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The Autopsy of Jane Doe oder das Böse stirbt nie

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)The Autopsy of Jane Doe ...
... oder das Böse stirbt nie

In einem Vorort von Virginia ist ein grausames Verbrechen geschehen. Doch die örtliche Polizei kann sich bei den fünf blutig zugerichteten Leichen noch keinen wirklichen Reim machen. Zu vieles passt hier eigentlich nicht zusammen, wenn man ein Gewaltverbrechen voraussetzt. Doch die Sache wird noch komplizierter, denn im Keller findet man unter der losen Erde die weitere Leiche einer makellos schönen jungen Frau, deren Identität man jedoch nicht feststellen kann.

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)Doch die Sache wird noch komplizierter, denn im Keller findet man unter der losen Erde die weitere Leiche einer makellos schönen jungen Frau, deren Identität man jedoch nicht feststellen kann.

Also verpasst man ihr erst einmal schlicht den fiktiven Namen "Jane Doe". Ein Vorgang, der in den USA üblich ist, wenn man eine Frauenleiche findet, die man anhand z.B. der Fingerabdrücke usw. einfach nicht identifizieren kann. Doch woran ist sie gestorben? Ihr Körper scheint völlig makellos zu sein und weist äußerlich keinerlei Verletzungen auf. Und eigentlich kann man bei ihr nicht einmal halbwegs den wirklichen Todeszeitpunkt eingrenzen. Da der Sheriff in diesem Fall unter mächtigem Zeitdruck steht, lässt er die Leiche der jungen Frau direkt in die örtliche Pathologie bringen.

Der Gerichtsmediziner Tommy kann längst auf eine lange Familientradition in Sachen Pathologie zurückblicken und nun arbeitet er hier unten mit seinem Sohn und Assistenten Austin zusammen. Dabei hat er das Leichenhaus mit allem hierzu benötigten Einrichtungen sogar in den Kellergewölben unter seinem Privathaus eingerichtet. Nach dem Tod seiner Frau und Mutter von Austin ist die Verbindung zwischen Vater und Sohn sogar noch intensiver geworden. Doch Austin hadert mit seinem Job mit den Leichen und würde sich lieber ein eigenes Leben zusammen mit seiner Freundin Emma aufbauen. Die will ihn auch gerade abholen, liebt aber auch irgendwie den Nervenkitzel dort unten zwischen den Leichenkammern.  Ihrer Neugierde zum Trotz möchte Austin ihr den Anblick der zum Teil erschreckenden Leichen lieber vorenthalten, während sein Vater Tommy ihn sogar ermutigt, ihr die Leichen zu zeigen und damit ihre Neugierde endlich zu stillen. Als sich Emma gerade eine Leiche ansehen möchte, der das ganze Gesicht faktisch weggeschossen wurde, wird jedoch gerade die Leiche "Jane Doe" vom Sheriff eingeliefert mit der Bitte, direkt die Arbeit an ihr zu beginnen. Zumindest will man wissen, woran die junge Frau überhaupt gestorben ist.

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)Emma würde zwar mit Austin nun lieber diesen Ort verlassen, doch dieser entscheidet sich dann doch schweren Herzens dafür, seinen Vater in diesem merkwürdigen Fall zu unterstützen.

Als Vater und Sohn mit der Leiche alleine sind und sie anfangen zu untersuchen, stellen sie erste Merkwürdigkeiten fest. Die Hand- und Fußgelenke der jungen Frau scheinen durch Fesseln gebrochen worden zu sein, doch es gibt keine Anzeichen von Verletzungen, Schwellungen oder Blutergüsse. Der Todeszeitpunkt kann auch nicht wirklich bestimmt werden. Anhand der getrübten Augen müsste sie schon einige Tage tot sein, weißt aber am ganzen Körper keinerlei Leichenflecken auf, wie es dann eigentlich üblich sein müsste.

Die Autopsie födert mit der Zeit immer mehr Seltsamkeiten hervor. So hatte man ihr wohl die Zunge herausgeschnitten. Ihre Nase fängt plötzlich an zu bluten an und eine Fliege krabbelt dabei aus einem ihrer Nasenlöcher heraus. Und in ihren Eingeweiden findet man mit der Zeit weitere Seltsamkeiten und einen kleinen Fetzen Stoff mit seltsamen, scheinbar okkulten Zeichen.

Während Tommy als alter Hase in diesem Job bisher mit einer gewissen Abgeklärtheit zu Werke geht und sich zuerst kaum aus der Ruhe bringen lässt, ist es Austin, der sich durch seine privaten Probleme und die schockierenden Funde als erster zusehends ablenken lässt. Doch je mehr Dinge sie bei ihren Untersuchungen an und in der Leiche von "Jane Doe" entdecken, was eigentlich nicht sein dürfte, um so mehr geraten beide sichtlich aus der Fassung.

Doch es bleibt nicht nur bei den entsetzlichen Entdeckungen während der Untersuchung. Plötzlich bricht die Stromversorgung zusammen, was man zuerst einem Unwetter zuschiebt. Doch dann werden Tommy und sein Sohn Austin von Visionen geplagt, als würden sie nun von den anderen Leichen hier unten bedroht, die plötzlich auferstanden zu sein scheinen und ehe sie sich versehen, befinden sie sich selbst hier unten völlig eingeschlossen in höchster Gefahr. Der blanke Horror scheint direkt von der Leiche der unbekannten jungen Frau auszugehen, die im Tode doch lebendiger zu sein scheint, als Vater und Sohn es sich in ihren schlimmsten Alpträumen vorstellen können.

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)Eigentlich ein Kammerspiel mit wachsender Spannung:
Der Film THE AUTOPSY OF JANE DOE fängt eigentlich an wie ein Krimi der sich intensiv um die Pathologie und ihre Geheimnisse dreht, Informationen anhand einer Leiche zu finden. Dies setzt Regisseur Andre Ovredal (den Querstrich im "O" seines Namens müsst ihr euch leider denken, da dies meine Tastatur nicht hergibt) auch recht kühl und schnörkellos in Szene. Hier muss man aber darüber hinaus auch die Leistungen hinsichtlich der Kameraarbeit sowie auch dem effektiven Einsatz der Musik würdigen.

"Watch it. But not Alone" (Pass auf. Aber nicht allein.)

(Zitat: Stephen King/DVD-Cover/in Klammern die deut. Übersetzung)

Schon zu Anfang wächst die Spannung recht intensiv an. Dies liegt aber auch durchaus an der klaustrophobischen Atmosphäre, die dem Zuschauer einen kalten Schauer über den Rücken jagen kann. Man darf sich hier durchaus an viele Szenen aus dem damaligen Horror-Thriller und Überraschungserfolg NIGHTWATCH - NACHTWACHE (Originaltitel NATTEVAGTEN) aus Dänemark/1994 von Regisseur Ole Bornedal erinnert fühlen, dem es durchweg gelang, das Potenzial einer wirklich beklemmenden bis bedrohlichen Atmosphäre in einem Leichenschauhaus auf die Zuschauer überspringen zu lassen.  Wer diesen Film noch nicht kennt, der sollte ihn sich nicht entgehen lassen und möglichst hierbei nicht auf das US-Remake mit Ewan McGregor und Nick Nolte aus dem Jahre 1997 mit dem Titel FREEZE - ALPTRAUM  NACHTWACHE zugreifen. Das Remake wurde ebenfalls von Ole Bornedal als Regisseur umgesetzt, ist aber wesentlich schwächer als seine eigene Originalverfilmung NATTEVAGTEN von 1994 und kam deshalb auch bei den Kritikern und an den Kinokassen schlechter weg. Dies mag daran liegen, dass das Remake hier auch bewußt auf die Sehgewohnheiten des US-Kinomarktes umgestrickt wurde.

"Nervenzerreißender Schocker"

(Zitat: Fantasy Filmfest)

Der Norweger Andre Ovredal (TROLL HUNTER/2011) schlägt hier nun mit THE AUTOPSY OF JANE DOE in die gleiche finstere Kerbe ohne jedoch hier etwas einfach nur zu kopieren. Scheinbar mühelos gelingt es ihm in diesem Film schon zu Anfang das stetige Anwachsen einer zuerst nicht greifbaren Bedrohung selbst auf den Zuschauer überspringen zu lassen, so das im Film selbst keinerlei wirklichen Längen auftauchen.  Mehr und mehr merkt der Zuschauer dabei, wie die mitunter nicht immer ganz so appetitlichen Untersuchungen an einer Leiche bedrohlich langsam in Richtung Okkultismus und übersinnlicher Gefahr abgleiten, bis das diese Elemente der dunklen Phantastik sich mit einem heftigen Showdown Bahn brechen.

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)Die Präsenz einer (scheinbar) Toten:
Olwen Catherine Kelly hat hier die wohl einfachste Rolle im gesamten Film. Was muss eine Leiche auch anders tun, als bewegungslos auf dem kalten Metalltisch der Pathologie herum zu liegen. Die einzige sichtbare Bewegung wird im Film auch erst ganz am Schluss kurz und knapp, aber trotzdem recht effektiv in Szene gesetzt, wobei es sich auch hier nur um eine ziemlich kleine und unscheinbare Bewegung handelt.

Trotzdem kann man sie als die dritte und ebenso wichtige Hauptperson im gesamten Film betrachten. Sie ist faktisch der Mittelpunkt und die Figur, um die sich alles dreht und auf der sich die Handlung erst wirklich aufbaut. Es ist hierbei schon eine gewisse Kunst, sie zuerst noch recht hübsch ansehbar, aber dann ziemlich schnell auch als zentrale Bedrohung wirken zu lassen. So rechnet man als Zuschauer gebannt auch recht schnell damit, das diese weibliche Leiche sich jederzeit aufrichten könnte. Doch diesen einfachen wie klischeehaften Schockeffekt verkneift man sich über den gesamten Film hinweg, bis das es der Phantsie des Zuschauers am Ende des Films selbst überlassen bleibt, sich vorzustellen, was diese (nun wieder hübsche) Leiche noch anstellen wird.

Am Anfang wirkt sie wie bereits betont selbst tot noch wirklich hübsch, was sich aber bald ändert, wenn es dann um die Untersuchungen im Inneren ihres Körpers geht. Man kann also durchaus sagen, das die Kameraführung und die gut gewählten Bildsequenzen hier die bedrohliche wie auch beklemmende Stimmung perfekt in Szene setzen. Eigentlich sieht man sogar ziemlich selten eine Filmleiche, die dabei so perfekt tot aussieht, wie Olwen Catherine Kelly und bei der man gespannt die gesamte Zeit über geradezu gespannt darauf wartet, das sie plötzlich aufsteht um persönlich blutigst zuzuschlagen.

Darüber hinaus füllen aber auch Brian Cox als Gerichtsmediziner Tommy und Emile Hirsch als sein Sohn und Assistent Austin  die Handlung mit einer durchweg guten und glaubwürdigen schauspielerischen Leistung aus, so das man hier eigentlich nur sagen kann, das hier auch von seiten aller Darstellern bis zum letzten Komma an der Perfektion einer glaubwürdigen wie beklemmenden Atmosphäre gearbeitet wurde.

Ophelia Lovibond als Emma trägt so durch ihre typisch weibliche Neugierde, angetrieben durch einen morbiden Nervenkitzel, ebenfalls schon zu Beginn für einen sich steigernden Spannungsaufbau bei. Leider erwicht es sie hinterher recht schnell. Eine Neugierde, die zwar keine vom Zuschauer erwarteten Aktivitäten zeitigt, auch wenn die Handlung später für sie als Emma alles andere als gut ausgeht. Aber auch diese Szene ist ein kleines Highlight, denn eigentlich hatte man ihren plötzlichen Tod  als Zuschauer nicht mehr wirklich auf dem Schirm. Dieser inhaltliche Kniff ist zwar auch nicht wirklich neu, sorgt aber hier an der richtigen Stelle eben für einen kleinen und gut platzierten Schockmoment innerhalb der Handlung.

The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)Meine Filmkritik:
THE AUTOPSY OF JANE DOE ist in Sachen Darsteller und Umfeld eher als ein minimalistischer Film zu betrachten, dem es jedoch sehr gut gelingt, aus dem wenigen eine ganze Menge heraus zu holen.

Dem Film, der wie eine düstere Version einer CSI-Krimifolge beginnt, die man mit etwas AKTE X gekreuzt hat, mag man gerne recht gespannt vom ersten Augenblick an folgen, wobei der eigentliche Schrecken sich eher am Anfang schleichend in die Handlung einwebt, bis dass das Grauen ziemlich hinterhältig um sich greift. Durchhänger gibt es dabei zu keiner Minute und die Spannung steigert sich von Sekunde zu Sekunde beständig, so das man als Zuschauer wirklich keinen Moment verpassen möchte, so kurz er auch sein sollte.

Dafür, dass ich von diesem Horrorfilm eigentlich vorher nicht viel gehört, bzw. mitbekommen hatte, hat mich dieser Beitrag wirklich im Bereich Horror und Thriller angenehm überrascht. Dabei muss ich zugeben, das mein Interesse bereits durch einen Trailer im Internet etwas geweckt wurde. Nun darf man den Inhalt eines kurzen Trailers aber auch nicht zu hoch bewerten, so das ich die Messlatte für diesen Film auch nicht direkt sehr hoch gelegt hatte, was durchaus auch ein nachträglicher Pluspunkt sein mag. Denn so wird man, wie in diesem Fall, durchweg recht positiv überrascht. Ich komme daher auch nicht drumherum, dem Film THE AUTOPSY OF JANE DOE die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten zuzugestehen und kann ihn nur jedem Fan von kleinen aber sehr böse gestalteten Horrorfilmen nur empfehlen.


The Autopsy of Jane Doe (The Autopsy of Jane Doe)The Autopsy of Jane Doe
(The Autopsy of Jane Doe)
mit Emile Hirsch, Brian Cox, Olwen Catherine Kelly, Ophelia Lovibond, Jane Perry, Michael McElhatton, Parker Sawyers, Yves O'Hara, Louis Tannis u.a.
Regie: Andre Ovredal
Drehbuch: Ian B. Goldberg, Richard Naing
Produktion: Eric S. Garcia, Fred Berger (III), Rory Aitken u.a.
Genre: Horror/Thriller
Laufzeit: 86 Minuten (BD)
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Universum Film Home Entertainment
Großbritannien/USA 2016

Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-11-01 20:46
Ich hatte den Film am letzten Sonnabend. Ehrlicher Weise tue ich mich mit solchen Stories "immer etwas schwer", all die Weil, ich den Plot zunächst recht spannend fand - aber dann irgendwie nicht mehr mitkam (Kann auch daran gelegen haben, dass ich zwischendurch mal eingenickt bin.)

Okay, das Ding ist schon recht düster - und die Idee ansich auch nicht schlecht. Aber am Ende kam dann doch ein recht bekannter Twist - man sieht wie die Leiche der "Hexe" ihren Zeh bewegt. Und das deutet nun wohl daraufhin, dass der Horror weitergeht. Das Böse, das nie endet..
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#2 Laurin 2017-11-01 22:11
@ Friedhelm:
Wie heißt es so schön, das Böse stirbt nie. Dieser Twist (wenn auch reichlich bekannt) zeigt doch gerade die Ausbaufähigkeit einer solchen Aussage. Kleines Beispiel: Ich persönlich kriege da immer Lachkrämpfe, wenn ein Autor der bekannten Groschenheft-Front beispielsweise schreibt, dass sein "menschlicher" Held gerade einen Dämon vernichtet hat. Klingt genauso lustig wie, wenn man schreiben würde, das der Held mit Gott gerade um die Ecke einen Kaffee trinken geht. Die gesamte Struktur einer solchen Story (egal ob Roman oder Film) stammt schlicht aus dem Bereich des Krimi, nur das man das Wort Gangster z.B. durch Dämon auswechselt (usw.). Man kann dem glaubhafter daher eher entgegensetzen: Wenn das Böse für die Menschheit endet, ist die Erde wüst und leer. ;-)

Und mal ehrlich, wenn man einnickt, kann man bei der Handlung auch nicht mehr mitkommen. Kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. :D
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