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Ein phantastischer Filmklassiker - Vom Auge des Tigers bis zum Möwenfuß

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 94
Vom Auge des Tigers bis zum Möwenfuß

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Bei Zeiten verspielte man aber dann auch gute Ansätze etwas.


Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)
Mal ehrlich, nehmt mal den Namen Sindbad  und das Wörtchen "und"  aus dem Titel weg, welcher Film fällt euch denn bei dem Rest des Titels sofort ein? Klar, ROCKY III. - DAS AUGE DES TIGERS.

Aber der kam erst runde 5 Jahre später in die Kinos und unter das Mäntelchen DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER passt der nun auch nicht drunter. Stellen wir also den dritten Teil der ROCKY-Saga wieder zurück in den Schrank und holen statt dessen den SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS heraus.

Ab und an sehe ich mir ja gerne mal einen dieser Filme an, wobei mich immer wieder auch die Spezialeffekte der Monster von Ray Harryhausen für sich einnehmen können.

Das Stop-Motion-Verfahren mag heute schlicht veraltet sein, doch man muss einfach sagen, dass diese Spezialeffekte auch jetzt noch einen gewissen Reiz auf den Zuschauer ausüben können. Zumindest geht dies mir so und ich glaube mal nicht, dass ich damit wirklich so alleine stehe.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Der hübsche Blickfang mal Zwei:
Ein weiterer Blickfang dürfte dann zum einen die schöne Prinzessin sein, die von Jane Seymour gespielt wird. Zum ersten mal hatte ich sie gesehen, als sie in rund vier Folgen der SF-Fernsehserie KAMPFSTERN GALACTICA (1978) mitgespielt hatte. Wirklich im Gedächtnis blieb sie allerdings bei mir erst (nicht im Kino aber späterhin auf VHS-Verleih-Kassette) mit ihrer Rolle als das Medium Solitaire neben dem Gangster Mr. Big/Dr. Kananga in dem Spionagethriller JAMES BOND: LEBEN UND STERBEN LASSEN (1973), in dem Roger Moore zum ersten mal den Geheimagenten Bond spielte.  Das mag bei diesem Film auch daran gelegen haben, dass ihre "Entjungferung" eine Rolle in der Handlung spielte und wer hätte da nicht gerne gleich wohlwollend mit Hand angelegt um dieses Problem gleich unter den Palmen zu lösen. Als ich diesen 007-Blockbuster damals sah war ich ja noch jung und (sagen wir mal in dieser Hinsicht) noch voller Tatendrang. Als Prinzessin Farah zeigte sie in einer Badeszene vier Jahre später dann sogar noch ein wenig mehr nackte Haut bei einer hübschen Badeszene.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Und wo wir gerade bei "hübsch" sind in diesem Märchen um den Rabauken zur See, genannt Sindbad, da fällt einem auch noch das niedliche Töchterchen des Magiers Melanthius auf, dass hier den ebenso süßen Namen (passt irgendwie) Dione trägt. Gespielt wird Dione übrigens von Taryn Power, der Schwester von Romina Power  (der Vater war kein geringerer als der Schauspieler Tyrone Power), die (ebenso hübsch) man wohl eher aus Filmen wie MARQUIS DE SADE: JUSTINE (1969) oder dem Fernsehfilm DIE RÜCKKEHR DES SANDOKAN (1996) her kennt, oder ansonsten ganz bestimmt aber als Sängerin neben ihrem damaligen Ehemann Albano Carrisi, die auch in Deutschland als Pop-Duo große Erfolge feierten (1976 traten sie z.B. auf dem Eurovision Song Contest auf). Filmisch brachte es Romina Power aber gerade mal auf acht nennenswerte Beiträge. Ihre Schwester Taryn machte es ihr in diesem Punkt nach und war ebenfalls nur in insgesamt acht Filmbeiträgen zu sehen, darunter auch DER GRAF VON MONTE CHRISTO (1975 neben Richard Chamberlain und Toni Curtis) oder (1976 in BORDELLA). In diesem Sindbad-Abenteuer verliebt sie sich jedoch in den Bruder der Prinzessin, der hier die meiste Zeit als Pavian (Dank Ray Harryhausen) herum geift oder Schach spielt. Irgendwie eine wahre Verschwendung, oder aber sie steht auf verdammt haarige Typen mit feuerrotem Hintern (den er uns aber im Film nicht zeigt).

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Geschwätzige Magier und große Füße:
Den geheimnisvollen Magier Melanthius gab dann der Schauspieler  Patrick Troughton der damals in 118 Episoden der SF-Serie DOCTOR WHO spielte (wobei hier viele Folgen dieser Serie mit ihm in der Titelrolle leider als verschollen gelten). Wer hier genau aufgepasst hat, dem dürfte nicht entgangen sein, dass er bereits am letzten Samstag in meiner Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER eine Rolle spielte, wo ich den Horrorfilm DAS OMEN (1976) vorstellte, wo er den Pater Brennan verkörperte. Als Melanthius hat er hier allerdings eine recht tiefe und einprägsame Synchronstimme (Synchronsprecher war Arnold Marquis), die aber seiner Rolle als Magier dann auch nicht wirklich auf die Sprünge half. Geheimnisvoll angekündigt im Film, stellte er sich aber eigentlich dann als einen recht geschwätzigen, aber für mich als Zuschauer nicht gerade wirklich interessanten Charakter heraus.

Bei einem anderen Schauspieler handelt es sich hier faktisch um ein Wiedersehen bei Sindbads verfilmten Abenteuern. Kurt Christian spielt hier den missratenen, aber nicht wirklich geistig sehr hoch angesiedelten Bösewicht und Sohn der Hexe Zenobia mit Namen Rafi. Doch 1973 spielte er bereits schon einmal in einem Sindbad-Kinofilm (SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER) mit, in dem er neben John Phillip Law als Captain Sindbad und Caroline Munro als Margiana den faulen Trottel und Händlerssohn Haroun mimte. In diesem Film glänzte er schauspielerisch zumindest mehr als hier in SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS, wo seine Rolle schon ziemlich eindimensional, wenn nicht gar platt zu nennen, daher kommt.

Nicht vergessen wollen wir hier aber auch ein Monster aus Bronze, den Minoton (netter Spitznamen für Miontaurus). Da steckte nämlich ein Mensch drin und der hört auf den Namen Peter Mayhew. Wirklich bekannt dürfte dieser britische Schauspieler hier nicht sein, aber eine andere Rolle, in der er insgesamt bisher fünf mal in eben die Rolle des Chewbacca in STAR WARS schlüpfte (zuletzt 2015 in STAR WARS: DAS ERWACHEN DER MACHT), dürfte dafür um so bekannter und beliebter sein. Eigentlich war Mayhew ja Krankenpfleger im Londoner King's College Hospital. Das er dann allerdings zum Film kam, verdankte er einem Zeitungsartikel über Männer mit "großen Füßen", wo Mayhew auch per Foto abgebildet war. Das sahen, bzw. lasen auch die Produzenten des Harryhausen-Films SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS und luden ihn gleich mal zu einem Casting ein, worauf Mayhew die Rolle des Minoton erhielt. Die Rolle des Minoton selbst wirkt jedoch hier eher schon verschwendet, denn außer am Ruder zu stehen und einen behauenen Felsblock aus der Wand zu rupfen, gab diese Rolle nicht wirklich viel her.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Das Heldengrinsen und der Übervater:
Bleibt hier noch die Rolle des Helden selbst. Die hatte hier nun Patrick Wayne eingenommen. Gut, irgendwie passt dieses Grinsen in seinem Gesicht ja recht gut für den verwegenen Seemann Sindbad. Nur leider grinst er auch ab und an in ein paar Szenen, wo es nicht so wirklich passen will. Bekannt ist Patrick John Morrison, wie er wirklich heißt z.B. durch eine kleine Nebenrolle im Western DER SCHWARZE FALKE von 1956 mit John Wayne, dessen Sohn er auch im realen Leben ist. Das brachte ihm im übrigen auch weitere Rollen neben seinem berühmten Vater ein wie z.B. schon recht früh in seinem Filmdebüt RIO GRANDE (1950), DIE COMANCHEROS (1961) oder dem eher unsäglichen, militaristischen Propagandafilm DIE GRÜNEN TEUFEL (1968). Seine Rolle als Sindbad ist hier nicht wirklich schlecht, allerdings reicht er schauspielerisch nicht wirklich in dieser Rolle an  John Phillip Law heran. An das schauspielerische Talent seines Vaters John Wayne bzw. an dessen Erfolge in Hollywood reicht Patrick Wayne jedoch leider ebenfalls nie heran, weil er neben seinem eigenen, eher schauspielerischem Mittelmaß auch nicht das nötige Charisma im Filmgeschäft aufzuweisen vermochte, von dem sein Vater im Filmgeschäft mehr als genug in die Waagschale werfen konnte. Unter dem Strich gesehen erinnert man sich deshalb auch nicht wirklich an ihn durch seine Filmrollen, sondern eher nur durch die einfache Tatsache, dass er eben der Sohn der Hollywood-Legende John Wayne ist.

Doch genug der Informationen und Hintergründe zu den Darstellerinnen und Darstellern. Kommen wir doch einfach zur Handlung von SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS selbst. Die ist im übrigen recht einfach und ähnlich gestrickt, wie auch die anderen Filme um den Seemann. Doch gelang es bisher immer, eine recht schöne märchenhafte Spannung aufzubauen, der man als Zuschauer nur zu gerne folgt. Da gibt es einen bösen Zauberer oder wie hier eine böse Hexe, eine gefahrvolle Überfahrt, eine geheimnisvolle Insel und einige recht phantasievolle Monster. Nur die Prinzessin oder mal das befreite ehemalige Sklavenmädchen wechseln hier beständig. Im Grunde also alles Zutaten, die ein Märchen benötigt, um von der ganzen Familie und unabhängig vom Alter begeistert gesehen zu werden. Mal abgesehen davon schlug der Film mit einem Budget von sieben Millionen US-Dollar zu buche, die man hierfür bewilligt hatte, was für solche Orient-Märchenfilme schon recht ordentlich war. Und wo im Film die Prioritäten lagen, war bereits ab dem Augenblick bekannt, wenn man wusste, dass Ray Harryhausen, der Pionier der Spezialeffekte auch beim Drehbuch und der Produktion selbst die Finger mit im Spiel hatte.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Die aufgeschobene Hochzeit und andere Termine:
Im orientalischen Stadtstaat Charnak bereitet sich gerade Prinz Kassim auf seine Krönung vor, als ein recht böser Zauber genau diese Zeremonie zu nichte macht. Verantwortlich für diese üble Tat ist niemand anderes als die böse Hexe und Stiefmutter Zenobia, die ihren eigenen Sohn Rafi anstelle von Kassim auf den Thron setzen möchte. Um das zu verhindern müsste Kassim in einer festgesetzten Zeit eben die Krönung nochmals vollziehen, was ihm aber nun recht schwer fallen dürfte. Aber damit wäre dann für Zenobia und ihrem Sohn der Weg frei, hier den Prinzen einfach mal zu ersetzen.

Sindbad hingegen ist der Seefahrt müde und steuert erwartungsvoll Charnak an. Schließlich wartet hier sein Freund Kassim und seine hübsche Schwester, die Prinzessin Farah, die er nun ehelichen möchte, um endlich sesshaft zu werden. Doch statt eines freudigen Empfang steht man erst einmal vor verschlossenen Stadttoren, weil angeblich die Pest unter den Bewohnern wütet. Hierfür fehlt Sindbad allerdings der Glaube, was auch recht bald bestätigt wird. Gemeinsam mit der Prinzessin sticht man auch daher rasch in See um den geheimnisvollen Eremiten und Magier Melanthius auf der Insel Casgar aufzusuchen, der als einziger den Fluch von Prinz Kassim nehmen könnte. Der ist nämlich, wie man bald an Bord von Sindbads Schiff feststellen muss, von Zenobia in einen Pavian verwandelt worden und läuft Gefahr, irgendwann völlig seiner Menschlichkeit beraubt zu werden (bis daher spielt er Schach mit seiner Schwester). Doch auch Zenobia bleibt nicht untätig und hetzt ihrerseits erst einmal drei skelettartige, gehörnte Dämonen in den Kampf gegen Sindbad vor dessen Abfahrt nach Casgar.

Auf Casgar angekommen trifft man aber zuerst auf die junge und recht hübsche Dione, die sich als Töchterchen des alten Melanthius heraus stellt. Den Fluch kann aber auch er nicht von Prinz Kassim nehmen, während seine Tochter gar ein Auge auf den Pavian geworfen zu haben scheint. Im Nacken sitzt ihnen aber auch das Gespann Zenobia und Rafi, die mit einem Boot aus Metall und dem dazu passenden Minoton (aus Bronze), den Zenobia mit einem Zauber zum Leben erweckte, Sindbads Schiff folgen. Zenobia verwandelt sich selbst indessen in eine Möwe um unauffällig zu Melanthius zu gelangen, wo sie wieder körperlich, aber geschrumpft deren weitere Pläne ausspionieren will. Hier ergreift sie auch eine Seekarte, die direkt zu dem verschollenen Kontinent Hyperborea führen soll, wo man im Tempel des uralten Volkes der Arimaspen  den Schrein aufsuchen will, um den bösen Zauber über Prinz Kassim zu brechen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, als man Zenobia erkennt, die darauf hin mit einem Rest ihres Zaubertrank ein Insekt riesenhaft vergrößert um entkommen zu können. Dabei verschüttet sie jedoch zu viel des Zaubertrank. Als sie wieder als Möwe zurück zum eigenen Boot gelangt, reicht der Zaubertrank nicht mehr vollständig aus, weshalb eines ihrer Beine weiter aussieht wie der riesige Fuß einer Möwe.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)An der Küste von Hyperborea angekommen, stellt man jedoch fest, dass das Schiff von Sindbad nicht durch die enge Höhlenzufahrt  direkt zum Tempel passt. Also entschließt man sich dazu, die Reise weiter über Land bis zum Ziel fortzusetzen, wobei man erst einmal durch eine arktische Zone gerät und sich einem riesigen männlichen Seelöwen erwehren muss. Bei einer Rast in wärmeren Bereichen, wo die Damen auch gleich ein Nacktbad nehmen um sich anschließend zu sonnen, machen sie die Begegnung mit einem riesenhaften Monster, dass laut Melanthius einmal ein Vorfahre der späteren Menschen gewesen sein soll. Das Vieh ist eine Mischung aus Steinzeitmensch und Affe und trägt ein Horn auf der Stirn. Sichtlich angetan von den nackten Tatsachen der Damen, fühlt dieses Monster sich jedoch gefährdet, als diese in Panik loskreischen und schwingt erst einmal die Keule. Doch gemeinsam gelingt es ihnen diesen Einhorn-Affen zu besänftigen, so das dieses Monster ihnen sogar auf ihrem weiteren Weg helfend zur Seite steht.

Zenobia und Rafi gelingt es in ihrem kleineren Boot indessen die Zufahrt durch die Meereshöhle zu nehmen, so dass sie bereits eher am Tempel ankommen. Mangels Informationen wissen sie jedoch nicht, wie sie sich einen Zugang ins innere des Tempels und damit zum Schrein selbst sichern können, bevor Sindbad und die anderen eintreffen. Also setzen sie den Minoton und seine gewaltigen Kräfte ein um einen riesigen Steinblock aus dem Tempel heraus zu schieben, der jedoch danach den Minoton auch unter sich begräbt. Sie ahnen dabei nicht, dass dieser Gewaltakt dazu führen wird, dass der gesamte Tempel späterhin völlig in sich zusammenbrechen wird.

Als auch Sindbad und die anderen endlich den Tempel erreichen und durch den richtigen Zugang betreten können, treffen sie auf Zenobia und Rafi, die sich ihnen in den Weg stellen. Der Tempel wird indessen immer instabiler weil das ewige Eis im Inneren schmilzt und droht, somit völlig zusammen zu brechen, was auch zur Folge haben würde, dass Kassims Fluch nicht mehr gebrochen werden könnte. Bei einem Zweikampf verliert Rafi dann sein Leben und faktisch im letzten Augenblick gelingt es, den Fluch von Kassim zu brechen. Doch durch das aufgetaute Eis wird der Körper eines gewaltigen Säbelzahntigers freigelegt, in den die Seele der Hexe Zenobia hinein fährt um Sindbad und sein Gefolge doch noch an der Flucht aus dem zusammenbrechenden Tempel zu hindern bzw. sie sogar aus Rache für ihren Sohn zu töten. In diesem Moment greift der Einhorn-Affe ein und beginnt den tödlichen Kampf zwischen Gut und Böse, so das Sindbad und seine Freunde den in sich zusammen stürzenden Tempel im letzten Moment noch verlassen können, der die darin kämpfenden Monster für immer unter sich begräbt.

So gelingt es Kassim noch rechtzeitig zur Krönung wieder zu Hause zu sein, woraufhin auch die Hochzeitsglocken von Sindbad und Prinzessin Farah nun läuten dürften. Ganz zu schweigen von Kassim selbst, der seinerseits ja ebenfalls ein Auge auf die schöne Dione geworfen hatte.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Meine Filmkritik:
Eigentlich ist der Film recht nett gemacht. Vielleicht auf seiten der männlichen Darsteller etwas fehlbesetzt, aber man kann ihn sich durchaus noch mit gutem Gewissen und einem gewissen Spaß an der Sache ansehen.

Doch auch das Drehbuch hätte hier der Spannung wegen um einiges ergiebiger sein dürfen, denn die Handlung ist absolut vorhersehbar bis auf das gehörnte Affenmonster, das man hier sogar als nicht gerade sehr intelligentes, aber gutmütiges Helferlein des Helden und seiner bunten Truppe einsetzt.

Müsste ich eine Hitliste der drei Sindbad-Verfilmungen (ausgenommen den Film DER DIEB VON BAGDAD von 1940, der keine direkte Sindbad-Verfilmung darstellt) in meinem Archiv anlegen, dann dürfte der Film SINDBADS GEFÄHRLICHE ABENTEUER den ersten Platz belegen, ziemlich dicht gefolgt von SINDBADS SIEBENTE REISE von 1958. Leider abgeschlagen an letzter Stelle findet sich dann SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS wieder.

Man hätte diesen Film durchaus um einiges besser machen können, ohne hierfür den einen oder anderen Darsteller wie etwa Patrick Wayne austauschen zu müssen. Hätte man ihm ab und zu das gewisse Grinsen zu viel aus den Gesichtszügen gewischt und ihn dafür noch etwas intensiver agieren lassen, hätte er sogar eine richtig gute Figur in dem Film abgegeben.

Das eigentliche Manko lag schlicht an der Front der zum Teil völlig unnützen Dialoge, die zu einem nicht geringen Teil seitens Patrick Troughton als Melanthius hier wie ein sinnloses Feuerwerk abgedroschen wurden. Das wirkt mitunter etwas arg bemüht bis albern und trägt nicht gerade zur Spannung bei. Auch hätte man hier noch ein wenig mehr phantastische Action einbauen können. Das Spiel mit dem guten Monster ist zwar mal eine nette Idee, aber gesamt gesehen reißt das nicht die Durchhänger in Sachen Spannung heraus, die immer wieder innerhalb des Film leider auftauchen.

Auch was die Spezialeffekte angeht, dürfte man von Harryhausen besseres gewohnt sein. Die Idee mit dem riesigen, männlichen Seelöwen mit den gewaltigen Stoßzähnen ist zwar nicht schlecht und dürfte sich am leichtesten umsetzen lassen, doch wirklich bewegend ist dieses Monster nun nicht. Aber auch am Anfang bekam ich da große Augen, denn die drei Dämonen wirkten irgendwie auch nicht gerade wirklich furchteinflößend. Dafür sahen sie eher aus wie eine misslungene Mischung aus Skeletten, gehörnten Dämonen der Hölle und ausgestattet mit Augen wie bei Puck die Stubenfliege aus DIE BIENE MAJA.

Bei einem Budget von gut sieben Milionen US-Dollar dürfte da durchaus in Sachen Handlung/Drehbuch mehr drin gewesen sein als das, was dann unter dem Strich damals über die Kinoleinwand und heute über die Mattscheibe flimmerte. Der Held und seine Truppe wirken dabei immer wie eine Wandertruppe die alle Zeit der Welt hätte. Das hier wieder mal per Dialog ab und an darauf hingewiesen wurde, dass der nächste und letzte Termin der Krönung drängt oder das Kassim als Pavian auf Dauer seine menschliche Seite völlig verlieren könnte, wirkt so einfach nur noch aufgesetzt und mitunter gar unglaubwürdig. Besonders dann, wenn die zwei weiblichen Schönheiten alle Zeit der Welt zu haben scheinen, um mal ein ausgibiges Sonnenbad zu genießen, was dann glücklicher Weise durch unser Einhorn-Monster gestört wurde. Überhaupt wirkt niemand der Truppe irgendwie durch die zeitlichen Grenzen gehetzt oder irgendwie angespornt. Genau da aber scheint die Glaubwürdigkeit der Handlung im Film bereits bei der Überfahrt abgesoffen zu sein. Aber auch die Figur des Rafi wirkt hier eher aufgesetzt, denn wenn er gefehlt hätte, wäre es vielleicht nicht einmal aufgefallen. Bleibt dann noch das böse Biest Zenobia, die zwar gefährlich wirken sollte, aber dann mitunter einfach zu viel jammert und damit auch an der Glaubwürdigkeit der Gesamthandlung ernsthaft kratzt. Bleibt noch der Minoton. Dieses Monster, durchaus optisch sehr gut gelungen, wurde innerhalb der Handlung eigentlich völlig verschenkt. Da will ich nicht mal auf die Nussschale von Metallboot eingehen, dass eigentlich so aussah, als hätte es gleich im Hafen sinken müssen, es aber nur aus Bequemlichkeit nicht tat.

Nein, Freunde der Nacht, dass hätte man alles nicht nur viel besser umsetzen, sondern auch spannender gestalten können. Vielleicht hätte Ray Harryhausen sich stärker auf die Spezialeffekte konzentrieren sollen und weniger in Sachen Co-Autor des Drehbuches und der Produktionsbeteiligung. Will man aber die lieben Kleinen an Sonntagen mal ruhig stellen, dann erfüllt dieser Film hier durchaus noch seinen guten Zweck.

Von mir gibt es daher für SINDBAD UND DAS AUGE DES TIGERS nur drei von insgesamt fünf Punkte, wobei es durchaus auch nur zwei hätten werden können, würde ich nicht für die Spezialeffekte von Harryhausen hier gerne generell einen Pluspunkt vergeben wollen.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)Ausblick:
Ein bunter kleiner Ball, ein altertümlicher Rollstuhl in einem geheimen Zimmer und ein US-Senator der vorgibt jemand zu sein der er aber eigentlich nicht ist, umreißen als Hinweise den Film recht gut, den ich euch nächsten Samstag hier in meiner Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER vorstellen möchte.

Und schon sind wir wieder mitten drin in einem Haunted-House-Film, der recht schön seine Handlung aufbaut und auch über die gesamte Filmlänge spannend durchhält.

Im Grunde geht es aber auch um einen Mordfall, der schändlicher nicht sein könnte. Passiert dieser doch in der eigenen Familie um danach mit einem üblen Trick die Erbfolge und damit den Machtanspruch der Familienline abzusichern.

Das Opfer selbst, gesundheitlich alles andere als robust und noch so jung, dass eine brauchbare Gegenwehr eher ins Reich der Fabeln gehört, entwickelt mit den Jahrzehnten allerdings eine Dynamik, die unserem - gut, sagen wir mal widerwilligen Helden - wirklich ordentlich zu schaffen macht.

Und als wenn das nicht reichen würde, setzt er sich faktisch durch seine eher "getriebenen" Aktivitäten selbst bei der Polizei  nicht in ein positives, bzw. freundschaftliches Licht.

Seine hier im Film allerdings leider recht früh vertorbene Frau hätte sich mit alten viktorianischen Gebäuden gut ausgekannt, schließlich war sie in der damaligen Serie DAS HAUS AM EATON PLACE stets ein allgegenwärtiges Helferlein. Mal abgesehen davon spielte sie aber auch in Serien wie SIMON TEMPLAR, DOCTOR WHO oder in einer Folge von UFO mit. Aber auch bei CLEOPATRA (1963) wandelte sie neben der unvergessenen Elizabeth Taylor mal im antiken Rom herum.

Helfen kann sie ihrem Mann hier allerdings dann doch nicht, weil sie eben recht flott das zeitliche segnen musste.

Also noch mehr Hilfe bei diesem Rätsel kann ich euch hier nun wirklich nicht liefern. Nur soviel sei noch euch an die Hand gegeben, dass der Film mehrfach nominiert war und in insgesamt vier Kategorien auch mit je einem Award belohnt wurde (mehr dazu aber beim nächsten mal). Und bevor ihr jetzt mit den Augen rollt noch diesen kleinen Wink mit der Dachlatte: Der Film stammt weder aus Deutschland, Italien, Spanien, den USA oder England. So ... das reicht aber jetzt wirklich, schließlich haben auch andere Länder ihre eigenes Grauen.

Sindbad und das Auge des Tigers (Sindbad and the Eye of the Tiger)
Sindbad und das Auge des Tigers
(Sindbad and the Eye of the Tiger)
mit Patrick Wayne, Jane Seymour, Taryn Power, Patrick Troughton, Margaret Whiting, Kurt Christian, Nadim Sawalha, Bruno Barnabe, Bernard Kay, Damien Thomas, Peter Mayhew u.a.
Regie: Sam Wanamaker
Drehbuch: Ray Hattyhausen, Beverley Cross
Produktion: Ray Harryhausen, Charles H. Schneer
Spezialeffekte: Ray Harryhausen
Genre: Fantasy
Laufzeit: 113 Minuten (BD)
DVD/FSK: 6 Jahre
Vertrieb: Koch Media
Großbritannien 1977

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2017-04-22 12:44
Der Film hat immer wieder ein paar amüsante Stellen. Wenn sich Sindbads Nussschale als Eisbrecher betätigt.

Aber eigentlich ist es nur ein schwächeres Remake von GEFÄHRLICHE ABENTEUER. Das Ende ist eigentlich genau gleich, und Norman und Norma sind fast schon eine Parodie von Khoura/Tom Baker. Und Melantius, der den Plot erklärt, ist in der Tat nervig.

Aber hey, nachdem die Mädels wochenlang auf der Reise gefroren haben, gönn ihnen doch das Sonnenbad :-)

Der Ausblick ist an mir vorbeigegangen oder ich habe ihn wieder vergessen. Besonderen Nachhall in der einschlägigen Literatur hat er wohl auch nicht hinterlassen.
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#2 Laurin 2017-04-23 11:26
Zitat Andreas Decker:
Aber eigentlich ist es nur ein schwächeres Remake von GEFÄHRLICHE ABENTEUER. Das Ende ist eigentlich genau gleich, und Norman und Norma sind fast schon eine Parodie von Khoura/Tom Baker. Und Melantius, der den Plot erklärt, ist in der Tat nervig.

Ja, spätestens am Ende sieht man es deutlich, dass den Machern hier nicht viel neues eingefallen ist, was die Grundhandlung betraf. Melanthius der alles irgendwie ständig erklären musste, nervte mit der Zeit beträchtlich und unsere Bösewichte waren gegenüber Khoura wirklich nur ein Abziehbildchen. Halt eben eine nette neue Perspektive einer eigentlich bekannten Grundhandlung, die im Original jedoch besser und spannender funktionierte.

Zitat Andreas Decker:
Aber hey, nachdem die Mädels wochenlang auf der Reise gefroren haben, gönn ihnen doch das Sonnenbad :-)

In der Hinsicht bin ich schmerzfrei. Sie könnten auch bei mir im Winter ein Sonnenbad nehmen wenn ich zusehen darf. :lol:

Was den Ausblick betrifft, habe ich so ein Gefühl, dass du den Film bestimmt schon mal gesehen haben dürftest. Ob die Geschichte aber überhaupt einen "Nachhall" in der Literatur hinterlassen hatte, stelle ich mal so dahin. Meines Wissens nach lag da nämlich überhaupt kein Roman dem Film zugrunde. Dafür schmissen die Kanadier damals dem Film so einige Nominierungen und Auszeichnungen ihres Genie Award hinterher.
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#3 Andreas Decker 2017-04-23 12:25
zitiere Laurin:
Ob die Geschichte aber überhaupt einen "Nachhall" in der Literatur hinterlassen hatte, stelle ich mal so dahin. Meines Wissens nach lag da nämlich überhaupt kein Roman dem Film zugrunde. Dafür schmissen die Kanadier damals dem Film so einige Nominierungen und Auszeichnungen ihres Genie Award hinterher.


Das war unklar ausgedrückt. Ich meinte in der Geschichte des Horrorfilms, egal ob nun Sachbüchern oder Foren. Vielleicht habe ich ihn ja doch gesehen. Eigentlich sehe ich in jeden Haunted House-Beitrag rein. Obwohl ich es in letzter Zeit meistens bereue, weil die alle so "blah" sind.
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#4 erlkönig 2017-04-24 20:16
Ausblick

Dieser kanadische Horrorfilm ist ein leider - zu Unrecht - etwas unterbewerteter und mittlerweile fast in Vergessenheit geratener Streifen, der durchaus spannende Unterhaltung bot.
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#5 Mainstream 2017-04-25 15:42
-
Ich muß dem Erlkönig zustimmen. Obwohl er für meine
Meinung eher Thriller als Horror darstellt. Aber durchweg
spannend.
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#6 Laurin 2017-04-25 16:32
Ich kann mich da durchaus ebenfalls erlkönig anschließen.
Wobei ich finde, dass hier die Mischung von Horror und Thriller sehr gut gelungen ist. Denn von beidem hat der Film für mich eigentlich genau die richtige Menge. :-)
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