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Zweimal ein Kampf um ein ungeborenes Baby - »Inside« vs. »A L'interieur«

Nightmare: Schlaf nicht ein! (Slumber)Zweimal ein Kampf um ein ungeborenes Baby
»Inside« vs. »A L'interieur«

Wenn man in Frankreich einen Horrorfilm abliefert, dann taucht mitunter irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft ein filmisches Remake auf. Nun könnte man wieder die leidige wie mitunter auch wenig zielführende Diskussion führen, ob das Original nun besser als das Remake ist, oder umgekehrt. Dabei vergisst man eventuell, dass man als interessierter Fan des Genre vielleicht nicht mehr so ohne weiteres an den Originalfilm herankommt.

Es sei denn, man greift auf eine Version aus dem nahen Ausland zurück.

Der französische Originalfilm kam hier in Deutschland im Jahre 2008 schon um rund zwei bis drei Minuten gekürzt über das "Autobahn-Label" von Senator Entertainment heraus (z.B. als Steelbox mit zwei DVDs). Der Titel lautete wie folgt: Inside - Was sie will ist in Dir (A L'interieur)

In diesem Jahr, also 2018 kam das Remake nun als DVD bzw. BD auf den deutschen Markt. Dieser Film trägt den eher einfacheren Titel:

»Inside« vs. »A L'interieur«

Inside (Inside)
Hinzu trägt der Film als Zusatztext auf dem Cover in der deutschen Version den Satz: "Manche Frauen würden für ein Baby töten". Dieses Remake ist übrigens kein reines Remake seitens der USA, denn die steuert quasi hier in der Hauptseite Darstellerinnen und Darsteller sowie den Handlungsort bei. Generell handelt es sich jedoch um eine Gemeinschaftsproduktion zwischen den USA und Spanien mit einer Laufzeit von 89 Minuten (Angabe seitens der BD-Version).

Natürlich merkt man dem Remake durchaus an, dass hier die Handlung in einigen Punkten wiederum so umgewandelt wurde, dass sie den US-Sehgewohnheiten um einiges näher kommt als das französische Original. Aber dazu etwas später mehr, da ich dann auch einen Blick darauf werfen möchte, warum die Diskussion über die Tatsache, ob ein Originalfilm nun besser ist als ein Remake und umgekehrt, nicht in jedem Fall wirklich zielführend sein kann und eventuell auch von einer anderen Warte aus betrachtet sogar mitunter unsinnig erscheinen kann.

Doch kommen wir hier nun gleich mal zur Grundhandlung sowohl des Originalfilm als auch des Remake. Zum weiteren werde ich hier nicht zuerst auf den Originalfilm eingehen, sondern mir erst einmal kritisch das Remake vorknöpfen. Zum einen deshalb, weil der Originalfilm eigentlich erst einmal völlig an mir vorbeiging und ich erst nach der Sichtung des Remake von einem anderen Filmfreund darauf gestoßen wurde, dass es sich hier um ein Remake handelt. So jedenfalls kam auch ich erst nach dem Remake in den Genuss, mir den französischen Originalfilm ansehen zu können, was mir dann wiederum aufzeigte, warum auch so manches filmische Remake durchaus seine Berechtigung haben kann.

»Inside« vs. »A L'interieur«

Die eigentliche Grundhandlung des Film "Inside":
Eigentlich könnte die junge Sarah am Steuer des eigenen Wagen recht glücklich sein. Sie hat einen liebenden Mann an ihrer Seite und die junge Familie wird sich auch bald noch vergrößern, da sie schwanger ist. Man freud sich also auf die gemeinsame Zukunft als kleine, sich liebende Familie. Doch dann kommt es zu einem folgenschweren Unfall aufgrund einer gewissen Unachtsamkeit und wegen des miesen Regenwetters.

Vom Glück bleibt danach eigentlich nur noch der Umstand, dass das im Mutterleib heranwachsende Baby keinerlei Schaden genommen hat. Jedoch der Ehemann auf dem Beifahrersitz hatte dieses Glück leider nicht und ist bei dem Unfall vertorben.

Einige Zeit später, die junge Mutter und nun leider auch Witwe, steht kurz vor der Geburt ihres Kindes. Die letzte Nacht, bevor es zur Entbindung ins Krankenhaus geht, verbringt die immer noch etwas durch das Unglück traumatisierte junge Frau alleine in ihrem Haus. Viele der Nachbarn in den umliegenden Häusern sind scheinbar (Weihnachten) auch in Urlaub gefahren.

Plötzlich, mitten in der Nacht klingelt es an der Tür. Die werdende Mutter möchte jedoch in diesem Augenblick keinen Fremden mehr in ihr Haus lassen, auch wenn es sich hierbei um eine andere Frau handelt, die angibt, nur telefonieren zu wollen, weil sie eine Panne mit ihrem Wagen hat und scheinbar auch das Akku ihres Handy nicht funktioniert, so das sie auf fremde Hilfe angewiesen ist. Als die werdende Mutter sie ab zu wimmeln versucht, indem sie behauptet, dass ihr Ehemann schon schlafen würde und sie ihn auch nicht wecken möchte, wendet sich das Blatt jedoch bedrohlich.

Die fremde Frau an der Tür spricht sie plötzlich mit ihrem Vornamen an und stimmt auch in ihrer ganzen Art einen immer aggressiveren Ton an. Darauf beschließt die werdende Mutter, die Polizei zu verständigen, die bald darauf auch eintrifft. Doch von der geheimnisvollen Fremden scheint es keine Spur mehr zu geben. Man versichert ihr aber, dass eine Streife der Polizei später nochmals vorbeischauen wird, auch wenn man nicht glaubt, dass die fremde Frau nochmals zurückkehren wird.

Die werdende Mutter legt sich einige Zeit danach auf ihr Bett und schläft sogar ein. Doch die Gefahr ist längst nicht vorüber, denn die fremde Frau befindet sich bereits im Haus und setzt nun alles daran, das noch ungeborene Baby an sich zu nehmen. Es kommt zu einer blutigen Auseinandersetzung bei der sich die Schwangere im Bad verbarrikadieren kann. Doch damit nicht genug, tauchen in der Nacht noch ein Freund, die Mutter von Sarah und eben auch die Polizei nochmals auf, der sogar etwas sehr seltsam vorkommt. Da die fremde Frau in Schwarz jedoch alles daran setzt, um ihrem Opfer, wenn es sein muss, auch das Baby selbst aus dem Mutterleib zu holen, entwickelt sich das Haus bald zu einer wahren Hölle, in dem es vor Leichen bald geradezu wimmlt.

»Inside« vs. »A L'interieur«

Grundsätzlich gleich und doch so enorm verschieden:
Im Remake von 2016 spielt Rachel Nichols die werdende junge Mutter Sarah, welche von der mörderischen Frau in Schwarz, gespielt von Laura Harring, terrorisiert wird. Rachel Nichols dürfte hierbei durchaus bekannt sein von weiteren Filmen des Genre wie etwa P2 - SCHREIE IM PARKHAUS (P2) aus dem Jahre 2007 oder als sexy Babysitterin aus dem Remake AMITYVILLE HORROR - EINE WAHRE GESCHICHTE  aus dem Jahre 2005. Laura Harring wiederum konnte man bereits in Filmen wie LITTLE NICKY - SATANS JUNIOR (2000) oder THE PUNISHER (2004) sowie durch Auftritte in diversen US-Fernsehserien wie THE SCHILD - GESETZ DER GEWALT, NAVY CIS: L.A. oder  CRIMINAL INTENT - VERBRECHEN IM VISIER sehen.

Der Film selbst wusste mich durchweg auch zu überzeugen. Spielten sich doch gerade diese zwei Hauptdarstellerinnen sich förmlich die Seele aus dem Leib. Rachel Nichols überzeugte hier durchweg als hochschwangere Frau, die sich und ihr Baby vor einer grausamen und wirklich durchtriebenen Gegnerin erwehren muss, die absolut alles daran setzt, um ihr das Baby zu nehmen.

Auch Laura Harring weiß hier in der Rolle der geheimnisvollen und eiskalten Frau in Schwarz zu glänzen, die ähnlich eines brandgefährlichen Scorpions so ziemlich jeden vom Leben ins Jenseits befördert, der ihrem Plan auch nur ansatzweise in die Quere kommt.

Man sollte sich hier auch nicht zu sehr von der Altersfreigabe ab 16 Jahren täuschen lassen, denn die Spannungsschraube wird in diesem Remake dermaßen gut über die gesamte Handlung angezogen, dass selbst dem Zuschauer schon mal der Blutdruck ansteigen kann. Auch manche Szene wirkt hierbei durchaus noch recht heftig, so das man auch in diesem Punkt durchweg auf seine Kosten kommt. Ein wirklicher Pluspunkt hierbei ist auch die durchweg recht finstere Atmosphäre der Handlung, die recht positiv an den Nervenenden des Zuschauers zu kitzeln weiß. Das einzige Leben, welches selbst von der eiskalten Frau in Schwarz mit allen Mitteln geschützt wird, ist das noch ungeborene Baby, dessen Geburt schon etwas überfällig (laut Handlung) ist und welches sie lebend erbeuten will, egal wie sie dies auch anstellen muss.

In Sachen Handlung und darstellerischer Leistung (übrigens aller Beteiligten) kann dieses Remake jedenfalls auch völlig für sich selbst stehend überzeugen und muss sich folglich auch nicht wirklich am Original messen lassen. Dies fällt übrigens besonders dann sehr gut auf, wenn man das Original selbst noch nicht kennt. Das die Frau in Schwarz dieses noch ungeborene Baby lebend will (wobei ich hier nicht den eigentlichen Grund hierzu spoilern werde), wirkt sich dann auch auf das Ende des Films aus. Und hier sollte man den kleinen nun folgenden Spoiler nicht mitlesen, wenn man sich den Film noch sozusagen "jungfräulich" ansehen möchte.

Vorsicht Spoiler:
Im Showdown gegen Ende des Films hat nur noch eine der beiden Frauen eine reelle Überlebenschance, weshalb die Frau in Schwarz am Ende sogar Sarah wegen des Babys hilft. Der Film als solches hat also eine Art Happy End und passt daher auch bestens in die Sehgewohnheiten z.B. der US-amerikanischen wie auch deutschen Kinobesucher und Fans der sich hier verbindenden Genre Horror und Thriller.

Die Bewertung der Gemeinschaftsproduktion USA/Spanien fällt daher von meiner Seite her auch sehr eindeutig aus. Hier stimmt nämlich einfach alles. Von der Besetzung, über den atmosphärischen Aufbau, die sich permanent steigernde Spannung bis hin zu manchen Szenen, bei denen man selbst als hartgesottener Horror-Nerd ab und an noch schlucken muss. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als hier die vollen fünf von insgesamt fünf Sterne als Bewertung zu vergeben. Und eine Empfehlung, sich dieses Remake nicht entgehen zu lassen, kann ich gleich noch hinterher schieben.

Bevor ich aber nun gleich zum französischen Originalfilm von INSIDE komme, hier gleich vorab die üblichen Daten zum Film selbst:

»Inside« vs. »A L'interieur«

Inside
(Inside)
mit Rachel Nichols, Laura Harring, Ben Temple, Andrea Tivadar, Craig Stevenson, Stany Coppet, David Chevers, Maarten Swaan, Richard Felix, Steve Howard, Ben Temple u.a.
Regie: Miguel Angel Vivas
Drehbuch: Miguel Angel Vivas, Manu Diez, Jaume Balaguero
Produktion: Adrian Guerra, Nuria Valls, Jaume Balaguero
Musik: Victor Reyes
Genre: Horror/Thriller
Laufzeit: 89 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Alive - Vertrieb und Marketing
Spanien/USA 2016

»Inside« vs. »A L'interieur«

Die Grundhandlung kennt ihr ja, aber dann ...:
Das französische Original kommt wie gesagt mit der identischen Grundhandlung daher und doch liegen hier manche Schwerpunkte auf einem völlig anderen Level. Unsere junge, schwangere Frau heißt hier ebenfalls mit Vornamen Sarah, besitzt aber auch mit Scarangelo einen netten Nachnamen. Gespielt wird sie übrigens von der hübschen Alysson Paradis, welche man hier im Kino oder Fernsehen als Schauspielerin noch nicht wirklich so auf dem Schirm haben dürfte, es sei denn, man kennt Filme wie LE COCON (Fernsehfilm/2005) oder CAMPING 2 (2010) im Original. Etwas mehr dürfte einem allerdings die Information sagen, wenn man weiß, dass die 1984 geborene Alysson Paradis die Schwester der 1972 geborenen französischen Sängerin und Schauspielerin Vanessa Paradis ist, welche mit Songs wie "Joe le Taxi" oder "Be My Baby" oder Filmen wie WEISSE HOCHZEIT oder ELISA, DER HEXENCLUB VON BAYONNE auch in Deutschland recht bekannt wurde, wenn sie nicht gerade in der damaligen Werbung für das Parfüm von Chanel in einem goldenen Käfig auf der Stange sitzend, auch über unsere Bildschirme flimmerte. Die Gene scheinen in der Familie auch recht gut verteilt worden zu sein, denn Alysson Paradis kann hier zu Beginn mit einem doch recht hübschen Aussehen punkten. Das sagt zwar noch nichts über ihr schauspielerisches Talent aus, doch auch hierzu muss man sich keine wirklichen Sorgen machen, wenn man den Film INSIDE - WAS SIE WILL IST IN DIR erst einmal gesehen hat. An das hübsche Gesicht (deshalb auch die Erwähnung) sollte man sich im Film aber nicht gewöhnen. Denn bei den Mengen von Blut und optisch wirklich heftig aussehenden Verletzungen ist Schönheit wahrlich nur noch als höchst relativ zu betrachten.

Die Frau in Schwarz wird indessen von Beatrice Dalle (geboren 1964) verkörpert, die man aus Filmen wie BETTY BLUE - 37,2 GRAD AM MORGEN (1986) oder WOLFZEIT (2003) her kennen sollte, wenn man sich auch mal gerne Filme aus unserem Nachbarland Frankreich ansieht.

Ist in dem Remake zu INSIDE Laura Harring schon eine mörderische Hausnummer, die man sich als Frau in Schwarz merken sollte, so setzt Beatrice Dalle hier im französischen Original noch eine eiskalte Spitze oben drauf. Man kommt hier einfach nicht mehr daran vorbei, sie mit einer tödlichen Schwarzen Witwe (hochgiftige Spinnenart) zu vergleichen, die mit jeder Bewegung und jeder Faser ihrer Darstellung einen puren, psychopathischen Alarmzustand auslöst.

Ist die besagte Frau in Schwarz im Remake noch eine eiskalt und berechnende Mörderin, die jedoch scheinbar durchaus weiß, wie man ein Baby auch auf die Welt holen kann, ohne die Mutter dabei gleich körperlich zu zerfetzen, so lässt im französischen Original diese Figur gleich die diversen Spritzen und Medikamente weg und greift gleich zur handelsüblichen, großen Haushaltsschere um ohne Umwege an der jungen werdenden Mutter zur Tat zu schreiten.

»Inside« vs. »A L'interieur«

Der Plan, hier einen schnellen aber unsachgemäßen Kaiserschnitt mit der Schere durchzuführen, um das Baby aus der werdenden Mutter heraus zu holen, misslingt jedoch etwas, womit wir auch gleich wieder bei der bekannten Grundhandlung wären, in der faktisch fasst die gleiche Anzahl an Personen mit auf den Plan treten. Fasst, denn in Sachen Polizei legt man noch etwas zu und auch ein junger Straftäter, den man zwischenzeitlich auch noch festgenommen hatte, treiben die Anzahl der höchst blutigen Morde und Leichen nochmals in die Höhe.

Und dann kommen wir mal zum Nervenkitzel selbst und die dazu gehörige, düstere Atmosphäre. Das Remake kann hier ja wie oben erwähnt, mit einem ordentlichen Nervenkitzel punkten. Das Original jedoch geht hier sogar über dieses Maß hinaus und während im Remake sich die Leichen durch die Frau in Schwarz stapeln, verwandelt diese das Haus im Originalfilm gleich in ein blutiges Schlachthaus, bei der mancher Zuschauer bei einigen Szenen schon einen verdammt stabilen Magen haben muss. Wie gesagt, das Remake hat eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erreichen können. Das gelang dem französischen Original nicht. Da war der Erscheinungstermin in Deutschland im Mai 2008 (auf DVD), im September 2008 wurde diese schon geringfügig gekürzte Fassung bereits indiziert, welche durchaus noch als "Uncut" vertrieben wurde. Und weil man damit immer noch nicht klar zu kommen schien, erfolgte dann vom Amtsgericht Tiergarten im Juni 2009 die bundesweite Beschlagnahmung.

Nun sind Fans (wie ich) des französischen Horrors ja schon so einiges Gewohnt. Man nehme hier nur Filme wie MARTYRS aus dem Jahre 2008, der wie ein Vorschlaghammer seitens des Regisseur und Drehbuchautor Pascal Laucier einem gleich in die Magengrube gehämmert wurde. Auch hiervon gibt es ja bereits ein US-Remake, wo man allerdings hierzu recht grob das Drehbuch umschrieb und damit recht offensichtlich zeigte, dass man den Originalfilm und seine Handlung absolut nicht verstanden hatte. Auch der Film HIGH TENSION unter der Regie und dem Drehbuch von Alexandre Aja hatte 2003 die Euro-Horrorfront erbeben lassen, was intensive und verstörende Gewaltdarstellungen und eine psychologisch beklemmende Atmosphäre betraf. Mit INSIDE ziehen uns die Regisseure Julien Maury und Alexandre Bustillo allerdings in Sachen Horror und Gewalt nochmals intensiver die Falten im Gesicht bis zum zerreißen glatt.

Bei einer Laufzeit von 79 Minuten (Uncut-Version/Senator Entertainment) ist auch der französische Originalfilm seine vollen fünf von insgesamt fünf Sternen als Bewertung mehr als wert. Jedoch dürfte das Original nicht wirklich jedermanns Sache sein. Besonders zarter gestrickte Gemüter, die sich nicht einmal eine Dokumentation über eine Operation im Krankenhaus ansehen können, dürften hier recht schnell bis geradezu fluchtartig das heimische Sofa verlassen ( Übergeben auf der Toilette eventuell inbegriffen) um den Raum dann erst wieder zu betreten, wenn der Film am Ende angelangt ist.

Hier fliegt nämlich nicht nur ein gut für den Zuschauer nachvollziehbar halber Kopf weg, nachdem eine Pistolenkugel sich anschickt, einen ultimativen Schaden anzurichten, sondern man bekommt auch gleich eine Anleitung, wie man sich selbst einen Luftröhrenschnitt verpasst, wenn man als Resultat einer Gewalteinwirkung gerade keine Luft mehr zum atmen bekommt. Und das ist wahrlich noch nicht die Spitze des Eisberg.

Gegen Ende der Handlung kommen dann die größten Unterschiede zum tragen. Verlegt sich die Auseinandersetzung zwischen der schwangeren Sarah und der Frau in Schwarz im Remake ersichtlich aus dem Haus heraus in das nähere Umfeld, so verbleibt man im Originalfilm bis zum bitteren Ende eben genau in diesen vier Wänden. Und schon kommen wir wieder zum Punkt des Spoilers.

Also auch hier diesen kleinen Absatz unten nicht weiter lesen, wenn man sich den französischen Originalfilm (natürlich ungeschnitten im nahen Ausland erhältlich über MSN Records als DVD bzw. BD) noch halbwegs "jungfräulich" ansehen möchte.

»Inside« vs. »A L'interieur«

Vorsicht Spoiler:
Die Franzosen haben es nicht so mit den üblichen Sehgewohnheiten die man aus US-Filmen her eher kennt und welche auch in Deutschland ja recht beliebt sind. Ein Happy End darf man sich im Originalfilm also daher locker von der Backe schminken und die Frau in Schwarz wird am Ende (wo sie auch selbst ziemlich derb mitgenommen aussieht) auch nicht um des Babys Willen verzicht üben und der jungen Mutter den Vortritt lassen. Warum, sollte man sich allerdings selbst ansehen, wenn man mit der wirklich harten Welle (wie ich) keine Probleme hat.

Beide Filme haben hier ihre Berechtigung:
Das der Streit um Originalfilm oder Remake nicht immer zielführend und damit berechtigt ist, zeigt sich gerade an INSIDE daher recht eindeutig. Nicht jeder Filmfreund oder Liebhaber des Genre wird sich diesen Film (auch aus preislichen Gründen) im Original aus dem nahen Ausland besorgen. Wer dann noch mit expliziten Gewaltdarstellungen nicht wirklich klar kommt, der dürfte  dann auch völlig ohne eine Alternative leer ausgehen.

Hier zeigt sich, dass gerade durch das Remake, welches das Original und dessen Handlung durchaus gut wiedergibt, diese Version Filmfreunde und Fans durchweg begeistern kann. Abstriche sind hier faktisch nur zu machen hinsichtlich des Ende der Handlung, also dem Verlauf der Handlung im letzten Viertel und natürlich ganz klar in der expliziten Gewaltdarstellung innerhalb des Originalfilm.

An Spannung und düsterer Atmosphäre mangelt es auch dem Originalfilm nicht im geringsten, die schauspielerischen Leistungen sind hierbei wie im Remake ebenfalls ganz oben einzuordnen und der Härtegrad des Remake ist gegenüber dem Original durchaus noch als überdurchschnittlich gut zu betrachten. Positiv beim Remake ist zudem, dass man den Raum nicht fluchtartig verlassen muss, weil einem durch die gezeigten Gewaltdarstellungen gerade der eigene Magen versucht, sich in die falsche Richtung zu entleeren.

Wer mit den reichlich mit Blut versehenen Gewaltdarstellungen  - die zudem noch wirklich sehr realistisch umgesetzt wurden - umgehen kann (hier sei z.B. der Gore-Freund angesprochen), der kommt natürlich irgendwie nicht an dem französischen Originalfilm vorbei, auch wenn sich der Gesetzgeber in Deutschland mal wieder als Spielverderber betätigt. So gibt es auch für den französischen Originalfilm INSIDE - WAS SIE WILL IST IN DIR nicht nur von mir die Bestbenotung von fünf Sternen, sondern auch wiederum eine Empfehlung zum reisehen. Diese jedoch wie gesagt eher eingeschränkt und mit einer eindeutigen Warnung versehen, da empfindlichere Gemüter hier dann doch besser die Finger von dem Film lassen sollten. Für die gibt es hier dann aber durch das Remake von 2016 eine Alternative, welche sich aber auch nicht wirklich in Sachen Spannung und Nervenkitzel hinter dem Original verstecken muss.

Zum Schluss sei hier noch das Zitat aus dem LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS zum französischen Originalfilm INSIDE angeführt, mit dem ich seltsamer Weise wieder durchweg in einem gewissen Einklang stehen kann (was in der Regel ja bekanntlich eher Seltenheitswert hat):

> "Ein äußerst brutaler, unberechenbarer Film als eine der Spitzen des französischen Slasher-Genres. Mit erlesener Kameraarbeit  und soliden Darstellerinnen präsentiert sich ein leichenreicher Schocker, der nicht nur unter die Haut geht, sondern auch auf den Magen schlägt." <
(LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS zu INSIDE/A L'interieur, 2007)

Und auch hier nun die üblichen Daten zum französischen Originalfilm aus dem Jahre 2007:

»Inside« vs. »A L'interieur«

Inside - Was sie will ist in Dir
(A L'interieur)
mit Alysson Paradis, Beatrice Dalle, Natalie Roussel, Tahar Rahim, Francois-Regis Marchasson, Claude Lule, Jean Baptiste Tabourin, Nicolas Duvauchelle, Ludovic Berthillot, Aymen Saidi, Emmanuel Guez, Hyam Zaytoun, Emmanuel Lanzi u.a.
Regie: Julien Maury, Alexandre Bustillo
Drehbuch: Alexandre Bustillo
Produktion: Verane Frediani, Franck Ribiere
Musik: Francois Eudes
Genre: Horror/Thriller
Laufzeit: 79 Minuten
DVD/FSK: Ungeprüft, indiziert und beschlagnahmt
Vertrieb: Senator Entertainment/Autobahn-Label
Frankreich 2007

Kommentare  

#1 Friedhelm 2018-09-15 09:54
Nun bieten die Franzosen ja bereits eine ganze Weile auf der Horror/Thriller-Schiene ordnetlich mit - und den von dir angesprochenen "Martyrs/08" fand ich tatsächlich sehr verstörend - aber auch "übelst spannend".

Zugegebener Maßen bin ich schon "sehr vorsichtig", wenn ab und an wieder ein Remake ansteht. Allerdings gibt es dann auch Zeiten, in denen mich doch noch etwas überraschen kann.

Da trifft es sich jetzt gut, dass mir Bustillos Originalfilm (noch) nicht bekannt ist - somit wäre eine gewisse "Unbefangenheit" schon mal drin, wenn ich mir tatsächlich die Neuverfilmung reinziehen sollte. Jedenfalls kriegt meiner einer nach der Lektüre deiner Besprechnung irgendwie Lust dazu..

"Witziger Weise" stand ich nämlich erst Montag in unserer (letzten) Videothek vor genau diesem Film. Ich habe mich dann aber -trotz Empfehlung- für Spielbergs "Ready Player One" entschieden.
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#2 Norbert 2018-09-15 10:18
Tja, so sind die Ansichten und Empfindungen unterschiedlich. Das französische Terrorkino der 2000er hat für mich lediglich einen guten Film hervor gebracht, eben den von dir beschriebenen INSIDE. Den Hype um all die anderen Dinger habe ich nie verstanden. HIGH TENSION, der die Welle in Gang brachte, basierte auf einem Drehbuch, das offenbar von einem Vorschüler geschrieben wurde und der in seinen harten Momenten kaum der Rede wert war. MARTYRS ging mir völlig am Hintern vorbei, ich konnte weder den Inhalt noch die Personen nachvollziehen, das Ganze war mir zu gewollt provokativ, und FRONTIER(S) war einfach nur ein kunstvoll aufgeblasener Slasher. Letzterer braucht übrigens kein US-Remake, denn dazu haben sich die Macher zu sehr an US-Vorbildern aus den 70ern orientiert.

So bleibt INSIDE (das Remake kenne ich nicht, werde es mir beizeiten aber mal geben). Mein Magen kann eine Menge ab, aber ich gebe zu, dass ihm hin und wieder doch etwas mulmig wurde. Die Story jedoch, einhergehend mit den beiden exzellenten Hauptdarstellerinnen, wusste mich zu fesseln und zu überzeugen. Weiß der Deibel, aber ich gehe in vielerlei Hinsicht mir dir konform, Konrad. Das Drehbuch hat offenbar etwas mehr Zeit erfordert als die oben genannten, denn es ist schlüssiger durchdacht und besitzt Wendungen, die mich zuweilen überrascht haben. Wenn er in der Gewalt nicht manchmal so unnötig über die Stränge schlagen würde, dann könnte ich ihn uneingeschränkt empfehlen. Vielleicht wäre es aus diesem Grund interessant für mich, mir das Remake anzusehen, das deinen Worten nach etwas gemäßigter zu sein scheint. Wenn die Story ähnlich gut herüber kommt, dann wäre ich schon dankbar. Mal sehen ...

Das US-Remake hat übrigens noch einen anderen Hintergrund. Zum Einen mögen die Amis ja keine synchronisierten oder untertitelten fremdsprachigen Filme (außer beim Arthaus-Kino), außerdem hätte INSIDE für ein R-Rating sicherlich Federn lassen müssen. Zum Anderen gab es vor etwa vier Jahren einen Vorfall der durch die Weltpresse ging. In einer US-Kleinstadt (den Namen habe ich jetzt nicht drauf) drang eine Frau in das Haus einer (kurz vor der Geburt stehenden) Hochschwangeren ein, tötete diese und schnitt ihr danach das Baby heraus um es mit nach Hause zu nehmen. Dieses war einer der auslösenden Momente, dem Remake grünes Licht zu geben. Das wahre Leben ist oft grausamer als jeder Film es zeigen kann.
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#3 Friedhelm 2018-09-15 10:19
Zitat:
Zitat:

MARTYRS ging mir völlig am Hintern vorbei, ich konnte weder den Inhalt noch die Personen nachvollziehen, das Ganze war mir zu gewollt provokativ
Damit wird's schon wieder interessant, wie unterschiedlich Sichtweisen sein können. Die meine kann ich mir vielleicht durch ein gewisses Interesse an der Thematik erklären. Diese ewige "Was kommt danach"-Frage möchte ja fast jeder Mensch geklärt wissen - wenn auch kaum auf diese "bösartige" Art und Weise.

Dabei lässt "Martyrs" "seinen" Zuschauer am Ende dann auch noch irititiert ratlos im Sessel zurück.

Das nur dazu - es geht hier ja um "Inside" - und da werde ich mal schauen wie der Film auf mich wirkt.
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#4 Friedhelm 2018-09-15 10:38
Hast du da evtl die Zitate etwas durcheinander gewirbelt, Laurin? :-*

Zitat:

Das der französische Original-MARTYRS einen am Ende irritiert und ratlos zurücklässt, sehe ich hier sogar als eine der Stärken dieses Films an. Aber ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die immer einen positiven Abschluss haben müssen

Es gibt ja immer wieder (Horror)filme, die am Ende eben doch nicht "happy" sind. Und bei einem Film wie eben "Martyrs" hätte ich das eh nicht wirklich erwartet.

Dieses Ende ist auf alle Fälle mitleidslos konsequent. Und obwohl damit schon impliziert wird, dass es wahrscheinlich mit einem "Leben nach dem Tode" "Essig" sein wird,
ist man ja trotzdem ratlos - immerhin wüsste ich doch zu gerne, was das bedauernswerte Mädel der Alten denn nun ins Ohr geflüstert hat. Oder geht das ganze Elend wieder von vorne los...??

Ehrlich, bei diesen Aussichten würde ich mir wohlmölgich auch den Schädel wegpusten.. ;-)

Übrigens: "Inside" ist vorbestellt - Freitag weiss ich Bescheid..
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#5 Laurin 2018-09-15 10:47
Zitat Friedhelm:
"Zugegebener Maßen bin ich schon "sehr vorsichtig", wenn ab und an wieder ein Remake ansteht. Allerdings gibt es dann auch Zeiten, in denen mich doch noch etwas überraschen kann."
Wie gesagt, das Remake von MARTYRS war für mich eher ein Reinfall und absolut durchschaubar für die einfach gestrickten US-Gewohnheiten. Aber auch bei Remakes habe ich da mittlerweile so manche nette Perlen finden können.

Zitat Norbert:
" Wenn er in der Gewalt nicht manchmal so unnötig über die Stränge schlagen würde, dann könnte ich ihn uneingeschränkt empfehlen."
Nun ja, uneingeschränkt empfehlen tue ich Filme ja auch nicht immer, man muss da auch Rücksicht auf die "Weicheier" (Ups ... war ein Scherz :P ) nehmen und natürlich auch auf Jugendliche und Kinder. Aber die Beschränkung mit dem Wort "unnötig" im Satz kann ich da nicht teilen, denn als "unnötig" empfand ich da absolut nichts. Nur eben härter und daher nicht unbedingt für jeden geeignet. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir dieses französische "Terrorkino" durchaus sehr gut gefällt, weil mir da nicht immer diese Disney-Einstellung ins Auge springt wie bei nicht wenigen US-Horrorfilmen. Da ist auch das Remake von INSIDE eine löbliche Ausnahme und damit sehr sehenswert. ;-)

In einem Punkt muss ich Friedhelm aber auch absolut recht geben, denn Horrorfilme sind generell auch immer eine form der Provokation, sonst hätte es hierbei schließlich seit den 30er Jahren schon keine Entwicklungsmöglichkeiten gegeben. Schließlich sind Grenzen ja dazu da, um überschritten zu werden. ;-)

Das der französische Original-MARTYRS einen am Ende irritiert und ratlos zurücklässt, sehe ich hier sogar als eine der Stärken dieses Films an. Aber ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die immer einen positiven Abschluss haben müssen oder vor dem bis dahin alles verständlich ausgebreitet wurde. Da lässt MARTYRS von 2008 z.B. das Hirn des Zuschauers auch nach dem Film noch etwas arbeiten (bei dem sehr schwachen Remake hatte es sich indessen bis dahin schon in völliger Umnachtung ergeben). FRONTIER(S) müsste ich mir irgendwann allerdings noch an Land ziehen, da ich den noch nicht gesehen habe.

Nachtrag:
Zitat Norbert:
"HIGH TENSION, der die Welle in Gang brachte, basierte auf einem Drehbuch, das offenbar von einem Vorschüler geschrieben wurde und der in seinen harten Momenten kaum der Rede wert war. "

Nun, ob man den Romanautor Dean Koontz nun auch gleich einen "Vorschüler" nennen sollte, lasse ich einfach mal offen stehen, aber lies dir mal dessen Buch INTENSITY (von 1996) durch. Der Roman wird zwar zum Film HIGH TENSION nirgendwo genannt, aber die Handlung des Romans und der französische Film sind so auffällig in bis zu 80 Prozent deckungsgleich, dass ich persönlich davon ausgehe, dass Koontz Buch und der Film in einem offensichtlichen Zusammenhang stehen.
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#6 Laurin 2018-09-15 10:48
Oh ... Danke Friedhelm.
Da hatte ich wirklich den falschen Textteil als Zitat einkopiert. Habe es aber jetzt geändert. :o

Ich schätze mal, die hat der Alten gesagt, dass sie nach dem Tod alle als Beilage in einer Dosensuppe enden werden. :D
Aber Spaß bei Seite, genau ab dem Punkt setzt dann das Hirn ein und arbeitet noch nach dem eigentlichen Film weiter, weil Mensch von Natur aus ja neugierig ist, wie die gesamte Handlung ja drastisch an einer solchen elementaren Frage nach dem Leben nach dem Tod ja auch schön bescheinigt.

Und wenn der Film am Freitag da ist, wünsch ich dir von hier schon einmal viel Spaß beim schauen. ;-)
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#7 Des Romero 2018-09-15 10:51
INSIDE ist wirklich intensiv und verstörend, aber nicht unbedingt die Art Horrorfilm, die ich bevorzuge (beim zweiten Anschauen von NYMPHOMANIAC habe ich daher auch die Abtreibungsszene vorgespult – da hat's mich innerlich zerrissen).
Für FRONTIER(S) möchte ich Dir, Konrad, aber eine Empfehlung aussprechen. Sicher nicht wegen der Story, die kommt einem schon irgendwie bekannt vor, aber mir haben Darsteller und Gore-Effekte ausgezeichnet gefallen. Leider ist die FSK-Fassung um knappe 8 Minuten gekürzt, die SPIO/JK-Version immerhin noch um satte 3 Minuten. Aber Du weißt ja, wo man solche Filmchen uncut bekommt. :-)
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#8 Norbert 2018-09-15 10:57
Vielleicht ist der Ausdruck falsch. Natürlich wollen (gerade härtere) Horrorfilme provozieren und schockieren. Das geht prinzipiell durch die Bank. MARTYRS hat für mich ein bisschen zu sehr die Keule ausgepackt, mit der er mir sein Thema einhämmern wollte. Versteht mich nicht falsch. Wie so oft verlangt auch dieser Film, dass man in ihn und die Protagonisten eintauchen kann. Mir gelang dieses halt nicht und deshalb saß ich unbeteiligt davorund habe mich irgendwann sogar gelangweilt. Ich kann aber verstehen, dass der Film Wirkung erzielt, denn schon die Monotonie der Folterungen in der zweiten Hälfte kann verstörend sein, wenn es gelingt einzudringen.
Wenn der Roman von Koontz tatsächlich so weit deckungsgleich mit HIGH TENSION ist, dann möchte ich ihn lieber nicht lesen. Ich habe selten einen Film gesehen, der derart krass von Unlogiken und Anschlussfehlern strotzt. Die teilweise extremen Fehler verzeihe ich selbst einem Trashfilmer nicht gerne.
FRONTIER(S) wirst du mögen, da bin ich mir sicher. Ein Freund von mir bezeichnete ihn mal als "Das französische TEXAS CHAINSAW MASSACRE". Nun, ganz kann ich dem nicht zustimmen, aber er ist dem US-Terrorkino der 70er deutlich näher als jenem aus Frankreich. Gar so schlecht ist er ja auch nicht. Er ist dreckig und abgründig – ich fand den bloß so fürchterlich belanglos.
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#9 Friedhelm 2018-09-15 11:04
Zitat:

Zitat:
Ein Freund von mir bezeichnete ihn mal als "Das französische TEXAS CHAINSAW MASSACRE".
Tobe Hoopers Terrormovie "lebt" aber eigentlich davon, dass sich eben viel im Kopf des Zuschauers abspielt. HIer gibt es gar keine Goreszenen. Aber, (wie ich an anderer Stelle bereits einmal ewähnte...), nachdem meine Schwestern den Streifen während eines USA-Trips sahen, haben die beiden mir von blutigen Details berichtet, die darin gar nicht vorkamen - Kopfkino also.

Interessanter Weise weist die deutsche Fassung Schnitte auf, die offensichtlich nichts mit den Gewaltsequenzen zu tun haben.

Hooper hatte ja wohl auch noch ganz andere Ideen, die sich dann doch nicht durchsetzen liessen. Unter anderem wollte er die "Fleischerhaken-Sequenz wesentlich härter gestalten - und vom Tisch sollten menschliche Fleischfetzen "runterhängen".

Mittlerweile tobt sich das französische Genre-Kino in dieser HInsicht richtig aus - und da frage ich mich manchmal, ob nicht "weniger mehr wäre.."

Aber wahrscheinlich würde Hooper -auch mit Blick auf die Franzosen- ein"Blutgericht-Remake" heute noch viel unbarmherziger angehen..
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#10 Laurin 2018-09-15 11:09
Zitat Norbert:
"Wenn der Roman von Koontz tatsächlich so weit deckungsgleich mit HIGH TENSION ist, dann möchte ich ihn lieber nicht lesen."
Umgekehrt wird wohl eher ein Schuh daraus (da habe ich mich wohl auch etwas ungenau ausgedrückt), denn der Film ist eher ziemlich deckungsgleich mit dem Roman von Koontz. Heißt, im Roman von 1996 selbst ist einiges mehr drin in Sachen Handlung und er lässt sich daher auch durchaus besser lesen als man den Film vielleicht ansehen kann. HIGH TENSION (aus dem Jahre 2003) scheint hier aber ordentlich Ideen bis hin zu ganzen beschriebenen Szenen bei INTENSITY abgeschöpft zu haben. Da ich den Film ja kenne und auch den Roman von Koontz gelesen hatte, sind mir da die besagten enormen Ähnlichkeiten der Grundstory sowie Handlungsabläufe in ganzen Passagen förmlich ins Auge gesprungen. Ich kann da auch durchaus sagen, dass ich wahrlich kein Fan von Koontz bin, aber INTENSITY halte ich durchaus für einen seiner wenigen gelungenen Horrorromanen.

Zitat Friedhelm:
"Hooper hatte ja wohl auch noch ganz andere Ideen, die sich dann doch nicht durchsetzen liessen. Unter anderem wollte er die "Fleischerhaken-Sequenz wesentlich härter gestalten - und vom Tisch sollten menschliche Fleischfetzen "runterhängen"."
Ich glaube hier durchaus das Hooper hier mehr Blut und körperliche Einzelteile aufgefahren hätte, wenn man ihn nur gelassen hätte. Aber er weiß wie der Hase läuft und er besser fährt, wenn er (zumindest damals) so einiges dem Kopfkino der Zuschauer überlässt.

Zitat Friedhelm:
"Mittlerweile tobt sich das französische Genre-Kino in dieser HInsicht richtig aus - und da frage ich mich manchmal, ob nicht "weniger mehr wäre..""
Das weniger hat man bei MARTYRS ja nun im Remake und wer da das Original ungeschnitten kennt, der macht um das Remake schon deshalb locker einen Bogen. Irgendwie ist das Remake nämlich weder Fisch noch Fleisch wenn man das Original kennt und schmeckt im Abgang eigentlich nur noch fade.
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#11 Norbert 2018-09-15 12:36
Ich gebe dir Recht, Konrad. Egal ob man MARTYRS mag oder nicht, das Thema und die Handlungsentwicklung verlangen sozusagen eine "Harte Hand". Ich werde mir die US-Version gewiss niemals anschauen, denn diesen Stoff in einem Mainsteam-Horror kann ich mir in keiner Weise wirkungsvoll vorstellen. INSIDE in einer abgeschwächten Form allerdings schon, weshalb ich den in Augenschein nehmen werde.
Die Welle des französischen Terrorkinos ist längst abgeebbt, Friedhelm. Auch die Macher der damaligen Filme haben inzwischen deutlich moderatere Horrorfilme abgeliefert, die zum größten Teil ein höheres Niveau haben.
Hooper hat eigentlich immer weniger gezeigt als die Filme hergegeben haben. Auch wenn z.B. TCM 2 einige explizite Szenen aufweist, so findet letztlich doch nicht so viel Goriges statt wie gerne hineininterpretiert wird. Letztlich mag ich Hoopers Filme, wenn man mal von diesem absonderlich albernen INVASION VOM MARS absieht. Sie bieten meistens mehr als sie zeigen.
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#12 Laurin 2018-09-15 12:42
Zitat:

Die Welle des französischen Terrorkinos ist längst abgeebbt, Friedhelm

OKay, stimmt, ich hätte meine Worte wohl bedachter wählen solle. Sagen wir mal, das französische Terrorkino hat sich in gewisser Hinsicht ausgetobt - ist aber wohl nicht ganz tot.

Zitat:

Hooper hat eigentlich immer weniger gezeigt als die Filme hergegeben haben. Auch wenn z.B. TCM 2 einige explizite Szenen aufweist, so findet letztlich doch nicht so viel Goriges statt wie gerne hineininterpretiert wird.

Jo, da ist es wieder - das Kopfkino. Ich finde ja eh, dass so etwas eine viel größere Wirkung erzielen kann, als explizit dargestellte Gore-FX. Siehe, oben, das Beispiel meiner Schwestern.

Ganz ehrlich, ich bin ja auch eher so einer, der da eher gemäßigt ist. Zuviel "Blut und Gedärm" muss eigentlich nicht sein.
Drum kann ich mir, z.B., Tobe Hooper "Texas Chainsaw Masscre" immer wieder mal anschauen.
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#13 Laurin 2018-09-15 12:53
@ Norbert:
Mach das bei INSIDE, denn auch die abgeschwächte Form finde ich hier absolut gelungen. ;-)

Ob das französische Terrorkino allerdings abgeebbt ist, lasse ich mal dahin gestellt. Da wurde ja eigentlich nie zügig nachgelegt. Und wenn man schon denkt, es kommt nichts mehr, hauen die Franzosen wieder einen solchen Klopper raus.
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