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Ein phantastischer Filmklassiker - Das Spiel mit der Zeit ohne Nebenwirkungen

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 26
Das Spiel mit der Zeit ohne Nebenwirkungen

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Dabei folgt auch die Zeit nicht immer ihren bekannten Regeln.


Die Zeitmaschine (The Time Machine)Die Zeitmaschine (The Time Machine)
Die Zeit läuft immer gleich ab, jedenfalls für uns. So sehen wir sie eigentlich nur als eine Einbahnstraße, an der wir manchmal doch gerne rütteln würden. Man bedenke, manchmal kommt es uns vor, als wäre es Gestern erst gewesen, als wir noch die Windel voll gemacht haben und schon stehen wir mitten im Arbeitsleben und bis zur Rente wird die Zeit immer länger (was aber eher am Gesetzgeber liegt und weniger an unserem Zeitgefühl).

Nun gibt es allerdings Wissenschaftler, die eher bestreiten würden, dass die Zeit eine reine Einbahnstraße ist, die man nicht verlassen könne. Für sie besteht die eigentliche Frage nicht darin, ob es möglich ist, in der Zeit vor oder zurück reisen zu können, sondern eher darin, wie man sich den bisherigen Gesetzmäßigkeiten der Zeit entziehen könnte.

Dass die Zeit keinem starren Ablauf folgt, mag man schon an einem Beispiel verfolgen können, dass bereits Albert Einstein als erwiesen betrachtete. Denn wenn der Mensch in der Lage wäre, mit Lichtgeschwindigkeit durch den Weltraum zu reisen, so würde es schon zu einer gewissen Disharmonie in Sachen Zeit kommen. Der Ablauf der Zeit in diesem Raumschiff würde nämlich dann nicht mehr im Gleichklang mit dem Ablauf der Zeit auf der Erde verlaufen. Warum? Fragt mich nicht, ich bin kein Wissenschaftler und auch kein Einstein.

Oder nehmen wir einmal den Warp-Antrieb von STAR TREK. In einer astronomischen Wissenschaftszeitung hatte ich mal darüber einen interessanten Artikel gelesen, in der man diese Art von Reisen durchaus für Möglich hält. Das eine Problem sahen die Fachleute allerdings in der enormen Menge an Energie und wo man diese herbekommen solle und das andere Problem bestand schlicht darin, dass es wohl noch verdammt lange dauern würde, bis die dafür benötigte Technik erfunden sein könnte. Die Wahrscheinlichkeit das der Mensch eher von der Bühne verschwindet, dürfte bei seinem Verhalten sogar weitaus höher liegen. Das Prinzip jedoch wurde hier als eine Art Warp-Blase beschrieben, die es ermöglichen könnte, gewaltige Entfernungen im Weltraum quasi in Null-Zeit zu überbrücken. Das ganze erklärten sie dann recht interessant an der Form von der Faltung des Raumes. Gut, ich will nun nicht behaupten, dass ich da alles verstanden hätte, aber faszinierend war dieser mehrseitige Artikel schon, auch wenn ich es gerade mal hin bekomme, meine Wäsche zu falten.

SzenenfotoAber kann man auch in der Zeit zurück reisen? Laut einigen Wissenschaftlern ja, weil sich die Zeit schlicht in zwei Richtungen bewege. Anhand einer Wissenschaftsdokumentation vor noch nicht so langer Zeit (ich glaube, es war ein Themenabend auf ZDF INFO), sah ich einen Bericht über Teilchen die kleiner sind als das Atom und die irgendwie nicht viel mit den Regeln der Zeit am Hut haben. Das ganze kratzte dann auch eine Folgedokumentation an, in der es dann auch um die Theorie eines Multiversums ging (also vielen Universen neben dem unseren). Da gab es dann unter Umständen nicht nur ein vor und zurück in der Zeit, sondern wohl auch jede Menge Abzweigungen eben in andere Paralleluniversen. Es würde aber hier den Rahmen sprengen, diese hintereinander aufbauenden Dokumentationen jetzt hier aufbröseln zu wollen und die Querverbindungen nochmals aufzuzeigen, zumal ich da auch nur ein interessierter Laie und kein Fachmann bin.

Wir könnten hier daher auch über mögliche Zeitparadoxen diskutieren und ob es überhaupt zu einem kommen würde, wenn man in der Zeit zurückreisend z.B. auf sich selber (nur halt jünger) trifft. Denn so weit habe ich Querverbindungen in den Dokus verstanden, dass es in einem solchen Fall eventuell nicht zu gravierenden Veränderungen in der eigenen Zeitlinie kommen muss, weil man eventuell hier Veränderungen in einem anderen, parallelen Universum vornimmt - man eventuell also nicht nur in der Zeit einfach nur rückwärts reist, sondern auch andere Grenzen überschreitet (warum, wieso usw., fragt nicht mich, fragt die Wissenschaftler aus der Sendung).

Ja, das ist alles etwas verwirrend, hatte aber mit den Teilchen zu tun, für die die Zeit nicht zu existieren scheint und die auch theoretisch irgendwie mit bestehenden parallelen Universen zu tun haben könnten. Mir schwirrte da auch der Kopf etwas und das lag bestimmt nicht an den zwei gläsern Eierlikör, die ich mir da gegönnt hatte. Fragt also bitte jetzt nicht hierzu genauer nach, denn ich kann das hier auch nur noch extrem Grob wiedergeben, auch wenn das ganze wirklich hoch interessant war. Aber schon die Menge Theorien waren dabei schon ein ordentliches Brett an Informationen.

Doch mit dem vorliegenden Film hat dies nicht wirklich etwas zu tun, im Gegensatz zu dessen Remake aus dem Jahre 2002 von Simon Wells, der auch ein direkter Nachfahre des Autors H. G. Wells ist, der den Romans DIE ZEITMASCHINE 1895 schrieb. Denn im Film DIE ZEITMASCHINE von 1960 geht es gleich ab in die Zukunft, während im Remake erst einmal versucht wird, die Vergangenheit zu ändern, was aber irgendwie nicht gelingen will.

Die ZeitmaschineViktorianischer Flair, perfekte Tricktechnik und vereinfachte Story:
Am Sylvesterabend des Jahres 1899 hat der Wissenschaftler George seine Freunde zum Essen eingeladen. Nur George selbst kommt etwas zu spät. Dies hindert ihn jedoch nicht daran, seinen Freunden zu verkünden, dass es ihm gelungen sei, eine Zeitmaschine zu bauen. Als er damit jedoch auf den Unglauben seiner Freunde stößt, demonstriert er ihnen seine bahnbrechende Erfindung anhand einer perfekten Miniaturausgabe seiner Erfindung. Zuerst glaubt man an einen gelungenen Zaubertrick und das George sie auf den Arm nehmen wolle. Doch bald stellt man ihm auch die Frage, welchen praktischen Nutzen eine solche Maschine haben solle und er möge doch bitte wenn, dann schon etwas praktisches fürs Militär erfinden. Nur sein Freund Filby ahnt, dass mehr hinter dem steckt, was George ihnen erzählt. Auch er kann keinen Sinn in dieser Erfindung sehen und er ist sich auch nicht sicher, ob er Georges Aussagen Glauben schenken soll, doch warnt er ihn vorsorglich davor, in den Zeitablauf einzugreifen und bittet ihn darum, dass Haus in dieser Nacht nicht mehr zu verlassen. Doch wirklich verlassen muss George das Haus nicht einmal, weswegen er Filby dieses auch gerne verspricht.

Doch kaum hat auch Filby George verlassen, eilt dieser zurück in sein Laboratorium und besteigt sofort das Original der Zeitmaschine um sich auf die Reise in die Zukunft zu begeben.

Er ist fasziniert vom zeitlichen Wandel, den er anhand einer Schaufensterpuppe gegenüber seines Hauses in einem Ladenfenster mitverfolgen kann. Doch dann zwingt ihn etwas ungewöhnliches, die Zeitreise zu unterbrechen und muss im Jahre 1917 feststellen, dass die Menschen einen Weltkrieg führen. Nun eilt er weiter in der Zeit und stoppt erneut im Jahre 1940, wo dieser Weltkrieg scheinbar immer noch zu toben scheint. Erst von Filbys Sohn erfährt er, dass dies bereits ein neuer Weltkrieg und sein Vater bereits 1916 im letzten Krieg verstorben ist. Mit Unverständnis reagiert George auf die Barbarei des Krieges und setzt seine Reise erneut fort, nur um kurz darauf wieder überrascht durch einen äußeren Einfluss zu stoppen. Nun schreibt man bereits das Jahr 1966, Filbys Sohn ist bereits ein alter Mann und beim Heimatschutz. George erlebt nun mit, dass die Menschheit nach zwei Weltkriegen nichts gelernt hat und nun zum ultimativen Atomkrieg übergegangen ist. Um selbst in diesem Grauen nicht zu sterben, startet er seine Zeitmaschine und erhöht die Geschwindigkeit der Zeitreise nun enorm.

Die Zeit rast förmlich an ihm vorbei und alles scheint vor ihm zu Staub zu verfallen. Er selbst findet sich mit seiner Zeitmaschine plötzlich in einer Art Berg wieder (durch die Lava nach dem Atombombeneinschlag), der nur über die Jahrtausende durch Wind und Wettereinflüsse langsam wieder abgetragen wird.

Wieder stoppt er seine Reise, während die Zeitmaschine das Jahr 802.701 anzeigt. Vor ihm liegt eine paradiesische Welt voller Pflanzen die gleichsam gewaltige Früchte tragen. Doch George glaubt fasst nicht mehr daran, dass es auf der Erde nun noch Menschen gibt, bis er in der nähe eines reißenden Flusses doch noch Stimmen hört und auf jede Menge junger, aber irgendwie teilnahmsloser Menschen trifft, die es nicht einmal zu kümmern scheint, dass eines der Mädchen gerade zu ertrinken droht. George greift ein und rettet das Mädchen, dass sich als Weena vorstellt und selbst nicht begreifen kann, warum er sich in Gefahr gebracht hat, nur um ihr Leben zu retten.

In der eher verfallen wirkenden letzten größeren Behausung, in die die jungen Menschen gehen um von den Früchten zu essen, versucht George ein Gespräch mit ihnen zu beginnen. Doch auch hier stößt er nur auf Desinteresse und völlige Unverständnis über seinen Wissensdrang. Doch dann lässt sich einer breitschlagen, ihm die Bibliothek zu zeigen. Doch Georges Freude währt nur kurz, denn die Bücher sind uralt und zerfallen bei Berührung direkt zu Staub. Erschüttert muss er feststellen, dass das gesamte Wissen der Menschheit und deren Wissenschaft in der Zukunft für immer verloren sind. Dafür zeigt man ihm die sprechenden Ringe, die George über die letzten Begebenheiten nach dem katastrophalen Atomkrieg und einer bakteriellen Verseuchung informieren.

Er erfährt, das es sich bei den jungen Menschen um das Volk der Eloi handelt, die an der Oberfläche geblieben sind und überleben konnten, während die anderen Menschen nicht mehr aus ihren Bunkern zurück gekommen sind.

Völlig enttäuscht will George seine Zeitmaschine besteigen und in seine Zeit zurückkehren, doch die wurde in ein Sphinxartiges Gebäude gezogen, in die es scheinbar keine Möglichkeit gibt, von außen einzudringen. Hier leben die Überlebenden der Bunkermenschen, die man nun die Morlocks nennt.

George beschließt, die Nacht vor diesem Monument zu verbringen, bis das er einen Weg gefunden hat, an seine Zeitmaschine zu gelangen. Weena indessen nähert sich ihrem Lebensretter, scheint aber Angst vor der Dunkelheit zu haben wie ein kleines Kind. George findet ihre Reaktion eher lächerlich, bis das sie plötzlich von einigen Morlocks angegriffen werden.

Damit nicht genug, erlebt George am nächsten Tag noch mehr Unglaubliches. Plötzlich fahren Sirenen aus dem Sphinxartigem Gebäude und es ertönt ein Heulen wie bei einem Fliegeralarm, der die Eloi wie unter Trance anzieht. Auch Weena ist unter denen, die plötzlich in diesem Gebäude verschwinden, bevor sich die schweren Tore wieder schließen und die Sirenen wieder ihre gespenstische Tätigkeit einstellen. Die Eloi nennen es „Entwarnung“ und kümmern sich nicht weiter um die, die im Gebäude verschwunden sind.

Mit Unverständnis aber auch einer gewissen Neugierde reagieren die Eloi aber auf die barsche Reaktion von George, der einfach nicht versteht was hier abgeht und welches Schicksal den verschwundenen Eloi droht. Dann zeigt man ihm jedoch die überirdischen Öffnungen der Luftschächte, aus denen vernehmlich Maschinengeräusche nach oben dringen.

SzenenfotoGeorge beschließt hinab zu steigen um Weena und die anderen zu suchen. Doch dort angekommen stößt er auf ein grausames Geheimnis der menschlichen Zukunft. Die zu abscheulichen Kreaturen veränderten ehemaligen Bunkermenschen, die Morlocks, halten die Eloi an der Oberfläche faktisch wie Schlachtvieh und locken sie mit den Sirenen an, um sie zu verspeisen. Nun ahnt George erst, warum es unter den Eloi nur junge Menschen gibt. Es kommt zum Kampf zwischen George und den Morlocks, während die Eloi Verängstigt reagieren. Doch bald unterstützen sie ihn, als George bemerkt, dass das Licht von Feuer wiederum die Morlocks zeitweise fasst blind macht und diese Ängstigt.

Als es George endlich gelingt, mit Weena und den anderen Eloi über einen Luftschacht nach oben zu entkommen, streifen auch die anderen Eloi nun Neugierig gewordenen, ihre Lethargie ab. Gemeinsam sammelt man trockenes Holz und schmeißt es in die Luftschächte, worauf das von George gelegte Feuer sich schnell ausbreitet, bis das die unterirdischen Maschinenanlagen der Morlocks explodieren.

Am nächsten Tag gelingt es George, wieder an seine Zeitmaschine zu kommen, doch es ist eine Falle der Morlocks, die plötzlich die Tore wieder schließen und ihn angreifen. George gelingt es jedoch, die Zeitmaschine wieder in Gang zu setzen und erst einmal weiter in die Zukunft rast, bis das er dies bemerkt und nunmehr daran geht, in seine Zeit zurück zu reisen.

Wieder in seiner Zeit angekommen, erzählt George seinen Freunden von seinen Erlebnissen. Doch sie schenken ihm weiterhin keinen Glauben und halten ihn schon für verrückt. George zeigt Filby daraufhin eine Blume, die er versehentlich mitgenommen hatte. Da Filby beim besten Willen als Botaniker diese Blume nicht identifizieren kann, eilt er nochmals ins Haus von George zurück. Doch alles was er und Georges Haushälterin noch vorfinden sind die Schleifspuren der Zeitmaschine und der Umstand, dass drei Bücher aus Georges Bibliothek fehlen. Man weiß zwar nicht, um welche Bücher es sich handelt, doch Filby ist überzeugt, dass George zu Weena in die Zukunft zurückgekehrt ist und nun versucht, mit den Eloi eine neue und bessere Zivilisation aufzubauen.

SzenenfotoVon Wünschen, einer minderjährigen Schönheit, dem Remake und den Gastauftritten der Zeitmaschine:
Nun gibt es in diesem Film auch eine eher hintergründige Kritik am Krieg und dem scheinbaren Unvermögen der Menschen, ihre Konflikte friedlich beizulegen. Doch diese Kritik bleibt eigentlich ohne positive Gegenargumentationen auf der Stelle stehen und wirkt damit etwas Hilflos. Eben so Hilflos, wie ein einzelner Mensch sich eben fühlt, wenn er hilflos miterleben muss, wie der gewaltige politische Apparat seine politischen Ansprüche mit einem massenhaften Blutvergießen zu untermauern beginnt. Dies jetzt als eine im Film integrierte gesellschaftspolitische Warnung zu betrachten, wäre also viel zu hoch gegriffen, denn die Kritik am Krieg selbst ist hier eher Mittel zum Zweck, um einen gewissen logischen Handlungsablauf zu gewährleisten. Auch hier geht das Remake (wie an vielen anderen Punkten auch) von 2002 einen völlig anderen Weg. Die Bedrohung ist hier eine andere, eher der menschlichen Habgier geschuldet, indem man den Mond faktisch zerstört, obwohl Warnungen wegen des Raubbaus wohl reichlich vorlagen. Zumindest weiß man hier sehr genau, warum der Mond förmlich auseinander bricht, als die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Auch dieser Teil ist seiner Zeit geschuldet, denn der kalte Krieg war 2002 kein Thema mehr und schien faktisch beendet (obwohl er, wie wir leider seit 2015 feststellen müssen, nur eine Pause gemacht zu haben scheint). Raubbau an den Rohstoffen der Erde und ein gewisses blindes Zukunftsvertrauen lassen im Remake des Films eben andere Töne anschlagen.

Doch das Modell der Zeitmaschine aus dem Film von 1960 war in den folgenden Jahren nicht untätig. Eine kleinere Version der Zeitmaschine kam in der Horrorkomödie GREMLINS – KLEINE MONSTER aus dem Jahre 1984 kurz zur Geltung, mit der ein Gremlin wohl in einer Szene eine Zeitreise antritt. Ein Modell dieser Zeitmaschine in Originalgröße durfte dann auch in einer Episode der US-Sitcome THE BIG BANG THEORIY nicht fehlen. Zwar konnte man mit ihr nicht in der Zeit reisen, dafür war sie allerdings mitverantwortlich für die Albträume von Sheldon Cooper, in denen er sich von Morlocks verfolgt sieht.

Die Rolle von George sollte übrigens zuerst Paul Scofield übernehmen, doch dieser Wunsch von George Pal ging nicht in Erfüllung und stattdessen kam nun Rod Taylor (DIE VÖGEL) zum Zuge. Doch irgendwie waren den „Wünschen“ im allgemeinen bei dem Film keine guten Zeiten beschienen, denn Rod Taylor wiederum wünschte sich als Weena die Schauspielerin Shirley Knight, was ebenfalls nicht in Erfüllung ging. Ob man ab da von weiteren Wünschen Abstand nahm, kann ich allerdings nicht wirklich sagen. Was die Rolle der Weena betraf, hatte hier die noch minderjährige Yvette Mimieux ihr Näschen vorne. Sie feierte erst während der Filmproduktion ihren 18. Geburtstag und hatte eigentlich überhaupt keine Erfahrung, was die Schauspielerei betraf. Doch Yvettes Pluspunkt lag darin, dass sie neben der Tatsache, dass sie verdammt hübsch war, auch recht flott dazu lernte, so das man bald nur noch einige wenige Eingangsszenen nachdrehen musste. Ein Blickfang ist sie im Film jedenfalls allemal. Der einzige Schauspieler, der bereits 1960 und danach im Jahre 2002 auch im Remake wieder einen Auftritt absolvierte, war Alan Young.

George Pal indessen hatte nach dem Film von 1960 über längere Zeit geplant, eine Fortsetzung des Films, DIE ZEITMASCHINE zu drehen. Doch die eingereichten Drehbücher vielen bei ihm geschlossen in Ungnade, so das sich auch dieser Wunsch letztendlich zerschlagen hatte. Natürlich gibt es noch viele andere Vorkommnisse, Begebenheiten und nette Ideen um den Film, wie z.B. das auf der Zeitmaschine selbst steht „Manufactured bei H.G. Wells“, oder das der Film 1961 einen Oscar für die Spezialeffekte erhielt.

Fakt ist aber auch, dass der Film für die Kritiker selbst schon damals etwas naiv wirkte und eher eine Art Light-Version des eigentlichen Romans von H.G. Wells darstellte. Dies führte jedoch kaum zu Negativkritiken, denn das, was man dann präsentiert bekam, wurde trotzdem mit sehr viel Wohlwollen und einiger Begeisterung seitens der Kritiker bedacht, weil der Film, so wie er war, einfach Spaß machte (was er auch heute noch tut).

Die Zeitmaschine (The Time Machine)Das Remake von 2002 hingegen wird zwar gerne schon mal im Fernsehen durchgenudelt, doch wirklich nachhaltig hängen geblieben scheint davon nichts zu sein. Dabei ist er nicht einmal soooo schlecht gemacht, kann aber irgendwie nie mit der Version von 1960 wirklich mithalten. Mir liegen als DVD beide Versionen vor (das Remake war ein Geschenk) und selbst ich habe die Version von 1960 nun schon mehrmals gesehen, während das Remake irgendwie in einer Ecke leicht angestaubt darum bettelt, einmal wieder hervorgezogen zu werden. Ich kann es daher drehen und wenden wie ich will, aber hätte es das Remake von 2002 nicht gegeben, ich würde es auch irgendwie nicht vermissen.

Mein Filmkritik:
Ehrlich gesagt, ich kenne den Roman von H.G. Wells nicht und kann daher zur literarischen Vorlage keine Vergleiche ziehen. Der Film, DIE ZEITMASCHINE von 1960 finde ich jedoch unerreicht (im Hinblick zum Remake von 2002). Rod Taylor spielt routiniert und glaubwürdig, die farbenfrohe Darstellung fasziniert eigentlich immer wieder und die kleine Weena ist immer einen Hingucker wert. In Sachen Science Fiction ist dieser Film daher ein kleines Juwel in jeder Sammlung phantastischer Filmklassiker.

Was mir jedoch besonders gefiel war der Fakt, dass man hier gleich in die Zukunft ging und nicht irgendwelche Problemfakten in der weiteren oder näheren Vergangenheit mit eingebaut hatte, mit denen ja gerne manche in ihren Zeitreisefilmen zu punkten versuchen, aber dabei extrem vorhersehbar in der Handlung werden (eben das ausgelutschte Thema des Zeitparadoxon). Wer davon nicht genug bekommen kann, der sieht sich am besten den ersten Film der ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT Reihe an, da kriegt man dieses Paradoxon zum erbrechen geliefert. Für mich ist der Film DIE ZEITMASCHINE aus dem Jahre 1960 daher lockere fünf von fünf Sterne wert.

Ausblick:
Vor kurzem hatten wir ja KING KONG hier behandelt. Warum also nicht nochmal in die Gigantomanie abschweifen. Da werden gleich Laster von dem Monster nach etwas essbarem geplündert und wie Dosen weggeschmissen und irgendwie will niemand dieses Monster wirklich bei sich haben. Zumindest sieht kuschelige Freundlichkeit anders aus. Ich will hier aber nicht verhehlen, dass der nächste Klassiker eigentlich sogar eine Fortsetzung ist, wobei eben diese Fortsetzung wohl bekannter sein dürfte in Deutschland (sofern sie überhaupt noch jemand kennt, denn gezeigt wurde dieser Film schon ewig nicht mehr).

Und als kleiner Tipp von mir hinzu gesetzt: Am Ende wechselt der Film bewusst auch kurz vom Schwarzweißfilm auf Farbfilm. Na, welches Monster werden wir nächstes Wochenende begrüßen können?

Gut, KING KONG hat mehr Menschen während der Handlung platt gemacht, aber immerhin war die böse Radioaktivität wieder für den Riesenwuchs verantwortlich.

Na, nun eine Idee, um welchen Filmklassiker es sich handelt? Von mir jedenfalls erfahrt ihr nicht noch mehr, denn eigentlich habe ich euch schon wieder zu viele Tipps gegeben.
Die Zeitmaschine (The Time Machine)
Die Zeitmaschine
(The Time Machine)
mit Rod Taylor, Yvette Mimieux, Alan Young, Sebastian Cabot, Whit Bissell, Tom Hemore, Doris Lloyd u.a.
Regie: George Pal
Drehbuch: David Duncan
Produktion: George Pal im Auftrag der MGM
Genre: Science Fiction
Laufzeit: 99 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Warner Home Video Germany
USA 1960


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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2016-01-23 14:08
Naiv ist der Streifen schon. Und er hat Wells Konzept geschönigt oder sagen wir, er hat Dinge zum Wohl der Story und des Zeitgeistes weniger betont. Wells ist doch sehr holzhammermäßig mit seinen Morlocks und Eloi. Seine Idee war es, dass die Morlocks die Nachkommen der buchstäblich im Untergrund lebenden Arbeiterklasse sind, die die degenerierte Oberklasse als Zuchtvieh hält. Im Buch sind die Eloi zurückentwickelt, kindgroß mit einem geringem IQ. Da gab es keine hübsche Weena. Kein Wunder, dass Pal das geändert hat.

Soo unpolitisch finde ich seine Antikriegsbotschaft nicht. Sicher weniger plakativ als in den Affenfilmen, aber doch überraschend nihilistisch für einen Film aus der Zeit. Zumindest streckenweise. Du hast recht, dass er keine Gegenargumentation bietet und hilflos wirkt, aber das ist schon realistisch, und am Ende knickt er ja auch ein. Der Reisende reist zurück zu Weena und startet eine neue Zivilisation. Yay! Der gute alte amerikanische Pioniergeist. Das Buch ist da wesentlich düsterer. Dort reist der Mann bis zum Ende der Erde, als die Sonne sie verschlingt. Was für eine Botschaft. Vor allem, wenn man bedenkt, dass sie von 1895 stammt.

Das Remake ist grauenhaft. Da wird mit der Brechstange versucht, daraus eine Zeitreise-SF zu machen, die weniger Sinn ergibt als jede beliebige Star Trek-Folge mit dem Thema - was schon eine Leistung ist -, und die Motivation ist melodramatischer Kitsch. Wenigstens gibt es am Ende eine hübsche Explosion und einen hirnrissigen Bösewicht, weil beides in keinem Hollywood-A-film fehlen darf. :o

Es gibt ja diverse literarische Fortsetzungen der Gesichte. Wirklich interessant ist die von Stephen Baxter. Zeitschiffe ist ein lesenswerter SF-Roman.
#2 Mainstream 2016-01-23 22:17
-
Danke für diesen, wieder einmal sehr unterhaltenden Artikel.

Nur der Ausblick ist dieses Mal wieder eine sehr harte Nuss. Ich wollte schon jubeln, weil ich an ZWEIKAMPF DER GIGANTEN gedacht hatte, aber der ist ja komplett in Farbe gedreht. Echt harte Nuss, ich bleibe dran, und bin gespannt.
#3 Friedhelm 2016-01-24 01:06
George Pal wollte in den Siebzigern eine Fortsetzung mit dem Titel "Return of the Time Machine" drehen - aber aus unerfindlichen Gründen ist es nie dazu gekommen.

In besagter Fortsetzung sollte der gealterte George mit der Zeitmaschine wieder im Jahre 1899 auftauchen. Weena hätte er mitgebracht, um mit ihr in seiner Zeit leben zu können. Am Ende wäre es irgendwie recht tragisch geworden...
Rod Taylor und Yvette Mimieux waren dafür auch wieder eingeplant.

Was den Ausblick betrifft: Im Original sorgt -mal wieder- eine Plutoniumbombe für "Wachstumsprobleme". Dieser Streifen und die von dir angedeutete Fortsetzung wurden von B-Movie-Director Bert I. Gordon inszeniert..
#4 Laurin 2016-01-24 13:06
Mir ist leider nur bekannt, dass George Pal, wie oben geschrieben, mit den vorgelegten Drehbüchern nicht wirklich warm wurde, Friedhelm. In der von dir beschriebenen Idee wäre es auch etwas blöde geworden, wenn Taylor/Mimieux nicht mehr mitgespielt hätten.

Was deine Antwort zum nächsten Filmklassiker angeht ... Hochachtung, ich hatte schon gedacht, ich hätte es dieses mal zu schwer gemacht. ;-)
#5 Estrangain 2016-01-24 17:49
Eine Art Mini-Fortsetzung wurde tatsächlich gedreht. George reist wieder zrück und trifft seinen alten Freund Filby. Das Ganze dauert nur wenige Minuten und ist als Extra auf der DVD ;)
#6 Mainstream 2016-01-24 18:52
-
Wollte bewusst noch einmal das Remake ansehen,
und habe dann nebenher vor lauter Langeweile
meine komplette Wohnung geputzt. Hat eben auch
seine Vorteile.

#Ausblick: Woher die Annahme, dass die Fortsetzung
bekannter sein dürfte. Das verwirrt mich.
#7 Friedhelm 2016-01-24 19:17
Was das Remake betrifft, da hat mich, unter anderem, Jeremy Irons als "Ober-Morlock" gestört.
Die Idee, seine "Liebste" durch eine Zeitreise zu retten war irgendwie auch nicht neu - aber trotzdem fand ich die ganze Tragik, die darin lag nicht schlecht - auch, wenn mich der Film ansonsten kaum fesseln konnte.

Zitat:
#Ausblick: Woher die Annahme, dass die Fortsetzung bekannter sein dürfte. Das verwirrt mich.
Liegt vielleicht mit daran, dass eben die Fortsetzung vor einigen Jahren auch schon im Free-TV lief. Und ich glaube, da gab es dann sogar einen Alternativtitel...

Zitat:
Was deine Antwort zum nächsten Filmklassiker angeht ... Hochachtung, ich hatte schon gedacht, ich hätte es dieses mal zu schwer gemacht.
Die Raterei bringt tatsächlich Laune - da kann man sein Wissen als Filmfan schon abfragen.
#8 Mainstream 2016-01-24 19:25
-
Tatsächlich kannte ich vom Ausblick nur den ersten
Teil. Aber selbst als Trash-Fan konnte er mich nicht
dazu bringen, den zweiten zu schauen.
#9 Des Romero 2016-01-25 10:41
Ich erinnere mich an einen Tag Anfang der 1970er, als "Die Zeitmaschine" ausgestrahlt werden sollte.
Zwei Wochen lang habe ich mich darauf gefreut. Dann wurde der Film zugunsten einer Live-Sportübertragung auf einen unbekannten Termin verschoben.
WEGEN EINER SPORTSENDUNG!!!
Ums anders zu formulieren: Die Programmverantwortlichen haben auch früher schon fragwürdige Entscheidungen getroffen :-)
#10 Friedhelm 2016-01-25 14:21
Zitat:
ch erinnere mich an einen Tag Anfang der 1970er, als "Die Zeitmaschine" ausgestrahlt werden sollte.
Daran kann ich mich irgendwie auch erinnern. Mir ist nur der Tag entfallen - irgenwas zwischen Freitag und Sonntag - meine ich...
Ich glaube, Sendetermin war so um 15 Uhr angedacht.

Ich war total gespannt auf den Film - und zwischendurch bin ich dann immer mal "spazieren gegangen" - in der Hoffnung, dass der Film doch noch gezeigt wird.

Irgendwann lief er dann tatsächlich an einem Freitag nachmittag---
#11 Mainstream 2016-01-25 22:57
-
Hört euch mal Russell Garcias Main-Theme an,
www.youtube.com/watch?v=Sr-YTGcjeyY
Das sollte kein Action betonder Science Fiction
Film werden. Ich finde, die Musik drückt aus, worum
es im Kern der Geschichte geht.
Wundervolle Töne, hat mich schon immer angesprochen.
#12 Toni 2016-01-26 15:15
Ja, schöne Musik (wenn man drauf steht)...

Da gab es 86 noch so ein Album von Michael Chambosse and Friends. Einige der wenigen Platten die ich nie richtig einordnen konnte, aber irgendwie Kacke waren. Sollte Spuren von Krautrock enthalten, ich suche sie noch heute.
#13 Laurin 2016-01-26 19:36
@ Des Romero,
Das kenne ich, ging mir und meiner Mutter damals so mit dem Film "Tanz der Vampire".

Zitat Mainstream:
#Ausblick: Woher die Annahme, dass die Fortsetzung
bekannter sein dürfte. Das verwirrt mich.

Nun ja, bis vor kurzem wusste z.B. selbst ich nicht mal, dass es da vorher schon einen Film gab. ;-) Und selbst mit dem hier konnten nur recht wenige etwas anfangen. Kommt wohl auch daher, dass der Film kaum wirklich registriert wurde (der erste), während der zweite (schon wegen dem entstellen Aussehen des Giganten) eher hängen geblieben ist im Gedächtnis.

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