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Ein phantastischer Filmklassiker - Carmilla Karnstein und ihre blutigen Küsse

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 51
Carmilla Karnstein und ihre blutigen Küsse

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Mitunter hat das Böse sogar recht ansprechende erotische Kurven.


Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)
Richard Lestrange ist ein erfolgreicher Autor von Schauerromanen und recherchiert gerade für sein nächstes Buch in einem kleinen Dorf in Österreich. Hier zieht besonders die Geschichte des alten Adelsgeschlecht derer von Karnstein sein Interesse an. Doch die Familie der Karnsteins soll bereits vor über 100 Jahren völlig ausgestorben sein. Dafür wecken die Legenden und Geschichten seine Neugierde, denn die Karnsteins sollen alle blutrünstige Vampire gewesen sein.

Da seine Neugierde ihn längst im Griff hat, zieht es ihn sogleich zum verfallenen Schloss der Karnsteins. Doch statt auf eine völlig verfallene Ruine zu stoßen, begegnet er erst einmal mehreren jungen und wirklich hübschen Frauen. Diese scheinen alles, nur eben keine blutgierigen Vampire zu sein und sind Schülerinnen einer Höheren Töchterschule, die mit ihrem recht seltsamen Lehrer Mr. Barton ebenfalls eine Exkursion zum Schloss unternommen haben. Schnell scheinen die Geschichten um die blutsaugende Familie Karnstein für Lestrange in den Hintergrund getreten zu sein, denn wenn etwas noch mehr seine Aufmerksamkeit erregt, dann sind es der hübsche Anblick junger Damen. Schnell sattelt Lestrange daher um und bewirbt sich gleich selbst als Lehrer an der Schule von Miss Simpson.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Die Spuren von Joseph Sheridan Le Fanu:
Die drei Filme, in denen das Adelsgeschlecht der Familie Karnstein thematisiert wird, begründen sich alle recht locker auf Sheridan Le Fanu's Novelle CARMILLA, DER WEIBLICHE VAMPIR.

Nun hatte man in den Hammer Studios nicht gerade vor, die Geschichte um CARMILLA buchstabengetreu zu verfilmen. Eine Novelle übrigens, die es in den verschiedensten Anthologien auch auf dem deutschen Buchmarkt geschafft hatte. Eigentlich kann man sagen, dass für die Leserinnen und Leser der klassischen Schauerliteratur CARMILLA von Le Fanu ebenso bekannt sein dürfte, wie Stokers DRACULA. Ich kann hierbei durchaus sagen, dass CARMILLA einer der wohl schönsten Novellen der Phantastik im allgemeinen und insbesondere zur Thematik der Vampire darstellt. Hatte mich die Novelle von Le Fanu dereinst in der Anthologie von Pam Keesey unter dem Titel DRACULAS TÖCHTER (Fischer Verlag/1997) bereits fasziniert, so hatte ich mich bis dahin eher recht schwer getan, DRACULA von Bram Stoker überhaupt in Gänze zu lesen. Bei letzterem kann ich sagen, dass mir auch hier ein Taschenbuch vorliegt, ich es aber bis heute nie über die Hälfte geschafft hatte, es zu Ende zu lesen. Alleine schon der Stil, indem Stoker DRACULA verfasste, trieb mich nicht gerade begeistert von Seite zu Seite. Dafür ist mir die Geschichte um Stokers Dracula von mehreren Verfilmungen allerdings durchaus geläufig, auch wenn die meisten Verfilmungen nicht gerade Werkgetreu zu Stokers schriftlichen Fassung daher kommen.

Während der dritte Teil der Karnstein Trilogie seitens der Hammer Studios mit dem Titel DRACULAS HEXENJAGD von 1971 wohl die geringsten Bezüge zur Novelle von Le Fanu aufweist, so konfrontierte man die Zuschauer hier im zweiten Teil der Karnstein Trilogie direkt mit der Figur der CARMILLA, die sich hier allerdings unter dem Pseudonym Mircalla unter die Schülerinnen gemischt hat und ihr Unwesen treibt. Dabei wird sie auch hier nicht als die blutrünstige Bestie in Menschengestalt dargestellt, wie man es gerne bei anderen Verfilmungen mit der Figur des DRACULA machte. Hier spielt durchaus bereits eine gewisse Love Story die erste Geige, die jedoch noch nicht so ausgefeilt daher kommt, wie bei den Vampirfilmen der jüngeren Zeit, die eben zum Großteil auf jüngere weibliche Teenager zugeschnitten sind.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Carmilla – Die Novelle:
Die Novelle des irischen Autors Le Fanu um CARMILLA erschien zum ersten mal 1872 und beschreibt die Begegnung zwischen einem jungen Mädchen und dem ebenfalls recht jung wirkenden weiblichen Vampir CARMILLA. Zwischen Januar bis März 1872 erschien die Novelle zuerst dreigeteilt in der Zeitschrift THE DARK BLUE und wurden mit einigen Illustrationen von D. H. Friston und M. Fitzgerald aufgewertet. Im gleichen Jahr gab Le Fanu einen Sammelband unter dem Titel IN A GLASS DARKLY heraus, dass ebenfalls seine Novelle CARMILLA enthielt. Le Fanu verzichtete jedoch hier bewusst auf die Illustrationen, da sie sich nicht direkt auf den Inhalt der Novelle bezogen.

Auffällig ist bei der Novelle von Le Fanu auch die unterschwellige gleichgeschlechtliche Erotik, die sich zwischen CARMILLA und dem Mädchen Laura zwischen den Zeilen entspinnt. Dies war auch der Grund, weshalb Pam Keesey diese Novelle, deren Handlung sich auf einem Schloss in der Steiermark abspielt, in ihrer Anthologie mit aufnahm. Handelt es sich doch bei der Anthologie DRACULAS TÖCHTER ausschließlich um Kurzgeschichten rund um die Themen Vampirismus und lesbische Beziehungen. Auch dieser Film aus den Hammer Studios spielt unterschwellig erst einmal mit dieser gleichgeschlechtlichen Erotik, denn auch hier sind zuerst die eigentlichen Opfer der Vampirin CARMILLA, andere junge Schülerinnen. Doch machen wir ab hier erst einmal weiter mit dem Einblick in die Handlung der zweiten Karnstein Verfilmung unter dem Titel LUST FOR A VAMPIRE.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Das dunkle Geheimnis der Nichte der Gräfin Herritzen:
Faktisch fasst zur gleichen Zeit wurde mit der Nichte der Gräfin Herritzen, Mircalla, eine neue Schülerin aufgenommen. Doch damit beginnen auch die ersten unheimlichen Vorkommnisse, denn plötzlich verschwinden einige Schülerinnen spurlos. Miss Simpson indessen versucht deren spurloses Verschwinden zu vertuschen, weil sie um jeden Preis einen Skandal vermeiden will, der den bisherigen guten Ruf der Schule für immer zerstören würde. Mr. Barton fällt indessen damit auf, dass er des Nachts über alte, geheimnisvolle Bücher brütet und ziemlich offensichtlich die Nähe der hübschen Mircalla sucht. Doch dann findet man auch den höchst merkwürdigen Barton eines Tages tot auf. Da auch die Gräfin Herritzen zufälliger Weise gerade mit ihrem Leibarzt an der Schule zugegen ist, diagnostiziert dieser bei Barton den Tod durch Herzversagen.  Über die zwei kleinen Verletzungen im Bereich von Bartons Halsschlagader verliert der Arzt der Gräfin jedoch bewusst keinerlei Worte.

Auch Lestrange hat sich auf Anhieb direkt in die schöne Mircalla verliebt, beginnt aber auch sogleich selber mit persönlichen Nachforschungen zu den bisherigen geheimnisvollen Fällen. Irgendwie scheinen alle merkwürdigen Ereignisse mit Mircalla und den Ruinen des Schlosses der Familie Karnstein zusammen zu hängen. Was Lestrange jedoch dabei heraus findet, ist um so erschreckender. Nicht nur das die angebliche Gräfin Herritzen und ihr Leibarzt in Wirklichkeit eigentlich Graf und Gräfin Karnstein sind, die die alte Schreckensherrschaft wieder aufleben lassen wollen, auch die liebliche Mircalla ist in Wirklichkeit die wieder auferstandene CARMILLA Karnstein, die vor über 100 Jahren verstorben ist.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Längst verbreiten sich aber auch die ersten Gerüchte um die verschwundenen Schülerinnen im Dorf, wo sich bald ein wütender Mob unter Führung des angereisten Bischof zusammen rottet. Sie treibt die Angst um, die verhassten Karnsteins könnten zurück gekommen sein und als Vampire erneut Angst und Schrecken verbreiten. Gemeinsam ziehen sie zum Schloss Karnstein und setzen nun auch den Rest der Ruine in Brand. Lestrange, der immer noch in CARMILLA verliebt ist, eilt indessen herbei um sie zu retten. Das er damit ihr Todesurteil fällt, ahnt er jedoch nicht. CARMILLA versucht zwar ihn fort zu schicken, damit er nicht in den Flammen umkommt, doch nun greift Graf Karnstein ein und zwingt CARMILLA, die ihrerseits auch in Lestrange verliebt ist, ihm das Blut auszusaugen. Im letzten Augenblick wird CARMILLA jedoch gestoppt durch einen herabfallenden, brennenden Balken, der geradewegs ihr Herz durchbohrt.

Carmilla, so von dem Balken gepfählt, stirbt und Lestrange kann gerade eben noch den tödlichen Flammen entkommen. Zwar wurde so die Rückkehr der Karnsteins vereitelt, doch Graf und Gräfin Karnstein führen auch weiterhin ihr untotes Leben weiter, da Feuer (laut dem Drehbuch) in dieser Form einem Vampir nichts anzuhaben vermag, was auch Richard Lestrange nicht zu ahnen scheint.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Die Kritiken:
Den Kritikern ist damals nicht entgangen, dass hier in diesem Film Jimmy Sangster, der den Regiestuhl eingenommen hatte, die Thematik  der lesbischen Erotik recht clever in die Handlung mit eingewoben hatte, ohne hier jedoch durch zu eindeutige Bilder dieses plump an die Zuschauer weiter zu reichen. An den nun bereits obligatorisch zu nennenden Sexeinlagen (reichlich nackte Haut) kam auch diese Hammer Produktion nicht mehr vorbei. Was hier in einem Horrorfilm seitens der Kritiker als „Effekthascherei“ bezeichnet wurde, gehörte in den 70er Jahren in Europa allerdings bereits in vielen Filmproduktionen zum guten Ton. Schließlich war schon damals die jüngere Generation als neue Zielgruppe anvisiert worden, und die steckte noch tief in der sexuellen Revolution. Statt Sangster sollte eigentlich Terence Fisher die Regie zu NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG übernehmen, zumal er in Sachen Horror kein unbeschriebenes Blatt war, wie z.B. Filme wie DER FLUCH DES SINESTRO (1961), DRACULA (1958) oder FRANKENSTEIN SCHUF EIN WEIB (1967) beweisen, bei denen er die Regiearbeit inne hatte. Seine Verpflichtung für den Film NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG scheiterte jedoch an der kurzfristigen Änderung der Produktionsphase.

Ingrid Pitt, die bereits im ersten der drei Karnstein Filme unter dem Titel GRUFT DER VAMPIRE (1970) die Rolle der Carmilla/Mircalla inne hatte, sollte auch hier wieder in diese Rolle schlüpfen, was eine gewisse Kontinuität der Reihe zugute gekommen wäre. Letztendlich lehnte sie jedoch dieses mal die Rolle ab, weil ihr das Drehbuch schlicht als zu schlecht erschien. Ein Umstand, der nun den Weg für die Schauspielerin Yutte Stensgaard für diese Rolle frei machte.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Ebenfalls in NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG war der große Schauspieler vieler Hammer Produktionen, Peter Cushing in der Rolle des Giles Barton vorgesehen. Doch auch dieser Wunsch seitens der Produzenten sollte dieses mal nicht in Erfüllung gehen, denn er lehnte ebenfalls ab, weil es um den Gesundheitszustand seiner Frau zu diesem Zeitpunkt bereits recht kritisch stand. So musste man hier als Ersatz kurzfristig auf Ralph Bates zurück greifen.

Ich will mich hier jetzt auch nicht weiter an manchen Kritiken der damaligen Zeit festbeißen, die durchaus nicht unrecht haben, dass  Jimmy Sangster hier einen durchaus eher „zurückhaltenden“ Horrorfilm ablieferte, der mehr auf gut gebaute junge, weibliche Kurven statt auf eher blutige Horroreffekte setzte. Dies macht den Film nachträglich aber auch nicht schlechter, doch den Zeitgeist traf er wohl zur damaligen Zeit wohl nicht mehr so wirklich. Denn die Zeit, in der der Horror grober und blutiger wurde und man sich eher von den klassischen Monstern wie Vampire, Mumien, Frankensteins Monster oder Werwölfen abwandte, war eigentlich schon so gut wie angebrochen. Auch in anderen Horrorpruduktionen gab es viel nackte Haut, doch von der Handlung her, wirkten die Hammer Produktionen mit ihren klassischen Monstern längst wohl schon zu bieder bei der jüngeren Zielgruppe, weshalb der Stern der Hammer Studios am Horrorhimmel bereits merklich zu sinken begann. Da half es im dritten Teil der Karnstein Trilogie auch nicht mehr wirklich viel, dass man in DRACULAS HEXENJAGD (1971) gleich  mit sehr ansehnlichen, hübschen Zwillingen aufwartete, die gleich im Doppel etwas nackte Haut aufblitzen ließen.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)Meine Filmkritik:
Nein, wahrlich schlecht ist der Film NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG nicht. Die Handlung ist durchaus recht ansprechend und an hübschen jungen Frauen fehlt es wahrlich auch nicht. Die wenigen Nacktszenen wirken im Rückblick betrachtet sogar eher recht dezent.

So ganz kommt er mir jedoch nicht an den Film GRUFT DER VAMPIRE heran und mit DRACULAS HEXENJAGD kann er für meine Begriffe auch nicht so wirklich in Konkurrenz treten. Dafür ist der Gruselfaktor hier einfach eine Nummer zu niedrig angelegt und die Darsteller  Barbara Jefford und Mike Raven als Graf und Gräfin Karnstein bzw. Gräfin Herritzen wirken hier schlicht irgendwie deplatziert. Selbst das Gebaren von Ralph Bates als Giles Barton wirkt in der einen oder anderen Szene etwas überzogen, so das es mir hier schwer fällt, ihn in seiner Rolle wirklich ernst zu nehmen.

Ich persönlich mag dem Film daher wirklich nur drei von fünf Punkten vergeben wollen. Was allerdings wiederum nicht heißt, dass man den Film der Vollständigkeit halber (gesamte Karnstein-Trilogie) nicht sehen sollte. So schlecht ist er ja wie gesagt nicht, nur schwächelt er gegenüber den anderen beiden Karnstein Filmen etwas. Sowohl was die Vollständigkeit angeht, als auch als Fan der eher klassischen Vampirfilme ist der Film NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG in einer Sammlung fasst schon unverzichtbar. Zwar gelingt es ihm nur mäßig, im Bereich Gruselfaktor und Spannung zu punkten, in Sachen Unterhaltung ist er jedoch durchaus kein Flop, wenn man hier die Messlatte eben nicht zu hoch anlegt, was manche schauspielerischen Leistungen (wie eben erwähnt) angeht. Und was die weiblichen Darstellerinnen angeht, wird das Auge (vornehmlich der männlichen Zuschauer) ja auch durchweg positiv verwöhnt.

Ausblick:
Vielleicht verrate ich euch gerade wieder zu viel, wenn ich euch sage, dass der nächste Film (eine Schwarzweiß-Produktion) sich wieder einmal um ein Spukhaus dreht.

Die Geschichte ist sogar recht bekannt und ist in vielen Variationen bereits präsentiert worden. Ein Beispiel ist z.B. im Bereich des Hörspiels zu nennen. Als Roman beansprucht die Story sogar den Status eines Klassikers der phantastischen Literatur.

Das Problem ist, wenn ich den Titel z.B. des Hörspiels nenne, kommt ihr direkt auf den Titel des Films, der allerdings wiederum unter einem völlig anderen Titel daher kommt. Aber so viel sei euch dann doch noch verraten, dass Hörspiel trägt wiederum den gleichen Titel wie der Roman, auf den der Film basiert. Und hier gleich noch ein Hinweis, denn es gibt auch ein Remake dieses Klassikers, der früher einmal Mutti eine wohl eiskalte Gänsehaut verpasste. Aber auch das Remake kommt wiederum mit einem völlig anderen Titel daher. Zumindest was den deutschen Titel angeht. Der Originaltitel ist allerdings auch später im Remake der gleiche geblieben. Und damit mir nun niemand vorwirft, ich ließe euch am langen Arm verhungern, was die Informationen angeht, so sei hier auch noch erwähnt, dass die damalige Verfilmung eine Gemeinschaftsproduktion der Länder USA und Großbritannien war, während das Remake dann späterhin eine völlig reine US-Produktion darstellt. Und auch was die Effekte angeht, bei fasst gleicher Handlung, gibt es hier wirklich gravierende Unterschiede.

Da wir gerade oben über Vampire gesprochen haben, kann ich euch ansonsten nur raten, euer Blut angenehm temperiert zu halten. So ältere Blutsauger stehen eben nicht auf gefrorenes in der Blutbahn. Und wir wollen ja unsere Monster hegen und pflegen. Nun bleibt mir allerdings nur noch übrig, auf den nächsten Samstag zu verweisen, wenn ich meine kleine Schatztruhe in Sachen PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER wieder öffne. Aber auch sonst muss ich hier aufhören zu tippen, sonst verplappere ich mich doch noch endgültig, weil ich euch gerade eben schon wieder einen kleinen Hinweis gegeben habe. Aber mich hatte es irgendwie dann doch noch in den Fingern gejuckt.

Nur Vampire küssen blutig (Lust for a Vampire)
Nur Vampire küssen blutig
(Lust for a Vampire)
mit Michael Johnson, Yutte Stensgaard, Suzannah Leigh, Ralph Bates, Barbara Jefford, Mike Raven, Helen Christie, Pippa Steele, Judy Matheson, Kirsten Lindholm, Harvey Hall, Luan Peters u.a.
Regie: Jimmy Sangster
Drehbuch: Tudor Gates
Genre: Horror
Laufzeit: 91 Minuten
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: STUDIOCANAL
Großbritannien 1971

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-06-25 14:03
In seiner Autobiografie hat Jimmy Sangster nichts Gutes über den Film zu sagen. Fisher brach sich wenige Tage vor Drehbeginn das Bein und Sangster sprang ein. Da war aber alles bereits festgelegt, und er konnte nur noch den "Verkehr regeln", wie er es bezeichnete. Er hat nicht einmal den Schnitt oder die Musik geregelt. Bei dem grässlichen "Strange Love" ist er wohl vor Scham im Kinosessel versunken :-)

Ich mag den Film sehr, auch wenn Bates und vor allem Stensgaard fehlbesetzt sind. Sie ist hübsch, aber als Schauspielerin ist sie wirklich eine talentfreie Zone. Sie ist auch in ihren anderen paar Filmen nicht ausdrucksstärker. Da muss man nur mal das obskure Zeta One ansehen. Das sieht Sangster nicht anders. "Sie hätte nicht an dem Film beteiligt sein sollen, genauso wenig wie Bates oder ich." Dazu muss man wissen, dass er und Bates eng befreundet waren.

Es wäre wirklich interessant gewesen zu sehen, wie Fisher, der doch eigentlich nur zugeknöpfte Filme gemacht hat, mit dem luftigen Stoff umgegangen wäre. Und Cushing wäre hier so gegen seinen Typ besetzt gewesen. Schade, schade.

So schlecht finde ich die Story auch nicht, wie sie immer gemacht wird, auch wenn sie im Kern die gleiche wie im ersten Karnstein ist, hier aber wenig(er) Sinn ergibt. Dass die unvergleichliche Ingrid Pitt hier nicht mitspielt, stört mich weniger. Eigentlich ist die Idee mit den verschiedenen Inkarnationen Carmillas ganz clever. Aber dass man die "Karnsteins" nicht gleich besetzen konnte, lässt die Idee ziemlich verpuffen.

Dafür spielt Pippa Steel in beiden mit, nur in verschiedenen Rollen :lol: Bedenkt man, dass die ersten beiden Carmilla-Filme im Abstand von nicht mal einem Jahr gedreht hat, erscheint das alles sehr chaotisch oder mit der heißen Nadel gestrickt.

Ah, nächste Woche trifft einer meiner Lieblingsfilme auf eines meiner Hassremakes :lol: Egal, wie viele Millionen dort investiert wurden, das Remake ist absoluter Schrott.
#2 Thomas Mühlbauer 2016-06-25 15:07
Den Film mag ich auch deshalb, eben weil er recht dezent und ruhig inzenziert worden ist und eine nette Abwechslung zu den Ekeleffekten und Grausamkeiten bietet, die sich zu der Zeit bei Hammer breitgemacht haben (Circus der Vampire oder Dracula - Nächte des Entsetzens mit ihren verstümmelten Leichen und heraushängenden Augäpfeln, in denen sich die Maden tummeln). Das war dem falschen Zeitgeist geschuldet und hatte nichts mehr mit den ursprünglichen "Märchen für Erwachsene" zu tun.

Was den Ausblick betrifft, so bin ich noch heute froh, dass ich den Film nicht im Kindesalter gesehen habe; er hat seine Wirkung auch später noch getan, und wenn es eine filmische Reverenz zum Thema Spukhaus geben sollte, dann wäre es diese Produktion.

"...und was dort auch umgehend möchte, es ging alleine um."

Die Neuverfilmung (und ich bin deswegen auch noch ins Kino gerannt) ist eine peinliche Geisterbahnfahrt, über die man kein weiteres Wort verlieren sollte.
#3 Laurin 2016-06-25 16:18
Nun ja, für mich ist NUR VAMPIRE KÜSSEN BLUTIG etwas zu ruhig und zu viel (viel zu viel) Märchen für Erwachsene (eher fasst was für die Kleinen). Aber man kann ihn sich zumindest noch ansehen und das zählt zumindest mal.

@Thomas Mühlbauer:
Dieser "falsche Zeitgeist" war allerdings der richtige, nur war man bei Hammer eben nicht konsequent genug, weshalb die glorreichen Zeiten da wohl schon vorbei waren. Zum einen Schade, weil ich doch ein Freund der Vielfalt bin, wo für jeden etwas dabei sein darf.
#4 Friedhelm 2016-06-25 18:45
Von den drei Filmen habe ich nur "Draculas Hexenjagd" im KIno gesehen - die beiden anderen dann irgendwann auf DVD.

MIke Raven erinnert mich in diesem Film ein wenig an Christopher Lee - und in einer Sequenz hat man ja auch die Augen von Lee eingeblendet. Man bekommt leicht den Eindruck, dass Raven -ebenso wie Bates- als neuer "Hammer-Star" aufgebaut werden sollte.

Und da "Hammer" den Dracula-Stoff völlig ausgelutscht hatte, muss den Produzenten Fanus Geschichte wohl schon fast wie eine Offenbarung vorgekommen sein. Also, warum bei einem neuen Stoff dem Publikum nicht auch gleich einen neuen "Horror-Star" präsentieren.

Soviel ich weiss ist Ravens Karriere allerdings nicht unbedingt berauschend gewesen.

Zum Ausblick: Wenn ich nicht irre, dann war der Regisseur des 60er-Originals auch jener, der für den ersten "Star Trek-Kinofilm/1979" verantwortlich zeichnete.
#5 Laurin 2016-06-26 11:09
@ Friedhelm:
Ja, der besagte Regisseur hatte seine Händchen auch noch in einem weiteren sehr bekannten SF-Film mit drin und in einer ebenso recht bekannten Musical-Verfilmung . :-)
#6 Friedhelm 2016-06-26 14:02
Er hatte sein "Händchen" sogar in z w e i SF-Filmen, die beide v o r dem "Star Trek-Film" entstanden sind....

Wer erinnert sich nicht an die Worte "Klaatu Barada Nikto" - oder an die "Operation Steppenbrand" - die beiden Filme dazu machen sich in einer DVD-Sammlung immer wieder gut.

Das betrifft -jedenfalls für mich- auch das Musical, in dem die verstorbene Ehefrau (ertrunken) von Robert Wagner ("Ihr Auftritt Al Mundy/It takes a Thief") zu sehen ist.
#7 Laurin 2016-06-26 15:52
@ Friedhelm:
Ich sehe, wir kennen uns aus. ;-)
Der andere SF-Film war übrigens so was wie "staubwischen im Andromeda" oder so ähnlich. :lol:
#8 Friedhelm 2016-06-26 16:42
Zitat:
...Ich sehe, wir kennen uns aus.
Ja, die Filmthematik ist immer wieder ein spannendes Feld - erstrecht, wenn man sich damit schon so lange beschäftigt. Ich selber bin seit 1970 Filmfan - und habe durch das Internet so richtig festgestellt, dass ich als Movie-Nerd nicht alleine bin.

Auch immer wieder ein Fest, wenn man im TV oder auf DVD Filme sieht, für die wir, z.b. damals in den Siebzigern, an der Kasse angestanden haben. Ich denke da auch an Streifen wie "Der Exorzist", "Der weisse Hai" oder "Star Wars" (damals noch eingedeutscht als "Krieg der Sterne"..)

Zitat:
Der andere SF-Film war übrigens so was wie "staubwischen im Andromeda"
Gehört dann auch leider zu den Filmen, die ich im Kino nie gesehen habe. Lief aber hier bei uns... und wurde ja dann auch in der ARD-Science Fiction-Reihe...gezeigt.
#9 Mainstream 2016-06-26 21:38
-
Der "Ausblick" ist noch immer einer der effektivsten und
beeindrucksten Gruselstreifen im Kino. Da wussten Filmemacher
noch, wie man Atmosphäre erzeugte, ohne mit quietschenen
Geräuschen etwas ins Bild springen zu lassen.
Die kanadische Produktion THE BABADOOK hat dieses
Flair wieder aufkommen lassen. Aber ansonsten, gibt es
solche Filme leider nicht mehr.

Und als Empfehlung über den Tellerrand des Genres hinaus,
U 23 TÖDLICHE TIEFEN ist auch ein exzellenter Thriller des Regisseurs.
#10 Laurin 2016-06-29 16:17
@ Mainstream:

Danke für den Tipp zu "U 23", aber U-Boot-Filme aus dem Zweiten Weltkrieg, da kann ich überhaupt nicht mit warm werden. Konnte schon mit "DAS BOOT" nichts anfangen. Und dann noch mit Clark Gable (in "U 23"), bei dem kriege ich generell nervöses Augenzucken, egal wo der mitspielt.

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