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Jedes Geräusch kann tödlich sein - »A Quiet Place«

A Quiet Place Jedes Geräusch kann tödlich sein
»A Quiet Place«

Evelyn und Lee Abbott leben mit ihren drei Kindern in einer dystopischen Welt, denn rätselhafte wie gefährliche Aliens haben die Erde völlig eingenommen und streifen nun überall herum. Diese Kreaturen besitzen scheinbar keine Sinnesorgane wie Augen oder für den Geruch, dafür ist ihr wichtigstes Sinnesorgan ein extrem gutes Gehör. Schon minimale Geräusche wie das knarzen einer Schuhsohle, oder ein unbedachtes Husten lockt diese mörderischen Kreaturen sofort an.

A Quiet PlaceBei ihrer Suche nach Medikamenten und anderen Dingen, die sie für das tägliche Überleben benötigen, ist es ihr jüngster Sohn Beau, der anfängt, in einem Laden mit einem batteriebetriebenen Spielzeug zu spielen. Abbott gelingt es gerade noch, dieses Spielzeug seinem kleinen Sohn wieder abzunehmen, denn jedes kleinste Geräusch würde zur tödlichen Katastrophe für die gesamte Familie führen.

Als sie sich wieder auf den Weg zu ihrer Farm machen, ist es ihre älteste, allerdings auch gehörlose Tochter Regan, die Beau dieses Spielzeug eines Space Shuttle wieder aushändigt, jedoch vorher die Batterien entnimmt und diese achtlos zur Seite legt. In einem unbeobachteten Moment greift sich Beau diese jedoch wieder und setzt sie erneut in das Spielzeug ein. Auf dem weiteren Weg passiert dann das schreckliche. Beau beginnt gedankenverloren mit dem Spielzeug zu spielen, welches elektronische Geräusche abgibt. Kaum das Abbott sich auf den Weg machen will, Beau dieses Spielzeug wieder wegzunehmen und damit das Leben seines jüngsten Sohnes zu retten, schlägt bereits eine der Kreaturen unbarmherzig zu und tötet den kleinen Beau vor den Augen seiner Familie.

Einige Zeit später, die Familie ist wieder auf der Farm, bemüht man sich ein scheinbar völlig normales Leben weiterzuführen. Doch alles ist darauf ausgerichtet, niemals ein Geräusch zu verursachen, um nicht die tödlichen Kreaturen anzulocken. Während Lee Abbott mit seinem Sohn Marcus wieder in die Wälder hinaus ziehen will, um am Fluss Fische aus den ausgelegten Fallen zu holen, zeigen sich jedoch ernste Differenzen zwischen ihm und seiner Tochter Regan, die glaubt, das er ihr die Schuld für den Tod von Beau anlastet.

Doch die Gefahr wird zunehmend größer, denn Evelyn ist wieder Schwanger und die Geburt ihre Kindes steht bald bevor. Als dann plötzlich ihre Fruchtblase platzt so dass das Baby einige Tage zu früh auf die Welt kommen wird, passiert es. Durch ein ungewolltes Geräusch wird eine der Kreaturen angelockt und befindet sich kurz darauf bereits in ihrem Farmhaus. Und dann setzen bei Evelyn auch noch schmerzhaft die Wehen ein.

Dabei ist es Regan, die ohne es eigentlich zu wollen eine Schwachstelle der Kreaturen entdeckt, als sie ein Hörgerät entdeckt, welches ihr Vater für sie repariert hat. Denn eine akustische Rückkopplung erweist sich als Schwachpunkt für die Kreaturen aus dem Weltraum. Gelingt es der Familie Abbott, diese Gefahr noch einmal abzuwenden? Evelyn jedenfalls ist fest entschlossen, ihre Kinder um jeden Preis zu beschützen.

A Quiet PlaceWenn jedes Geräusch zum Schockeffekt wird:
Der Film A QUIET PLACE, der neben dem Golden Globe Awards, über die British Academy Film Awards bis hin zur Oscarverleihung im Jahre 2019 jede Menge weitere Nominierungen und Auszeichnungen verbuchen konnte, dürfte auch der Film sein, der in den Kinos dafür sorgte, dass sich selbst die Zuschauer recht schnell jedes unbedachte Geräusch verkniffen - ja sich sogar vor diesen selbst bald erschreckten. Und natürlich habe ich euch nun nicht alles aus der Handlung (im oberen Bereich) erzählt, so das noch einiges an spannenden Momenten vorhanden ist. Aber dafür müsst ihr euch den Film schon selbst ansehen.

Dabei ist die Handlung an sich durchaus recht durchschaubar seitens John Krasinski (Regie/Hauptdarsteller und beteiligt am Drehbuch) angelegt gewesen. Dem Film selber, der eine gekonnte Mischung aus den Genre Dystopie mit Elementen des Horror verbindet, gelingt es jedoch schon fast spielerisch ab dem ersten Augenblick, den Betrachter durch eine sehr spannende wie dichte Atmosphäre zu fesseln. Dabei kommt der Film fasst sogar ohne größere Dialoge aus, denn wenn, dann wird hier nur recht kurz angebunden das wichtigste geflüstert, während die meiste Unterhaltung zwischen den einzelnen Figuren per US-Gebärdensprache abläuft. Letzteres führt übrigens dazu, dass man hier auch mit entsprechenden Untertiteln arbeitet, um den Zuschauern den Inhalt der Kommunikation näher zu bringen. Und dies klappt sogar recht gut und wirkt sich bald schon innerhalb der Handlung als nicht mehr störend aus.

A Quiet PlaceHinzu kommt dann noch das fasst schon perfekt zu nennende Schauspiel der Darstellerinnen und Darsteller. So ist John Krasinski (JARHEAD - WILLKOMMEN IM DRECK/2005 oder DETROIT/2017), der hier den Vater Lee Abbott spielt, auch im realen Leben mit der Schauspielerin Emily Blunt (DER TEUFEL TRÄGT PRADA/2006 oder MARY POPPINS' RÜCKKEHR/2018) verheiratet, die hier die schwangere Mutter Evelyn Abbott spielt. Dieser Umstand führt dazu, dass zu keiner Zeit die zwischenmenschliche Bindung der dargestellten Eltern im Film aufgesetzt oder gar unglaubwürdig erscheint. Eine weitere Besonderheit dürfte die junge Schauspielerin Millicent Simmonds sein, die hier nicht nur die gehörlose Tochter Regan Abbott spielt, sondern auch im realen Leben gehörlos ist. A QUIET PLACE war hierbei ihr zweiter Film nach WONDERSTRUCK (Jugendfilm/2017). Auch sie sorgt so im Film für eine geradezu überraschende Authentizität innerhalb der Handlung. Zu verstecken brauchen sich hierbei aber auch nicht der Jungdarsteller Noah Jupe (DIE MACHT DES BÖSEN/2017 oder HONEY BOY/2019) sowie der kleine Cade Woodward, dessen Blatt bis auf den Film A QUIET PLACE noch schauspielerisch unbeschrieben sein dürfte.

Zumindest dürfte A QUIET PLACE auch der Film sein, bei dem es  manchem Zuschauer zumindest im Kino sogar peinlich wurde, wenn er ein Geräusch beim Popcorn essen machte, wobei sich eventuell dann sein Nachbar in der Sitzreihe plötzlich hätte erschrecken können. Jedenfalls waren in den sozialen Netzwerken wie Facebook und Co. bald eine Menge Kommentare von Zuschauern zu lesen gewesen, die über die bald eintretende, extreme Stille inerhalb der Kinos berichteten, bzw. bald so vertieft in die Filmhandlung versunken waren, dass ein Geräusch von einem Sitznachbarn sie unangenehm aufschrecken konnte. Das Konzept aus der Filmhandlung "Wenn sie dich Hören, jagen sie dich", schien sich jedenfalls recht schnell auch auf die Kino-Gänger zu übertragen. Der Film A QUIET PLACE übertraf hinsichtlich der Zuschauerzahlen und der Einspielergebnisse auch recht bald  die in ihn gesetzten Erwartungen und konnte sich bereits am Startwochenende mit 50,2 Millionen US-Dollar vom Film READY PLAYER ONE seitens Steven Spielberg positiv absetzen. Insgesamt konnte sich A QUIET PLACE dabei sogar auf Platz 30 der erfolgreichsten Filme des Jahres 2018 platzieren.

A Quiet PlaceMeine Filmkritik:
Kann ein Film mich wirklich noch fesseln, wenn er kaum mit Dialogen daher kommt, mich dafür aber zwingt, mich auch noch auf Untertitel zu konzentrieren? Oder abgesehen davon, dass auch dieser Film nicht wirklich das Rad neu erfindet, was den grundsätzlichen Ablauf der Handlung betrifft?

Ja, er kann und das sogar mehr als recht positiv. Da reicht es mitunter schon, wenn plötzlich ein Nagel in Großaufnahme gezeigt wird, der sichtlich aus einer Stufe der Holztreppe heraus steht. Eigentlich weiß man ja als Zuschauer bereits, das irgendwann jemand aus der Familie mit den nackten Füßen genau in diesen Nagel hineintreten wird. Doch die wichtigere Frage lautet dann hier eher, gelingt es dann der betreffenden Figur auch, nicht gleich laut aufzuschreien und damit die blutrünstige Kreatur direkt anzulocken?       

Dies ist nur ein Beispiel von einem gut durchdachten, wenn auch eigentlich recht vorhersehbarem Szenario, welches logisch aufgebaut und umgesetzt, den Betrachter quasi mit aller Macht in die Handlung zieht. Und passiert dies dann, dann zuckt man förmlich als außenstehender Betrachter zusammen, als befände man sich selbst innerhalb der Handlung unmittelbar daneben. Schnell wird man so als Zuschauer nicht nur zu einem reinen Beobachter aus sicherer Position (also in meinem Fall dem heimischen Sofa), sondern fühlt unwillkürlich selbst ein beklemmendes Gefühl durch eine dann zwangsläufig nahende Bedrohung innerhalb der Handlung.

A Quiet PlaceMan wird also förmlich als Zuschauer in die bedrohliche Handlung des Films hineingezogen und beginnt recht schnell, mit den jeweiligen Figuren (und viele sind es hier wirklich nicht) mitzufiebern. Da merkt man dann auch bald recht schnell, wie sich die feinen Härchen an den Unterarmen aufrichten und sich eine Gänsehaut in Richtung Oberarme ausbreitet. Gerade die Arbeit mit Stilmitteln, die bei der heutigen Filmbranche recht ungewöhnlich anmuten (der nächste Schritt wäre ja quasi ein Stummfilm), gelingt es, ein Höchstmaß an Spannung zu generieren, welches wirklich seinesgleichen sucht. Ob dies allerdings nochmals in der Fortsetzung gelingt, die 2020 in die Kinos kommen soll, sei allerdings erst einmal dahin gestellt. Man darf allerdings gespannt sein, was man sich dann einfallen lässt, um diesen vorliegenden Genre-Mix aus dem Jahre 2018 noch toppen zu können. Mit THE SILENCE (2019) nach dem gleichnamigen Roman von Tim Lebbon kam ja bereits ein recht ähnlicher Horrorfilm um ein gehörloses Mädchen und dessen Familie in die Kinos, die sich durch eine dystopische Welt bewegen, in der jedes Geräusch tödlich sein kann. Nur handelt es sich bei den bedrohlichen Kreaturen hier nicht um Aliens, sondern um Fledermäuse, die durch parasitären Befall mutieren und alles töten, was auch nur das geringste Geräusch von sich gibt (seit dem 07. November 2019 bereits als DVD bzw. BD erhältlich). Aber auch der postapokalyptische Horrorfilm BIRD BOX - SCHLIESSE DEINE AUGEN (2018/nach einem Roman von Josh Malerman) schlägt ja ein wenig in eine ähnliche Kerbe. Nur muss man hier wegen angeblich dämonischer Kreaturen eine Augenbinde tragen, die einen Menschen bei ihrem Anblick direkt in den Wahnsinn treiben können (also eher blind als still).

A Quiet PlaceIm Gegensatz zum Film THE SILENCE, der durchaus eine Erklärung zum Beginn der apokalyptischen Verhältnisse bietet, verweigert der Film A QUIET PLACE dem Zuschauer jedoch eine erklärende Vorgeschichte. Hier weiß man nicht mehr, als das plötzlich eine Invasion dieser Aliens stattfand, ohne jedoch hierbei das Wie oder das Warum im Vorfeld zu thematisieren. Die Kreaturen scheinen einem Raubtier allerdings wohl ähnlicher zu sein als intelligenten Invasoren aus dem Weltraum. Auch springt man bei der Handlung von A QUIET PLACE als Zuschauer direkt ins kalte Wasser, da es direkt zu Beginn wohl kaum noch Überlebende gibt, die (noch) nicht Opfer der Kreaturen geworden sind. Zumindest trifft man während der Handlung aber noch kurz auf einen alten Mann, der jedoch beim Anblick seiner getöteten Frau den eigenen Tod durch einen Schrei geradezu provoziert. Dies macht den Film allerdings nicht schlechter, sondern regt sogar die eigene Fantasie an, indem man sich sogar nachträglich noch selbst Gedanken macht, wie diese Kreaturen nun auf die Erde gelangt sein könnten.

Der Film A QUIET PLACE weiß zu überzeugen und den Zuschauer geradezu sogartig mit in die Handlung zu ziehen. Die schauspielerischen Leistungen lassen ebenso nichts zu wünschen übrig und auch der Spannungsbogen bleibt während der gesamten Handlung auf einem beträchtlich hohen Niveau, so das ich hier nur die vollen fünf von insgesamt fünf Sterne als Höchstbewertung vergeben kann mit einer eindeutigen Empfehlung, sich diesen Film auf keinen Fall entgehen zu lassen.

A Quiet PlaceA Quiet Place
(A Quiet Place)
mit Emily Blunt, John Krasinski, Millicent Simmonds, Noah Jupe, Cade Woodward, Leon Russom
Regie: John Krasinski
Drehbuch: John Krasinski, Bryan Woods, Scott Beck
Produktion: Michael Bay, Andrew Form, Bradley Fuller
Musik: Marco Beltrami
Genre: Horror/Dystopie
Laufzeit: 87 Minuten (DVD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Universal Pictures/Paramount
USA 2018

 

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