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Wenn du plötzlich aus dem Tiefschlaf erwachst - »Passengers«

PassengersWenn du plötzlich aus dem Tiefschlaf erwachst
»Passengers«

Das Raumschiff Avalon ist auf dem Weg zur Weltraumkolonie Homestead II, welche sich auf einem entfernten, erdähnlichen Planeten befindet.

An Bord befinden sich alle neue Kolonisten in einem Tiefschlaf in hierfür vorgesehene Stasiskammern, in denen sie die Reise von insgesamt 120 Jahren ohne einen nennenswerten Alterungsprozess überstehen können.

PassengersDoch als die Avalon in ein Asteroidenfeld fliegt, kommt es zu einem Unfall der dafür sorgt, dass der Passagier Jim Preston 90 Jahre vor der eigentlichen Zeit aufgeweckt wird.

Wenn Preston ohne nennenswerten Altersverlust die Reise im Weltraum und das erreichen der Kolonie Homestead II. erleben will, dann muss er wieder in eine intakte Stasiskammer. Doch jeder Versuch in diesem Punkt bleibt erfolglos, denn sein Aufenthalt auf dem riesigen Raumschiff bleibt auf die Passagierbereiche beschränkt. Der Zutritt zu den Sicherheitsbereichen oder dem Kontrollraum bleibt ihm als einfacher Passagier verwehrt. Zwar kann er alle Möglichkeiten innerhalb der Passagierbereiche nutzen, doch die Einsamkeit schnürt ihm bald geradezu jede Lebensfreude ab. Als einziger Gesprächspartner bleibt Preston nur Arthur, ein Roboter der als Barkeeper einer Bar im Raumschiff tätig ist.

Der Mensch mag nicht alleine sein:
Nach einem Jahr der Einsamkeit hat sich Preston in die junge und hübsche Passagierin Aurora verliebt. Die liegt aber nach wie vor sicher in ihrer Kälteschlafkammer. Preston, der die Einsamkeit leid ist, weckt Aurora heimlich auf, verschweigt ihr aber, dass es sich hierbei nicht um einen weiteren Unfall wie bei ihm handelt.

Auch Aurora bleibt nichts anderes übrig, als sich auf ein weiteres Leben auf dem Raumschiff einzurichten, wobei sie und Preston langsam auch ein Paar werden. Doch durch den Roboter Arthur erfährt Aurora schließlich den Grund, weshalb sie vorzeitig aus der Stasis erwacht ist. Wütend auf Preston, der in ihren Augen ihre Zukunft auf einem neuen Planeten zerstört hat, kommt es zwischen ihr und ihm sogar zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, in dessen Verlauf sie ihn fasst im Affekt erschlägt. Um daher weiteren Auseinandersetzungen zu entgehen, meidet Aurora in der nächsten Zeit jeden Kontakt zu Preston auf dem Raumschiff.

PassengersDoch die bisherigen Vorkommnisse lösen weitere Alarme auf dem Raumschiff aus, weshalb nun auch das Mitglied der Crew des Raumschiffes mit Namen Gus, wegen einem Systemfehler aus der Stasis erwacht. Mit ihm haben Preston und Aurora endlich die Möglichkeit, Zugang zum Kontrollraum des Schiffes zu erlangen. Die angelaufenen Fehler scheinen indessen schon vor zwei Jahren ihren Ausgangspunkt auf dem Raumschiff genommen zu haben und da die Stasiskammer von Gus wohl ebenfalls einen Fehler aufweist, sind seine inneren Organe  schwer geschädigt, weshalb er kurze Zeit später dann auch verstirbt. Doch die Gefahr ist längst noch nicht behoben, denn der Fusionsreaktor des Schiffes droht zu überhitzen. Zwar kann Preston mit einem Raumanzug das Schiff verlassen und von außen eine Notentlüftung herbeiführen, doch dabei kommt es erneut zu einem Unfall worauf er bewußtlos im All treibt.

Statt im Weltraum zu sterben, gelingt es Aurora jedoch, Preston wieder an Bord des Raumschiffs zu holen, wo er dann durch den  Medizinroboter wiederbelebt wird. Zwar findet Preston heraus, dass der medizinische Roboter Aurora ohne weiteres wieder in einen sicheren Tiefschlaf einer Stasiskammer versetzen kann, doch  die lehnt nun ihrerseits dieses Angebot ab um bei ihm zu bleiben.

88 Jahre später in der Zukunft wachen der Kapitän und die Crew des Schiffes auf, um die letzte Phase bis zur Ankunft in der Kolonie einzuleiten. Doch die Passagierbereiche sind mittlerweile wie ein Garten Eden mit allerlei Pflanzen begrünt und Vögel fliegen auf dem gesamten Schiff frei herum. Auf elekronischem Wege können sie Auroras Stimme hören, die ihnen mitteilt, was während der letzten Jahrzehnte passiert ist, indem die Crew wie auch die Passagiere im Tiefschlaf gelegen haben. Unbemerkt von den vielen anderen an Bord haben Aurora und Preston nämlich ein ausgefülltes und glückliches Leben miteinander verbracht.

PassengersZwischen Erwartungen und Fakten:
Der SciFi-Film PASSENGERS zählte 2017 zu den am meisten erwarteten Filmen in den Kinos. Inhaltlich hatte man den Film nämlich als ein actiongeladenes Abenteuer angepriesen und mit manchen Aussagen im Vorfeld machte man den Fans geradezu den Mund wässerig.

Was dann jedoch in die Kinos kam, erntete erst einmal reichliche Kritiken, denn zwischen dem angegebenen Anspruch und der Realität klafften plötzlich ziemliche Welten. Zumindest hätte man damit rechnen müssen, da man im Vorfeld keine Erwartungen schüren sollte, die man eigentlich nie vor hatte einzuhalten.

Auch fällt es bei den mitunter recht lustigen Dialogen dem Zuschauer durchaus auch recht schwer, sich in die Einsamkeit des einzig wachen Passagiers auf diesem riesigen Raumschiff hineinzuversetzen. Ein weiteres Manko wird dann auch in seiner weiteren Handlungsweise ausgemacht. Als "verwerflich und armselig" empfindet man nämlich innerhalb der Handlung, dass der männliche Protagonist sich dazu entscheidet, einen weiteren Passagier weiblicher Natur zu zwingen, sein einsames Schicksal auf dem Raumschiff zu teilen.

PASSENGER kann zwar mit dem reichhaltigen Design punkten. Besonders werden da die gläsernen Schlafkapseln oder der Pool genannt, der sich in der ungewollten Schwerelosigkeit schließlich recht selbstständig macht und fasst zu einer Todesfalle für Aurora wird.

Aber auch das konnte am Ende die Kritiker nicht wirklich besänftigen, die durchweg sehr richtig die weitere Entwicklung des Films bemängelten, in dem die Handlung sich konsequent in  Richtung einer völlig banalen Zweierromanze entwickelte, obwohl der Film zu Beginn durchaus genügend Potenzial in seiner Ausgangform aufgewiesen hatte, um daraus erheblich mehr heraus zu holen. Damit ging dem Film auch ab der Hälfte jegliche positive dramaturgische Logik verloren, weil man plötzlich auf Action von der Stange setzte und eigentlich nur noch auf ein Happy End hinarbeitete, welche eine gewisse plötzlich auftauchende Lustlosigkeit am Film selbst wohl nicht ganz verschleiern konnte.

Ob man sich da also bei den Kritikern mit der Gesamthandlung an sich und den im Vorfeld befeuerten Erwartungen wirklich Freunde gemacht hat, mag ernsthaft zu bezweifeln sein.

PassengersDas Fazit als Zuschauer:
Gut, der Film ist von der Handlung her nicht unbedingt ein Überflieger in Sachen Science Fiction, auch wenn man sich in Sachen Design und Ideen nicht unbedingt hat lumpen lassen.

Auch das Schauspiel von Jennifer Lawrence als Aurora, Chris Pratt als Preston und Michael Sheen als Roboter Arthur kann man kaum bemängeln. alle anderen Darsteller kann man hier getrost auf Seite schieben, da sie wenn überhaupt, nur sehr kleine Nebenrollen inne hatten, die für die Gesamtgeschichte kaum von wesentlichen Wert  waren.

Der Film PASSENGERS kann aber eben durch das Design, die gut umgesetzten Specialeffekte und die Ausgangsphantasie der Macher beim Zuschauer durchweg punkten und für den nötigen Blickfang sorgt hier natürlich Jennifer Lawrence, der es nicht wirklich schwer gefallen sein dürfte, aus einer dieser eher schwachen Rollen das bestmögliche noch heraus zu holen.

Der Film an sich ist kein wirklicher Actionfilm und auch kein spannungsgeladener Reißer auf der Kinoleinwand oder (später) dem Heimkino. Letzteres hat durchaus auch die Bundesprüfstelle recht schnell festgestellt, die dem Film locker eine Freigabe ab 12 Jahre bescheinigen konnte. Sie kamen einhellig zu dem Urteil, dass der Film totz einiger spannender Actioneinlagen im letzten Viertel des Films nirgendwo auch nur im Ansatz Elemente aufweist, welche  Kinder ab dem 12 Lebensjahr in irgend einer Form überfordern oder gar ängstigen könnten.

Der SciFi-Fan dürfte anhand der guten Specialeffekte trotzdem in einer gewissen Weise zu befriedigen sein und für einen lockeren Filmabend ohne viel Gehirnschmalz aber dafür als Alternative mit reichlich Popcorn garniert, ist der Film PASSENGERS durchaus noch ein recht angenehmer Zeitvertreib, dem man noch gute drei von insgesamt fünf Sternen als Bewertung zukommen lassen kann (und wohl auch darf), solange man die persönliche Messlatte für den Film nicht gleich zu hoch hängt.

PassengersPassaengers
(Passengers)
mit Jennifer Lawrence, Chris Pratt, Michael Sheen, Larence Fishburne, Andy Gracia, Julee Cerda, Kristin Brock, Fred Melamed, Tom Ferrari, Joy Spears, Kara Flowers, Alpha Takahashi, Nazanin Boniadi, Aurora Robinson Perineau u.a.
Regie: Morten Tyldum
Drehbuch: Jon Spaihts
Produktion: Stephen Hamel, Ori Marmur, Michael Maher, Neal H. Moritz
Genre: Science Fiction
Laufzeit: 111 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment
USA 2016

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