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Ein wenig Horror für die Ohren – Draculas Rache

Draculas RacheEin wenig Horror für die Ohren
Draculas Rache

Bestimmt kennt der eine oder andere die Hörspielreihe FAITH VAN HELSING. Bei der Menge an CDs die es bereits hiervon gibt, ist es schwer, noch irgendwo mal vernünftig rein zu hören. Zum einen weiß man nicht, muss man die nächsten auch noch holen, denn manches erstreckt sich ja über mehrere Folgen und wo setzt man an, zumal einige der älteren Scheiben ja so einfach nicht mehr zu bekommen sind.


Ich habe mich da ganz einfach mal an die Folge 40 der Hörspielreihe heran gewagt, denn die steht von der Handlung ziemlich für sich und stellt auch eine gewisse Besonderheit in der Reihe dar.

Draculas RacheDie Jubiläumsfolge:
Ja, die Folge 40 war ein kleines Jubiläum gewesen, als sie im September 2013 auf den Markt kam. Da gab es dann extra ein Retro-Cover, dass durchaus recht ansprechend wirkt und so ziemlich alle wesentlichen klassischen Monster gleich fürs Auge mitliefert. Da sehen wir die hübsche FAITH im Kreise von einem Werwolf, Dracula und Frankensteins Monster und die kommen auch alle in dem Hörspiel vor.

Doch Achtung, man bekommt hier nicht einfach einen Aufguss zu den verschiedenen klassischen Monstern geliefert. Das wäre schlicht zu einfach. Und auch der Zeitraum, in dem das Abenteuer spielt, dürfte verwundern, denn normaler Weise agiert FAITH VAN HELSING ja in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit. Aber auch hier liefert das Hörspiel eine durchaus reizvolle Wendung, die dieses Paradoxon überraschend und recht logisch auflöst.

Ein kurzer Blick in die Handlung:
Wir schreiben das Jahr 1898 und FAITH VAN HELSING reist mit ihrem Großvater in einer Kutsche zum Schloss Dracula. Zwischendurch steigen auch noch weitere Personen zu, die ebenfalls zum Schloss wollen. Es geht um Geschäfte, wie man schnell herausfindet, auch wenn dieses Thema nicht wirklich intensiv behandelt wird.

Der Großvater von FAITH VAN HELSING ist übrigens niemand anderes, als der Okkultist und Vampirforscher Dr. Abraham van Helsing. Doch auch sie reisen nicht ohne Grund, denn Melissa, die Zwillingsschwester von FAITH VAN HELSING war bereits mit ihrem Verlobten Ben Chaney von Dracula eingeladen worden und gelten seit dem als Verschollen. Das es sich bei Dracula um einen Vampir handelt, ahnen sie aber noch nicht wirklich.

Auf dem Schloss angekommen, wird man aber schnell mit der Tatsache konfrontiert, dass Graf Dracula ein Vampir ist und Rache wegen seiner toten Frau will. Und man muss in der Handlung feststellen, dass nicht jeder das ist, was er vorgibt zu sein. Das ein gewisser Mortimer Black im Hintergrund die Fäden zieht, dürfte die Handlung noch einen Zacken interessanter machen.

Die volle Packung klassischer Horrormonster:
Da tauchen Personen und Namen auf, bei denen jedem bereits die Ohren klingeln müssten. Egal ob Abraham van Helsing, Jonathan Harker, Mina Harker, der bucklige Igor, die drei Vampirbräute samt dem Obervampir Dracula und Frankensteins Monster, die Liste ist lang und recht bekannt. Doch die Wendungen sind recht interessant, denn es taucht noch ein Werwolf auf, der gegen Ende überraschen dürfte wenn man herausfindet, welche Person sich dahinter verbirgt und auch der Nachfahre von Viktor Frankenstein dürfte (etwas später aufgedeckt) eine Überraschung sein. Für ausreichend Action und Überraschungen ist also gesorgt. Selbst Draculas ehemalige Frau, für die er nach Rache gelüstet, dürfte so manchem Horror-Fan keine wirklich unbekannte Gräfin sein. Aber ich will hier nun auch nicht zu viel verraten, denn das würde dem Ganzen schlicht die Spannung nehmen.

Letztendlich handelt es sich laut Simeon Hrissomallis bei dieser Jubiläumsfolge kurz vor Halloween um eine liebevolle Hommage an die alten Universal-Klassiker des Genre aus den 40er Jahren.

Mein kritisches Fazit:
Man könnte glatt der Meinung sein, dass bei all diesen bekannten Namen hier einfach etwas nacherzählt, aufgehübscht und miteinander verwoben wird. Ein wenig erinnert mich das auch an den Film VAN HELSING mit Hugh Jackman und Kate Beckinsale in den Hauptrollen. Auch da trafen das Monster von Frankenstein auf Dracula, seinen drei Bräuten, den guten Igor und zotteligen Werwölfen. Doch positiv kann man hier sagen, die Story dieses Hörspiel geht in eine völlig andere Richtung. Und diese Richtung gefällt, legt sie doch am Ende auch in gewisser Weise den Grundstein für die folgenden Hörspiele aus der Reihe FAITH VAN HELSING, die natürlich wieder in der Gegenwart spielen. Die Wendung, auch in Hinsicht des Zeitparadoxons wird hier nicht halbherzig zusammen geschustert, sondern ist recht überraschend und logisch nachvollziehbar gelöst worden. Ich hatte da mit einigem gerechnet (und nicht immer mit der besten Vorahnung), wie man dieses Paradoxon auflösen würde, doch auf das was dann kam, war ich nicht vorbereitet gewesen. Da muss man schon den Hut ziehen vor solchem Ideenreichtum.

Ebenso positiv ist die Hintergrundmusik, die das gesamte Hörspiel trägt. Sie wirkt durchweg modern, bildet Atmosphäre und macht wirklich Spaß. Und auch die Überleitung zum Ende in Richtung zukünftiger Produktionen der Reihe macht da direkt Lust auf mehr.

Die Handlung an sich ist allerdings eher auf Action angelegt, so das ein gewisses Horrorgefühl es schwer hat, wirklich aufzukommen. Des weiteren hätte man in Sachen Musik und Geräuschkulisse sich etwas zurück nehmen sollen, denn ab und an überlagern sie doch die Dialoge etwas zu stark, so das man dann schon sehr genau hinhören musste, um die jeweiligen Sprecherinnen oder Sprecher wirklich zu verstehen. Den Ton hier zugunsten der Dialoge etwas zu dimmen würde hier schon völlig ausreichen um den Hörgenuss positiv zu erhöhen.

Etwas lustig empfand ich dann allerdings die Laufgeräusche der Pferde. Als ich mir anhand des Klanges vorstellte, wie die Pferde wohl laufen würden, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, weil mir immer eine etwas übergewichtige, männliche Ballerina in den Sinn kam, der die eigenen Beine irgendwie im Weg sind. Gleiches spielte sich dann bei mir im Kopf ab, als Frankensteins Monster die Szene betrat und gleich damit begann, alles und jeden anzugreifen und einen lautstarken Terror veranstaltete. Auch hier waren einige Dialoge seitens des Monsters (Wolfgang Strauss) durch die Hintergrundeffekte und die musikalische Untermalung (beides eher zu stark im Vordergrund – ergo zu laut) mitunter nur recht schwer verständlich. In meinem Kopfkino wollte sich dabei auch weniger das Monster von Frankenstein wirklich einstellen. Vielmehr hatte ich damit zu kämpfen, dass in meinem Kopfkino immer wieder ein wütender grüner Freund namens HULK gerade alles auseinander nimmt und allen an die Gurgel will. Dialoge samt Nebengeräusche usw. ließen da in meinem Kopf eben nur diese eine logische Variante zu, denn so wild war Boris Karloff in seiner Rolle als Monster nun wirklich nicht.

Hätte man sich hier etwas mehr an das Spiel (Geräusche und die etwas lang gezogene Sprechweise) von Karloff orientiert und würde die Musik bzw. die Effekte etwas zurück gefahren, damit diese die Dialoge nicht fasst überlagern, dann hätte diese Folge von FAITH VAN HELSING von mir gleich glatte fünf von fünf Punkte eingefahren. Das etwas stiefmütterliche Horror-Flair hätte ich dann auch mit einem Augenzwinkern hingenommen. So bleiben unter dem Strich aber nur drei von fünf Punkte aus meiner Sicht übrig. Schade eigentlich, denn an sich hat diese erste Folge von FAITH VAN HELSING (die ich gehört hatte) mir durchaus richtig Spaß gemacht und an der Story an sich gab es schließlich auch von meiner Seite aus nichts zu meckern. Daher von meiner Seite trotzdem eine volle Hörempfehlung zur 40ten Jubiläumsfolge von FAITH VAN HELSING.

Draculas Rache
Faith van Helsing  40
von Simeon Hrissomallis
Sprecher: Nana Spier, Barbara Stoll, Jürgen Thormann, Marius Claren, Jaron Löwenberg, Thomas Kästner, Tatjana Auster, Wolfgang Strauss, David Russel, Sascha Rotermund, Susan Zeller u.a.
Spielzeit: 73 Minuten/ 1 Audio CD
ISBN: 4042564147100
Preis: 6,99 Euro (bei Bezug über das Hörspiellabel)
Erscheinungsdatum: September/Oktober 2013
Produktion: R&B Comany
Alive AG

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