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TV-Klassiker: RAUMPATROUILLE

TV-Klassiker

RAUMPATROUILLE
 "Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von Übermorgen: es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem.
Eins dieser Raumschiffe ist die ORION, winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Begleiten wir die ORION und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit.
"
Mit diesen Worten des Schauspielers Claus Biederstaedt startete am 17. September 1966 mit „ANGRIFF AUS DEM ALL“ die erste Folge der Kult – Serie „RAUMPATROUILLE ORION“.


RaumpatrouilleWenige Tage  zuvor, am 8. September 1966, war in den USA die SF – Serie „Raumschiff Enterprise“ in die unendlichen Weiten des Weltalls aufgebrochen.

Die Schwarz-Weiß-Serie wurde zum Quotenhit  in der ARD und erreichte Einschaltquoten von bis zu 85%.
Der schnelle Raumkreuzer ORION

Die erste deutsche SF–Serie wurde 1965 in den Bavaria–Studios in München produziert.

Da für den WDR, der anfangs als Hauptproduzent im Gespräch war, die geplanten Kosten von bis zu 360.000 DM pro Folge zu hoch waren, suchte Bavaria-Boss Helmut Jedele nach einem Co-Produzenten.
Dieser fand sich im französischen ORTF. Da sich der ORTF mit ca. 20 % an den Produktionskosten beteiligte, wurden auch einige Szenen speziell für das französische Publikum parallel erstellt.
Die französische Raumpatrouille hieß „Commando spatial – Les aventures fantastiques du vaisseau d'espace ORION“.

Szenenbildner und Oscar-Preisträger Rolf Zehetbauer stellte für „RAUMPATROUILLE ORION“  mit einfachen Dingen eine futuristische Kulisse her.

„Wir hatten kein Geld und sollten eine aufwändige Science-Fiction-Serie machen. Das war der Auftrag damals.
Wir waren gezwungen, überall zu improvisieren. Die Ausstattung für das Raumschiff eigens anfertigen zu lassen, war völlig ausgeschlossen. Also haben wir nach Dingen gesucht, die es schon gab.
“ (1)

 

Die Crew der Orion Ursula Lillig, Wolfgang Völz, Dietmar Schönherr, Friedrich G. Beckhaus, Claus HolmDie seinerzeit für eine Fernsehverfilmung spektakulären Effekte besitzen heute einen ganz eigenen Charme. So wurden etwa verfremdete Bügeleisen und Bleistiftanspitzer als Armaturen und Plastikbecher als Deckenleuchten verwendet.

„Die Formensprache der Haushaltsindustrie war sehr modern in den Sechzigern. Und das Bügeleisen hatte diese Stromlinienform, die ich gesucht habe.
Es war typisch für unseren Stil, dass wir nach möglichst ungewöhnlichen Formen gesucht haben - andererseits hatten wir aber auch wieder nicht genug Geld, um solche Formen extra schnitzen zu lassen.
Also waren die Mikrofone auf der "Orion" tatsächlich Badewanneneinläufe: die waren elegant, die waren verchromt, die waren fertig. Perfekt!
In der Bauindustrie haben wir Glaskuppeln und Plexiglas zusammengesucht und daraus die Helme für die Astronauten gefertigt.
“ (2)

Auf der Brücke der OrionAuf den Kopf gestellte Uhrpendel, bei denen eine Metallkugel auf einem zylindrischen Stiel saß, stellten die Fahrhebel dar. Auch Garnrollen und Wasserhähne kamen als Dekoelemente zum Einsatz.

Die spektakulären Kunststoffkulissen in der Kommandokanzel der Orion wurden mit dem damals ganz neu erfundenen Tiefziehverfahren erstellt. Die Aufnahmen wurden größtenteils in den Bavaria Film- und Fernsehstudios in Geiselgasteig gemacht.

„Alles, was es in den Bavaria-Studios gab, war eine Tiefziehmaschine, mit der man Kunststoff in alle möglichen Formen bringen konnte. Das hat sehr geholfen, etwa bei Wandverkleidungen - aber das war es dann eben auch schon.“ (3)

 

Außendrehorte für „RAUMPATROUILLE ORION“.waren u. a. Schloss Höhenried (Planet Chroma aus Folge 5), die Pechkohle – Bergehalde in Peißenberg, der Königsplatz in München (als Teil der Raumschiffbasis 104) oder das Aquarium des Berliner Zoos.
Im kampf gegen RoboterHier entstanden die Aufnahmen der Fische und Schildkröten, die hinter den Fenstern im Starlight-Casino und in McLanes Bungalow zu sehen waren.

„Alle Häuser und Villen rund um München, in denen wir hätten drehen können, haben viel zu sehr an die Gegenwart erinnert.
Unter Wasser, ohne Tageslicht, das war gleich eine ganz andere Welt. Aber es ist auch ein ziemlich peinlicher Fehler passiert.
Da schwimmen ja überall Fische herum, und weil in der Tricktechnik damals zwei Maßstäbe nicht übereingestimmt haben, wirken die völlig überdimensional. Da sitzt dann Dietmar Schönherr in seinem futuristischen Stuhl zwischen all diesen Riesenviechern.
“  (4)

Das Raumschiff „ORION“ gab es als Modell in drei verschiedenen Größen, von 60 cm bis 1,60 m Durchmesser.

Das Set des Kommandostandes hatte einen Durchmesser von 28 Metern. Es wurden 3200 Glühlampen und 10.000 Meter Kabel für elektrische Schaltungen eingebaut. Hier und da erscheinen die Ventile einer Mischbatterie.

„Es gab auch noch kein "Star Trek" oder ähnliche Serien. Wir hatten totale Freiheiten beim Entwurf des Raumschiffes und des Innenlebens.
Damals hat man schon dauernd von irgendwelchen fliegenden Untertassen gesprochen, die gesichtet worden waren, also war klar, dass ein Raumschiff im Jahr 3000 die Form einer fliegenden Untertasse bekommt.
“ (5)

 

EPISODENFÜHRER

Folge 1: Angriff aus dem All
Erstausstrahlung: 17. September 1966
 
Sie stoßen darin auf Exoterristen, FROGS genannt, die auf einer Außenbasis sämtliche Besatzungsmitglieder getötet haben. Für mich war das damals sehr unheimlich, denn die Toten waren buchstäblich in der Bewegung erstarrt.

Folge 2: Planet außer Kurs
Erstausstrahlung: 1. Oktober 1966

 
Den FROGS ist es gelungen eine Supernova auf die Erde zuzusteuern. MacLane und seine Besatzung kann aber noch rechtzeitig die Leitzentrale der Fremden vernichten und somit die Katastrophe verhindern.

Folge 3: Die Hüter des Gesetzes
Erstausstrahlung: 15. Oktober 1966

Roboter haben auf dem Erzplaneten Pallas die Kontrolle über die Menschen übernommen. Tamara hat im kybernetischen Unterricht gut aufgepaßt und es gelingt ihr, die Roboter umzuprogrammieren. Helga und Atan halten auf einer Lancet die Stellung. Durch "Laurin läßt grüßen" hängt ihr Leben am seidenen Faden. Sie werden aber in letzter Minute gerettet.

Folge 4: Deserteure
Erstausstrahlung: 29. Oktober 1966

Die Besatzung der ORION kommt in den Einflußbereich sogenannter "Telenose-Strahlen" der FROGS. Diese unheimliche Strahlung dringt in die Gehirne der Astronauten und macht sie zu willenlosen Werkzeugen. Ein an Bord befindlicher Professor bannt die Gefahr, McLane geht zum Schein auf die Befehle ein und vernichtet den feindlichen Stützpunkt.

Folge 5: Der Kampf um die Sonne
Erstausstrahlung: 12. November 1966

Wissenschaftler auf Chroma haben die Sonneneruptionen verstärkt um auf ihrem Planeten zu überleben. Doch der Erde droht die Gefahr zu verdörren. Die ORION fliegt nach Chroma und stellt überrascht fest, daß die Welt von Frauen beherrscht wird. Ein Kompromiss wird aber erreicht.

Folge 6: Die Raumfalle
Erstausstrahlung: 26. November 1966

Pieter Paul Ibsen, ein Science Fiction-Autor, ist Gast an Bord der ORION. Die Besatzung ist davon überhaupt nicht begeistert. Trotzdem gestatten sie ihm mit einer Lancet einen Alleinflug. Er kommt dabei in den Einflußbereich des Planeten Mura, einem Verbannungsort für abtrünnige Wissenschaftler, und muß landen. Bei der Rettung kommt die Orion in eine knifflige Situation.

Folge 7: Invasion
Erstausstrahlung: 10. Dezember 1966

Die FROGS gehen mit ihrem Plan, die Erde einzunehmen, in die entscheidende Phase. Hohe Beamte des GSD, allen voran Oberst Villa, werden manipuliert und bereiten den Invasionsplan vor. McLane, der wieder mal einen Befehl nicht befolgt, wendet die Katastrophe ab. Er wird befördert und zu den schnellen Kampfverbänden zurückbeordert. Auch einem Happy-End mit Tamara steht nun nichts mehr im Wege.

BESETZUNG
Dietmar Schönherr als Major Cliff Allister McLane, Kommandant des Schnellen Raumkreuzers Orion
Eva Pflug als Leutnant Tamara Jagellovsk
Wolfgang Völz als Leutnant Mario de Monti
Claus Holm als Leutnant Hasso Sigbjörnson
Friedrich G. Beckhaus als Leutnant Atan Shubashi
Ursula Lillig als Leutnant Helga Legrelle
Benno Sterzenbach als General Winston W. Wamsler
Friedrich Joloff als Oberst Villa
Hans Cossy als Marschall Kublai Krim
Charlotte Kerr als General Lydia van Dyke
Thomas Reiner als Ordonnanzleutnant Spring Brauener
Claus Biederstaedt (uncredited) -Sprecher der Einführung

Gaststars
Herbert Fleischmann, Margot Trooger, Sigurd Fitzek, Reinhard Glemnitz, Hans Epskamp, Sigfrid Steiner,

 Eine Lancet (von Stefan Holzhauer)
Eine Lancet im Anflug

(1) Rolf Zehetbauer
(2) Rolf Zehetbauer
(3) Rolf Zehetbauer
(4) Rolf Zehetbauer
(5) Rolf Zehetbauer

 

© 2008 by Ingo Löchel
Bilder: Archiv des Autors

 

Kommentare  

#1 Dolmial 2009-01-30 20:47
'Um meine Behauptung zu erhaerten, eine Landung auf dem Jupitermond Rhea sei moeglich, setze ich in wenigen Augenblicken auf Rhea auf ...'
Wenig spaeter geht's nach MZ4, man fragt sich, was MZ1 bis 3 gewesen sind oder gar MZ5 sein wird.
Nicht einmal beim Buegeln denke ich an die Serie und ich glaube, dass ausser der Erwaehnung der Raumstation alle Gelder in den Sand gesetzt sind.
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#2 Larandil 2009-01-30 21:12
Der Schnelle Kreuzer ORION VII (und ab Episode III ORION VIII) war mein erstes Fernsehraumschiff, und weder Star Treks Enterprise noch die Eagles der Mondbasis Alpha konnten ihm je den Rang ablaufen. Nein, da mußte erst ein verdammt großer Sternenzerstörer der Imperial-Klasse über Tatooine erscheinen.
Für eine HM-4 lasse ich immer noch jeden Phaser liegen.
Und die seltsamen fliegenden Winkel der Frogs wollte ich sogar einmal aus Papier falten. Sah ja gar nicht so schwer aus, wie es dann war!
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#3 Holzi 2009-01-31 00:19
"Magnetkissen fluten!" "Sofortiger Rücksturz zur Erde!" "Schlafende Energie und Montor!"

Ich kannte Kirk und Co. vor den Abenteuern von Clifford Alistair McLane und seiner Mannschaft, aber was da von Bavaria und den Schauspielern abgeliefert wurde war bahnbrechend und ist bis heute trotz seiner Schwächen unerreicht.

Der Kontrast zwischen den sehr deutsch spielenden Mitgliedern der Erdregierung und den für die damalige Zeit eher antiautoritären Mitgliedern der Orion-Crew ist gross. Hier wurde der Obrigkeitsgehorsam des Nachkriegsdeutschlands in Frage gestellt, selbst (oder vielleicht grade) in einer damals verpönten SF-Geschichte. So etwas zu produzieren war gewagt und es war trotz des gewagten Themas erfolgreich. Und es gab nie den erhobenen Zeigefinger.

Ich gebe es offen zu: Ich bin trotz aller Trash-Elemente ein grosser Fan.

(He, Hotte, wäre dieser Artikel nicht ein hinreichender Grund, mein Lancet-Desktop-Hintergrundbild, das ich Dir vor Monaten geschickt habe, zu veröffentlichen?)
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#4 Harantor 2009-01-31 02:21
Zitat:
(He, Hotte, wäre dieser Artikel nicht ein hinreichender Grund, mein Lancet-Desktop-Hintergrundbild, das ich Dir vor Monaten geschickt habe, zu veröffentlichen?)
Zum Download bieten wir es nach gewissen Änderungen an, aber sorry, dass ich vergessen habe, es anzufügen. Aber hier ist Deine Lancet erstmal.
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#5 Laurin 2009-06-19 21:36
Kann ich bei Holzi nur unterschreiben, was da mit wenig Geld, Haushaltswaren und Initiative abgeliefert wurde hat einfach Kultstatus!
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