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Ein phantastischer Filmklassiker - Dracula holt die Pestkeule hervor

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 100
Dracula holt die Pestkeule hervor

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Aber nicht alles was Hammer damals produzierte wurde auch eine Perle.


Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)
Ich weiß, mit dem Film DRACULA JAGD MINIMÄDCHEN (DRACHULA A.D. '72) aus dem Jahre 1972 war nicht wirklich für alle Hammer-Fans  ein Augenschmaus abgedreht worden. Ehrlich gesagt dürfte dieser Film allerdings nun vergleichend betrachtet, womit unser Vampir für alle Fälle damals in der Gegenwart eingetrudelt ist, gegenüber DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT, noch eine klassische Filmperle sein. Und das mag nicht nur an dem Umstand liegen, dass darin Caroline Munro als Laura einen zwar relativ kurzen, aber sehr sehenswerten Auftritt hingelegt hatte. In DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT war dagegen Joanna Lumley der eigentliche Blickfang.  Mir persönlich war sie hingegen aus früher Jugend eher bekannt als eine der Partnerinnen von John Steed (Patrick Macnee) in MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE (THE NEW AVENGERS/1976 bis 1977 in insgesamt 26 Episoden). Leider muss ich aber auch gestehen, dass mir von diesen weiblichen Partnerinnen Diana Rigg als Emma Peel (Staffel 4-5) und Linda Thorson als Tara King (Staffel 6) optisch etwas mehr lagen. Und wer es vergessen haben sollte (bei uns zu Hause war damals jede Folge der Serie Pflichtprogramm gewesen), Joanna Lumley spielte in MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE die Purdey ohne jeglichen filmischen Nachnamen. Man konnte sie allerdings auch z.B. im Film JAMES BOND - IM GEHEIMDIENST IHRER MAJESTÄT (neben Diana Rigg) in einer kleineren Rolle bewundern. Darüber hinaus gab es natürlich noch eine kleine Anzahl weiterer junger Damen in DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT zu bewundern (oder manchmal auch nicht, je nach persönlichem Geschmack), die auch mal netter Weise etwas kaum bekleidet auftraten und ab und an auch mal ihre nackten Brüste bewundern ließen. Diese damals noch recht schüchternen Nacktszenen halfen der eher grenzwertigen Story allerdings auch nicht mehr wirklich über den Berg.

Viele konnten ja mit DRACULA in der Gegenwart so überhaupt nichts anfangen. Ihnen lag der Vampir im klassischen Gothic-Stil weitaus näher und für viele hätte er auch dort bleiben sollen. Dies würde ich persönlich nun nicht unbedingt so mit unterschreiben wollen, jedoch steht und fällt natürlich die Spannung und das Interesse mit der jeweiligen Story selbst und hier lag leider der Hase wirklich im Pfeffer. Es hat für mich zumindest den Eindruck hinterlassen, als wüsste man bei Hammer selbst nicht so genau, wie man diesen Spagat nun spannend und für die Fans interessant umgesetzt, hinlegen sollte.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Aber seien wir mal ehrlich, die Zeiten der Hammer-Horrorfilme ging nicht erst seit diesem Film langsam aber konsequent dem Ende entgegen. Dagegen läuteten Filme wie DER EXORZIST eine völlig neue Ära des Horrorfilm ein. Man mag sich da schon fragen, ob Hammer hier einfach nicht mehr mithalten konnte oder wollte. Man verblieb also irgendwie doch in guter alter Tradition, auch wenn man mal in die damalige Gegenwart eintauchte. Die Tradition bestand bei Hammer vermehrt darin, etwas Gänsehaut unter den Zuschauern verteilen zu wollen, ohne auf wirklich derbere Schockelemente zurückgreifen zu müssen. Der Zug in Sachen Horrorfilme fuhr also für Hammer trotz einiger verspielt wirkender Nacktszenen ab und leider merkte man damals nicht rechtzeitig, das der Bahnhof, auf dem man nach wie vor verweilte, gnadenlos stillgelegt wurde, um es vielleicht mal nett zu umschreiben. Das heißt nun nicht, das Heute die alten Hammer-Filme nicht immer noch ihre Fans haben, aber damals zeigte sich dieses verharren und zögern leider für Hammer knallhart an den Kinokassen.

Frisches Blut hätte Hammer jedenfalls in vielfacher Hinsicht selbst dringend gebraucht. Denn selbst mit Filmen im schönen Gothic-Stil ließ sich auf Dauer der Niedergang nicht mehr aufhalten. Und für Christopher Lee war dieser DRACULA auch sinniger Weise sein letzter für Hammer, denn auch er war dieser Rolle nunmehr ziemlich müde geworden und suchte einfach andere und neuere Möglichkeiten weitab des ewigen Grafen aller Vampire. So war dies nicht nur der letzte Film in dem er (offiziell) DRACULA mimte, sondern auch das letzte mal, dass er mit Peter Cushing gemeinsam vor der Kamera stand. Der gab übrigens wieder den unerschütterlichen Professor Van Helsing, was den Film aber auch nicht mehr wirklich aufwerten sollte. Schon an den Dialogen konnte man nämlich feststellen, wie durchgenudelt das Ganze eigentlich schon war.

Hierüber nun ausschweifend das Pro und Kontra zu diskutieren bringt eigentlich nicht mehr viel, denn mit DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT hatte Hammer einen ziemlichen Flopp an die Kinokassen gebracht, der nun ziemlich offensichtlich den Anfang vom Ende der Hammer-Studios einläuten sollte.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Da passte vieles nicht mehr zueinander:
Man muss hier allerdings zugeben, dass auch DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT einige kleinere Szenen aufweist, die den Film als solches zumindest noch interessant machen. Man kann also zurückblickend nicht von einem völligen Rohrkrepierer in Sachen Horrorfilm sprechen.

Doch bleibt selbst Heute bei einer neuerlichen Sichtung des Films immer ein etwas seltsamer Geschmack auf der Zunge haften. Ein Geschmack, der stets die Frage aufwirft, wo man eigentlich nun mit der gebotenen Handlung überhaupt hin wollte.

Sollte es nun doch eher in Richtung Kriminalfilm gehen, in den man schlicht eine Briese Phantastik einstreute? Sollte es ein Vampirfilm werden, bei dem man nur nicht wusste, wie man nun noch etwas Spannung mit hinein bringen konnte? Denn wenn man schon die handelnde Zeit veränderte, musste man auch innerhalb der Handlung anders vorgehen. Doch es änderte sich leider nur die zeitliche Form innerhalb der Handlung wirklich, ansonsten verfuhr man eigentlich weiter nach dem Wahlspruch: Bohnen bleiben eben Bohnen, egal wie groß oder klein sie sein mögen. Oder wollte man hier einfach mal sehen, ob man das ganze nicht hübsch mixen konnte? Also DRACULA einfach mal im Mäntelchen eines Kriminalfall verpacken.

Sollte es letzteres sein, was wir allerdings heute kaum noch nachfragen können, so machte man auch hier einige sehr denkwürdige Fehler. Die Killer jedenfalls wirken mitunter nicht wirklich gefährlich, denn wenn ihre Opfer weit genug entfernt sind (also etwas mehr als zwanzig Schritte, mal übertreiben gesagt), treffen diese jedes Scheunentor, aber leider kaum noch ihre eben auserkorenen Opfer.

Die Schwarze Messe, gleich zu Beginn ins Spiel gebracht, wirkt sogar eher Laienhaft inszeniert, wie bei einem Wandertheater mit beträchtlichen Geldsorgen. Und bitte, was ist ein "Sabbat der Untoten", an dem die Superpest nun die Menschheit von der Erdkugel raffen soll. Mal abgesehen davon, dass sich DRACULA damit gleich selbst jeglicher Nahrungsquelle beraubt. Logisch ist das alles nicht mehr nachvollziehbar, was hier in der Handlung so verbraten wird.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Der Vampir hat keinen Bock mehr:
Nun könnte man ja einwenden, dass gerade Prof. Van Helsing hier eine logische Erklärung gleich mitliefert. So soll unterschwellig unser DRACULA dem Leben als unsterblicher Vampir wohl überdrüssig sein, so das er hier gleich mal zu einem finalem Rundumschlag gegen die gesamte Menschheit ausholen will.

Nur Vorsicht: Unterschwellig heißt hier bekanntlich nicht bewußt. Und DRACULA neigt ja auch noch recht lebhaft dazu, die hübsche Jessica Van Helsing zu seiner Gefährtin machen zu wollen. Also scheint er ja im Hinterstübchen doch noch auf längere Sicht zu planen, damit es ihm in den nächsten Jahrzehnten bis Jahrhunderten nicht langweilig wird.

Bleibt also als "logische" Erklärung nur noch übrig, das unser Vampir eigentlich überhaupt nicht mehr weiß, was er da gerade so tut. Steht er also unter Drogen? Ist sein Kurzzeitgedächtnis völlig im Eimer? Oder sollte er gar nicht mehr wissen, was er da überhaupt anstellt? Bei letzterem kann man dann froh sein, das er wenigstens nicht vergisst, Hose und Umhang anzulegen, bevor er sich der Öffentlichkeit präsentiert.

Mal abgesehen davon sind auch seine Helferlein aus Politik, Industrie und Wissenschaft wohl nicht mehr so wirklich auf geistig hohem Niveau. Ihnen müsste eigentlich klar sein, was sie da gerade anzetteln und das sie hier keinerlei Gewinn bei abschöpfen können. Man zeige mir einen Industriellen oder Politiker, der sich bewußt auf eine tickende Bombe setzt, bei der er nicht noch Profit für sich herausschlagen könnte. Als Drei von ihnen dann von DRACULA als "Reiter der Apokalypse" auserkoren werden, scheinen die mit dieser Wahl sinniger Weise auch nicht gerade glücklich zu sein. Was bitte hat sie also überhaupt dazu getrieben, diesen Plan überhaupt mit in Angriff zu nehmen? Hypnose durch den Vampir? Wohl kaum, denn sie scheinen über den Film hinweg durchaus recht gut Herr über ihre eigenen Sinne zu sein. Zumindest hätten sie durchweg erkennen müssen, wo der Zeitvertreib bei satanistischen Messen aufhört ein Spaß zu sein und die Ausrottung der Menschheit anfängt.

Man darf die Handlung im Film DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT also drehen und wenden wie man mag, aber bereits an diesen Beispielen lässt sich sehr gut sehen, dass die Logik mit Regisseur Alan Gibson und Don Doughton, seines Zeichens der Autor des Drehbuches, intensiv verstecken gespielt hatte.

Bleibt dann noch das finale Ende kurz zu bestaunen, wo DRACULA in einem Weißdornbusch hängen bleibt. Es zeugt nun nicht gerade von Intelligenz, sich gerade an diesem Punkt geradewegs durch das Gestrüpp kämpfen zu wollen, nur um Van Helsing die Lichter auszublasen. Das dieses Grünzeug ihn dann auch noch am Boden hält, gibt der Szene weder etwas gruseliges, noch spannendes mit. Ganz im Gegenteil gewinnt man hier den untrüglichen Eindruck, das den Machern des Films schlicht nichts mehr eingefallen zu sein scheint.

Da passt es dann auch wie die Faust aufs Auge, das Van Helsing recht unspektakulär mit einer Zaunlatte den Grafen aller Vampire wieder ins Jenseits befördert. Eigentlich fehlte hierbei nur noch der eigentlich passende Dialog: "Das hast du jetzt davon, wenn du so blöd bist!"

Doch kommen wir jetzt hier mal kurz zum eigentlichen Handlungsablauf in der passenden Reihenfolge, auch wenn ich mich hier recht kurz und knapp halten möchte. Denn wirklich erheiternd oder durchschlagend interessant ist dieser nun wahrlich auch nicht.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Dracula macht auf Bazillus:
Ein unscheinbares Herrenhaus irgendwo in der grünen Landschaft von Londons Randgebieten gerät ins Blickfeld von Scotland Yard und genauer noch, ins Auge von Inspektor Murray. Denn hier gehen seit geraumer Zeit durchweg hoch angesehene Mitglieder aus Industrie, Wissenschaft und Politik ein und aus.

Das dies nichts mit einem Kaffeekränzchen zu tun hat, sondern mit einer Menge krimineller Energie, davon geht man bereits aus. Das Ganze wird sogar noch heikler, weil man hier scheinbar auch noch satanische Messen und Rituale zelebriert. An diesem Punkt weiß man aber bei Scotland Yard nicht weiter (John Sinclair scheint wohl gerade in Urlaub zu sein ... *Grins), so das man sich hierzu weiteren Rat von dem legendären Okkultismus-Experten Prof. Van Helsing erhofft. Dieser lässt sich auch nicht lange bitten und wertet die ihm zugetragenen Informationen zielsicher aus.

Schnell bleibt für ihn unter dem Strich nur die Erkenntnis haften, das hinter dieser okkulten wie obskuren Gesellschaft nur der Industrielle D. D. Denham steckt, der unzweifelhaft natürlich (andere Möglichkeiten kennt der Professor scheinbar auch nicht) nur die neuerliche Reinkarnation des Blutsaugers Dracula sein kann. Und der plant diesesmal etwas geradezu erschreckendes, nämlich die Ausrottung der gesamten Menschheit durch einen manipulierten Pest-Bazillus.

Man legt sich also auf die Lauer, was dem Gegner natürlich nicht entgeht und sieht sich bald einer Truppe von schießwütigen Killern gegenüber. Dabei mischt auch Van Helsings Mündel, die attraktive Jessica Van Helsing mit, die Graf Dracula bald ziemlich intensiv im Auge hat als seinen neuen Betthasen der Finsternis.

Da man die "neue" Pest bei einem bestimmten "Sabbat der Untoten" auf die Menschheit loslassen möchte, ist Eile und rasches Handeln von Nöten. Dabei trifft man auch auf den weiblichen Vampir-Harem seitens Dracula im Keller, der geradezu versessen auf frischen Besuch ist.

Der eigentliche Kampf um Leben und Tod, dem überleben der gesamten Menscheit und nebenbei auch der hübschen Jessica, entspinnt sich wieder zwischen Van Helsing und Dracula selbst, der irgendwie mit seinem Dasein und der Umwelt nicht mehr so wirklich klar zu kommen scheint.

Inspector Murray legt sich in der Anlage indessen vor Mitternacht mit Draculas Dienern an, weswegen alles (noch) rechtzeitig in Brand gerät, damit Draculas "Reiter der Apokalypse" den Bazillus nicht mehr in die Welt hinaus tragen können.

Prof. Van Helsing sieht sich indessen der rachsüchtigen Verfolgung durch Dracula selbst ausgesetzt, der jedoch in seinem Eifer von einem Weißdornbusch flach gelegt wird. Van Helsing ergreift daher seine Chance und versetzt seinem Gegner (mal wieder) den entscheidenden  Todesstoß, immer in der Hoffnung, der Teufel möge den blutrünstigen Grafen diesmal bitte bei sich behalten.  

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Meine Filmkritik:
Man kann sich hier durchaus die Frage stellen, was Christopher Lee und Peter Cushing dazu getrieben haben mag, bei dieser filmischen Gurke noch mit Hand anzulegen. Böse Zungen behaupten ja, dass es eben auch hier wieder einmal um das liebe Geld ging. Schließlich  war dies ja nicht die einzige filmische Gurke, bei der unsere Lieblinge mitgewirkt hatten.

Zumindest hatte Christopher Lee die Schnautze voll, den ewigen DRACULA abzugeben, der ihm auch in Sachen Rollenangebote zunehmend wie der sprichwörtliche Knüppel zwischen den Beinen vorkam. Einen Vampir spielte er danach nur noch einmal in der halbwegs gelungenen Komödie DIE HERREN DRACULA, der eben nicht von Hammer produziert wurde (wir erinnern uns hier mal kräftig an einen zurückliegenden Artikel hierzu in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER) und bei dem er als Schauspieler auch Wert darauf legte, dass er hier eben nicht DRACULA spielte, auch wenn man zwecks Werbung diesen Namen wieder in den Filmtitel gepackt hatte.

Hammer hängte dann, ohne Christopher Lee, noch 1974 den Film DIE 7 GOLDENEN VAMPIRE hinten dran, bei dem Peter Cushing wieder den Professor Van Helsing abgab. Irgendwie wollte man ja seitens Hammer noch auf dem stillgelegten Bahnhof bei einem möglichen Filmzug aufspringen und setzte hierbei nun auf Martial-Arts-Einlagen (Filme mit Handkanten-Prügeleien und Samureischwertern aus Asien waren ja zu der Zeit auch hoch im Kurs) und bewarb das ganze dann mit dem Slogan "Der erste Kung-Fu-Horror-Thriller". Bitte erwartet hier aber keinen Artikel von mir auch noch zu diesem filmischen Tiefgang von Hammer, denn den Film habe ich bewußt in meinem Leben gut umschifft und gedenke dies auch bis zu meinem Ableben weiter so zu halten. Dieser Film gilt unter Kritikern nämlich ebenfalls als ein völlig unausgegorenes Machwerk. Für Hammer ging dann entgültig 1979 die Sonne unter, weil man mit dem Thriller TÖDLICHE BOTSCHAFT sich entgültig in den Konkurs gewirtschaftet hatte.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Der letzte Zug war also bereits hier abgefahren, das Unkraut wucherte Hammer und seinen Mitarbeitern am stillgelegten Bahnhof der filmischen Freuden um die Fußknöchel weil jeglicher Versuch, sich der "neuen Zeit" anzupassen, misslang. Der Horrorfilm hatte längst ein neues Gesicht bekommen und Hammer war kaum noch in der Lage, hier auch nur noch halbwegs mithalten zu können. Schade eigentlich, denn Hammer hatte dem Genre so einiges gegeben, ohne das auch das Neue im Genre so vielleicht nie entstanden wäre.

Das Jammern hilft jedoch recht wenig, denn spätestens ab DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT zeigte sich, wie unausgegorene Drehbücher und mithin eine stümperhafte Regie den (vergänglichen) Ruhm seitens Hammer stückweise in die Tonne kloppen konnten, der einmal mit vielen Filmen noch einer der Schrittmacher des Genre war.

Gegenüber DRACULA JAGT MINIMÄDCHEN (1972) hagelte es in diesem Film nur noch von logischen Ungereimtheiten, unausgegorenen Ideen, billiger Effekte und mitunter recht sinnfreier Dialoge. Zwar kann man sich den Film DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT noch ansehen, wenn einem sonst nichts mehr einfällt, aber hierzu muss man leider seine Erwartungshaltung mächtig herunter schrauben.

Meines Wissens nach wurde dieser Film im deutschen Fernsehen einige male durch die Sendezeit gezogen. Man konnte also wie ich dabei durchaus Fan sein, ohne das einem dieses jemals aufgefallen wäre, weil man einfach nicht mehr eingeschaltet hatte. So vergingen also viele Jahre, bis das ich diesen Film meiner Sammlung einverleibt hatte. Die Handlung war mit der Zeit bei mir einem gewissen Vergessen anheimgefallen, so das auch ich bei der neuerlichen Sichtung des Films meine Erwartungshaltung wieder im fortschreitenden Verlauf der Handlung beständig nach unten schrauben musste.

Warum die DVD aber noch Heute mit einer Altersfreigabe von 18 Jahren "glänzen" darf, entzieht sich meiner tiefschürfenden Erkenntnis. Die paar blanken Brüste können jedenfalls nicht dafür verantwortlich sein, da liefert selbst das Fernsehen mehr nackte Tatsachen. Die einzige Logik die hier zugrunde liegen dürfte ist, dass der Film nicht zu einer erneuten Prüfung vorgelegt wurde. Das macht sogar durchaus Sinn, denn so ein FSK-18-Logo kann hinsichtlich des Films sogar recht verkaufsfördernd sein. Die Neugierde auf einen eventuell "harten" DRACULA seitens mancher unbedarfter Interessenten dürfte hiermit jedenfalls durchaus geweckt werden.

Von dieser Warte aus betrachtet mag jeder Fan für sich entscheiden, ob dieser Film nun unbedingt in eine Sammlung PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER gehören muss. Zumindest mag von der Vollständigkeit her betrachtet ein Kauf nur dann unumgänglich sein, wenn man sich gezielt auf eine komplette Sammlung aller verfügbaren Filme der Hammer-Produktion konzentriert.

Ich will hier nun auch nicht zu ungnädig erscheinen, so das ich dem Film noch zwei von insgesamt fünf Punkten zugestehe. Zwar zeugen nur zwei Punkte nicht gerade von Begeisterung, aber zumindest schrammt der Film so aus meiner Sichtweise gerade nochmals an einem Totalausfall vorbei. Und seien wir mal ehrlich, auch manche Gurke weiß mitunter noch zu munden, wenn man gerade kein Fleisch auf dem Teller hat.

Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)Ausblick:
Die Reihen DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER lichtet sich mittlerweile ziemlich. Zumindest, was sich in meinem persönlichen Filmarchiv befindet. Den einen oder anderen Klassiker hatte ich ja früher bereits einmal per Artikel behandelt, so das man hier per Suchfunktion im Zauberspiegel AUCH z.B. auf wirklich phantastische Perlen wie DAS TESTAMENT DES DR. CORDELIER zurückgreifen kann. Doppelt gemoppelt  als Artikel werden Filme aber bekanntlich auch nicht unbedingt besser oder schlechter.

Zwar ist damit die Spitze meiner gesamten Filmsammlung längst noch nicht erreicht, aber ein weitaus größerer Teil meiner Filmsammlung auch aus dem Bereich gerade des Phantastischen könnte man zur Zeit kaum als Klassiker im eigentlichen Sinne verkaufen. Um also die Fahnenstange in meiner Rubrik DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER nicht Knall auf Fall hier abreißen zu lassen, wird es die nächsten Artikel hierzu erst wieder in einem vierzehntägigen Abstand geben. Hierbei gilt es dann noch den einen oder anderen Film zu beachten, der bisher noch nicht hier erwähnt wurde und natürlich berücksichtige ich dann auch entsprechende Neuzugänge, sofern sie mich ansprechen sollten und ich sie meiner Sammlung zufügen werde.

Um hier aber nun nicht alle vierzehn Tage ein Loch im Zauberspiegel zu hinterlassen, gibt es von mir einen Querschnitt von weiteren älteren Filmklassikern aus meiner Sammlung, die jedoch ohne den entsprechenden Einfluss der Phantastik auskommen. Da habe ich nämlich quer durch die verschiedensten anderen Genre auch noch einige Perlen, die ich euch hier gerne vorstellen möchte. Also fangen wir mit einem Filmklassiker zum nächsten Samstag an, der durchaus hier auch seine Fans haben dürfte.

Der Film lebt eigentlich von seiner Rückblende, was die eigentliche Handlung betrifft. Wir gehen also in eine Zeit zurück, in der das Leben im Westen der USA noch rau und mitunter auch etwas bleihaltig gewesen war.

Erinnerungen kommen ja immer dann gerne auf, wenn jemand gerade das zeitliche gesegnet hat und einem die Vergangenheit Revue dann durch den Schädel schießt.

Was bleibt sind dann die Erinnerungen, die Flausen die man in jungen Jahren noch im Kopf hatte, einem Freund, dem man zu jeder Zeit vertrauen konnte und einem Sarg, der samt seines Inhalt das verkörpert, was noch von dieser Zeit übrig geblieben ist.

Richtig ihr lieben, wir machen den ersten Abstecher in Richtung Filmklassiker allgemein in Richtung Wilder Westen. Noch schön klassisch in Schwarzweiß und abgeschmeckt mit etwas Herzschmerz. Und wer jetzt noch nicht weiß, welchen Filmklassiker ich meine, der sollte vielleicht in der nächsten Zeit mal genauer die verschiedenen kleineren Fernsehsender beachten, denn laut meiner Fernsehzeitung mit 14-tägigem Rundumschlag dürfte dieser Filmklassiker sogar demnächst zu sehen sein, wenn man nicht wie ich auf die passende DVD zurückgreifen kann.

Was Namen angeht, so möchte ich hier allerdings meine Brotluke geschlossen halten, denn bekannt sind diese allemale und ich würde euch die Lösung des Rätsels hier nur zu einfach machen.

Und wie gesagt, den nächsten PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER  gibt es dann in 14 Tagen hier zu lesen und das Rätsel hierfür gibt es dann im "Ausblick" eben des folgenden Artikels zu eben diesem ersten Beitrag von DER FILMKLASSIKER.
Dracula braucht frisches Blut (The Satanic Rites of Dracula)
Dracula braucht frisches Blut
(The Satanic Rites of Dracula)
mit Peter Cushing, Christopher Lee, Joanna Lumley, Michael Coles, Freddie Jones, Barbara Yu-Ling, Patrick Barr, Richard Mathews, Lockwood West, Richard Vernon, William Franklyn u.a.
Regie: Alan Gibson
Drehbuch: Don Doughton
Produktion: Roy Skeggs
Genre: Horror
Laufzeit: 87 Minuten
DVD/FSK: 18 Jahre
Vertrieb: HanseSound Musik und Film GmbH
Großbritannien 1973

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-06-03 00:21
Also, ich bin ja heute noch ein Anhänger der klassischen Gruseler- und vor allem der Hammerfilme. Immerhin hat die kleine Horrorfirma das Genre maßgeblich (mit)geprägt. Christopher Lee hatte ja schon in den Sechzigern die Nase voll - wurde aber immer wieder (monetär) überredet.

Kostümhorror war in den Siebzigern einfach nicht mehr in - aber die beiden, schundigen Gibson-Draculas wären einfach unnötig gewesen, weil sie eben Mist waren.

Ach ja:.."Mal abgesehen davon, dass sich DRACULA damit gleich selbst jeglicher Nahrungsquelle beraubt. "..

Das wurde in diesem Film ja auch erklärt, ob wohl eben diese Erklärung auch irgendwie halbgar war:

Dracula will endlich sterben - und einfach die ganze Welt mit sich reissen: Armageddon eben - das jüngste Gericht ..
#2 Laurin 2017-06-03 00:34
Zitat Friedhelm:
Ach ja:.."Mal abgesehen davon, dass sich DRACULA damit gleich selbst jeglicher Nahrungsquelle beraubt. "..
Das wurde in diesem Film ja auch erklärt, ob wohl eben diese Erklärung auch irgendwie halbgar war:
Dracula will endlich sterben - und einfach die ganze Welt mit sich reissen: Armageddon eben - das jüngste Gericht ..

Richtig Friedhelm und doch nicht wirklich im Film logisch behandelt. Das Dracula "unterschwellig" sterben will, war eine Aussage/Einschätzung von Van Helsing, aber keine Erklärung im eigentlichen Sinne der Filmhandlung. Warum setzt der gute Dracula denn im weiteren Verlauf einiges darauf an, Jessica Van Helsing zu seiner "Gefährtin" zu machen. Gefährtin wofür, wenn er doch faktisch seinen Selbstmord mangels Blutnahrung selber einläutet. Wie ich oben hierzu schon schrieb, beißt sich hier in der Logik so einiges was da an "halbgarem" in die Handlung geschmissen wurde. Da wurde seitens Regie und Drehbuch regelrecht gepennt. ;-)
#3 Friedhelm 2017-06-03 10:27
Stimmt, habe nochmal reingeschaut - war Van Helsings Einschätzung..

Trotzdem finde ich (als alter Nostalgiker eben), Hammers Untergang schade. Aber wenn man da ehrlich ist, dann war unter den "Draculas" eigentlich nur der erste wirklich "stimmig".

Übrigens bin ich der Meinung, dass die neuzeitliche Reaktivierung (unter Simon Oakes) nicht wirklich sein musste. Mir hat keiner der bisherigen Produktionen wirklich gefallen..
#4 Andreas Decker 2017-06-03 11:29
Da starb Dracula mit einem Wimmern. Die Hammer-Leute der letzten Stunde hatten halt nicht mehr das nötige Können. Autor Houghton mit H war wirklich glücklos. Als TV-Autor war er okay, aber für einen Film fehlte ihm etwas.

Ehrlich gesagt finde ich den Kung Fu-Dracula besser als "Satanic Rites". Nicht, dass wir uns missverstehen, der ist echter Schund, aber es ist wenigstens amüsanter Schund. "Rites" ist nur ärgerlicher Schund.

Das fängt schon bei der völlig fehlbesetzten Lumley an. Umbesetzungen sind ja okay, aber man glaubt als Zuschauer doch keine Sekunde, dass die knabenhafte und burschikose Lumley dieselbe Person wie die üppige und mädchenhafte Stephanie Beacham sein soll. Das reißt einen doch in jeder Szene raus, wenn man sich an die weißgekleidetete Beacham mit ihrem Mörderdekolleté erinnert.

Genauso lächerlich die Möchtegernrocker mit ihren schicken Lammfelljacken und ihren Mopeds, und zig andere Dinge. Die Story macht keinen Sinn. Und die Satansmesse am Anfang wirkt auch nur albern. Selbst in holprig inszenierten britischen Independentfilmen aus der Zeit wie "Virgin Witch" ist das atmosphärischer.

"Rites" ist ein trauriger Endpunkt.

Läuft der Western vor oder nach nächstem Samstag? :-) Bei den gefühlten 100000 Western habe ich keinen Schimmer, was du meinst :lol:
#5 Laurin 2017-06-03 12:20
Friedhelm:
Ja, schade ist Hammers Untergang durchaus gewesen, zumal man hier wirklich viele schöne Stunden mit ihren Filmen verbringen konnte und als Konserve auch immer noch kann.

Andreas Decker:
Wie gesagt, den Kung-Fu-Dracula kenne ich nicht und gedenke es dabei auch zu belassen. Bei den Möchtegernrockern mit den Lammfelljacken fallen mir immer motorisierte Schafhirten ein. Hat ja auch etwas lustiges. :lol:
Lumley sieht, bzw. sah nun nicht übel aus, aber stimmt schon, als Ersatz für die Beacham passt sie hier nicht rein. Mal abgesehen davon hat DRACULA JAGT MINIMÄDCHEN noch weitaus eher bei mir einen Stein im Brett als dieser völlig traurige Nachfolger.

Den Western kannst du dir übrigens locker vor dem nächsten Artikel ansehen. Schau hierfür einfach mal über die Pfingsttage bei den kleineren Sendern rein. Dürfte eigentlich auffallen sobald du ihn findest. ;-)
#6 Toni 2017-06-03 15:23
Und wieder ein Jubiläum beim Zauberspiegel.
Danke für 100 Artikel "Ein phantastischer Filmklassiker".

Der alte Draci hat mir auch mehr gefallen. Wer weiß wie es weiter gegangen wäre, wenn Lee noch Lust gehabt hätte. Dracula bei den Waltons, Dracula und J.R. Ewing und heute vielleicht Dracula und die Chipmunks. Nee, ich glaube das Thema war wirklich ausgereizt.

Zum Ausblick muss ich wieder passen. Mit Programmzeitschrift habe ich es auch nicht so - bleibe meisten beim zappen irgendwo hängen :-)
#7 Laurin 2017-06-03 16:15
Und ich dachte, bei dem Rätsel hätte ich schon wieder zu viel verraten. :D

Dracula und die Chipmunks?
Dann doch lieber mit J.R. Ewing, Toni. :P
#8 Erlkönig 2017-06-04 21:25
Konrad
Schön, daß du weitermachst.

Andreas Becker
J. Lumley konnte diesem Film auch nicht mehr groß schaden. Ich fand sie übrigens ganz sexy und bedauere eigentlich, daß ihre TV-Serie "Sapphire and Steel" nicht eingedeutscht wurde.

Ausblick
Western? Da gibts für mich nur "Keoma" :-)
#9 Laurin 2017-06-05 00:38
@ Erlkönig:

"Keoma - Das Lied des Todes" mit Franco Nero ist es leider nicht. Der kam erst runde vierzehn Jahre später in die Kinos. Im Grunde handelt es sich hier ja um einen Italowestern, der ja schon locker in Farbe gedreht worden ist. Im Ausblick hatte ich aber den Hinweis gegeben, dass der Film des nächsten Samstag noch in schwarz-weiß gedreht wurde. Von daher musst du leider noch etwas weiter raten. ;-)
#10 Erlkönig 2017-06-05 20:48
Laurin

Habe doch gar nicht geraten. Sollte eher ein Statement für meinen Lieblings-Western sein. "Keoma" passt eigentlich immer. Natürlich in keinster Weise als Lösung zu deinem Rätsel. :-)
#11 Laurin 2017-06-06 09:44
@ Erlkönig:
Oh ... hatte gedacht, du hättest dich da irgendwie verlesen oder ich hätte mich nicht klar genug ausgedrückt. Sorry. :-)

Aber Keoma ist es wie gesagt nicht, zumal ich den Film auch (noch) nicht in meiner Sammlung habe und bevor ich da etwas schreiben kann, sollte ich ihn vielleicht auch erst einmal gesehen haben (hier muss ich nämlich auch noch zur Zeit leider passen :sad: ).

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