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John William Polidori und der moderne literarische Vampir

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenJohn William Polidori ...
... und der moderne literarische Vampir

Man kennt ihn nur zu genau, den Albtraum der finsteren Nächte. Dracula, der Vampir aus adeligem Geschlecht, den uns Bram Stoker in seinem Buch vorführte und der dann über viele Jahrzehnte auch aus den Kinos nicht mehr wegzudenken war. Dabei gab es sogar einmal eine Zeit, in der man wirklich noch an Vampire glaubte, aber es ein Skandal gewesen wäre, wenn man eine solche Kreatur so darzustellen versucht hätte, als entstamme sie einem Geschlecht des Adels.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenDoch seit Bram Stoker uns seinen Grafen Dracula präsentiert hatte, brannte sich dieses Bild des Blutsaugers förmlich in den Köpfen der Menschen fest, die diese Figur des Horrors z.B. in den Kinos bewunderten.

Es soll hier allerdings nicht darum gehen, welcher Darsteller nun der bessere Dracula war, denn vor Dracula gab es schließlich einen anderen Vampir aus adeligem Hause, der eigentlich sogar den Grundstein für die moderne literarische Vampirgeschichte legen sollte. Denn eines kann ich hier schon einmal versichern, Bram Stoker gebührt diese Ehre nicht.

Vielmehr handelt es sich hier um den Vampir Lord Ruthven, der seine eigentliche Geburtsstunde im Sommer 1816 in der Villa Diodati am Genfersee hatte. Und mit Sicherheit wäre die moderne Horrorliteratur damals um einiges ärmer gewesen, hätte es in diesem besagten Sommer nicht einige Tage ununterbrochen geregnet.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenJohn Polidori und die Literatur:
Dabei ist dies auch die Geschichte von John William Polidori, der älteste Sohn von Gaetano Polidori und seiner Mutter, einer englischen Gouvernante mit dem Namen Anna Maria Piere. Gaetano Polidori war ein italienischer Exilpolitiker und Wissenschaftler, der mit seiner Ehefrau insgesamt vier Söhne und vier Töchter zeugte. Sein Sohn John Polidori war später auch der erste Schüler des neu gegründeten Ampleforth College und studierte nach 1810 dann auf der University of Edinburgh. Das er hier Medizin belegte, war eher wohl ein Wunschtraum seiner Eltern bzw. seines Vaters gewesen und weniger wohl sein eigener. Trotzdem promovierte John Polidori dort und erhielt aufgrund seiner Thesen hinsichtlich des "Schlafwandeln" im Alter von 19 Jahren, genauer am 1. August 1815 den Doktortitel der Medizin. Wie gesagt, Medizin war hierbei nicht unbedingt ein Steckenpferd von John Polidori gewesen, der sich wohl lieber gleich der Literatur zugewandt hätte.

Der Literatur sehr nahe kam John Polidori dann aber durchaus 1816, als er die Stelle als Leibarzt des Dichters Lord Byron annahm, und  diesen so während seiner Reise durch Europa begleitete. Byron war zu diesem Zeitpunkt (genauer seit 1812) bereits durch sein Versepos CHILDE HAROLD'S PILGRIMAGE zu einer damaligen Art Superstar am literarischen Himmel geworden. John Polidori, der nur auf Drängen seines Vaters das Studium überhaupt beendet hatte, legte 1816 bereits seinerseits mit den Dramen CAJETAN und BOADICEA eigene schriftstellerische Versuche hin, die jedoch von der Öffentlichkeit eher unbeachtet geblieben waren.

Allerdings verlief auch die Beziehung zwischen John Polidori und Lord Byron keineswegs harmonisch und war daher stets auch von Konflikten und persönlichen Spannungen geprägt gewesen. Der entscheidende Zeitpunkt für den ersten adeligen Vampir der Literaturgeschichte wurde dann in der Villa Diodati am Genfersee gefällt. Hier trafen zu diesem Zeitpunkt auch Percy Bysshe Shelley und dessen spätere Gattin Mary Godwin (später eher wohl bekannt als Mary Shelley) sowie deren Stiefschwester Claire Clairmond ein. Claire Clairmond wiederum pflegte seit einiger Zeit eine ziemlich heftige On-Off-Beziehung mit Lord Byron.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenDurch den anhaltenden Regen war man allerdings gezwungen, die meiste Zeit in der Villa selbst zu verbringen, statt sich in der schweizerischen wie französischen Alpenwelt zu vergnügen. Dort vertreib man sich dann auch mit Gesprächen über den Naturphilosophen, Arzt, Erfinder und Dichter Erasmus Darwin (einer seiner Enkel war der später berühmt gewordene Naturforscher und Evolutionstheoretiker Charles Robert Darwin) die Zeit. Erasmus Darwin sagte man schließlich nach, er habe es geschafft, in seinen Experimenten tote Materie zu beleben. Auch hatte er sich über Galvanismus sowie über die Möglichkeit, künstliches Leben zu erschaffen, sinniert. Man kann sich also durchaus lebhaft vorstellen, wie solche Themen zur damaligen Zeit einem schon einen gewissen Schauer über den Rücken jagen konnte. Und zur fortgeschrittenen Zeit las man sich in den Nächten zusätzlich gegenseitig Geistergeschichten am Kaminfeuer vor. Es war hierbei wohl Lord Byrons Vorschlag gewesen, das jeder eine eigene Schauergeschichte beitragen sollte. Dies war quasi der Startschuss zur modernen Horrorliteratur.

Mary Godwin entwarf hierbei ihre Geschichte von FRANKENSTEIN ODER DER MODERNE PROMETHEUS. Eine Geschichte über eine Kreatur, die durch Dr. Frankenstein aus Leichenteilen erschaffen wurde und die heute wohl auch jedes Kind kennen dürfte. Lord Byron selbst machte sich an eine Vampirgeschichte heran, entwarf jedoch quasi nur das Grundgerüst einer Schauergeschichte, die niemals fertiggestellt werden würde. Jedenfalls nicht von Lord Byron. Das wenige was Byron wirklich zu Papier gebracht hatte, erschien erst 1819  in seinem Versepos MAZEPPA unter dem eindeutigen Namen A FRAGMENT.

Dafür griff John Polidori eben dieses minimalistische Grundgerüst, welches eigentlich nur aus einem Anfang bestand, auf und schrieb daraus seine ganz eigene Geschichte mit dem Titel DER VAMPIR. Zwar griff auch Polidori im Vorfeld zuerst z.B. die typischen osteuropäischen Mythen über den Vampirismus auf, führte dann aber den wohl ersten adeligen Blutsauger der Literaturgeschichte mit Namen Lord Ruthven ein.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenLord Byron und der blaublütige Vampir:
Auch wenn Lord Byron hier quasi eine Art Grundgerüst durch seinen Anfang lieferte, so machte John Polidori doch diese Geschichte zu seiner ganz eigenen Version eines Blutsaugers, der innerhalb der besseren Gesellschaft von London sein Unwesen trieb. Doch dieser Vampir mit dem Namen Lord Ruthven, den Polidori hier nun zu Papier brachte, zeigte trotzdem ganz typische Querverbindungen hinsichtlich Lord Byron.

John Polidori verarbeitete nämlich in der Figur des Lord Ruthven die durchaus eindeutig erkennbaren Charaktereigenschaften des englischen Dichters Lord Byron (George Gordon Noel Byron, 6. Baron Byron/genannt Lord Byron), der aber auch als nicht unwesentlicher Teilnehmer am Freiheitskampf der Griechen bekannt wurde. Byron selbst war übrigens ein Enkel von John Byron, eines britischen Admirals und Südseeforscher.

Lord Byron selbst war vom Charakter her eine durchaus aristokratische, elegante und sehr intelligente Erscheinung. Darüber hinaus erschien er jedoch recht selbstverliebt, überheblich, egoistisch und legte einen recht offensichtlichen Zynismus an den Tag. Dabei lag die Erfüllung seines eigenen Verlangens durchaus auch über den Bedürfnissen wie auch Ansprüchen der Gesellschaft. Wobei es sich hierbei wohl stets zuerst um die Gesellschaft von Menschen drehte, mit denen er sich umgab. Byron selbst kannte aber wohl seine eher negativen Seiten durchaus recht gut, denn er hatte in der semi-autobiographischen Figur von CHILDE HAROLD einen ihm recht ähnlichen Charakter entworfen, weshalb man Figuren dieser Art auch später gerne als "Byronic hero" bezeichnen sollte. Und genau diese Darstellung seitens John Polidori stellte innerhalb der durchaus bereits bestehenden Literatur mit und über den Vampirismus eine zur damaligen Zeit unerhörte wie aber auch für die Zukunft prägende Veränderung dar. Das "Dienstverhältnis" zwischen Polidori und Lord Byron sollte indessen auch nicht mehr lange halten. Wirklich aus dem Schatten des damals großen Dichters gelangte John Polidori jedoch nie.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenDer falsche Autor:
Nachdem sich die Wege von John Polidori und Lord Byron getrennt hatten, zog es Polidori zuerst zurück nach Italien und dann wieder nach England. Und genau dort wurde Polidoris Werk DER VAMPIR im April 1819 im THE NEW MONTHLY MAGAZINE (gegründet 1814 von Henry Colburn und Frederic Shoberl in Konkurrenz zum SIR RICHARD PHILLIS MONTHLY MAGAZINE als "scharfe Toryzeitung") ohne seine persönliche Zustimmung veröffentlicht. Dem nicht genug wurde als Autor der Geschichte DER VAMPIR sogar noch Lord Byron genannt. Auch als die Geschichte ebenfalls im Jahre 1819 durch Leopold Voß aus Leibzig ins deutsche übersetzt wurde, erhielt die Geschichte DER VAMPIR den fälschlichen Untertitel "Eine Erzählung aus dem Englischen von Lord Byron".

Nicht nur Polidori, sondern durchaus auch Lord Byron selbst bemühten sich in der Folgezeit darum, die fälschliche Zuschreibung als Autor zu DER VAMPIR aufzuklären. Für Polidori selbst blieb dabei DER VAMPIR das einzige je veröffentlichte literarische Werk zu seinen Lebzeiten. Das ebenfalls aus seiner Hand verfasste und stark von Lord Byron beeinflusste Gedicht THE FALL OF THE ANGELS wurde hingegen erst nach John Polidoris Tod veröffentlicht (1821). Und erst im Jahre 1911 erschienen Polidoris Tagebücher, welche eine seiner Schwestern damals noch überarbeitet hatte. John William Polidori ist im übrigen auch der Onkel von Dante Gabriel Rossetti (britischer Dichter und Maler), Maria Francesca Rossetti (Ordensschwester des von Harriet Brownlow Byron 1851 in London gegründeten ersten anglikanischen Ordens der "All Saints Sisters of the Poor"), sowie William Michael Rossetti (britischer Schriftsteller und Kunstkritiker sowie Gründungsmitglied der "Präraffaeliten") und Christina Rossetti (britische Dichterin). Keine dieser Kinder hatte jedoch je John Polidori zu Gesicht bekommen, denn alle kamen erst nach seinem recht seltsamen Tod zur Welt.

John Polidori starb nämlich unter nicht völlig geklärten Umständen am 24. August 1821 mit nicht ganz 26 Jahren (1795 bis 1821). Laut offiziellen Verlautbarungen (wohl seitens der Familie) soll John William Polidori an einer natürlichen Ursache vertorben sein. Es war jedoch durchaus bekannt, das Polidori zu Lebzeiten erdrückende Spielschulden hatte und auch unter starken Depressionen litt. Es dürfte also durchaus nicht abwegig sein, wenn andererseits behauptet wurde, Polidori hätte möglicherweise durch die Einnahme mittels Cyanwasserstoff Selbstmord verübt.

John Polidoris DER VAMPIR blieb allerdings nicht die einzige Geschichte um den adeligen Blutsauger Lord Ruthven. Bereits zu Beginn (Februar) des Jahre 1820 kam eine durchaus viermal so umfangreiche französische Fortsetzung auf den Markt mit dem Titel LORD RUTHWEN  OU LES VAMPIRES. Auch diese Fortsetzung wurde nach knapp einem Jahr ins Deutsche übersetzt. Hier trug sie 1821 den Titel DIE BLUTSAUGER und erschien bei Gottfried Basse in Quedlinburg und Leibzig. Autor war hier Cyprien Bernard, über dessen Leben eigentlich nicht wirklich viel bekannt ist, zumal er auch als Schriftsteller kaum in Erscheinung getreten war. Soweit bekannt ist, stammte Bernard aus Südfrankreich und wirkte um 1820 bereits als Journalist und Theatermann in Paris. Von 1822 bis 1825 leitete er hier das THEATRE DU VAUDEVILLE. Die wenigen Hinweise zeichnen ihn hierbei durchaus als einen aktiven und engagierten, allerdings auch sehr eigenwilligen bis streitbaren Theaterdirektor aus. So soll er bereits am ersten Abend am THEATRE DU VAUDEVILLE in einen unschönen Streit mit dem Bühnenautor Edouard Mazeres geraten sein, der Bernard deswegen zum Duell mit Pistolen forderte. Bernard überlebte das Duell nur mit viel Glück, denn der Pistolenschuss, welcher seinen Hals traf, setzte ihn für ganze drei Monate außer Gefecht. Die Art, wie sich in Bernards Fortsetzung mit dem Blutsauger Lord Ruthven die jeweiligen Charaktere zusammenfinden, um Jagd auf eben diesen Vampir zu machen, erinnert etwas an die recht einfache Form aus der Fabel der BREMER STADTMUSIKANTEN und wie diese im Verlauf der Handlung  zusammenfanden. Auch lassen sich in vielfacher Hinsicht die haarsträubenden Logikfehler innerhalb der Handlung durch Bernard (räumliche wie zeitliche Unlogik innerhalb des Handlungsverlauf) nicht wegdiskutieren. Wer damit allerdings leben kann, der erhält hier durchaus eine märchenhaft wirkende Handlung geboten, welche man durchaus als lesenswert bezeichnen darf.

Beide Geschichten, also Polidoris DER VAMPIR wie auch Bernards LORD RUTHVEN ODER DIE BLUTSAUGER bekommt man in einer recht ansprechenden Übersetzung seitens der SPIEGELBERGS BIBLIOTHEK DER PHANTASTIK in einem Taschenbuch geliefert, welche in der Einleitung viel wissenswertes aus dem Leben und Werk von Polidori aber auch Bernard beinhaltet. Wer an diesen zwei Werken also Interesse hat, den verweise ich hier einmal auf die entsprechenden Daten am Ende meines Artikels.

Und wie gesagt, war es nicht Bram Stoker, der zuerst mit seinem literarischen Werk DRACULA eine Figur des Adels zu einem Blutsauger gemacht hatte und damit die moderne Horrorliteratur in diesem Punkt eindeutig prägte und darüber hinaus in den vielen Jahrzehnten danach auch das moderne Bild des Vampir in Film und Kino bestimmte. Die Erfindung der modernen literarischen Vampirgeschichte gebührt hier eindeutig John William Polidori mit seiner Geschichte DER VAMPIR, welches eine schnelle Verbreitung und ebenso begeisterte Leser fand, aber auch zahlreiche Nachahmer auf den Plan rief. Und ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, das Bram Stoker Polidoris Werk mit dem Titel DER VAMPIR nicht gekannt haben soll.

Lord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei VampirgeschichtenLord Ruthven oder Die Blutsauger - Zwei Vampirgeschichten
von John Polidori/Cyprien Bernard
Inhalt: Umfangreiche Einleitung/John Polidori: Der Vampir/Cyprien Bernard: Lord Ruthven oder Die Blutsauger/Anmerkungen/Editorische Notizen
Genre: Schauerliteratur/Gothic
Erscheinungsdatum: Juli 2018
Buchreihe: Spielbergs Bibliothek der Phantastik
Ausgabe der Reihe: Band 7
Seitenanzahl: 154 Seiten
Preis/Printausgabe: 7,60 Euro
ISBN: 978-1724503527
Verlag/Druck: CreateSpace Independent Publishing Platform
Edition Spielberg

Kommentare  

#1 Falk 2019-08-31 08:55
Die Erzählung „Der Vampyr” stieß übrigens auch bei den deutschen Romantikern auf großes Interesse. Heinrich Ludwig Ritter dramatisierte Polidoris Erzählung für die Bühne und die Komponisten Heinrich Marschner und Peter Joseph von Lindpaintner nahmen diese Dramatisierung als Grundlage für ihre Opern. Auch der italienische Komponist Silvestro de Palma und der Franzose Martin-Joseph Mengal schufen Opernadaptionen und selbst Alexndre Dumas brachte eine eigene Fassung auf die Bühne.
Zudem wollte es der Zufall, dass ich mir gerade diese Woche den lohnenswerten Film „Mary Shelley” ansah, der u.a. genau diesen Aufenthalt am Genfer See thematisiert. Mit Elle Fanning (Mary Godwin), Douglas Booth (Percy Bysshe Shelley), Tom Sturridge (Lord Byron) und Ben Hardy (John Polidori) ist er bestens besetzt und gibt einen guten Eindruck von der Atmosphäre in der „Frankenstein” und „The Vampyr” entstanden.
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#2 Friedhelm 2019-08-31 16:21
John Polidoris Kurzgeschichte fällt ja in die Zeit der Schauerromane, (gotische Horrorliteratur). Vampir-Stories gab es bereits viel früher - u.a. auch als Gedichte und Balladen - aber von Polidori haben sich dann spätere Autoren wie Sheridan La Fanu und Bram Stoker für ihre eigenen Werke beeinflussen lassen. Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass es heute kaum noch jemandem gelingen würde, mit dem Gotic-Horror in gedruckter Form Gänsehaut zu erzeugen. Damals, als der "Vampir-Glaube" noch sehr verbreitet war, hatten die Autoren mit ihren Lesern natürlich "leichtes Spiel".

Ich selber bin immer noch ein Fan der gotischen Schauergeschichten, auch wenn mir die Geschichte um den vampirischen Lord Ruthven manchmal etwas umständlich erscheint.

Und was Mary Shelley's Frankenstein betrifft: Den Film mit Elle Fanning habe ich auch gesehen, empfand ihn allerdings ein bisserl zu langatmig. Bis zur "Frankenstein-Thematik" dauert es da auch eine Stunde (oder mehr??) - weil man wohl auch andere Aspekte im "Lebenslauf der Autorin beleuchten wollte. Dass sich die gute Mary ihr Monster praktisch alb-erträumt hat lässt zumindest mich hoffen. Meine eigenen Träume könnten durchaus den Stoff für einen thrilligen Roman hergeben.. ;-) :cry:
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#3 Laurin 2019-08-31 17:43
@ Falk:
Ja, der Film "Mary Shelley" liegt mir auch vor und ich werde auch ihn in nächster Zeit hier mal rezensieren. Der Film an sich ist auch wirklich hervorragend besetzt und besitz durchaus eine ansprechende Bildgewalt. Die Regisseurin thematisiert hier allerdings eher das Element der Emanzipation, nutzt also z.B. die Zusammenkunft eher als Sprungbrett für eine völlig andere Zielsetzung. Da hätte eventuell ein Film über Mary Shelleys Mutter Mary Wollstonecraft besser gepasst, die ebenfalls Schriftstellerin und eine überzeugte Feministin war. Mit "Verteidigung der Rechte der Frau" schuf sie literarisch 1792 ein wichtiges Werk der Frauenrechtsbewegung. Aber zum Film MARY SHELLEY ein anderes mal mehr. Aber keine Angst, ich habe da gerade noch etwas zum Thema in Arbeit. ;-)

@Friedhelm:
Zitat: Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass es heute kaum noch jemandem gelingen würde, mit dem Gotic-Horror in gedruckter Form Gänsehaut zu erzeugen. Damals, als der "Vampir-Glaube" noch sehr verbreitet war, hatten die Autoren mit ihren Lesern natürlich "leichtes Spiel".
Da kann ich dir auch nur absolut Recht geben. Um einen Vampir heute wirklich für die Leser noch interessant zu machen, müsste man ziemlich in die Gore-Schublade greifen. Allerdings gibt es auch heute Fans und Freunde der Phantastik, die sich recht gerne dem früheren Gothic-Horror annehmen (so mit allem an Hintergrundinformationen). :-)

Und ja, ich glaube durchaus das bei Sheridan Le Fanu und mehr noch bei Bram Stoker Polidoris DER VAMPIR ziemlich weit oben auf dem informativen Stapel der Recherche für die eigene Arbeit gelegen haben dürfte.

Das Mary Shelly sich ihr Monster samt der ganzen Handlung allerdings nur erträumt hatte, halte ich schlicht für ein Gerücht. Beide, also auch Percy Shelly hatten damals durchaus zugriff auf Quellen und gerade wissenschaftliche Ergebnisse und Theorien, die die Handlung von FRANKENSTEIN durchaus recht rund machten. So machte man damals Schlagzeilen damit, das man bei toten Fröschen mittels Elektrizität deren Muskulatur wieder kurzzeitig reaktivieren konnte. Der Weg von einem toten Frosch hin zu einem aus Leichenteilen zusammengesetzten Monster ist schon da nur noch einen Steinwurf entfernt. :-*
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#4 Friedhelm 2019-08-31 18:41
Zitat:
Das Mary Shelly sich ihr Monster samt der ganzen Handlung allerdings nur erträumt hatte, halte ich schlicht für ein Gerücht.
Naja, dass Shelley während des berühmt-berüchtigten Unwetters am Genfer See nächtens von "ihrem Monster" (zumindest ansatzweise - und wohlgemerkt nicht die ganze Handlung..) geträumt hat, wird in mehreren (wenn nicht fast allen) Artikeln und Berichten zum Schaffen der Autorin belegt. Zumindest habe ich mich damals in meinem "Frankenstein-Artikel" ("Monsters-The Origins") auch darauf bezogen.
Und weil wir ja nicht dabei waren, ist es uns wohl auch schwerlich möglich, das Gegenteil zu beweisen, gelle? :-* ;-)

Zitat:
Allerdings gibt es auch heute Fans und Freunde der Phantastik, die sich recht gerne dem früheren Gothic-Horror annehmen (so mit allem an Hintergrundinformationen).
Jo,so einer bin ich auch...
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#5 Laurin 2019-08-31 18:50
@Friedhelm:
Nee, belegen oder das Gegenteil beweisen können wir heute nicht mehr. Ist wie Schrödingers Katze, da ist der Fellknäuel ja auch sowohl lebendig als auch tot. Kann ja auch sein, das sich aufgrund der Informationen sich da in dem Köpfchen der Autorin im Schlaf was in der Richtung zusammengebraut hat. Und andererseits hört es sich ja auch immer gut in einer Biographie an, wenn eine Autorin, oder ein Autor nur auf seine Träume zurückgreifen brauchte/konnte/durfte oder was auch immer. Nur das sich Shelley ihr Monster mit allem Drum und Dran nur erträumt hätte, halte ich schlicht weiterhin für eine nette Legendenbildung die sich durchaus überall geklont haben könnte.

Allerdings bei der damaligen Kleiderordnung für den Mann bin ich auch nicht gerade wild darauf, in der Zeit mal dabei zu sein. Sieht alles schwer unbequem aus. :lol:
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#6 Friedhelm 2019-08-31 19:18
Zitat:
Nur das sich Shelly ihr Monster mit allem Drum und Dran nur erträumt hätte, halte ich schlicht weiterhin für eine nette Legendenbildung die sich durchaus überall geklont haben könnte.
Nee, Nee laut der diversen Artikel soll wohl Shelley von einer Gestalt geträumt haben, die auf einem Tisch (oder ähnlichem) gelegen haben soll. Die ganze Geschichte um Victor Frankenstein und sein Monster..hat sich natürlich nicht nur aus diesem TRaum ergeben - das ist klar..

Aber, what solls' das Ergebnis lese ich heute immer noch gerne mal nach - und schaue die Filme ab und an natürlich auch wieder; wie immer mit ner kleinen Pulle Wein dabei. :-) Meine Frau schiebt dann ja Nachtdienst im Altenheim . und ist immer wieder froh nicht mitgucken zu müssen. Die hat allerdings das Buch auch noch nie gelesen - weildie Vorlieben bei ihr woanders liegen.(momentan wieder die "Outlander-Bücher.." - weil: Horror mag mein "Flämmchen" nicht so..)
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#7 Laurin 2019-09-01 00:39
Nichts für ungut, aber eine Gestalt die auf einem Tisch oder ähnlichem liegt, erinnert mich an meine Jugend- und Drangzeiten, wenn ich mal sturzbesoffen war. :lol:
Aber gut, das kann ich gelten lassen, zumal dies nicht unwahrscheinlich klingt und als ein traumhaftes Fragment plus einiger weiterer Informationen und angelesenem Wissen (Mary Shelley war ja kein bildungsfreies Disco-Püppchen) durchaus Eingang in die Geschichte genommen haben kann. ;-)
Und was deine Frau betrifft ... ist doch in Ordnung ... man muss ja auch nicht bei allem immer auf der gleichen Wellenlänge sein. Da gibt es wahrlich schlimmeres im Leben.
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#8 Friedhelm 2019-09-01 12:33
Zitat:
Und was deine Frau betrifft ... ist doch in Ordnung ... man muss ja auch nicht bei allem immer auf der gleichen Wellenlänge sein. Da gibt es wahrlich schlimmeres im Leben.
Stimmt, es könnte - Heimatfilme mit Luis Trenker, z.B. :P
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