es noch zwei Alternativtitel die DAS HAUS DES GRAUENS oder aber DAS HAUS DES SCHRECKENS lauteten. Dafür ist unter dem deutschen Titel DAS ALTE FINSTERE HAUS (Originaltitel ebenfalls THE OLD DARK HOUSE) das spätere Remake dieses Filmes bekannt, welcher von William Castle (US-amerikanischer Regisseur und Produzent) in Zusammenarbeit mit dem britischen Hammer-Studio gedreht wurde und im Jahre 1963 in die Kinos kam.

Wie schon der Film von James Whale aus dem Jahre 1932 basiert auch das komödiantische Remake von William Castle auf dem Roman VON DER NACHT ÜBERRASCHT (Originaltitel: BENIGHTED) von John Boynton Priestley aus dem Jahre 1927.

Da der Film aus dem Jahre 1932 eben über viele Jahre als verschollen galt, war es dann durchaus ein Glücksfall, als man um 1970 herum die Original-Filmrollen wiederentdeckte. Auf der besagten DVD der ULTIMATE CLASSIC HORROR COLLECTION kommt dieser Film mit seinem recht (eigentümlichen) schwarzen wie typisch britischen Humor dabei durchaus mit einem recht ansprechenden Bild- und Tonformat daher, so das es an diesem Punkt eigentlich nichts zu bemängeln gibt. Das der Film von 1932 dann allerdings bis 1994 ausharren musste, bis das er zumindest wieder im Fernsehen ausgestrahlt werden konnte, lag an den Copyright-Rechten des Remake aus dem Jahre 1963 seitens William Castle. Whales Originalfilm, der mit jeder Menge schwarzer Ironie bestückt ist, konnte damals in den englischen Kinos durchaus ein sehr breites Punlikum für sich verbuchen. In den USA gelang dies dem Film THE OLD DARK HOUSE jedoch damals nicht.

Sturm und sintflutartiger Regen in den Bergen von Wales:

"Alle um mich herum sind verrückt, nur ich bin normal."

(Dialog seitens Rebecca Femm (Eva Moore) in THE OLD DARK HOUSE)

Der Regen hat sich zu einer wahren Sintflut entwickelt, während in der Nacht und bei diesem Unwetter in den Waliser Bergen Philiph Waverton, seine hübsche Frau Margaret und deren Freund Roger Pendrel mit ihrem Auto die kaum noch befahrbaren Straßen durchqueren.

The Old Dark HouseAls dann durch den Regen auch noch Schlamm und Geröll in Bewegung geraten und die Straße scheinbar völlig unbefahrbar zu machen drohen, bleibt ihnen nur noch der Weg zu einem einsam gelegenen düsteren Haus, welches sie in diesem Augenblick noch erkennen können. Doch wirklich freundlich werden sie hier nicht gerade empfangen. Schon der stumme Butler wirkt wie eine offensichtliche Bedrohung, die man besser nicht aus den Augen lässt.

Aber auch die Gastgeber erfüllen unsere Reisenden nicht gerade mit einem Gefühl der erhofften Sicherheit.

"Sie erfüllten dieses Haus mit Gelächter und Sünde, mit Gelächter und Sünde."

(Dialog seitens Rebecca Femm (Eva Moore) in THE OLD DARK HOUSE)

Da ist zum einen der exzentrische Horace Femm, der sich als ein sonderbares Exemplar eines Atheisten herausstellt. Allerdings auch seine Schwester Rebecca scheint nicht wirklich alle Latten am Zaun zu haben. Die stellt sich hierbei allerdings als eine religiöse Fanatikerin heraus, die jedoch alles daran setzt, sich wie eine alte Hexe zu gebärden. Und der stumme Butler Morgan neigt unter dem übermäßigen Genuss von Alkohol sichtlich zu heftigen Gewaltausbrüchen. Und betrunken scheint Morgan wohl ständig zu sein.

Zwar verweigert Rebecca den eher ungebetenen Gästen ein Bett für die Nacht, allerdings läd man sie doch recht freundlich zum gemeinsamen Abendessen ein. Und während man speist und sich mit den seltsamen Gastgebern unterhält, treffen in Gestalt des Millionärs Sir William Porterhouse und seiner jungen weiblichen Begleitung Cladys DuCane zwei weitere Reisende am Haus ein, um hier Schutz vor dem Unwetter zu suchen.

> "Schöner Stoff, er wird verrotten. Auch ihre schöne Haut, auch die verrottet mit der Zeit!" <
(Dialog seitens Rebecca Femm (Eva Moore) in THE OLD DARK HOUSE)

Doch so wirklichen Schutz und Geborgenheit wird man im finsteren Haus der Femms wohl nie finden. Denn während sich z.B. Roger Pentrel in die hübsche Tänzerin Cladys verliebt, geht der betrunkene Morgan auf die eh schon durch Rebecca eingeschüchterte Margaret los, wird aber nach einem Zweikampf erst einmal von Philiph ins Land der Träume geschickt.

Und recht bald müssen unsere Durchreisenden auch erkennen, dass Horace und Rebecca nicht die einzigen, ziemlich verstörenden Bewohner dieses finsteren Hauses sind. Und was dann folgt, dürfte der reinste Psychoterror für unsere unfreiwilligen Gäste sein, denn keiner der Familie Femm scheint wirklich über einen geistigen Normalzustand zu verfügen. Dafür folgt in dieser stürmischen Nacht allerdings ein schauriger Schrecken dem nächsten.

The Old Dark HouseEin kurzer Blick auf den Regisseur und einige Schauspieler:
Bei THE OLD DARK HOUSE handelt es sich nicht um die erste Zusammenarbeit zwischen James Whale und dem Schauspieler Boris Karloff. Denn beide arbeiteten schon 1931 beim Film FRANKENSTEIN zusammen, bei dem Whale ebenfalls Regie führte. Dies sollte sich dann nach THE OLD DARK HOUSE nochmals bei FRANKENSTEINS BRAUT wiederholen. Ebenfalls Regie führte Whale übrigens 1933 bei dem Horrorfilm DER UNSICHTBARE. Doch auch wenn man glaubt, bei dieser Konstellation seitens Whale (Regie) und Boris Karloff (Butler Morgan) recht bald innerhalb der Handlung auf Monster zu treffen, die Amok laufen, oder das verrückte Wissenschaftler sich hier im finsteren Haus die Klinke in die Hand geben, der wird sehr bald eines Besseren belehrt.

Der Film lebt förmlich von orakelhaften Dialogen, einer düsteren Atmosphäre und eben dem zusammenprall der unterschiedlichsten Charaktere. So bekommt der Zuschauer zwar ein recht makabres Kammerspiel geboten, in dem man zwar ständig das schrecklichste erwarten könnte, bei dem jedoch am Ende jeder lebend wieder die Stätte des nächtlichen Grauens ohne wirkliche Verletzungen verlassen kann. Im Licht des neuen Tages scheinen also alle wieder irgendwie ihrem normalen Leben nachgehen zu können. Sofern man bei den Angehörigen der Familie Femm überhaupt von "normal" reden kann.

Raymond Hart Massey, der hier den Philiph Waverton spielt, dürfte man indessen aus Filmklassikern wie ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN (1944) oder JENSEITS VON EDEN (1955) her kennen. Wirklich bekannt wurde er allerdings damals durch seine Rolle als Abraham Lincoln in dem Film ABE LINCOLN IN ILLINOIS (1940).

Melvyn Douglas, der hier den Roger Pendrel spielt, hatte auch schon neben Greta Garbo in WIE DU MICH WÜNSCHST (1932) gespielt, wechselte aber 1934 erst einmal vom Film wieder an den Broadway. Hier brachte ihn erst ein lukratives Angebot der Columbia wieder nach Hollywood. Als bester Nebendarsteller konnte er später in insgesamt zwei Filmen den Oscar abräumen. Hierbei handelte es sich um die Filme DER WILDESTE UNTER TAUSEND (1963) sowie WILLKOMMEN MR. CHANCE (1979). Seine bekannteste Rolle dürfte er allerdings in dem Film NINOTSCHKA absolviert haben, in der er es auch schaffte, Greta Garbo, mit der er hier wieder zusammen spielte, zum Lachen zu bringen.

The Old Dark HouseCharles Laughton war ein britischer und später amerikanischer Schauspieler, der schon damals zu den wirklichen Größen von Hollywood zählte. So dürfte er unter anderem durch Filme wie MEUTEREI AUF DER BOUNTY (1935), DER GLÖCKNER VON NOTRE DAME (1939), oder UNTER SCHWARZER FLAGGE (1945) bekannt sein. In SPARTACUS (1960) spielte er zudem neben Kirk Douglas die Rolle des Sempronius Gracchus.

Gloria Stuart, welche hier die Rolle der Margaret Waverton spielte, konnte filmisch damals einige kleinere Erfolge feiern. So zum Beispiel in einem weiteren Film von James Whale mit dem Titel DER UNSICHTBARE (1933), DIE GOLDGRÄBER VON 1935 (1935) oder DER GEFANGENE DER HAIFISCHINSEL (1936). Späterhin zog sie sich jedoch aus dem Filmgeschäft weitgehend zurück und war ab 1975 eher in einigen Fernsehfilmen zu sehen gewesen. Ein riesiges Comeback in Hollywood gelang ihr 1997 in der Rolle der älteren Rose im Film TITANIC von James Cameron. Hierbei gelangen der damals bereits 87-jährigen Gloria Stuart auch noch zwei weitere Besonderheiten. So wurden hier zum ersten mal zwei Schauspielerinnen für die gleiche Figur im Film für den Oscar nominiert. So wurde Stuart in der Rolle der älteren Rose als beste Nebendarstellerin nominiert, während Kate Winslet in der Rolle der jungen Rose als beste Hauptdarstellerin nominiert wurde. Außerdem war Gloria Stuart mit eben 87 Jahren die bisher älteste Schauspielerin, die jemals für einen Oscar nominiert wurde. Zum letzten mal stand sie noch in einer kleinen Nebenrolle vor der Kamera für den Film LAND OF PLANTY unter der Regie von Wim Wenders (2004). Stuart verstarb im September 2010 in Los Angeles/Kalifornien mit runden 100 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

The Old Dark HouseMeine Filmkritik:
Für einen Film aus dem Jahre 1932, dessen Original-Filmrollen auch noch bis ca. 1970 faktisch verschollen waren, kommt der Film auf der mir vorliegenden DVD-Box der ULTIMATE CLASSIC HORROR COLLECTION durchaus in der Ton- wie Bildqualität recht ansprechend daher. Man muss allerdings auch sagen, das alle sechs Horrofilme der DVD-Box nur deutsch Synchronisiert daher kommen (bis auf einen Stummfilm) und eine Original-Tonspur somit bei den Filmen hier völlig fehlt.

Mitunter trieben mir so manche Dialoge und auch Szenen auch schon mal ein kleines Schmunzeln um die Mundwinkel. So richtig wollte der Humor jedoch in dieser Horrorkomödie nicht überspringen. Zwar mag ich den schwarzen Humor der Engländer eigentlich durchaus recht gerne, doch hier versinkt so manches in einer eher melodramatischen Groteske, die eher an langsamen Treibsand erinnert. So kam ich also nicht über das typisch (zumindest) anerkennende Schmunzeln hinaus. Und selbst Boris Karloff musste sich als stummer, eher nur grunzender Diener Morgan nicht wirklich darstellerisch verbiegen, denn das kannte er ja wohl noch recht gut aus dem Film FRANKENSTEIN von 1931 und musste dies hier nur ohne die Maske des Monsters nochmals abspulen. Allerdings muss ich auch gestehen, das auch er zu Beginn des Films ein Schmunzeln bei mir entfachte, als es an die Essensausgabe am Tisch ging. Warum mir dabei allerdings nun ständig DINNER FOR ONE eingefallen ist, kann ich nun wirklich nicht erklären.

Für damalige Verhältnisse in Sachen Spezialeffekte, wurde der Film THE OLD DARK HOUSE jedoch recht ansprechend auch mit einigen Tricks und einer düsteren Atmosphäre umgesetzt. Besonders sei hier bei den Tricks die Szene zu nennen, in denen im Regen plötzlich die Stein- und Schlammmassen dem Wagen jede Möglichkeit abschnitten, die Straße noch weiter gefahrlos befahren zu können.  Wirklich prächtig gefallen hatte mir indessen schauspielerisch Ernest Thesiger, der ein feines Händchen darin hatte, irgendwo zwischen Tragik, Humor und Verrücktheit immer wieder den richtigen Punkt zu treffen. Das will hier aber nun nicht im Rückschluss heißen, dass die anderen Schauspielerinnen und Schauspieler schlecht gewesen wären. Ganz im Gegenteil, aber Thesinger hatte für mich eben diesen gewissen positiven Kick mehr gehabt, den ich schon bei ihm im Film FRANKENSTEINS BRAUT aus dem Jahre 1935 als Dr. Prätorius bereits zu schätzen gelernt hatte.

Nun kann ich hier keine Vergleiche zum Remake aus dem Jahre 1963 seitens Castle und der britischen HAMMER Filmproduktion ziehen, da ich auch diese Neuverfilmung bisher noch nicht gesehen habe. Aber zumindest das Original mochte trotz seiner durchaus finsteren Atmosphäre und manchen unheimlichen Dialogen nicht immer für eine gruselige wie kurzweilige Stimmung bei mir sorgen. Das merkt man schlicht schon daran, wenn einem mit der Zeit selbst die ca. 70 Minuten Spielzeit bald etwas zu lang vorkommen und man auch als Zuschauer ab und an mit den Augen zu kämpfen hat, weil die Handlung mitunter einen doch etwas einzuschläfern droht. Diese Müdigkeit mag bei mir an drei wesentlichen Faktoren gelegen haben. Der erste Faktor ist hier die bereits zu Beginn aufkommende völlige Durchschaubarkeit der Handlung. Der zweite Faktor liegt daran, dass der Humor nicht nur Grotesk sondern auch zuweilen schwermütiger Natur war, der so allerdings nur leider selten wirklich zündete. Und der dritte Faktor mag darin begründet gewesen sein, dass ich vorher lecker gegessen hatte und danach eh mitunter mal mit der Müdigkeit zu kämpfen habe. Trotzdem kommt THE OLD DARK HOUSE bei mir für einen Film aus dem Jahre 1932 immer noch auf mindestens drei von insgesamt fünf Kerzenständer als Höchstbewertung, zumal diese Horrorkomödie auch eher untypisch völlig ohne beklagenswerte Opfer auskommen durfte.   

The Old Dark HouseThe Old Dark House
(Deutscher Alternativtitel: Das Haus des Schreckens)
mit Boris Karloff, Ernest Thesiger, Eva Moore, Melvyn Douglas, Gloria Stuart, Raymond Massey, Lilian Bond, Charles Laughton, Elspeth Dudgeon, Bremer Wills u.a.
Regie: James Whale
Drehbuch: Benn W. Levy, R.C. Sherriff
Produktion: Carl Laemmle Jr.
Musik: David Broekman
Genre: Horror/Komödie
Laufzeit: 70 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Rezensierte Version: Ultimate Classic Horror Collection (2-Disc-Box/2015/Gesamtspieldauer 467 Minuten)
Vertrieb: SchröderMedia HandelsGmbH
Einzelfilm Vertrieb: Alive - Vertrieb und Marketing/DVD
Format: Digital Remastered
Vertrieb seit: 2004 mit deutscher Synchronisation
USA 1932

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