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Schöne Wälder, böser Terror und ein Kinderwunsch - »Timber Falls«

Timber Falls Schöne Wälder, böser Terror und ein Kinderwunsch
»Timber Falls«

Sheryl und ihr Freund Mike wollen ein ganzes Wochenende nur für sich in der freien Natur. Für zwei Verliebte sollte es daher eigentlich recht spaßig verlaufen. Doch schon bei der Auswahl eines geeigneten Wanderweges, werden sie auf ein paar, wenn auch nicht direkt bedrohliche Besonderheiten hingewiesen. Denn nicht jeder Pfad wird häufig benutzt und ein Unfall könnte da mächtige Probleme bereiten. Die Beiden lassen sich allerdings davon nicht wirklich entmutigen.

Timber FallsSpäterhin treffen sie im auf ihrem Trip auf Ida, eine recht nette Frau, die ihnen allerdings gerade den Rat gibt, den Wanderweg von Timber Falls einzuschlagen. Dieser ist zwar etwas einsamer gelegen, aber auch der schönste in den Wäldern. Sheryl und Mike schlagen daher alle bisherigen Warungen in den Wind und folgen diesem Pfad, welcher durchaus etwas fürs Auge zu bieten hat.

Und wie das in der Natur bei zwei Verliebten nun einmal so ist, wenn man sich eigentlich unbeobachtet fühlt, wallen die Hormone hoch und  man kommt sich sehr nahe. Doch bevor auch der letzte Stofffetzen fällt, machen die beiden plötzlich unliebsame Bekanntschaft mit drei jungen Einheimischen, die ziemlich bedrohlich auftreten. Im allgemeinen kommen Mike und Sheryl aber wohl noch recht gut aus dieser unschönen Misere heraus, ohne das es zur gewaltsamen Eskalation kommt.

Beide ziehen jedenfalls danach weiter, um möglichst einen großen Abstand zu den Burschen zu gewinnen. An einem recht schönen See angekommen, beschließen sie dann, ihr Zelt für die Nacht aufzuschlagen. Doch durch die bisherigen Vorkommnisse haben beide immer noch ein etwas ungutes Gefühl.

Am nächsten Morgen, als Sheryl als erste erwacht, ist allerdings auch dies vergessen, als sie den herrlichen Blick auf den See genießt. Mike wacht etwas später auf, doch bis auf ein Schmuckstück am Ufer, welches Sheryl trug, ist von ihr weit und breit schon nichts mehr zu sehen. Sheryl scheint wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Dabei fallen Mike natürlich zuerst gleich wieder die rüpelhaften Burschen ein, als er sich auf die Suche nch seiner Freundin macht.

Als er dann auch noch auf einen der drei trifft, der sogar noch ein Kleidungsstück von Sheryl bei sich führt, kommt es zu einer brutalen Auseinandersetzung. Das der Bursche dieses Kleidungsstück im Wald gefunden haben will, will Mike ihm jedenfalls so recht nicht abkaufen. Da sein Gegner aber nun vom Zweikampf mehr als nur ziemlich mitgenommen ist, lässt Mike ihn zurück und macht sich weiter auf die Suche. Doch in einem unachtsamen Augenblick verletzt auch Mike sich bald schwer, als er plötzlich in eine Bärenfalle tritt, aus der er sich selbst nun nicht mehr befreien kann.

Timber FallsDoch er scheint Glück im Unglück zu haben, denn plötzlich taucht Ida wieder bei ihm auf, kann den verletzten Mike befreien und nimmt ihn mit in ihre Hütte im Wald um seine schwere Verletzung zu versorgen. Mike ist ihr dafür durchaus dankbar, doch er macht sich weiterhin Sorgen wegen Sheryl und bittet Ida, telefonisch Hilfe zu rufen. Doch recht bald muss er feststellen, dass mit Ida und ihrem Verhalten etwas überhaupt nicht stimmt. Er ahnt jedoch nicht einmal, wie gefährlich die Situation nicht nur für ihn, sondern auch für Sheryl ist, die nicht einmal so weit weg von ihm bereits unter ihm in einer Art Kellergruft gefangen gehalten wird.

Das dann auch noch der Gesetzeshüter der Ehemann der fanatisch religiösen Ida ist, setzt dem ganzen dann auch noch die Krone auf. Bald ist auch Mike wie Sheryl ein Gefangener dieser Einheimischen, die alles daran setzen das Mike Sheryl schwängert. Denn Ida, die selbst schon einige Fehlgeburten hinter sich hat, will endlich ein gesundes Kind ihr Eigen nennen, egal wie grausam sie hierfür auch vorgehen muss.

Timber FallsTerror ohne mutierte Hinterwäldler?
Man fühlt sich bei dem Schocker TIMBER FALLS (2007) recht schnell an Filme wie etwa WRONG TURN (2003) erinnert, wo plötzlich ziemlich degenerierte Rednecks mit kannibalischen Anwandlungen über ihre jungen Opfer herfallen bzw. diese durch die Wälder jagen. Doch weit gefehlt. Hier gibt es nur einen degenerierten Täter und der ist eigentlich eher nur ein ausführendes Objekt innerhalb der Gesamtfamilie, die bis auf ihren religiösen Wahn und ihrem verwerflichen Ziel doch recht normal daher kommen.

Deacon, wie dieser degenerierte Bursche heißt, ist eigentlich nur wegen einem Brand körperlich so entstellt. Allerdings was die Intelligenz angeht, ist auch er nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte. So hat er auch keine Probleme damit, entsprechende weibliche Opfer von Ida und Clyde umzubringen (wie man direkt zu Beginn des Films erahnen kann). Bei Sheryl wallen allerdings auch bei Deacon die Gefühle hoch. Nur leider verwechselt er hierbei irgendwie Zuneigung mit Sex, was für Sheryl eine zusätzliche Bedrohung darstellt, die allerdings wiederum Ida und Clyde kaum gefallen dürfte.

Positiver Weise wird Deacon nicht als völlig durchgeknallter Freak dargestellt, sondern hat eher sogar wesentliche Züge, die eher darauf hinweisen, dass er irgendwann geistig im Stadium eines Kindes hängen blieb, während er körperlich weiter herangewachsen ist. Ebenfalls positiver Weise hat man sich seitens der Regie, dem Drehbuch und der Produktion aber innerhalb der eigentlichen Handlung zurückgehalten, diese Figur nun auch als zentrale Bedrohung für Mike und Sheryl aufzubauen, was den Film durchaus spannender macht und die finstere Atmosphäre weiter bedrohlich verdichtet. Denn mit Ida und Clyde (letzterer ist ja sogar ein Gesetzeshüter aus der Gegend) hat man hier zwei recht grausame wie gefährliche Figuren geschaffen, die nach außen eher recht gottesfürchtig aber trotzdem eigentlich als recht normal durchgehen würden. Nimmt man die drei halbstarken Rüpel hinzu, wird der Zuschauer zu Beginn auch eher etwas vom eigentlich gefährlichen Bösen innerhalb der Handlung abgelenkt, denn Ida und Clyde treten beide unabhängig voneinander zuerst eher als recht liebenswerte Menschen in Erscheinung. Doch der erste Eindruck kann bekanntlich trügerisch sein, wie man als Zuschauer dann eben feststellen muss.

Timber FallsIn diesem Punkt kann man TIMBER FALLS schon eher in eine Reihe mit Filmen wie WOLF CREEK (2005) oder TURISTAS (2006), entfernt allerdings auch mit HOSTEL (2005) stellen, der allerdings samt seinen Fortsetzungen nicht in der freien Natur angesiedelt war. Und auch wenn das Budget wohl auch bei TIMBER FALLS nicht üppig ausgefallen sein dürfte, so kann dieser Beitrag aus der filmischen Terror-Welle durchweg mit sehr guten Darstellerinnen und Darstellern, aber auch mit einer spannungsgeladenen Handlung und einer gut aufgebauten und sehr bedrohlich wirkenden Atmosphäre punkten. Der Film mag daher also vom finanziellen Aspekt aus betrachtet, eher zu den B-Movies gehören, fällt in diesem Punkt allerdings nicht negativ in dieser Form auf. Dabei ist Regisseur Tony Giglio durchaus für sein Händchen in Sachen B-Movies bekannt.

Nun bricht der Film TIMBER FALLS in Sachen Slasher-, Folter- und Terrorkino natürlich nicht zu völlig neuen Ufern auf, allerdings gelingt es hier durchaus recht gut und ansprechend, eine Handlung auf den Weg zu bringen, die den in diesen Bereichen des Genre bewanderten Zuschauer und/oder Fan trotzdem gespannt zu fesseln. Dies liegt z.B. auch daran, dass man hier leidlich bekanntes zwar nutzt, allerdings innerhalb der Handlung selbst in Bahnen lenkt, die man so vielleicht nicht direkt erwartet hätte.

Einen großen Beitrag leisten aber auch die jeweiligen Darstellerinnen und Darsteller. So nimmt man Ida (gespielt von Beth Broderick) und Clyde (gespielt von Nick Searcy) zu Beginn ohne mit der Wimper zu zucken das Trugbild von netten und hilfsbereiten Mitmenschen ab. Und mal ehrlich, welcher Zuschauer würde Clyde zu Beginn ernsthaft abnehmen, eine extreme Bedrohung zu sein? Kommt er doch z.B. eher als liebenswerter netter Herr daher, der eigentlich wohl eher zufällig in die Uniform eines Gesetzeshüters gestolpert sein dürfte, der hier nun nichts anderes tut, als Auseinandersetzungen zwischen Waschbären und Eichhörnchen zu schlichten. Und Beth Broderick steht ihm da als anfänglich "hilfsbereite" und "freundliche" Ida in nichts nach. Man würde jedenfalls am Anfang des Films nicht unbedingt darauf kommen, dass diese Beiden im nächsten Augenblick für ein junges Liebespaar die Tore zur Hölle öffen können.

Aber auch Brianna Brown (Sheryl) und Josh Randall (Mike) nimmt man das verliebte Paar durchaus zu jedem Zeitpunkt unbesehen ab. Dies ziehen sie dann natürlich auch durch bis für sie die Hölle eintritt, wo sie auch als Opfer glaubwürdig herüber kommen, ohne in unbedachten Momenten mit kleinen, aber auffällig unlogischen Handlungsweisen eventuell negativ aufzufallen.

Ob es nun unbedingt noch eines entstellten und nicht gerade intelligenten Freaks fürs Grobe wie Deacon (gespielt von Sascha Rosemann) bedurft hätte, wage ich hier allerdings mal zu bezweifeln. Hier zieht man eigentlich ohne wirkliche Not ein Klischee solcher Horrorfilme an den Haaren aus dem Hut, ohne das man dieses wirklich benötigt hätte. Aber auch das "glückliche" Ende, welches wohl nicht glücklich verlaufen dürfte, kennt man schon aus unzähligen ähnlichen Filmen und wirft den Zuschauer dann auch nicht mehr wirklich vom Hocker.

Doch sei es wie es ist. Denn diese zwei kritischen Punkte lassen sich hinsichtlich der recht ansprechenden Gesamthandlung durchaus verschmerzen.

Timber FallsMeine Filmkritik:
Auch wenn TIMBER FALLS ein filmischer Ableger des Terrorkinos ist, so werden blutige, bzw. gewalttätige Szenen hier nicht ohne Sinn und Verstand abgespult. Diese Szenen gibt es natürlich auch hier zu bewundern, doch fügen diese sich logisch und nachvollziehbar in die Gesamthandlung ein, ohne aufgesetzt zu wirken, um nur ja möglichst viele Schockeffekte einbauen zu können.

Die Handlung ist durchaus recht einfach, aber trotzdem in der Umsetzung auch recht einfallsreich umgesetzt worden, so das der Film TIMBER FALLS auch locker auf weitere, jedoch dann eher unnötige blutige Effekte oder den üblichen Fleischbeschau in den eher erotischen Momenten verzichten kann, die mitunter dann aber auch eher nur noch aufgesetzt wirken.

Der Unterschied liegt schlicht darin, dass ein Film selbst mit einer einfach zu bezeichnenden Handlung durchaus mit solch blutigen Effekten realistisch aufgewertet werden kann, während andere, ähnliche Produktionen durch viel Blut, Folter und Sex eine kaum wirklich durchdachte und bisweilen daher auch unlogische Handlung nur überdecken wollen. Im Fall von TIMBER FALLS stimmt die Mischung jedenfalls und so kann dieser Film auch in Sachen Spannung und düstere Atmosphäre den Zuschauer durchaus sehr gut zufriedenstellen.

Wirklich in Sachen Bestleistung hätte der Film dann noch den Vogel abgeschossen, hätte man auf den mörderischen wie unintelligenten Freak und die recht vorhersehbare Schlusszene verzichtet, die eigentlich dem Zuschauer noch mal einen schaurigen Kick verpassen sollte.  Denn die Figur des Deacon war im gesamten Film schlicht nicht dafür geschaffen, am Ende in die ihm viel zu großen Schuhe von Michael Myers (HALLOWEEN) oder eines Jason Voorhees (FREITAG DER 13) zu treten, um jeglichen Versuch ihn zu töten, dann locker wegzustecken.

Ich persönlich kann diese zwei kleinen Entgleisungen innerhalb der Gesamthandlung jedoch noch locker zu einem einzigen Negativpunkt zusammenfassen, so das der Film TIMBER FALLS mit insgesamt vier von fünf positiven Punkten als Höchstbewertung noch immer sehr gut dasteht. Eine Empfehlung, sich den Film durchaus mal anzusehen, gibt es da von mir gleich auch noch oben drauf, denn es gibt mit Sicherheit einige Filme der gleichen Sparte, die trotz jeder Menge Blut-, Folter- und Sexszenen, aber leider mit einer unterirdisch zu nennenden Handlung wesentlich schlechter abschneiden.

Timber FallsTimber Falls
(Timber Falls)
mit Brianna Brown, Josh Randall, Nick Searcy, Beth Broderick, Sascha Rosemann, Branden M. Morgan, Debbie Jaffe, T.W. Leshner, Ryan Wiik, Suzanna Urszuly, Carl Bressler, Ryan McGee  u.a.
Regie: Toni Giglio
Drehbuch: Daniel Kay
Produktion: Christopher Eberts, Steve Markoff, Kia Jam u.a.
Musik: Henning Lohner
Genre: Horror/Thriller
Laufzeit: 97 Minuten (BD)
DVD/FSK: 18 Jahre
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment
USA 2007

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