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Halloween, Drogen und eine tote Studentin - »Ballad in Blood«

Ballad in BloodHalloween, Drogen und eine tote Studentin
»Ballad in Blood«

Lenka, eine tschechische Austauschstudentin und ihre Freunde stoßen nach einer ziemlich üblen Halloweennacht mit Drogen und Sex plötzlich auf den ebenso nackten wie toten Körper ihrer britischen Freundin Elizabeth.

Dank den konsumierten Mengen an Drogen ist jedoch keiner der Drei in der Lage, sich noch daran zu erinnern, was alles in der letzten Nacht geschehen ist.

Ballad in BloodZwar versuchen sie diesem blutigen Geheimnis auf die Spur zu kommen, doch dabei steht ihnen ihr Drogenkonsum etwas im Wege.

Da man wie gesagt keinerlei Erinnerung mehr an die letzte Wilde Nacht hat, stürzt man sich dann auf die selbstgedrehten Videos auf dem Laptop von Elizabeth, um hier zumindest an Informationen zu kommen. Doch auch hierbei kommt man eigentlich nicht weiter. Dies hebt weder die Stimmung untereinander, noch beruhigt sich die Situation etwas, um zumindest halbwegs einen klaren Verstand zu bekommen,

Als dann eine weitere Studentin anruft, weil Elizabeth ihr Handy bei ihr vergessen hat, keimt jedoch neue Hoffnung auf. Lenka beschließt das Handy mit dem möglichen Filmmaterial abzuholen und dabei auch die besagte Studentin zu bewegen, ihr zu folgen. Denn wenn auf dem Handy negative Beweise hinsichtlich der drei Freunde sein sollten, wäre es wohl besser, die betreffende Zeugin gleich mit zu beseitigen.

Aber auch der Plan geht nicht wirklich wie erhofft auf, denn die besagte Studentin wird vorher von ihrem Freund nicht gerade liebevoll abgefangen und abgeschleppt. Stattdessen wird Lenka nun von einer alten Frau verfolgt, welche so unbeabsichtigt in die Hände der anderen zwei wartenden Freunde Duke und Jacopo fällt, die diese auch gleich in einen Abgrund zu  Tode stürzen. Zwar war der Mord an der alten Frau wirklich nicht eingeplant, jedoch wirkliche Trauer über diese eher unsinnige Tat kommt bei den Dreien am Schluss nicht auf.

Als sie danach das Filmmaterial vom Handy durchsuchen, dämmert ihnen langsam schreckliches. Denn alle befanden sich in dieser Nacht auf einer ausschweifenden Party voller Sex, Alkohol und Drogen, bei dem der Schrecken seinen Lauf nahm. Doch wer ist denn nun der Mörder von Elizabeth? Diese Frage ist immer noch nicht vollständig geklärt und so beginnen sich Lenka, Jacopo und Duke erneut gegenseitig zu beschuldigen, denn bisher wissen sie nur, dass sie Elizabeth in der Wohnung gemeinschaftlich zum Geschlechtsverkehr gedrängt und vergewaltigt hatten. Doch bald dämmert es Duke und Lenka, was in dieser Nacht noch so alles schief gegangen ist, weshalb Lenka heimlich Duke anstiftet, nun auch Jacopo umzubringen.

So nimmt bald das paranoide Verhalten untereinander immer bizarrere Formen an, bis das wieder reichlich Blut fließt.

Ballad in BloodDreckig, blutig und ein wenig pervers:
BALLAD IN BLOOD führt uns in eine Ecke von Italien, von der man nicht gerade ein Lied hinsichtlich "schöner Wohnen" singen möchte. Zu bizarr und surreal sind hier die Figuren, auf die man zumeist in der Dunkelheit der Nacht trifft und bei denen sich alles wohl um Drogen und Sex dreht. Dabei schafft es der Film jedoch bei mancher etwas härten Szene, nicht zu oft in den Bereich des Ekel zu verfallen. Gut, zu Beginn gibt es da schon eine Szene, in der man weder erst einmal angewidert wegsehen muss, oder eventuell auch als Zuschauer ( je nachdem wie abgehärtet man persönlich ist) sich ein Grinsen nicht verkneifen kann. Schließlich bekommt man nicht alle Tage im Film eine Szene geboten, in der beim Sex plötzlich der zugedröhnte Partner auf seine ihn wild reitende Gespielin kotzt.

Wenn man jedoch weiß, wer hier nach rund 23 Jahren wieder bei einem italienischen Film Regie geführt hat, dann richtet man sich wohl schon auf einiges in der Richtung Ekel, Blut und Sex ein. Altmeister Ruggero Deodato sollte zumindest für Kenner der harten Horrorwelle nicht wirklich ein Unbekannter sein. Spätestens wenn man allerdings seinen Film CANNIBAL HOLOCAUST aus dem Jahre 1980 nennt, sollte aber dann wirklich der Groschen gefallen sein. Dieser Kannibalenfilm ist auch unter dem deutschen Titel NACKT UND ZERFLEISCHT bekannt, welcher hier in Deutschland jedoch von der FSK ungeprüft geblieben ist und desweiteren damals auch beschlagnahmt wurde. Was sowohl den Härtegrad an Grausamkeiten wie auch den Ekelfaktor betrifft, hat der Film CANNIBAL HOLOCAUST auch heute noch wahrlich nichts an seiner Intensität verloren.

Deodato achtet hier in BALLAD IN BLOOD jedenfalls bewusst darauf, das seine Hauptfiguren Lenka, Jacopo und Duke zwar öfter mit bestimmten Situationen konfrontiert werden, jedoch dann darauf nie so reagieren, wie man es eigentlich als sachlich denkender Mensch es eigentlich erwarten würde. Deodato will dabei jedoch weniger die Zuschauer mittels Unlogik bestrafen, sondern gezielt auf den "freien Willen" des Menschen hinweisen, der schlicht auch die Fähigkeit beinhaltet, selbst zu bestimmen, was man tut, auch wenn man sich dabei für das absolute Böse entscheidet und so eben auch recht unlogisch vorgehen kann. Und so bricht dann auch der "schwarze Tanz" des Todes, welcher bereits zu Beginn unausweichlich erscheint, schließlich dann auch wenig überraschend am Ende über seine Hauptcharaktere herein.

Ballad in BloodLockere Anleihen an einen realen Fall:
Ruggero Deodatos Film BALLAD IN BLOOD ist hierbei, was die Handlung betrifft, nicht wirklich so ganz aus der Luft gegriffen und stützt sich in einigen wenigen Punkten auf einen sehr realen Fall. Im konkreten Fall handelt es sich dabei um den Mord an der britischen Studentin Meredit Kercher aus dem Jahre 2007. Dieser Fall und die hierbei beschuldigte Amanda Knox (auch von der Presse damals als "der Engel mit den Eisaugen" bezeichnet) sorgten auch noch lange danach international für Aufsehen. Sollte man sich hierbei kaum oder nicht mehr an den Namen des Opfers erinnern, so dürfte doch eben der Name Amanda Knox durchaus aus den Nachrichten seitens Fernsehen und Presse bekannt sein.

Auch in diesem Fall soll nach den Schilderungen des damalig genannten Tathergang die etwas zurückgezogene Meredith Kercher von Knox und Sollecito bedrängt worden sein. So sollen die beiden diese zum Sex mit Guede gezwungen haben, welcher sie dann auch vergewaltigte. Die Tat sei dann eskaliert, was zum Mord durch Sollecito und den darauf folgenden Vertuschungsversuchen geführt haben. 2009 wurden Sollecito und Knox verurteilt und für schuldig befunden soll. Diese gingen nach ihrer Verurteilung allerdings direkt wieder in Berufung und kamen frei. Das Verfahren selbst zog sich mehrere Jahre durch die Gerichtsinstanzen bis das der oberste Gerichtshof von Italien am 27. März 2015 abschließend Knox und auch Sollecito für unschuldig erklärten. Gründe hierfür waren auch schlampige Verfahrensweise der Polizei bei der Spurensicherung gewesen. Bei dem großen Medien-Echo über viele Jahre hinweg, besonders was die Rolle von Amanda Knox betraf, verwundert es daher kaum, dass Ruggero Deodato intensiv mitder Nase auf den Fall gestoßen wurde und diesen dann auf seine besondere Weise wiederum in seinem Film BALLAD IN BLOOD dann frei interpretierte.

Ballad in BloodMeine Filmkritik:
Eigentlich hätte man bei Ruggero Deodato eher mit einem ekligen Schlachtfest, unterbrochen mit einigen schlüpfrigen Szenen gerechnet. Doch BALLAD IN BLOOD kommt hierbei durchaus noch recht angenehm daher und dürfte zartbesaitete Gmüter daher nicht wirklich in Grund und Boden schocken. Das Deodato hier in Sachen Drogen und Gewalt aber auch den Zuschauer aufrütteln will, gelingt ihm hierbei durchaus wieder recht gut ohne dabei aufdringlich einen Zeigefinger zu erheben.

Auch wenn die diversen Darstellerinnen und Darsteller hierzulande wohl kaum wirklich bekannt sein dürften, und man in Sachen voller Besetzung auch bezüglich den Nebenrollen nicht wirklich fündig wird, so kann man sich jedoch in Sachen Talent und Einsatzfreude hier wirklich nicht beschweren. Die diversen Damen und Herrn machen ihre Sache wirklich gut und man nimmt ihnen sogar die Nebenwirkungen der Drogen durchaus als realistisch ab.

Im Grunde gibt es also bei BALLAD IN BLOOD eigentlich wirklich nichts zu meckern, zumal auch die Umsetzungen der jeweiligen Szenen samt der Rückblicke und auch die jeweiligen Schnitte hier perfekt ausgeführt wurden. Ein wenig störend wirkt sich hingegen dabei vielleicht das so hoch gelobte HD-Format aus. Denn das wird schließlich recht gerne bei wirklich billig produzierten C-Movies gerne genutzt und lässt so auch den Film BALLAD IN BLOOD ein wenig eben wie eine Billigproduktion erscheinen. Es fehlt hier einfach der optische Charme, den man geliefert bekommt, wenn man einen Film eben noch mit richtigem Filmmaterial dreht. Zwar dürfte dabei auch BALLARD IN BLOOD nicht mit einem wirklich stolzen Budget gedreht worden sein, was man allerdings nicht negativ eben in Sachen Kameraarbeit, Schauspiel, Drehbuch und Regie ersehen kann. Nur leider ist es eben dieser sterile HD-Look, der hier etwas negativ den Stallgeruch einer Billigproduktion verbreitet.

Grundsätzlich kann ich bei BALLAD IN BLOOD also nicht wirklich viel finden, worüber es sich vortrefflich hätte kritisieren lassen. Der Film selbst liegt mir dabei sowohl als DVD- wie auch BD-Version in einem recht ansprechenden Mediabook samt Booklet vor, welches ich als Neuware sogar zu einem recht ansprechend günstigen Preis an Land ziehen konnte. Das Mediabook gibt es hierbei in drei verschiedenen Cover-Varianten. Zwei davon sind auf 222 Stück und eines auf 333 Stück limitiert in den deutschen Handel gekommen. Hierbei sollte man jedoch die Suche nun nicht bei den üblichen Grabbeltischen von Saturn oder Media-Markt bewenden lassen, denn eine FSK-Freigabe findet sich hierbei nämlich auch nicht. Es wird daher empfohlen, bei Interesse eher den suchenden Blick in Richtung eines Händlers des eigenen Vertrauens schweifen zu lassen, oder sich gleich mal im Internet nach Angeboten umzusehen.

Gesamt betrachtet kann ich dem Film BALLAD IN BLOOD aus dem Jahre 2016 durchaus die vollen fünf von insgesamt fünf Punkte als Gesamtbewertung vergeben. Er wird zwar von seiner Machart eventuell nicht jedem gleichsam gefallen, aber welcher Film tut das schon. Was den italienischen Film der etwas härteren Sorte angeht, wie auch die nach über zwanzig Jahren erfolgte Rückkehr von Ruggero Deodato (für dieses Filmprojekt) in den Regiestuhl, lässt mich jedenfalls hoffen, das man auch in Zukunft mal wieder einiges aus der italienischen Filmschmiede geboten bekommt.

Ballad in BloodBallad in Blood
(Ballad in Blood)
mit Carlotta Morelli, Gabriele Rossi, Roger Garth, Ernesto Mahieux, Noemi Smorra u.a.
Regie: Ruggero Deodato
Drehbuch: Ruggero Deodato, Jacopo Mazzuoli, Angelo Orlando
Produktion: Massimo Esposti, Pietro Innocenzi, Raffaele Mertes
Musik: Claudio Simonetti
Genre: Thriller
Version: Mediabook mit DVD und BD sowie 24-seitigem Booklet
Laufzeit: 90 Minuten (ungekürzt)
DVD/FSK: Keine Angaben
Vertrieb: Wicked-Vision/Sub-Label Rawside Entertainment
Italien 2016








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