Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Ein phantastischer Filmklassiker - Ein Superheld mit erotischen Schwächeanfällen

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 70
Ein Superheld mit erotischen Schwächeanfällen

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Dabei sind nur wenige Superhelden spitz wie Nachbars Lumpi.


Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)
Wer kennt das nicht gerade bei den früheren DC Comics. Batman war ein Playboy der aber nie wirklich in den Heften weiter ging, als die holden Damen zu umwerben um sie dann schmachtend stehen zu lassen, weil der nächste Schurke auftauchte. Irgendwie nicht wirklich realistisch, oder sollte Batman doch heimlich was mit Robin … aber Nein, da haben wohl einige etwas zu viel hinein interpretiert.

Bei Superman ist es gar noch schlimmer. Schlich der doch ständig um Lois Lane herum, die ihn am liebsten gleich flachgelegt oder zumindest vor den Traualtar geschleift hätte. Doch für Sex war sich der Held der Helden irgendwie zu schade. Erotik war für ihn daher eher was fürs Auge und die eigene Phantasie, aber anfassen oder gar Sex und dann auch noch nackelig – ehrlich, dass ging ja überhaupt nicht bei seinem Ehrenkodex. Sheldon Cooper würde wohl sagen das Superman eine positiv-kritische Distanz zu seinen Genitalien und deren Gelüste entwickelt hat.

Da hatten die Italiener nicht so viele Hemmungen bei ihrem Superhelden, den sie dann auch gleich 1967 über die Kinoleinwände auf die Zuschauer losließen.

Gut, nackt ist in dem Film auch niemand, jedoch sind Andeutungen durchaus vorhanden, so das die Phantasie zumindest der Zuschauer mal ordentlich auf Hochtouren laufen konnte. Und wie die Italiener mit ihrem Schalk im Nacken (damals hieß das noch „Amore“) nun mal so sind, bleibt das Thema Sex für unseren Superhelden ARGOMAN auch nicht so ganz ohne nachteilige Folgen. Ist die Dame nämlich erst einmal feucht im Schritt und der Held nach lockerem Hüftschwung und Elan dann fertig, lassen ihn seine Superkräfte auch schon für sechs Stunden im Stich.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Unser guter ARGOMAN ist nämlich so eine Art Telekinet, der mit Willenskraft sogar Schönheiten an Land zieht, die mit einem Hovercraft (Luftkissenfahrzeug) gerade über das Meer schippern. Da lässt sich die holde Schönheit auch nicht lange lumpen und steigt gleich mit unserem Helden fürs Grobe in die Kiste, bevor sie ihre Reise fortsetzt.

Doch halt. Diese Dame werden wir noch öfter im Film sehen, denn ohne es zu wissen, hat Sir Reginald Hoover (ARGOMAN) nämlich gerade seine nächste Gegnerin durchgebügelt.

Aber auch ARGOMAN ist nicht gerade in Sachen Gesetzestreue der standhafteste Held, wenn es um Kunstwerke, Reichtümer und edlem Geschmeide geht. Selbiges klaut er nämlich sogar selber und packt es dann fein säuberlich in seine Schatzkammer. Sein indischer Diener und Mitwisser mit Namen Chandra kann den Sinn darin allerdings nicht so ganz erkennen, wenn diese Schätze einfach nur so lieblos in der ansonsten dunklen Kammer der futuristisch anmutenden Villa dahin gammeln. Und dann gibt es ja auch noch die hübsche Samantha, die irgendwie nichts dagegen hat, den Notstopfen zu spielen, wenn Reginald mal gerade keine neue Gespielin aufreißen kann. Und darüber hinaus kennt sie wohl auch seine andere Identität als AGROMAN nur zu gut.

Und wenn wir schon mal so weit sind, dann sollten wir auch noch Inspektor Headwood vom New Scotland Yard vorstellen. Der Spürhund ist nicht gerade der hellste unter der Sonne, aber recht tatkräftig in seiner Lebensaufgabe, ARGOMAN endlich als Verbrechen bloß zu stellen und möglichst auch noch hinter Schloss und Riegel zu bringen. Da man in höheren Stellen eben auf die Fähigkeiten von  Sir Reginald Hoover und auch ARGOMAN angewiesen ist, muss dieser sich aber mal wieder notgedrungen mit Reginald herum schlagen und AGROMAN freie Hand lassen. Das es sich hier allerdings um ein und dieselbe Person handelt, auf die Idee kommt selbst Headwood nicht.

Bleibt eigentlich nur noch Regina Sullivan. Das ist übrigens die flotte Biene, die da im Hovercraft zum Onkel-Doktor-spielen von ARGOMAN an Land gezogen worden ist. Ansonsten nennt sie sich aber wohl lieber Jenabelle, klaut aus dem Londoner Tower die St.-Krone und giert mit ihrer Verbrecherorganisation locker flockig nach der Weltherrschaft. Nicht umsonst hat sie sich schließlich schon mal selbst zur „Herrscherin der Welt“ ernannt. Man bleibt ja bescheiden auf der Karriereleiter.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Die Hintergrundinformationen sind recht überschaubar:
Besonders die, die sich rund um den Film ranken. Man bekommt hier also recht wenig bis überhaupt nichts mit über das Taschengeld (oder sagen wir mal Budget), mit dem der Film realisiert wurde. Und auch sonst bleibt vieles recht spärlich bis eben auf die Handlung und diverse Kritiken und Kommentare. Schauen wir uns deshalb mal drei der Darsteller etwas genauer an.

Roger Browne ist ein amerikanischer Schauspieler, der hier in der Rolle von Sir Reginald Hoover/AGROMAN brilliert und war besonders häufig in Abenteuer und Agentenfilmen zu sehen. Zu nennen wären hier zum Beispiel Filme wie VULCANUS, DER TITAN aus dem Jahre 1961, der auch sein erster Film war, in dem er auch gleich eine Hauptrolle inne hatte. Gleiches gilt für den Film REVANCHE FÜR SPARTACUS (1964) oder KING HETZT 7 KILLER (1966). 1976 spielte er dann noch in dem Erotikfilm BLACK EMANUELLE – STUNDEN DER WILDEN LUST (Alternativtitel: EMANUELLE IN AMERICA) mit und zog sich dann sichtlich aus dem Filmgeschäft zurück. Bis 1980 nahm er allerdings noch gelegentliche kleinere Angebote wahr und war auch als Synchronsprecher für die englischsprachigen Versionen italienischer Filme recht beliebt.

Dominique Boschero, die hier in der Rolle der Superverbrecherin Regina Sullivan/Jenabelle brilliert, ist gebürtige Französin die jedoch vornehmlich ab 1960 in italienischen Genrefilmen aktiv war. Zum Beispiel spielte sie in DER GOLDENE PFEIL (1962), HEISSER HAFEN HONGKONG (1962), oder SCHREIE IN DER NACHT (1968) mit. 1939 wuchs Boschero aus Kriegsgründen bei ihren italienischen Großeltern auf, bevor sie dann 1949 wieder in ihre Heimatstadt Paris zurück kehrte. Mit 18 Jahren verschrieb sie sich dann dem Showgeschäft und trat als Sängerin zuerst im NOUVELLES EVE auf. 1956 wurde sie dann für den Film entdeckt. Aus dem Filmgeschäft zog sie sich dann 1975 zurück. Nur im Jahre 1989 kehrte sie dann noch einmal für die Fernseh-Soap PASSIONI auf den Bildschirm zurück.

Bleibt noch ein kurzer Blick auf den italienischen Schauspieler Tom Felleghy, der hier den Inspektor Headwood spielt. Felleghy stammt eigentlich aus Ungarn, wo er sowohl am Theater als auch im Film spielte. Aber auch als Regisseur trat er dort bereits in Erscheinung. Nach dem Aufstand 1956 floh er dann nach Österreich, wonach er nach einigen Umwegen in die damalige europäische Filmmetropole in Rom gelangte. Zu den Filmen in denen er mitspielte zählen URSUS, DER UNBESIEGBARE (1963), EIN HALLELUJA FÜR DJANGO (1967) und im gleichen Jahr dem SF-Film PERRY RHODAN – SOS AUS DEM WELTRAUM. 1971 spielte er auch z.B. in VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT (unter der Regie von Dario Argento) oder 1980 in EINE FAUST GEHT NACH WESTEN neben Bud Spencer.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Regisseur Sergio Grieco, der auch unter dem Pseudonym Terence Hathaway arbeitete, drehte späterhin auch Filme wie DER BOSS STIRBT NACH 12 UHR! (1970), DER TEUFEL PFEIFT KEIN WIEGENLIED (1971) oder auch schlüpfriges wie DIE SÜNDIGEN NONNEN VON ST. VALENTIN (1974).

Doch kommen wir jetzt nach diesem kleinen Rundblick zur eigentlichen Handlung, in der ein Superheld mit übermenschlichen PSI-Kräften, schwingenden Fäusten und gelbem Strampelanzug die Welt retten muss.

Ein Superdiamant und perfekte menschliche Kopien:
In England wird die St.-Krone aus dem Tower von London gestohlen. Das Problem für Inspektor Headwood besteht allerdings darin, dass dies faktisch gleich unter aller Augen passierte und er mal wieder nicht weiß, wen er dafür verantwortlich machen soll. Dies kann für ihn daher nur wieder auf das Konto von ARGOMAN gehen, den er schon seit langem ins Gefängnis bringen möchte. Da er aber nun einmal Hilfe benötigt, wendet er sich erst einmal an Sir Reginald Hoover, der Scotland Yard schon in einigen kniffligen Fällen geholfen hatte. Das dieser identisch ist mit ARGOMAN, ist unserem tapferen Inspektor bisher allerdings immer entgangen.

Hoover hat indessen schon längst, dank auch seiner übermenschlichen Fähigkeiten, ein kleines Techtelmechtel mit der hübschen Regina Sullivan hinter sich gebracht, die unter dem Namen Jenabelle nicht nur verantwortlich für den Raub der Krone ist, sondern auch gleich die Weltherrschaft ins Auge gefasst hat.

Folgen kann der Playboy Hoover ihr aber nicht direkt, weil er nach dem Sex leider immer sechs Stunden lang nicht auf seine besonderen PSI-Kräfte zurück greifen kann. Also eilt er erst einmal als Lebemann samt Diener Chandra und seiner Freundin Samantha nach London.

Jenabelle erpresst in der Zwischenzeit die Regierung mit der Krone. Diese würde man zurück erhalten, wenn sie im Gegenzug den größten und gefährlichsten Diamanten erhält, der vor der Weltöffentlichkeit von den Engländern und den Franzosen geheim gehalten wird.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Auch ARGOMAN greift in das Geschehen tatkräftig ein, zumal er dafür gesorgt hat, dass er das Versteck von Jenabelle ausfindig machen kann. Hierbei kommt er auch in Konflikt mit ihrer Verbrecherorganisation, die ebenfalls recht aktiv auf Raubzug geht. Doch Jenabelle macht es ARGOMAN nicht gerade einfach, so das es ihr auch gelingt, durch diverse Aktionen ihrer Bande die Herausgabe des Diamanten zu erzwingen. Bei allem sitzt dann auch noch Inspektor Headwood ARGOMAN im Nacken, bis das dieser zurück gepfiffen wird. Schließlich könnte gerade er mit seinen speziellen Fähigkeiten Jenabelle das Handwerk legen und den Diamanten zurück holen.

Da Jenabelle kein wirkliches Interesse an der Krone hat, wird diese im Austausch wieder der britischen Regierung ausgehändigt. Wichtig für sie ist eher der riesige Diamant. Dieser richtig eingesetzt in einer futuristischen Apparatur verleiht ihr die Möglichkeit, wichtige Persönlichkeiten zu kopieren, damit diese in ihrem Sinne agieren. Nur durch sie wird ihr Traum, Herrscherin der Welt zu werden, Realität.

Samantha gerät indessen in die Gewalt von Jenabelle und ihrer Organisation und wird nun als Köder für ARGOMAN genutzt. Der springt auch direkt darauf an und macht sich auf, seine Freundin aus der zentrale der Gangster zu befreien. Dabei macht er allerdings Bekanntschaft mit einem Roboter, der aus einem Zeigefinger scharf zu schießen pflegt.

Das ganze geht dann noch etwas hin und her mit lustigen Prügelszenen und jeder Menge Wortwitz, so dass wir hier die Sache mal etwas abkürzen können. Schließlich macht selber schauen in diesem Fall wirklich mehr Spaß.

Zum guten Schluss jedenfalls, geht ARGOMAN dem guten Inspektor samt der Krone aus dem Tower wieder durch die Lappen, Samantha wird übrigens von ihrem Helden befreit und das Böse sieht bekanntlich kein Land mehr.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Bitte keine Vergleiche anstellen:
Ich will die Handlung ja nun nicht mit aller Gewalt abwürgen, aber ein nicht unwesentlicher Teil besteht eben auch aus diversen Kampfszenen, die irgendwie fasst so lustig herüber kommen wie die Prügeleien von Bud Spencer und Terence Hill. Zwar nicht so formschön, aber man gibt sich Mühe. Lustig dabei ist auch der kurze Umhang unseres ARGOMAN, der ihm doch wohl ab und an eher im Wege zu sein scheint.

Was man aber auch nicht hier schriftlich wiedergeben kann, ist einfach der Spaß, den dieser Film immer noch macht. Hier wird einfach ein trashiges Feuerwerk abgefackelt, dass es eine wahre Freude ist. Daher sollte man diese frühen Superhelden-Filme niemals vergleichen mit den heutigen Filmen, in denen SPIDER-MAN, die AVENGERS, BATMAN oder SUPERMAN auf Weltrettung gehen.

Damals waren die Bösewichte eben noch einem gewissen Größenwahn verfallen und die Mittel zur Erlangung der Weltherrschaft waren noch locker überschaubar. Die Action war nicht so sauber einstudiert und wirklich ernst durfte man die Superhelden eben auch noch nicht nehmen. Filme dieses Subgenre waren gezielt auf einen gewissen Spaßfaktor hin getrimmt und sollten Jung wie Alt eher einige lustige Stunden bescheren, in der eben auch die Action nicht zu kurz kommen sollte.

Dominique Boschero brilliert hier in geradezu atemberaubenden Kostümen, die zumeist irgendwie recht eng und sehr durchsichtig auch in den kunterbunten SF-Film BARBARELLA gepasst hätten. Aber auch sonst kommt so einiges recht futuristisch herüber, wie z.B. die Villa des Helden am Meer. Der Roboter wirkt wie die Billigversion des BOX aus LOGAN'S RUN und hätte auch locker in eine Folge der Serie MIT SCHIRM, CHARME UND MELONE gepasst.

Ein nicht gerade intelligenter Inspektor und ein stets dauergeiler Superheld runden das ganze dann noch locker flockig ab, bei dem einem gleich der Spruch aus dem Film ROCKY einfällt: „Bumsen macht die Beine schwach.“

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Dabei geht es seinen Beinen noch recht gut, nur die PSI-Kräfte nehmen den Orgasmus sechs Stunden lang übel. Von daher lässt sich der Spaß, den man bei der Sichtung dieses Films hat, hier nicht so einfach schriftlich nachvollziehen.

Wenn man die ungeschnittene Version ansieht, sollte man sich über das kleine Bild nicht wundern, dass einem zu Anfang geliefert wird und ARGOMAN gerade bei den Chinesen zeigt. Mit Beginn des Vorspann wechselt das ganze dann zum Vollbild wie in der geschnittenen deutschen Kinofassung. Da fehlt nämlich dieser Anfang des Originals völlig. Auch während des Films gibt es einige Dialogszenen, die nicht synchronisiert sind und damals bei der deutschen Kinofassung der Schere zum Opfer vielen. Im Grunde genommen hatte man so für das deutsche Kino den Film recht sinnlos, aber beachtlich zusammen gekürzt.

Die gekürzte deutsche Kinofassung befindet sich aber ebenfalls auf der DVD und kann hier bewundert werden. Zum vergleichen ist dieser Zug recht nett und man kann den lieben Kleinen locker die Kurzversion zeigen, damit sie pünktlich ins Bett kommen.

Das ganze kommt dann noch in limitierter Auflage auf 1000 DVDs daher, was wiederum den Hardcore-Sammler bei den Freunden der PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER ansprechen dürfte. So ist jede DVD auf der Papphülle, die die eigentliche DVD-Hülle umschließt, sogar mit einer einmaligen Sammlernummer bis auf 1000 durch nummeriert. Mein Exemplar hat übrigens die Nummer 0910.

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)Meine Filmkritik:
Die Spezialeffekte sind schlicht der Lacher, die Handlung überschaubar, einfach und der Trash blitzt von der ersten bis zur letzten Sekunde durch. Und wenn ARGOMAN seine PSI-Fähigkeiten einsetzt, hat man unwillkürlich das Gefühl, er hätte gerade einen Krampf in der Hand.

Mal ehrlich, würde MARVEL mir heute so einen Film vorsetzen, ich würde im Kino mein Geld zurück verlangen. Doch bei diesem Film, und das gilt auch für alle weiteren Superheldenfilme der damaligen Zeit, war das noch Phantastik der oberen Kategorie und wurde eventuell im Kino nur noch durch einen japanischen GODZILLA-Schinken getoppt.

Der Film ARGOMAN ist schlicht eine Trashgranate im grellem Sixties-Dekor, die einen für eine gewisse Zeit wieder glückliche 15 Jahre alt sein lässt, wenn auch nur für knappe 94 Minuten (im längsten Falle). Man muss sich einfach nur darauf einlassen, dann ist der Film sogar ein köstliches Vergnügen irgendwo zwischen Comic-Superhelden und Agentenschinken, den man sich einfach nicht entgehen lassen sollte.

Von mir kriegt dieses spritzige Vergnügen daher auch satte fünf von fünf Punkte. Alleine schon deshalb, weil er mich kurz zurück in meine Jugend katapultierte, in der alles noch Schrill, Bunt und voller Begeisterung war. Daher von mir auch eine volle Empfehlung für die private Sammlung PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER.

Ausblick:
Tja, nächsten Samstag bekommt ihr es mit wirklich schrägen Gesellen aus der Vergangenheit zu tun, die plötzlich wieder ihr Unwesen treiben und dabei nicht gerade nett zu den Lebenden sind.

Also den normalen Lebenden meine ich jetzt. Gefährlich sind sie eigentlich nur eine dunkle Nacht lang, auch wenn man sie eventuell schon am frühen Nachmittag anrücken sehen kann. Am nächsten Morgen jedenfalls, beim ersten Hahnenschrei sind sie aber absolut nicht mehr zu gebrauchen. Mitunter fallen diese Vögel der Nacht sogar um, als hätten sie in der Kneipe den gesamten Schnaps weg gesoffen.

Wir nähern uns also einer locker flockigen Truppe die so viel Spaß und Freude verbreiten konnte, dass sie später sogar noch einige Zugaben geben mussten. Die holde Weiblichkeit, die es vornehmlich dann nicht mehr an sich halten kann, wirft zwar nicht direkt Schlüpfer oder Büstenhalter kreischend nach ihnen, doch in der Regel darf man schon sagen, dass sie nicht gerade bescheiden ausgestattet sind, was das Holz vor der Hütte betrifft. Da haben Produzenten und Regie schon mal aufgepasst, dass die weiblichen Reize zwar nicht blank gelegt, aber doch schön zur Geltung gebracht werden.

Ich weiß, die Hinweise hören sich eher an, als handelt es sich beim nächsten mal um die noch jungen Beatles mit ihren kreischenden weiblichen Fans oder einer späteren Boygroup. Das Problem ist nur, die Mädels kreischen zwar mitunter, nur mit dem singen hapert es doch gewaltig. Aber zwei positive Sachen kann man an der Front der Monster-Boygroup durchaus vermelden: Sie sind Tierlieb und haben ein exzellentes Gehör.

Ich würde sie zwar nicht als sportlich beschreiben, dafür sind sie effektiv zu langsam. Doch den alten Klassikern wie Johann Wolfgang Goethe können sie wohl etwas abgewinnen. Zumindest mit dessen Erlkönig scheinen sie bei „Nacht und Wind“ doch einiges anfangen zu können – im übertragenen Sinne, versteht sich.

Na, schon eine Idee? Wenn nicht, gibt es dieses mal keine weiteren Hinweise. Dafür hier nochmals die wichtigsten Daten: Gutes Gehör, Tierliebend, kreischende Mädels und irgendwas aus Gothes Erlkönig. Nicht zu vergessen, dass sie am Morgen nicht mehr gut drauf sind. Das müsste doch jeden Ratefuchs hier in wilde Wallungen versetzen … oder?

Argoman, der phantastische Supermann (Come rubare la corona d'Inghilterra)
Argoman, der phantastische Supermann
(Come rubare la corona d'Inghilterra)
Alternativtitel: Superman, Le Diabolique
mit Roger Browne, Eduardo Fajardo, Dominique Bboschero, Tom Felleghy, Nadja Marlowa, Andrea Bosic, Dario De Grassi, Edward Douglas, Richard Peters, Frank Richardson u.a.
Regie: Sergio Grieco
Drehbuch: Dino Verde, Vincenzo Flamini
Genre: Action/Komödie
Laufzeit: 94 Minuten (ca. 83 Minuten deut. Kinofassung)
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: SchröderMedia Handels GmbH
Italien 1967

 Zum ersten Artikel -  Zur Übersicht

 

Kommentare  

#1 Larandil 2016-11-04 09:14
Larry Niven hat mal im Umfeld einer Convention eine sehr witzige Glosse verfasst, wie ausgesprochen fatal der Beischlaf Clark Kents mit Lois Lane ablaufen könnte.
en.wikipedia.org/wiki/Man_of_Steel,_Woman_of_Kleenex
#2 Andreas Decker 2016-11-05 11:18
Den Argomann habe ich nie gesehen. Bei mir steht nur Bavas Diabolik im Regal. Klingt aber wirklich interessant.

Ich muss gestehen, meine Sättigungsgrenze bei Superheldenfilmen ist erreicht. Es hat angefangen, mich zu langweilen. Schöne Action und nur hohles Drama sind auf die Dauer schmale Kost.

Beim Ratespiel bin ich draußen. Keine Ahnung wovon du überhaupt sprichst. :lol:
#3 Estrangain 2016-11-05 12:57
Wäre ein schoner Kandidat für Schlefaz.
:lol:
#4 Laurin 2016-11-05 12:59
@ Larandil:
Schade, ich kann kaum Englisch, da bleibt mir dies wohl so verschlossen. Werde es mal mit dem Übersetzer von Google probieren. ;-)

@ Andreas Decker:
Oh ... was Superheldenfilme angeht, da bin ich noch längst nicht gesättigt. Achte allerdings auch nicht so sehr auf das "Drama" und richte mich da eher nach meinem Spaßfaktor. ;-)
Die alten Klopper in dieser Richtung würde ich aber auch mit den heutigen Filmen des Subgenre nicht vergleichen. Das sind in der Regel relativ lustige Filme zum Genre, die sich gerne locker selbst nicht wirklich ernst nehmen und die man sich wirklich nur dann reinziehen sollte, wenn man wirklich mal etwas lustiges, gepaart mit einer Briese Action und ohne viel nachdenken zu müssen, inhalieren will. Ähnlich wie die Spencer-Hill-Filme, nur das die keine bunten Strampelanzüge getragen haben. :lol:

Was den Ausblick angeht, da habe ich euch wohl ein ziemliches Ei dieses mal gelegt, obwohl diese Filme wohl jeder kennt, der sich im Bereich Horror auskennt. Da also noch ein Tipp von mir: Lasst euch nicht von mir verwirren, die Mädels kreischen da nicht aus Freude und was die "Tierliebe" angeht, da könnte euch dieses erwähnte Gedicht aus dem Erlkönig einen Hinweis liefern, dass auch Heinz Ehrhard recht lustig zum Besten gab. Oder würde es euch helfen, wenn ich mal sage, dass sie aus Grabeskammern im Schweinsgalopp heran eilen? ;-)
#5 Estrangain 2016-11-05 13:00
Ach ja, der Ausblick: es handelt sich um einen spanisch-portugiesischen Film aus dem Jahr 1971?
DNdrL?
#6 Laurin 2016-11-05 13:07
Perfekt abgekürzt, Estrangain. :lol:
#7 Mainstream 2016-11-05 13:16
-
Jaaa, in der Beschreibung vom Ausblick hast Du dich etwas
vergaloppiert. Auch ein schönes Wortspiel in Bezug auf den
Film. Doch ein bißchen nachgedacht, dann war es klar.
#8 Laurin 2016-11-05 18:09
@ Mainstream:
Nein, war schon bewusst so gemacht im Ausblick. Das ganze heißt ja "raten" und nicht "einfach" machen. :lol: :P

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.