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Das röhrende Böse - Gespenster-Krimi: »Der gehörnte Abt«

Der gehörnte AbtDas röhrende Böse
Gespenster-Krimi: »Der gehörnte Abt«

Mit dem Hörspiel DER GEHÖRNTE ABT hatte man in der Reihe GESPENSTER-KRIMI das Dutzend voll gemacht. Und mit einem Hörspiel von insgesamt 78 Minuten Spielzeit war mir bewusst, das ich vorher dafür sorgen musste, jede Ablenkung möglichst auszuschließen um wirklich in die Geschichte eintauchen zu können. Das war auch irgendwie wichtig, weil ich mich eine längere Zeit nicht mehr auf ein Hörspiel eingelassen hatte.

Der gehörnte AbtIn der Hinsicht machen es mir Hörspiele in der Regel durchaus etwas schwerer. Würde man mir z.B. gleich zu Beginn den Einstieg in die Handlung etwas schwer machen, oder beginnt eventuell die Handlung mich irgendwo im weiteren Verlauf zu langweilen (eventuell durch den einen oder anderen Durchhänger)? Dann nämlich schweift mein Blick schnell ab, mir fallen plötzlich völlig andere Dinge ein und auf das, was mir da in die Ohren dringt, kann ich mich dann kaum noch richtig konzentrieren. Man muss sich das so vorstellen, als bekäme man gerade von einem Mitmenschen einen Vortrag gehalten, der mich irgendwann nicht mal mehr die Bohne interessiert. Dann entsteht da bildlich gesprochen bald ein gewisser Durchzug vom linken bis zum rechten Ohr, wobei in der Mitte dann auch kaum noch was hängen bleibt.

Andererseits hatte mich z.B. das Hörspiel TEUFELSTOCHTER (Gespenster-Krimi-Hörspiel 2) ja durchaus damals sehr positiv unterhalten, was ich ja auch hier im ZAUBERSPIEGEL bereits durch eine Rezension zu würdigen wusste. Und so, weil irgendwie in meinem Kopf die Idee aufkam, dass ich mal wieder ein Hörspiel besprechen könnte, kam dann auch die Idee auf, mir eben die Folge 12 der Reihe mit dem Titel DER GEHÖRNTE ABT zuzulegen, was natürlich auch an der Inhaltsangabe lag, die ich durchaus interessant fand, da hier auch nicht die typischen klassischen Monster bemüht wurden. Aber schauen wir mal flott in die Handlung selbst rein.

Der gehörnte AbtDas Leben kann ein ziemlicher Drecksack sein:
Zumindest dürfte dies dem jungen Daniel in dieser Geschichte von Dennis Hendricks so vorkommen, welcher erneut die Diagnose Bauchspreicheldrüsenkrebs durch seinen Arzt, Doktor Ferreira erhält. Denn eigentlich hatte man den Tumor bereits damals frühzeitig durch eine Operation erfolgreich entfernen können, bevor er schlimmes anrichten konnte. Das Problem ist nur, dass dieser Tumor wieder zurück gekommen ist und nun doch den größtmöglichen Schaden angerichtet hatte. Das Resultat ist für den jungen Mann ebenso überraschend wie niederschmetternd, denn der Arzt gibt ihm zu verstehen, dass er nun bereits Krebs im Endstadium hat und ihm im Höchstfall nur noch sieben Monate zu leben bleiben.

Da Daniel aber sein Ende nicht in Selbstmitleid erreichen will, reift in ihm der Wunsch, mit seinen Freunden ein letztes mal einen Trip in das dichte spanische Waldgebiet Selva de Oza zu unternehmen.

Seine Freunde sind übrigens Aaron und seine Schwester Lucia, die gerade auch nichts besseres vorhaben dürften. Denn ihr Vater, ein eher schmieriger Tyrann, macht Aaron gerade mal wieder das Leben äußerst schwer, so das Lucia ihm sogar mit einer Schusswaffe zu Hilfe eilt. Für beide ist es jedenfalls an der Zeit, endlich diese Hölle zu verlassen, vor der ihre Mutter schon vor Jahren ohne sie geflohen ist. Denn alles dürfte in ihren Augen besser ein, als weiter unter dem Terror ihres Erzeugers weiter einzuknicken. Dumm nur, das es schlimmeres im Leben gibt. Viel schlimmeres. Und nun fahren sie geradewegs darauf zu.

Kryptische Warnungen und eine fasst nackte Nonne ...
... sollten allerdings auch als Warnungen richtig verstanden werden. Denn schon an einer heruntergekommenen Tankstelle spart der Besitzer nicht gerade mit entsprechenden Warnungen. Und als dann auch noch Victor Augustin auftaucht, der hier in den Wäldern verzweifelt nach seiner verschwundenen jüngeren Schwester Ines sucht, sollte spätestens das alle Warnleuchten bei Daniel, Aaron und Lucia aufleuchten lassen.

Unseren drei Freunden sollte allerdings spätestens dann eine innere Stimme sagen, dass man (im Fall von Daniel) seine letzte Zeit auch an anderer Stelle angenehmer verbringen kann, wenn einem bei der Weiterfahrt plötzlich eine schaurige und fasst nackte Nonne fasst vor den Wagen rennt, oder man bei dem späteren Fußmarsch plötzlich mit weiteren düsteren Absonderlichkeiten konfrontiert wird, wie etwa einem alten Beichtstuhl mitten in der grünen Pampa.

Auch an frischer Luft in freier Natur mögen sich unsere Freunde bald nicht mehr so wirklich erfreuen können. Zumindest dann nicht, wenn man dabei an eine Weide gelangt, auf der eine ganze Herde von toten Lämmern fröhlich vor sich hin gammelt. Aber auch sonst wird gerade Daniel immer mehr von äußerst schlimmen Albträumen  geplagt. Und bald befinden sich so unsere drei Freunde in einem Grauen, bei der die Grenzen zwischen Realität und Albträumen immer mehr ineinander verschwimmt.

Auch Victor Augustin gerät bald bei seiner Suche ins pure Grauen der Wälder. Denn als er eine alte Ruine betritt, findet er nicht nur einige mit Stichwunden übersäte Leichen, sonder erhält auch durch die gruselige Nonne Alba einen grausigen Einblick, was das Schicksal seiner jungen Schwester betraf.

Daniel und Co. treffen indessen in einer alten Hütte im Wald ein, wo sie auch auf eine seltsame, in schwarz gekleidete alte Frau mit einer Geige stoßen. Doch das Grauen nimmt immer bizarrere Formen an, da die Nonne Alba das absolute Böse in Form des gehörnten Abt Guarin auf die Welt loslassen möchte. Kann es den Freunden trotzdem noch gelingen, das herannahende Grauen noch zu stoppen?

Der gehörnte AbtEin wirklich schauriges Vergnügen ...
... würde ich einfach mal im ersten Augenblick behaupten. Und genau genommen hat dieses Hörspiel aus der Reihe GESPENSTER-KRIMI wieder alles irgendwo richtig gemacht. So wird man hier nicht mit einem typischen Helden verärgert, der moralisch auf hohem Niveau so unglaubwürdig wie nur möglich wirkt, sondern mit drei jungen Leuten, bei denen sogar Daniel durch seine Krebserkrankung eigentlich schon genug mit seinen eigenen Gefühlen zu kämpfen hätte. Aber auch die Erzählerin Alexandra Lange bringt uns mit unheilschwangerer Stimme immer wieder recht schauerlich von einem kurzweiligen Kapitel der Handlung zum nächsten.

Allerdings auch die musikalische Unterfütterung seitens Konrad Dornfels (zusätzliche Musik) und Andy Muhlack (Sound, Musik & Mastering) weiß die düstere Stimmung weiter zu veredeln, so das aus diesem Hörspiel im Genre Horror wirklich eine runde Sache wird, in die man nur zu gerne als Hörer eintaucht.

Aber wo viel Licht ist, da gibt es trotzdem auch immer ein paar kleine Schatten. Und da meine ich noch nicht einmal die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs hinsichtlich des jungen Daniel. Diese Form des Krebs ist zwar keine wirklich sehr häufige Erkrankung und tritt zumeist erst bei Menschen im hohen Alter auf. Allerdings, so weiß ich aus eigener Erfahrung in meinem näheren Umfeld, macht diese Erkrankung auch vor jüngeren Menschen nicht unbedingt halt, auch wenn dies eher dann einem Seltenheitswert entspricht.

Nein, viel eher schwebt mir da die abtrünnige Nonne Alba (gesprochen von Karin Lieneweg) vor, die mir innerhalb der Handlung bald recht geschwätzig vorkommt, was sicherlich an ihren manchmal sehr dialoglastigen Auftritten liegt. Hier wäre etwas weniger durchaus mehr gewesen, da sie mich so leider immer an die "Bösewichte" z.B. aus den Heftromanserien wie JOHN SINCLAIR erinnert, die sich selbst um Kopf und Kragen reden, um dann mit einem läppischen Handstreich des (Über-)Helden mal flott ungespitzt in den Boden gerammt zu werden. Halt eben gruselige Comedy in einer dunklen Ausformung.

Der zweite kleine Schatten tat sich dann beim besagten "gehörnten Abt" mit Namen Guarin für mich auf, der ja das ultimative Böse durch seine Beschwörung auf die Erde bringen soll. Nun ja, da kann man auch gleich eine preisgekrönte Milchkuh zur neuen Queen von England ernennen, denn viel mehr kam von dem nicht. Oder anders gesagt, wo mir die finstere Nonne Alba zu geschwätzig wirkte, da röhrte das "ultimative Böse" in Form des Abt Guarin einfach nur rum wie ein Zirkuslöwe, dem man sein Leckerli weggenommen hat. Da hätte man mit einer düsteren Stimme durchaus dem "gehörnten Abt" einige schaurige Sätze zugestehen können, statt ihn einfach nur bedrohlich wirkende Laute durch den Hals zu jagen. Ich glaube, auch Lutz Riedel als Stimme des Abts hätte da der eine oder andere gut platzierte düstere Satz durchaus noch Freude gemacht.

Aber man soll schließlich nicht nur motzen ...
... weshalb ich zum Schluss auch wieder einige versöhnliche Worte bemühen möchte. Denn was die düstere Atmosphäre und ein paar schaurige Details angeht, so spielt dieses Hörspiel durchaus in einer höheren Liga mit, um mal eine Metapher aus diesem Ballspiel (da wo 22 Leute vor einem Ball weglaufen) zu benutzen. Da gibt es durchaus schlechtere Hörspiele des Genre, die ich leider auch schon anhören musste (zumindest bis ich den Knopf zum abwürgen des Player gefunden hatte). DER GEHÖRNTE ABT gehört indessen nicht dazu, so das die 78 Minuten Spielzeit für mich durchaus recht kurzweilig und spannend verliefen. Und die schaurig vorgetragenen Details des Schreckens verfehlten bei mir ihr Ziel dabei natürlich auch nicht.

Leider scheint den Hörspielen der Reihe GESPENSTER-KRIMI irgendwie bald die Luft ausgegangen zu sein, auch wenn sie durchaus wie hier, so einige Perlen zu bieten hatte. Macht aber nichts, denn wer etwas mehr in Sachen GESPENSTER-KRIMI-Hörspiele von mir lesen möchte, der darf im ZAUBERSPIEGEL gerne noch mal auf meine früheren Rezensionen von mir zur Folge 2, TEUFELSTOCHTER oder aber Folge 14, SCHATTENSCHREI zurückgreifen. Und da auch noch zwei weitere Hörspiele der Reihe mein Interesse weckten, jage ich mir in nächster Zeit z.B. auch mal die Folge 11, DAS TOR ZUR HÖLLE durch meine neugierigen Gehörgänge. Was diese Folge mit dem Titel DER GEHÖRNTE ABT betrifft, so gibt es von mir zur Bewertung hier mal locker vier von fünf nackte Nonnen vom Ballermann und damit eine klare Empfehlung, hier lustvoll-gruselig reinzuhören.

Der gehörnte AbtDer gehörnte Abt
Gespenster-Krimi
Buch: Dennis Hendricks
Sprecher: Alexandra Lange, Christian Zeiger, Luisa Wietzorek, Karin Lieneweg, Sven Plate, Nils Rieke, Robin Brosch, Gabrielle Pietermann, Jürgen Thormann, Robert Levin, Lutz Riedel, Luise Lunow,Christian Rudolf
Idee, Konzept & Regie: Christoph Plasecki, Patrick Holtheuer
Sound & Musik: Andy Muhlack, Konrad Dornfels
Cover & Design: Kito Sandberg
VÖ: März 2017
Dauer: 78 Minuten
ISBN: 978-3-945757-50-5
Preis: 9,95 Euro (Audio-CD)
Contendo Media GmbH 

Kommentare  

#1 Cartwing 2022-09-21 05:28
Wieder ein schöner Beitrag.
Das mit dem Durchzug kenne ich auch.
Geht mir vor allem mit Hörbüchern so.

Heute höre ich nur noch die drei Fragezeichen mit meinem Sohn. Wenn man da einmal nicht aufpasst, hat man direkt den Faden verloren und darf zurück skippen...
#2 Laurin 2022-09-21 17:26
Danke @Cartwing für das Lob.
Und ja, bei Hörbüchern ist es wegen der Länge ja noch viel schlimmer. Da kann ich mich wirklich nur richtig in eine Handlung vertiefen, wenn ich die nötige äußere wie innere Ruhe habe und mich eben nichts und niemand ablenken kann. Warum dies gerade bei mir bei Hörspielen bzw. sicherlich auch bei Hörbüchern so ist, kann ich aber auch nicht erklären. Von daher habe ich auch nur richtige Hörbücher (also über mehrere CDs hinweg), deren Zahl man in meiner Sammlung locker an den Fingern einer Hand abzählen kann.

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