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SF-Nostalgie für die Ohren - Perry Rhodan: »Raumschlacht im Wega-Sektor«

Perry Rhodan - NostalgieboxNostalgie für die Ohren
Perry Rhodan: »Raumschlacht im Wega-Sektor«

Mittlerweile sind die ersten drei Jahre vergangen, seitdem Rhodan und seine drei Mitstreiter auf dem Mond auf das gestrandete Raumschiff der Arkoniden gestoßen sind. Auf der Erde ist die Stadt Terrania mit über 200.000 Einwohnern am Goshun-See zur Hauptstadt der Dritten Macht herangewachsen. Und selbst der alte General Lesly Pounder als Kommandant der US-Space-Force zeigt sich von dem dortigen Raumhafen durchaus beeindruckt.

Perry Rhodan NostalgieboxAls er jedoch mitbekommt, das Reginald Bull hier ebenfalls eine höhere Position einnimmt, ist Pounder gegenüber Major Freyt nicht gerade gut auf Bully zu sprechen. Doch dann bricht plötzlich der Alarm aus und Hektik kennzeichnet das weitere Vorgehen. Denn der Alarm wurde von der Robot-Wachstation auf Pluto ausgelöst, denn die Strukturtaster haben im 27 Lichtjahre entfernten Wega-System das eindringen von mehr als 100 fremden Raumschiffen aus dem Hyperraum registriert.

Gerade Thora und Crest sind daher gegenüber Rhodan davon überzeugt, das es sich hier nur um eine große Raumflotte von Arkon handeln kann und sehen somit auch ihre baldige Rückkehr zu ihrem eigenen Volk zum greifen nahe. Doch Rhodan mag nicht so recht den Glauben der beiden Arkoniden folgen. Schließlich hat er ja bereits einen kleinen Einblick darin bekommen, wie degeneriert dieses (wohl eher ehemals) große Imperium mittlerweile sein dürfte. Aber irgendwie flammt bei Thora und auch etwas bei Crest wieder der typisch überhebliche Charakter auf, wenn es um ihre ganz eigene Sichtweise auf die ehemals wohl auch zu Recht, stolzen Arkoniden geht.

Da Rhodan dabei durchaus auch davon ausgeht, dass diese fremde Raumflotte in wirklichkeit eher die noch immer hilflose Erde und ihre Menschheit im Visier haben könnte, und nur wegen eines möglichen Fehlers nun im Wega-System aufgetaucht ist, entschließt er sich mit voller Mannschaft mit der GOOD HOPE dort nach dem Rechten zu schauen. Nach einem kleinen Zwischenstopp beim alten Arkon-Depot, welches einmal vor rund 10.000 Jahren seitens der Arkoniden auf der Venus erbaut worden sein muss, und wo man noch rund 100 weitere Kampfroboter aufnimmt, nimmt man per Hypersprung die Reise zur Wega auf. Als man eben mittels dieses Hypersprung in kürzester Zeit die enorme Entfernung überbrücken konnte, tauchen gleichzeitig noch weitere fremde Raumschiffe im Wega-System auf. Und während man durch die Mutantin Betty Toufry langsam mitbekommt, das im Wega-System gerade auch eine tödliche Raumschlacht tobt, sind Thora und Crest immer noch der Meinung, eine solch große Flotte könne nur von Arkon stammen.

Doch diese Seifenblase zerplatzt, als auch die beiden Arkoniden endlich anhand der Form der Raumschiffe erkennen müssen, das es sich bei dieser großen Flotte eher um die echsenartigen Topsider handelt, mit denen man wahrscheinlich eh nicht auf friedlicher Basis verhandeln können würde. Aber auch die Bewohner des achten Planeten der Wega - die Ferronen - haben gegen die Topsider kaum eine wirkliche Chance, da ihre Raumschiffe zu langsam und ohne Schutzschirme, der zerstörerischen Kraft ihrer Gegnern hilflos ausgeliefert sind.

"Legen sie es darauf an mich zu demütigen, Rhodan?"

(Aussage von Thora gegenüber Rhodan)

Perry Rhodan NostalgieboxUm also die Ferronen vor der völligen Vernichtung zu bewahren, entschließt sich Rhodan, die brutalen Invasoren mittels arkonidischer Gravitationsbomben anzugreifen. Dabei scheint offenbar gerade Thora vor Freunde schon richtig feucht im Schritt zu werden, weil sie nun wie eine Furie mit den Bomben die gegnerischen Raumschiffe der Topsider vernichten darf. Doch Rhodan versucht hier nicht nur eine Invasion quasi im Hinterhof des Sol-System im Keim zu ersticken. Vielmehr interessiert ihn bereits die viel weiter reichende These von Crest, weshalb eigentlich auch genau dieses Wega-System das eigentliche Ziel seiner damaligen Forschungsreise war. Denn hier eben in diesem System versteckt, soll laut Crest sich auch die Welt des "ewigen Lebens" befinden. Und das die Ferronen ihrerseits schon vor langer Zeit zumindest Kontakt zu einer anderen, höherstehenden Zivilisation gehabt haben mussten, geht für Rhodan schon daraus hervor, weil sie offenbar über ein funktionierendes Netz von Materie-Transmittern verfügen, welches absolut nicht mit ihrer bisherigen technischen Entwicklung in Einklang stehen will. Und natürlich will sich Rhodan nun diese überlegene Technik auch für die aufstrebende Menschheit sichern.

"Sie haben recht Thora, alles für die Menscheit!"

(Erwiderung seitens Rhodan auf eine schnippische Äußerung Thoras)

Doch so einfach sind die Topsider dann doch nicht zu vertreiben, denn plötzlich taucht ein arkonidisches 800-Meter-Schlachtschiff der Imperiums-Klasse auf und greift in die Raumschlacht ein. Und Thora wie Crest jubeln wieder einmal zu früh, bis das auch sie begreifen müssen, das es wohl selbst den Topsidern gelungen ist, sich ein arkonidisches Schlachtschiff anzueigen. Es gelingt den Terranern zwar noch, einen bewusstlosen, aber lebenden Ferronen aus den Trümmern seines Raumschiff zu bergen und die eigene Staffel von Raumjägern unter Major Deringhouse zur Unterstützung der GOOD HOPE auszuschleusen, aber dann wird die GOOD HOPE quasi mit einem Streifschuss des Schlachtschiff zum hilflosen Wrack im Weltraum. Rhodan und den anderen Überlebenden gelingt zwar noch eine Notlandung auf dem neunten Planeten des System, doch damit wäre man auch hilflos für immer im Wega-System gestrandet, während die Topsider mittlerweile bereits dazu übergehen, die weiteren Schritte ihrer Invasion umzusetzen. Doch Rhodan wäre nicht Rhodan, wenn er nicht bereits planen würde, den Topsidern das erbeutete Schlachtschiff der Arkoniden nunmehr selbst abzujagen.

Raumschlacht im Wega-SektorZwischen Wunschdenken und Wirklichkeit ...
... tendiert auch hier wieder die Gefühlslage unserer Arkoniden Crest und Thora. Und war zuerst nur Thora die eher überhebliche Schnepfe vom Dienst, so scheint hier aber auch Crest nicht vor den typischen Überheblichkeiten gänzlich verschont zu bleiben. Den beiden mag es also auch drei Jahre später immer noch nicht leicht fallen, einmal nüchtern zur Kenntnis zu nehmen, dass das Imperium von Arkon längst schon nicht mehr wirklich den Ton im bekannten Bereich der Galaxis angibt. Vielmehr scheinen die durch Arkon früher eher kleingehaltenen Völker langsam aber sicher ihr ganz eigenes Süppchen zu kochen, ohne hierzu noch die dekadenten Arkoniden zu fragen, die, wie wir ja wissen, die Führungsgewalt des einmal so großen Imperiums längst an eine hochgezüchtete "Maschine" (dem Robotregenten) abgegeben haben. Man könnte auch sagen, das stolze Imperium stirbt bereits länger auf Raten vor sich hin.

Auffällig bei dem Hörspiel ist übrigens der Name "Terrania" (oder alternativ später auch in der Romanserie als Terrania City bezeichnet) für Rhodans Hauptstadt der Dritten Macht in der Wüste Gobi. Denn mal ehrlich, wer damals die Romane gelesen hatte, dürfte eigentlich wissen das im Originalroman Band 10 der PR-Serie das gute alte Terrania mit damals 40.000 Quadratkilometer  in der Wüste Gobi noch den Namen Galakto City trug. Aber gut, der Name Galakto City klingt im Nachgang auch wirklich irgendwie wie die Wortschöpfung eines Dreizehnjährigen mit gehobener SciFi-Begeisterung. Im Hörspiel bekommt man übrigens auch nicht mit, das der Halbmutant und Geschäftsmann Homer Gershwin Adams in der Romanserie bereits mit der GCC (General Cosmic Company) auf der Erde auf dem Weg zum terranischen Wirtschaftsplayer ist und damit auch die nach kurzer Zeit enorme Stellung der Dritten Macht auch wirtschaftlich bereits abgesichert hatte.

Die Strukturtaster melden das Auftauchen einer großen Flotte - das ist der Anfang eines interstellaren Krieges

(Untertitel von Perry Rhodan-Band 10, RAUMSCHLACHT IM WEGA-SEKTOR)

Verdammt witzig ist indessen innerhalb der Handlung durchaus das Verhalten seitens Thora, als sie endlich mit den arkonidischen Superbomben als Massenvernichtungswaffe um sich werfen darf, als wären es Bonbons in einem Karnevalszug in Köln. Zumindest geht hier Judy Winter stimmlich ab wie ein Zämpfchen, womit man ihr hier auch die zwischen Stolz und Überheblichkeit schwankende Arkonidin neidlos abnimmt.

Auch sonst gibt es an diesem Hörspiel aus der PR-Nostalgiebox eigentlich nur wieder sehr wenig zu meckern, außer das die Folge wieder zeitlich förmlich im Fluge vergeht. Da hätte man glatt auch die doppelte Spielzeit ansetzen können, weil die Zeit hier eigentlich eh wie nichts durch die Ohren rauscht, als gäbe es kein Morgen mehr. Oder ich sage es mal anders ... der Silberling macht einfach Spaß auf den Ohren. Das Cover des Hörspiel RAUMSCHLACHT IM WEGA-SEKTOR stammt übrigens eigentlich vom PR-Roman Band 12 unter dem Titel DAS GEHEIMNIS DER ZEITGRUFT, zeigt aber optisch zumindest recht hübsch einige Topsider bei ihren Lieblingsbeschäftigungen "erobern" und "abschießen".

Und wo wir gerade bei "Spaß" sind, habe ich euch natürlich auch wieder die jeweiligen Titel der Tracks/Kapitel aus der PERRYPEDIA rausgesucht:

1. Terrania
2. Geortete Objekte
3. Hypersprung
4. Im Wega-System
5. Fünfdimensionale Technik
6. Katastrophaler Ausgang

Raumschlacht im Wega-SektorDer Zeitsprung in der Handlung ...
... führt im Hörspiel aber leider auch dazu, dass so einiges unter den Tisch fällt, was man in der Romanserie damals lesen durfte. Ich nenne da nur mal die Dschungelwelt der Venus. Also die der Originalromane und nicht die in den weiteren Auflagen auch schon mal vom Sense of Wonder eher bereinigten Versionen, nur weil man die Darstellung der Venus nachträglich näher an die damals vorhandenen wissenschaftlich-realen Erkenntnisse bringen wollte, was einen so üppigen grünen Planeten schließlich als Absurdum führte. Aber mal ehrlich, das war doch völlig unnötig, schließlich ist PERRY RHODAN eine SciFi-Serie und kein astronomisches Wissenschaftsmagazin. Und wer es dann noch schafft, nach diversen wirren Superintelligenzen auch noch Kosmolümmel und Chaosdeppen als höhere Wesen auf die Leserschaft loszulassen, der hätte auch die Venus weiterhin als Dschungelwelt im originalen Stil schildern dürfen. Denn mal ehrlich, selbst jetzt sind die übergeordneten Mächte für mich um ein vielfaches unrealistischer als die hypothetischen Urwälder samt Saurier auf der Venus. Aber ich will hier nun nicht nachträglich mit Zwiebeln nach diversen Autoren werfen, die eigentlich besser die Finger von gerade deren Gemüseschalen hinsichtlich der PR-Serie gelassen hätten.

Zumindest, was die Serie PERRY RHODAN als Heftroman selbst angeht, würde ich da auch wieder zugreifen, wenn es doch noch mal eine Neuauflage mit allen Heften wirklich im Original geben würde (meine damalige PR-Romanheft-Sammlung ist ja leider lange verschollen gegangen). Aber das wird glaube ich leider wohl auch ein unerfüllbarer Wunschtraum in meinem Leben bleiben. Etwas Hoffnung hatte ich da ja anfänglich bei PERRY RHODAN NEO, nur halt auf den heutigen Lesestandat modernisiert. Aber selbst die Reboot-Reihe war für mich schon nach kurzer Zeit eher ein völliger Reinfall, von dem ich dann damals auch schnell wieder die Finger gelassen hatte.

Aber hey ... ich schweife schon wieder ab. Und da ich in Sachen Sprecherinnen und Sprecher, aber auch in der musikalischen Unterfütterung oder der entsprechenden Toneffekte nichts zum meckern finde, verbleibe ich doch einfach wieder bis zur kommenden Folge 6 hinsichtlich der Hörspiele aus der PR-Nostalgiebox mit dem Titel MUTANTEN IM EINSATZ.

Perry Rhodan NostalgieboxRaumschlacht im Wega-Sektor
Perry Rhodan: Hörspiel-Episode: Nostalgiebox 5 von 12
Dialogbuch: H.G. Francis
Produktion und Regie: Heikedine Körting
Illustration: Johnny Bruck
Musik: Tonstudio Europa
Cast: Peer Schmidt, Uwe Friedrichsen, Rolf Jülich, Judy Winter, Ernst von Klipstein, Monika Peitsch, Horst Stark, Jörg Gillner, Horst Naumann, Peter Lakenmacher, Günther Ungeheuer, Lutz Mackensy, Hannes Messemer
Erstmalig erschienen: 1983 als MC/1999 als CD
Europa Hörspiele/Sony Music 2021

Kommentare  

#1 Cartwing 2022-01-01 09:38
Wieder ein sehr schöner Beitrag.
Jetzt bin ich dann auch langsam soweit, dass ich mir die Box zulegen möchte.

Der gleichnamige Band 10 von Scheer war damals für mich einer der besten Romane unter den ersten 50.

Frohes neues Jahr übrigens an alle
#2 Laurin 2022-01-03 11:52
Hol dir ruhig die Nostalgiebox, @Cartwing, da machst du eigentlich nichts verkehrt.

Hoffe, ihr seit alle gut ins neue Jahr gekommen. :-)
#3 AARN MUNRO 2022-01-04 08:17
In der Mitte der Hörspiele wird regelmäßig ein Satz verschluckt. (Jedenfalls bei meinem, eigentlich ganz normalen Abspielgerät).Außerdem sind nicht alle vorkommenden Personen (Sprecher) auf jeder CD aufgelistet.Ansonsten war es nett, die alten Dinger mal wieder zu haben/zu hören. Das passt zu meinen drei EUROPA-Platten von PR.

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