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Bis zum ultimativen Kick des Schmerzes - »Snuff Theater«

Snuff Theater Bis zum ultimativen Kick des Schmerzes
»Snuff Theater«

Monique ist jung und hübsch und auch ihre Highschool-Liebe Mason dürfte in der eher kurzlebigen Beziehung mit ihr nicht zu kurz gekommen sein. Dabei stand Mason eigentlich nicht einmal beim Sex mit Monique auf so ausgefallene Splatter- und Gore-Filme, die ihn eher sogar anekelten. Ganz anders jedoch Monique, die bei diversen blutigen Metzeleien bei diesen Filmen erst so richtig abging. Aber wie das eben am Ende der Highschool so ist, es trennen sich auch für seltsam Verliebte die Wege.

Snuff TheaterMonique, für die Gewaltfantasien und das zerstückeln von Frauen im Film während des Sex erst für einen besonders heftigen Orgasmus sorgen, bleibt jedoch auch danach, als Mason sie und die Stadt verlassen hat, nicht wirklich lange allein.

Denn als Monique in einem Vorort von San Diego im Büro eines Autohändlers anfängt zu arbeiten, trifft sie auf ein wahres Prachtexemplar von Mann. Und auch dem Halbmexikaner Daryl Garcia ist bei der Arbeit in der Werkstatt bereits aufgefallen, dass die hübsche ehemalige Highschool-Queen wohl ein Auge auf ihn geworfen hat.

Und so kommt es wie es kommen musste. Monique und Daryl verlieben sich und ziehen sogar recht schnell zusammen. Auch sexuell scheint die Chemie zwischen den Beiden zu stimmen, denn Daryl hat auch nichts gegen ein paar sadomasochisitsche Spielereien beim Sex einzuwenden, auch wenn er eigentlich nie so weit gehen würde, wie Monique es sich in ihren geheimsten Wünschen erträumt.

Ja, man könnte sagen, dass die junge Monique einige sehr abartige bis tödliche Fantasien hegt, die selbst für Daryl zuerst nur schwer nachzuvollziehen sind. Denn Monique würde nichts lieber, als selbst einmal bei einem realen Snuff-Movie die Hauptrolle spielen, auch wenn dies mit Sicherheit bedeutet, diesen verdammten Film selbst nicht zu überleben. Dies weiß auch Daryl nur zu gut, weshalb er die Zukunftsplanung mit Monique eher realistisch betrachtet, an der kurzen Leine hält.

Und so nimmt sie bald über das Darknet dann auch Kontakt zu einer gewissen Sofia Maria in Mexiko auf, bei der sie sich freiwillig und sogar recht euphorisch selbst als Opfer für ein Snuff-Movie anbietet. Und Sofia Maria nimmt das Angebot von Monique an, welches sogar Daryl noch 10.000 Dollar mehr einbringen soll, wenn der sie bei ihrem selbstmörderischem Vorhaben noch unterstützt.

In Mexiko angekommen wird Daryl dann schnell klar, dass diese Sofia Maria nicht nur eng mit korrupten Politikern sondern auch mit der Mafia zusammenarbeitet, welche alle in ihrem Theater sogar viel Geld dafür bezahlen, wenn ein weibliches Opfer vor ihren Augen langsam zu Tode gefoltert wird. Und da kommt dieser Königin der Schmerzen eine junge US-Amerikanerin mit einem ausgeprägten masochistischen Todeswunsch sogar mehr als gelegen. Nur hat sie dabei wohl nicht vor, derem Partner Daryl dafür auch noch 10.000 Dollar zu bezahlen.

Daryl weiß indessen nur zu genau, dass seine Freundin Monique mehr als nur von der Idee besessen ist, einmal der Star in einem grausamen Snuff-Movie zu sein. Das Sofia Maria seinen Tod allerdings auch schon eingeplant hat, davon weiß Daryl nichts. Doch so weit muss es nicht kommen, denn die schöne Prostituierte Valentina, die für Sofia Maria fasst wie eine Tochter ist und das blutige Showprogramm des "Teatro de la Muerte" mit dieser gestaltet, bei der nun Monique ihr Leben auf entsetzliche Weise verlieren soll, hat ebenfalls ein Auge auf Daryl geworfen und setzt nun alles daran, auch ihre eigenen Pläne umsetzen zu können. Und so beginnt sich der blutige Kreis um das Ensemble im Schatten der mexikanischen Mafia zu drehen und droht in einer Flut von Blut, Sperma und Gedärm unterzugehen.

Snuff TheaterExtrem-Horror ganz ohne übersinnliche Elemente:
Für den Autor, der unter dem Pseudonym Pjotr X schon so einige sehr harte Kurzgeschichten und Romane auf seine Leserschaft losgelassen hat, scheint der Horror mit übersinnlichen Elementen kein wirklich ergiebiges Feld zu sein, welches er deshalb auch sehr gerne zu umgehen scheint.

Selbst die Begriffe von Gut und Böse, wie man sie in vielen anderen Horrorromanen und Thrillern anwendet, haben in seinen Geschichten kaum einen wirklich entscheidenden Platz. Dafür nimmt sich der 1967 geborene und zwischen dem Ruhrgebiet und dem Münsterland aufgewachsene Autor viel lieber dem menschlichen Verhalten in Extremsituationen an, wo jede Form von Sozialisation und Moral plötzlich völlig über Bord geworfen wird und der Mensch selbst zur grausamen Bestie mutiert.

Die ganze bizarre Situation reichert er dazu gerne mit einer guten Portion Sex an, bei dem man als Leser jedoch nicht vom üblichen Blümchensex ausgehen sollte, welchen man aus einschlägigen Romanen her kennen dürfte. Die Warnung vor dem eigentlichen Roman im Buch, dass nämlich der Autor Pjotr X  "schockiert" und nur etwas für ein "aufgeklärtes Publikum" ist, welches auch mit seinen drastischen Splatter-Szenen umzugehen weiß, ist dabei wirklich keine reine Werbestrategie des Redrum Verlag.

Das man beim lesen daher auch bei Pjotr X manchmal wirklich schlucken muss, selbst wenn man bereits wie ich, schon so einiges in Sachen Extrem-Horror gewohnt ist, konnte ich früher schon anhand von Kurzgeschichten wie "Snuff-Geisha" (FLEISCH/Band 6, Reihe Eldur Horror) oder "Ein Spanferkel namens Lena" erfahren, wobei die letzte Kurzgeschichte neben dem Sammelband HAUT UND FLEISCH auch nochmals in EKSTASEN DES TODES veröffentlicht wurde.

Ein weiterer Roman, der durchaus bereits bei nicht wenigen Fans des Hardcore-Horror recht bekannt sein dürfte, verschlägt den Leser sogar in eine nahe Zukunft, in der kurz durchaus sehr realistisch auf eine mögliche Hungerkriese im Jahre 2040 eingegangen wird, bei der es dann sogar zu staatlich kontrollierten Schlachtungen von Menschen kommt. Doch dies ist faktisch nur eine Vorgeschichte, denn in den USA des Jahres 2084 sieht die Welt schon wieder viel rosiger aus. So schildert der Autor hier eine Wohlstandsgesellschaft voller sexueller Exesse, in der es sich aber durchaus sehr bequem leben lässt. Doch ausgehend von der Hungerkriese des Jahres 2040 hat man in den Schlachthöfen weiterhin pro Jahr eine menschliche Schlachtquote von einem Prozent festgeschrieben, bei der nur Teenager im entsprechenden Alter eben in die speziellen Schlachthöfe gelangen, um später als Delikatesse zum Verzehr freigegeben zu werden. Als die junge wie lebenslustige Jessica mit ihrer Schulklasse einen dieser Human-Schlachthöfe in San Francisco besichtigen soll, ahnt sie noch nicht, dass man sie bereits als Schlachtvieh "auserwählt" hat. Und um es ganz unter uns zu sagen, sollte man bei dem Roman "USA 2084" (erschienen im Blutwut Verlag) von Pjotr X durchaus auch einen gefestigten Magen mitbringen.

Denn der Autor neigt durchaus nicht zu überzogenen Darstellungen, die den extremen Anteil der Handlung schon fasst wieder ins Unglaubwürdige ziehen, so das man die extremen Handlungen etwa wieder belächeln kann. Vielmehr dürften beim Lesen von Kurzgeschichten und eben auch Romane seitens Pjotr X im Kopfkino recht schnell sehr reale Bilder entstehen (wie man sie z.B. hinsichtlich von Schlachthöfen aus diversen Dokumentationen her kennt), die an Grausamkeiten kaum noch einen Spielraum für abschwächende Interpretationen lassen.

Und genau wie in dem Roman USA 2084, so dürfte es auch hier in SNUFF THEATER dem Leser schwer fallen, sich wirklich mit einer der Figuren zu identifizieren. Denn niemand möchte wohl wirklich wie Deryl sein, der Monique nicht wirklich davon abhält, offen dem Schrecken des Todes in die knochigen Arme zu laufen. Oder wer möchte sich wirklich mit Monique identifizieren, die bereit ist, ihr noch recht junges Leben für eine äußert kranke Fantasie wegzuwerfen? Aber auch die anderen Charaktere taugen wenig, um sich mit ihnen wirklich identifizieren zu wollen. Das hat aber seitens des Autors auch durchaus System, denn "Helden" oder zumindest moralisch völlig einwandfreie Figuren dürften auch in der realen Welt schlicht und ergreifend reine Utopie sein. Und in Kreisen korrupter Politiker und eiskalter Mafia-Bosse, aber auch dem Wahnsinn eher nahestehenden Menschen dürfte es sehr schwer fallen, eine wirkliche Identifikationsfigur zu finden. Dafür stößt der Autor seine Leserschaft aber immer gerne wieder mit der Nase auf Charaktere, denen es nur um das eigene Wohl und Überleben geht,  und die dafür auch ohne Mitgefühl über die bald kalten Leichenteile anderer gehen. Aber auch an der nötigen Fantasie des Grauens mangelt es dem Autor nicht, denn hier werden die Opfer in der Handlung nicht nur mit Messern oder anderen Untensilien in den Tod getrieben, sondern der Schrecken wird sogar noch gesteigert, wenn die Peiniger Vogelspinnen oder Skorpione an bzw. in ihren Opfern einsetzen um deren Entsetzen noch intensiv zu steigern. Daher sollten Leserinnen und Leser mit eindeutig eher schwachen Nerven also spätestens hier bemerkt haben, dass sie am besten die Finger von diesem Buch lassen sollten.

Snuff TheaterMein Fazit:
SNUFF THEATER von Pjotr X ist wirklich kein Roman für wirklich jeden Leser, egal ob männlich oder weiblicher Natur. Denn was der Autor hier recht explizit schildert, kann so manchem Leser bei den entsprechenden Bildern im Kopfkino mehr als nur derb auf den Magen schlagen. Und selbst ich, welcher ja schon so einiges aus dem Bereich des Extrem-Horror gewohnt ist, erwischte mich bei SNUFF THEATER an manchen Sätzen bzw. Passagen, wo ich erst mal schlucken musste. Oder man muss an solchen Stellen eher erst einmal tief durchatmen, um dann wirklich in der Handlung fortfahren zu können.

Auf der anderen Seite weiß Pjotr X aber auch in SNUFF THEATER den Leser trotzdem immer wieder an die Handlung zu fesseln. Denn es gibt hier durchaus die eine oder andere Wendung, die man als Leser eigentlich so nicht wirklich auf dem Schirm hat. Aber auch wenn man denkt, schlimmer kann es nicht mehr kommen, dann packt der Autor noch eine weitere Schippe an Blut, Gedärm, Angst und panischen Schreien drauf, so das einem bei jedem weiteren Satz sich die feinen Härchen am Unterarm in Panik aufrecht stellen. Und man mag es nun glauben oder nicht, aber dieser Autor schafft so auch ein gewisses Suchtpotential, welches einen gnadenlos an die grausame Handlung des Roman fesselt.

Wie gesagt, SNUFF THEATER ist sicherlich kein Roman für eine breite Leserschaft und mit Sicherheit auch nicht für jede Altersklasse geeignet. Denn wie schreibt schon der Redrum Verlag selbst hinsichtlich seiner Bücher recht eindeutig als Warnung - "Nichts für Pussys!" Wer mit dieser entsprechend sehr harten Kost aber umzugehen weiß und auch nicht davor zurückschreckt, innerhalb von Splatter und Gore noch weitere Grenzen zu überschreiten, der ist mit dem Roman SNUFF THEATER von Pjotr X weit mehr als nur gut bedient. Von mir bekommt der Roman jedenfalls satte vier von insgesamt fünf Fleischfetzen als Höchstbewertung. Einen kleinen Punkt muss ich allerdings wie gesehen abziehen, weil etwas mehr in Sachen Nebenschauplätze hätte es durchaus sein dürfen, anstatt das Brennglas in der Handlung kontinuierlich auf die Gewaltschiene zu halten.
Snuff Theater
Snuff Theater
von Pjotr X
Deutsche Erstausgabe: 2020
Genre: Horror/Thriller
Seitenanzahl: 289 Seiten
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3959577878
Preis: 14,99
REDRUM

Kommentare  

#16 Laurin 2020-11-27 15:16
Sehe ich im Punkt Abramovic genauso wie du, Ingo. Ist schlicht eine Geschmackssache und mein Ding ist ihre "Kunst" nun auch nicht wirklich. Man muss ja auch nicht alles Mögen was es so gibt. Aber man sollte darum keine Legenden bilden, die an den Haaren herbeigezogen sind oder diese scheinbar ohne Verstand einfach weiter verbreiten.
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#17 Fantomas 2020-11-27 16:54
Es gibt keine Tabus, was Autoren schreiben dürfen oder nicht schreiben dürfen. Lesen kann natürlich auch jeder, was er will, auch Bücher dieser Art. Aber man darf auch den Inhalt eines Buches für satanistisch halten. Ob eine solche Bewertung zutreffend ist oder nicht, steht auf einem ganz anderen Blatt, aber der Meinung darf man sein, und dann muss man sie auch äußern dürfen.
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#18 Laurin 2020-11-27 17:06
@Fantomas:
Natürlich kann er den Roman für satanistisch halten wenn er ihn denn auch gelesen hätte. Hat er aber nicht, wie er selbst zugibt, aber Egal. Er kann auch meinen Artikel schlicht für blöd halten. Ist dann halt seine Meinung. Aber wenn du dir den Kommentar von Des Romero noch einmal genau durchliest, wirst du feststellen, dass er hier nicht einfach nur seine persönliche Meinung abgibt.
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#19 Friedhelm 2020-11-27 22:03
Was mir gerade auffällt - wenn ich jetzt für den ganzen Verschwörungsbrei empfänglich wäre, würde ich wahrscheinlich annehmen, dass Des Romero eine solche Diskussion glatt beabsichtigt hätte.

Und so sind wir mitten drin, im Schwurbel-Kreislauf.. Allerdings möchte ich dann eher doch nicht an einen solchen Vorsatz glauben une Romero somit auch nichts unterstellen.
Man kann sich in solcher Hinsicht allerdings auch leicht "verrennen", den Blick für das Wesentliche verlieren.

Ich muss es wissen - zwar nicht im Hinblick auf Verschwörttexte, aber ich kann mich noch gut an diesen ewigen "Heizer-Zwist" erinnern. Zwar nicht dasselbe - aber bei besagtem Heizer war die Provokation eindeutig auf Reaktion ausgelegt.

Leider bin ich voll eingestiegen und bekam erst später mit, dass ich mich für andere, weit interessantere Dinge glatt blockiert habe.

Nun, ob gewollt oder nicht - Des Romero hat es geschafft, die Aufmerksamkeit in eine gewisse Richtung zu lenken.

Aber, ich denke, wir sollten darauf nicht zuviel Energie verschwenden....und... für den Zauberspiegel-Online einfach bleiben, was wir sind:

interessierte Artikel-Leser und motivierte Schreiberlinge. :-)

Ich weiss, ich weiss - leichter gesagt, als getan...aber.... ;-)
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