Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Ein phantastischer Filmklassiker - Der Fall Robert Scott Carey

Ein phantastischer FilmklassikerFolge 2
Der Fall Robert Scott Carey

In dieser Reihe EIN PHANTASTISCHER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch so manche Klassiker der Phantastik tummeln. Wir werden einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. über Grusel, Science Fiction und Filmen im Grenzbereich der verschiedenen Genre bewegen werden. Heute bewegen wir uns grob in Richtung Mikrokosmos ohne Rückfahrschein.


Die unglaubliche Geschichte des Mr. CDie unglaubliche Geschichte des Mr. C
(The Incredible Shrinking Man)
Nun, habe ich euch mit der Überschrift zum grübeln gebracht? Gibt es da etwa einen Film, der völlig an euch vorbei gegangen sein könnte? Keine Angst, liebe Leserinnen und Leser. Diesen Film haben sie bestimmt schon mal gesehen, oder die Geschichte als Taschenbuch gelesen, oder aber zumindest von gehört. Es handelt sich hier nämlich um den Film DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C, der als der beste Film von Regie-Legende Jack Arnold gilt.

 Nun will ich mal nicht kleinlich sein, denn Jack Arnold werden wir in der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER noch ein paar mal begegnen. Grund dafür ist, dass Jack Arnold auf dem Regiestuhl in Sachen phantastischer B-Movies noch einige andere Klassiker abgegeben hat, die ebenso bekannt sein dürften wie eben DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C. Wirklich böse Kritik heimste dieser Film eigentlich nur im „Handbuch der katholischen Filmkritik“ ein.

Wer aber glaubt, dass diese religiös verschrobene Sichtweise auch nur einen Funken Objektivität an den Tag zu legen versucht, dürfte getrost auch an den Osterhasen zu Weihnachten glauben. Darum werde ich uns hier deren sogenannte Meinung einfach mal sparen. Im Grunde stand diese negative Kritik aus katholischer Sicht auch ziemlich einsam in weiter Flur, so das man getrost auf eine Zitierung verzichten kann.

SzenenfotoÜber das Wunderding des Atoms und ähnlichen Filmen:
1957 hat man in den USA noch eine ganze Menge Dummheiten über die Atomenergie und Atomwaffen im besonderen verzapft (und das können sie selbst heute noch gut). So wird das Leben wohl auch dort in relativ absehbarer Zeit wieder Einzug halten, wo vor kurzem noch eine Atombombe alles verbrannt, zerstört und verstrahlt haben wird. Doch wenn es um die Frage des längeren Überlebens in solchen Bereichen geht, dann haben Kakerlaken oder Ameisen wohl die Nase weit vorne, gegenüber dem Menschen. Ach ja, in Sachen Atomexplosion und Ameisen kommt auch noch ein Artikel in dieser Reihe – aber wir wollen hier jetzt nicht vorgreifen.

Dafür greift Jack Arnold in diesem Film nicht auf die gängigen (phantastischen) Folgen nach einer Atomexplosion zurück, sondern lässt im gesamten Film schlicht unbeantwortet, ob der Nebel nun ein Produkt einer gezündeten Atombombe oder eines Kraftwerksunfalls ist. Im Grunde vermeidet er sogar den offensichtlichen Hinweis auf den atomaren Hintergrund, sondern überlässt diese Schlussfolgerung gänzlich den Zuschauern. Quasi also ein Wink mit dem Zaunpfahl. Und solche Winks hat Arnold noch einige mehr in seinem Film auf Lager.

Die Idee selbst wurde in Hollywood oftmals filmisch in der einen oder anderen Weise kopiert und in diesen Kopien ist die Tricktechnik weitaus fortgeschrittener als eben in diesem Klassiker. Trotzdem blieb keines dieser Filme mit ähnlichem Inhalt so intensiv im Gedächtnis, wie eben der Originalfilm DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C nach dem Roman von Richard Matheson. Der Roman von Richard Matheson mit dem Originaltitel THE INCREDIBLE SHRINKING MAN erschien im übrigen nur ein Jahr vorher, nämlich 1956 und schlug ein wie eine kleine Bombe, weshalb man ihn schnell verfilmen wollte. Doch auch am Drehbuch zum Film war Richard Mathesons Handschrift sehr gefragt. Kommen wir aber jetzt erst einmal zu der eigentlichen Handlung des Films.

SzenenfotoAlles beginnt an einem schönen Sommertag
Robert Scott Carey verbringt auf einem Boot einen herrlichen Urlaubstag mit seiner Frau Louise und man frotzelt gerade darüber, wer das Bier holen soll. Louise lässt sich aber auf das Macho-Gehabe von Scott nicht ein und erst als dieser ihr dafür etwas anderes verspricht, macht Louise sich auf, ihrem Mann etwas zu trinken zu holen. Geschäft ist schließlich Geschäft. Das Scott dabei faulenzend auf dem Deck bleibt, sollte sich aber später bitter für ihn rächen, denn plötzlich taucht ein seltsamer Nebel auf, der schnell über das Boot hinweg zieht und eine Art glitzernden Staub auf seiner Haut hinterlässt.

Eigentlich ist dieser Vorfall nach sechs Monaten vergessen, doch dann zeitigt dieses Ereignis die ersten Folgen für Scott, denn plötzlich ist er scheinbar zwei Zentimeter kleiner als früher. Sein Arzt hingegen tippt in diesem Moment eher auf falsche Angaben bei den weit zurück liegenden Untersuchungen.

Doch bald sind Scott Carey selbst seine Hosen und Hemden viel zu groß und auch ein ärztlicher Spezialist bemerkt die geheimnisvolle  Neugruppierung der genetischen Struktur in den Zellen von Scott.

Nach einer gewissen Zeit ist Scott nur noch 90 cm groß, hat seinen Job verloren und auch sein Bruder stößt an seine Grenzen bei der finanziellen Unterstützung. So versucht Scott sein Schicksal in einem Buch nieder zu schreiben um es zu veröffentlichen. Auch der Versuch, sein Schicksal bei der Presse finanziell zu nutzen, bringt für Scott nicht nur Geld ins Haus. Längst gilt er in der Öffentlichkeit als eine Art medizinische Sensation, aber ebenso auch als Freak. Scott selbst empfindet sich jedoch eher in den Augen seiner Mitmenschen als Monster stigmatisiert. Spott und Sensationsgier ersetzen für Scott zunehmend Normalität und gesellschaftliche Kontinuität. Wird diese Situation und sein innerer Gefühlskampf die Liebe zu Louise zerütten?

Ein neues Medikament das Scott gespritzt wird, soll zumindest den Prozess des schrumpfen stoppen und scheinbar scheint dieses Mittel sogar zu wirken. Trotzdem zweifelt Scott immer mehr an sich und der Welt um ihn herum und zum ersten mal verlässt er seine selbstgewählte Isolation. Auf einem Jahrmarkt sieht er angewidert, wie Menschen mit Abnormitäten in der körperlichen Größe für Geld zur Show gestellt werden. In einem lokal trifft er allerdings auf eine kleinwüchsige junge Frau aus der Schausteller-Truppe, zu der er bald gewisse Sympathien entwickelt. Doch bei einem weiteren Treffen stellt er erschreckt fest, dass der Prozess der Schrumpfung erneut eingesetzt hat.

Zu einem Winzling geschrumpft, lebt er nun zu seiner eigenen Sicherheit in einem Puppenhaus. Als Louise nur ein paar Besorgungen machen will, gelingt es der Hauskatze, sich in die Wohnung zu schleichen und attackiert Scott bald darauf. Um nicht von dem Tier getötet zu werden, dessen Jagdinstinkt aufgrund seiner geringen Größe geweckt wird, versucht er sich hinter die Kellertür zu retten. Doch diese Flucht wird für Scott zu einer Falle der übelsten Sorte. Während alle glauben, die Katze hätte Scott nicht nur getötet, sondern auch gefressen, erwacht Scott nach seinem Sturz im Keller und muss nun auf sich gestellt um Nahrung kämpfen, wenn er überleben will. Doch nicht nur der Hunger oder ein plötzlich auslaufender Wasserkessel gefährden Scotts Leben, denn auch eine große Spinne sieht in ihm nun eine willkommene Beute. Da das einzig essbare (ein Stück Brot) direkt am Netz der Spinne liegt, bleibt Scott nichts anderes übrig als den finalen Kampf gegen seinen achtbeinigen Feind aufzunehmen.

SzenenfotoArnolds Zaunpfahl und Scotts Wandlungen
In DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C verzichtet Jack Arnold im weitesten Sinne auf Schockeffekte und zeigt anhand seiner Hauptfigur gewaltige Wandlungen auf, die auch versteckte Kritiken am bestehenden Zeitgeist offenbaren. Der anfängliche starke Mann der sich gerne vom sogenannten schwächeren Geschlecht das Bier holen lassen will, findet sich plötzlich in der Rolle eines Kleinkindes zurück versetzt, was seine angepasste spießbürgerliche Weltsicht völlig auf den Kopf stellt. Er macht eine Entwicklung vom typisch liebenswerten Alltagsmacho zum hilfsbedürftigen Schwächling durch, wird aus seiner gewohnten gesellschaftlichen Stellung heraus gerissen und zum Versuchkaninchen und hilflosen Objekt, dass auf das Wohl und Wehe des weiblichen Geschlechts (seiner Frau) angewiesen ist.

Was Jack Arnold da abliefert, kann man durchaus als eine geharnischte Kritik an der starren Geschlechterrolle in seiner Zeit werten. Angereichert wird dies mit einem ordentlichen Schuss Pathos, in der „das Opfer“ (Scott Carey) zum Pionier in einer sich für ihn stets verändernden Welt wird und geradezu prophetisch über seine Zukunft und seine Stellung im Universum sinniert.

SzenenfotoHorror oder Science Fiction?
Die Frage einmal gestellt, dürfte die jeweiligen Lager eventuell wieder in Wallung geraten lassen. Die einen werden in dem Film einen lupenreinen Science Fiction Film seiner Zeit sehen, andere werden ihn eher in die Sparte Horror ablegen wollen. Letztere werden sich da mit Sicherheit die Szenen mit der Katze oder noch besser, die Szenen mit der Spinne zur Unterfütterung ihrer Argumente heran ziehen. Ich erinnere mich da noch recht lebhaft an die damalige Diskussion im Zauberspiegel zur Genre-Frage (Buch wie Film) hinsichtlich FRANKENSTEIN ODER DER MODERNE PROMETEUS von Mary Shelly.

Doch nicht wenige Filme aus dem Bereich der Phantastik (oder Bücher) in der damaligen Zeit, haben eher eine verschwommenen Trennung zwischen den Genres. So kann man DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C durchaus in den Bereich der früheren Science Fiction rücken. Trotzdem verfügt aber auch dieser Filmklassiker über Grundelemente des Horrors (siehe hier speziell den Tier-Horror-Bereich). Dazwischen wurde ein nicht unerheblicher Teil Drama eingebaut, der den Film wie eine rote Linie durchzieht. Die SF-Komponente dürfte bei DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C sogar noch stärker ins Gewicht fallen als bei Mary Shellys FRANKENSTEIN. Es dürfte jedoch müßig sein, sich über die Genre-Frage zu streiten bei einem Film, der sowohl SF- wie Horror-Fans gleichermaßen anzusprechen weiß.

Von riesigen Wassertropfen und Kondomen
Einen lustigen Part weiß die Wikipedia noch zum Film zu präsentieren, denn um die riesigen Wassertropfen darstellen zu können, benutzte man hierzu Kondome, die mit Wasser gefüllt wurden. Am Ende müssen diese Verhütungsmittel jedoch für die Produzenten ziemlich hoch zu Buche geschlagen sein, so dass sie die hohen Kosten hierfür monierten. Jack Arnold soll darauf (wohl mit einem Augenzwinkern) mit dem Argument gekontert haben, dass die Dreharbeiten doch wohl recht anstrengend gewesen seien und die Beteiligten sich hinterher einen gewissen Spaß wohl verdient hätten. Wie der Spaß aussah? Tja, wir müssen nicht alles wissen -  oder?!

SzenenfotoMeine Filmkritik
Egal ob man nun lieber Horror- oder Science Fiction-Filme mag, der Film DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C sollte bei keinem fehlen, der sich besonders für den Phantastischen Film der früheren Jahre interessiert. Nur zu gut sieht man in manchen Szenen die Tricks, die bei der Umsetzung genutzt wurden und dürften den Kenner der modernen Spezialeffekte eher ein Grinsen ins Gesicht treiben. Trotzdem ist dieser Film einfach Kult, den viele Nachahmungen mit weitaus besseren Spezialeffekten nie erreichen konnten.

Das mag auch daran liegen, dass das Original durchaus mit einer gewissen hintergründigen Situationskomik spielt, während alle ähnlichen Nachahmungen mit gleichem Hintergrund (schrumpfen eines Menschen) in der Masse der platten  Filmkomödien versumpfen und somit eher wie billige Massenware aus Hollywood daher kommen. Für den Filmfreund und Kenner der phantastischen Filmklassiker ist DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C daher ein absolutes Muss in der eigenen Sammlung.

Ausblick
Im nächsten Artikel zum Thema PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER werden wir uns einem Science Fiction Film reinsten Wassers zuwenden, der mit der Buchvorlage aber nur noch sehr wenig zu tun hat. Das macht den Film selbst aber nicht weniger sehenswert.
Die unglaubliche Geschichte des Mr. C
Die unglaubliche Geschichte des Mr. C
(The Incredible Shrinking Man)
mit Grant Williams, Randy Stuart, Paul Langton, April Kent, William Schallert, Diana Darrin, Raymond Bailey u.a.
Regie: Jack Arnold
Drehbuch: Richard Matheson
Produktion: Universal Picture
Genre: Science Fiction/Horror
Laufzeit: 78 Minuten 
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH
USA 1957

 Zum ersten Artikel -  Zur Übersicht

Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2015-07-18 10:51
Insbesondere das eher offene Ende war spannend...ich bin übrigens ein absoluter Fan von Jack-Arnold-Filmen, die oft sehr phantasievoll waren...und meines Erachtens vielfach unterschätzt...heute wäre er ein Cameron/Carpenter/Master-Desaster-Meister mit vielen A-Filmen und Supretricktechnik... :-)
#2 Laurin 2015-07-18 17:11
Von Arnold kommt auch noch was nach, etwas Geduld, ich will die Reihe ja ziemlich Abwechslungsreich gestalten. Aber es stimmt, ich sehe ihn auch ziemlich unterschätzt. ;-)
#3 G. Walt 2015-07-18 22:27
Die BluRays sind soweit vorhanden alle leide rnoch recht teuer. Aber nur die haben das berühmte ARnold-Interview hinten dran. Ich hoffe auf eine anständige Gesamtausgabe
#4 Mainstream 2015-07-19 00:01
-
Arnolds Filme sind nie auf Science Fiction oder
Horror festgelegt. Sie sind stets eine gesunde
Mischung aus beiden Genres, was seine Filme auch so
spannend macht.

Nicht zu vergessen die philosophischen Ansätze,
die einen nicht unerheblichen Teil der Geschichte
einnehmen. Bei MR. C ist es ganz besonders stark
im abschliessenden Monolog ausgeprägt.

Ich möchte widersprechen, wenn Arnold als unterschätzt
bezeichnet wird. Ohne ihn hätte das Kino der 50er,
mit dieser Art von Filmen nicht existieren können.

Allein was Jack Arnold von seinen Trick-Spezialisten
forderte, und auch bekam, das ist sensationell.
TARANTULA hatte Qualitäten in Rückprojektion und
Split-Screens, die selbst Jahre später kein Film
erreichte.
#5 G. Walt 2015-07-19 21:34
Der Mann verstand wirklcih was von seinem Handwerk. Die Bilder hatten damals schon so eigene Sprache bei ihm.
#6 Matzekaether 2015-07-22 03:34
Das gleichnamige Buch von Mattheson ist auch ein Klassiker. Interessante Anregung - vielleicht mach ich den mal in meiner Kolumne.
Matheson lieferte übrigens auch sehr schöne Folgen für Twillight Zone ab.
#7 Harantor 2015-07-22 14:33
Richard Matheson ist in jedem Fall eine (eher eine mehrfache) Option für Deine Artikel. Aber mit Teil 17 soll ja noch nicht Schluss sein. :lol:

Da werden sich Gelegenheiten finden lasse, hoffe ich.

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.