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Ein phantastischer Filmklassiker - Über Verstümmelungen zum Guinness-Buch

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 78
Über Verstümmelungen ins Guinness-Buch

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Nicht alles ist dabei gehalten, den Mageninhalt auch an sich zu halten.


Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Die Rache der Kannibalen (Cannibal Ferox)
Nun ja, der Film kommt dann noch mit weiteren Alternativtiteln daher, die ich hier gleich einmal aufführen möchte:

  • Cannibal Feroz
  • Woman from Deep River
  • Make Theam Die Slowly
  • Die Rückkehr der Kannibalen
  • Terreur Cannibale
  • Beyond the Dark

Mal abgesehen davon hatten diese Alternativtitel dem Film von 1981 nicht wirklich viel genutzt, denn er wurde gleich mal locker in mindestens 31 Ländern verboten und landete mit diesem Rekord sogar im berühmten Guinness-Buch der Rekorde. Das ist doch auch schon mal etwas wert, schließlich versuchen andere mit ebenfalls manchmal unmöglichen Dingen genau da rein zu kommen.

Nicht das dieser Umstand der Verbote jetzt die Macher des Films wirklich geärgert hätte. Wohl scheint irgendwo das Gegenteil der Fall zu sein. Denn nichts stellten eben die Macher am liebsten heraus, wenn es darum ging, die Werbetrommel für den Film zu rühren. Da ist jedes Verbot glatt schon ein Orden, den man mit stolzgeschwellter Brust vor sich her zu tragen gedachte und wohl auch noch gedenkt.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Vom Stolz und der Verbotskeule:
Ja, wenn man seitens der Macher - und hier sei für die Regie  Umberto Lenzi genannt, der das Drehbuch ebenfalls gleich mitlieferte und für die Produktion Mino Loy sowie Luciano Matino genannt – auf Werbetour für den Film ging, dann wurde gleich schon mit dem Slogan geworben, dass es sich hier schließlich um den am meisten verbotenen Film überhaupt handelt.

Ob Dominic Raacke damit heute auch noch werbend durch die Gegend läuft, wage ich irgendwie aber mal gerade zu bezweifeln. Raacke gehört ja mittlerweile schon fasst zum festen Inventar für Deutschlands langlebigste Krimi-Fernsehserie TATORT. Nun hatte Raacke in CANNIBAL FEROX nicht gerade eine Hauptrolle inne. Vielmehr glänzt er hier in einer kleineren, lockeren Nebenrolle als Drogen-Junkie, der dann auch noch recht flott von einem Dealer ins Jenseits befördert wird.

Man könnte bei Dominic Raacke vielleicht auch sagen: Er war jung und brauchte das Geld. Den Spruch kennt man ja schon, wenn es um die Mädels des lockeren Gewerbes geht. Wahr ist aber, dass der Film CANNIBAL FEROX quasi sein Filmdebüt war. Schließlich studierte er zu jener Zeit gerade in New York Schauspiel. Da kommt so eine Sterbeszene also schon mal ganz gut. Im gleichen Jahr (1981) spielte er dann auch noch in dem Film TOTAL VEREIST mit, fragt mich aber bitte nicht, worum es da ging. Hierzu gibt das Internet auf die Schnelle auch nicht gerade brauchbare Informationen ab und das Thema heute ist ja auch ein völlig anderes, weshalb wir weitere Infos zu TOTAL VEREIST mal hier wirklich auf Eis legen wollen.

In der damals eher kurzweiligen, aber recht heftigen Welle der Kannibalen-Filme hatte ja bereits Ruggero Deodato mit seinem Film  CANNIBAL HOLOCAUST (NACKT UND ZERFLEISCHT) 1980 einen riesigen Wirbel verursacht. Auch der Film landete flott auf manchen Verbotslisten, wobei ich Deutschland hier jetzt nicht explizit hervorheben möchte, weil hier eh an allem herum geschnibbelt, verstümmelt oder gleich verboten wird, was keine Liebesschnulze oder ein Märchenfilm ist. Wobei ich mir in Sachen Märchenfilm aber schon nicht mehr wirklich so sicher bin … *hüstel.

CANNIBAL HOLOCAUST (den wir bereits hier in der Reihe behandelt haben) gilt schlicht als der eigentliche Höhepunkt der Kannibalen-, bzw. Mondo-Filme. An dieser Einstufung der italienisch-kolumbianischen Gemeinschaftsproduktion kommt auch CANNIBAL FEROX als italienisch-spanische Gemeinschaftsproduktion nicht heran, egal wie lang sie da ihre Verbotsliste auch ausdrucken möchten.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Dafür gilt Umberto Lenzi aber schlicht als Begründer des italienischen Kannibalen-Film schlechthin. Hatte er doch 1972 mit MONDO CANNIBALE schlicht schon einmal vorgelegt. 1980 legte er dann mit dieser Form der kulinarischen Genüsse gleich nach mit dem Film LEBENDIG GEFRESSEN (MANGIATI VIVI!), worauf dann eben 1981 CANNIBAL FEROX folgte, der in unseren Breitengraden eher unter dem deutschen Titel DIE RACHE DER KANNIBALEN bekannt wurde.

Einige Sachen fallen jedoch bei DIE RACHE DER KANNIBALEN durchaus auf. Verzichtet Lenzi doch hier völlig auf die schon als obligatorisch zu bezeichnende Vergewaltigungsszene, obwohl die Anzahl der weiblichen Darstellerinnen durchaus gegeben war und auch optisch ihren Reiz für sexuelle Feinheiten versprühten. Hier aber hatte dieser Hardcore-Effekt eher eine Randberechtigung rein durch feiner gestreute Andeutungen.

Gesamt gesehen dürften aber sonst die diversen Darstellerinnen und Darsteller eher wenn, dann eben aus diversen anderen Italo-Filmchen her bekannt sein. Da hebt sich vielleicht die Schauspielerin Fiamma Maglione etwas ab, die unter ihrem Pseudonym Meg Fleming eher einen gewissen Aha-Effekt bei Kennern auslösen dürfte. Aber auch Lorraine De Selle dürfte nicht völlig unbekannt sein, wenn man Filme wie BLACK EMANUELLE – LAURA 1 kennt, wo sie aber auch nicht gerade in der ersten Reihe glänzte. Die war ja schließlich in solchen Filmen Laura Gemser vorbehalten.

Das zweite nun hier recht auffällige Merkmal war schlicht die Darstellung der Eingeborenen. Der IQ bei diesen wurde wieder einmal etwa so hoch dargestellt, dass sie wohl gerade noch lebensfähig sein dürften. So laufen sie mitunter nur tierisch grunzend durch die Landschaft und wurden entsprechend für die damalige Art dieser Filme eher schon übertrieben primitiv dargestellt.

Besonders auffällig wird in DIE RACHE DER KANNIBALEN jedoch die Verstümmelung zum Beispiel männlicher Genitalien zelebriert. An anderer Stelle wird eine Darstellerin durch Haken an ihren Brüsten aufgehangen. Nun, dem Gore-Fan mag das nun nicht wirklich auf den Magen schlagen, wären da nicht eben auch diese scheinbar damals obligatorischen Tier-Snuff-Szenen, in denen lebende Tiere wirklich grausam geschlachtet, blutig aufeinander gehetzt oder lustvoll ihren Fressfeinden ausgeliefert wurden.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Genau an diesem Punkt verschwimmt dann auch letztendlich der Grenzverlauf zwischen gut gemachten, aber eben bekanntlich nicht realistisch ausgeführten Gewaltszenen und offensichtlich um des möglichst realen Effektes willen durchgeführte Tierquälereien. Da wird selbst der härteste Gore-Fan dann plötzlich recht unbequem in eine Realität gestoßen, aus der er eigentlich durchaus entfliehen wollte. Diese Tier-Snuff-Szenen, die man zum größten Teil in fast allen ähnlich gelagerten Filmen damals unter die Nase gerieben bekam, hatten daher einen wirklich recht unschönen und wohl auch verzichtbaren Beigeschmack besessen, denn mit erwarteten und durchaus gewünscht derben Spezialeffekten hatte das wirklich nichts mehr zu tun. Die Vermischung von Phantasien mit der Realität hinterlässt bekanntlich immer einen recht unangenehmen Beigeschmack selbst bei den Fans härterer Filmstoffe. Zumindest verzichtet man hier aber im Film auf eine vorgeschobene, oder halbherzig untergeschobene Gesellschaftskritik oder sogenannte angebliche „reale“ Ereignisse, mit denen man einen solchen Film wirklich nur noch als Absurdum einordnen kann.

An sich bleibt sich der Film DIE RACHE DER KANNIBALEN auch vom Ablauf her ziemlich treu, was dieses Subgenre betrifft. Denn die Handlung an sich ist allgemein ja eher recht dürftiger Natur und beginnt mal wieder in der „zivilisierten Welt“. Das hat schlicht etwas mit dem Thema an sich zu tun, denn wirklich viel gibt es bekanntlich nicht her. Da konnte man sogar mit Zombiefilmen flexibler arbeiten, die irgendwo im Urwald oder auf diversen Inseln spielten, aber auch vor Großstädten nicht halt machten.

Man bekommt also auch hier eine sogenannte Nebenhandlung serviert, damit das Gesamtwerk dann auch letztendlich auf Spielfilmlänge kommen kann. Wirklich heftig zur Sache geht es daher dann auch eher ab dem letzten Drittel des Films zu. Was bei diesem Subgenre damals ebenfalls nicht unüblich war. Man sollte aber hier auch durchaus nicht verschweigen, dass die Kannibalen-Filme der damaligen Zeit schlichte optische Schocker waren, denn wer Filme nur mit einem gewissen verwertbaren Anspruch suchte, der wurde bei diesem Subgenre des Horror nun wirklich kaum fündig.

Kommen wir aber jetzt doch langsam zum eigentlichen Inhalt des Film DIE RACHE DER KANNIBALEN, denn wer entsprechende Szenen nun nur ungern schauen mag, der sollte doch zumindest halbwegs wissen, was er da gerade aus der Küche des damals hauptsächlich italienischen Films serviert bekam.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Eine Doktorarbeit, oder der Hunger treibt es schon rein:
Dinah ist eine junge Studentin des Fachbereich Anthropologie, die zwecks ihrer Dissertation gleich mit ihrem Bruder Gary samt gemeinsamer Freundin Pat in den kolumbianischen Dschungel reist, um über den Mythos von kannibalistischen Ureinwohnern zu recherchieren.

Sie vertritt dabei die These, dass der Kannibalismus letztendlich nur ein Hirngespinst ist, dass schon die damaligen Eroberer benutzten, um unter diesem Vorwand ihre eigenen Gräueltaten an den Eingeborenen des Urwaldes zu rechtfertigen.

Dabei treffen sie mitten in der unwegsamen grünen Hölle auf die beiden Ganoven Joe und Mike, die angeben, angeblich von Menschen fressenden Ureinwohnern eines Stammes verfolgt zu werden. Fortan will man sich gemeinsam durch den Dschungel vorarbeiten. Doch irgend etwas scheint an den Geschichten von den zwei Ganoven nicht zu stimmen und Dinah wird (recht langsam) misstrauisch.

Mike ist nämlich ein sadistischer Rauschgifthändler, Der hier mit Joe zusammen vergeblich Smaragde gesucht hatte. Das die Eingeborenen jedoch nicht ohne Grund jagt auf sie machen, verschweigen sie insgeheim, denn Mike hatte im Dorf der Eingeborenen einen wahren Terror von Folter und Mord entfacht, was diese den beiden (zu recht nachträglich) ziemlich übel nehmen.

Gemeinsam versuchen sie sich zu einem rettenden Fluss durchzuschlagen, was ihnen auch in der Abenddämmerung gelingt, doch dann ist plötzlich Dinah verschwunden. Auf der Suche nach ihr, verirrt man sich erneut im dichten Urwald, finden aber Dinah und landen in einem ziemlich verlassenen Dorf der Eingeborenen, in dem die jungen Männer wohl scheinbar alle auf der Jagd sind. Da sich der Zustand von Joe jedoch rapide verschlechtert, entschließt man sich, in dem besagten Dorf zu verweilen.

Hier entdeckt Pat auch ihre Leidenschaft zu dem kaltblütigen Mike, was in einem Liebesrausch, verstärkt durch Drogen endet. Doch verstärkt durch eben diesen Einfluss der Drogen tötet Mike dann grundlos eine junge Eingeborene, worauf er in Konflikt mit Gary gerät.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Joe entschließt sich kurz bevor er an der Verletzung stirbt,  nunmehr Dinah und ihrem Bruder zu erzählen, was wirklich in dem Dorf passiert ist und das Mike für deren aggressives Verhalten verantwortlich ist. Gemeinsam beschließen sie deshalb mit Pat zu fliehen. Doch die hat sich bereits mit ihrer neuen Liebe Mike abgesetzt.

Doch auch Mike und Pat kommen nicht sehr weit und als die Männer des Stammes zurück kehren, verspeisen sie vor den Augen von Dinah den bereits toten Joe. Mit schrecken muss Dinah so feststellen, dass es in den Tiefen der Urwälder wirklich noch Kannibalen gibt.

Da die Eingeborenen auf Rache sinnen, werden Dinah und die anderen eingesperrt und nunmehr systematisch verstümmelt, gefoltert und dann verspeist, bis das am Ende nur noch Dinah übrig ist. Ihr gelingt jedoch die Flucht durch die Hilfe eines eingeborenen Fluchthelfers, der sie vor der Rache der anderen beschützen will.

Am Ende gelingt es nur ihr, dieser Todesfalle wirklich zu entkommen und entkräftet sowie völlig traumatisiert von den schrecklichen Erlebnissen, wieder in die Zivilisation gelangt. Nach rund drei Monaten nimmt sie dann gefühlsmäßig schier regungslos  ihre Promotion in Anthropologie entgegen, die den Titel „Kannibalismus – Ende eines Mythos“ trägt. Hierin widerlegt sie scheinbar wissenschaftlich die Existenz von kannibalistischen Ureinwohnern in den Urwäldern.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Meine Filmkritik:
Ja, irgendwas scheint Dinahs Gehirn wohl ordentlich verdreht zu haben. Oder ist es vielleicht so, dass sie den Kannibalismus nur deshalb abstreitet, weil sie insgeheim Verständnis für die Rache der Eingeborenen hat und damit ihre Aktivitäten als Menschenfresser verdrängt?

Nun, das werden wir nun nicht mehr erfahren, denn der Film ist aus und alle gehen nach Hause, bzw. im Zweifelsfall doch noch zu McDonalds. Oder sie bleiben hier einfach sitzen, eben je nach dem wo sie sich gerade befinden, lieber Leserinnen und Leser.

Fakt ist, wenn sie sich diesen Film bis zum Ende angesehen haben sollten, dann dürfte so manche Schüsseln mit Chips oder Salzstangen noch ziemlich gut gefüllt sein, denn so einige Szenen dürften sie ziemlich offensiv vom knabbern (sowie dem essen von anderen Nahrungsmitteln) abgehalten haben. Kein Wunder, der Magen sieht in diesem Fall wohl mit und dürfte sich gegebenenfalls ob des gesehenen nun irgendwie sträuben, alles noch bei sich zu behalten.

Ja, als Zuschauer bekommt man hier eine wirklich geballte Ladung an exzessiven Gewaltdarstellungen geboten, die es wirklich in sich haben. In diesem Punkt kann man nur versichern, dass man in Sachen Trick und Spezialeffekten wirklich ein gewisses Händchen für Perfektion gezeigt hatte. Nur leider ist nicht alles Trick. Besonders dann, wenn diverse Tiere zu Tode kommen, hatte man sich auch in diesem Film nicht gerade damit herum geschlagen, auf Tricks und Effekte zurück zu greifen. Diese Szenen sind leider echt und irgendwo hört auch bei mir der Spaß dann irgendwann auf. Explizit dann, wenn hilflose Tiere für einen Film gequält werden.

Ich bin nun wahrlich kein Vegetarier oder gar Veganer und es stört mich auch nicht wirklich, wenn gerade das Gemüse oder die Kartoffeln ausgegangen sind, solange es noch ein paar ordentliche Stücke Fleisch für die Pfanne gibt. Aber auch hier sei gesagt, dass man Tiere trotzdem nicht quälen sollte, weil sie eben auch Lebewesen sind, die Schmerzen fühlen können.

Auch in diesem Punkt mögen manche den neueren Kannibalen-Film GREEN INFERNO von Eli Roth aus dem Jahre 2013 für „wenig inspiriert“ halten, doch zumindest hält dieser sich dann doch in Sachen wirklich drastischer Gewaltorgien etwas zurück und man quält hier keine lebenden Tiere. Ein paar nette „Oben ohne“ bzw. Erotik-Szenen und für meine Begriffe hätte Eli Roth hier durchweg einen wirklich perfekten Vertreter dieses Subgenre abgeliefert.

Nun gehöre ich ja nun nicht zu der Fraktion, die bei blutigen Gewaltdarstellungen, wie hier im Film zu sehen, gleich schreiend den Saal verlassen (eher im Gegenteil, nachher klaut mir jemand noch meinen guten Platz). Doch bei mir fangen da die Grenzen an, wo es eben nicht mehr Spezialeffekte sind oder nett gemachte Tricks. Die Aussage, es handele sich dabei aber ja nur um Tiere, lasse ich da nun wirklich nicht gelten. Hart betrachtet hätte man dann nämlich auch die Darsteller real verspeisen müssen.

Ob Filme dieses Subgenre nun überhaupt in eine Sammlung PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER gehören, muss hier denn auch jeder für sich selbst beantworten. Manchem mag dies durchaus an gewissen Stellen zu drastisch dargestellt sein, weswegen er hier von solchen Filmen lieber Abstand nimmt. Da habe ich aber durchaus Verständnis für. In meinem Fall rechne ich aber durchaus hinzu, dass diese Filme ebenfalls Teil des phantastischen Kinos sind und damit durchaus in meiner Sammlung auch eine Berechtigung aufweisen können. Die armen Tiere holt man ja leider nicht mehr ins Leben zurück, wenn man dies nun als Ablehnungsgrund heran ziehen möchte. Ich stelle da meinen Teller mit einem Schnitzel ja auch nicht vor die geöffnete Haustür und sage ihm: „Lauf, ich schenke dir die Freiheit“. Da ist es mir eher wichtig, dass man es zumindest in der Zukunft unterlässt, Tiere qualvoll für einen billigen Effekt zu töten.

Was aber an Spezialeffekten und Tricks geboten wird, da muss ich dann schon etwas den Hut ziehen. Doch macht gerade das den Film nun doch zu einem Blockbuster des Subgenre?

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)Irgendwie nicht, denn bevor die Keule der Heftigkeit hervor geholt wird, muss man sich durch verdammt viele langatmige bis unlogische Passagen vorarbeiten, die nicht gerade vor innovativen Ideen sprudeln. Hat man einmal einen dieser Filme gesehen, wie z.B. CANNIBAL HOLOCAUST, den wir ja in dieser Reihe schon mal hatten, dann kommen einem die Handlungsabläufe dieser Art von Filmen doch recht bekannt vor. Dies mag damals wohl ebenfalls mit daran Schuld gewesen sein, dass Filme dieses Subgenre nach einem heftigen Aufflackern dann doch schnell wieder in der Versenkung verschwanden und nie wieder den Weg nach oben wirklich schafften, wie etwa die Zombie-Welle. Die Phantastik liegt auch hier bei diesem Subgenre nicht im „Kannibalismus“ begründet, denn den gab es durch alle Entwicklungsstufen der Menschheit sehr wohl in bestimmten Formen bzw. Ausprägungen einzelner Individuen bzw. Kulturen. Die Phantastik liegt hier wohl eher ein ganzes Stück weit in der naiven Darstellungsweise der Filmhandlungen wie auch in der Sensationslust des Menschen selbst, den solche Filme bzw. Geschichten durchaus anziehen. Da nehme ich mich selber mal nicht aus, als ich mir in jungen Jahren diese Filme unbedingt mal ansehen musste. Wie sagte Lars von Trier hierzu mal recht treffend: „Nichts ist anziehender als das Böse“.

Wenn ich also den Gesamtfilm bewerten soll (was wohl das beste wäre, man bewertet ein Buch ja auch nicht anhand seines Umschlages), dann komme ich bei dem Film DIE RACHE DER KANNIBALEN gerade mal so eben auf drei von insgesamt fünf Punkten, wobei die hübschen Mädels glatt hier einen der drei Punkte einspielen können. Ansonsten wäre es nämlich durchaus noch weniger, weil man eben hier nichts geboten bekommt, was man an anderer Stelle bei gleichem Subgenre nicht schon ähnlich gesehen hätte und weil die dumpfe Darstellung der Ureinwohner mithin hier schon ziemlich grenzwertig erscheint.

Ausblick:
Ja, Nahrung kann schon mal ein Problem darstellen. Wenn einem dann noch die Haustiere fehlen, man in freier Natur alles daran gesetzt hat, die Artenvielfalt drastisch zu dezimieren und die Bevölkerungsexplosion dazu geführt hat, dass Kartoffeln und Rüben nur noch in kleinen Reservaten vor sich hin wachsen können, dann sollte man das Wort „Problem“ schon mal alternativ in den Mund nehmen.

Was bleibt ist der Mensch. Und der hat bekanntlich Hunger. Doch halt, man kann ihm schließlich nicht wie im oben besprochenen Film einfach den nächstbesten Nachbarn auf den Tisch legen.

Etwas zivilisierter darf es daher im nächsten Film schon sein. Und wenn ich es recht bedenke, dürften jetzt schon einige mit den Füßen scharren, weil sie bereits den Titel des Films faktisch auf der Zunge haben. Wenn ich da also noch etwas mehr um den heißen Brei rede, läuft ihnen vor Verzweiflung eventuell noch der Sabber am Kinn herunter.

Außerdem muss ich selbst auch nach den Feiertagen meinen Kühlschrank wieder etwas auffüllen, weshalb ich es hier kurz machen will. Schließlich will ich noch meinen Einkaufszettel verfassen und fasst hätte ich die Packung Butterkekse, Eier und den Käse mit dem grünen Schimmel schon vergessen.

Von daher verabschiede ich mich also hier wieder bis zum nächsten mal, wenn wir wieder etwas in den PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKERN herum schwelgen.

Ach, bevor ich es vergesse. Wer nun aber immer noch nicht weiß, welchen Film ich euch nächsten Samstag serviere, der sei nochmals an meine Einkaufsliste erinnert. Was sich darin so alles versteckt … man sollte es nicht glauben.

Die Rache der Kannibalen - (Cannibal Ferox)
Die Rache der Kannibalen
(Cannibal Ferox)
mit: Giovanni Lombardo Radice, Lorraine De Selle, Robert Kerman, Zora Kerova, Walter Lucchini, Fiamma Maglione, Danilo Mattei, Venantino Venantini, John Bartha, Perry Pirkanen, Dominic Raake, Jake Teague u.a.
Regie und Drehbuch: Umberto Lenzi
Produktion: Luciano Martino, Mino Loy
Genre: Horror/Splatter
Laufzeit: 88:57 (ungekürzt)
DVD/FSK: Ungeprüft
Vertrieb: Laser Paradise
Italien/Spanien 1981

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