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Ein phantastischer Filmklassiker - Vom Vampir, über den Misserfolg bis zum Klassiker

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 5
Vom Vampir, über den Misserfolg bis zum Klassiker

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Nun läuten wir aber die Symphonie des Grauens ein.


Nosferatu - Eine symphonie des GrauensNosferatu – Eine Symphonie des Grauens
Wer kennt sie nicht, die Geschichte um den Vampir Dracula von Bram Stoker. Die einen kennen die Verfilmungen über diese größte Figur der blutsaugenden Zunft, andere haben auch Stokers Buch im Brief-Roman-Stil gelesen. Zumindest wenn man im Bereich des Phantastischen sammelt, gehört Stokers Roman eigentlich schon als Standardliteratur mit ins Bücherregal.

Und wenn die Frage aufkommt, wer denn nun der erste Dracula auf der Leinwand der Lichtspielhäuser war, dann werden ganz Schlaue an Christopher Lee vorbei auf den Darsteller Bela Lugosi zeigen. Bevor aber jetzt hier die Finger in die Luft fliegen wie ehemals in der Schulklasse, sei hier gleich gesagt, diese Antwort ist durchaus richtig und doch eigentlich falsch.

Warum das so ist, werden wir im Laufe des Artikels noch sehen. Was Bela Lugosi und Dracula angeht, so werden wir ihn an anderer Stelle in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER bestimmt noch wiedersehen.

Bram StokerEine nicht autorisierte Adaption von Stokers Dracula:
Nosferatu ist genau genommen eine nicht autorisierte Adaption des Romans von Bram Stoker und doch weicht diese Filmversion in bestimmten kleinen und größeren Elementen eben doch von Stokers Dracula ab. Doch fangen wir am Anfang an und der beginnt im Jahre 1922 in den damaligen Kinos. Der Farbfilm war noch Zukunftsmusik und selbst der Ton war noch nicht vorhanden. Wenn man Glück hatte, dann wurde in den Kinos die Vorführung durch Musiker akustisch untermalt, aber das konnte man sich wohl auch nur sehr selten leisten. Der Stummfilm von Friedrich Wilhelm Murnau erzählt in fünf Akten die Geschichte des Thomas Hutter und seiner geliebten Frau Ellen.

Als der Häusermakler und Arbeitgeber von Hutter, Knock den jungen Mann dazu überredet nach Transsilvanien zu reisen, weil  Graf Orlok ein Haus in der Hafenstadt Wisborg zu kaufen wünscht, dass seinem Stand genügt, aber auch dem Verfall schon anheim gefallen sein sollte, nimmt der Schrecken seinen Verlauf. Noch froh und bester Laune zieht Thomas Hutter los, während er seine junge Frau in der Obhut des Reeders Harding und dessen Frau Annie lässt. Doch Ellen spürt die Gefahr, die gespenstisch nach Thomas Hutter und ganz Wisborg zu greifen scheint. Zwar verlacht Hutter alle warnenden Hinweise, bis er endlich sein eigentliches ziel erreicht. Doch spätestens als er im Einflussbereich des Grafen Orlok verweilt, beginnt das Grauen auch ihm langsam Bewusst zu werden. Längst ist ihm klar, dass das Buch über Vampirismus keiner  Phantasie von Verrückten entspringt und das ein großer Fehler war, Orlok gerade das Haus gegenüber seinem Heim zu verkaufen. Die Einladung nicht mehr rückgängig machen könnend, beginnt der mittlerweile stark geschwächte Thomas Hutter mit der Flucht, wissend, dass auch seine Frau Ellen in großer Gefahr schwebt.

SzenenfotoOrlok selbst befindet sich bereits mit einem Floß nach Warna um dort das Segelschiff Empusa in Richtung Wisborg zu besteigen. Ellen ihrerseits spürt die drohende Gefahr immer intensiver ohne sagen zu können. Weshalb sie diese schrecklichen Visionen und Vorahnungen plagen. Nur Knock der Makler scheint zu wissen, welchen Teufel er quasi nach Wisborg eingeladen hat und gebärdet sich wie ein Irrer, worauf man ihn in einer Anstalt einsperrt, wo er sich an Fliegen und anderen Spinnen hermacht um sie zu verzehren. Hutter, immer noch schwach und mit Fieber geplagt in einem Hospital kommt langsam wieder zu Kräften, um seine Reise so schnell wie Möglich fortzusetzen. An Bord der Empusa gehen indessen nicht nur die Ratten aus den mit Erde gefüllten Särgen umher, sondern auch eine scheinbar tödliche Krankheit, die bald das Schiff in ein Geisterschiff verwandelt, dass direkt den Hafen von Wisborg ansteuert, wo Graf Orlok in der Nacht sein neues Domizil im geheimen ansteuert.

Auch Thomas Hutter erreicht Wisborg, doch längst scheint die Pest das Leben aller Menschen zu bedrohen und selbst Professor Bulwer, ein Experte für epidemischer Krankheiten findet kein Mittel gegen diese Seuche. Knock, der aus der Anstalt gewaltsam entflieht, wird von den Bewohnern gejagt, weil man ihm die Schuld an der Seuche gibt. Doch vorerst gelingt es ihm, sich zu verstecken.

Auch Thomas Hutter hat nun Wisborg wieder erreicht und ist froh, dass Ellen nichts geschehen ist. Bei sich trägt er immer noch das „Buch der Vampyre“ das Ellen bei ihm entdeckt. Angesicht des Grauens, dass sich über ganz Wisborg ausgebreitet hat, beginnt sie das Buch zu lesen. So erfährt sie auch das eine Frau von reinem Herzen, die aus freiem Willen ihr Blut und ihr Leben dem Vampir übergibt, diesem den ersten Hahnenschrei vergessen macht und ihn so vernichten kann. Orlok indessen, im „öden“ Haus gleich gegenüber Hutters Haus, kann Ellen durch sein Fenster beobachten und verzehrt sich nach ihr. Ellen täuscht Thomas indessen vor, dass sie aufgrund der Schrecken um sie herum kollabiere und schickt diesen los, schnellstens den Arzt zu holen.

Einmal fort  schleicht sich Graf Orlok, der Erfüllung seiner Sehnsucht nahe, in das Zimmer von Ellen. Als er sich am Blut seines sich selbst freiwillig dargebrachten Opfer labt, vergisst er alles um sich herum und schreckt erst in dem Moment hoch, als der erste Hahnenschrei das aufgehen der Sonne verkündet. Gefangen im Haus seines Opfers ist Orlok den ersten Sonnenstrahlen ausgeliefert und vergeht für immer in Rauch. Hutter und der Arzt kehren kurz darauf zurück, doch es ist zu spät. Thomas schließt seine tote Ellen ein letztes mal in seine Arme, während durch die Vernichtung des Vampirs wie durch ein Wunder auch die Pest in Wisborg besiegt scheint.

SzenenfotoKein Erfolg und versuchte Vernichtung:
Enrico Dieckmann und Albin Grau hatten erst 1921 die Prana-Filmproduktion ins Leben gerufen und NOSFERATU blieb ihr einziges Werk unter diesem Label. Die Idee einen Vampirfilm zu drehen stammte dabei von Albin Grau, der im Winter 1916 von einem serbischen Bauern erzählt bekommen hatte, dass dessen Vater zu einem Untoten, einem Vampir geworden sei. So gab man ein Drehbuch in Auftrag, dass sich am Roman DRACULA von Bram Stoker aus dem Jahr 1897 anlehnen sollte. Henrik Galeen übernahm diesen Job, auch wenn die Filmrechte an Stokers Roman nie von der Prana-Film erworben wurden, was sich später rächen sollte.

Galeen kannte sich indessen im Bereich der Schauerromantik aus und hatte 1913 bereits im Film DER STUDENT VON PRAG mitgewirkt und 1920 das Drehbuch zu DER GOLEM, WIE ER IN DIE WELT KAM verfasst. Für NOSFERATU verlegte er kurzerhand den Handlungsort in eine fiktive (Wisborg) Hafenstadt im norddeutschen Raum und veränderte die Namen der Protagonisten aus Stokers Roman DRACULA. Dabei verzichtet Galeen in seiner Drehbuchfassung auf eine wesentliche Figur aus Stokers Roman völlig, so das es bei NOSFERATU weder einen Vampirjäger gibt, noch eine Figur mit Namen Van Helsing. Neben weiteren grundsätzlichen Änderungen des Handlungsverlauf am Ende fügt Galeen die Ratten ein, die im Gefolge des Vampirs die Pest nach Wisborg einschleppen.

Albin Grau und Enrico Dieckmann gelang es für die Regie Friedrich Wilhelm Murnau zu gewinnen, der zwar erst seit 1919 Filme drehte, aber sich bereits mit seinen ersten sieben Produktionen einen Namen als talentierter Filmschaffender aufgebaut hatte. Für die Titelrolle des Graf Orlok wurde der eher unbekannte Theaterschauspieler Max Schreck verpflichtet. Die Dreharbeiten begangen 1921 mit Außenaufnahmen in der Stadt Wismar. Für das „öde Haus“, dass der Vampir Graf Orlok zu kaufen gedachte, wurden Aufnahmen des Lübecker Salzspeicher verwand.

Am 4. März 1922 fand die Premiere von NOSFERATU im Marmorsaal des Zoologischen Garten Berlins statt, wobei im Vorfeld ein nicht zu verachtender Werbefeldzug für den Film gestartet worden war. Man lud hierzu zum „Fest des NOSFERATU“ mit der Filmmusik von Otto Kermbach samt Kapelle. Kurt Alexander schuf den Prolog in Anlehnung an Goethes VORSPIEL AUF DEM THEATER und das erscheinen der Gäste in Kleidung der Biedermeierzeit wurde erwünscht. Nach der Aufführung von NOSFERATU schloss sich das Tanzspiel DIE SERENADE, geschrieben von Hans Erdmann, mit einer Solotänzerin der Staatsoper fort. Der anschließende Kostümball zog dann nochmals weitere große Namen der noch jungen Filmkunst an. Der eigentliche Kinostart von NOSFERATU erfolgte indessen am 15. März 1922 im Primus-Palast.

SzenenfotoDie allgemeine Presse äußerte sich zum Film NOSFERATU durchweg wohlwollend und die wenigen kritischen Töne zielten eher auf Kleinigkeiten in der Umsetzung (modernes Bildmaterial vs. Schauriges Thema usw.). Besonders Murnau geriet durch NODFERATU ins Blickfeld der Öffentlichkeit, zumal sein Film DER BRENNENDE ACKER nur wenige Tage nach NOSFERATU in die Lichtspielhäuser kam. Wirklich heftige Kritik kam erst am 15. April 1922 in DAS BLAUE HEFT durch Roland Schacht auf, der NOSFERATU eher als einen mittelmäßigen Film qualifizierte, der eher eine Kopie des Films DAS CABINET DES DR. CALIGARI sei.

Dazu dann dieser Vampir, der egal mit einem Sarg herumschleppt, wie jemand, der kurz vor Sieben, wenn die Postämter schließen, noch ein Weihnachtspaket aufgeben will und nicht recht weiß, wo er's probieren soll.

(Zitat: Metzler Film Lexikon / 2. Auflage)

NOSFERATU wurde allen Vorschusslorbeeren zu Trotz ein finanzielles Desaster. DIE UFA weigerte sich schlicht, den Film in das Programm der großen Lichtspielhäuser aufzunehmen, worauf NOSFERATU nur in wenigen und recht kleinen unabhängigen Kinos aufgeführt wurde. Schnell machten die ersten Gerüchte die Runde, dass die Prana-Film finanziell am Ende sei. Die Millionen an Startkapital, dass man von einem im Filmgeschäft unerfahrenen Schlesier als Startkapital erhalten hatte, waren aufgebraucht. Dies führte man sowohl auf die immensen Kosten für die Werbekampagne für NOSFERATU, als auch dem verschwenderischen Ausgabenverhaltens von Dieckmann und Grau zurück. Murnau erhielt übrigends für seine Regiearbeit an NOSFERATU satte 25000 Mark, wobei ihm im Winter 1921 auch noch eine prozentuale Beteiligung an den Einspielergebnissen angeboten wurde. Die Prana-Film selbst musste dann im August 1922 in ein Konkursverfahren eintreten und der Film selbst wurde gepfändet.

Dem nicht genug, brandete auch Ungemach seitens Bram Stokers Witwe Florence auf, die bereits seit der Uraufführung die Prana-Film wegen Urheberrechtsverletzung anging. Hierfür trat sie der British Incorporate Society of Authors bei und verklagte über einen Berliner Anwalt die Rechtsnachfolger der Prana-Film. Der Vergleich, in dem die Stoker Witwe 5000 Pfund für die Rechte forderte, kam jedoch nicht zustande.

In letzter Instanz kam das Berliner Gericht dann im Jahre 1925 zu dem Urteil, dass der komplette Film NOSFERATU und alle Kopien zu vernichten seien. Gerade in England jedoch plante die Film Society London trotz dieses Urteils die Aufführung einer sich in England befindlichen Kopie. Hier schritt Florence Stoker wiederum ein und das mit Erfolg. Die in England befindliche Kopie konnte jedoch darauf hin vor der Vernichtung in Sicherheit gebracht werden. Bei einem weiteren Versuch der Film Society, vier Jahre später NOSFERATU aufzuführen, setzte sich Florence Stoker erneut durch und dieses mal wurde die besagte Kopie eingezogen und vernichtet.

Trotz weiterer Versuche seitens Florence Stoker, alle Kopien vernichten zu lassen, blieben viele Kopien von NOSFERATU erhalten.  Der Film war ja bekanntlich bereits an viele Länder im Ausland verkauft worden und die verschiedenen Versionen unterschieden sich  im Schnitt und in den rund 31 Zwischentiteln. Über Frankreich gelangte der Film NOSFERATU auch in die Vereinigten Staaten, wo der Film nicht nur mit englischen Zwischentiteln versehen wurde, sondern die fiktive Stadt Wisborg auch durch den Stadtnamen Bremen ausgetauscht wurde. Selbst die jeweiligen Figuren wurden nach Bram Stokers Roman umbenannt und hießen nun in dieser US-Version wieder Dracula, Mina und Jonathan Harker oder Renfield.

SzenenfotoWährend Florence Stoker zum letzten Schlag gegen die Film Society in London ausgeholt hatte, hatte sie selbst bereits Verhandlungen über die Filmrechte am Roman DRACULA mit der Universal in den Vereinigten Staaten aufgenommen, was 1931 zur ersten autorisierten Filmadaption von DRACULA durch Tod Browning führte. Die Rechte spülten Stoker wohl satte 40.000 Dollar seitens Universal in die Kasse. Unter dem Titel DIE ZWÖLFTE STUNDE erschien übrigens 1930 eine durch die DEUTSCHE-FILM-PRODUKTION nachträglich vertonte Version von NOSFERATU. Die war aber wiederum nicht von Murnau Autorisiert, worauf diese Version auch keine Regisseurnennung aufweist. Waldemar Roger hatte von Albin Grau zusätzliches Filmmaterial erhalten. Die Vorgabe seinerseits Grau an Roger war jedoch, dass diese Version durch Schnitt und Ton so verfremdet werden müsse, dass eine weitere Rechteverletzung nicht mehr erkennbar war. So wurden auch hier z.B. die Namen geändert (aus Orlok wurde z.B. Wolkoff) oder eine Szene des glücklichen Paares aus Murnaus erstem Akt wurde als Happy End an den Schluss des Filmes versetzt. Gleichsam wurden auch weitere zusätzliche Szenen gedreht, wie die Totenmesse mit dem Schauspieler Hans Behal als Priester. Letzteres fiel jedoch wieder der Zensur zum Opfer.

Da für NOSFERATU in den USA eine Rechtefreiheit galt, machten sich mehrere Unternehmen dies Copyright-Freiheit zu nutze. So wurden späterhin Videos des Films NOSFERATU unter verschiedenen Titeln wie z.B. TERROR OF DRACULA vertrieben. Eine Kurzversion wurde auch ca. 1960 in der Reihe „Silents Please!“ im US-Fernsehen ausgestrahlt. Für die Restaurationen und Rekonstruktionen wurden späterhin z.B. die Zwischentitel zum Film NOSFERATU aus dem Staatlichen Filmarchiv der DDR verwand.

Max Schreck, Friedrich Wilhelm MurnauRestauration und Rekonstruktionen durch die Murnau-Stiftung:
Von 2005 bis 2006 schuf die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung und Luciano Berriatua eine Überarbeitung und komplette Digitalisierung  des Films NOSFERATU, wobei jedes Einzelbild bearbeitet wurde um Altersschäden zu beseitigen oder den Bildverlauf zu stabilisieren. Das dabei verwendete Filmmaterial entstammt einer viragierten französischen Kopie. Fehlende Szenen entstammen dabei aus noch vorhandenen Sicherheitskopien des Filmarchivs des Bundesarchivs von 1939 und 1962. Diese wiederum entstammen einer tscheschischen Version aus den 1920er Jahren.

Dabei kam auch wiederum eine Kopie von DIE ZWÖLFTE STUNDEN zum Einsatz. Auch die originalen Zwischentitel, soweit vorhanden als Sicherheitskopien im Bundesarchiv-Filmarchivs wurden verwand, bzw. fehlende Zwischentitel der Original-Typographie nachgestaltet und angepasst. Diese restaurierte Version, die sich als Blu-ray in meinem Film-Archiv befindet und seitens der Transit-Film in Deutschland veröffentlicht wird, liegt die Originalmusik zu NOSFERATU von 1921 nach Hans Erdmann von Berndt Heller zugrunde. Gespielt wird sie vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken. Diverses Bonusmaterial entstammt einer Kooperation mit dem Filmmuseum Potsdam, Hochschule für Film und Fernsehen, „Konrad Wolf“ und ist z.B. mit einem 20seitigen Booklet versehen und einer 8-mm-Fassung von 25 Minuten auf der Disc.

Der Obervampir aus Brennen muss SalemDie Nachkommen des Grafen Orlok:
Tobe Hooper, der 1979 den Roman BRENNEN MUSS SALEM von Stephen King verfilmte, lässt sich in der Darstellung des Obervampirs von Murnaus Graf Orlok inspirieren, denn dieser ist optisch eine fasst perfekte Kopie des NOSFERATU in der Darstellung von Max Schreck. Diese reicht vom haarlosen Schädel über die dunkle Kleidung bis hin zu den spitzen Ohren und der Anordnung der Vampirzähne im Bereich der vorderen, oberen Schneidezähne, statt im Bereich der Augenzähne, wie es später in vielen DRACULA Verfilmungen optisch dargestellt wurde und weite Verbreitung fand. Auch Tim Burtons fliegende Vampire im 1993 gedrehten Animationsfilm NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS sind diesem Vorbild nachempfunden.

1979 drehte Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Rolle des Vampirs ein Remake unter dem Titel NOSFERATU – PHANTOM DER NACHT, indem er Murnaus Einstellungen zum Teil sehr detailliert kopierte. Der Film selbst ist pessimistischer angelegt, da Harker (Hutter) nach dem Tod des Vampirs selbst zum Vampir wird. Kritik gab es hierfür insbesondere an der Darstellung des Vampirs durch Klaus Kinski, was aber diesen nicht daran hinderte, in einer NOSFERATU-Fortsetzung wieder in die Rolle des Vampirs zu schlüpfen.

E. Elias Merhiges indessen beschäftigte sich in seinem Film SHADOW OF THE VAMPIRE im Jahre 2000 in fiktiver Weise mit den Dreharbeiten Murnaus zu NOSFERATU, wobei Max Schreck, hier gespielt von Willem Dafoe ein echter Vampir gewesen sein soll.

Im Juli 2015 kam dann in diversen Zeitungen und im Internet die vorab Information auf, dass Jeff Robinovs Produktionsfirma STUDIO 8 eine noch unbetitelte Neuverfilmung des Horrorklassikers NOSFERATU von Friedrich Wilhelm Murnau plant.

Meine Filmkritik:
Man könnte hier noch Seiten füllen zu NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES GRAUENS, aber der Artikel ist glaube ich schon lang genug. Ich muss auch gestehen, dass ich nicht unbedingt ein Freund von Stummfilmen an sich bin. Kritik an Einzelheiten zu üben, wäre hier ebenfalls fehl am Platz, denn für jeden Freund und Sammler phantastischer Filmklassiker dürfte dieser Film in jedem Fall ein  Pflichtkauf sein. Und auch wenn es sich hier um einen Stummfilm handelt, so ist dieser Klassiker der 1979er Version von Werner Herzog immer vorzuziehen, weil der Film ein düsteres Flair und eine besondere Stimmung der Schauerromantik versprüht, die dem Remake von Werner Herzog mit Klaus Kinski in der Rolle des Vampirs schlicht abgeht und nur noch steril wirkt.

Für dieses Remake hatte sich Werner Herzog wohl eher selbst am meisten auf die eigene Schulter geklopft. Grundsätzlich gilt daher, dass NOSFERATU – EINE SYMPHONIE DES SCHRECKENS von Friedrich Wilhelm Murnau mit Max Schreck in der Rolle des Vampir Orlok in einer Sammlung phantastischer Filmklassiker niemals fehlen darf. Hierzu kann ich nur die Deluxe Edition (restaurierte Fassung) seitens der Murnau Stiftung empfehlen, da es darüber hinaus eine Vielzahl von mehr oder weniger guten bzw. schlechten bis billigen Versionen auf dem DVD-Markt gibt.

Ausblick:
Stellen sie sich eine zerstörte Erde vor. Eine Erde, die durch die Umweltverschmutzung und durch den Raubbau zerstört wurde. Eine Erde, in der Kriege Vernichtung und Tod verbreitet haben. Was dieser Science Fiction Film als Grundlage nimmt, könnte nur zu schnell Realität werden, wenn die Menschheit diesen Weg, den sie real eingeschlagen hat, weiter geht. In diesem SF-Klassiker gibt es aber auch Hoffnung. Hoffnung, die Schönheit und die Farben des Lebens wieder auf die Erde zurück zu bringen. Diese Hoffnung tragen Raumschiffe durch das Sonnensystem. Doch sind die Mächtigen der Erde überhaupt in der Lage, einmal das richtige zu tun? Schauen wir doch hierzu einfach das nächste mal in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER bei der Mission des Raumfrachters „Valley Forge“ vorbei.

Nosferatu - Eine symphonie des GrauensNosferatu – Eine Symphonie des Grauens
mit Max Schreck, Gustav von Wangenheim, Greta Schröder, Alexander Kranach, Georg H. Schnell, John Gottowt, Gustav Botz, Max Nemetz, Ruth Landshoff, Wolfgang Heinz u.a.
Regie: Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch: Henrick Galeen
Produktionsfirma: Prana Film
Laufzeit: 95 Minuten
Altersfreigabe: FSK 12.
Vertrieb: Transit Film GmbH Weltvertrieb/Universal Film München
Version: Deutschland 2014/DVD & Blu-ray
Bonunsmaterial: 8-mm-Fassung/25 Minuten, Die Sprache der Schatten – Dokumentation/53 Minuten, Seltene Werbematerialien (Rom-Teil), 20-seitiges Booklet
Deutschland 1921

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Kommentare  

#1 Mainstream 2015-08-08 12:39
-
Sehr schöner und sehr informativer Artikel. Viele
Details waren mir bekannt, aber zusammengefasst
und hier komprimiert, ließt sich das wunderbar.

Ich möchte nur bei Herzogs NOSFERATU widersprechen,
weil gerade die morbide Stimmung, die geniale Musik,
und die erstklassike Kameraarbeit, eine sehr
einnehmende Atomsphäre schaffen.
Aber vergleichen kann man die beiden Versionen
eigentlich nicht.
#2 Andreas Decker 2015-08-09 11:45
Guter Artikel.

Die Herstellung dieses Films ist schon erstaunlich, Mitten in der Depression gemacht, das wird nicht leicht gewesen sein, während alles den Bach runterging. Murnau hat da Pionierarbeit geleistet, was die Bilder anging.

Auch wenn Witwe Stoker es fast geschafft hätte, dieses Meisterwerk aus der Welt zu schaffen, gehört ihr meine Bewunderung. Wenn alle Urheber die Mittel hätten, die zur Rechenschaft zu ziehen, die ihr Eigentum klauen, wäre es besser.

Ich gehöre ins Lager derjenigen, die den Herzog nicht ausstehen können. Abwechselnd prätentiös und langweilig. Wieder ein Remake ohne Mehrwert. Obwohl es Gold ist im Vergleich zu Nosferatu in Venedig.
#3 Hermes 2015-08-09 13:37
Zitat:
Die Herstellung dieses Films ist schon erstaunlich, Mitten in der Depression gemacht, das wird nicht leicht gewesen sein, während alles den Bach runterging.
Depression? 1922 gehört zur Inflationszeit. Aber Arbeitslosigkeit war damals kein wirkliches Thema. Die deutsche Industrie war noch damit beschäftigt, die Lücken wieder aufzufüllen, die durch die Ablieferung von Schiffen, Lokomotiven etc. an die Alliierten entstanden waren.
Zitat:
Auch wenn Witwe Stoker es fast geschafft hätte, dieses Meisterwerk aus der Welt zu schaffen, gehört ihr meine Bewunderung.
Ein eigenartiger Standpunkt. Wenn sie auf Beteiligung an den Gewinnen geklagt hätte, ja ... aber ein aus heutiger Sicht Meisterwerk zu vernichten ... Eine so radikale Haltung nehmen z.B. auch die Taliban ein, die Buddha-Statuen sprengen, weil diese ja einen aus ihrer Sicht "falschen" Gott darstellen und damit gegen die "Gesetze" ihrer Religion verstoßen.
#4 Laurin 2015-08-10 19:04
Nun ja, mit den "Taliban" würde ich Stokers Witwe nun nicht vergleichen wollen. Man muss einfach auch sehen, dass sie in dem Film erst einmal geistigen Diebstahl sah und von der Einstufung als "Meisterwerk" war der Film zu diesem Zeitpunkt noch eher weit entfernt. Da lässt sich die heutige Sichtweise nicht wirklich anwenden. ;-)
#5 Andreas Decker 2015-08-11 12:11
Wie komme ich auf "Depression"? :-) Natürlich meinte ich die Inflation.

Aber Stokers Witwe kannst du nun wirklich nicht mit den Taliban oder der aktuellen Mörderbande vergleichen. Da hatte jemand den Roman ihres Mannes genommen, ein bisschen was an der Geschichte gedreht und die Namen geändert. was wohl vorsätzlich geschah, um eben genau so einem Rechtsstreit zu entgehen. Und statt zu sagen "scheiß drauf" hat sie sich gewehrt. (Wobei man sich durchaus vorstellen kann, dass es gerade mal vier Jahre nach dem Krieg eine zusätzliche Motivation war, dem "Kriegsverursacherland" besonders kompromisslos gegenüberzustehen.) Muss eine energische Frau gewesen sein. Doch, finde ich in dem Fall gut :-)
#6 Friedhelm 2016-01-11 17:52
Die von dir erwähnte "Nosferatu-Fortsetzung" hat mit dem Herzog-Movie rein gar nichts zu tun.

"Nosferatu in Venedig" ist ein italienischer Trashfilm, in dem der Kinski-Vampir zwar immer noch zwei lange Vorderzähne hat, aber keinen kahlen Schädel mehr.

Ein "van Helsing"-ähnlicher Charakter ist hier - in Gestalt von Christopher Plummer - auch zu sehen.
#7 Laurin 2016-01-11 18:32
Natürlich ist NOSFERATU IN VENEDIG keine Eins zu Eins Fortsetzung von Herzogs Film. Doch ohne den Film von Herzog hätte es diesen Film eben auch nicht gegeben. ;-)
Man hat den Faden einfach mal weiter gesponnen, da ändern auch die Haare bei Kinski nichts mehr dran.
#8 Friedhelm 2016-01-11 20:56
Klar, ohne den Herzog-Film wäre das Ding nie entstanden. Aber irgendwie glaube ich nicht so recht, dass sich die Macher bei dieser Gurke überhaupt etwas gedacht haben.

Bei solchen Movies spekuliert man wohl mehr mehr auf die Zugkraft des Titels - da sind Darsteller und Story schon beinahe nebensächlich.
Schaut eh fast jeder, der Murnau oder Herzog kennt..

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