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Die Superreichen und ihre Opfer - »Der Country Club«

Der Country ClubDie Superreichen und ihre Opfer
»Der Country Club«

Im Internet sind die Geschichten um den sogenannten COUNTRY CLUB das was man eigentlich eine urbane Legende nennt. Denn in diesem geheimnisvollen Club soll das Grauen zur  Realität geworden sein. Dieser Club existiert seit Anbeginn der USA und niemand, selbst wer in den letzten Jahren zu einem beträchtlichen Reichtum kam, kann sich einfach in diesen Club einkaufen. Vielmehr sind es die Superreichen, die hier über die Schrecken aus Qualen und Tod regieren.

Der Country ClubDie Bloggerin Crystal beschäftigt sich im Internet mit sogenannten urbanen Legenden und hier insbesondere mit der um den sogenannten COUNTRY CLUB, welcher irgendwo in den Texas existieren soll und in dem man als Mitglied vorzugsweise zumeist junge Frauen für viel Geld foltern und auf unmenschliche Art und Weise töten kann.

Doch so einfach ist es nicht, in diesem Club Mitglied zu werden, denn auch auf die sogenannten Neureichen schaut man hier eher verächtlich herab. Viel eher sind es die Superreichen, die bereits seit vielen Generationen ihren Reichtum anhäufen und auch somit ihre Mitgliedschaft faktisch an ihre Nachkommen vererben.

Denny schlief ein und träumte von nackten Mädchen, die schrien, während er ihre Körperteile amputierte. Hätte ihn jemand im Schlaf beobachtet, er hätte ihn lächeln gesehen.

(Der Country Club / Seite 48)

Niemals würde das Rechtssystem der USA diese bestialischen Mörder hinter Gittern bringen oder diesen Club auch nur antasten. Denn dieses brutale System des Club wird gedeckt von der Polizei, von den Staatsanwälten bis ganz nach oben zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und aus diesem Grund ist man im Club recht zufrieden damit, dass dieses verbrecherische System statt als mögliche Realität eher als eine urbane Legende betrachtet wird, was eher einem geistigen Fantasieprodukt gleich kommt.

Denny ist so ein Sprössling aus einer Familie der Superreichen und an diesem Abend will er mit seinem Kumpel Caleb, der nicht aus einem reichen Hause stammt, eine Party steigen lassen. Zumindest glaubt Caleb daran, das es sich um eine Party mit Musik, Tanz, Alkohol und eventuell ein wenig Sex handelt. Doch als Denny ihn in dieses gewaltige Anwesen, irgendwo am Rande der Stadt Round Rock in Texas führt, sieht es für Caleb nicht nach einer der üblichen Partys aus.

Denny trat zur Seite und betrachtete sein Werk. Crystal sah, wie sich etwas im Unterbauch von Elizabeth bewegte. Sie schrie immer lauter. "Scheiße, nein! Sie frisst mich auf! Sie frisst mich! Scheiße, hol sie raus!"

(Der Country Club/Seite 75)

Eingesperrt in einem Zimmer erwartet ihn ein gefesseltes und unter Drogen gesetztes Mädchen und jede Menge Utensilien, mit denen man einen Menschen auf grausame Weise foltern, verstümmeln und töten kann. Und dies ist etwas, was Caleb mit Sicherheit nicht wollte. Am Ende ist es der Führsprache seitens Denny zu verdanken, das Caleb nicht selbst als Opfer in dieser Menschenfalle sein Leben verliert. Doch Caleb weiß nun zuviel, hat zuviel gesehen, als das man ihn jetzt noch einfach laufenlassen könnte. So soll er nun für seine Familie als verschwunden gelten, während er gefangen im Club nun die Leichen der bemitleidenswerten Opfer zerstückeln und in einem Ofen entsorgen muss. Die Frage, die sich für Caleb stellt ist nun die, wie er diesem Wahnsinn aus Blut, Qualen und ständigen Hilfeschreien der Opfer wieder entkommen kann.

Während dessen erhält die Bloggerin Crystal, die über den ominösen COUNTRY CLUB recherchiert und dann ihre Erkenntnisse im Internet öffentlich macht, per Mail eine eindeutige Drohung, dieses in Zukunft zu unterlassen oder die möglichen Folgen zu tragen. Doch statt das Crystal nun eingeschüchtert reagiert, fühlt sie sich nun sogar noch darin bestärkt, dass hinter dieser urbanen Legende mehr steckt als nur eine einmal erfundene Geschichte, die per Mundpropaganda und Internet am Leben gehalten wird. Und schon bald darauf lockt man sie und ihre Freunde Sophie und Joel hinsichtlich weiterer Informationen über diesen Club nach Round Rock.

Ein Blackhawk-Hubschrauber schwebte einige Meter vor ihnen über dem Feld. Er landete, und Männer mit Gewehren und Kampfausrüstung sprangen aus der Kabine. Sie liefen dem SUV entgegen.
"Scheiße, das sind Navy SEALs!", sagte Crystal, "was passiert hier?"

(Der Country Club / Seite 116)

Doch man könnte sagen, dass es eine recht dumme Idee von Crystal und ihren Freunden ist, sich auch nur in die Nähe dieses alten Gemäuer zu begeben, denn lebend verlassen diese Stätte des Grauens eigentlich nur die Mitglieder dieses blutigen und menschenverachtenden Club.

Der Country ClubParallelen zu den "Hostel-Filmen" sind leicht erkennbar:
Dies weiß natürlich auch der Autor Tim Miller selbst recht gut, und so weist er auch innerhalb seiner Novelle DER COUNTRY CLUB selbst in einem Dialog seiner Hauptfiguren auf den Film HOSTEL von Eli Roth aus dem Jahre 2005 hin.

Die Ähnlichkeiten zu dem Torture Porn von Eli Roth, bei dem als Produzent auch der Regisseur Quentin Tarantino tätig wurde, sind bei Millers Novelle auch irgendwo durchaus beabsichtigt. Miller ändert jedoch die Rahmenbedingungen, indem dieser Club der Folterer und Mörder nur einem exklusiven Kreis von Superreichen offen steht und das dieser Club über die Zeit hinweg selbst von den Präsidenten der Vereinigten Staaten stets gedeckt wurde, selbst wenn diese selbst nicht an diesen grausamen Verbrechen teilnehmen.

Damit packt Miller gewollt oder vielleicht auch ungewollte eine Gesellschaftskritik mit in die Handlung, indem er die Superreichen und das rechtliche wie politische System in den USA mit an den Pranger stellt. So sind die Frauen (und auch einige wenige männliche Opfer), welche als Folterobjekte in diesen Club verschleppt werden, in den Augen der Superreichen nicht mehr als Vieh, das man quälen, zerstückeln, vergewaltigen und ermorden kann, ohne Reue zeigen zu müssen oder für diese grausamen Taten rechtlich gerade stehen zu müssen. Ganz im Gegenteil, denn wie man bei der Novelle von Tim Miller herauslesen kann, schärfen diese menschlichen Täter (man könnte sie auch mit Bestien vergleichen) mit ihren grausamen Taten gar ihren Raubtierinstinkt, welcher ihnen auch geschäftlicher oder politischer Sichtweise mehr als gute Dienste zu leisten scheint.

Für den eigentlichen Betreiber des Club, der wie eine Krake seine Verbindungen zur Wirtschaft und Politik bis in die höchsten Ränge pflegt, sind die bemitleidenswerten Opfer daher auch nur menschlicher Abfall, der es im Leben eh zu nichts bringen würde. In diesem Sinne werden selbst Menschenleben zu einem reinen, allerdings auch lukrativen Geschäftszweig.

Damit schließt sich dann auch wieder der Kreis zu Eli Roth und seinem Horrorfilm HOSTEL, denn auch Roth wollte mit dem Film ein durchaus realitätsnahes Gesellschaftsbild entwerfen, indem es vorstellbar ist, das reiche, gelangweilte Geschäftsleute, welche es gewohnt sind, sich alles mit Geld kaufen zu können, hier nun auch für verschleppte Menschen bezahlen, die sie für den eigenen Nervenkitzel in einem scheinbar rechtsfreien Raum zu Tode foltern können.

Der Unterschied zwischen Eli Roths Film HOSTEL und Tim Millers Novelle DER COUNTRY CLUB (Originaltiel THE COUNTRY CLUB) liegt indessen darin, das Roth in seinem Fim das korrupte System in den Osten Europas, in die Slowakei verlegt, wo man darüber übrigens weniger Glücklich war, während Miller eher Bodenständig hier gleich die eigene USA ins Visier nimmt, wenn es um Korruption und verstecktes entmenschlichtes Handeln geht.

Tim MillerMein kritischer Blickwinkel:
Vorab sei hier gleich schon einmal gesagt für die Leserinnen und Leser, die noch nie einen Roman seitens Tim Miller gelesen haben, dass der Autor in seinen Werken nicht gerade auf sich langsam, fasst schleichenden Schrecken setzt. Auch wenn man sich dies bei einem Autor durchaus vorstellen könnte, der einmal Religion und Psychologie studiert hatte.

Wer ein Buch von Tim Miller in die Hände nimmt, der wird recht schnell feststellen, das Miller direkt und unmissverständlich den Leser gleich zu Beginn in der Handlung durch mindestens eine breite Blutlache schleift um dann recht schnell den Gore-Faktor wahrlich auf Schleudergang zu stellen. Dabei ist auch Sex meist ein Standbein der Handlung, ohne das Miller allerdings hierbei seine Geschichten ständigst zu sehr auf dieses Thema fokusiert. Mitunter kann man hierbei auch davon reden, dass die von ihm beschriebenen menschlichen Bestien ihren Kick als eine Art orgasmische Lust längst schon nicht mehr im eigentlichen Geschlechtsakt erleben, sondern sich diesen durch die Angst und dem Tod holen, wenn sie ihren bedauernswerten Opfern in den entscheidenden Momenten in die Augen sehen.

Dies bringt Miller in seiner Novelle DER COUNTRY CLUB kurz recht interessant auf den Punkt, wenn er den noch recht jungen Denny darüber sinnieren lässt, dass selbst das grausame foltern, missbrauchen und das langsame ermorden seiner Opfer ihn nun zu langweilen beginnt. Dies bringt Denny indessen auf die Idee, das er die Form ändern muss, um diesen besonderen Kick bei seinen grausamen Taten wieder steigern zu können.

Was uns Miller hier ebenso wie Eli Roth in seinem Horrorfilm vorführt, sind eigentlich Menschen, die man auch als ausgemachte wie gefährliche Psychopathen bezeichnen kann, welche aber als solche innerhalb ihrer Gesellschaftsschicht kaum oder nicht mehr auffallen. Psychopathen also, die nicht im heimlichen ihre Grausamkeiten vollziehen müssen, sondern sich diese - sagen wir hier einfach mal in völliger "Freiheit" - schlicht nur noch erkaufen müssen, weil sie es eben können. Im Film war es hingegen für Eli Roth 2005 wohl schlicht undenkbar, dass sich so etwas in den USA selbst mit dem ganzen Geflecht bis in die Wirtschaft, Justiz und Politik vollziehen könnte. Da der Osten Europas sich jedoch noch in einem Umbruch befand, konnte man hier mittels des Konzept der Korruption sich ein solches System von reichen Mördern durchaus dort besser vorstellen. Diesen letzten Schritt, das Grauens einfach auszulagern, weil man es dem System der USA nicht zutraut, so korrupt bis in die Spitzen zu sein, wischt Tim Miller hier in seiner Novelle jedoch konsequent vom Tisch und zeigt damit durchaus auf, dass auch innerhalb der Vereinigten Staaten nicht nur Licht ohne Schatten existieren kann.

Dies macht Tim Miller hierbei nicht zum ersten mal, denn auch in seinem Horrorroman WILLKOMMEN IN HELL, TEXAS (erschienen beim FESTA Verlag - Kleine, gemeine und recht blutige Geschichten - Festa extrem und Eine lang ersehnte Fortsetzung - Tim Miller: Zurück nach Hell, Texas )griff er bereits unterschwellig den Rassismus in den USA auf, der sich gegen Menschen richtet, die z.B. aus Mexiko in die USA emigriert sind und weiterhin durch Grenzüberschreitungen emigrieren. Und wie man heute sieht, gibt es unter dem Präsidenten Trump nun eine hitzig geführte Debatte um eine Mauer gegen diese Menschen, die aus ihrer Notlage heraus in die USA flüchten wollen. So werden die Probleme heute jedoch nicht im demokratischen Sinne aufgegriffen und angegangen, sondern man schürt hierbei recht deutlich auch durch die Politik einen verstärkten destruktiven Rassismus, den manche gehofft hatten, eigentlich einmal überwinden zu können.

Der Country ClubAber wie bereits gesagt, sollten Leser mit einem eher sanften Gemüt Bücher von Tim Miller aus dem FESTA Verlag mit vorsicht angehen, denn Miller macht hier keine Gefangenen und kreiert hier auch keine strahlenden Helden. Eigentlich müssen alle Charaktere zumindest mitleiden wenn nicht sogar Gefahr laufen, innerhalb der Handlung sterben.  Der Gewaltfaktor ist also innerhalb der Handlung recht hoch und nimmt auf den Leser bewußt recht wenig Rücksicht. Aus diesem Grund, und weil die Seitenanzahl es auch nicht hergibt, gibt es keine wirklich vertiefenden Einblicke in die jeweiligen Charaktere, was die Geschichte DER COUNTRY CLUB nicht weniger lesenswert macht. Wer aber zumindest bei aller Härte und Kürze zumindest einen Charakter braucht, mit dem man sich als Leser vorbehaltlos identifizieren kann, der dürfte sich bei Tim Miller und seinen Romanen doch recht schwer tun. Denn von moralisch integren Helden oder Figuren hält Miller schlicht nicht sehr viel, wenn man seine bisherigen Romane aus dem FESTA Verlag kennt. Aber auch dies sollte kein Hinderungsgrund sein, einen Blick in die Romane von Tim Miller zu riskieren, denn "den moralisch integren Helden" wird man auch in der Realität kaum finden können und ist eher nur eine fiktive Kunstfigur z.B. aus Hollywood-Filmen oder Heftromanserien.

Ich muss hier einmal gestehen, dass ich die Bücher seitens Tim Miller immer mit einiger Begeisterung erwarte. Miller redet nie um den heißen Brei herum und setzt die Grausamkeiten und Schrecken faktisch mit einer starken Lupe in den betreffenden Handlungen seiner Geschichten um. Blut, Missbrauch und Gewalt werden bei ihm daher nicht wohldosiert, bzw. abgeschwächt eingebracht, sondern brennen sich mit aller Genauigkeit im Kopfkino des Lesers förmlich ein. Damit hat sich Tim Miller zu recht einen festen Platz in der Extrem-Reihe des FESTA Verlag verdient. Und auch wenn ich durch die drei HOSTEL-Filme in gerade diesem Themenbereich des Horror bereits inhaltlich vorbelastet bin, hatte mich Miller mit seiner schnörkellosen, harten und intensiven Art bei DER COUNTRY CLUB so gefesselt, dass ich dieses durchaus recht kurze Taschenbuch geradezu in Rekordzeit förmlich verschlungen hatte. Hier stimmte einfach alles und lässt am Ende durchaus auch eine kleine Tür für eine eventuelle Fortsetzung offen. Ob Miller diesen Faden allerdings nochmals aufnimmt, wird uns allerdings nur er selber sagen können.

Aus dieser bereits bei mir feststellbaren Begeisterung kann ich dem Taschenbuch DER COUNTRY CLUB von Tim Miller hier auch satte vier von insgesamt fünf Punkte vergeben. Das es nicht gleich die vollen fünf Punkte sind, liegt schlicht daran, das ich mir durchaus einige Seiten mehr gewünscht hätte, denn genügend Potential hat die Novelle durchaus, um weit über die jetzige Seitenanzahl hinaus eine intensive, harte und äußerst spannende Geschichte zu erzählen.  

Wer also nun bei DER COUNTRY CLUB zugreifen möchte und mit explizierten Gewaltbeschreibungen kein Problem hat, der sollte direkt auf der Verlagsseite des FESTA Verlag per Bestellung zugreifen. Denn wie alle Bücher der recht erfolgreichen Reihe FESTA-EXTREM, ist auch dieses Taschenbuch nicht über den Buchhandel, sondern nur direkt über den Verlag (da Privatdruck ohne ISBN-Nummer) erhältlich.

Der Country ClubDer Country Club
(The Country Club)
von Tim Miller
Originalausgabe: Verlag GutWrench Produktions/USA 2014
Deut. Erstausgabe: November 2018/
Genre: Horror
Seitenanzahl: 142 Seiten
Übersetzung: Dirk Simons
ISBN: Ohne/Nur über den Verlag erhältlich
Preis: 12,99 Euro
Altersempfehlung: 18 Jahre
Bezug über: FESTA Verlag
Verlag: FESTA

 

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