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Ein Serienkiller der nicht sterben will - »Haus der 1000 Leichen«

Haus der 1000 LeichenWen die Hölle wieder ausspuckt
»Haus der 1000 Leichen«

Vier junge Leute sind auf den manchmal recht einsam gelegenen Straßen der USA unterwegs. Und wie das im soganannten Nirgendwo so ist, geht ihnen irgendwann das Benzin aus und man kann sich in der Wildnis auch nicht gerade ein für sich angenehmes Angebot  unter verschiedenen Anbietern aussuchen. Also muss man dort einkehren, wo man sonst vielleicht nicht unbedingt mit dem Wagen halten würde. Und dann gestaltet sich das ganze auch noch recht bizarr.

Haus der 1000 LeichenDenn der Besitzer der Tankstelle ist ein ziemlicher Freak mit der Schminke eines Clowns im Gesicht und wohl auch einem beträchtlichen geistig-sozialen Schaden, der sich daüber hinaus auch noch Captain Spaulding nennt.

Captain Spaulding betreibt jedoch nicht nur ein Geschäft für den begehrten Kraftstoff einer Nation von Autofahrern, sondern pflegt nebenbei noch eine Freakshow samt einem Museum für diverse blutige Monstrositäten.

Einer der Jungs beschließt jedenfalls schon einmal aus reiner Neugierde auch gleich für sich und seine Freunde eine Eintrittkarte für das düstere Museum zu erstehen.

The Hardcore Horror Picture Show!

(Zitat: Rückseite des DVD-Pappschubers)

Haus der 1000 LeichenDieser Tripp durch die blutigen Niederungen im düsteren Hinterland der Vereinigten Staaten weiß Captain Spulding noch mit den Erzählungen über den Serienkiller Dr. Satan zu verschönern, der hier am Ort gelebt haben soll. Jerry ist von Spauldings Erzählungen so begeistert, dass er seine Freunde dazu überredet, sich auf die Suche nach dem Galgenbaum zu machen, an den man Dr. Satan damals wohl eher vergeblich aufgehängt hatte.

Also macht man sich frisch betankt auf die Suche und trifft in dieser unwirklichen Gegend auch gleich auf eine sexy Anhalterin, die man direkt mal mitnimmt, bevor man sich dann auch bald noch eine Autopanne einhandelt. Doch irgendwie ist man zumindest recht nahe an dem Haus, in dem die sexy Schnecke mit dem sinnigen Rufnamen Baby wohl mit ihrer Familie lebt. Und diese Familie Firefly, allen voran dabei auch die Mutter selbst, wirken zwar ebenfalls etwas recht seltsam, aber nicht unbedingt gefährlich. Ein Umstand, der jedoch in der nahenden Nacht zu Halloween nicht trügerischer sein könnte.

Haus der 1000 LeichenSchrill, verrückt und absolut mörderisch:
Die vier jungen Leute müssen sich über eine spätere Altersversorgung jedenfalls keine wirklichen Gedanken mehr machen. In der Nacht zu Halloween schlagen diese Freaks nämlich recht mordlustig zu und schrecken auch nicht davor zurück, ihre Opfer erst einmal ordentlich zu foltern.

Man gewinnt jedenfalls hier den Eindruck, dass man in den Weiten der amerikanischen Wildnis ständig Gefahr läuft, nicht nur auf typische Hinterwäldler zu stoßen, die Drogen verticken, sich den Schnaps selbst brennen und auch sonst mit fremden Mitmenschen nicht unbedingt zimperlich umgehen. Nein ... hier scheint auch die eigentliche Wiege aller erdenklichen Psychopathen zu liegen, welches man allerdings aus guten Gründen nicht gesondert in den betreffenden Landkarten verzeichnet.

Der 'Natural Born Killers' unter den Horrorfilmen!

(Zitat: Filmzeitschrift Cinema)

Haus der 1000 LeichenMit dem typischen Horrorfilm, welcher sich eher an den klassischen Elementen orientiert, hat der Film HAUS DER 1000 LEICHEN jedoch eher wenig zu tun, auch wenn dieser Film des Musiker (Harvey Metal) und Filmschaffenden (wenn es blutig werden soll) Rob Zombie durchaus in dem Genre fest beheimatet ist. Der Film selbst wirkt mitunter dabei durchaus wie eine Mischung aus Marilyn Manson, den Butcher Babies und der apokalyptischen Betrachtungsweise eines Heronymus Bosch, wie es ähnlich schon das Filmmagazin CINEMA in ihrer Kritik festgestellt hatten. Rob Zombie orientiert sich eigentlich auch in seinen filmischen Beiträgen zum Genre verstärkt eher an den Horror-Slashern der 70er Jahre, die die Welt der Filmkritiker schon immer ziemlich gespalten hatten. Entsprechend gab es da auch für den Film HAUS DER 1000 LEICHEN, der im Jahre 2002 gedreht und 2003 dann auch in die Kinos kam, ziemlich miese Kritiken besonders seitens THE HOLLYWOOD REPORTER bis zum deutschen LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS, welche durchaus nett von einem "abstoßenden" Horrorfilm sprachen, in dem die betreffenden Charaktere wie "Schlachtvieh" eingesetzt werden. Es hätte mich allerdings auch gewundert, wenn man seitens dieser Filmlexikon-Institution den Film anders bewertet hätte. Rabenschwarzer Humor ist bei diesen Kritikern jedenfalls immer schon absolute Mangelware gewesen.

Rob Zombie, der ja auch die Regie führte, ließ sich da nicht lumpen und steuerte natürlich neben dem Drehbuch gleich auch noch den gesamten Soundtrack bei, der mit insgesamt 25 Titeln wie etwa RUN, RABBIT RUN oder PUSSY LIQUOR sowie LITTLE PIGGY auch noch mit einigen Dialog-Ausschnitten aufwartet. Im Film selbst zitiert Rob Zombie dann noch - durch seine Darsteller - eine gewisse Auswahl aus diversen anderen Genrefilmen.  

Haus der 1000 LeichenDer Film selbst kam allerdings zuerst einmal ungeschnitten mit einer Altersfreigabe von 18 Jahren 2003 in die deutschen Kinos. Danach wütet allerdings die Schere, so das es bald neben einer Fassung mit SPIO/JK Kennzeichnung (identisch mit der Kinofassung) auch noch diverse recht verstümmelte Versionen als DVD auf den Markt kamen, die schon fasst in den Bereich des Kurzfilm ohne Sinn und Verstand eingereiht werden konnten. Die mir vorliegende Fassung der BLODDY MOVIES COLLECTION, die ich z.B. beim Elekto-Großhändler Saturn recht günstig (ich glaube je Film der Collection damals nur rund fünf Euro gezahlt zu haben) erhalten hatte, dürfte allerdings laut der dortigen Angabe der Laufzeit auch noch um mindestens zwei Minuten geschnitten sein, was sich allerdings bei dieser Version durchaus aber verschmerzen lässt. Die Schnitte fallen nämlich hier im Handlungsverlauf nicht wirklich störend ins Auge. Schade ist es trotzdem, wenn ein Film selbst nur lockere 85 Minuten Laufzeit besitzt und dann noch auf 83 Minuten verstümmelt wird. Ob die nun noch fehlenden zwei Minuten wirklich so erschreckend sein sollen, wage ich ebenfalls mit einigem gesunden Verstand und Erfahrung bei solchen Filmen stark zu bezweifeln.

Haus der 1000 LeichenMeine Filmkritik:
Was die Handlung angeht, mag der Film HAUS DER 1000 LEICHEN nicht unbedingt der große Wurf zu sein und über weite Strecken wirkt die Handlung dann auch durchweg recht skurril bis bizarr, so das man hier kaum in einer vernünftigen Form von einem gewissen Realismus innerhalb der Handlung reden könnte, welche z.B. diverse Kürzungen hätten rechtfertigen können. Das hinderte den Film allgemein gesehen aber zu Recht nicht daran, einen gewissen Kultstatus zu erlangen, selbst wenn die Meinungen auch der Filmfreunde des Genre hier stark auseinander gehen mögen.

Der Film HAUS DER 1000 LEICHEN ist nämlich einfach so perfekt over-the-Top wie ein schriller Albtraum, dem es dann doch irgendwie gelingt, einem im Schlaf auch den letzten eigenen Tropfen Schweiß in die Matratze versickern zu lassen. Wer realere Handlungen im Genre bevorzugt, der dürfte jedenfalls gerade bei diesem Film etwas falsches in den Player geschoben haben. Jedenfalls würde meiner Meinung nach jeder bereits ab 16 Jahre klar erkennen können, wie wenig diese Handlung mit der Realität zu tun hat, was die bestehende Altersfreigabe von 18 Jahren in diesem Punkt eben um ein gutes Stück weit ins Absurde führt.

Natürlich will man als Freund des Genre und als Filmfreund an sich immer lieber eine völlig ungeschnittene Fassung in der persönlichen Sammlung sein Eigen nennen können. Wer jedoch nicht auf den Film verzichten will, aber mit dem Kauf aus dem nahen Ausland aus finanziellen Gründen auch nicht ganz warm wird, der darf durchaus auf diese 83-Minuten-Version zurückgreifen, denn der Verlust von rund zwei Minuten dürfte kaum wirklich ins Gewicht fallen wenn man nämlich über ein gutes Kopfkino verfügt. Der Film weiß daher trotzdem noch recht ansprechend zu unterhalten und das Herz des Horror- und Slasher-Fan positiv zu erfreuen. Man sollte allerdings auf solch schrillen Beiträge des Genre auch irgendwie stehen.

Ich kann dem Film HAUS DER 1000 LEICHEN, der seinen gewissen Kultstatus durchaus verdient hat, noch lockere vier von insgesamt fünf Schlachtermesser als Bewertung zugestehen. Den einen Punkt Abzug muss ich allerdings in diesem vorliegenden Fall tätigen, eben weil uns hier wohl noch lockere zwei Minuten durch sinnfreie Tugendwächter vorenthalten werden.


Haus der 1000 LeichenHaus der 1000 Leichen
(House of 1000 Corpses)
mit Sid Heig, Sheri Moon Zombie, Bill Moseley, Karen Black, Erin Daniels, Jennifer Jostyn, Robert Ellen Mukes, Irwin Keyes, Dennis Fimple, Walton Goggin, William Bassett, Michael J. Pollard, Walter Phelan, Tom Towles, Chad Bannon, Chris Hardwick, Rainn Wilson, Matthew McGory u.a.
Regie, Drehbuch und Musik: Rob Zombie
Produktion: Andy Gould
Genre: Horror/Slasher
Laufzeit: 83 Minuten (Uncut 85 Minuten)
Version: Bloddy Movies Collection
DVD/FSK: 18 Jahre
Vertrieb: Tiberius Film
USA 2003

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