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Das Böse im sozialen Netzwerk – Unfriend

UnfriendDas Böse im sozialen Netzwerk
Unfriend

Psychologiestudentin Laura genießt ihr Leben in vollen Zügen. Auch der Beliebtheitsgrad von ihr beschrängt sich nicht nur auf die Kommilitonen aus ihrem direkten Umfeld. Im sozialen Netzwerk kann sie da noch locker mit rund 800 „Freunden“ aufwarten, was schließlich auch einen gewissen Status für sie darstellt. Und so nimmt sie auch eine Freundschaftsanfrage von der Außenseiterin Marina an, die sie aber kaum kennt.


UnfriendDoch das soll sich bald auf erschreckende Art ändern.

Auf der Internetseite von Marina findet Laura dann auch recht schnell jede Menge düstere und verstörende Inhalte als auch Videos wieder, die ihr dann doch etwas zu denken geben. Aber auch der persönliche Kontakt lässt nicht lange auf sich warten und Marina stellt sich hierbei nicht nur als recht sonderbar, sondern auch als extrem besitzergreifend und zudringlich heraus.

So dauert es nicht lange, bis das sich Laura von Marina auf allen Ebenen förmlich gestalkt fühlt und die Notbremse zieht, indem sie sie wieder von ihrer Freundesliste entfernt. Das stellt sich allerdings als ein folgenschwerer Fehler heraus.

Marina begeht nämlich daraufhin nicht nur einen ziemlich üblen Selbstmord, sondern setzt damit auch eine Art Fluch in Gang, der Lauras Leben nunmehr auf erschreckende Weise völlig auf den Kopf stellen wird.

UnfriendPlötzlich sterben nämlich weitere Personen aus ihrer Freundesliste scheinbar durch Selbstmord und auf dem Internet-Profil von Laura tauchen immer mehr verstörende Videos auf, in denen man visuell verfolgen  kann, wie sie sterben. Dieser Schock sitzt tief bei Laura, denn sie kann diese Videos aus irgend einem seltsamen Grund nicht wieder von ihrer Seite löschen, was man ihr aber nicht glauben will. Aber auch viele der sogenannten „Freunde“ im Netz wenden angewiedert von den Posts auf Lauras Internetseite ab und selbst die, die Laura eigentlich wirklich persönlich kennen, wissen nicht mehr wirklich, was sie von ihr halten sollen.

Gemeinsam mit dem Studenten Kobe forscht sie nun Marinas Leben aus, wobei sie herausfinden, dass deren Mutter bei einem Brand ums Leben kam, ihr Körper allerdings am Leben erhalten wurde, bis das Marinas Geburt eingeleitet werden konnte, mit der sie gerade Schwanger war. So machen sich Laura und Kobe auf den Weg um das Elternhaus von Marina nach Hinweisen ausforschen zu können. Dort wird jedoch Kobe mit der eigentlich toten Marina konfrontiert, die plötzlich als rachsüchtiges Wesen wieder auf Erden wandelt. Kobe gerät in Panik und sieht seine persönliche Rettung vor dem Bösen bald nur noch darin, Laura selbst zu töten. Bevor ihm dies jedoch gelingt, kann Laura fliehen, wobei sie auf ihrer Flucht auch eine alte Fabrik wieder erkennt, die auf mehreren Zeichnungen und Videos von Marinas Internetseite eine scheinbar wichtige Rolle spielt. Gelingt es Laura hier vielleicht, diesen grausamen Fluch endlich zu beenden?

UnfriendHintergründe und nicht unbedingt vorhersehbar:
Damit wir es gleich hier einmal festhalten können: Vieles im Film weist auf das soziale Netzwerk „Facebook“ hin, doch beim Namen genannt wird Facebook als dargestellte Social-Media-Plattform während des gesamten Film niemals. Dies mag bei mancher Offensichtlichkeit vielleicht auch eine Frage der Rechte gewesen sein, denn ob man von Facebook nun die Einwilligung besaß, gleich auch die besagte Plattform offen beim Namen zu nennen, liegt leider im dunkeln.

Für die deutsche Version des Films wurden übrigens die Kommentare und Beiträge direkt in das Bild auf Deutsch eingearbeitet. Andere Texte wurden hingegen wie auch das Wort „Unfriend“ im Original belassen.

Der ursprüngliche Titel des Films hieß übrigens im Original zuerst UNKNOWN ERROR, wurde aber dann in UNFRIEND umgeändert, um hier einer Verwechslung mit dem 2014 gedrehten Horrorfilm UNKNOWN USER zu vermeiden. Letzterer lässt zwar ebenfalls den Schrecken aus dem Computer kommen, hat aber generell mit dem Film UNFRIEND kaum etwas gemeinsam, zumal bei UNKNOWN USER sich fasst die gesamte Handlung vor dem Desktop des Laptops der Protagonistin „Blaire Lily“  abspielt.

UnfriendUNFRIEND ist damit nicht nur abwechslungsreicher inszeniert, sondern verzichtet auch völlig auf den unruhigen und mitunter nervigen Webcam-Look. Simon Vincent Verhoeven (Schauspieler, Regisseur, Drehbuchautor und Filmkomponist) bevorzugt in UNFRIEND eher  eine abwechslungsreiche und gut kombinierte Bildabfolge in einem ebenfalls recht anschaulichen Kinoformat.

Der gesamte Film wurde im übrigen völlig in Kappstadt (Südafrika) gedreht, ist aber eine deutsche Produktion bei der nicht nur der Regisseur Verhoeven aus Deutschland (geboren 1972 in München) stammt (er arbeitete hier auch am Drehbuch mit), sondern auch die deutsche Produktionsgesellschaft Wiedemann & Berg sowie SevenPictures an der Produktion beteiligt waren. Die Dreharbeiten, die im März 2014 endeten, wurden allerdings mit einer englischsprachigen Besetzung umgesetzt, weshalb man auch sprachlich völlig auf Englisch verfuhr und der Film für den deutschen Markt synchronisiert werden musste.

Für Regisseur Simon Vincent Verhoeven, bekannt durch den Film MÄNNERHERZEN war der Film UNFRIEND der erste Ausflug ins Horror-Genre, den er laut den Kritiken jedoch vorzüglich zu meistern wusste.

UnfriendMeine Filmkritik:
Meine bisherige Meinung war immer, dass die Deutschen kaum einen vernünftigen Horrorfilm mehr zustande bringen können. Hier allerdings muss ich eine große Ausnahme machen. UNFRIEND ist ein durchaus gelungenes und visuell perfekt umgesetztes Gruselspektakel. Da zeigte der deutsche Regisseur durchaus eine gewisse Stilsicherheit und ein sicheres Gespühr für Atmosphäre und Spannung.

Die Handlung an sich ist nicht gerade unbekannt im Genre, doch das dürfte eh schon schwierig bis fasst unmöglich sein, hier den Genre-Fan noch nachhaltig vom Hocker hauen zu können. In Sachen Atmosphäre und Spannung hat man sich hingegen wirklich gut ins Zeug gelegt und da kann ich schon mal für den Film beide Daumen hoch signalisieren.

UnfriendDas der Film durchweg auch mehr als einmal ansehbar ist gegenüber manchen anderen deutschen Genre-Produktionen, mag durchaus auch daran liegen, dass man hier völlig auf die üblichen Verdächtigen der deutschen darstellerischen Zunft verzichtet hat. Die können nämlich einen solchen Genre-Streifen mächtig nach unten ziehen mit ihrem üblichen Einheitsspiel. Besonders dann, wenn sie sich schon seit ein paar Jahren durch die gängigen Produktionen im deutschen Fernsehen negativ veredelt haben und schlicht jederzeit austauschbar sind. Wirkliche Schauspieler, die auch International sich einen bleibenden Namen machen können, sind in Deutschland schließlich nicht gerade an jeder Ecke der diversen Filmproduktionsstätten  zu finden.

Ich vergebe daher alles in allem dem Film UNFRIEND gute vier von insgesamt fünf Punkten, wobei ich ihm auch den fünften Punkt gerne noch gegeben hätte, hätte man hier noch den einen oder anderen Schockeffekt zusätzlich eingebaut.

Allerdings, bevor nun Fragen aufkommen, ob das da oben die gesamte Handlung ist, hier gleich mein Hinweis … Nein! Aber selber sehen macht schließlich auch mehr Spaß als nur in groben Zügen darüber zu lesen. Ob Laura den Fluch brechen kann oder ob Marisa als Ausgeburt des Bösen hier zum Sieg eilt, dass müsst ihr selber heraus finden. Es geht aber, und so viel kann ich hier durchaus verraten, um Sein oder eben Nichtsein (mal ganz frei nach Shakespeare) für Laura, wobei der schnelle Tod wohl noch die netteste Variante sein könnte. So ein Fluch hat schließlich immer irgendwo seine Haken.
Unfriend
Unfriend
(Friend Request)
mit Alycia Debnam-Carey, Brit Morgan, William Moseley, Liesl Ahlers, Brooke Markham, Lee Raviv, Connor Paolo, Sean Marquette, Shashawnee Hall, Susan Danford, Lauren Steyn, Nicholas Pauling u.a.
Regie: Simon Verhoeven
Drehbuch: Philip Koch, Simon Verhoeven, Matthew Ballen
Produktion: Quirin Berg, Max Wiedemann
Genre: Horror
Originalsprache: Englisch
Laufzeit: 89 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Warner Bros. Pictures
Deutschland 2016     

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