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Ein phantastischer Filmklassiker - Gesichter der Furcht mit kleinen Schwächen

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 112
Gesichter der Furcht mit kleinen Schwächen

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Da gab es schließlich auch Horror-Anthologien.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)
Und wer mit dem Originaltitel bei der Aussprache so seine Schwierigkeiten hat, der darf den Film auch BLACK SABBATH nennen. Unter dem Titel lief der Film z.B. in den USA über AIP. Doch diese Horror-Anthologien von Mario Bava aus dem Jahre 1963 hatte noch einige andere Alternativtitel. Hier mal alle Titel die ich bisher finden konnte.

  • I tre volti della paura
  • Black Sabbath
  • Black Christmas
  • The Three Faces of Terror
  • The Three Faces of Fear
  • Der Ring der Verdammten
  • Die drei Gesichter der Furcht

Der eigentliche Arbeitstitel des Films lautete allerdings zunächst ... La paura (zu deut. "Die Angst")

Ja, was diese Horror-Anthologien nun mit Weihnachten (BLACK CHRISTMAS) zu tun hat, dürft ihr mich jetzt allerdings nicht fragen. Die Wege mancher Alternativtitel ist hierzu mitunter wahrlich unergründlich.

"Ich könnte sie warnen, aber ich weiß, dass sie doch nicht auf mich hören. Vielleicht sind diese drei Beispiele wirksamer als Worte."

(Filmzitat: Boris Karloff/Die drei Gesichter der Furcht)

Wer kennt diesen Mann wohl nicht - Boris Karloff. Er ist hier auch gleich das bekannteste Gesicht im gesamten Film und übernahm auch gleich neben der Einleitung und dem Abgesang auch noch die Rolle des alten Vampir Gorca in der Episode WURDELAK. Wirklich bekannt dürfte er allerdings wohl aus seinen Rollen als Monster in FRANKENSTEIN (1931) und FRANKENSTEINS BRAUT (1935) bzw. DIE MUMIE (1932) sein, die alle noch in schönstem Schwarzweiß gedreht worden sind. Übrigens war Karloff in seiner Rolle als das Monster von FRANKENSTEIN nicht wirklich die erste Wahl gewesen. Für die Rolle hatte man eigentlich Bela Lugosi vorgesehen. Doch der aus Ungarn stammende Lugosi, der im gleichen Jahr auch DRACULA drehte, sah sich in der Rolle eines stummen Monsters ziemlich unterfordert und lehnte deshalb die Rolle in der Mary-Shelley-Verfilmung ab.

Aber auch der eindringliche Blick und die gesamte Präsenz von Boris Karloff war für den Film DIE DREI GESICHTER DER FURCHT ein absoluter Glücksgriff. Denn schon mit seiner einfachen Anwesenheit konnte Karloff dem Zuschauer einen kleinen Schauer über die Nackenhaare jagen. Dies wurde leider am Ende dann etwas konterkariert, als man ihn da nochmals im Kostüm von Gorca auf eine Attrappe eines Pferdes setzte. Gut, vielleicht empfand man dies damals im Jahre 1963 als einen witzigen Einfall, aber ich persönlich empfand diesen Ausklang der Horrorfilm-Anthologie einfach nur als albern und deplatziert. Kam da durch die drei Beiträge nämlich ein gewisses klassisches Grusel-Feeling auf, so lief dieser wenig inspirierende Abschluss diesem Ansinnen völlig entgegen. Wie gesagt, dies ging und geht nach wie vor mir so und darf gerne von anderen auch anders gesehen werden. Schließlich sind Geschäcker ja bekanntlich recht verschiedener Natur.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Diese besagte Schlussszene, in der Karloff als Gorca auf der Pferdeattrappe im Studio hoppelt, fehlte übrigens lange Zeit in der deutschen Fassung (scheinbar fanden damals auch andere diese Schlusseinstellung nicht wirklich witzig). Hier, in der "Mario Bava Collectors Edition" hat man allerdings der Vollständigkeit wegen wohl nicht darauf verzichten wollen.

Der Alternativtitel BLACK SABBATH inspirierte übrigens den bekannten Altrocker Ozzy Osbourne und seine Mitrocker der britischen Heavy-Metal-Band dazu, diesen Titel als Bandnamen zukünftig auf ihre Platten und Konzerten festzuhalten. Sie lasen diesen Filmtiel nämlich recht unbefangen auf einem Kinoplakat in Birmingham/England und waren danach von diesem Filmtitel als zukünftigen Bandnamen mehr als nur angetan.

AIP (American International Pictures) wollten übrigens für den US-Kinomarkt eine veränderte Version von BLACK SABBATH zeigen. Mit diesem veränderten Titel schlug man zum Beispiel auch eine Brücke zum Film DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT (1960 von Mario Bava/ Originaltitel LA MASCHERA DEL DEMONIO), der dort unter dem Titel BLACK SUNDAY einen ziemlichen Kultstatus erreichen konnte. Bei dem Episodenfilm WURDELAK wurden sogar noch existierende Sets und Requisiten aus DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT wiederverwendet. Damit hielt AIP die anfallenden Kosten niedrig, was für sie äußerst wichtig war. Schließlich sollten nicht umsonst die Italiener für AIP neue Geschichten und Autoren finden, für die möglichst wenig Geld fällig wurde, wenn sie lieferten. Schon bestehende Copyrights waren AIP nämlich schlicht zu teuer und man wollte sich auch mit Corman nicht wegen dessen Steckenpferd für Verfilmungen nach Edgar Allan Poe über Kreuz legen, der für AIP ja schließlich durch seine Poe-Verfilmungen schon Erfolge einfuhr.

Wirklich nett ging man allerdings in den USA dann mit der Horrfilm-Anthologie von Mario Bava doch nicht um. So schnitt man die härtesten Szenen aus dem Film wieder heraus, weil man sie scheinbar dem US-Publikum damals nicht zumuten wollte.

Überhaupt ging man etwas grob mit dem Anthologiefilm von Mario Bava um, denn nicht immer hielt man sich bei den einzelnen drei Episodenfilmen an die eigentlich vorgesehene Reihenfolge. Da wurde mitunter (wohl nicht nur in den USA) gerne mal ausgewürfelt, welche Episodenverfilmung man wo platzierte.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Wieder eine umfangreiche Aufmachung:
Hier scheint man schließlich für die "Mario Bava Collectors Edition" wohl die richtige Reihenfolge gewählt zu haben, was für diese Horror-Anthologie DIE DREI GESICHTER DER FURCHT wohl als Filmklassiker des Genre nur von Vorteil sein kann. Schließlich ist es angenehmer, wenn sich die Spannung über die drei Episodenfilme hinweg steigert, anstatt das man das beste zuerst serviert bekommt um dann in Sachen Spannung schließlich durch die falsche Zusammenstellung faktisch abzustürzen.

Die Collectors Edition kommt natürlich auch hier wieder mit einem recht hübsch gemachten Schuber sowie einem farbenfrohen Cover, dass sich allerdings auch im Innenbereich fortsetzt daher, sowie einem (gesamt) 16-seitigen-Booklet mit vielen interessanten Hintergrundinformationen zu DIE DREI GESICHTER DER FURCHT. Den Film selbst gibt es dann als Inhalt jeweils auf einer Blu-ray (ca. 92 Minuten) und als DVD  (ca. 89 Minuten). Einen dritten Silberling (DVD) gibt es dann mit einer Menge Extras noch oben drauf für den Fan der Mario-Bava-Filme. In diesem Punkt kann man MEDIA KOCH (Vertrieb) nur lobend auf die Schulter klopfen bei so viel Liebe zum Detail.

Was meinen Artikel hier angeht, so werde ich am Ende diesmal nur eine Gesamteinschätzung am Ende liefern, während ich meine eigentliche Filmkritik jeweils gleich im Anschluss der Inhaltsbeschreibung zum jeweiligen Episodenfilm abgeben werde. Also auf gehts: Schauen wir uns mal die Mädels an, die in drei Filmen zu unterschiedlichen Handlungszeiten ihre Gesichtszüge in Furcht und Schrecken verziehen werden.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Das Telefon:
Kaum in der eigenen Wohnung wieder angekommen nervt Rosy auch gleich ein Telefonanruf. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen normalen Anruf. Das ganze wächst sich nämlich etwas zum Telefonterror aus und Rosy weiß nicht einmal, wer sie da gerade beläsigt. Besser noch, der Anrufer scheint alles zu wissen, was Rosy gerade in der Wohnung macht und kündigt sogar ihren baldigen Tod an.

Dann gibt sich der Anrufer jedoch als ihr Exfreund Frank aus, bei dem sie tatkräftig mit beteiligt war, ihn ins Gefängnis zu bringen. Ziemlich in Panik ruft Rosy nun ihre Freundin Maria an, mit der sie eigentlich völlig zerstritten ist und die verspricht Rosy auch, gleich bei ihr vorbei zu kommen. Zwar steckt hinter den Drohanrufen sogar in Wirklichkeit ihre Freundin Maria, doch dies ahnt Rosy nicht, die durch ihre Anwesenheit endlich mal wieder zur Ruhe kommt und bald erschöpft einschläft. Was dann jedoch passiert, hätte Rosy sich nicht wirklich träumen lassen und eine Frauenleiche samt Mörder hält diese Nacht auch noch bereit.

Meine Filmkritik:
Ja, in der Episode DAS TELEFON merkt man gleich die Ansätze eines Giallo. Dafür muss man sich ehrlich gesagt nicht noch erst krumm legen. Als Auftaktszene für einen wirklich abendfüllenden Film wäre diese Episode, zeitlich natürlich stark gerafft, sogar recht nett (das zeigt z.B. die Telefonszene am Anfang des Films SCREAM von Wes Craven). Doch Gänsehaut kommt hier in dieser Art Kammerspiel ebensowenig auf wie Spannung. Das man diese Episode hier nun an den Anfang gestellt hat, war allerdings gut durchdacht, denn wer nicht gleich das Handtuch wirft, der darf zur Belohnung bei den noch folgenden zwei Episodenfilmen auf Steigerung hoffen. Michele Mercier ist hier als Rosy zwar auch hübsch anzusehen, doch für den gesamten, eher ermüdenden Beitrag, reicht dies leider nicht wirklich aus. Von mir gibt es dafür leider nur einen Mitleidspunkt von insgesamt möglichen fünf Punkte. 

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Wurdelak:
Vladimire, ein junger Mann aus dem Adelsstand reist in der Nacht durch eine gespenstische Region des Landes und macht hierbei eine grausige Entdeckung. Am Rand des Weges findet er eine ausgeblutete Leiche ohne Kopf. Er nimmt die Leiche mit bis zu einem einsam gelegenen Bauernhof, trifft dort auch auf die ansässige Familie, nicht aber auf das Familienoberhaupt selbst. Der Bauer mit Namen Gorca ist nämlich ausgezogen, einen Wurdelak zu vernichten. Sollte er jedoch in einer bestimmten Zeit nicht zurück sein, so solle man davon ausgehen, das er hierbei den Tod gefunden hat und ihn danach nicht mehr einlassen, falls er, wohl eher nun als Untoter, wieder auf dem Hof auftauchen sollte.

Ein Wurdelak, so wird Vladimire erklärt, sei nämlich ein Untoter. Ein Vampir, der sich auf grausame Weise vom Blut seiner Opfer ernährt. Und der Wurdelak, den der Bauer zur Strecke bringen wollte, stammt aus dem Heer der ehemaligen türkischen Feinde, die in dieses Land eingefallen sind. Und die kopflose Leiche, die Vladimire da mitgebracht hat, könnte von der Kleidung her genau dieser grausame Wurdelak gewesen sein, hinter dem Gorca her war. Vladimire beschließt die Nacht auf dem Hof zu verbringen, was auch an der Tochter von Gorca, der hübschen Sdenka liegt.

Kaum ist die angegebene Zeit abgelaufen, taucht wie von Geisterhand der alte Gorca auf und berichtet davon, dass er den bösen Wurdelak vernichtet und geköpft hat. Zum Beweis hat er sogar den abgetrennten Kopf des grausamen Alibec dabei. Doch Gorca verhält sich etwas seltsam und scheint auch eine größere Verletzung im Brustkorb zu haben. Andererseits scheint es dem Alten aber trotzdem noch recht gut zu gehen. Das bei dem Kampf der alte Gorca nun selbst zu einem Wurdelak geworden ist, mag niemand so recht glauben und so nimmt das Grauen seinen Lauf und stürzt seine gesamte Familie in einen schrecklichen Abgrund.

Meine Filmkritik:
Die Episode WURDELAK beginnt durchaus schon recht schaurig und konnte mich mit dem auffinden der kopflosen Leiche schon mal richtig in Stimmung bringen. Auch bei dem gesamten Drumherum stimmte eigentlich alles und hätte jedem alten Hammer-Streifen wohl alle Ehre gemacht. Eine Kopflose Leiche und ein abgetrennter Kopf sowie eine recht interessante Hintergrundgeschichte über den Vampir Alibec komplettierten das ganze dann auch recht schön. Nicht wirklich stimmig jedoch ist das Verhalten der Familie bzw. des alten Gorca (hier gespielt von Boris Karloff selbst). Klar, in der geschilderten Situation herrscht bekanntlich unter den Familienmitgliedern kein eitler Sonnenschein, doch was hier eigentlich eher eine bedrückende Stimmung wiedergeben sollte, kam mitunter so herüber, als ständen die Familienmitglieder unter einer miesen Droge. Die darzustellende Niedergeschlagenheit kommt ebenso unglaubwürdig theatralisch herüber, wie auch das Spiel, das uns Boris Karloff hier bietet. Alles scheint auch so zu sein, als wenn diese überzogen theatralische Darstellung durchaus gewollt gewesen wäre. Doch was auf einer Theaterbühne durchaus funktioniert, macht eine filmische Episode damit nicht unbedingt gehaltvoller.

Susy Andersen sorgt hier ebenfalls für einen recht ansprechenden und hübschen Anblick, wirkt jedoch eigentlich fasst durchgängig in ihrem Spiel eher steif und mitunter wie eine Schlafwandlerin. Würde sie also nicht optisch ins Auge stechen, wäre sie nahe an der Darstellung einer sich bewegenden Schlaftablette angekommen. Ja, diese übertriebene theatralische Darstellung wirkt mitunter schon kitschig, so das ich nur mit einiger Mühe hier noch drei von insgesamt fünf Punkten vergeben möchte. Dabei war die Kulisse stimmig, die Effekte stimmten und die Geschichte selbst hatte genug Potential damit gerade diese Episode ein Highlight hätte sein können. Leider wurde dann jedoch bei der Darstellung der Figuren etwas zu viel verschenkt.      

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Der Wassertropfen:
Die Krankenschwester Helen Chester (gespielt von Jacqueline Pierreux) wird in der Nacht per Telefon in das Haus der verstorbenen Madame Perkins gerufen, um die Vertorbene vorzubereiten. Hierzu gehört auch, ihr das Totenhemd überzuziehen.  Vom Todeskampf erschreckend gezeichnet, bietet Mrs Perkins auch nicht gerade den besten Anblick für die Lebenden. Doch Helen, die an diesem Abend nicht wirklich ihreren Pflichten hier nachgehen wollte, fällt bald der sehr kostbare Ring an einem der Finger der Verblichenen auf.

Die Raffgier treibt Helen dazu, der Vertorbenen den Ring zu stehlen. Wieder zurück in ihrer eigenen, eher ärmlich wirkenden Wohnung beginnt sie der stetig tropfende Wasserhahn in den Wahnsinn zu treiben. Auch plagen sie bald Gewissensbisse wegen des Diebstahls an der Leiche. Jedes Geräusch scheint Helen nun geradezu in Panik zu versetzen und die gesamte Situation innerhalb ihrer Wohnung scheint immer bedrohlichere Formen anzunehmen. Dann geht auch noch das Licht aus und seltsame Geräusche scheinen nun direkt aus ihrem Schlafzimmer zu kommen. Der Terror ist damit allerdings noch längst nicht am Ende angekommen. Denn als Helen diesen seltsamen Geräuschen aus dem Schlafzimmer nachgeht, sieht sie sich plötzlich der verstorbenen Mrs. Perkins gegenüber, die immer noch entstellt von den Toten wieder auferstanden zu sein scheint, um an ihr wegen des Diebstahls nun Rache zu nehmen.

Meine Filmkritik:
Hier ist nun die Episode, die man schlicht als das Sahnestückchen der Horror-Anthologie seitens Mario Bava bezeichnen kann. Den einen oder anderen kleinen Fehler gibt es zwar auch hier. So hätte man auf eine längere Nahaufnahme vom Gesicht der verstorbenen Mrs. Perkins Abstand nehmen sollen, weil man so leider sehr gut erkennen kann, das es sich hier um eine Puppe, bzw. eine Maske handelt. Mit einem gewissen Abstand wirken die im Todeskampf verzerrten Gesichtszüge jedenfalls viel realistischer und damit gruseliger. Auch späterhin ihre ziemlich starre Haltung mit den vorgestreckten Armen hat leider etwas von einem Halloween-Gag. Etwas beweglicher hätte die Leiche sich also ruhig geben dürfen. Doch sehe ich diese kleinen Mankos eher dem damaligen Zeitgeist geschuldet.

Die Story selbst ist hierbei durchweg recht stimmig und für den Betrachter beklemmend bis erschreckend. Die gebotene Darstellung und das vorzügliche Umfeld der Handlung kann man im besten Sinne schon als eine perfekte Umsetzung des Terror für die Sinne der Zuschauer betrachten. Für die Episode DER WASSERTROPFEN hat sich das Warten über die ersten zwei Episodenfilme hinweg durchaus gelohnt, weshalb ich dieser Episode durchaus trotz der zwei kleinen Kritikpunkte oben immer noch die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten zugestehen möchte.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Meine Gesamteinschätzung:
Drei Episoden der Furcht wollte uns Mario Bava damals mit diesem Film servieren, wobei offensichtlich Frauen in jeder Episode die eigentlichen Dreh- und Angelpunkte darstellen. Sei es nun die in Panik geratene Rosy in DAS TELEFON, sei es Sdenka, die aufgrund des blutigen Fluches wohl nie eine glückliche Beziehung pflegen kann in WURDELAK oder die diebische Helen in DER WASSERTROPFEN, die durch ihre bösen Taten von der Rache einer Verstorbenen heimgesucht wird.

Die Reihenfolge der jeweiligen Episoden stimmte zumindest auch noch, denn so konnte es eigentlich nur noch besser werden. Ich stelle mir da gerade vor, man hätte es genau umgekehrt gemacht, dann wäre es für das Gesamtwerk dieser Horror-Anthologie  von Mario Bava wahrlich nur noch abwärts für mich als Zuschauer gegangen.

Die Episode WURDELAK hatte hierbei durchaus die besten Voraussetzungen, wirkt jedoch durch die gesamte, mitunter überzogene Theatralik dann leider nur aufgesetzt und mitunter eben auch hierdurch gefährlich kitschig. Die Handlung hätte Hammer jedenfalls damals um einige Längen besser nutzen und umsetzen können. Vor diesem Hintergrund verbietet sich es fasst sogar nach meiner Ansicht, diese Episode mit ähnlichen Filmen seitens Hammer Eins zu Eins zu vergleichen.

DER WASSERTROPFEN ist dagegen eine filmische Höchstleistung seitens Mario Bava in Sachen Besetzung, Schauspiel und Atmosphäre. Bei DAS TELEFON frage ich mich indessen immer noch, was diese Episode überhaupt in dieser Horror-Anthologie zu suchen hatte.  Diese Episode ist weder originell noch wirklich spannend. Im Grunde ist die Gesamthandlung sogar für mich persönlich völlig belanglos und absolut verzichtbar. Und wenn dann endlich der mörderische Frank die Bühne betritt, verfällt man hier ebenfalls in eine überzogene Theatralik seitens der Darstellung, die das ganze dann leider nur noch etwas ins Lächerliche zieht. Hier muss ich dann von meiner Seite aus gestehen, dass es sich um eine Episode handelt, die die Welt des Kinos nun nicht wirklich noch gebraucht hätte.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Kommen wir jetzt noch zur Einleitung und der Abschlussszene mit Boris Karloff. Die Einleitung mit der Warnung an die Zuschauer wirkt durchaus anregend und macht zudem deutlich, das der Zuschauer hier in einen kleinen Kreislauf von schaurigen Geschichten quer durch die Zeit geführt werden soll. Auf die Abschlussszene jedoch hätte man aus meiner persönlichen Sichtweise jedoch auch in dieser filmischen Kollektion zu Filmn von Mario Bava locker verzichten können. Den großen Darsteller des Monsters von Frankenstein auf einer Pferdeattrappe zu sehen (im Kostüm aus der Episode von WURDELAK), wobei die Kamera sich langsam von ihm weg bewegt, wirkte für mich schlicht am Ende nochmals etwas lächerlich bis albernes. Der Vollständigkeit wegen mag man dies nun verzeihen können, aber eben diesen eher unwürdigen Abschluss hatte man wohl schon in anderen Aufführungen und Ausstrahlungen der Horrfilm-Anthologie von Mario Bava nicht ohne Grund schlicht einfach weggelassen.

Gesamt gesehen kann ich mich auch bei diesem Beitrag nicht dem (in Beiträgen des Internet) Jubel anschließen, der hier bei diesem Beitrag von Mario Bava so mitunter losgelassen wird. Da fand ich manche Beiträge bei den filmischen Horror-Anthologien seitens AMICUS  sogar besser. Zwar war da auch nicht immer jede Episode das Gelbe vom Ei, aber es gab bei denen, die ich gesehen hatte keine Episode, die so spannungsfrei daher kam wie zum Beispiel DAS TELEFON. Das also Bavas DIE DREI GESICHTER DER FURCHT "die beste Filmanthologie" des Genre sein soll, wie ich es bei anderen Filmkritiken hierzu lesen durfte, wage ich hier mal wirklich schwer zu bezweifeln.

Die deutsche Erstaufführung erfolgte durch den Pallas Filmverleih am 21. August 1964. Der US-Filmstart erfolgte durch AIP am 06. Mai 1964 und die italienische Premiere durch Warner Bros. erfolgte am 23. August 1963.

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Ausblick:
Beim nächsten mal, wenn DER FILMKLASSIKER hier wieder ansteht, gibt es einen Film der eigentlich für das Fernsehen gedreht wurde. Dabei handelte es sich um die einzige Gemeinschaftsarbeit zwischen der Schweiz und einem Staat, den es so mittlerweile nicht mehr gibt.

Der Film selbst schickt uns zurück in eine andere Zeit (genauer gesagt 1523), als die Religion noch ein nicht zu verachtender Bestandteil des täglichen Lebens gewesen war. Und weil dem so war, wurde in dessen Namen durchaus schon mal des Nachbarn Schädel eingeschlagen ... zumindest, wenn er das Christentum etwas anders auslegte als es die Mehrheit gerade wollte.

Den besten Tipp den ich euch heute hierzu geben kann, ist der Umstand, dass die Wiedertäufer hierbei nicht gerade eine geringe Rolle spielen. Da lief dann so einiges zwischen diesen und jenen Christen schon mal etwas ziemlich quer, weshalb man dann die Waffen zückte. Schließlich gab es da ja auch noch die Papisten (und was dann noch so alles an religiösen Spezialitäten herumlief). Und als Ketzer wurden bestimmt nicht die Menschen benannt, die eine ausgeprägte Liebe zu Katzen entwickelt hatten.

Die ersten Gespräche zu diesem gemeinschaftlichen Filmprojekt gab es übrigens schon 1975. Die Technik und das Filmmaterial war dann das Problem des einen Landes, während das andere dann die Künstler stellte, die für Regie und Drehbuch verantwortlich waren. Und dann, als der Film irgendwann (aber eben nicht 1975) fertig war und über die besagten Sender beider Länder flimmerte, hagelte es eben in diesen Ländern dann auch aufgebrachte Kritiken. So gab es Beschwerden der Zuschauer z.B. in der Schweiz durch Briefe und Telefonanrufe beim Sender und gipfelte sogar in zwei Gerichtsverfahren. Das andere Land das an diesem Film eben auch beteiligt war, strahlte ihn einmal im Fernsehen aus und verbannte ihn dann aber recht schnell wieder im filmischen Giftschrank, wo er viele lange Jahre nicht mehr herauskommen sollte. Hört man dann allerdings den Titel des Films, so mag man sich eigentlich nicht wirklich vorstellen können, was da in Sachen Religion, Gewalt und Sexualität nun so schlimmes dahinter gesteckt haben soll. Doch für damalige Verhältnisse schien dieser Film es durchaus in sich gehabt zu haben.

Na, schon eine Idee, welchen Film aus meiner Sammlung ich euch da für den FILMKLASSIKER herausgesucht habe? Nein? Also dann will ich euch noch eine kleine Hilfestellung geben. Der Titel besteht nämlich aus einem simplen Frauennamen. Doch jetzt ist gut mit der Hilfe für Nüsse und damit ich mich nun nicht doch noch verplappere, sage ich gleich mal tschüss bis zum nächsten mal, wenn es wieder um einen FILMKLASSIKER geht, der hier aber wohl nicht wirklich so ganz bekannt gewesen zu sein dürfte.  

Die drei Gesichter der Furcht (I tre volti della paura)Die drei Gesichter der Furcht
(I tre volti della paura)
mit Boris Karloff, Mark Damon, Susy Andersen, Jaqueline Pierreux, Glauco Onorato, Lydia Alfonsi, Michele Mercier, Rika Dialina, Massimo Righi, Harriet White, Alessandro Tedeschi, Carla Mignone, Milo Quesada u.a.  
Regie: Mario Bava
Drehbuch: Alberto Bevilacqua, Marcello Fondato, Mario Bava
Produktion: Salvatore Billitteri, Paolo Mercuri
Produktionsstudio: American International Pictures - AIP
Genre: Horror
Laufzeit: 89 Minuten (DVD) und 92 Minuten (BD)
Extras: DVD mit Interviews, Trailer, US-Schnittfassung usw., sowie 16-seitigem Booklet
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Media Koch
Italien/Frankreich 1963

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-11-18 19:23
Den Film habe ich das erste Mal im TV gesehen - und ich muss gestehen, dass es für mich genau drei Gründe gab, um mir den Film reinzuziehen: Mario Bava und Boris Karloff..und die Neugier darüber, was Bava wohl aus der Kurzgeschichte des russischen Dichters gemacht hat.

Sooo schlecht fand ich diesen Teil der Anthologie denn auch nicht unbedingt -zumal ich ja ein Fan solcher Stories bin.

Ich habe dann erst vor kurzem einen russischen Film ("Fürst der Dunkelheit..." oder ähnlich?), in dem dieselbe Kurzgeschichte Teil einer aufgeblasenen Vampirmär war. Dann schon lieber Bava...

Zum Ausblick: Wenn ich nicht irre, dann ist der TV-Film 1978 fertigestellt worden - und das besagte Land exisitiert seit 1989 nicht mehr.
Und was den Vornamen betrifft: eine bekannte Schweizerin gleichen Vornamens begann ihre Karriere in den frühen Sechzigern als Partnerin eines bekannten Schotten...(besagte Schweizerin spielt natürlich TV-Film nicht mit. Dies nur als Hinweis auf den Vornamen...)
#2 Laurin 2017-11-18 21:41
@ Friedhelm:
Was die Anthologie betrifft, so schrieb ich ja hier auch klar meine persönliche Kritik daran. Anderen mag dies durchaus gefallen. Das ist eben die typische Geschmacksfrage, da muss und sollte natürlich auch jeder für sich selbst entscheiden und ein Bild von machen um dann für sich urteilen zu können.
FÜRST DER DUNKELHEIT "oder ähnlich" kenne ich leider nicht, bzw. habe ihn bisher nicht gesehen. Kann da also auch nichts zu sagen.

Was den Ausblick betrifft scheine ich hier bereits einen Kenner des Films angetroffen zu haben. Da sind dir 100 Punkte sicher. ;-)
#3 DarkDancer 2017-11-19 09:44
Mitte bis Ende der 70er gab es im Bremer Cinema Kino am WE die langen Filmnächte. Das waren meist lustige bis chaotische Veranstaltungen. In der Regel drei Filme mit Pausen zwischen den Filmen.
Bei einem dieser Events sah ich Die drei Gesichter Der Furcht. Im Gedächtnis geblieben ist mir nur Der Wurdelak. Verständlich da einer der anderen Filme Attack of the Killer Tomatoes war.
Zum Ausblick...
Nie gesehen klingt aber unterhaltsam.
#4 Laurin 2017-11-19 12:47
@ DarkDancer:
Also Tomaten kille ich meistens selbst. Also ca. zwei Drittel Tomaten gewürfelt, ein Drittel Feta gewürfelt, lecker Kräutermischung mit Essig und Olivenöl. Aber mal Scherz bei Seite, ich krieg schon wieder Hunger. :D
Was aber den Film ATTACK OF THE KILLER TOMATOES anging, kann ich nur die ersten 20 Minuten mitreden. Danach flog der Film aus meinem damaligen Videorekorder und ich schwor mir, mein Augenlicht nie wieder durch diesen Film zu gefährden. :o
#5 DarkDancer 2017-11-19 13:33
zitiere Laurin:
@ DarkDancer:
Was aber den Film ATTACK OF THE KILLER TOMATOES anging, kann ich nur die ersten 20 Minuten mitreden. Danach flog der Film aus meinem damaligen Videorekorder und ich schwor mir, mein Augenlicht nie wieder durch diesen Film zu gefährden. :o


Durchaus verständlich... Aber wenn wir mal so schlappe 40 Jahre zurück gehen...
Ich hatte irgendwie,irgendwo von diesem Film gelesen oder auch nur gehört. Nicht viel Nur halt das mutierte Tomaten eine Stadt angreifen und die Weltherrschaft antreten wollen.
Ich gestehe hier freimütig das mich der Plot schon interessiert hat,schiebe das allerdings auch zum Gutteil auf meine Jugendlich seltsamen Vorstellungen.
Was soll's die Nacht war spaßig und selbst die Tomaten hab ich überlebt. :)
#6 Harantor 2017-11-19 14:16
Angriff der Killertomaten ist einer meiner Lieblingsfilme von den gaaaaanz schlechten. Ich liebe. Im Gegensatz dazu ist Die Rückkehr der Killertomaten (mit George Clooney) eine wunderbare Komödie ... mit vielen geplanten Lachern. Der hat was ...
#7 Andreas Decker 2017-11-19 15:26
Ich habe die "Killertomaten" auch damals im Programmkino gesehen und fand ihn eigentlich ganz amüsant. Heute würde ich ihn vermutlich auch eher meiden.

Dass der "Wurdelak" mit Karloff war, hatte ich auch schon vergessen. :-) Jetzt, wo du es sagst ...

Die Koch-Bavas sind sehr schön, aber in dem Fall habe ich gepasst, weil mir der Film das Geld einfach nicht wert war. Ich mag das doch sehr übertriebene und letztlich unrealistische Gotik-Ambiente sehr, es ist schon erstaunlich, was Bava da für Bilder zaubern konnte. Aber hier bei der einen Episode funktioniert es nicht so richtig für mich. Und der Rest ist ziemlich beliebig.

Du solltest dir mal "Außergewöhnliche Geschichten" von Vadim, Malle und Fellini besorgen, wo sie Poe verfilmen. Ist wirklich interessant und so ganz anders als der Corman oder auch Bava hier. Und die Besetzung ist toll. Bardot, Delon, Jane Fonda und Peter Fonda.

Von Bava ist auch nicht alles gut. Vor zwei Wochen lief "Baron Blood" auf Arte, und ich fand ihn immer noch ausgesprochen zäh und öde.
#8 Laurin 2017-11-19 18:48
@ DarkDancer & Harantor:
Also DIE RÜCKKEHR DER KILLERTOMATEN habe ich schon damals nicht mehr gesehen, obwohl der auch in der damaligen Videothek irgendwann herum stand. Bei dem Titel bekam ich nämlich gleich wieder Augenschmerzen. :-* ;-)

@Andreas Decker:
Ja, Karloff konnte es nicht lassen. :D
Die Episode DER WASSERTROPFEN fand ich allerdings durchaus recht interessant und ansprechend. Absolut beliebig war wie gesagt die Episode DAS TELEFON. Da hätte man wahrlich drauf verzichten können.

Den Film AUSSERGEWÖHNLICHE GESCHICHTEN kenne ich noch nicht einmal. Kann mich jetzt auch nicht daran erinnern, schon mal was von dem gehört zu haben. Mal schauen ob ich an den irgendwann dran komme.

BARON BLOOD kommt ja auch noch hier rein, der Ausdruck "zäh" trifft es aber schon mal auf den Punkt. Die eine oder andere Szene war ganz nett, rettete den Film allerdings nicht mehr.

Bei Bava werde ich jedenfalls bei weiteren Veröffentlichungen etwas vorsichtiger sein. Bisher hatte mir nämlich nur DIE STUNDE WENN DRACULA KOMMT wirklich gut gefallen.

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