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Und täglich grüßt der Serienmörder - »Wake Up and Die«

Wake Up and Die (Volver a morir) Und täglich grüßt der Serienmörder
»Wake Up and Die«

Hier werden wohl nicht wenige den Film UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER mit Bill Murray und Andie MacDowell kennen, in dem der TV-Wetteransager Phil Connors sich unversehens in einer Zeitschleife wiederfindet, aus der er nun mit aller Gewalt wieder auszubrechen versucht. Gut, wer mag schon gerne jeden verdammten Morgen immer wieder den gleichen Tag erleben wollen. Ähnliches, nämlich eine Zeitschleife bekommen wir hier nun auch in dem Film WAKE UP AND DIE geboten.

Wake Up and Die (Volver a morir)Bei dem Film handelt es sich um eine Art Gemeinschaftsproduktion Kolumbien/USA aus dem Jahre 2011. Allerdings dürfte der Anteil seitens Kolumbien wohl der größere sein, zumal die eigentlichen zwei (insgesamt aber drei) Darsteller hier auch recht beständig ihre jeweiligen Rollen nackt spielen müssen. Wäre der Anteil seitens der USA größer, hätten sie die meiste Zeit des Films schließlich schon genug damit zu tun, ihre Körper in einem Bettlaken ausreichend zu verhüllen. Und wir wissen ja schließlich, wie viele US-Bürger schon auf einen Nippelblitzer moralisch erschüttert reagieren können. Das ist zwar nicht nur unsäglich prüde, sondern auch absolut heuchlerisch, wobei eine solche "Entrüstung" aber wohl innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft zum guten Ton gehört.

Miguel Urrutia schlägt hier deshalb wohl auch gleich richtig zu, indem er nicht nur Regie führte und gleich auch selbst das Drehbuch mitgeliefert hatte, sondern auch noch selbst seinen Film wunschgemäß zusammengeschnitten hatte.

Und weil Filme aus Kolumbien hier durchaus recht seltene Gäste sind, allerdings manchmal zumindest aus Südamerika schon mal Filme bei uns ankommen, die man eventuell zumindest einmal gesehen haben sollte, kann man auch bei diesem Beitrag durchaus mal ein Auge riskieren.

Man sollte jedoch nicht mit zu hohen Erwartungen an diesen Film herangehen, der irgendwie nicht einmal wirklich in die Sparte Horrorfilm passen will. Da sollte man sich auch nicht davon hinters Licht führen lassen, dass der Filmvertrieb Sunfilm WAKE UP AND DIE nur zu gerne in die Ecke des Horrorfilm platzieren möchte.  Als künstlerischer, wenn auch mitunter etwas blutiger Filmbeitrag  würde WAKE UP AND DIE jedenfalls eher durchgehen, zumal man dann auch nicht das Augnmerk auf einen gewissen logischen Anspruch legen muss.

Ganz nebenbei muss das Budget wohl auch in einer Größenordnung von Tante Hildes Sparschwein gelegen haben, denn billiger geht es eigentlich nicht mehr, wenn man die Menge an Schauspieler und Drehorten als Beispiel nimmt. Denn alles spielt sich wie bei einem lustigen Kammerspiel in den Räumen eines Hauses ab, und auf mehr als maximal drei Schauspieler sollte man hier als Zuschauer auch nicht hoffen. Allerdings muss ich hier durchaus gestehen, dass Andrea Montenegro und Luis Fernando Bohorquez nicht wie Laiendarsteller vom Grabbeltisch agieren und sich schon recht viel Mühe geben, die 84 Minuten (BD) irgendwie sinnvoll zu füllen. Dabei hatte Miguel Urrutia sogar wohl noch beim Filmklassiker PSYCHO (1960) von Alfred Hitchcock geklaut, denn zumindest bekommt der Zuschauer im Finale mit, dass an dem Frauenhass des Serienkillers wohl wieder mal "Mutti" die alleinige Schuld trägt.

Etwas positives hat der Film WAKE UP AND DIE allerdings noch zu bieten, denn der Artikel dürfte hier nicht wirklich Seiten schinden, da es nicht viel gibt, womit man hier nun Seiten über diesen Film schinden könnte. Aber aus reinem Anstand werde ich nun, was den Blick in die Handlung des Film angeht, etwas mehr als nur drei Sätze verwenden.

Wake Up and Die (Volver a morir)Wenn das Opfer beim Täter die Schwächen sucht:
Camila hat sich in der Nacht mit einem ihr sonst fremden Mann auf einen One-Night-Stand eingelassen. Die beiden könnten sogar glatt füreinander gemacht sein, denn Dario sieht auch nicht gerade aus, als wenn er mit dem Gesicht gekochte Eier abschrecken könnte. Also warum nicht mit dem Traumprinz in die nächste Runde Sex gehen?!

Gesagt, getan ... doch während die beiden wieder Sex haben, wird Camila plötzlich von Dario brutal ermordet. Einen perfekten Orgasmus hatte sich Camila allerdings wohl etwas anders vorgestellt.

Dann wacht Camila wieder auf und wieder befindet sie sich in der gleichen Situation. Doch nun ziehen sie den Sex bis zum Ende durch, bevor Dario sie erneut ermordet. Wer aber nun denkt, damit wäre auch das Ende der Fahnenstange erreicht, der täuscht sich, denn wieder wacht Camila am nächsten Morgen in den Armen ihres Mörders auf.

Camila scheint in einer unendlichen wie tötlichen Zeitschleife gefangen zu sein, in der sie immer wieder von Dario ermordet wird, nur um am nächsten Morgen wieder in seinen Armen aufzuwachen.  Im Gegensatz zum Psychopathen Dario scheint Camila jedoch Erinnerungsfetzen von den vorherigen Morden zu haben. So beginnt sie nach Schwächen bei ihrem Mörder zu suchen, oder zumindest nach einer Gelegenheit, ihrem nächsten Tod zu entkommen. Denn je mehr sie von der wahren Identität seitens Dario erfährt, um so größer scheint ihr die Chance zu sein, dieser endlosen Todesspirale entkommen zu können.

Wake Up and Die (Volver a morir)Meine Filmkritik:
Ja, dieser Artikel wird mal recht kurz ausfallen, denn was soll man hier um den heißen Brei herumreden. Auch wenn Sunfilm hier damit wirbt, dass der Film WAKE UP AND DIE die "blutige Horrorversion von UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER" sein soll, so passt dieses Zeitschleifen-Movie nicht wirklich in dieses Genre herein. Da kann man noch so viele Parallelen zum Genre aufführen, am Ende bleibt hierbei nur der fade Beigeschmack einer reißerischen Werbung mit jeder Menge heißer Luft.

Die Spannung senkt sich bei diesem Film nämlich recht schnell in Richtung Nullpunkt ab, auch wenn Dario von Mord zu Mord immer etwas brutaler vorgehen mag. Wirkliche Veränderungen in der Handlung sind dabei irgendwie Mangelware und ebenfalls im Vorfeld recht durchschaubar. Der Witz dabei ist, dass man trotzdem den Film weiter verfolgt, weil man zumindest auf eine recht überraschende Auflösung der Geschichte hofft. Doch auch die wirkt dann leider nur wie von Hitchcock abgekupfert.

Nun muss ich zugeben, das ich schon damals den Film UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER für reine Zeit- und Geldverschwendung  gehalten habe, denn Filme mit einer sich immer wiederholenden Zeitschleife als Handlungsbasis zeigen mir nur, dass man hier einfach nur einen Film abdrehen will, weil einem gerade nichts vernünftiges einfällt. Und dabei muss ich noch zugestehen, das Bill Murray in dem Film von 1993 weitaus mehr Handlungsmöglichkeiten in der Geschichte zugestanden wurden. Denn es gab weitere Darsteller und die Handlung beschränkte sich nicht auf die Räume eines einzigen Hauses. In diesem Punkt glänzt also WAKE UP AND DIE sogar noch mit einem ersichtlichen Minimalismus.

Wake Up and Die (Volver a morir)Da hätte es also, was die Handlung an sich angeht, auch bereits 45 Minuten wirklich getan gehabt, denn bei 84 Minuten die die Blu-ray hier zu bieten hat, schleicht sich ersichtlich die Langeweile ein, weil es recht bald an Höhen und Tiefen und eben auch an Spannung extrem in der Handlung mangelt.           

Da lässt sich dann auch nichts mehr positiv durch die schier endlosen Räumlichkeiten des Hauses, oder die düstere Flure noch etwas drehen. Denn egal wie groß das Haus auch sein mag, für den Zuschauer ist nach wenigen Minuten bereits die Handlung in einer Sackgasse gelandet, die nur noch Langeweile wie Unkraut aus dem Boden sprießen lässt.

Da tun mir eigentlich nur die zwei Darsteller wirklich leid, die sich hier durchaus richtig ins Zeug legen, um aus dieser minimalistischen Handlung noch etwas für die Zuschauer heraus zu holen. Doch aus Stroh macht man bekanntlich kein Gold, egal wie viel Mühe und Talent man hier auch investieren mag.

Und wer bei der Altersfreigabe ab 18 Jahre zumindest ein paar heftige Versionen der Morde sehen will, dem sei hier versichert, dass der Film WAKE UP AND DIE eigentlich sogar für sich stehend eine Altersfreigabe ab 16 Jahren besitzt, da die Gewaltszenen durchaus moderat dargestellt werden. Das die FSK die DVD bzw. BD ab 18 Jahre einstuft, liegt schlicht an den hier aufgespielten Werbetrailern anderer Filme, die über die betreffenden härteren Szenen verfügen und so die Altersfreigabe nach oben schrauben. Dies mag das Label Sunfilm durchaus bewusst eingefädelt haben, denn so wirkt der Hauptfilm eben interessanter und man kann noch werbewirksam auf dem Cover das Wörtchen "Uncut" aufdrucken. Ob ein solches Vorgehen allerdings als "kundenfreundlich" zu betrachten ist, soll hier jeder für sich selbst entscheiden.

Wake Up and Die (Volver a morir)Wake Up and Die
(Volver a morir)
mit Andrea Montenegro, Luis Fernando Bohorquez, Deborah L. Sherman
Regie, Drehbuch und Schnitt: Miguel Urrutia
Produktion: Miguel Urrutia, Liliana Tavera
Musik: Alejandro Jaramillo
Genre: Mystery
Deutsche DVD/BD-Veröffentlichung: September 2013
Laufzeit: 84 Minuten (BD)
DVD/FSK: 18 Jahre (aufgrund weiterer Filmtrailer)
Vertrieb: Sunfilm Entertainment
Kolumbien/USA 2011

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-10-02 11:01
Nur mal aus Interesse - hast du diesen Film ausgeliehen oder "für lau" irgendwo erstanden? :-*

Zitat:
Nun muss ich zugeben, das ich schon damals den Film UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER für reine Zeit- und Geldverschwendung gehalten habe, denn Filme mit einer sich immer wiederholenden Zeitschleife als Handlungsbasis zeigen mir nur, dass man hier einfach nur einen Film abdrehen will, weil einem gerade nichts vernünftiges einfällt
Ich stelle ja immer wieder fest, wie unterschiedlich wir als Filmfans in unseren Sehgewohnheiten so sein können. Ich schaue mir ja einiges an, was bei dir offensichtlich niemals in den Player käme. Ich denke da an meinen letzten Hinweis auf den holländischen Film. Aber so isses halt - ansonsten würden unsere Diskussionen ja auch ziemlich fade ausfallen.

Deinen obigen Einwand kann ich(schon wieder.. ;-) ) nur bedingt teilen - den würde ich viel eher bei einigen Horror- und SF-Knallern verorten. Und da bin ich mal so frech und zähle den "Wake up.." einfach dazu. Hier muss man wohl schon das Cover und den "Uncut"-Hinweis abziehen. Naja, und die Inhaltsangabe liest sich ja auch nicht wie ein noch nie gesehener, cineastischer Bringer.

Jetzt bin ich eh ein Fan der "Dickenschen Weihnachtsgeschichte. Und im "Murmeltierfilm" ist die eigentliche Aussage der Geschichte -wenn auch mit reichlich überzogener Komik- immer noch gut zu erkennen. Es geht darum, verlorene, menschliche Empathie wiederzufinden.
Das ist nun kein cineastisches Meisterwerk, richtig - aber eben auch kein Film,.. der gedreht wurde," weil gerade keine besseren Ideen da waren".
Mir gefällts... :P Und nebenbei ist das auch noch unterhaltsam... (finde ich jedenfalls..)

Aber, jedem das seine....denke ich.... :-)
Zitieren
#2 Laurin 2019-10-02 17:54
@ Friedhelm:
Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr was der Film WAKE UP AND DIE mich gekostet hatte (bei uns gibt es seit Jahren schon keine Videotheken mehr, wo man Filme ausleihen könnte). Kann also nicht teuer gewesen sein, denn dann würde ich mich daran eher erinnern. Ich glaube, der war vom Grabbeltisch bei Saturn, denn erst als ich ihn gesehen hatte, erinnerte ich mich wieder daran, über den Film und die Thematik der von mir eher ungeliebten Zeitschleife was im Internet gelesen zu haben. :oops:

Dabei muss ich gestehen das die zwei Hauptdarsteller durchaus überzeugend gespielt hatten. Nur die eigentlich minimalistische Grundhandlung selbst und die stetigen Wiederholungen der Ausgangssituation sorgen hier schlicht dafür, dass man auch wirklich nichts verpasst hat, wenn man diesen Film nicht gesehen haben sollte.

Den "Murmeltierfilm" habe ich im Leben nur einmal gesehen und empfand dies schon damals für mich als völlige Zeitverschwendung. Dabei mochte ich Bill Murray durchaus gerne. Beispielsweise in Filmen wie CADDYSHACK (1980) oder LOST IN TRANSLATION (2003) von Sofia Coppola. Die filmischen Versionen der "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens - ja auch mal mit Murray verfilmt - mag ich allerdings seit vielen Jahren überhaupt nicht mehr sehen. Das hängt nicht mal daran, das ich die Geschichte an sich schlecht finden würde, sondern ist vielmehr dem Umstand geschuldet, dass einem diese Weihnachtsgeschichte an den Feiertagen (bzw. schon kurz vorher) in scheinbar allen verfügbaren filmischen Versionen jährlich um die Ohren gehauen wird. Da gäbe es alternativ doch auch noch andere schöne Weihnachtsgeschichten statt immer nur "Ebenezer Scrooge" in allen nur möglichen (wie zeitlichen) Variationen.
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#3 Friedhelm 2019-10-06 12:58
Nee sowat- schaue hier gerade nochmal rein und stelle fest, dass ich doch glatt zwei Filme verwechselt habe - is dat peinlich... :cry:

Zitat:
Jetzt bin ich eh ein Fan der "Dickenschen Weihnachtsgeschichte. Und im "Murmeltierfilm" ist die eigentliche Aussage der Geschichte -wenn auch mit reichlich überzogener Komik- immer noch gut zu erkennen. Es geht darum, verlorene, menschliche Empathie wiederzufinden.
Wie ich jetzt auf Dickens kam, ist mir auch nicht ganz klar. (Obwohl das tatsächlich eine gute Geschichte ist...) Mein Kommi bezog sich natürlich nur auf das "Murmeltier..."

Is dat Alter, würde ich mal sprechen.. :oops:
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#4 Laurin 2019-10-06 16:22
Na ja, was Bill Murray angeht, passte es ja gerade irgendwie. Deshalb ist es mir auch nicht wirklich aufgefallen. ;-)
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