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Ein phantastischer Filmklassiker - Bela Lugosi und seine Paraderolle als Graf Dracula

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 19
Bela Lugosi und seine Paraderolle als Graf Dracula

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Folglich darf eigentlich die erste offizielle Verfilmung Draculas nicht fehlen.


Dracula (Dracula)Dracula (Dracula)
In dieser Reihe haben wir uns ja bereits der eigentlich inoffiziellen Dracula-Verfilmung NOSFERATU angenommen. Das hatte natürlich einige gewaltige Folgen. Doch 1931 kam es zur eigentlich ersten höchst offiziell zugelassenen Verfilmung des Stoffes von Bram Stoker um den blutrünstigen transsylvanischen Grafen Dracula.

Wer heute z.B. bei manchen sogenannten Schmusevampiren bemängelt, dass sie noch manchmal nicht einmal die typischen Fangzähne aufweisen, dem sei hier gesagt, dass auch in dieser ersten offiziellen Verfilmung von DRACULA selbige Zähne nicht vorkommen. Eigentlich gibt es hier noch nicht einmal die typischen Bisswunden zu sehen, die späterhin ziemlich obligatorisch und effektvoll gerne in Szene gesetzt wurden.

Eigentlich dürfte es um keinen anderen Vampir so viele Verfilmungen gegeben haben, wie eben um die Figur des Grafen Dracula. Er ist das Sinnbild des adeligen Blutsaugers im schwarzen Anzug und mit einem wallenden Umhang. Dieses Vampir-Bild wurde dann über viele Jahrzehnte mehr als gepflegt, so das es manchem schon fasst ungewöhnlich vorgekommen sein dürfte, als man plötzlich Vampire auch in anderen Kleidungen präsentierte, die sie ebenso plötzlich in der Menge der normalen Menschen unterzutauchen scheinen ließen. Eigentlich ist damit der Film DRACULA aus dem Jahre 1931 der Startschuss für dieses klassische Bild eines Vampirs. Dieses klassische Bild des aristokratischen Wiedergängers mit dem schwarzen Umhang, der innen mit rotem Samt ausgekleidet war, zierte bald auch Buchcover oder jede Menge Cover diverser Heftromanserien. Es soll sogar Leute geben, für die ist ein Vampir kein richtiger Vampir, wenn er dieser lange gepflegten Darstellung nicht entspricht.

Kleider machen Leute (oder Monster):
Das ging sogar so weit, dass sogar nur ein Kleidungsstück von Dracula zum Dreh- und Angelpunkt werden konnte, wie in dem Roman DRACULAS LIEBESBISS von Dan Shockers berühmten Romanserie LARRY BRENT. Hierbei handelt es sich sogar um einen Zweiteiler der mit dem Roman DRACULAS LIEBESBISS begann und seine Fortsetzung in dem Roman DRACULAS HÖLLENFAHRT fand.

Dabei handelte es sich um eben diesen berühmten Umhang des Grafen Dracula, an dem auch noch Reste seines Blutes klebten, die durch den Kontakt mit einer Verletzung des Käufer dieses Umhangs dafür sorgte, dass sich Dracula erneut in eben diesem Menschen manifestieren konnte. Man kann daher eigentlich sagen, dass auch Kleider manchmal nicht nur Leute sondern auch Monster machen können. Ob die betreffende Person wusste, was sie damit über Jahrzehnte auslöste, als sie den Vampir aller Vampire zum ersten mal in diese Kleidungsordnung hinein presste, wage ich hier allerdings zu bezweifeln.

Dabei wurde diese Kleiderordnung nicht einmal durch den offiziellen Film zum ersten mal geprägt, denn bereits mit der Uraufführung im Jahre 1927 war der Blutsauger am Broadway recht erfolgreich in der adeligen Robe und der Darsteller war niemand anderes als ein gewisser Bela Lugosi. Die Universal benötigte jedoch noch bis 1930 um sich des Stoffes um die Figur des DRACULA wirklich anzunehmen. Carl Laemmle, seines Zeichens der damalige Chef des Studios hielt den Stoff um einen Blutsauger zuerst nicht für kompatibel im Konzept des Studios, dass vorher eher auf seichtere Unterhaltungsfilme geeicht war. Andere große Filmstudios hatten aus ähnlichen Gründen eine Verfilmung des Stoffes ebenfalls bereits abgelehnt.

Doch dann fasste man sich 1929 doch ein Herz und wollte DRACULA gleich als Big-Budget-Produktion mit dem Stummfilmstar Lon Chaney sen. in der Hauptrolle umsetzen. Aus beidem wurde aber letztlich nichts. Doch kommen wir in aller gebotenen Kürze zur Handlung selbst.

SzenenfotoVon den dunklen Karpaten nach Carfax Abbey in London:
Der Makler Renfield reist nach Transsylvanien um dem dort lebenden Grafen Dracula die verwahrloste Abtei Carfax Abbey in London zu verkaufen. Doch schon bei seiner Rast in einem nahe gelegenen Gasthof warnt man Renfield eindringlich vor Vampiren, die ihm den Lebenssaft aussaugen würden. Sichtlich durch die dörflichen Geschichten unbeeindruckt macht sich Renfield trotzdem auf zum Borgo Pass, wo bereits eine schwarze Kutsche des Grafen auf ihn wartet und ihn entlang drohender Abhänge zum Schloss bringt. Erschreckt muss er dabei feststellen, dass statt eines Kutschers plötzlich eine große Fledermaus über dem Kutschbock fliegt.

Im Schloss angelangt wird Renfield bereits von dem durchaus charmanten Grafen Dracula erwartet, der ihn jedoch schon beim Abendessen in eine Art Bewusstlosigkeit versetzt.

In der Nacht, als Renfield wieder etwas zur Besinnung kommt, fallen auch sogleich drei junge Bräute des Grafen fasst über ihn her, doch bevor sie sich an seinem Blut laben können, schreitet Dracula ein, der ihn als Opfer für sich selbst beansprucht und nunmehr selbst von seinem Blut kostet.

Statt nun Renfield selbst zu einem untoten Vampir zu machen, zapft er ihm nur so viel Blut ab, um ihn zu seinem willenlosen Sklaven zu machen, der sich fortan von Insekten ernährt.

Gemeinsam in London angekommen, verbreitet Dracula bald seinen Schrecken in der High Society der Metropole und triff auch bald auf Dr. Seward, seiner Tochter Mina und deren Feundin Lucy Weston. Lucy, die er als sein erstes Opfer erwählt, sicht auch bald kränklich dahin und stirbt bald darauf am hohen Blutverlust. Renfield hat man indessen längst in die örtliche Irrenanstalt verfrachtet, dessen Leiter ebenfalls Dr. Seward ist.

Als auch etwas mit Mina nicht stimmt, weiß Dr. Seward sich nicht weiter zu helfen, als seinen Freund und Gelehrten Professor Van Helsing um Hilfe zu bitten. Van Helsing hegt auch bald den Verdacht, dass hinter den schrecklichen Umständen niemand anders stecken kann als der geheimnisvolle Graf Dracula.

Mit einem Trick enthüllt Helsing, dass Dracula kein Spiegelbild besitzt und es sich somit bei ihm nur um einen blutsaugenden Untoten handeln kann. Während jedoch Van Helsing, Dr. Seward und Minas Verlobter John Harker noch darüber streiten, wie sie dem unsterblichen Monster beikommen können, hat dieser schon Mina völlig in seinen Bann gebracht und entführt sie in die tiefen Gewölbe von Carfax Abbey.

Da jedoch die Sonne bereits aufzugehen beginnt, muss sich Dracula zum ruhen in seinen Sarg zurück ziehen, was Van Helsing nutzt, um ihn mit einem Holzpfahl ins Herz zu vernichten und so Mina aus seinem bösen Einfluss zu befreien.

Dracula – Nur nicht mit Bela Lugosi:
Als Carl Laemmle jr. 1929 das Studio übernahm, beschloss man den Stoff um den Vampir DRACULA zu verfilmen und als Graf hatte man gleich auch Conrad Veidt im Auge. Regie sollte Paul Leni übernehmen. Doch Veidt trieb es zurück nach Deutschland und Leni verstarb noch im gleichen Jahr plötzlich. Für Leni verpflichtete man darauf hin Tod Browning für die Regie. Lon Chaney sen., der für einen finanziellen Erfolg des Films stand, wurde darauf hin als Dracula verpflichtet. Doch auch Chaney sen. verstarb wegen einer Krebserkrankung nur einige Wochen vor Drehbeginn. Laemmle jr. weigerte sich indessen schon von Beginn an, Bela Lugosi für die Rolle des Grafen zu verpflichten, der mit dieser Figur schon am Broadway Erfolge feiern konnte. Das Lugosi mit aller Macht diese Rolle wollte, war Laemmle jr. nicht entgangen, so das er telegrafisch dessen Agenten mitteilen ließ, dass man keinerlei Interesse an Lugosi in der Rolle des Grafen Dracula habe.

So waren neben Veidt und Chaney sen. noch die Schauspieler John Wray, Chester Morris, Paul Muni und William Courtenay in der engeren Auswahl. Als dann unter anderem auch noch Ian Keith später die Rolle des Dracula ablehnte, entschloss man sich doch Probeaufnahmen mit Lugosi in Angriff zu nehmen. Lugosi selbst war dermaßen auf die Rolle des Grafen Dracula fixiert, dass er sich hierfür selbst für seine Verhältnisse mit einer vergleichbar geringeren Gage zufrieden gab.

Doch auch an anderen Stellen haperte es beachtlich. So waren die Big-Budget-Träume recht bald ausgeträumt, denn die große Depression hatte längst auch die Universal-Studios erreicht. So fand sich das ehemalige Große Projekt bald in finanziellen Nöten wieder, was z.B. dazu führte, dass die Szene für die Royal Albert Hall in den gleichen Kulissen gedreht wurde, dass bereits 1925 für den Film DAS PHANTOM DER OPER verwendet wurde. Auch die möglichst nahe Umsetzung an der Romanvorlage von Bram Stoker konnte nicht wie gewünscht aufgenommen werden, so das es sich bei dem Film DRACULA eigentlich nur noch um eine filmische Umsetzung der Bühnenfassung handelte, die Lugosi locker aus dem Ärmel schütteln konnte.

Dracula (Dracula)Homoerotik und Versionenfilm:
Die Szene mit dem beißen von Renfield hatte schnell ein übles Nachspiel, denn man wollte mit aller Gewalt vermeiden, homosexuelle Symbolik zu verbreiten. So schob man Tod Browning recht schnell eine Notiz zu mit der Vorgabe, dass Dracula ausschließlich nur weibliche Darstellerinnen zu beißen habe.

Im gleichen Zeitraum wurde zudem eine weitere Version von DRACULA für die spanische Kinofassung gedreht, die sogar noch 30 Minuten länger ausfiel als die eigentliche US-Fassung. Das ganze nannte bzw. nennt man Versionenfilm oder Mehrsprachenversionen, die zusätzlich in jeweils anderen Sprachen neu gedreht werden, um diese dann in die entsprechenden Länder zu exportieren. Bei diesem Verfahren sprechen die Schauspieler die jeweiligen Fremdsprachen des jeweiligen Ziellandes selbst ein. Diese Fassungen nennt man auch Sprachversionen, die zwar eigenständige Filme darstellen, aber gegenüber Neuverfilmungen fasst dem unveränderten Drehbuch folgen und zumeist auch von der gleichen Produktionsfirma hergestellt werden.

Während also Neuverfilmungen nach der Vorlage eines bereits veröffentlichten Films gedreht werden, sind Versionenfilme bereits in der Vorbereitungsphase des eigentlichen Films mit in Planung. So hat man gegenüber der (z.B. in Deutschland) üblichen Synchronisation die Möglichkeit, der Übersetzungsmöglichkeiten mehr Spielraum zu geben und intensiver auf bestehende kulturelle Unterschiede eingehen zu können. Der Versionenfilm kam mit dem Ende des Stummfilms in den 1920er Jahren auf und war Teil einer internationalen Vermarktungsstrategie von Tonfilmen. Dieses Verfahren wurde jedoch in der Tonfilmära nur recht kurz angewandt, denn wirtschaftlich war diese Form nicht effizient und trieb die Produktionskosten wohl auch enorm in die Höhe.

Kleiner Hinweis zu den Versionenfilmen. Ob für diese Fassungen auch andere Schauspieler zum Einsatz, bzw. speziell im Fall des Films DRACULA kamen, ist mir nicht wirklich bekannt, da ich die besagte längere spanische Version nicht kenne. Bekannt ist jedoch, dass man bei DRACULA die spanische Version in der Nacht drehte, während die bekannte US-Fassung am Tage gedreht wurde.

Dracula (Dracula)Kleine weitere Informationen:
Das man sich zu Beginn mit Händen und Füßen gegen Bela Lugosi sträubte, bekam nicht nur er selbst zu spüren. So war Bette Davis für die Rolle der Mina angedacht, zumal man sie gerade bei Universal unter Vertrag genommen hatte. Doch Laemmle jr. fand (kluger Weise), dass sie für die Rolle nicht den nötigen Sexappeal hatte. Und David Manners, der die Rolle des John Harker verkörperte, soll laut Aussage den fertigen Film DRACULA in seinem gesamten Leben nie gesehen haben. Der Film DRACULA von 1931 ist im Jahre 2000 in das National Film Registry der Library of Congress (USA) aufgenommen worden.

DRACULA war als Film damals aber nicht nur ein Erfolg, sondern erntete auch über die Zeit durchaus erhebliche Kritiken. Besonders stach hier die offensichtlich sichtbare Adaption des Bühnenstückes von John L. Balderston und Hamilton Deane negativ ins Auge, während Bela Lugosi damals durch den Film unanfechtbar als bester Dracula-Darsteller galt. Diesen Status musste Lugosi erst in dem Moment räumen, als Christopher Lee in den Hammer Produktionen dem Blutgrafen ein neues einprägsames Gesicht verlieh. Der Erfolg von DRACULA zog dann auch eine ganze Reihe weiterer Folgefilme nach sich, die hier einmal kurz aufgeführt werden:

  • Draculas Tochter (1936) mit Gloria Holden als Gräfin Zaleska
  • Draculas Sohn (1943) mit Lon Chaney jr. als Graf Alucard
  • Frankensteins Haus (1944) mit John Carradine als Dracula
  • Draculas Haus (1945) mit John Carradine als Dracula

Sowie die Komödie...

  • Abbott & Costello treffen Frankenstein (1948) erneut mit Bela Lugosi als Dracula

In den Folgefilmen selbst versuchte man die Spannung damit auszubauen, dass man mehrere Filmmonster in der Handlung miteinander kombinierte. Bela Lugosi selbst (Geboren 1882 in Lugos, Banat, Österreich-Ungarn) verdingte sich in vielen Horrorfilmen der damaligen Zeit, wobei ihm sein eigentlicher Durchbruch 1931 mit dem Film DRACULA gelang. In seiner Anfangszeit verwendete er auch das Pseudonym Arisztid Olt. Der spätere Name ist indessen bekannter maßen eine Ableitung für seinen Geburtsort.

Die Filme in denen er mitspielte hatten durchaus unterschiedliche Qualitäten und oft wirkte er auch in sogenannten B-Movies mit. Da Lugosi in seinen letzten Jahren oft arbeitslos war, wirkte er dann auch in einigen Trash-Filmen von Edward D. Wood Jr. mit. Gerade auch deshalb genießt Lugosi heute noch bei Fans einen gewissen Kultstatus über die Figur des Grafen Dracula hinaus, weil sich die Filme von Wood durch die wohl eher ungewollten Komik großer Beliebtheit erfreuen. Im August 1956 verstarb Lugosi an den folgen eines Herzinfarktes im Alter von 73 Jahren.

Überliefert ist zwar, dass Lugosi am Ende seines Lebens dem Glauben verfallen sei, er wäre tatsächlich Dracula. Als Gerücht ist jedoch hingegen erwiesen, dass er selbst verfügt hätte, im Kostüm des Grafen Dracula aufgebahrt und auf dem Friedhof „Holy Cross Cemetery“ in Culver City (Kalifornien) beerdigt zu werden. Die Beisetzung im Dracula-Kostüm wurde nämlich aufgrund einer Anfrage seines Sohnes und seiner vierten Ehefrau bewilligt. Die Kosten der Beerdigung trug übrigens niemand geringerer als Frank Sinatra persönlich.

Dracula (Dracula)Meine Filmkritik:
Für heutige Verhältnisse ist der Film DRACULA aus dem Jahre 1931 wohl kaum noch ein Kassenschlager im Kino. Unlängst hatten später die Hammer-Produktionen eine durchaus härtere Version des Blutgrafen kreiert, der die erste offizielle Verfilmung eher Blutleer und Altbacken erscheinen lässt. Trotzdem sehe ich mir ab und an diesen Klassiker gerne noch mal an, weil er über ein gewisses Flair verfügt, dass man in den moderneren Produktionen so nicht mehr findet. Man mag es einen gewissen Hang zur Nostalgie nennen, doch in größeren Abständen genossen hat diese Version immer noch einen gewissen Schauwert. Um ihn allerdings genießen zu können, muss man sich auch etwas frei machen von eben den moderneren Versionen, denn um hier (und bei vielen filmischen Klassikern im allgemeinen) den Film wirklich würdigen zu können, darf man einfach keine Vergleiche zu späteren Verfilmungen ziehen, denen der Film schon aufgrund seiner Entstehungszeit nicht gerecht werden kann.

Für Freunde der phantastischen Filmklassiker gibt es deshalb auch keinen Weg an diesem Klassiker vorbei, zumal Bela Lugosi neben (späterhin) Christopher Lee die Figur des Grafen Dracula mehr geprägt hat, als alle anderen Schauspieler, die in die Rolle des Blutgrafen geschlüpft sind. Daher bleibt für mich diese erste offizielle Version ein unabdingbares Muss in einer guten Filmsammlung der phantastischen Filmklassiker.

Ausblick:
Nein, ich werde mich hier im Artikel nicht auch noch der Frage hingeben, was ein Gürteltier in den Katakomben von Carfax Abbey in London zu suchen hat. Vielleicht hatte der Zoo von London (haben die neben dem Königshaus überhaupt einen Zoo oder war das Prinz Charles in Verkleidung?) gerade Tag der offenen Tür. Aber um Tiere geht es im nächsten Schwarzweiß-Klassiker durchaus wieder. Und nein, ich habe keinen Horrorfilm mit einem mordenden Gürteltier in der Hinterhand. Dafür werden wir aber auch in Zukunft eine ganze Weile im Bereich der Schwarzweißfilme bleiben.

Nun, diese Tiere … oder sollte ich sagen Tierchen … haben eine sehr soziale Struktur in der Natur. Man kann diese durchaus mit Bienen vergleichen. Eigentlich kommt man diesen … ähm … Tierchen auch flott auf die Schliche und sorgt per Militär für die erhoffte Schädlingsbekämpfung. Nur – wie gesagt, sie sind sehr sozial eingestellt (dies Tierchen eben) und sie gründen halt auch gerne neue Kolonien (das haben sie bestimmt von den Menschen abgeguckt). Wer also jetzt das Rätsel löst, um welche Tierchen (und noch wichtiger, um welchen Film) es sich handelt, der darf ihnen gerne mal unterhalb der Beißzangen kraulen.

Dracula (Dracula)Na … schon eine Idee, welchen Film ich meine?

Dracula
(Dracula)
mit Bela Lugosi, Helen Chandler, Dwight Frye, Edward Van Sloan, David Manners, Herbert Bunston, Frances Dade, Joan Standing, Charles K. Gerrard u.a.
Regie: Tod Browning
Drehbuch: Hamilton Deane, John L. Balderston
Genre: Horror
Laufzeit: 71 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH
USA 1931

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Kommentare  

#1 Thomas Mühlbauer 2015-11-14 07:03
Der Ausblick auf den Ameisenfilm freut mich besonders, weil der noch immer sehr furchterregend ist, gerade in den Szenen in der Wüste.
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#2 Estrangain 2015-11-14 13:22
Zur spanischen Fassung des Films: die Rollen wurden von lateinamerikanischen Schauspielern übernommen. Dracula würde von Carlos Villar verkörpert, der Lugosi das Wasser nicht reichen konnte. Seine Partnerin war Lupita Tovar, die sogar noch am Leben ist (105 Jahre alt)!
Der Film wurde lt. Tovar am selben Set gedreht, wo sogar die Markierungen für die Schauspieler vorhanden und verwendet wurden. Die Aufnahmen fanden jeweils am gleichen Tag statt wie die englischsprachigen. Diese wurden tagsüber gedreht, so dass man (wie bereits erwähnt) nachts drehen musste. Die spanische Version ist ein interessantes Kuriosum in der heutigen Zeit.
Auf den Insekten-Film freue ich mich auch sehr. Bemrkenswert ist, dass oben besprochener Film und der Insektenstreifen die gleiche Endsilbe haben. Zumindest was die deutsche Version betrifft ; )
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#3 Mainstream 2015-11-14 15:54
-
Mich haben die gefertigten Modelle des nächsten
Films schon immer schwer beeindruckt. Und im
Kindesalter durchaus auch das Fürchten gelehrt.
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#4 Andreas Decker 2015-11-14 15:55
Das Faszinierende am Stoff Dracula ist nicht zuletzt, wie flexibel er ist. Es gibt nicht eine Inszenierung, die eine werkgetreue Umsetzung des Buches bietet. Nicht einmal fürs Fernsehen. Etwas fehlt immer oder ist anders gemacht.

Auch hier sind die Figuren völlig neu gemischt. Statt Harker reist Renfield zum Grafen, aus dem Junggesellen Seward wird Minas Vater, Lord Godalming, Lucys Verlobter, und Quincy Morris, der Amerikaner und Mann der Tat, fehlen ganz.

Dieses Muster findet sich bei jedem Dracula-Film. Nahe dran ist eigentlich nur der Coppola, der die Dinge dann mit anderen Dingen verhunzen muss.

Trotzdem funktioniert die Geschichte problemlos. Vielleicht ist das die Erklärung, warum sie noch immer im Gespräch ist.

Ich habe den Film noch nie so richtig gemocht. Er ist mir selbst für die Zeit seiner Entstehung zu zaghaft und statisch.
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#5 Helmut.A 2015-11-14 19:13
Der Film ist bei YOU Tube zu sehen. Eingabe: Dracula 1931-=Dracula 1931 Full Movies English - Best Horror Movies .Laufzeit: 1.2811 (mit Werbung)
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#6 Laurin 2015-11-14 21:35
@ Estrangain: Ja diese Endsilbe. Klappte auch bei dem Spinnenfilm Tarantula ... :lol: .
@ Andreas Decker: Stimmt, jeder legt seinen Dracula aus wie er mag. Aber interessant ist dies schon. Habe ihn als Kind gesehen im Fernsehen und damals ehrlich gesagt nicht wirklich völlig verstanden gehabt. Das kam erst viel später als ich ihn nochmals sah.
@ Helmut.A: Bei You Tube gibt es so einiges in Vollversion, aber ich halte mir so etwas vorsorglich selbst als DVD/BD im eigenen Archiv.
@ Thomas Mühlbauer: Ja, die Szenen in der Wüste und dann die Geräusche, wenn die Ameisen in der Nähe sind ... einmalig. ;-)
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#7 Mainstream 2015-11-14 23:08
-
MOOOMENT, Andreas Decker! Was hat Coppola
bei DRACULA verhunzt? Da erwischt Du mich aber
genau auf dem richtigen Fuß ...
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#8 Andreas Decker 2015-11-15 14:30
zitiere Mainstream:
-
MOOOMENT, Andreas Decker! Was hat Coppola
bei DRACULA verhunzt? Da erwischt Du mich aber
genau auf dem richtigen Fuß ...


:lol: :lol:

Okay. Der Reihe nach.

Ich finde den Film großartig in seinen Bildern und dem Bemühen, so viel von der Vorlage rüberzubringen, wie es geht. Habe ich mir mehr als einmal angesehen.

Über die Besetzung kann man stundenlang diskutieren. Mir persönlich ist das manchmal einen Tick zu parodistisch. Vor allem Hopkins als Van Helsing ist mir zu anachronistisch und "modern", fehlt eigentlich nur noch, dass er seine Studenten zum sit-in auffordert. Morris ist mir zu sehr Karikatur. Aber das ist Geschmacksache.

Was ich aber an dem Film von Anfang an gehasst habe, ist die Idee, aus Dracula einen Emo zu machen, der seiner reinkarnierten Liebe Mina hinterherjammert, bzw dass das das Origin ist. Mal davon abgesehen, dass die Idee u.a. aus Filmen wie Freunds "Die Mumie" geklaut ist - und die meisten der Hammer-Mumienfilme haben das Thema wiedergekaut - es stellt Stokers Figur völlig auf den Kopf.

Im Roman muss der Blutsauger und Vergewaltiger, der die (zutiefst verlogenen, aber das ist ein anderes Thema) "anständigen" viktorianischen Werte angreift, vernichtet werden, um den Status quo zu bewahren.

In dem Buch stecken noch viele andere Themen, zb ist gerade Mina Harker, wenn sie nicht gerade die sittsame Ehefrau ist, die alle auf eine heute oft schwer verdauliche Weise anhimmeln, eine "moderne" Frau, ausgebildet in Stenografie und Schreibmaschineschreiben; sie ist oft der Dreh-und Angelpunkt der Handlung, wenn es die Männer nicht auf die Reihe kriegen.

Das alles fliegt hier raus, also die gefestigte Persönlichkeit, die mit beiden Beinen im Leben steht, um Mina zu einem emotionalen Krüppel zu machen, der von der Macht der Liebe angetrieben wird. Und Dracula wird zu einem armen, missverstandenen romantischen Helden, der nur sein Frauchen wiederhaben und erlöst werden will. Der Dracula im Buch hätte diesen Typen gepfählt :lol: Der ist stolz auf das, was er ist.

Und darum sage ich, Coppola hat den Film verhunzt. :-) Es hätte die erste Verfilmung sein können, die dem Buch gerecht wird. Aber stattdessen hat man diesen Unsinn in den Mittelpunkt gestellt, um was Romantisches zu haben.

Ich widerspreche nicht, dass neben dem Spektakel vermutlich genau das den Film beim Publikum zum Erfolg gemacht hat, das das Buch nicht kennt. Aber das macht es ja nicht thematisch besser.
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#9 Mainstream 2015-11-16 19:47
-
Nun, ich habe das Buch bewußt kurz vor dem Film
gelesen, und habe das anders empfunden. Aber
sicherlich ist das auch meiner großen Verehrung
für den Regisseur geschuldet.

Ich zeige mich beeindruckt, wie intensiv Du die Essenz
des Romanes verinnerlichst hast.

Wenngleich ich Coppolas DRACULA dennoch fantastisch
finde ... :-)
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#10 Andreas Decker 2015-11-17 12:01
@Mainstream

Dracula ist der erste echte Horrorroman, den ich mit 11 oder 12 in der Leihbibliothek geholt habe. Weil ich genau diesen Film hier nicht sehen durfte :-)

Und wie so oft bei solchen Dingen ist der hängengeblieben. Alle paar Jahre lese ich mal wieder rein, meistens im Original. Dieses Jahr habe ich ihn noch mal ganz als Hörbuch gehört.

Daher habe ich auch viele Verfilmungen gesehen. Obwohl mein Geschmack da eher sprunghaft ist. Den weithin verrissenen Dracula 3D von Argento fand ich eigentlich ganz unterhaltsam, die letzte BBC-Adaption mit David Suchet nur daneben. Obwohl man das alles nicht mit dem Coppola vergleichen kann. Unter dem Strich ist das noch immer die bildgewaltigste Adaption.

Kennst du als Coppola-Fan eigentlich die Kim Newman-Story Coppola's Dracula? Wo der Autor im Rahmen seiner Alternativwelt von Anno Dracula den Regisseur Dracula Jahre früher mit Marlon Brando und Martin Sheen verfilmen will und das Katastrophenszenario der Produktion von Apocalypse Now in Rumänien durchspielt? Ist lesenswert, wenn man diese Art literarische Spielchen mag. Ist zwar nie übersetzt worden, die Urversion kann man aber noch immer kostenlos online lesen. Oder im vierten Band der neuen Gesamtausgabe.
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