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Der Wald, eine Gruppe Frauen und die Hillbillies - »Die Beute«

Die BeuteDer Wald, eine Gruppe Frauen und die Hillbillies
»Die Beute«

Die junge Kat hat sich gerade erst von ihrem gewalttätigen Freund getrennt und um wieder Selbstvertrauen zu bekommen, schließt sie sich gleich einer Gruppe von Frauen an, die eine Survival-Tour durch die Wildnis plant. Da Kat nicht gerade pünktlich eintrifft, steht ihre Teilnahme allerdings zuerst eher auf der Kippe. Doch so viel Glück dürfte Kat nicht haben, weshalb ihr auch eine mörderische Wanderung bevorsteht.

Die BeuteDabei könnten die jungen Damen wohl nicht unterschiedlicher sein, die alle irgendwie ihrem Alltag entfliehen wollen. Und als die Gruppe aufbricht, scheint es erst einmal ein ganz erholsammer Ausflug durch die Wälder zu werden. Für Kat kein Problem, schließlich lenkt sie das Ganze von ihren bisherigen schlimmen Erlebnissen und Erinnerungen ab.

Doch sie sind nicht alleine in den Wäldern unterwegs. Auch eine Gruppe von fünf Hillbillies streifen bewaffnet durch die Wälder und haben dabei auch eine reichlich seltsame Art, mit ihrem christlichen Glauben umzugehen. Denn sie halten durchaus ein kleines Gebet bei ihren Opfern ab, scheinen aber das Gebot, "du sollst nicht töten", irgendwie nicht verstanden zu haben.

Dabei töten sie recht wahllos jeden Menschen, der gerade ihren Weg kreuzt. Kat und die anderen Frauen haben indessen den ersten Tag überstanden und bereiten sich nun am nächsten Morgen auf den Weitermarsch vor. Dabei wissen sie noch nicht, das sie längst im Visier der Killer sind. Doch als ein Schuss durch die Stille peitscht und ihre Führerin tot zusammenbricht, wissen sie, das es jetzt nur noch um ihr eigenes Überleben geht.

Ohne genauere örtliche Kenntnisse machen sich die Frauen auf, den Killern durch die Wälder zu entkommen, die aber immer wieder auf der Lauer liegen, um im richtigen Augenblick zuschlagen zu können. Dabei verlassen sie sich nicht nur auf ihre Gewehre, sondern greifen ihre Opfer auch direkt an, wenn diese sich unbedacht von der Gruppe entfernen.

So trifft es zuerst die schwächsten in der Frauengruppe, während die stärkeren Frauen weiter hoffen und sich durchzukämpfen versuchen. Doch nach und nach werden imme mehr aus der Gruppe verletzt oder gar getötet. Kat und zwei weitere Frauen merken so sehr schnell, das Flucht nicht die einzige Option sein kann, um das eigene Überleben zu sichern. Schließlich scheinen ihnen die Hillbillies immer einen Schritt voraus zu sein. Also gilt es für sie, nun keine Rücksicht mehr zu nehmen und den Spieß einfach auch mal umzudrehen und eigene Stärke zu zeigen. Denn ihre Gegner scheinen in diesem Katz-und-Maus-Spiel wirklich weder Grenzen noch Gnade zu kennen.

Die BeuteSpannung mit sehr kleinem Geldbeutel:
Was in groben Zügen die Handlung betrifft, dürfte ich hier auch schon alles im wesentlichen zusammengefasst haben. Und um ganz ehrlich zu sein, handelt es sich bei diesem Film schlicht und ergreifend auch um eine Filmproduktion mit einem wohl extrem kleinen Budget.

Allerdings muss man Regisseur Nils Taylor und seiner Crew samt den Darstellerinnen und Darstellern durchaus zugute halten, das der Film nicht wirklich wie eine Billigproduktion daherkommt. Denn bei den Fans solcher minimalen Budget-Produktionen hagelte es durchweg schon einmal recht positive Kritiken. Gut, diese Fan-Base dürfte ja auch schon so einiges gewohnt sein, doch gerade deshalb gehen sie auch mitunter sehr kritisch mit so manchen filmischen Ergüssen des Genre um.

So dürften die Darstellerinnen und Darsteller wohl durch die Bank eher aus mindestens der zweiten Reihe der Schauspielerei stammen. Doch das merkt man ihrem Spiel hier positiver Weise nicht auffällig an. Auch die Handlung selbst ist vom Aufbau her zwar wahrlich kein überraschender Wurf, aber dies hatte ich jetzt auch nicht wirklich erwartet.

Vielleicht ist es aber auch durchaus ganz gut so, das man sich hier nicht völlig unlogische Wendungen hat einfallen lassen und dafür eher auf eine einfache, aber sichere Bank gesetzt hatte. So wird man als Zuschauer zwar nicht mit völlig neuen Ideen geradezu bombardiert (eher im Gegenteil), aber das, was einem hier geboten wird, kann man sich durchweg ohne mitleidigem Kopfschütteln ansehen. Und es gelingt den Darstellerinnen und Darstellern samt Regisseur Nils Taylor hier durchaus eine recht vorzeigbare Spannung innerhalb der Handlung aufzubauen.

Die BeuteDies mag durchaus auch daran liegen, weil die Handlung wie auch die Figuren durchweg authentisch rüberkommen und man ihnen daher auch gerne abnimmt, das eine solche gefährliche Situation durchaus auch in der Realität möglich wäre. Zumindest kann man dem gebotenen Spiel schon recht gut anmerken, das man hier ein Auge darauf hatte, die Handlung nicht unglaubwürdig über jede rote Linie der Glaubwürdigkeit hinausschießen zu lassen.

In diesen Punkten kann ich also nicht wirklich etwas negatives über diese Billigproduktion sagen, welche durchaus vom Charakter her als ein recht gut gemachtes B-Movie eingeordnet werden kann.  Doch schien man hier eventuell seitens der Vermarktung von DIE BEUTE nicht so viel Vertrauen in den Film gehabt zu haben.

Denn seien wir mal ehrlich. aus welchem Hirn mag denn auf dem DVD- und BD-Cover der Werbevergleich entsprungen sein, den Film DIE BEUTE als eine Mischung aus THE HILLS HAVE EYES und I SPIT ON YOUR GRAVE anzupreisen? Dies ist nicht nur wirklich sehr dick aufgetragen, sondern grenzt schon an Hochstapelei. Denn wenn man hier einfach mal nur den Härtegrad anspricht, so kommt DIE BEUTE nicht mal ansatzweise an die oben genannten Horrorfilme heran. Viel eher kann man sagen, das DIE BEUTE sehr wohl spannend umgesetzt wurde, aber trotzdem zu keinem Zeitpunkt dafür ausgelegt ist, auch schockierend auf den Zuschauer zu wirken. Und auch das Cover selbst spielt hier mit so einigen Erwartungen des Zuschauers, die der Film an sich dann nicht erfüllen kann und wohl auch nie erfüllen wollte.

Die BeuteDenn mehr nackte Haut als wie auf dem Cover wird man in der gesamten Filmhandlung nicht vorfinden. Und auch der Einführungstext spricht hier eine wohl etwas andere Sprache als der Film selbst. Denn die vermeintlichen Opfer drehen hier den Spieß nicht wirklich um und machen nun ihrerseits Jagd auf ihre Peiniger. Nun kann ich hierzu durchaus bestätigen, das der Film DIE BEUTE durchaus noch in die Sparte der Rape-and-Revenge-Filme fällt, nur nimmt er in Sachen Härtegrad und schockierende Szenen eher die unterste Gangart ein und setzt so eher auf eine gut umgesetzte bedrohliche Atmosphäre statt z.B. auf explizite Gewaltdarstellungen.  

Da erinnere ich hier also gerne noch mal an den von mir oben schon einmal ausgeführten Anspruch hinsichtlich einer realistisch zu bewertenden Darstellung. Klar fangen sich die Mädels an, irgendwann zu wehren. Es wäre ja auch den Zuschauern kaum logisch zu vermitteln, wenn sie sich wie Schlachtvieh ihren Peinigern nun vor die Füße werfen würden. Doch auch diese Gegenwehr atmet dann entsprechend etwas mehr Realismus, denn im Grunde haben die verbliebenen Mädels mehr Glück als Verstand bei ihren Handlungen, was ja dann auch die durchaus positive Spannung erst hergibt. Nur ist Glück bekanntlich ein recht flüchtig Ding. Frauen indessen, die plötzlich zu knallharten wie plötzlich unbesiegbaren  Kampfmaschinen mutieren, nimmt man nämlich eigentlich nur sehr bedingt einem Film dieses Genres ab. Das muss dann nämlich auch glaubwürdig und nachvollziebar in einer Handlung ein- und ausgebaut werden, wie man dies z.B. vorbildlich eben in einem  Film wie I SPIT ON YOUR GRAVE (Remake von 2010) recht gut nachvollziehen konnte. In diesem Punkt hatte schließlich das Remake von 2010 sogar gegenüber dem Originalfilm von 1978 die Nase in Sachen glaubwürdige Umsetzung durchaus etwas weiter vorne.

Die BeuteMein Filmkritik:
Neu ist nun wirklich nichts, was uns der Film DIE BEUTE hier so liefert, allerdings hatte ich dies ja auch wie bereits gesagt, nicht wirklich erwartet. Die durchaus spannende Umsetzung legte hier eher fest, wie gut oder wie schlecht diese recht vorhersehbare Handlung die Zuschauer trotzdem noch bei der Stange halten konnte, was eben wiederum den Schauspielern aber auch der Kameraführung samt dem Drehbuch geschuldet ist. Und hier muss ich ehrlich sagen, das mich die Handlung in Sachen Spannung und Präsentation durchaus positiv angesprochen hatte. Dabei liegt das Produktionsjahr bereits in 2016, während die DVD bzw. BD nun erst im August 2019 bei uns auf den Markt gelangt ist. Im heimatlichen Kino dürfte man DIE BEUTE jedoch wohl vergeblich gesucht haben.

Man merkt es dem Film jedenfalls nicht auf die harte Tour an, das er finanziell eher mit dem Inhalt der Portokasse einer durchschnittlichen Hollywood-Produktion abgedreht wurde. Da zeigt sich dann auch, das man auch mit einem recht kleinen Budget nicht zwangsläufig dazu verdammt ist, nur medialen Müll ohne Sinn, Verstand und Spannung zu produzieren. Und mit den Darstellerinnen und Darsteller, die ich hier wohl auch zum ersten mal vor Augen hatte, zeigt sich zudem, das man auch in der zweiten oder dritten Reihe noch schauspielerische Talente finden kann, statt hier nun einfach nur auf eine ansprechende Optik zu schielen, welche ansonsten jedoch ziemlich talentfrei die Zuschauer dann aus purer Verzweiflung in den Teppich beißen lassen.

Die BeuteNatürlich zeigen sich hier oder da kleinere Schwächen im Film DIE BEUTE, doch lassen die sich durchweg recht gut verschmerzen, da das Level der Spannung konstant oben gehalten wird. Da drücke ich dann auch gerne mal ein kleines Auge zu und vergebe dem Film DIE BEUTE - AUFSPÜHREN. JAGEN. TÖTEN dann ganze vier von insgesamt fünf blutigen Jagdmessern als Höchstbewertung.

Der noch fehlende Punkt in der Bewertung ergibt sich indessen daraus, weil man bei dem Film einerseits für meine Begriffe eine Spur zu sehr auf Sicherheit setzte und so eigentlich nichts brachte, was man nicht bereits in anderen Filmen  in eben ähnlicher Form gesehen hat. Und dann bekommt natürlich auch die Bewerbung des Films auf dem Cover von mir noch ihr Fett weg. Man sollte sich nämlich nicht mit filmischen Größen schmücken wollen, denen man inhaltlich nämlich nicht das Wasser reichen kann. Denn damit werden bei Filmfreunden und Genre-Fans nur Erwartungen geweckt, die dann zwangsläufig in einer herben Enttäuschung gipfeln müssen. Ein wenig mehr Ehrlichkeit kann schließlich auch bei der Vermarktung eines Films nicht schaden und zeugt damit auch von einem gewissen Respekt gegenüber dem Kunden. Denn denn ohne Not mit bekannten Filmtiteln um sich zu werfen, an denen dann der eigentlich beworbene Film nicht einmal kratzen kann, erfolgt zumeist von sogenannte Werbefachleuten, die in ihrer Jugend wohl eher nur eine Baumschule besucht haben.

Die BeuteDie Beute - Aufspühren. Jagen. Töten.
(Quarries)
mit Carrie Finklea, Nicole Marie Johnson, Dean Alioto, Nicole DuPort, Leisha Hailey, Joy McElveen, Luke Edwards, Sara Mornell, Jim Devoti, Wes McGee, Michael Yebba, Bryan Jordan u.a.
Regie: Nils Taylor
Drehbuch: Nils Taylor, Nicole Marie Johnson
Produktion: Nils Taylor, Warren Zide, L.M. Small, Nicole Marie Johnson u.a.
Musik: Isaias Garcia
Genre: Action/Rape and Revenge
Laufzeit: 83 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Tiberius Film
USA 2016

Kommentare  

#1 Friedhelm 2019-08-14 00:34
Det is ja ein Zufall, gelle? Das Filmchen habe ich mir glatt vor zwei Tagen gegönnt. Zunächst bin ich ja in unserer einzigen, noch verbliebenen Videothek daran grußlos vorbeigeschlendert - bis mir einer der Mitarbeiter das Ding doch tatsächlich empfohlen hat. "Sehr guter Film, richtig spannend und blutig isser auch..- und..und..und." Nun zählte das Kerlchen mal gerade so 19 Jahre und war die Ferienaushilfe im Laden. ( Der Jüngling hat wahrscheinlich noch nie einen richtig blutigen Slasher gesehen...) ,Da hätte mir eigentlich alles klar sein müssen - und trotzdem habe ich mich "breitschlagen" lassen.

Zuhause das (Mach)werk in den Player geschoben - und nach -sagen wir mal- 20 Minuten habe ich dann auch schon weiter gezappt. Erwartungshaltungen sind ja so eine Sache - das hatten wir hier schon des öfteren..

...und ich konnte...,ehrlicher Weise,...keine wirklich spannenden Thrillmomente bei der Sichtung ausmachen.

Ich fand's jedenfalls einschläfernd vorhersehbar - aber wenigstens nicht allzu übertrieben blutig. (meine ich noch zu wissen...). Zumindest das kann ja auch ein Pluspunkt sein - hier war's total egal.

Nu mal ehrlich, irgendeine Gruppe -diesmal sind Frauen- die irgendwo in der Wildnis von ein paar derangierten Hillbillies dezimiert werden - also det is ja mal gar nix neues - sondern recht einfallslose Reprise. Wenigstens eine Erklärung für die Motivation der beknackten Hinterwäldler hätte ich schon gut gefunden. Okay, vielleicht braucht es in solchen Streifen auch gar keine ..-.. na denne ....hallali..
Ja, und dass die Mädels sich dann irgendwann gegen ihre Verfolger/Peiniger nicht weniger hart zur Wehr setzen ist schon gängiger Plot-Standard
Aber trösten wir uns einfach mal damit, dass man eh nichts neues mehr in diesem Genre erwarten kann.
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#2 Laurin 2019-08-16 19:42
Huch ... wo ist meine Kommentar-Antwort abgeblieben? :o
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