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Ein phantastischer Filmklassiker - Der brüderliche Tod redet nicht, er handelt

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 99
Der brüderliche Tod redet nicht, er handelt

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Mitunter konnte einem so ein Serienkiller schon richtige Angst machen.


Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)
Man kann es eigentlich drehen und wenden wie man will, aber Carpenters HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS dürfte für den Bereich des Slasherfilms wegweisend gewesen sein. Als ich den Film jedenfalls damals auf Video sah (typischer Weise mit meiner Mutter, weil sie Horrorfilme liebte), konnte er mir durchaus eine mächtige Gänsehaut verpassen und hinterlies (nicht nur) bei mir einen bleibenden Eindruck.

Auch den zweite Teil sah ich damals als ziemlich gelungen an, was sich dann aber bei den folgenden Fortsetzungen beständig nach unten schrauben sollte, so das in diesem Bereich damals die Filme zu FREITAG DER 13 mehr mein Interesse auf sich zogen. Wenn ich jetzt noch ganz ehrlich bin, dann muss ich gestehen, dass ich diesen Film um Michael Myers schon seit längere Zeit nicht mehr angesehen hatte. Was damals einem noch eine Gänsehaut über die Oberarme jagte, funktioniert Heute, wie ich jetzt nach neuerlicher Sichtung zu diesem Artikel unlängst feststellen durfte, nur noch bedingt.

Dabei muss man sagen, dass manche Szenen durchaus auch heute noch beachtenswert sind, auch wenn der Film mit einem verdammt knappen Budget umgesetzt wurde. Zieht man letzteres in der Betrachtung hinzu, muss man also immer noch den Hut ziehen darüber, was man damals mit kleinen Mitteln zustande brachte. So soll Donald Pleasence als Dr. Loomis für den Film nur 20.000 US-Dollar kassiert haben. Damals eher noch fürs Kino unbekannt war indessen Jamie Lee Curtis, die es laut Info noch auf 8.000 US-Dollar Gage brachte. Nick Castle, der hier ja Michael Myers spielte soll sogar mit einer Tagesgage von jeweils 25 US-Dollar den Killer abgegeben haben. Das Gesamtbudget belief sich laut Info für den Film auf wahrlich lockere 325.000 US-Dollar. Hinzu kam noch der Zeitdruck, wollte man den Film pünktlich in die Kinos bringen.

Nun, warum klappt dieser Gänsehauteffekt nach so vielen Jahren nicht mehr in der gleichen Weise? Zum einen dürfte es einer gewissen Abstumpfung geschuldet sein, denn der Film HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS kann man durchaus als eine gewisse Blaupause für den Großteil vieler folgender Slasher-Filme betrachten. Hat man sich also einige Zeit mit diesen Filmen beschäftigt, dann fällt späterhin z.B. auf, dass HALLOWEEN (den Rest des deutschen Titels erspare ich mir mal ab hier) gegenüber späteren Filmen des Subgenre sogar eher schwach an blutigen Szenen ausfällt, was damals sogar ziemlich bewußt so gehandhabt wurde. Eine gewisse Form von Angst, die man also gerade bei Horrorfilmen früher so liebte, verschwindet mit der Zeit durchaus schleichend, wenn die Dosis an Härte nicht stetig erhöht wird. Man kann die persönliche Abstumpfung gegenüber solchen Filmen daher auch ruhig einen Gewöhnungseffekt nennen, weil sich unser Gehirn einfach darauf eingenordet hat. Rückgängig machen kann man diesen Fakt danach leider auch nicht mehr, weil unser Gehirn die Latte nicht nur beständig höher legt, sondern sie auch jeweils für die weitere Zukunft dort förmlich einbrennt.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Worüber ich mich hier nicht auslassen möchte und Captain Kirk:
Wie ihr ja wisst, hat so ein Artikel ja irgendwo seine Grenzen (und dieser wird schon verdammt lang werden), oder man macht eben zwei oder drei Artikel daraus. Das er diese Grenzen hat liegt zum einen darin, dass die Zeit einem immer irgendwo im Nacken sitzt, denn daneben hat der Verfasser ja auch noch ein anderes Leben zu meistern und einem Broterwerb nachzugehen. Zum anderen sitzt ihm allerdings auch der Abgabetermin im Nacken und wir wollen ja nicht, dass Horst die Peitsche schwingt. Aus diesem Grund werde ich jetzt hier auch nicht auf die Einflüsse im Film HALLOWEEN eingehen, die sich um die Person von Alfred Hitchcock drehen. Hierzu gibt es genug Auslegeware im Internet zu lesen, wobei die verschiedenen wie vergleichenden Auslegungen zu diesem Punkt ja interessant sein dürften. Das hätte aber schon genug Stoff, um zwei eigene Artikel locker zu füllen. Nur soviel sei gesagt, dass hier in diesem Punkt immer wieder gerne Hitchcocks Filmklassiker PSYCHO herhalten muss, um sinnige Vergleiche zu ziehen.

Ach ja, PSYCHO (1960), das Jamie Lee Curtis die Rolle der Laurie bekam, war eigentlich auch nicht direkt vorgesehen. Carpenter kannte sie schlicht nicht, zumal sie damals nur in einigen Fernsehrollen agiert hatte. Fernsehen aber war nicht gerade Carpenters Lieblingsmedium. Anne Lockhart sagte ihm da schon mehr zu, aber die lehnte die Rolle ab, weil sie bereits vertraglich andere Film- und Fernsehrollen zu erfüllen hatte. Und hier schließt sich aber auch wieder ein wenig der Kreis zu Alfred Hitchcock und seinem Filmklassiker PSYCHO. Das Jamie Lee die Tochter von Toni Curtis war, ist jetzt nicht wirklich bei Carpenter ins Gewicht gefallen. Der Umstand aber, dass ihre Mutter  Janet Leigh war, die eben auch durch ihre Rolle in Hitchcocks PSYCHO Carpenter durchaus ein Begriff war, ebnete ihr den Weg zu ihrem Spielfilmdebüt und späterhin zum Titel einer Scream-Queen des Horrors. Carpenter versprach sich durch diese nette Fügung durchaus auch eine gewisse positive Publicity für seinen Film HALLOWEEN.  

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Doch wenn man die Zwischenüberschrift gerade noch mal liest, dürfte man sich fragen, was Capt. Kirk aus STAR TREK mit dem Film HALLOWEEN zu tun hat? Nun, Michael Myers trägt im Film eine damals in den USA diesbezüglich gängige Maske mit dem Gesicht eben von William Shatner, der in STAR TREK ja schließlich den markanten Captain Kirk spielte. Um die Maske jedoch etwas anzupassen und die offensichtliche Ähnlichkeit weitgehend zu minimieren, vergrößerte man an der Maske die Öffnungen der Augen etwas und verpasste ihr einen weißen Farbton.

Der Film HALLOWEEN hatte aber auch damals eine Menge Kritiker, die dem Werk immer gerne mal wieder ein frauenfeindliches Bild unterjubeln wollten oder/und ihm offenen Sadismus vorwarfen. Hier widersprach allerdings Carol J. Clover, ihres Zeichens Professorin an der University of California, Barkeley, die auch noch als Feministin recht bekannt war. Laut ihrer Aussage ist die Figur der Laurie Strode sogar die eigentliche Heldin des Films und eben nicht das typische weibliche Opfer das durch einen Helden gerettet wird. Zwar ist es im Film Dr. Loomis der sie am Ende rettet, doch dies sei nur eine filmische Nebensächlichkeit, da Myers schließlich kein "normaler" Killer sei, den man eben nicht töten könne. Im Film selbst aber zeigt die Figur der Laurie sehr wohl, das sie sich ihrem Gegner widersetzen kann, ihn bei passender Gelegenheit auch angreift und ihn sogar tödlich verletzt. Wäre Myers im Film also ein normaler Mensch, hätte sie ihn besiegt und es hätte keines Retters wie Loomis bedurft. Aber auch wenn hier gerade manche Feministinnen durchaus etwas positives dem Film HALLOWEEN abgewinnen konnten, so sahen andere Kritiker den Film bereits verdächtig in der Nähe der "Hardcore-Pornografie". Man kann hier aber durchaus sagen, dass diese Aussage in unseren Breitengraden mit Vorsicht zu genießen ist, denn bei den ganz bibeltreuen US-Amerikanern fängt "Pornografie" bereits da an, wo weibliche Personen ihre Socken ausziehen.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)So hätte es weiter gehen können oder der Schuss in den Ofen:
HALLOWEEN löste ja wie bereits bekannt eine Welle von weiteren Fortsetzungen aus. Dabei sollte die Figur des Michael Myers jedoch nicht mehr der Dreh- und Angelpunkt sein. Ihn nämlich ein weiteres mal auferstehen zu lassen, erschien Carpenter eher als unglaubwürdiges Szenario.

Spätestens nach der Fortsetzung HALLOWEEN II - DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK von 1981 sollte nämlich der weitere Verlauf völlig anders gestaltet werden. Man hatte gar die Idee, jedes Jahr möglichst einen weiteren Film unter dem Titel HALLOWEEN zu drehen, wobei diese wiederum in sich abgeschlossen eine eigene, neue Handlung haben sollten.

So wurde dann mit HALLOWEEN III ein Film gedreht, der eigentlich überhaupt nichts mehr mit dem ersten bzw. zweiten Film zu tun hatte. In HALLOWEEN III ging es somit also nun um eine Spielzeugfabrik, die Halloween-Masken und Kostüme produziert, die widerum an besagtem Halloween alle Kinder töten sollte, die diese in dieser Nacht trugen. Dafür band man auch einige Elemente der Science Fiction mit in die Handlung ein. Der Film floppte jedoch dermaßen (und das für mich mit Recht), dass man von diesem neuen Konzept schnell wieder Abstand nahm und die Figur des Michael Myers wieder ins Zentrum der Handlung setzte, der im dritten Teil nur einen Kurzauftritt hatte, weil hier eine Szene aus dem ersten HALLOWEEN-Film während der Handlung in einem Fernseher zu sehen war.

Das eigentlich neue Konzept von Carpenter und Hill, nunmehr relativ unblutige und eher gewaltfreie Versionen zu verfilmen, in denen mehr auf Suspense gesetzt wird, wurde zumindest im dritten Teil gleich wieder etwas verworfen, weil man von anderer Seite an diesem Punkt schon mit einem finanziellen Desaster rechnete. Zudem bestand Carpenters Idee ja darin, jedes Jahr zu Halloween einen neuen Film unter dem Titel HALLOWEEN in die Kinos zu bringen, der in sich abgeschlossen eine eigene Story erzählt, was nun ebenfalls einer kleinen Herkulesaufgabe glich. Genau diese Grundidee von Carpenter war allerdings bereits zu diesem Zeitpunkt ein Desaster für sich, was sich eben schnell und hart an den Kinokassen offenbarte. Nun stand man also vor der Frage, hier entgültig weitere Filme unter dem Sammelnamen "HALLOWEEN" ersatzlos zu streichen oder Michael Myers wieder aus der Versenkung zu holen. Letzteres passierte dann (erst) 1988 mit dem Film HALLOWEEN IV - MICHAEL MYERS KEHRT ZURÜCK und wurde dafür an den Kinokassen auch entsprechend wieder belohnt.

Der dritte, recht miserable Ableger der Filmreihe landete bei uns in Deutschland übrigens sogar auf dem Index (warum auch immer).  Erst 2012 wurde dieser Film wieder vom Index gestrichen und eine Neuprüfung im Jahre 2014 ergab, dass dieser Schinken nunmehr ungeschnitten bereits ab 16 Jahre freigegeben wurde. Ich persönlich kann HALLOWEEN III. (Drehbuch von Tommy Lee Wallace) jedoch nur aus einem einzigen Grund empfehlen, nämlich dann, wenn man aktiv Lebenszeit verplempern will und Spaß an Augenschmerzen hat.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Kurzinfo zum Roman und ab zur Handlung des Films:
Doch die Zeit drängt schon wieder und wer jetzt noch etwas über den Roman zum ersten Film von HALLOWEEN wissen will, der von Curtis Richards verfasst wurde, der darf sich hier wieder auf einen Artikel von meinem Kollegen im ZAUBERSPIEGEL, Ringo Hiensdorfer, mitdem Titel Stehaufmännchen (ab 28. Mai, 00:00) freuen. Der Roman zum Film erschien übrigens im Original bei Bantam Books (1979) und wurde in Deutschland meines Wissens nach 1985 erstmalig im Heyne Verlag herausgegeben.

Aber kommen wir nun zum eigentlichen Inhalt des Films. In diesem Sinne also die Messer gewetzt und ran an den Speck.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Die Nacht des schweigenden Familienkillers:
1963, Haddonfield in Illinois - Die Nacht zu Halloween. Der  erst sechsjährige Michael Myers ermordet seine 17-jährige Schwester Judith auf grausame Weise mit einem Küchenmesser. Der Junge wird daraufhin in ein Sanatorium eingewiesen, wo er unter die Aufsicht des Psychaters Dr. Sam Loomis gestellt wird. Dieser entdeckt, dass hinter dem eigenartigen, starren Blick des Jungen eine nie gekannte Menge an Zorn steckt, worauf Loomis ihn als das personifizierte Böse betrachtet.

Als Myers 21 Jahre alt ist, gelingt es ihm aus dem Sanatorium von Smith's Grove zu entkommen und wird von Dr. Loomis verfolgt, der schlimmes erwartet, sollte Myers wieder in Haddonfield auftauchen.

Die junge Laurie Strode fühlt sich indessen in Haddonfield durchaus beobachtet. Immer wieder fällt ihr nämlich ein seltsamer Mann mit einer weißen Maske auf, der jedoch kurz darauf wieder wie vom Erdboden verschwunden zu sein scheint.

Kleine Zwischeninformation:
Das Laurie Strode und Michael Myers Geschwister sind, erfährt der Zuschauer des Films erst viel später. Am Anfang erweckt es daher eher den Eindruck, als hätte Myers sie recht wahllos als mögliches Opfer ausgewählt.

Am Halloweenabend trifft es sich für Lauries Freundin Annie Brackett recht gut, dass Laurie die Babysitterin des kleinen Tommy Doyle ist, denn sie selbst ist gleich im Haus gegenüber die Babysitterin der kleinen Lindsey Wallace. So kann sich Annie gleichzeitig mit ihrem Freund für den Abend verabreden und ungestört Zeit mit ihm verbringen, während sie die kleine Lindsey ins Haus der Doyles bringt, wo Laurie nunmehr auf beide Kinder achtet. Danach steigt Annie in ihr Auto um zu der geplanten Verabredung mit ihrem Freund zu fahren. Sie ahnt jedoch nicht, dass Mayers sich bereits auf ihrem Rücksitz befindet, der sein ahnungsloses Opfer auch sogleich stranguliert und ihre Leiche ins Wallacehaus schleift.

Der kleine Tommy Doyle, der die Situation vom Fenster aus beobachten kann, hält Myers daher für den gefürchteten "Schwarzen Mann". Laurie schenkt seinen Aussagen jedoch keine weitere Bedeutung, da sie davon ausgeht, das der Junge nur der kleinen Lindsey in der Nacht zu Halloween Angst einjagen möchte. Um diesem Spuk des Jungen also ein rasches Ende zu bereiten, schickt Laurie die beiden Kinder zum schlafen ins Bett.

Inzwischen treffen im Wallacehaus allerdings auch Lauries weitere Freundin Lynda und deren Freund Bob ein. Da sie wissen, dass sie hier nun ungestört sind, wollen sie die Gelegenheit auch gleich nutzen, um hier ihren aufgestauten sexuellen Hormonen freien Lauf zu lassen.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Als Laurie plötzlich in der Nacht einen Telefonanruf aus dem Haus gegenüber erhält, ist sie sichtlich besorgt um Annie, die sie nach wie vor im Wallacehaus vermutet. Das es sich hier um Lynda handelte, die versuchte zu schreien, ahnt sie nicht. Dafür hat Myers Lynda bereits mit dem Telefonkabel stranguliert bevor sie Laurie um Hilfe bitten konnte. Dies lässt nun Laurie keine Ruhe, woraufhin sie sich über die Straße zum Wallacehaus aufmacht, um dort einmal nach dem Rechten zu sehen.

Es ist für Laurie nicht nur ungewöhnlich still im Haus, da sie immer noch glaubt, Annie müsse noch hier sein, sondern die Stille hält für sie auch eine erschreckende Offenbarung parat. Sie findet nicht nur die Leichen von Lynda, Annie und Bob, sondern auch den Grabstein der damals von Michael Myer ermordeten Schwester Judith im Haus vor. Doch auch deren Mörder ist nicht weit von ihr entfernt und greift sie mit einem Messer an, womit er ihr auch eine Verletzung am Oberarm zufügen kann, bevor Laurie die Flucht ergreift. Diese flüchtet zurück ins Haus der Doyles. Doch Myers verfolgt sie unerbittlich, dringt auch in dieses Haus ein und greift sie erneut an. Laurie wehrt sich dabei tapfer, sticht ihm eine Stricknadel in den Hals, einen Kleiderbügel ins Auge und sogar ein Messer in dessen Brust. Doch anstatt schwer verletzt am Boden liegen zu bleiben, erhebt sich Myers immer wieder und setzt seine mörderischen Attacken auf Laure fort.

Loomis, der auf der Suche nach Myers in dieser Nacht die Straßen durchstreift, wird indessen ganz in der Nähe auf die beiden Kinder Tommy und Lindsey aufmerksam, die um Hilfe schreiend aus dem Haus gestürmt kommen. Schnell eilt er Laurie zu Hilfe und schießt sechs Kugeln auf Michael Myers ab, der daraufhin vom Balkon ein Stockwerk nach unten stürzt.

Das Grauen um Michael Myers scheint damit sein glückliches Ende gefunden zu haben, doch als Dr. Loomis hinunter auf die Leiche von Myers schaut, muss er mit Schrecken feststellen das dieser wieder verschwunden ist.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Michael Myers im Fernsehen und die jeweiligen Fassungen:
Der Film HALLOWEEN war später in den USA geradezu perfekt dazu geeignet, am Abend zu Halloween den Zuschauern im Fernsehen jährlich das gruseln zu lehren. Die Rechte hierzu erlangte der Sender NBC 1980 für rund 4 Millionen US-Dollar. Nur erschien der Film den Fernsehleuten schon damals als etwas zu hart. Schließlich dürften sich in dieser Nacht auch noch Kinder vor den Fernsehgeräten befinden.

Um den Film aber trotzdem senden zu können, wurden einige Szenen, die man als zu hart empfand, herausgeschnitten. Die besagten Kürzungen gingen aber zwischen NBC, John Carpenter und Debra Hill nicht ganz problemlos vonstatten, so das die Erstausstrahlung  durch NBC erst danach erfolgen konnte. Zusätzlich kam das Problem hinzu, das man mit diesem Film innerhalb der Sendezeit ein Zeitfenster von zwei Stunden schließen musste. Um dieses Zeitfenster also wieder zu schließen, drehte John Carpenter zwölf Minuten ergänzendes Material nach. Dieses beinhaltet eine Szene, in der Dr. Loomis im Sanatorium in Smith's Grove zu dem sechsjährigen Michael Myers spricht. In einer weiteren Szene sieht man Dr. Loomis, wie er die verlassene Zelle von Myers begutachtet und an der Innenseite der Tür das eingeritzte Wort "Schwester" vorfindet. Eine dritte Szene zeigt dann noch Lauries Freundin Lynda die zum Haus von Laurie geht um sich eine Bluse von ihr auszuleihen, während gleichsam Annie den gleichen Wunsch Laurie in einem Telefongespräch offenbart.

Die zusätzlichen Aufnahmen wurden von Carpenter während der Dreharbeiten zur Fortsetzung HALLOWEEN II. mit aufgenommen. Diese Fernsehversion von HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS wurde dann im Jahre 2001 vom Label Anchor Bay Entertainment als Extended Version auf DVD veröffentlicht. Die TV-Fassung an sich soll laut Wikipedia eine Spieldauer von rund 101 Minuten beinhalten.

In Deutschland wurde der Film damals noch auf VHS mit einer Freigabe ab 18 Jahren belegt, wobei es auch eine weitere geschnittene Version mit einer Freigabe der FSK von 16 Jahren gab. Erst im Jahr 2003 unterzog die FSK den Film einer erneuten Prüfung, wobei die Freigabegrenze der ungekürzten Fassung nunmehr auf 16 Jahre festgesetzt wurde.

Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)Meine Filmkritik:
Einige inhaltliche Schwächen weist natürlich auch der Kultfilm HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS auf. So wirkt es doch recht seltsam, dass in dem fiktiven Städtchen Haddonfield in Illinois verdammt viele Autos herumstehen oder fahren, die alle Kennzeichen von Kalifornien aufweisen.

Weiterhin könnte es einen durchaus bedenklich stimmen, wie es Myers gelingt aus dem Sanatorium auszubrechen und mit einem Auto locker nach Heddonfield zu fahren, wo er doch sein Leben seit seinem sechsten Lebenjahr in einer Zelle verbracht hat. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, das man irgendwo auf der Welt in einer Klapsmühle seinen Führerschein machen könnte um zumindest halbwegs etwas praktische Erfahrung mit der Führung eines Fahrzeug im allgemeinen Straßenverkehr zu erlangen.

Doch wer stört sich schon an diesen kleinen Schwächen bei einem solchen Film, der nicht nur recht anschaulich sondern auch durchaus packend die Angst des Menschen vor der nicht greifbaren Gefahr aufgreift und umsetzt. Die Dramaturgie der Handlung spricht hier für sich und kann sehr wohl diese inhaltlichen kleinen Schwächen für den Zuschauer überdecken. Denn im Gegensatz zum Filmkritiker, der direkt nach dem Haar in der Suppe sucht, lässt sich der gespannte Zuschauer nur zu gerne von der Spannung und der bedrohlichen Atmosphäre der gebotenen Handlung mitreißen.

Für mich war dieser erste Film, dem eine ganze Reihe von Fortsetzungen folgte (der letzte der sich an Michael Myers heran gewagt hatte war meines Wissens nach Rob Zombie), eine phantastische kleine Offenbarung. Die darauf folgende Fortsetzung konnte ebenfalls noch einige Pluspunkte bei mir sammeln. Doch ab HALLOWEEN IV -MICHAEL MYERS KEHR ZURÜCK (1988) klappte das bei mir nicht mehr wirklich, so das ich spätestens ab HALLOWEEN H20 mich nicht mehr um die Sichtung der noch folgenden Versionen gekümmert hatte. HALLOWEEN H20 war zwar in den Kinos ein Erfolg, mich persönlich riss der Film aber absolut nicht mehr vom Hocker sondern langweilte mich sogar persönlich mächtig, so das man hier bei meiner Person auch vom typischen Sandmännchen-Effekt sprechen konnte (ja, ich musste ihn zweimal sehen, weil ich beim ersten mal ab der Hälfte des Films mal wieder eingeschlafen war).

Das dagegen HALLOWEEN III. ein wahres Desaster an den Kinokassen war, hätte man eigentlich voraussehen können. HALLOWEEN ohne Michael Myers geht ja eigentlich nun überhaupt nicht und die Idee mit der Spielzeugfabrik und den tödlichen Masken hätte man locker auch noch als kleine Gutenachtgeschichte in einem Kinderbuch  veröffentlichen können. Da hätte es eine erneute Freigabe ab 16 Jahren kaum bedurft, denn den hätte ich schon damals ab 12 Jahre locker durchgehen lassen, so wie mich damals die Originalversion auf VHS gelangweilt hatte. Wer ihn mag, der darf sich aber auch an diesem Ausrutscher gerne erfreuen, der wieder auf DVD und BD ungekürzt in den Handel gelangt ist. Mein Ding ist der dritte Teil jedenfalls wirklich nicht und reiht sich ein in meine persönliche Liste der Dinge, die ich nicht brauche, gleich hinter Rahmspinat, Zahnschmerzen und Atombomben.

HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS zeigt hingegen auch recht gut, was man mit relativ wenig Geld und auch noch unter Zeitdruck auf die Beine stellen kann. Da dürfen sich manche andere, die Millionen für einen Film heraus schmeißen um dann gnadenlos einen Flopp hinzulegen, gerne eine Scheibe von abschneiden. Für mich persönlich ist der Film darüber hinaus auch einer der Highlights des Slasherfilms, den man in einer persönlichen Sammlung von PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN bereitstehen haben sollte. Machen wir die Sache also kurz, von mir gibt es die absolute Empfehlung zum (wieder-) sehen und die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten oben drauf.

Ausblick:
Nun ist es soweit. Die Folge 100 von DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER steht vor der Tür. Und wenn ich mich recht entsinne, hatte ich in einem Kommentar hierzu vor kurzem ja gesagt, dass ich noch nicht so genau weiß, ob ich euch nun noch eine absolute Filmgurke servieren soll, also quasi zum abgewöhnen, oder doch noch einen recht guten Schinken der Phantastik.

Natürlich höre ich euch wieder stöhnen, aber es geht wieder mal um Vampire. Was wäre das Genre des Horror denn auch ohne diese Fangzähne? Manche reiben sich jetzt vielleicht bereits aber auch freudig die Hände, weil es sich doch eigentlich nur noch um den Film DRACULA mit Christopher Lee aus den berühmten Hammer-Studios handeln dürfte. Aber so einfach mache ich es euch nun nicht, zumal ich genau diesen Film das letzte mal vor vielen Jahrzehnten gesehen habe und eine DVD hierzu preislich für mich etwa überhöht bisher angeboten wird. Kurz und Gut, den Film habe ich selbst noch nicht in meiner Sammlung (zumindest, bis dieser mal mit einem vernünftigen Preis unter meine Augen kommt).

Aber dies sei euch hier und jetzt noch verraten: Es geht wirklich um DRACULA. Des Weiteren spielen in diesem Film zum letzten mal zwei wirkliche Größen des Genre in einem Film zusammen mit. Ob ich bei diesem Film allerdings nun lachen oder vielleicht doch lieber weinen sollte, dass verrate ich euch wohl doch erst am nächsten Samstag, wenn wir zur wirklich dreistelligen und damit zugleich runden Zahl dieser Artikelserie anstoßen dürfen.

Bis dahin habt euch wohl, seit nett zueinander und lasst mich keine Klagen hören.
Halloween - Die Nacht des Grauens (Halloween)
Halloween - Die Nacht des Grauens
(Halloween)
mit
Jamie Lee Curtis, Donald Pleasence, Nick Castle, Sandy Johnson, Nancy Loomis, Brian Andrews, P.J. Soles, John Michael Graham, Kyle Richards, Charles Cyphers u.a.
Regie und Musik: John Carpenter
Drehbuch: John Carpenter, Debra Hill
Produktion: Debra Hill
Genre: Horror/Slasher
Laufzeit: 92 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Intergroove
USA 1978

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-05-26 10:27
Ja, ist denn schon Samstag? :lol:

Für Gorehounds ist der mittlerweile wirklich zu zahm. Und mittlerweile hat man ihn so oft gesehen, dass er an einem vorbeirieselt.

Auch wenn er viele Klischees begründet hat, die einen nerven - die dauergeilen Highschool-Mädels, die für Sex bestraft werden, das züchtige Final Girl - ist es doch immer noch ein guter Film. Ich kann mich noch daran erinnern, dass er damals nur in so einer Filminitiative im Kino lief, und man sich tatsächlich Freitags abends dafür anstellen musste.

Allerdings könnte man III öfter zeigen. Da gab es doch diese schöne Whirlpoolszene :-)

Hm, wenn du als 100 tatsächlich DBFB nimmst, dann werden es wohl eher Tränen sein :-) Der funktioniert auf so vielen Ebenen nicht.
#2 Laurin 2017-05-26 11:17
Ehrlich gesagt, ich hatte da auch das Gefühl, ich hätte einen ganzen Tag verpennt, Andreas Decker. :lol:
Aber sei es drum, es darf auch mal ein Freitag sein. ;-)

Ja,, dieses Klischee das die Jungfrau am Leben bleibt und wer Sex hat oder nur will, stirbt. Das ging ja nun durch eine Menge Slasherfilme und wurde später ja auch im ersten Film SCREAM - SCHREI! thematisiert. Carpenter war darüber aber wohl nicht so glücklich, denn er behauptete später, das Laurie sich eher durch ihre "unterdrückten sexuellen Energien" auszeichnet, weil diese sich in ihrer Gegenwehr gegenüber Myers entladen. Das aber dies in seinem Film als eine feststehende "Moralität" im Subgenre anzusehen sei, lehnte er schlichtweg ab.

Bei Teil 3. riss für mich die Whirlpoolszene auch nichts mehr raus. Dafür war für mich schlicht zu viel Schrott davor und danach. Aber wer es mag soll ihn gerne sehen. Erhältlich ist er ja ungeschnitten wieder. ;-)

Ja, es könnten in Richtung "Ausblick" einige Tränen dabei sein. Mit DBFB liegst du jedenfalls nicht verkehrt. DSDS mit Bohlen kann man ja nicht als Filmklassiker der Phantastik bezeichnen, erzeugt aber ebenfalls verdammt viele Tränen und ungläubige Gesichtsausdrücke. :lol:
#3 Erlkönig 2017-05-26 21:06
Halloween

Das Wort zum Freitag? Dankend angenommen.

Ausblick
Tränenkrüglein und Taschentücher sind parat. :-)
#4 Mainstream 2017-05-27 00:25
-
Eine kleine Anmerkung noch dazu:
Eigentlich sollte Michael Myers ein normales Aussehen haben,
doch Carpenter hatte am Anfang der Dreharbeiten ein etwas
ungutes Gefühl, ob es funktionieren würde. Da das Budget
allerdings stark limitiert war, wurde eine Produktionsassistentin
los geschickt, um in einem Spielzeugladen die billigste Maske
zu besorgen. William Shatner war zu der Zeit nicht mehr der Beliebteste.

Und tut HALLOWEEN III nicht unrecht. In Amerika kam er unter
dem Titel SEASON OF THE WITCH ins Kino, sollte also nichts mit
dem Michael Myers Franchise zu tun haben. Ich fand ihn ganz
witzig, weil die Idee so perfide war.

Den "Ausblick" gabe ich nie gesehen. Aber jetzt wo Taschentücher
und eine dritte Flasche ier empfohlen wurden, werde ich ihn bis
nächste Woche nachholen müssen. Bin echt gespannt.

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