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Kamille-Fencheltee, Kernseife und warum man NussKrokant nicht essen kann ...

Gorilla DelphiaKamille-Fencheltee, Kernseife und warum man NussKrokant nicht essen kann ...

Vorwort:
Ich weiß! Dieser Artikel erscheint leider verspätet. Stress auf der Arbeit, "Sklavenarbeit" zu Hause (meine Frau hat mich genötigt die Küche zu renovieren – mit allem drum und dran) und mein frisch repariertes Auto, das jetzt erneut Probleme macht, hielte mich in Trab, so dass ich das Buch drei oder viermal neu anfangen musste.Aber nun zur Sache selbst: Als ich am 01.02.2012 Post vom Autor bekam, war ich positiv überrascht, dass die Post es trotz dem "Sauwetter" heil angeliefert hatte.

 

Gorilla DelphiaNach dem Öffnen der Sendung fand ich das komplett in Schwarz gehaltene Buch mit leuchtendem Enblem (siehe Abbildung), das außerdem noch ein Lesezeichen (und eine persönliche Widmung - der Autor sei bedankt) enthielt – und ein Haufen Beiwerk:

  • ein Miniheft mit Leseproben      
  • ein Aufkleber (wahrscheinlich fürs Auto)
  • 4 Postkarten mit Themen aus dem Buch  
  • ein Din-A4-Blatt, beidseitig mit Zeitungscovern versehen, die im Buch vorkommen
und
  • (für mich das i-Tüpfelchen) eine Landkarte in A2 Format (hab's nicht ausgemessen!) und mit teilweise witzigen Namen... aber das ist Geschmackssache!

Kommen wir zu dem Miniheft mit den Leseproben:  Diese Leseprobe hätten mich größten Teil vom Kauf des ganzen Buches abgehalten, denn der Autor (bitte beachten, dass dies meine rein persönliche, subjektive Meinung ist, und nichts mit der Rezension des ganzen Buches zu tun hat!) hat die Passagen, die einem
eigentlich den Mund nach dem Buch wässrig machen sollten, nicht gut ausgewählt. Der Leser wird in eine Welt mit seltsamen Gestalten und anderen "Wesen" reingeworfen und - ich jedenfalls war es - ist verwirrt. Also wird er entweder kopfschüttelnd vom Kauf absehen, oder so konfus sein, dass er das ganze Buch lesen will, um festzustellen, ob diese Konfusion vergeht.
 
Was mir aber schon jetzt bei der Leseprobe aufgefallen ist, dass der Autor sehr oft Lautsprache benutzt, oder - wie ich es nennen würde - "Comic-Sounds" wie z.B: "BLAM! BLAM! BLAM!" oder "SPROING".  Das ist vielleicht ab und an ganz witzig, ob diese Lautmalerei aber lesehemmend ist, werde ich wohl erst nach dem Durchlesen des kompletten Buches wissen.

Das Buch an sich macht einen guten Eindruck. Es ist komplett in Schwarz gehalten, hat ein leuchtendes Enblem (das mich jetzt beim dritten Hinsehen leicht an das Logo des Filmes "Die Unglaublichen" erinnert), die Bindung ist sehr gut - und, es enthält ein Lesezeichen!

Eine alte Leseratte weiß, wie wichtig ein Lesezeichen ist - und wer hat schon immer eines in der Hosentasche? Ich jedenfalls nicht! Auch die Qualtiät der Blätter lässt kein Murren zu. Also: "Daumen hoch" für die Druckerei und den Coverdesigner!

Ein schneller Blick ins Buch zeigt mir: Der Autor hat sich alle Mühe gegeben - und wie ich finde - Liebe zum Detail verwenet, denn Landkarten, Zeitungsartikel und Lexikoneinträge ergänzen die Story. Ich halte das schon einmal für ein Plus, wenn gleich viele Leser die Lexikoneinträge wohl lieber am Ende des Buches gesehen hätten, da sie unter Umständen doch den Lesefluss stören könnten (Wie mir der Autor per eMail mitteilte, ist mein Vorschlag, das Lexikon hinten im Buch anzusiedeln, in der GorillaDelphia Hardcover-Ausgabe sogar umgesetzt worden. Darüber haben sich dann wiederum einige Leser beschwert, dass sie das erst gesehen haben, als sie das Buch bereits durch gelesen hatten. Sie fänden es besser, wenn diese Texte direkt im Text neben dem entsprechenden Thema abgedruckt würden.) Doch darauf komme ich zurück, wenn ich das Buch gelesen habe. Dies hier ist ja lediglich als ein kurzer flüchtiger erster Eindruck gedacht.

Ach ja, kurz noch was zur Landkarte (in Großformat und in Farbe). Dort tauchen Namen wie "NussKrokant", "Evil Emmmäl", "Oreganoosorbee" und "Dommerland (Abgebrannt)" auf. Letztes erinnert an das alte deutsche Kinderlied "Schlaf, Kindchen, schlaf...". Auch die anderen Wortmalereien lassen sich - manchmal mehr oder weniger einfach - entschlüseln. Ob man das jetzt witzig findet oder einfach nur als gegeben hinnehmen will, das  überlasse ich gerne dem geneigten Leser des Buches, denn man hat zumindest eine Ahnung, wie schwierig Namensschöfungen sein können!

Doch nun zum Gesamtwerk...

Gorilla DelphiaGorillaDelphia - Rage against the Nähmaschine
von Timo Mrazek
350 Seiten Paperback, Matt, Hochprägung & Sportlack
EUR 9,99
ISBN: 978-3-9814357-0-3
Verlag DER-TM.DE


Nach einem genialen Copyright-hinweis und der üblichen "Ich widme das Buch..." folgen eine schwarz-weiß Weltkarte, ein Gedicht und die "Dramatis Personae" (also die Personen der Handlung).
So weit ähnelt GorillaDelphia ja noch einem "normalen" Roman. Ich sage absichtlich "so weit", denn wie mich schon die Leseprobe erahnen lässt, dieser Roman ist nicht so ganz "normal"...

Wie der Titel "GorillaDelphia - Rage against the Nähmaschine" vermuten lässt, mischt der Autor gerne Englisch und Deutsch miteinander. So auch die erste Kapitelüberschrift: "Show must fang an". Dieses Kapitel beginnt auf Seite 13 mit einer kurzen Stadtrundfahrt in NussKrøkant, der Haupstadt des gleichnamigen Staates, über die aus der Sicht des "Der Allwissende", sprich des Autors, erzählt wird. Die richtige Geschichte beginnt erst auf Seite 14.

Ein Gasuhrenableser (der wie sich nachher herausstellt eine Geheimagent einer kriminellen Vereinigung ist) wurde tot, mit einem Wurstzipfel im Mund und in eine Wurstpelle eingewickelt, in einem Fass Kamille-Fencheltee mit Milch aufgefunden. Doch das war nicht die Todesursache! Er wurde mit den Teebeuteln erwürgt, die für den Tee benutzt worden waren. Und was noch seltsamer ist: In seinem Gehirn befand sich Kernseife! Eventuell soll eine Sekte oder gar der unheimliche Krokettenschlamper dahinterstecken (der Erzfeind Number Uno der Pappinger, der noch nie erwischt wurde).

Und wer jetzt denkt: Hä?! Wie bitte? Wie verquer ist denn das? Der sollte jetzt einfach weiterlesen und sich über nichts wundern.

Ray Moron, ein Pappinger - was so ne Art Magier-Spezialagent ist - wird mit dem Fall betraut. Wie er am Anfang dargestellt wird, ist er nicht gerade der Wunschkanidat seiner Chefin, aber "no choice", denn - wie es aussieht - ist niemand anderes frei. Er selbst hat auch wenig Lust, sich irgend wie ins Zeug zu legen, was sich
(Ja es steckt auch eine Frau dahinter!) irgendwann mal ändert.

Wird das erste Kapitel noch aus der Sicht des "Der Allwissende Erzähler" geschildert, beginnt Kapitel Zwei in der Ich-Form, denn unser
(mehr oder weniger) Held Ray darf erzählen. Und da er sowieso während der Überfahrt nichts Besseres zu tun hat, liest er ein wenig im Sektenprospekt, das er auf Anweisung seiner Chefin studieren soll. Ein paar der "Sekten" basieren auf witzigen Ideen, andere ... naja, da möge sich ein jeder selbst ein Bild machen.

Wie ich schon zu Anfang bemerkt hatte: Der Autor wirft mit Wortschöpfungen nur so um sich. Personennamen, Gegenstände, ja selbst Nahrungsmittel und Tiere sind Verballhornungen von wirklich Existierendem. Beispiel? Gerne! Der Schiffskoch heißt Bowfrosst! Ein Geräusch wird so definiert: 'Hörte sich an wie ein PocketRocker ohne Auspuff, der einen kastrierten PituCatcha überrollt.'

Im Kapitel ´Simply the Pest´ kommt der Krokettenschlamper kurz zu Wort und erzählt seinem Helfer Luhny eine Story über Glaubensverfolgte, die einen neuen Staat gründeten. Dies dient zur Überleitung zum Grogrunaddo-Tag, der auf  OreganooSorbee, der Insel von der Krokettenschlürfer erzählte, gefeiert wird. Diese Feier müsst ihr euch ähnlich der Streitereien zwischen gewissen Völker in einer gewissen ´Heiligen Stadt´ vorstellen - man schlägt sich gegenseitig den Schädel ein ... aber halt nur einmal im Jahr.

Genau zu diesem Zeitpunkt kommt Ray Moron mit dem Schiff an.
´Seltsamerweise´ verzichten die Seeleute einstimmig auf Landgang - es ist ja Grogrunaddo-Tag.

Das Kapitel wird abgerundet durch einen Zeitungsartikel, in dem geschildert wird, dass die gesamte Bevölkerung von OreganooSorbee ausgerottet wurde, und man sie seltsam entstellt auffand.

53 Seiten liegen hinter mir, und ich frage mich gerade ob ich alle 342 Seiten wirklich schaffe. Irgendwie baut sich für mich keine Spannung auf. Dennoch werde ich weiterlesen, denn es wäre unfair gegenüber dem Autor, jetzt schon ein endgültiges Urteil zu fällen. Also weiter...

Zwischenstopp auf Seite 254 ... es wird viel passier'n, oder so ähnlich heißt es bei einer deutschen Soap-TV-Serie... und auch in dem Buch hat sich viel getan. Stellenweise kam die vom mir vorher bemängelte, fehlende Spannung auf. Leider wird diese durch die Wortschöpfungen des Autors getrübt. Was vielleicht in den Augen des Autoren ein Gag sein sollte, werden manche Leser wohl nicht so sehen.

Nach einer wirklich spannenden Episode (Einbruch ins supergeheime Forschungslabor) verheimlicht der ´Allwissende‘ Autor, wie die Akteure unbemerkt wieder entkommen können. Vielmehr fordert er jene Leser, die bis hier durchgehalten haben, dazu auf, sich selbst was auszudenken.

Spätestens hier werden einige Leser das Buch weglegen und sich ein Sixpack Bier reinziehen, um zu testen, ob sie in diesem Zustand den Sinn der Buches und der Geschichte verstehen. Ok, das war jetzt etwas brutal formuliert, aber selbst ich war versucht, die Flasche Rotwein auf meinem Schreibtisch zu ‘killen‘. Doch weiter im Text, sprich Buch. Ich habe es tatsächlich bis zu Ende gelesen.

Am Ende ist der Krokettenschlürfer in einer anderen Dimension – aufgesaugt durch eine Art Staubsauger – verschwunden ... vermutlich kommt er wohl wieder. Die hilflose Maid in Not entpuppt sich als Wune – so eine Art übernatürliches Wesen -, die gleichzeitig die Cheffine eines Geheimbundes ist – bzw war, da auch der ausgelöscht wurde. Diese hatte versucht, den Pappinger Ray Moron in Ihren Bann zu ziehen, was aber wohl nur dank ihres fantastischen Aussehens und nicht durch Zaubertrak und Magie gelungen war - und das auch nur teilweise.

Und – last but not least – wurde eine riesige Mutter-Kernseife mit ihren lieben Kleinen (auch vernichtet), die vom Krokettenschlürfer als ultimativer Ausrottungswaffe gedacht war, komplett vernichtet. Sagte ich komplett vernichtet? Ok, gelogen! Reste dieser Brut sind in jeder Nähmaschine dieser Welt versteckt – inaktive, aber still alive, um es mit den Worten des Autors zu sagen.

Vom faulen Zauberlehrling und der Femme Fatal hin zum schwulen Frisör und dem bösen Bösewicht mit trottligem Sidekick – alles war drin, und es wurde mit vielen Klischees gespielt. Eigentlich beste Voraussetzungen für ein spannendes, humorvolles Buch. Und wisst ihr was? Wenn der Autor etwas weniger versuchen würde "lustige" Sachen in die Geschichte einzubauen, könnte der zweite Teil – trotz der aberwitzigen Wortschöpfungen - um Längen besser werden, wenn nicht sogar ein Knaller!

TimoMrazekMein persönlicher Eindruck über das Buch, in dem - wie ich finde - viel Herzblut der Autors steckt, ist - wie es schon hier steht  - subektiv. Am Ende des Buches bin ich - und mein persönlicher Eindruck - sehr gespalten. Nicht nur zwiespältig, sondern sogar tri-spältig! 
 
Ob ich das Buch aufgrund der Leseprobe gekauft hätte? Wie gesagt, gekauft hätte ich das Buch nach der Leseprobe nicht, aber das ist Geschmackssache.

Ob ich das Buch empfehlen kann? Schwer zu sagen, da ich von einem  'dicken Nein' bis zu einem 'bedingtem Ja' tendiere. Ein JEIN würde es wohl eher treffen. Einerseits sprüht der Autor vor Einfällen, andererseits stören die Wortschöpfungen meiner Meinung nach den Lesefluss. Einerseits ist die Geschichte stellenweise 'zäh', andererseits sind wirklich einige spannende Stellen drin.

Das Potenzial ist da, und ich hoffe Timo Mrazek macht was draus, denn ich würde gerne Band 2 auch rezensieren und am Ende sagen: Das müsst Ihr kaufen, das war "Spitze"! 

So aber bleibt mir nichts anderes übrig als euch zu empfehlen: Lest die Leserproben und entscheidet für euch selbst, ob euch dieser Stil gefälllt.

Euer, Michael Müller (aka Mikail the Bard)

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