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Ein phantastischer Filmklassiker - Als die Toten ihre Essgewohnheiten radikal änderten

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 48
Als die Toten ihre Essgewohnheiten radikal änderten

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Manchmal machten da auch die Toten eine radikale Wandlung durch.


Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)
Von Beginn an war für die Toten noch genügend Platz in der Hölle. Zumindest standen sie nicht wahllos aus ihren Gräbern auf und schlurften  umher, rotteten sich zusammen und fingen an die Normalbevölkerung anzuknabbern.

Alles hatte also noch irgendwo seine Ordnung, wo ein Toter nicht eben machen konnte, was er wollte.

Am geläufigsten dürfte hier der Voodoo-Zauber der Karibik bzw. aus Teilen Afrikas sein. Mit magischen Beschwörungen und einer Menge Tam Tam holte man einen - am besten noch recht frischen – Verstorbenen aus seinem Grab heraus und hauchte ihm den Odem des Lebens ein. Wobei, hiermit meine ich nun nicht die handelsübliche Alkoholfahne, mit der man angeblich auch so manchen Toten wieder zum leben erwecken könnte. Nein , da musste schon der richtige Spruch und auch das ganze drum herum stimmen. Gegebenenfalls musste dann auch etwas her, dass einer Art Zaubertrank ziemlich nahe kam (und ich meine damit wirklich immer noch keine Flasche Jägermeister).

Dann, wenn das Prozedere aus welchem Grund auch immer, funktioniert hatte, konnte dieser nun besagte lebende Leichnam sich nicht einfach auf eine mögliche Rentenanwartschaft berufen, sondern stand ganz im Dienste seines Herrn oder gegebenenfalls besagter Herrin (ganz wie es beliebt). Fortan wurde dieser Zombie, wie man die verwesenden Angestellten auch gerne nennt, dazu genutzt, oder dieser zumindest dazu angehalten, Jungfrauen zu entführen (zumindest soll es früher mal mehr Jungfrauen gegeben haben), Schätze zu bergen an die man lebend eigentlich nicht heran kam, unliebsame Zeitgenossen in Angst und Schrecken versetzen oder die bleichen knochigen Finger (also das Gegenteil von Wurstfingern) um einen schlanken Hals zu legen um lustvoll zuzudrücken, bis das dieses besagte Opfer ebenfalls freudig den Löffel des Lebens im hohen Bogen wegwarf.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Rechnet man dies alles zusammen, so war der frühe Zombie in der Regel schon eine Art Unternehmer freundlicher Zeitgenosse. Was die Arbeitszeiten angeht ist er recht flexibel und benötigt keine Ruhezeiten, man muss nicht mal einen Euro berappen, eine Meinung hat er auch nicht (und schon gar keine Gewerkschaft) und war er nicht mehr zu gebrauchen, entzog man ihm eventuell den Zauber und kompostierte die schimmelnden Reste wieder ein. Nur wirklich schlau denken konnte unser Zombie auch noch nicht, was ihn für die modernen Unternehmer heute wiederum recht uninteressant macht. Das unterschied ihn dann doch gravierend von anderen Gattungen der Untoten, wie etwa den Vampiren. Letztere waren schon von Beginn an dreister drauf, machten was sie wollten, kamen am Tag nicht aus dem Bett (na gut, wir nennen es Sarg), verwandelten sich gar und machten den Tieren im Zoo Konkurrenz (wie Fledermäusen oder Wölfen) und ansonsten war für sie jede Nacht nach Sonnenuntergang Party angesagt. Mit all dem konnte der Zombie schon damals nicht dienen. Man könnte also sagen, der Zombie war irgendwie im Bereich des Horrors die Billigvariante der Monster, oder anders gesagt, der Trabi unter den Autos.

Dieser putzige Schrecken funktionierte auch noch recht gut bis locker in die 30er Jahre. Danach hielt sich der gefilmte oder geschriebene Schrecken ein klein wenig in Grenzen, weil der reale Schrecken in Europa auf dem Vormarsch war. Dafür aber brauchte man nun im Film und in der Literatur stramme Helden und keine schimmelnden Leichen. Wirklich in Vergessenheit gerieten die Zombies zwar nie, doch in Sachen klassischer Horror waren sie nie wirklich die absoluten Überflieger gewesen. Bis in die 30er Jahre mochte dies auch gereicht haben, denn ein Toter der herumläuft hätte mitunter schon das Potential, die nervende Gattin in eine sanfte Ohnmacht entgleiten zu lassen (und wenn man sie wieder brauchte, kippte man ihr schlicht etwas Riechsalz zwischen die Nasenflügel). Hätte sich das Bild des Zombie hauptsächlich im Film jedoch nicht irgendwann radikal geändert, würde sich die holde Weiblichkeit heute bei ihnen höchstens noch vor Lachen auf dem Boden kugeln.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Die Leichen benötigten eine rundum Erneuerung:
Man könnte die Zombies auch weiter mit einem Auto vergleichen. Der Motor stotterte irgendwann bedenklich, das Öl lief literweise aus und eigentlich hält nur noch der Rost das Gesamtkonzept beisammen. Nur, dieser Zustand hielt sich noch bedenklich lange, bis das 1968 ein gewisser George A. Romero die Idee zu einem filmischen Freizeitprojekt in schönstem Schwarzweiß hatte.

Hierfür hatte er sich dann auch noch gerade die Leichensöhne unter der Sonne des Genre ausgesucht. Gut, diese Zombies kosteten nicht viel. Selbst drei Mahlzeiten am Tag benötigten sie eigentlich nicht. Und genau da lag der Hund im Grab verbuddelt. Also warum sollten Zombies nichts essen? Und wenn man schon mal dabei war, bitte auch was gesundes mit lebenden Vitaminen und möglichst frisch bitte, man gönnt sich ja sonst nichts.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Sinnbildlich vom Trabi zum Porsche:
Tja, Romero packte also schlicht den Zombie als Trabi auf die Hebebühne und runter kam der Porsche für den Film oder die Literatur sowie Comics der späteren Jahre. Bis das dieser besagte Film allerdings seitens Romero fertig gestellt war, ging noch einige Zeit ins Land, denn wie das bei Freizeitprojekten so ist, nebenher musste man noch dem eigentlichen Broterwerb nachgehen und nicht jeder Darsteller war gleich auf Abruf zur Stelle, weil dies einfach nicht machbar war.

Eine völlige Runderneuerung gab es für unsere Leichen auch dieses mal noch nicht in Gänze. Denn seien wir mal ehrlich, so ein Zombie ist schon irgendwo ein ziemlich fauler Zeitgenosse und bleibt gerne da liegen, wo man ihn verscharrt hatte. Statt jedoch auf Zaubermittelchen und flotte Sprüche des Voodoo besann sich Romero auch hier zu einer Neuausrichtung. Nun war für die Wiederauferstehung eine im Weltraum befindliche Sonde verantwortlich, die geradewegs den Heimflug von der Venus angetreten hatte und eben auch ein unliebsames Geschenk für die Erde und ihre Bewohner mitführte. Die zumeist erst jüngst Verstorbenen im Film verdankten also einem  eher modernen Einfluss ihre wiedergewonnene sportliche Leistung.  Späterhin sollten als Auslöser auch noch andere Möglichkeiten wie biologische Kampfmittel/Abfälle, Viren usw. in Betracht kommen.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Fressen bis zum abwinken:
Und es stand nun nicht nur einer auf, sondern gleich jeder, der in der Weltgeschichte gerade irgendwo tot herum lag (gut, Tiere wie Hamster oder Wellensittiche waren „noch“ nicht dabei. Die tierischen Leichen wie 2014 z.B. die „Zombieber“ und sonstige animalischen Nettigkeiten sollten erst viel viel später die Kinos beglücken). Zombies waren auch noch nicht schnell. Auch das änderte sich viel später einmal in einer Neuverfilmung eines weiteren Romero-Stoffes mit dem Titel ZOMBIE (oder ZOMBIE 1), der gleichsam auch eine Fortsetzung dieses filmischen Freizeitprojekt war, wo unsere wandelnden Leichen glatt schon olympische Qualitäten in und um ein Einkaufscenter im laufen aufwiesen.

Und sie traten in Massen auf, rotteten sich zusammen. Einzeln waren sie also eine noch gut abschätzbare Gefahr der man beikommen konnte, sofern man nicht gerade Tomaten auf den Augen hatte, aber wehe man stand plötzlich einer ganzen Bande von diesen verschimmelten Neuankömmlingen gegenüber, dann war nicht nur Holland in Not. Die letzte Erneuerung (und wohl auch die wichtigste) war jedoch ihr nunmehr aufgekommener Fressreflex. Muskeln, Sehnen, Haut, innere Organe, einfach alles was uns täglich am Leben erhält wurde für die Untoten nun zur Nahrung umgemünzt. Leben bedeutete nun für die Zombies Fleisch und Fleisch bedeutete fressen was das Zeug hält. Ist das Opfer aber erst einmal selbst Tod, reizt es ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr die Geschmacksknospen des Untoten. Blieb allerdings vom besagten Opfer noch genügend übrig, gesellte sich dieses wiederum zu den Zombies – Ein wahrer Teufelskreis.

Das sich selbst die schon mächtig verwesten Leichen noch selbst aus ihren Gräbern heraus buddelten, war allerdings in NIGHT OF THE LIVING DEAD noch kein wirkliches Thema, auch wenn sie am Anfang schon auf dem Friedhof herum geisterten. Zumindest sehen die im Film noch so frisch aus, dass sie wohl direkt aus der Leichenhalle getürmt sein dürften. So wirklich übel verrottet sahen also diese ersten Zombies aus NIGHT OF THE LIVING DEAD auch noch nicht aus. Doch Romero hatte zumindest den Grundstein gelegt. Der Aufstieg der lebenden Leichen zur A-Klasse im Genre des Horrors konnte beginnen. Nicht umsonst wird diesem Film heute zu Recht von allen Seiten her ein Kultstatus zugewiesen. Anfangs noch ohne Freigabe in Deutschland, ist dieser Meilenstein des Horrors mittlerweile schon ab 16 Jahre freigegeben, was auch daran liegen mag, dass hier die Zombies in der Regel noch einigermaßen ansehnlich wirken. Doch auch das optische Erscheinungsbild sollte nun recht bald den verwesenden Umständen angepasst werden, so das nicht nur Dreck, sondern auch ordentlich Maden aus der halben Nase die Sonne begrüßen konnten. Doch wenden wir uns nun einmal in gebotener Kürze der eigentlichen Handlung von NIGHT OF THE LIVING DEAD zu.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Sie kommen dich holen, Barbara:
Barbara und ihr Bruder Johnny begeben sich wie jedes Jahr an das Grab ihres Vaters, obwohl Johnny sich diese lange Anfahrt eigentlich am liebsten ersparen würde. Die treibende Kraft ist jedoch Barbara, die zumindest einmal im Jahr mit ihrem Bruder dem verstorbenen Vater gedenken möchte, auch wenn sie weiß, dass es bei Johnny mit dem Gedenken nicht weit her ist.

Kaum angekommen drängelt Johnny daher auch gleich wieder zur Heimfahrt. Doch Barbara lässt sich nicht beirren. Erst als Johnny anfängt, ihr mit einigen schauerlichen Bemerkungen auf dem Friedhof Angst zu machen, kommt es zu einem Streit, zumal er nun einen sichtlichen Spaß daran entwickelt, sie zu ängstigen. Als sie sich jedoch von ihm weiter entfernt, schlurft ihr ein sichtlich seltsamer Mann entgegen. Irgend etwas scheint mit ihm nicht zu stimmen und als dieser sie plötzlich angreift, geht Johnny dazwischen. Doch bei diesem Zweikampf schlägt Johnny am Boden mit dem Kopf gegen einen Grabstein und bleibt regungslos liegen.

Barbara bleibt nichts anderes übrig als ihn zurück zu lassen und mit dem Auto zu fliehen, denn dieser erschreckend bleiche Kerl ist nun nicht mehr alleine. In ihrer Panik jedoch baut sie kurz darauf einen Unfall und muss zu Fuß weiter fliehen, denn diese schrecklichen Gestalten lassen bei ihrer Verfolgung nicht nach.

Als sie schließlich ein altes Farmhaus erreicht, hofft sie dort auf Hilfe, doch alles was sie vorfindet, ist eine grauenhaft zugerichtete Leiche. Diese sieht fasst so aus, als hätte man ihr das Gesicht weggefressen. Nur kurz darauf taucht auch Ben, ein Afroamerikaner ein, der mit seinem Wagen ebenfalls auf der Flucht vor diesen mörderischen Kreaturen ist, dessen Wagen aber kein Benzin mehr hat. Notdürftig beginnt Ben, das Haus zu verbarrikadieren, denn er weiß, dass es im Umfeld jede Menge dieser seltsamen Kreaturen gibt, die ihren sicheren Tod bedeuten würden.

Während Barbara über die Ereignisse ziemlich verstört ist, hofft Ben auf nahende Hilfe von außerhalb. Plötzlich jedoch müssen sie feststellen, dass sie in dem Haus nicht alleine sind. Harry Cooper, ein ziemlich aufgebrachter Familienvater mit seiner Frau und einer kleinen Tochter, sowie ein junges Paar hatten sich im Kellerraum vor diesen Bestien versteckt. Auch jetzt versucht Harry alle dazu zu bewegen, sich wieder im Kellerraum zu verbarrikadieren, da er sichtliche Angst hat, die er jedoch nicht offen eingestehen will. Dadurch kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen ihm und Ben, der mittlerweile nun auch einen Fernseher wieder zum laufen gebracht hat, um mehr über das zu erfahren, was dort draußen vor sich geht. Während das Haus bereits von einigen wenigen dieser Kreaturen attackiert wird, überschlagen sich die Nachrichtensendungen mit neuen Meldungen und Vermutungen zu den Angriffen dieser sogenannten lebenden Toten überall im Land.

Alle Vermutungen richten sich dabei auf die Venus-Raumsonde, die erfolgreich wieder von ihrer Mission zur Erde zurück gekehrt ist, jedoch nun über eine ebenso rätselhafte, wie scheinbar gefährliche Strahlung verfügt, die sogar weiterhin potentiell ansteigt. Bald macht man diese Strahlung dafür verantwortlich, dass erst kürzlich verstorbene Menschen sich wieder erheben, ihrerseits die Lebenden angreifen um dann deren Fleisch zu essen. Im Keller geht es indessen Harrys kleiner Tochter immer schlechter, die von einer der Kreaturen gebissen wurde und Ben macht die Erfahrung, dass diese lebenden Toten scheinbar nur vor Feuer einen gewissen Respekt zu zeigen bereit sind. Da die Anzahl dieser Kreaturen jedoch bedrohlich ansteigt, versuchen Ben mit Tom nun dessen Wagen zu erreichen, der an einer Zapfsäule steht und diesen für eine mögliche Flucht zu betanken. Judy, Toms Freundin lässt sich dabei nicht davon abbringen, ihrem Freund zu folgen. Der Versuch misslingt jedoch kläglich. Ben gelingt es noch den Wagen zu verlassen, bevor dieser plötzlich in Flammen aufgeht und mit Tom und Judy darin explodiert.

Ben muss mit ansehen, wie die Untoten nun beginnen, die Überreste der beiden zu fressen, bis es ihm im letzten Moment gelingt wieder ins Haus zu kommen, weil Harry ihm aus purer Angst zuerst das öffnen der Tür verwehrt. Die Streitigkeiten zwischen Ben und Harry eskalieren indessen, bis Ben auf ihn schießt und dieser im Todeskampf die Treppe zum Keller herunter stürzt. Seine kleine Tochter, die mittlerweile ebenfalls ihrer Verletzung erlegen ist, hat sich nun selbst in eine lebende Leiche verwandelt, die nunmehr beginnt, ihren eigenen Vater zu fressen. Helen, Harrys Frau entdeckt diese grauenvolle Szene, wirkt jedoch wie erstarrt und denkt so nicht rational an Flucht. Ein Fehler, denn nun wird sie von ihrem eigenen Kind mit einer Maurerkelle zu Tode gestochen.

Doch auch oben im Haus eskaliert die Situation durch den Ansturm der Zombies. Die Horden der lebenden Leichen beginnt nun mit Macht in das Haus einzudringen, wobei Barbara auf den Leichnam ihres Bruders trifft, der sie gefühllos in die Meute der blutgierigen Untoten zerrt, wo diese begierig über sie herfallen. Ben, der den ausweglosen Keller bisher als Schutzmöglichkeit abgelehnt hat, bleibt nun nichts mehr anderes übrig, als sich genau dort unten zu verbarrikadieren. Da sich die Coopers dort unten nun alle zu lebenden Toten entwickelt haben, schießt er ihnen, wie man es in den Nachrichten empfohlen hatte um die Zombies ein für allemal zu stoppen, in die Köpfe. Ihm selbst bleibt jedoch nichts anderes übrig, als im Keller auszuharren und auf eintreffende Hilfe zu hoffen.

Am nächsten Morgen scheint sich der Ansturm der Untoten etwas gelegt zu haben, zumal die Bürgerwehr, die man am Abend noch in den Fernsehnachrichten sehen konnte, sich auf das Farmhaus vorarbeiten und die umher streunenden Zombies durch gezielte Kopfschüsse erledigen. Als Ben diese hört, verlässt er sein Versteck im Keller. Doch als die Zombiejäger ihn von weitem sehen,  halten sie auch ihn für eine wandelnde Leiche und schießen ihm in den Kopf. Am Ende zerren sie seine Leiche mit einem Fleischerhaken auf den brennenden Scheiterhaufen zu den anderen Zombies.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Da war doch noch was:
Ja, wussten sie eigentlich, dass durch einen ziemlich schusseligen Fehler der Film NIGHT OF THE LIVING DEAD in den USA schnell gemeinfrei wurde? Das kam so: Eigentlich sollte Romeros Film den Titel NIGHT OF THE FLESH EATERS erhalten. Dieser Titel war aber seitens eines anderen Films bereits rechtlich geschützt und deren Produzenten fuhren daraufhin schweres Geschütz auf. Also musste der Filmverleih (WALTER READE ORGANIZATION) den Titel austauschen. Allerdings vergaß man dabei nun dummer Weise den Urheberrechts-Hinweis, der nach damaligem US-Urheberrecht hätte ersichtlich vorhanden sein müssen, wieder mit einzublenden. Dieser war in der originalen Titelsequenz mit dem ursprünglichen Titel ja noch vorhanden gewesen. Was den Schutz durch das Urheberrecht anbelangt, kann man hier also getrost sagen … dumm gelaufen.

Der 1967 begonnene Film wurde übrigens in Pittsburgh/Pennsylvania gedreht. Die Filmmusik stammte aus einem Archiv von CAPITOL RECORDS und kostete rund 1.500 US-Dollar. Der Dreh des Film selbst hatte übrigens ein Budget von geschätzten 114.000 US-Dollar. Um diese recht knappe Finanzlage nicht zu überreizen, griff Romero bei den Darstellern auf Freunde und Bekannte zurück, die ihm so für den Film, beschränkt auf ihre Freizeit, zur Verfügung standen.

Für die deutsche Fassung, die durch den CS-Verleih 1971 in die Kinos kam, verlangte die FSK einige Schnitte, so das diese Version auf eine Spielzeit von 93 Minuten kam. Eine im US-Fernsehen gezeigte Version brachte es sogar geschnitten auf knappe 90 Minuten. Es gibt aber auch eine nachkolorierte Version von NIGHT OF THE LIVING DEAD, der eine Szene von rund 8 Sekunden fehlt. Diese Kürzung ergab sich jedoch nicht durch eine Vorgabe, sondern diese Szene wurde schlicht vom Hersteller einfach vergessen, dem Film wieder einzufügen. Die frei ab 16 Jahren verfügbare DVD-Version in Deutschland, die ich in meiner Sammlung habe, verfügt dankender Weise über die vollen 96 Minuten im nostalgischen Schwarweiß. Man sieht also, die FSK kann auch mal nett zu uns Filmjunkies sein.

Über die Neuverfilmungen will ich mich hier aus Platzgründen nicht mehr ausschweifend auslassen. Da gab es recht ansprechendes wie NIGHT OF THE LIVING DEAD (Die Rückkehr der Untoten/1990) unter der Regie von Tom Savini, der auch ansonsten gerne mit George A. Romero zusammengearbeitet hatte, oder weniger beachtenswertes wie NIGHT OF THE LIVING DEAD 3D von Jeff Broadstreet (2006). Und was die Fortsetzungen seitens Romero angeht, da hatten ich ja bereits in (Folge 21./Zombie 1.) meiner Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER etwas zum Besten gegeben. Ihr müsst es hier im ZAUBERSPIEGEL eben nur nachlesen. Zum suchen einfach unten auf „Zur Übersicht“ mit der Maus klicken und den entsprechenden Artikel heraus suchen – fertig.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)Meine Filmkritik:
Wie ich oben ja bereits schrieb, waren die wandelnden Leichen oder auch Zombies genannt eher die Trabis unter den Monstern. Der Schrecken funktionierte eher Eingeschränkt auf dem zentralen  Fokus, dass Tote wieder ins Leben geholt wurden. Mit dieser klassischen sowie noch sehr handzahmen Darstellung löst man allerdings keine heiß begehrte Filmwelle aus. Und selbst wenn in George A. Romeros Film NIGHT OF THE LIVING DEAD zuerst nur die erst kürzlich Verstorbenen wieder auf die Menschheit losgelassen wurden, die zudem zwar etwas arg kränklich aber noch nicht wirklich eklig aussahen, setzte diese rundum Erneuerung der Zombies neue Maßstäbe, die dafür sorgen sollten, dass die Leichen nicht nur aus der mäßig erschreckenden Schmuddelecke des Genres heraustreten konnten, sondern heute regelrechte Stars des Horrorgenre sind.

Was den Fan natürlich in Folge höchst erfreute, dürfte den Damen und Herrn der Freiwilligen Selbstkontrolle (wobei die jeweilige Bezeichnung „freiwillig“ oder „Selbstkontrolle“ irgendwie nicht so wirklich passen will) allerdings blutunterlaufene Ränder unter den Augen und Schaum vor dem Mund beschert haben, denn was dann alles in Sachen Zombies in den Kinos folgte, schrie für unsere Tugendwächter geradezu nach immensen Filmverstümmelungen und Beschlagnahmungen. Die Frage allerdings, ob der Film NIGHT OF THE LIVING DEAD heute in eine klassische Filmsammlung gehört, kann ich hier nur mit einem klaren Ja beantworten. Denn was als Freizeitprojekt seitens George A. Romero begann, ist selbst noch heute als ein Meilenstein des Horrorgenre zu betrachten, der zudem auch heute nichts von seiner Spannung und Faszination verloren hat.

Ausblick:
Phantastisches gibt's ja nicht nur in düsteren Schlössern, unheimlichen Häusern oder irgendwo weit, weit draußen von den Sternen.

Ich sage es mal so. Wir bewegen uns in Folge 49 mal wieder auf völlig anderen Pfaden, auch wenn wir auf der Erde bleiben. Eigentlich sogar da, wo uns jeder Globus entgegen schreit, dass  die Gegend dort gerne auch mal als Orient bezeichnet wird.

Wir bewegen uns dabei in eine Zeit zurück, in der das Erdöl dieser Region für die (damals nicht vorhandene) USA noch nicht von Interesse war, die Mädels statt Kopftücher noch Gesichtsschleier trugen und sexy die Hüften schwangen und Allah der Mächtige noch nicht Massen an Psychopathen um sich vereinigte, um unter einem religiösen Vorwand ganze Dörfer und Städte nieder zu metzeln.

Damals war die Welt im Orient jedenfalls noch in Ordnung. Halbwegs zumindest, wenn man von einigen Monstern und fiesen Zauberern absah.

Nun liebe Leser, packt also schon mal Badetücher ein, denn es geht neben einer kurzen Stadtbesichtigung ans Meer samt lustiger Bootstour zu einer Insel. Das Abendprogramm wird von einem Schwert schwingenden steinernen Götzen absolviert und fürs Auge sorgt die damals heißeste weibliche Versuchung mancher phantastischer Kinofilme, die Abseits des Genre auch mal James Bond Feuer unter dem britischen Hintern machen durfte, für hübsche Einblicke.

Und am Ende unserer Tour kriegt ihr alle ein Krönchen auf den Kopf und alles wird wieder gut.

Ich hoffe, ich habe wieder nicht zu viel verraten, um welchen Film es das nächste Mal geht. Drum lasse ich alle weiteren Anspielungen mal bleiben und überlasse euch, dass Rätsel bis zum nächsten Samstag selbst zu lösen.

Ansonsten werde nun ich (in die Küche) kommen und etwas holen. Nein, nicht Barbara, sondern den Elektrogrill, denn der Artikel grade machte mir unheimlich Appetit auf etwas fleischiges. Und Nein, ihr müsst jetzt nicht bei mir vorbei kommen, schließlich macht nur alleine essen formschön rund.

Die Nacht der lebenden Toten (Night of the Living Dead)
Die Nacht der lebenden Toten
(Night of the Living Dead)
mit Judith O'Dea, Duane Jones, Russell Streiner, Karl Hardman, Marilyn Eastman, Bill Cardille, Keith Wayne, Judith Ridley, Kyra Schon, Bill Hinzman, Paula Richards, Rudy Ricci, A.C. McDonald u.a.
Regie: George A. Romero
Drehbuch: George A. Romero, John A. Russo
Genre: Horror (Filmreihe: Living Dead)
Laufzeit: 96 Minuten
Bonusmaterial: Trailer, Making-of sowie die Dokumentation „Fan of the Dead“
DVD/FSK: 16 Jahre
Vertrieb: Splendid Film
USA 1968

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-06-04 12:50
Tja, das ist immer noch ein gelungener Film. Ich frage mich, ob der gute George da eigentlich ahnte, was er da für ein Thema in den Fingern hatte und dass es ihn ein Leben lang verfolgen sollte. Wie ein Zombie :-)

Ich weiß noch, dass mich bei der ersten Sichtung das Ende ziemlich beeindruckt hat. Die Redneck-Jäger-Milizen sind ja ziemlich gruselig, und die erschießt den schwarzen Helden. Da steckt schon viel drin in dem eigentlich recht kleinen Filmchen.

Netter Film, den du da ausgesucht hast. Der hat schon neben der Schönheit eine tolle Besetzung. Den Wuschelkopf habe ich damals gar nicht erkannt, dabei war er doch so populär als harter Bulle. Und den guten Doktor natürlich auch nicht.
#2 Thomas Mühlbauer 2016-06-04 15:34
Was den Ausblick betrifft, gibt es für mich eine einfache Gleichung. Orient = Sindbad.
#3 Friedhelm 2016-06-04 17:37
Und da simmer widder mal..

"Die Nacht..." gehört immer noch zu den besten Streifen, die Romero überhaupt gemacht hat.
Auf die spätere Nachcolorierung hätte man auch durchaus verzichten können, weil hier gerade durch den Verzicht auf Farbe ( wohl aus monetären Gründen) die nötige Atmo geschaffen wurde. Farbe gereicht diesem Film also nicht unbedingt zum Vorteil..

Zum Ausblick: Da hat der Mühlbauer recht. Und die weibliche Hauptdarstellern hat ja auch schon beim berüchtigten "Dr, Phibes/aka Vincent Price" im Sarg gelegen...
#4 Andreas Decker 2016-06-04 17:47
zitiere Friedhelm:


Zum Ausblick: Da hat der Mühlbauer recht. Und die weibliche Hauptdarstellern hat ja auch schon beim berüchtigten "Dr, Phibes/aka Vincent Price" im Sarg gelegen...


Stimmt. Das ist auch so eine Rolle, in der man sie nicht wirklich erkennt. :-) Das sind zwei großartige Filme, von denen der Erste hier eigentlich nicht fehlen dürfte. Wenn Vulnavia auf dem Weg zum nächsten Mord an der Plastikband vorbeitänzelt ... Herrlich!
#5 Laurin 2016-06-04 22:42
Ja, da hat der Romero damals schon ein feines Filmchen abgeliefert. Und es stimmt schon, Friedhelm, die Nachkolorierung hätten sie sich locker sparen können. Aber da gab es ja eine Zeit, da meinten sie ja, sie müssten selbst Dick und Doof bunt machen. Einfach unsinnig.

Was den guten Dr. Phibes angeht, da magst du schon recht haben, Andreas Decker. Nur wird der hier von mir persönlich keine Würdigung erfahren, da ich weder diesen Film noch die Fortsetzung habe. Beide hatte ich ja mal gesehen (waren glaube ich mal im Fernsehen) und konnte weder diesem noch der Fortsetzung genug abgewinnen, um ihn mir zuzulegen. Sorry, aber Dr. Phibes ist nun wirklich nicht mein Fall. :oops:

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