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Vom Talisman des Seth und einem Medium - »Diener der Finsternis«

Diener der Finsternis Vom Talisman des Seth und einem Medium
»Diener der Finsternis«

Nicholas, der Herzog von Richleau trifft sich einmal wieder mit seinem amerikanischen Freund Rex Van Ryn, der gerade mit einem Flugzeug vom europäischen Festland nach England gekommen ist. In letzter Zeit jedoch macht sich Nicholas so einige Sorgen um den gemeinsamen jüdischen Freund Simon Aron, der seltsamer Weise seit längerem den Kontakt zu Nicholas schleifen lässt. Dabei ist Simon wie ein Sohn für Nicholas, den er nie hatte. Deshalb suchen er und Rex ihn auch sogleich gemeinsam auf.

Diener der FinsternisHierbei muss jedoch gerade Nicholas, der sich mit dem Okkulten etwas auskennt, mit Schrecken feststellen, das Simon sich mit Satanisten eingelassen hat, bei denen der skrupellose Hohepriester Mocata bei einem seltsamen Empfang den Ton angibt.

Zwar gelingt es ihnen recht bald, Simon erst einmal aus den Klauen der Satanisten zu entführen, aber Simon scheint bereits unter der geistigen Kontrolle dieses Mocata zu stehen. Mocata indessen wird auch nichts unversucht lassen, um Simon wieder in seine Gewalt zu bekommen, denn nur mit ihm (wegen dessen Geburtsstunde und der Sternenkonstellation) kann es dem Satanisten gelingen, innerhalb eines dunklen Rituals zur rechten Zeit, den lange verschollenen "Talisman des Seth" zu finden. Mit diesem soll man nämlich durch Magie in der Lange sein, die vier Reiter der Apokalypse herbeizurufen, um durch sie Unglück, Katastrophen und verheerende Kriege über die Menschheit zu bringen.

Als dann auch Rex noch versucht, die junge wie hübsche Tanith aus der geistigen Umarmung von Mocata zu lösen, in die er sich sogleich verliebt hat, bietet Mocata alle seine Kräfte des Bösen auf, um sowohl Simon als auch sein bestes Medium Tanith wieder unter seine Kontrolle zu bekommen und so seine dunklen Ziele doch noch zu erreichen. Als es ihm jedoch in dieser Nacht trotzdem nicht gelingt, Nicholas und Simon, die bei den Eatons - einem weiteren befreundeten Ehepaar - unterschlupf gefunden haben, mit dunkler Magie und Hinterlist zu besiegen und Simon wieder in seine Gewalt zu bringen, wendet er sich an einem anderen Ort Tanith zu.

Die ist nämlich zurück ins Hotel geflohen, als Rex im Wald eingeschlafen ist. Dabei hat auch sie sich in ihn verliebt, glaubt aber fest daran, dass sie das kommende Jahr nicht mehr lebend erleben wird. Im Hotel jedoch gelingt es Mocata, sie völlig unter seine Kontrolle zu bringen damit sie den "Engel des Todes" herbeiruft, um nun den entscheidenden Schlag gegen Nicholas de Richleau und seine Freunde im Haus der Eatons  auszuführen. Dieser greift auch sofort an, kann jedoch im letzten Augenblick durch einen mächtigen Bannspruch zurückgeschlagen werden. Da der Engel des Todes jedoch nicht ohne ein Opfer in sein finsteres Reich zurückkehren kann, kehrt sich die Anrufung auf grausame Weise um, so das der Tod nun Taniths Leben fordert. Als Rex am Morgen dann mit ihrer Leiche bei den Eatons eintrifft, weiß Richleau, das Mocata weiterhin unter den Lebenden weilt und seine dunklen Ziele weiterverfolgen wird. Das er damit nicht falsch liegt, zeigt sich kurz darauf, als Fleur, die kleine Tochter der Eatons von ihm direkt aus dem Haus verschleppt wird.

Als Simon in einem unbeobachten Augenblick versucht, sich selbst Mocata auszuliefern, damit dieser das kleine Mädchen wieder frei lässt, gerät auch er erneut unter die geistige Macht des Satanisten. Damit wird die Zeit knapp für Nicholas, Rex und die Eatons, denn Mocata wird durch die Opferung der kleinen Fleur bei einer schwarzen Messe versuchen, nach dem Prinzip "eine Seele für eine Seele" auch Tanith wieder ins Leben zu rufen, da er auf sein mächtigstes Medium nicht verzichten will. Gemeinsam nehmen sie daher die Verfolgung auf, die sie direkt mit dem Flugzeug nach Paris (Frankreich) führt. Ein Problem ist nur, dass hier Nicholas de Richleau seit seiner Jugend von der Polizei gesucht wird, weil er im Kampf auf der Seite der Royalisten gegen die Sozialisten gekämpft hatte. Seiner Kerkerhaft ist er damals nur entkommen, weil er nach England ins Exil geflüchtet war.

Tatsächlich gelingt es ihnen, einen versteckten Tempel der Satanisten ausfindig zu machen, wo sie allerdings nur noch auf den bewußtlosen Simon treffen. Mocata hatte hier nämlich bereits ein Ritual vollendet gehabt und ist nun auch auf der Spur nach dem Talisman des Seth. Durch einen anderen Satanisten jedoch kommt auch die Polizei von Frankreich in dem verlassenen Tempel an und will Richleau und seine Freunde wegen Hochverrat und satanistischen Umtrieben verhaften. Zwar gelingt ihnen die Flucht nach einem kurzen Kampf, jedoch ist Mocata längst in Richtung Griechenland aufgebrochen um zuerst den Talisman in seine Gewalt zu bringen.

Nach einem kurzen Abstecher per Flugzeug nach Deutschland, machen auch Nicholas und die anderen sich auf nach Griechenland und finden dort auch die entweihte Stätte, wo sich der Talisman befinden soll. Doch die Hoffnung, man wäre Mocata zuvor gekommen, erweist sich als Trugschluss. Dem gelingt es nämlich, seine Gegenspieler in einem Bannkreis zu fesseln und den Talisman des Seth dem herbeigerufenen Teufel selbst zu übergeben. Quasi hilflos müssen sie nun mit ansehen, wie Mocata bei der nun folgenden schwarzen Messe die kleine Fleur opfern will, um durch den Teufel dafür Tanith wieder ins Leben zu holen. Im Grunde kann ihnen und dem Kind nun nur noch ein Wunder helfen.

Diener der FinsternisDicht an der Romanvorlage und doch irgendwie anders:

Ein durchdringender Schrei voller Wut, Furcht und Schmerz wie der eines Tieres, das mit einem weißglühenden Eisen gebrannt wird, zerriss die Stille. Die Lichter flackerten, gingen mehrmals an und aus, als ob zwei starke Kräfte miteinander ringen würden. Der eisige Wind erstarb. Noch während der Schrei von den Wänden widerhallte, ergriff de Richleau Rex beim Arm und zerrte ihn auf die Tür zu. Gleich darauf rannten beide in panischem Schrecken die Treppe hinunter.

(Dennis Wheatley: Diener der Finsternis/Seite 41)

Nun, da ich auch den betreffenden Roman von Dennis Wheatley mit dem deutschen Titel DIENER DER FINSTERNIS (Apex Verlag) mit steigender Spannung gelesen habe, kann ich durchaus bestätigen, dass der Schriftsteller Richard Matheson sich bei der Drehbuchfassung durchaus recht eng an die Romanhandlung gehalten hatte. Der Film seitens der Hammer-Filmproduktion unter dem Titel THE DEVIL RIDES OUT (deutscher Kinotitel: DIE BRAUT DES TEUFELS) hatte jedoch trotz seiner durchaus sehr ansprechenden Umsetzung hier und da einige kleine Ungereimtheiten in der inneren Logik, wie etwa dem Umstand, dass hier nicht erklärt wurde, weshalb Richleau und die anderen sich Zeitversetzt nun nach dem Endkampf wieder im Haus der Eatons befanden und damit Tanith auch nie gestorben war. Auch fehlt z.B. die Verfolgung nach Frankreich und anschließend nach Griechenland hier völlig im Film.

Das ich hierbei zwar schon den Film kannte (eine entsprechende Filmrezension ist ja bereits vor kurzem im Zauberspiegel erschienen) und trotzdem noch die Handlung im Roman mit wachsender Spannung verfolgen konnte, liegt schlicht darin begründet, dass man eben nicht alles Eins zu Eins im Film so hätte umsetzen können. Denn schon zeitlich hätte die Verfilmung sonst eine enorme Überlänge gehabt oder hätte auf mindestens zwei Filme (Beginn und Fortsetzung) ausgelegt werden müssen. Matheson musste sich hier also, was die Romanvorlage betraf, auf das wesentliche beschränken, um die Handlung in die gut 93 Minuten zu packen. Für den Fan des Old-School-Horrors lohnt es sich also durchaus, sich die Verfilmung seitens Hammer aus dem Jahre 1968 anzusehen und trotzdem auf den Roman von Dennis Wheatley aus dem Jahre 1934 zurückzugreifen. Doch auch sonst gibt es im Film so einige Änderungen inhaltlicher Art gegenüber der Romanhandlung, wobei es sich hier um diverse Einzelheiten handelt. Aber auch in dem Punkt will ich euch gerne ein paar Beispiele herausgreifen.

Diener der FinsternisEinige markante Unterschiede:
Im Film selbst hängt Richleau dem jungen Simon ein silbernes Kreuz zum Schutz um den Hals. Im Roman wiederum ist es jedoch ein goldenes, mit Edelsteinen besetztes Hakenkreuz. Da im Roman (der ja ebenfalls im Zeitraum von 1929 spielt) Rex darauf hinweist, ob es so Glücklich gewählt wäre, wenn man einem Juden nun ein Hakenkreuz umhängen würde, erfolgt sogleich im Text die Erklärung durch Richleau.

Denn das goldene Hakenkreuz basiert auf dem Sonnenrad oder Lichtsymbol, was ich wiederum selbst bestätigen kann, weil mir vor vielen Jahren bei einem Urlaub in Sri Lanka dieses goldene Hakenkreuz sehr oft, z.B. auf Statuen des Buddha oder als Schmuckstück begegnet ist und auf Nachfrage auch als Sonnen- bzw. Lichtsymbol erklärt wurde. Das Hakenkreuz als Symbol der nationalsozialistischen Terrorherrschaft hingegen ist farblich schwarz und auch Seitenverkehrt gegenüber dem Lichtsymbol - so das es damit faktisch also ins Gegenteil verkehrt wurde. Man kann dies auch sehr einfach vergleichen mit dem Kreuz des Christentum, welches durch die Satanisten auf den Kopf gestellt, ins Gegenteil verkehrt wird und so damit für das absolute Böse steht. Der Autor Dennis Wheatley war zwar politisch ein eher rechter, erzkonservativer Mensch gewesen mit einem starken Einfluss durch den Royalismus in Großbritannien, ein Bewunderer des deutschen Nationalsozialismus unter dem späteren Diktator Hitler war Wheatley jedoch gewiss nicht.

Ein weiterer Unterschied besteht auch bei der Darstellung des "Todesengel". Hier sieht man im Film nur nicht dessen Gesicht (einen Totenschädel) im Vorfeld, denn dies würde laut Aussage im Film den sofortigen Tod bedeuten. Im Roman wiederum können Richleau und seine Freunde nur das schwarze Pferd sehen, auf dem der Engel des Todes reitet. Der Engel selbst ist aber völlig unsichtbar, solange er den magischen Kreis nicht durchdringen kann. Wird er aber sichtbar, so ist dies gleichbedeutend mit dem Augenblick des Todes.

Nicht im Film thematisiert wird die Vorsehung seitens Tanith, die hier ein starkes Medium spielt und deshalb scheinbar bereits seit langem das Jahr ihres Todes kennt, weshalb sie im Roman Rex immer wieder sagt, dass seine Liebe zu ihr ihm nur Schmerz bereiten würde, weil sie wohl nur noch einige Monate zu leben hätte. Aus dieser Vorsehung heraus hatte sie sich daher auch Mocata angeschlossen, um über die Magie Macht zu erlangen über den Tod. Da Tanith dann wie in ihrer Vorahnung auch stirbt, am Ende aber wieder lebt, kann man davon ausgehen, dass der Todesfluch, den sie seit ihrer Kindheit mit sich trägt, damit aufgehoben wurde.

Als weiteren kleinen Hinweis möchte ich hier noch auf die Beschreibung von Mocata im Roman selbst eingehen, welche wieder auffällig zeigt, das der Autor Dennis Wheatley sich durchaus mit dem Okkultismus seiner Zeit ausgekannt haben muss. Denn die optische Beschreibung von Mocata passt geradezu perfekt auf den früheren, realen Satanisten Aleister Crowley (geboren 1875 - gstorben 1947), der sich selbst als "Das große Tier 666" bezeichnete, wobei es Wheatley jedoch vermeidet, im Roman auch dessen recht eigenwilligen Stil der Bekleidung aufzugreifen. Dafür ist allerdings im Roman die Suche nach dem "Talisman des Seth" wiederum ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Crowley, der ja in seinen Schriften gerne auch auf diverse Gottheiten des alten Ägypten zurückgriff. Im Roman DER DUNKLE PFAD (vor kurzem auch rezensiert im ZAUBERSPIEGEL) wird Aleister Crowley daher auch kurz thematisiert als Bekannter/Freund des Satanisten Mocata, der wiederum eine Erfindung basierend wohl auf Crowley seitens Wheatleys ist.

Und ja, wer dann noch im Roman DIENER DER FINSTERNIS auf die Beschreibung einer sehr überdimensionalen Tarantel hofft, die in der Hammer-Verfilmung auftaucht, der darf sehr lange suchen, denn im Roman stellt sich dieses höllische Wesen völlig anders in Szene.

Doch damit genug der kleinen Show der Unterschiede zwischen Film- und Romanhandlung. Denn für die Leser wie Filmfreunde möchte ich hier nun nicht alles gleich vorweg nehmen.

Diener der FinsternisDennis Wheatley, Okkultismus und der Duc de Richleau:
Das Dennis Wheatley sich durchaus in Sachen Schauerliteratur bis zu okkulten Sachbüchern auskannte, lässt sich auch recht schön anhand der THE DENNIS WHEATLEY LIBRARY OF THE OCCULT - Buchreihe ersehen, welche im Londoner Sphere Verlag im Zeitraum von 1974 bis 1977 in insgesamt 45 Bänden erschienen ist.

Hier veröffentlichte er neben Klassikern der phantastischen Literatur wie etwa CARNACKI, THE GHOST-FINDER von William Hope Hodgson z.B. auch den FAUST von Johann Wolfgang Goethe oder auch DRACULA seitens Bram Stoker bzw. FRANKENSTEIN von Mary Shelley. Dabei waren dann auch Anthologien, Monographien und eben Sachbücher über die Themen Okkultismus, Satanismus und Aberglaube Bestanteil der Buchreihe. Auch einige eigene Werke seitens Wheatley kamen in dieser Reihe heraus wie etwa SATANISM AND WITCHES (Essays and Stories)oder UNCANNY TALES 1 bis 3.

Die Bände kamen übrigens im Taschenbuchformat heraus. In Sachen Sachbücher dürfte z.B. STUDIES IN OCCULTISM von Helena Petrovna Blavatsky interessant sein. Das Wheatley sich auch mit Aleister Crowley auseinandergesetzt haben muss, kann man dabei ebenfalls in dieser Buchreihe feststellen, denn bereits als Band 3 taucht hier nämlich der Roman MOONCHILD, eben vom Autor Aleister Crowley auf. Crowley schrieb nämlich nicht nur Bücher hinsichtlich seiner satanistischen Lehren für den Hermetic Order of the Golden Dawn oder etwa für den Ordo Templi Orientis (O.T.O.), sondern verfasste als Autor auch zwei Romane. Der letzte hiervon war TAGEBUCH EINES DROGENABHÄNGIGEN (1922), den er direkt in seiner Zeit der Heroinsucht verfasste. Interessanter für Wheatley dürfte aber eh der Roman MOONCHILD von Crowley gewesen sein, den er bereits im Jahre 1917 schrieb, der dann allerdings erst im Jahre 1929 erstmals veröffentlicht wurde. Crowley verarbeitete in MOONCHILD dabei seine taoistischen Lehren und magischen Erfahrungen in einer spannenden wie auch unterhaltsamen Lektüre, die man durchweg als eine Mischung aus Fiktion, "Magick" und Biographie verstehen darf. Und wer sich nun an dem Wort "Magick" reibt, dem sei hier gesagt, das Crowley innerhalb seiner okkulten Lehren als Satanist auch schon mal eigene Wortschöpfungen einsetzte, wie eben das Wort "Magick", welches schlicht und ergreifend für Magie bzw. den Praktiken seiner Sexualmagie steht. Wie weit bzw. tief sich Dennis Wheatley jedoch in die gesamten okkulten Schriften seitens Aleister Crowley eingelesen hatte, darüber dürften heute nur noch Vermutungen angestellt werden können. Unbekannt dürften Wheatley aber auch die okkulten Schriften wie etwa das LIBER AL VEL LEGIS (Buch des Gesetzes) seitens Crowley wohl nicht gewesen sein.

Diener der FinsternisMein Fazit:
Das Dennis Wheatley auch in seinen okkulten Horrorromanen zum Beispiel um den Herzog de Richleau - welcher der Held mehrerer Romane seitens Wheatley war und in der Verfilmung seitens Christopher Lee gespielt wurde - durchaus Elemente und Angaben aus okkulten Sachbüchern heranzog, kann man, wenn man sich auch etwas selbst mit solchen diversen Sachbüchern beschäftigt hat wie ich,  durchaus sehr gut nachvollziehen.

Doch bevor wir hier nun wieder auf den Satanisten Aleister Crowley und dessen möglichen Einflüsse abweichen, halten wir uns doch hier zum Abschluss doch noch einmal direkt an den hier vorgestellten Roman DIENER DER FINSTERNIS. Denn dieser Roman gehört wahrlich nicht zu den Romanen, die man heute eigentlich in der Regel in die Hand nimmt, wenn man nicht gerade ein ausgemachter Fan des Old-School-Horrors ist. Trotzdem lässt sich DIENER DER FINSTERNIS sehr flüssig lesen und wußte auch mich trotzdem wieder mit Spannung durch die Seiten zu ziehen, auch wenn ich bereits die Verfilmung im Vorfeld kannte.

Was ich hier an Wheatley durchaus mag, ist seine Art, sich möglichst eng an dem roten Faden der Handlung zu orientieren und auch ohne blutige Gewalt und expliziter Beschreibungen der selbigen, eine langsam ansteigende Spannungskurve zu erzeugen. Wer sich hier also auch etwas im Hinblick auf Splatter, Obszönität oder Ekel erhofft, der dürfte bei einem Roman von Dennis Wheatley wirklich fehl am Platz sein. Denn Wheatley gehört zu einer Generation von Autoren (und er schrieb nicht nur Romane aus dem Bereich der Phantastik und des Okkulten), die gerne solche Elemente umschrieben, anstatt direkt und offen schriftstellerisch einen Eimer mit Blut auszukippen. Da ist dann auch eben die Fantasie des Lesers gefragt. Und in diesem Punkt macht es Wheatley dem Leser aber auch wieder recht leicht, da er bei seinen Ausführungen eben nicht vom Stöckchen aufs Hölzchen kommt, sondern durchaus einen geradlinigen Schreibstil pflegt, der dem Leser einen recht schönen Mittelweg zwischen zu plastischer Beschreibung von Gewaltszenen auf der einen Seite, aber auch einer zu ausschweifenden Umschreibung der betreffenden Szenen auf der anderen Seite, bietet.

Dabei merkt man sehr wohl, dass sich Wheatley hier nicht einfach alles aus den eigenen Fingern saugt, sondern im Bereich des Okkultismus durchaus belesen ist, was die Romane durchaus noch einen Zacken interessanter machen. Da ist es wirklich Schade, dass man die Romane des Autors Dennis Wheatley hier in Deutschland damals eher stiefmütterlich seitens der Verlage behandelt hatte.

Aber auch die Figurenzeichnungen innerhalb der Romane sind bei Wheatley durchaus sehr interessant, denn seine "Helden" sind eben keine Supermänner, die furchtlos sich jeder Gefahr stellen oder über Utensilien verfügen, mit denen sie dem Unhold einfach mal den Boden unter den Füßen entziehen können. Aber auch die ausgemachten Bösewichte halten sich nicht die meiste Zeit mit markigen Dialogen über Wasser, um am Ende dann eher unspektakulär das Zeitliche zu segnen. Der eigentliche Bösewicht kommt sogar zu Beginn sogar eher geheimnisvoll aber mit freundlichen Manieren daher, um erst nach einer Weile dann die Maske des schönen Scheins fallen zu lassen. Der Bösewicht wirkt dadurch sogar intelligent, was ihn von üblichen Darstellungen z.B. im Heftroman unterscheidet, wo man es viel eher mit dümmlichen Maulhelden zu tun hat, die man als Leser irgendwann einfach nicht mehr ernst nehmen kann.

Der Roman DIENER DER FINSTERNIS kommt hier im Text auch mit recht wenigen Fehlern daher, die man bei dem wachsenden Spannungsaufbau der Handlung allerdings beim lesen kaum noch wahrnimmt. Dies ist ja leider nicht bei allen Büchern seitens des Apex Verlag der Fall. Angenehm beim lesen sind auch die übersichtlichen Kapitel, die nicht in viel zu hohen Seitenzahlen ausarten. So komme ich bei DIENER DER FINSTERNIS daher locker auf die vollen fünf von fünf Punkte als Höchstbewertung und eine Empfehlung, sich in stillen Nächten sich den Roman mal vorzunehmen, gibt es natürlich auch gleich noch oben drauf.
Diener der Finsternis
Diener der Finsternis
(The Devil Rides Out)
von Dennis Wheatley
Originalausgabe: 1934
Genre: Okkultismus/Horror
Seitenanzahl: 276 Seiten
Übersetzung: Rosemarie Hundertmarck & Christian Dörge
Ausführung: Paperback
ISBN: 978-3-7485-0243-2
Preis: 10,99 Euro
Apex Verlag

Kommentare  

#1 Andreas Decker 2020-02-20 10:16
Der Klassiker, auch noch nach 85 Jahren.
Wheatley hat Crowley übrigens noch persönlich kennengelernt.

De Richleau und seine Freunde waren schon in seinem allerersten Roman die Helden. Insgesamt gibt es 11 Romane mit dem Duke, davon sind lediglich 3 Horroromane. Die sind alle nicht chronologisch geschrieben und bis auf 2 vor dem Krieg bzw im Krieg erschienen. Die 2 Nachzügler kamen in den 60ern . Wheatley hat zu einer Zeit produziert, als es die strenge Kategorisierung noch nicht gab. Ein Roman war ein klassischer Abenteuerroman, der nächste ein Krimi, usw.

Auch wenn der Autor (noch) für seine Horrorromane bekannt ist, hat er doch größtenteils anderes geschrieben.

Das ist eine spannende Geschichte, auch wenn mir das Ende zu sehr Deus ex machina ist. Aber das ist Geschmacksache.
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#2 Friedhelm 2020-02-20 10:37
Zitat:
Das ich hierbei zwar schon den Film kannte (eine entsprechende Filmrezension ist ja bereits vor kurzem im Zauberspiegel erschienen) und trotzdem noch die Handlung im Roman mit wachsender Spannung verfolgen konnte, liegt schlicht darin begründet, dass man eben nicht alles Eins zu Eins im Film so hätte umsetzen können.
Wie ich ja schon einmal ausgeführt habe, liegt so etwas ja des öfteren im Unstand begründet, dass Romanautoren selten cineastisch denken, wenn sie schreiben. 1 zu 1-Verfilmungen gelingen deshalb auch nur in den wenigsten Fällen - ich erwähnte in einem frühreren Kommentar da auch schon einmal .den "Exorzisten..." Manch einer erkannte sein Werk auf der Leinwand kaum wieder und distanzierte sich später vehement.

Abgesehen davon, werde ich mir diesen Roman demnächst wohl in der nächsten Zeit mal "reinziehen". ;-)
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#3 Laurin 2020-02-20 13:35
Zitat Andreas Decker:
"Das ist eine spannende Geschichte, auch wenn mir das Ende zu sehr Deus ex machina ist. Aber das ist Geschmacksache."
Stimmt, allerdings muss man im Vergleich Roman zum Film schon feststellen, dass es im Roman doch trotzdem noch etwas besser gelöst wurde. Und z.B. im Heftroman (oder auch schon mal in Taschenbüchern) habe ich im Finalbereich schon weit schlechteres lesen dürfen (oder müssen, wie man es eben sehen mag).

Das Wheatley Crowley übrigens noch persönlich kennengelernt hatte, wusste ich zwar bis jetzt noch nicht mit Bestimmtheit, hatte ich aber irgendwie bereits in Verdacht gehabt.

Zitat Friedhelm:
"Wie ich ja schon einmal ausgeführt habe, liegt so etwas ja des öfteren im Unstand begründet, dass Romanautoren selten cineastisch denken, wenn sie schreiben."
Kar, warum sollte ein Autor dies auch tun (sofern er nicht eh Stephen King heißt). Denn wenn von einem der Roman verfilmt wird, dürfte so mancher Autor (oder Autorin) zuerst auch mal recht erfreut darüber sein (nicht jeder haut da ja Bestseller raus, bei denen man mit Bestimmtheit dran fühlen kann, dass die Filmindustrie sich flott die Finger danach leckt).

Aber nimm dir ruhig mal den Roman von Wheatley vor, Friedhelm (eventuell auch DER SCHWARZE PFAD), denn Wheatleys Schreibe ist durchaus interessant, spannend im Aufbau und bietet stets einen Mehrwert zur Verfilmung (bei DER SCHWARZE PFAD wesentlich mehr noch als bei DIENER DER FINSTERNIS). Gefallen hatten mir da jedenfalls durchweg beide Romane von ihm. :-)
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#4 Friedhelm 2020-02-21 12:57
Zitat:
Kar, warum sollte ein Autor dies auch tun (sofern er nicht eh Stephen King heißt). Denn wenn von einem der Roman verfilmt wird, dürfte so mancher Autor (oder Autorin) zuerst auch mal recht erfreut darüber sein (nicht jeder haut da ja Bestseller raus, bei denen man mit Bestimmtheit dran fühlen kann, dass die Filmindustrie sich flott die Finger danach leckt).
Schon klar, man darf davon ausgehen, dass so ein Autor mitnichten (oder eben selten..) daran denkt, dass sein Roman irgendwann eine Leinwandadaption erfährt. Ich denke, selbst der gute King macht sich darum nicht unbedingt einen Kopf - muss er wohl auch gar nicht.

In der Filmbranche (Hollywood ect...ect..ect..) setzen die Studios eh auf Mitarbeiter,sogenannte "Scouts" (so hiessen die jedenfalls früher...), deren Aufgabe es ist, Bücher ausfindig zu machen, aus denen ein Kassenknüller werden könnte - jedenfalls war das vor einigen Jahrzehnten der Fall - und wird heute wahrscheinlich auch nicht anders sein. Da gibt es ja viele, bekannte Beispiele - und ich komme hier einfach mal wieder mit dem "weissen Hai.." (...ich weiss, ich weiss - ist ja schon ewig her, aber.... :-* ;-) )

Ein ebensolcher Scout machte den Produzenten David Brown auf Peter Benchleys Roman aufmerksam. Brown erwarb dann die Filmrechte bereits vor Veröffentlichung desselben. Angeblich hat besagter Scout den Autor durch puren Zufall kennengelernt..
Der Titel: "Jaws/Der weisse Hai"....
Daraus musste dann ein verfilmbares Script gebastelt werden, und dafür bekamen Meister Spielberg und Drehbuchautor Carl Gottlieb dann auch noch Hilfe durch einen anderen Autor namens Howard Sackler, dessen Anteil am letztendlichen Erfolg nicht unerheblich gewesen sein soll. Jo, und der Rest ist bekannt. :D
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#5 Laurin 2020-02-21 13:37
@ Friedhelm:
Ja, so läuft das wohl noch heute im Business. Allerdings frage ich mich da bei dem Roman DER SCHWARZE PFAD (TO THE DEVIL - A DAUGHTER), warum man für die Verfilmung faktisch fasst alles auf den Kopf gestellt hatte bei Hammer.
Das Wheatley da kreisrund im Dreieck gesprungen ist, hinsichtlich dem, was man da aus seinem Roman filmisch gezaubert hatte, war mir nach dem lesen dieses Roman eigentlich nur zu verständlich. :-*
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#6 Friedhelm 2020-02-22 19:27
Zitat:
Allerdings frage ich mich da bei dem Roman DER SCHWARZE PFAD (TO THE DEVIL - A DAUGHTER), warum man für die Verfilmung faktisch fasst alles auf den Kopf gestellt hatte bei Hammer.
Man muss wohl bedenken, dass "Hammer" vornehmlich auf schnell produzierbare Horrorware ausgelegt war. Da reichte wahrscheinlich schon der Titel, den man einfach übernahm, um daraus einen Streifen zu fabrizieren, der dieser "kleinen Fabrik der Ungeheuer" auch gerecht werden konnte. Schaut man sich Christopher Lee an, dann hat er ja nicht unbedingt mehr geboten, als in "seinen Draculas". Mich hätte es übrigens auch nicht unbedingt verwundert,, wenn der deutsche Verleih daraus gleich "Draculas Braut" gemacht hätte, um das Ding besser verkaufen zu können. Immerhin war so etwas früher ja auch usus...

Mal sehen, erstmal nehme ich mir jedenfalls vor, die Wheatley-Romane zu lesen.
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#7 Laurin 2020-02-23 15:12
Zitat Friedhelm:
"Man muss wohl bedenken, dass "Hammer" vornehmlich auf schnell produzierbare Horrorware ausgelegt war. Da reichte wahrscheinlich schon der Titel, den man einfach übernahm, um daraus einen Streifen zu fabrizieren, der dieser "kleinen Fabrik der Ungeheuer" auch gerecht werden konnte."
Der Logik will ich jetzt hier nicht widersprechen wollen. Allerdings hatte es Hammer hier bei dem Film DIE BRAUT DES SATANS (deutscher Titel von THE DEVIL - A DAUGHTER) wahrlich ziemlich wild getrieben mit der Eigeninterpretation. Einen Gefallen hatte man sich damit ja nicht getan, wenn man bedenkt, dass sie noch weitere Optionen auf Romane seitens Wheatley hatten, die man hätte verfilmen können. Eine weitere Romanverfilmung war ja bereits durchaus angedacht gewesen, aber dann hatte Wheatley ja ziemlich sauer die Bremse gezogen.

Aber ich wünsch dir mal viel Spaß bei den beiden Romanen von Wheatley. Ich fand sie jedenfalls in Sachen Old-School-Horror recht gut, sofern man beide Augen zudrückt, was die Fehler im Text angeht, da der Apex Verlag da leider vor dem Druck nicht noch mal drüber schaut.
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