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Das hübsche Flair britischer Horrorfilme - Das Haus Zamis, Band 66 - »Das Haus der schwarzen Tränen«

Das Haus ZamisDas hübsche Flair britischer Horrorfilme
Das Haus Zamis, Band 66 - »Das Haus der schwarzen Tränen«

Man schreibt das Jahr 1584 und der nicht gerade junge Edelmann, Graf Moragnoli würde nur zu gerne nicht nur das Herz, sondern auch gleich den bildschönen jungen Körper von Aurora erobern. Und dafür holte er für sie auch gleich ihren missratenen Cousin aus dem Kerker. Doch der alte Narr, der durchaus den sündhaften Gelüsten nicht abgeneigt ist, ahnt nicht einmal, wie Aurora mit ihm spielt. Und dabei ist sie so gefährlich, wie eine Spinne in ihrem Netz, welches ihr Opfer langsam einspinnt.

Das Haus der schwarzen TränenUnd so dürften die besten Zeiten für den lüsternen Grafen bald vorbei sein. Doch wir machen im ersten Roman mit dem Titel AURORA schnell einen zeitlichen Sprung zurück ins Jahr 1566 und lernen das Kind Aurora kennen, welches schon nach einiger Zeit keine Skrupel kennt, selbst ihre Amme Rosa auf kaltblütige Weise zu töten. Und auch ihre Eltern Stefano und Maria dürften nicht ihre wirklichen Eltern sein, oder besser gesagt, Stefano ist nicht ihr leiblicher Vater. Denn Aurora ist eine Dämonin und ihr Vater ist niemand anderes als der Fürst Augusta, ein Mitglied der schwarzen Familie, der insgeheim Maria geschwängert hatte.

"Und was hat es dir gebracht, Rosa? Dein Balg ist trotzdem gestorben. Es war schwach. Ein wertloses Stück Fleisch, für das sich niemand interessierte, als es begraben wurde. Nur dich und vielleicht deinen Mann, der die meiste Zeit in den Tavernen der Stadt verbringt und all das Geld versäuft, das du bei meinen Eltern verdienst."

(Das Haus Zamis, Band 66/Roman 1: Aurora/ Seite 22)

Doch Stefano und Maria geben Aurora schon in jungen Jahren in die Obhut von Pater Ricardo, der bereits in dem kleinen Mädchen den Keim des puren Bösen zu sehen glaubt. Dabei ist auch der Geistliche selbst nicht gerade ein liebevoller Mensch in göttlichen Diensten. Allerdings die Kirche und die christlichen Symbole schützen ihn vor den dunklen Kräften der kleinen Aurora. Doch dann trifft sie auf Bruno oder auch Brunella, je nachdem welches Geschlecht der Hermaphrodite gerade annimmt. Und dieser Freak hat keine Probleme mit den christlichen Symbolen, die den Pater beschützen. Aber auch Aurora muss erst noch lernen, problemlos mit einem Freak zu kooperieren.

Und so ziehen sie späterhin gemeinsam durch die Welt, wobei Aurora keine Probleme damit hat, diverse Menschen oder gar andere Dämonen über die Klinge springen zu lassen, wenn es ihr gerade in die eigenen Pläne passt. Doch der Packt zwischen dem Freak Bruno/Brunella, der sich bald nur noch Purgatori nennt und der schönen wie tödlichen Aurora steht durchaus auch auf tönernen Füßen, da Aurora ihm nie wirlich vertraut.

"Nimm das Messer aus meiner Hand", sagte sie eindringlich zu Milena. "Ritze damit deine Haut am Bauch. Etwa einen Zentimeter tief. So, dass du das Fleisch nach unten klappen kannst und die Gedärme hervorglitschen. Iss von ihnen. Friss dich selbst auf, während du langsam verreckst, liebste Milena."

(Das Haus Zamis, Band 66/Roman 1: Aurora/Seite 60)

Michael Marcus ThurnerUnd Vertrauen ist immer so eine Sache, denn im Grunde akzeptiert Aurora nichts und niemanden als Respektperson. Weder ihren wahren Vater Fürst Augusta, noch ihren dämonischen Lehrmeister Signore Campana, den Aurora genau in dem Moment beseitigt, als dieser nach ihrer Meinung seine Schuldigkeit getan hatte. Und in ihrem Hochmut will sie sich sogar selbst mit Asmodi messen, um ihn vom Thron der schwarzen Familie zu stürzen. Doch damit dürfte selbst Aurora sich etwas übernommen haben, denn auch Asmodi ist längst auf die tödliche Schönheit aufmerksam geworden, die nur zu gerne an seinem höllischen Stuhl sägen würde.

Buch 1.: Aurora
Autor: Michael Marcus Thurner

Mein Fazit:
Ihr wisst schon, solche Romane innerhalb der Serien DAS HAUS ZAMIS oder auch DORIAN HUNTER seitens der Zaubermond-Taschenbücher haben beim lesen irgendwie immer das hübsche Flair der alten britischen Horrorfilme seitens der Hammer-Produktionen, wenn die Handlung irgendwo in der Vergangenheit angesiedelt ist.

Dazu gesellen sich auch noch einige recht deftige Szenen und Beschreibungen, die diesen Horrorroman mit dem Titel AURORA wirklich wieder zu einem Pageturner der Serie machen. Da macht es dann wirklich keinen Spaß, wenn man gezwungen ist, das Buch zwischendurch mal aus den Händen zu legen. Und sei es nur deshalb, weil das Telefon wieder mal sinnlos klingelt oder man mal flott für "kleine Jungs" muss, weil es irgendwann sonst in die Hosen gehen würde.

Diesen ersten von insgesamt zwei Romanen hat übrigens kein geringerer als Michael Marcus Thurner nach einer Vorlage von Uwe Voehl schriftstellerisch in eine perfekte Form gegossen. Da fällt es dann auch leicht, die Hoffnung auszusprechen, dass er ganz schnell weitere Romane zur Serie DAS HAUS ZAMIS beisteuern sollte. Denn ihm gelingt es perfekt, mich beim lesen in diese finstere Epoche zu versetzen und so in meinem Kopf auch die passenden Bilder zu erzeugen. Was die hübsche wie recht morbide Dämonin Aurora aber nun als Hauptdarstellerin in einem Roman um die Hexe Coco Zamis zu suchen hat, werde ich hier natürlich nicht verraten. Denn am Ende macht doch eigentlich nur das selbst lesen wirklich Spaß. Von mir gibt es für den Roman AURORA jedenfalls 5 von insgesamt 5 Pentagramme als höllisch gute Höchstbewertung.

Uwe Voehl (Logan Dee)Der Band 66 der Taschenbuchreihe DAS HAUS ZAMIS des Zaubermond Verlag trägt übrigens den Titel DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN, welches dann auch gleichzeitig der Titel des zweiten Roman im Taschenbuch ist. Und den schrieb dann auch Uwe Voehl unter seinem Pseudonym Logan Dee gleich selbst.

Dabei möchte ich schon im Vorfeld darauf hinweisen, dass es auch im Anschluss noch einen kurzen Anhang seitens Logan Dee zum früheren Autoren Kurt Luif mit dem Titel COCO ZAMIS UND SENTA BERGER gibt, der offensichtlich, wenn man den Roman DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN liest, nicht von ungefähr am Ende platziert wurde, wenn man z.B. merkt, dass in der Handlung eine "Senta" Altmann eine durchaus wichtige Rolle spielt. Aber dazu nachher mehr. Doch werfen wir auch hier einen kurzen Blick in die Handlung von DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN:

Die dämonische Familie Altmann wurde nicht umsonst öfter zum schwarzen Sabbat bei den Zamis eingeladen, denn Michael Zamis pflegte hierbei stets nur zu gerne Unzucht mit Simone Altmann, was seiner Frau Thekla natürlich irgendwo gegen den Strich ging. Für die damals kleine Coco waren diese Treffen jedoch immer etwas besonderes, denn so traf sie auf Senta, die kleine Tochter der Altmanns, die offenbar ebenso wie sie als "weißes Schaf" der Familie galt.

Jahre später erzwingt Michael Zamis eine Radtour von der vierzehnjährigen Coco samt ihrer Schwester Vera und dessen Bekannten mit Senta zum Mondsee, wo sich ein geheimnisvolles Schloss befindet, welches man als das Haus der schwarzen Tränen bezeichnet und wo Dämonen auf den Pfad des Bösen zurückgeholt werden sollen. Nun, in der Gegenwart ist es Carl Jenseit, der dämonische Bestatter im Dienst des "Hohen Gremium", der Coco erneut zu dem Haus der schwarzen Tränen geleitet. Und dort trifft Coco erneut nach langer Zeit auf Senta, die nun zur grausamen Leiterin der dunklen Institution geworden ist. Doch warum gelingt es Coco nicht, sich an die Zeit zu erinnern, als sie zum ersten mal mit Senta die Schwelle des Haus der schwarzen Träne überschritten hatte?

Mit einem Knacken, so als würde er einen Hühnerknochen brechen, riss er dem Wesen auch noch den linken Arm heraus. Die Schreie des Dämons malträtierten selbst Asmodis Gehörgänge.

(Das Haus Zamis, Band 66/Roman 2: Das Haus der schwarzen Tränen/Seite 159)

Auch Asmodi hat indessen so seine Probleme, denn das Hohe Gremium scheint selbst dem Fürsten der Hölle zu mächtig zu sein, was ihm natürlich nicht schmeckt. Außerdem hat das Hohe Gremium durchaus ein besonderes Interesse an der Hexe Coco Zamis, zu der Asmodi ihnen behilflich sein soll, ohne jedoch genau zu wissen, wonach diese Wesen der totalen Dunkelheit wirklich hinsichtlich der hübschen Coco suchen. Doch es könnten die Informationen sein, die man Coco abpressen würde, wenn man sie dazu bringt, eine schwarze Träne zu vergießen.

Gleichsam können aber auch Cocos Bruder Georg und der Engel Guardian aus einer gefährlichen Situation am Rande des Vulkan Ätna durch eine List entkommen. Doch wird es ihnen gelingen, Coco wieder aus den Klauen der teuflischen Senta zu befreien, zumal Georg immer noch den Tod der Familie seiner eigenen Schwester anlastet und somit auf Rache an Coco sinnt?

Buch 2.: Das Haus der schwarzen Tränen
Autor: Logan Dee (Uwe Voehl)

Dorian Hunter / Das haus ZamisMein Fazit:
An sich hat der Roman DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN durchaus einige recht gute Voraussetzungen, um inhaltlich an das hohe gruselige Niveau des Roman AURORA von Michael Marcus Thurner heranzukommen. Zumal auch das Geheimnis um das "Hohe Gremium" neugierig macht. Nur scheint Logan Dee hier auch irgendwie inhaltlich eine Homage an den früheren Autor der Romanserie DÄMONENKILLER, Kurt Luif, abliefern zu wollen, was ihm auch offensichtlich gelingt. Denn ich bin da jetzt ehrlich, ich hatte die alten Romane seitens Ernst Vlcek (auch als Paul Wolf) und Kurt Luif (auch Neal Davenport) damals bewusst nicht weiter verfolgt, weil sie für mich eher wenig spannend und gruselig, aber oftmals zu trashig daher kamen. Und diesen nicht gerade positiven Trash findet man leider nun auch hier in DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN. Man ziehe sich nur einmal dieses kleine Zitat als Beispiel aus der Handlung rein:

Ein andermal servierte ich an einem Vierertisch, an dem ausschließlich Vampire saßen, eine Blutsuppe. Die Terrine war schwer und kochend heiß, denn sie besaß keine Henkel.

(Das Haus Zamis, Band 66/Roman 2: Das Haus der schwarzen Tränen/Seite 81)

Das Coco in dieser offensichtlich höllischen "Umerzeihungsanstalt" einigen Vampiren eine "Blutsuppe" servieren muss, ist in Sachen Trash schon wirklich grenzwertig und nur sehr gequält als lustig zu bezeichnen. Und mal ganz ehrlich, es ist nicht gruselig und sicherlich weit weg von jeder Form des Horror, wenn man sich an einer Terrine die Fingerchen verbrennt. Dabei will ich nicht in Abrede stellen, das verbrannte Finger an einer heißen Terine ohne Henkel nicht gerade angenehm sind, aber wir haben es hier mit einem Gruselroman zu tun und nicht mit einem medizinischen Beipackzettel für gefährliche Küchenarbeiten.

Ähnlich trashig verhält es sich auch bei Fahrrädern, in die man dämonische Wesen fahren lässt, damit man eine Radtour durch höhere Geschwindigkeit wesentlich verkürzen kann. Insgesamt wäre mir mehr Logan Dee und weniger Augenzwinkern in Richtung des verstorbenen Autors Kurt Luif aka Neal Davenport doch wesentlich lieber gewesen, zumal ich ja weiß, dass es Logan Dee durchaus wesentlich besser kann als die Haudegen der ersten Stunde dieser Romanserie, dessen Romane man Heute nicht selten auch als nicht wirklich glücklich gealtert bezeichnen darf.

Da man aber durch solchen Trash einer durchaus recht interessanten Idee und einer gruseligen Atmosphäre immer wieder den Wind aus den Segeln nimmt, reicht es bei dem zweiten Roman mit dem Titel DAS HAUS DER SCHWARZEN TRÄNEN mit etwas gutem Willen meinerseits gerade noch für schwächelnde 3 von insgesamt 5 Pentagrammen als Höchstbewertung. Gesamt gesehen fing der Band 66 der Serie DAS HAUS ZAMIS daher richtig stark an, stürzte dann aber leider mit dem zweiten Roman sichtlich ab. Da hoffe ich dann doch sehr, das Logan Dee (Uwe Voehl) im nächsten Band (#67) unter dem angekündigten Titel DER ENGEL UND DIE HEXE wieder zur alten Hochform aufläuft.
Das Haus der schwarzen Tränen
Das Haus der schwarzen Tränen
Das Haus Zamis Band 66
von Michael Marcus Thurner, Logan Dee
Titelbild: Mark Freier
Nach den Expose von: Uwe Voehl
Roman 1.: Aurora
Roman 2.: Das Haus der schwarzen Tränen
Genre: Horror/Thriller
Veröffentlichung: 2022
ISBN: 978-3-95426-266-3
Seitenanzahl: 206 Seiten
Zaubermond

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