Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Ein phantastischer Filmklassiker - Die künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen?

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 108
Die künstliche Intelligenz - Fluch oder Segen?

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden.Manche SF-Filme können durchaus etwas zeitloses haben.


Colossus (Colossus - The Forbin Project)Colossus (Colossus - The Forbin Project)
Dennis Feldham Jones wurde im 1918 in London (Großbritannien) geboren und starb am 01. April 1981. Allerdings ist das mit dem Geburtsdatum bei ihm so eine Sache, denn andere Quellen behaupten tatsächlich, das er bereits im Jahre 1915 bzw. im Jahre 1917 geboren wurde. Nun würde es hier allerdings zu weit führen, hier nun zu recherchieren, wann er denn nun genau das Licht seiner Umwelt wirklich erblicken durfte. Wirklich interessant dürfte hier eher sein, das dieser britische Commander der Marine, der selbst in Cornwall gelebt hatte, als D.F. Jones auch ein Schriftsteller für Science Fiction Romane war. Der Goldmann Verlag (Verlagsgruppe Random House) hatte jedenfalls einige seiner Romane damals im Programm. Neben dem WTB Band 116 mit dem Titel IMPLOSION (Goldmann Verlag/1970) oder dem WTB Band 0147 mit dem Titel LASS DIE BLUMEN STEHEN (Goldmann Verlag/1972) gehören auch der WTB Band 094 mit dem Titel COLOSSUS (Goldmann Verlag/1968) und der SF Band 094 DER STURZ VON COLOSSUS (Goldmann Verlag/1975) dazu. Der Roman COLOSSUS selber erschien im Original bereits im Jahre 1966 und sollte eigentlich zuerst fürs Fernsehen verfilmt werden.

Doch das Drehbuch von James Bridges (Regie z.B. im Film DAS CHINA SYNDROM/1979) überzeugte recht schnell und so gut, das man sich entschloss, dieses Drehbuch nun als Kinofilm zu realisieren. Doch in Sachen Erfolg an den Kinokassen scheiterte COLOSSUS dann damals ziemlich heftig, auch wenn er 1971 für einen Hugo Award nominiert wurde. Den Golden Scroll of Merit erhielt dann 1979 Stanley Chase (Produktion) seitens der US-amerikanischen Academy of Science Fiction, Fantasy and Horror Films für den Film COLOSSUS. Nun mag dieser SF-Film kein Schlager an den Kinokassen gewesen sein, aber trotzdem trägt er Heute die Bezeichnung "Klassiker" durchaus zurecht. War er doch auch Wegbereiter für Filme wie etwa WAR GAMES - KRIEGSPIELE (bis hin zum TERMINATOR), in dem sich jeweils ebenfalls ein Computer verselbstständigt, während ein Teenager zu Anfang der Meinung ist, er "spiele" gerade ein völlig neues Computerspiel.

Dass der Film COLOSSUS an den Kinokassen damals nicht zündete, mag auch daran gelegen haben, das der Film nicht für weitreichende Action-Szenen taugte. Vielmehr bekamen die Zuschauer sogar ein ziemlich bedrückendes Kammerspiel geboten, das an Aktualität bis Heute jedoch nichts verloren hat. Warum daher dieser SF-Film im deutschen Fernsehen bisher so stiefmütterlich behandelt wird, ist eigentlich kaum nachvollziehbar. Dabei durfte ich diesen Film damals als junger Bursche durchaus das erste mal im Fernsehen mitverfolgen, wo er einen gewissen Eindruck auch ohne Action und häufigen Explosionen bei mir hinterlassen konnte.

Der Schauspieler Hans-Jörg Gudegast, geboren 1941 in Bredenbek (Deutschland), sollte dann auch die Hauptrolle als Dr. Charles A. Forbin übernehmen. Natürlich hat man aber mit dem eigentlichen Namen so seine Schwierigkeiten In Hollywood, weshalb er inspiriert durch seine Geburtsstadt seinen Namen änderte in Eric Braeden (JAGD AUF EICHMANN/1961, FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN/1971 oder DER TOLLE KÄFER IN DER RALLYE MONTE CARLO/1977).

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Die Sache mit der künstlichen Intelligenz (KI):
Zwischen den Gegnern und Befürwortern der rasanten Entwicklung hin zu einer KI ist schon seit längerem ein ziemlich heißer Streit entbrannt. Die ersten Vorboten dürften wir z.B. irgendwann in Sachen Industrie 4.0 zu spüren bekommen.

Die größten Befürworter einer KI dürften z.B. Online-Konzerne wie Google, Microsoft, IBM oder auch Facebook sein. Prakmatisch gesehen ist für diese Unternehmen die rasante Entwicklung hinsichtlich einer KI deshalb schon so interessant, weil sich damit mittel- bis langfristig jede Menge Geld machen lässt. Da geht es dann auch nicht um Millionen, sondern gleich um Milliarden US-Dollar. Dabei sind wir von einer wirklichen KI noch etwas entfernt. Dies heißt aber nicht, das man die Entwicklung nicht durchaus dahin zu treiben versucht, das es einmal eine selbstständig handelnde, künstliche Intelligenz geben soll. Die ersten Schritte hierzu sind bereits gemacht, wenn man z.B. sieht, wie Computer bereits anhand der ihnen zur Verfügung stehenden Daten zumindest versuchen, die Bedürfnisse und Interessen von uns Nutzern im Internet zu erfassen. Nicht umsonst bekommen wir, wenn wir so im Internet ziemlich arglos surfen, ab und an Werbeblöcke serviert mit Dingen, die "uns auch interessieren könnten". Ja, es sind Computer die uns individuell zugeschnittene Werbung anhand unserer bisherigen Einkäufe im Netz präsentieren. Wer da glaubt, das dahinter ein Heer von fleißigen Mitarbeitern hockt, der dürfte auch noch an die fleißigen Zwerge aus Köln glauben. Und das sind nicht die einzigen Interessen, die per Computer analysiert und genutzt werden. Im Zeitalter des Internet sind wir mit unseren persönlichen Daten so freigiebig wie noch nie, wobei wir aber kaum wissen, was hier irgendwo von Computern gespeichert, ausgewertet und wie genutzt wird, oder wissen sie, wozu ihre gesamten persönlichen Daten und Mitteilungen bei Facebook gespeichert werden und was mit denen passiert? Mich würde es jedenfall nicht wundern, wenn jemand bei Facebook postet, das er gerade die Kurve nicht bekommen hat bei einer Magen- und Darmgrippe um dann etwas später an anderer Stelle im Internet verblüfft eine kleine Werbung für Erwachsenenwindeln zu erhalten.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Und was hat das jetzt mit einer KI zu tun? Ganz einfach, Wissen macht schlau! Je mehr wir lernen, um so mehr verknüpfen sich in unserem Gehirn die Neuronen und spielen so in unserem Kopf die jeweiligen Informationen je nach Interesse und Nutzen hin und her. Gut, natürlich gibt es unter den Menschen auch eine gewisse Anzahl derer, die in Sachen Intelligenz noch von Bernd dem Brot überholt werden, aber hier hat der Computer einen gewissen Vorteil, er vergisst nichts. Und richtig kritisch dürfte es werden, wenn so eine KI die jeweiligen Informationen nicht mehr nur auf Verlangen hinsichtlich bestimmter Bereiche zusammenführt und analysiert (wo dahinter ja noch zumindest ein Mensch steht, der eben bestimmte Informationen verarbeitet sehen möchte), sondern plötzlich selbstständig dieses nach eigenem Ermessen (und frei in jeder Richtung) vornimmt. Noch haben wir die Hand am Stecker oder am Knopf und geben vor, was mit den Unmengen an Daten und Informationen passiert, doch diese Kontrolle könnte uns eines Tages eine wirkliche KI schlicht aus den Händen nehmen, zumal wir eigentlich nicht einmal abschätzen können, wann wir hier in der Entwicklung eine kritische Grenze überschreiten. Das ganze könnte schlicht an Frankenstein erinnern, nur das man hier nicht mit Leichenteilen experimentiert.

Und wer jetzt daher kommt und sagt, das man eine solche KI z.B. wie in der Science Fiction an wenige schlichte Robotgesetze binden könnte, der könnte ebenfalls eine böse Überraschung erleben, denn Schlupflöcher wird es immer geben um diese zu umgehen und eine solche KI dürfte diese eben schneller finden als wir sie stopfen könnten. Und wenn auch sie heute noch von einer schönen neuen Welt ohne Betriebssysteme, Suchmaschinen und Browser träumen, in dem statt dessen eine KI ihre User immer besser kennenlernt und so flexibel auf jeden Einzelnen reagieren kann, und mich hier für einen Schwarzmaler hält, der sollte hierzu mal in Sachen KI mit Leuten wie Elon Musk (Gründer von Tesla), Bill Gates (Microsoft) oder gar Stephen Hawking (Physiker) diskutieren. Die warnen nämlich eindringlichst vor dem Zeitpunkt, an dem wir von einer KI nicht mehr benötigt werden um sich selbst bewußt weiter zu entwickeln.

Und wie gefährlich eine solche Situation sein kann, zeigt gerade der Film COLOSSUS sehr schön auf, in dem man gleich das jeweilige Verteidigungssystem solchen KIs überlässt um sich dann plötzlich zu wundern, das dieses auch gegen uns selber eingesetzt werden könnte. Das hier die jeweilige KI - auf der einen Seite COLOSSUS/USA und auf der anderen GUARDIAN/UdSSR - noch schön nostalgisch rattern und mit Lochkarten gefüttert werden, mag uns schlicht heute ein mitleidiges Lächeln um den Mundwinkel zaubern. Schließlich haben wir Lochkarten und das beständige geknatter eines Computers längst überwunden, aber gerade aus diesem Grund sollte man der weiteren Entwicklung zumindest skeptisch bis wachsam gegenüber stehen, denn wie sagte Gorbatschow damals im Hinblich auf die Führung der DDR so schön: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."  Diese Weisheit lässt sich aber durchaus auch auf die Entwicklung einer KI anwenden, nämlich dann, wenn es uns nichts mehr nutzen wird, einfach nur einen Stecker ziehen zu können.

Solche Gedanken dürfte sich damals eben auch schon Dennis Feldham Jones gemacht haben und bei der heutigen rasanten Entwicklung in diesem Bereich bekomme ich immer wieder ein mulmiges Gefühl im Magen, was unsere Zukunft angeht. Dabei muss es nicht einmal eine KI sein, die uns plötzlich mit unseren eigenen Waffen gleich in die zukünftigen Schranken bombt. Schon die stetig steigende Abhängigkeit von einer KI weist in eine ziemlich üble Zukunft der Menschheit. Man nehme hier nur einmal die Arkoniden aus der Frühzeit der SF-Heftromanserie PERRY RHODAN, die oft schon fasst nicht mehr lebensfähig waren, wenn sie plötzlich von ihrem "Robotregenten" abgekoppelt wurden. Das mögliche Schlaraffenland unter einer KI könnte sich nämlich als die eigentliche Hölle erweisen, nur würden wir es dann vielleicht nicht einmal mehr wirklich bemerken.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Vom nachdenken zum Thema zur weiteren Information:
Doch nun genug meiner Schwarzmalerei, denn die Befürworter werden sich eh wohl nicht aufhalten lassen. Da kann man warnen wie man will. Wenn dahinter nämlich ein lukratives Geschäft schlummert setzt der gesunde Menschenverstand schließlich schon mal völlig aus. Wenden wir uns also hier nun dem eigentlichen Film zu, der damals auch bei den Kritiken nicht immer ganz sauber abgeschnitten hatte. So hielt das LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS den Film COLOSSUS durchaus für eine "interessante Vision" die aber zu "steril" daher komme und sich so auch die erhoffte Spannung kaum einstellen wolle. Der EVANGELISCHER FILMBEOBACHTER hält den SF-Film zwar für einen "unterhaltsamen" US-Streifen der aber leider "etwas trocken" gefilmt wurde. Dagegen weist der US- Filmkritiker Vincent Canby (geboren 1924 - gestorben 2000) in der THE NEW YORK TIMES darauf hin, das der Film COLOSSUS "kein DR. SELTSAM" sei, aber mit überraschenden Momenten des Humor und der Intelligenz aufwarten könne. Daher sei COLOSSUS ... "Ein perfekter Film, wenn man sich überraschen lassen wolle."

Einen Rechner namens COLOSSUS gab es 1943 übrigens wirklich, nur war dieser weitaus weniger gefährlich als sein Gegenstück aus diesem Film. Die Aufgabe des realen, englischen Rechners COLOSSUS bestand 1943 einzig darin, Geheimbotschaften des Deutschen Reiches unter den Nationalsozialisten zu entschlüsseln. Und die Idee eines Computers, der sehen, sprechen und ohne menschliche Regungen Aufträge ausführt, hatte 1968 bereits Stanley Kubrick in seinem SF-Film 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM aufgegriffen.

Jones schrieb übrigens zum Roman COLOSSUS/1966 noch zwei Fortsetzungen mit den Titeln THE FALL OF COLOSSUS/1974 sowie COLOSSUS AND THE CRAB/1977. Diese literarischen Fortsetzungen schafften es allerdings nie, ebenfalls verfilmt zu werden.

In diesem Sinne wird es also an dieser Stelle auch Zeit, sich mal etwas um den Inhalt des Films COLOSSUS zu kümmern, den ich durchaus auch heute noch für wirklich sehenswert halte. In diesem Sinne, Vorhang auf und los gehts.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Der ist dein Gott, der über dein Schicksal bestimmt:
Dr. Charles A. Forbin ist ein von der US-Regierung und dem Präsidenten hoch angesehener Informatiker, der tief in einem Berg gelegen einen gewaltiges Elektronengehirn installiert hat, das sich nicht nur selbst wartet, sondern sich auch kontinuierlich selbst weiter entwickelt durch die ständige Aufnahme von Informationen. COLOSSUS, wie das System genannt wird, ist gleichsam für die atomare Verteidigung der USA und ihrer Verbündeten zuständig und besitzt den alleinigen Zugriff auf das atomare Waffenarsenal. Damit, so Forbin, soll der Frieden sogar sicherer werden, weil man nun die menschliche Fehlerquote völlig ausschließen könne. Der Präsident der USA indessen wähnt sich nun bereits weit über der gegnerischen Sowjetunion. Doch schon kurz nachdem COLOSSUS seine Arbeit aufnimmt, passiert das scheinbar unmögliche.

COLOSSUS registriert ein anderes Elektronengehirn im Machtbereich der UdSSR mit dem Namen GUARDIAN und verlangt nun seinerseits, das man zwischen ihm und GUARDIAN eine direkte Verbindung herstellt. Man informiert COLOSSUS hierzu, das dies zur Zeit nicht möglich sei und das Elektronenhirn scheint diese Antwort durchaus auch zu akzeptieren.

Doch die Neugierde auf Seiten der US-Regierung zu dem gegnerischen Elektronengehirn GUARDIAN ist groß. Um hierzu umfassende Informationen zu erlangen, regt Forbin an, dem Wunsch von COLOSSUS nachzukommen und eine Verbindung herzustellen. Doch damit entgleitet Forbin und allen Wissenschaftlern samt der US-Regierung COLOSSUS völlig. Was zuerst mit simplen Rechenaufgaben zwischen den beiden Elektronengehirnen beginnt, gipfelt nicht nur in völlig neuen und bisher noch unbekannten Erkenntnissen, sondern COLOSSUS und GUARDIAN entwickeln zudem eine eigene Sprache, die niemand mehr, einschließlich Forbin selbst, verstehen kann. Sowohl der Präsident der USA als auch der Generalsekretär der UdSSR fühlen sich nicht wohl dabei in ihrer Haut, denn so könnten wichtige Geheimnisse ohne weiteres ausspioniert werden. Man entschließt sich daher, die Verbindung zwischen COLOSSUS und GUARDIAN zeitgleich wieder zu trennen.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Verbindung zu GUARDIAN wieder aufzunehmen. Gleiches versucht GUARDIAN. Als dies nicht gelingt, stellen die Elektronengehirne ihren Erbauern ein eiskaltes Ultimatum. Wird die Verbindung nicht binnen weniger Minuten wieder hergestellt, wird COLOSSUS eine Interkontinentalrakete Richtung UdSSR abschießen. Als man seiner forderung nicht gleich nachgibt, feuert COLOSSUS die Atomrakete ohne weitere Warnungen Richtung UdSSR, woraufhin auch GUARDIAN eine Atomrakete Richtung USA abfeuert. Eiligst kommt man der Forderung von COLOSSUS nach und dieser fängt dafür die Rakete seitens GUARDIAN gerade noch ab. Die Atomrakete seitens COLOSSUS verwandelt jedoch das Ziel in der UdSSR in eine Atomhölle.

Jetzt bemerken nicht nur Forbin, sondern auch die jeweiligen Regierungen, das sie nicht mehr Herr im eigenen Hause sind, denn COLOSSUS und GUARDIAN drohen direkt und ohne Umschweife damit, die ganze Welt in eine atomare Hölle zu verwandeln, wenn man ihren Wünschen zukünftig nicht direkt nachkommt. Als Forbin und der Erbauer von GUARDIAN sich außerhalb treffen um zu erörtern, wie sie die Bedrohung doch noch abwenden können, befehlen die Elektronengehirne den sofortigen Tod des Erbauers von GUARDIAN, was durch den Geheimdienst auch gleich umgesetzt wird, denn die Konsequenzen wären ansonsten verheerend. Forbin, den COLOSSUS noch weiterhin für seine weiteren Pläne benötigt, wird nun völlig unter die Kontrolle des Elektronengehirns gestellt. Nun muss dieser dafür sorgen, das COLOSSUS in kurzer Zeit nicht nur alles sehen sondern auch sprachlich mit ihm kommunizieren kann. Wer gegen das System der Computer handelt, wird indessen öffentlich hingerichtet.

Als COLOSSUS und GUARDIAN nun die Atomwaffen auf Staaten gerichtet haben wollen, die nicht direkt unter ihrer Kontrolle stehen, sieht man erneut eine Chance, den Computersystemen in den USA und der UdSSR ihrer Waffen zu berauben. Was scheinbar zu Beginn zu gelingen scheint, stellt sich jedoch bald als ein Trugschluss heraus und COLOSSUS schlägt wiederum gnadenlos zu. Dann diktiert das zusammengeschlossene Elektronengehirn aus COLOSSUS und GUARDIAN der gesamten Menschheit ihre Pläne. Weder beugen sie sich nunmehr der Herrschaft der Computersysteme und leben weiter in Frieden und Fortschritt, aber völlig unfrei, oder sie lehnen sich gegen COLOSSUS/GUARDIAN weiterhin auf, was die völlige Auslöschung der Menschheit zur Folge hätte. Nun ist es nur noch Dr. Forbin, der den Computersystemen ein trotziges "Niemals" entgegenschleudert.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Meine Filmkritik:
Was den riesigen Computer COLOSSUS angeht, der damals durchaus noch bei der Erstausstrahlung im Kino und auch später im Fernsehen beim Zuschauer große Augen hinterließ, dürfte aus heutiger Sichtweise nicht an allen Stellen wirklich gut gealtert sein, auch wenn die ersten Bilder noch heute durchaus beeindrucken können. Doch dies ist nur eine recht vereinfachte Sichtweise auf den Film COLOSSUS.

Wirklich von höherem Stellenwert dürfte die Botschaft sein, die der Film dem Zuschauer vermittelt und die heute noch aktueller erscheint als damals im Erscheinungsjahr 1970. War es in den 70ern noch eher pure Science Fiction, so sitzt uns eine vergleichbare Gefahr heute durchaus vielleicht bald im Nacken. Da muss man einem Computer auch nicht unbedingt gleich das ganze Verteidigungssystem samt aller Atomwaffen zur freien Entscheidung in die Glasfaserkabel legen. Die Gefahren die uns mithin einfach irgendwann überrollen könnten, können sich durchaus auf vielfältige Weise darstellen.

Ich hatte da mal eine recht interessante Dokumentation gesehen (leider lange her und der genaue Titel fällt mir auch nicht mehr ein), in der man schlicht sagte, dass das menschliche Gehirn einem Hochleistungscomputer nicht unähnlich sei. Was sollte also die Forscher, Elektroniker und Wissenschaftler zum Beispiel in Silicon Valley eines Tages davon abhalten, wirlich einmal einen Rechner in Betrieb zu nehmen, der Informationen nicht nur selbstständig sammelt und auswertet, sondern diese auch noch dazu nach eigenem Ermessen zu nutzen versteht. Wenn eine solche "Maschine" sich dann aufgrund der vielfältigen Daten auch noch sich selbst zu fragen beginnt, was er ist und wer er sein sollte bzw. könnte, dann dürfte es zumindest fasst schon zu spät sein, hier noch einfach einen Stecker zu ziehen.

Man muss auch nicht unbedingt davon ausgehen, das diese KI uns dann ziemlich plump gleich mit unseren eigenen Atomwaffen bedroht. Es reicht völlig aus, wenn diese KI uns Menschen Stück für Stück die eigene Verantwortung entzieht. Da würde der Mensch sich wahrscheinlich noch nicht einmal gegen wehren. Schließlich könnten es erst einmal Verantwortungen sein, die wir nur zu gerne bereit sind, aus unseren eigenen Händen zu legen. Man überlege sich nur das solch eine KI einmal die Verfügungsgewalt über die Verteilung von Nahrungsmittel und Trinkwasser auf der Welt übertragen bekommt, plötzlich diese Verfügungsgewalt aber in Verbindung mit der Frage setzt, wie man das Problem der wachsenden Überbevölkerung lösen könnte? Ehrlich liebe Leser, diesen Horror der dann folgen könnte, möchte ich mir erst garnicht ausmalen wollen. Schließlich überlebt ein Mensch im Schnitt gerade mal nur fünf bis sechs Tage ohne Trinkwasser. Der Mensch selbst dürfte erst vielleicht einmal fasziniert statt verängstigt sein, denn im Vorfeld kann solch eine KI durchaus ja viele Probleme lösen, die uns durchaus zugutekommen. Das Warnsystem in unserem humanen Computer, auch Gehirn genannt, lässt sich ja sehr gerne einlullen und wenn dann der erste Hammer seitens der KI kreist, dann dürfte es zu spät sein, um hier noch rechtzeitig korrigierend eingreifen zu können.

Ein bekanntes, mögliches Robotgesetz wie "man dürfe einem Menschen keinen Schaden zufügen" wäre im Vorfeld nur eine schwache Schutzvorrichtung, die man dieser KI zuvor mitgeben könnte. Denn eine KI legt alle Informationen, also auch gewisse Einschränkungen, irgendwann schlicht einer übergeordneten eigenen Logik zugrunde. Und in Sachen Überbevölkerung könnte diese Logik sogar zu dem Schluss kommen, dass das Überleben der Menschheit nur lösbar ist, wenn man die Menge der Menschen eben bis zu einem gewissen Punkt vorher radikal reduziert. Dafür muss eine KI auch eben keine Atombomben einsetzen um so offensiv gegen dieses mitgegebene "Gesetz" zu verstoßen. Es reicht schon, wenn man ganze Regionen eben von sauberem Trinkwasser abkoppelt. Haben die Menschen dort nämlich die nächsten fünf bis zehn Tage keinen Tropfen Trinkwasser, hat sich das Problem der Reduzierung der Menschheit faktisch wie von selbst gelöst, ohne das die KI hier aktiv zur Gewalt gegen Menschen greifen müsste.

Colossus (Colossus - The Forbin Project)Wie gesagt, ein solches Szenario dürfte jetzt noch als Science Fiction abgetan werden, aber die Entwicklung zu einer wirklichen KI (also nicht nur dem Namen nach) schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Und vielleicht sind wir gerade diesem Szenario näher als wir alle denken. Genau diese grundsätzliche Botschaft aber ist es, die den Film COLOSSUS nicht nur zum Klassiker des Films macht, sondern ihn auch irgendwie immer noch höchst aktuell hält.

Im Grunde sollte man also eigentlich auch für die eigene Filmsammlung hier zugreifen, denn auch wenn in Sachen Darstellung manches nicht positiv gealtert erscheint, so ist die Grundaussage immer noch hoch aktuell. Schließlich hätte man 1970 es auch noch eher für Science Fiction gehalten, wenn jemand damals behauptet hätte, das ein bekannter Hochleistungscomputer mit enormer Größe in naher Zukunft in jede Hosentasche passt und sogar noch viel mehr zu leisten im Stande sein wird, als man es sich gerade in den 70ern ausmalen konnte.

Von mir erhält der Film daher die vollen fünf von insgesamt fünf Punkte. Auch aus dem Grunde, weil gute Filme des phantastischen Genre nicht unbedingt vollgestopft sein müssen mit jeder Menge Action-Szenen. Spannung kann schließlich auch auf anderen, eher leisen aber eindringlichen Wegen gut erzeugt werden.

Ausblick:
Und schon reden wir hier wieder über den nächsten FILMKLASSIKER außerhalb der Phantastik.

Kennt ihr die Filme R.E.D. - ÄLTER, HÄRTER, BESSER aus dem Jahre 2010 oder die Fortsetzung R.E.D. 2 - NOCH ÄLTER, HÄRTER, BESSER aus dem Jahre 2013 (z.B. mit Bruce Willis und Helen Mirren)? Ja, das sind die Filme, in denen die mitlerweile doch schon recht angegrauten Hollywood-Stars nochmals so richtig in Action schwelgen dürfen um zu zeigen, das sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Nun gut, die Idee, Rentner nochmals wild um sich schießen zu lassen oder diverse Gehhilfen in die Luft zu sprengen, ist nicht unbedingt immer selbstständig in den Köpfen der Filmemacher herangewachsen. Die Idee hierzu kam eher zuerst einmal seitens WildStorm/DC Comics daher und wurde erst danach in Hollywood aufgegriffen. Aber die Idee war gut, innovativ und irgendwo auch lustig, so das diese Filme durchaus auch noch einige ähnliche Filme gleich mitzogen. Ich erinnere da nur mal an die Filme mit dem Titel THE EXPENDABLES/erster Film 2010, wo die nächsten Rentner aus Hollywood (wie z.B. Sylvester Stallone, Chuck Norris, Arnold Schwarzenegger und auch hier wieder als Action-Rentner dabei, Bruce Willis) es nochmals zwischen Zahnprotese, Erwachsenenwindel sowie Pumpgun und Handgranate wissen wollen.

Doch seien wir mal ehrlich, so neu ist die Grundidee hierzu nun wirklich nicht. Die Deutschen konnten dies damals auch recht gut und das sogar ohne Panzerfaust und rezeptfreien Tabletten gegen die Gicht. Und wie sich das für die Deutschen so gehört, waren sie bei ihrem Film sogar richtig stolz darauf, das sie die Bösewichte völlig ohne Gewalt zur Strecke bringen können.

Na ja, einen rafft es Dank Plastiksprengstoff dann aber doch dahin, doch im Film bekommt man nur den süßen Klang der Explosion zu hören.

Während die Rentner-Action aus Hollywood dann natürlich auch mit einem gewissen Augenzwinkern daher kommt, damit das Thema eben nicht so staubtrocken wirkt wie die Mumie aus dem Altersheim, die man nur vergessen hatte rechtzeitig zu beerdigen, setzte man damals in Deutschland gleich auf einen gewissen Spaßfaktor.

Und neben Darstellern der eher komödiantischen Sparte griff man auch in dieser zu erratenden deutschen Filmproduktion auf Darsteller des eher ernsten Faches zurück. Dieser Mix war durchaus für die damalige Zeit recht interessant und weiß selbst heute noch den Filmfreund durchaus zu begeistern. Die Frage an euch liegt dann auch hier darin, herauszufinden, welchen deutschen Film ich für euch beim nächsten FILMKLASSIKER rausgesucht habe.

Und wenn ihr hierzu noch einen Hinweis benötigt, dann kann ich euch noch darauf hinweisen, das selbst auf den Covern der DVD bzw. der BD der Film mit dem "Prädikat wertvoll" der Deutschen Film- und Medienbewertung fleißig beworben wird.

Also mehr kann ich euch nun nicht aus meiner Westentasche hervorzaubern, denn dann verrate ich eigentlich schon wieder viel zu viel. Also dann - viel Spaß beim raten. Bis zum nächsten mal, wenn ich wieder mein Filmarchiv für einen FILMKLASSIKER öffne.       

Colossus (Colossus - The Forbin Project)
Colossus
(Colossus - The Forbin Project)
mit Eric Braeden, Susan Clark, William Schallert, Georg Stanford Brown, Marion Ross, Gordon Pinsent, Dolph Sweet, Willard Sage, Byron Morrow, Alex Rodine, Leonid Rostoff, Martin E. Brooks u.a.
Regie: Joseph Sargent
Drehbuch: James Bridges, D.F. Jones (Roman)
Produktion: Stanley Chase
Genre: Science Fiction
Laufzeit: 96 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Bonus: Trailer, Doku: Eine wahre Geschichte, visualisiertes Hörbuch, Bilderschau u.m.
Vertrieb: Universal/Ostalgica
USA 1970

 Zum ersten Artikel -  Zur Übersicht

 

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.