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Phantastisches vom Hugh: Der Okkultist und die gelbe Villa der Selbstmörder

Vierter Stock Herbsthaus»Phantastisches vom Hugh«
Der Okkultist und die gelbe Villa der Selbstmörder

Die kleine Julia Berger rennt Nachts von der Bushaltestelle zu ihrem Haus, während wieder eines dieser Gewitter über dem Dorf wütet. Das Herz der etwa Zehnjährigen pochte vor Angst, denn wenn ein Gewitter über dem Dorf tobte, dann verkrochen sich die Menschen in ihren Häusern und der Tod ging in Gehrdorf um. Genauso wie damals, als sich ihre Mutter in dem Haus erhängt hatte. Onkel Paul schien direkt hinter der Tür zu sein, doch er öffnete sie nicht, egal wie verzweifelt das Mädchen auch klopfte.

Die gelbe Villa der SelbstmörderErst jetzt registrierte das Mädchen, dass ihr Onkel nicht hinter der Tür stand, sondern leicht hin und her schwang, nur aufrecht gehalten von einem Strick, der sich direkt um seinen Hals zugezogen hatte. Paul Fehrers war Tod.

Ein seltsames Dorf und die Gewitter des Todes:
Die Umstände in Gehrdorf, einem kleinen Dorf mit etwa fünfhundert Einwohnern, rufen den Okkultisten Hans Feller und seinen Mitarbeiter Willi auf den Plan. Ausgangspunkt waren die dramatischen Berichte über das Mädchen Julia Berger, der Haushälterin der Villa, Rosa Abbot und die vielen Gespräche mit den Einwohnern von Gehrdorf.

Die Gewitter scheinen über diesem Dorf ohne jegliche Vorwarnungen aufzutauchen und mit erschreckender Gewalt über Gehrdorf zu wüten. Doch nicht nur das interessiert Hans Feller, den manche Zeitungen eher abwertend nur als den "Geisterjäger" zu nennen pflegen. Denn auch die Selbstmordrate scheint in Gehrdorf extrem hoch und in irgendeiner Weise mit den Gewittern in Verbindung zu stehen.

Feller bietet den Menschen von Gehrdorf seine Hilfe an, denn etwas kann in diesem Dorf nicht mit rechten Dingen zugehen. Die Menschen jedoch verhalten sich eher reserviert, aber nicht unbedingt unfreundlich, was jedoch nicht darauf schließen lässt, dass sie scheinbar gerade auf Hilfe gewartet hätten. So verbietet man Feller und seinem Mitarbeiter jeglichen Kontakt zu der kleinen Julia oder der Haushälterin, spendiert ihnen allerdings für die Wartezeit ein üppiges Mittagessen im örtlichen Gasthof, bis das die Dorfgemeinschaft über die Angelegenheit entschieden hat. Die Entscheidung nach fasst zwei Stunden fällt jedoch völlig anders aus, als Feller es erwartet hätte. Man lehnt nicht nur seine Hilfe kategorisch ab, sondern legt ihm auch nahe, Gehrdorf schnellstens wieder zu verlassen.

Unter Beobachtung und diverse Auffälligkeiten:
Feller fällt auf, dass die meisten Einwohner von Gehrdorf im Durchschnitt recht jung sind und noch etwas anderes fällt auf. Während seiner Anwesenheit sah er nirgendwo Kinder, obwohl es im Ort eine Schule gibt. Nur weshalb musste die kleine Julia dann für ihre Schulbesuche stets in die nächst größere Gemeinde fahren?

Feller wird den Verdacht nicht los, dass in Gehrdorf etwas nicht mit rechten Dingen zugehen kann und verbleibt erst einmal in der nahe gelegenen größeren Gemeinde, wo er sich auch weitere Informationen seitens des Zeitungsverlegers Schwaber einholt, der jedoch nicht an übernatürliche Dinge glauben will, wie sie von der kleinen Julia berichtet wurden. Doch Schwaber ist nicht dumm und wittert recht schnell eine große Storie für seine Zeitung, weshalb er sich auch recht schnell dazu überreden lässt, Feller dabei zu unterstützen, wenn er versucht, in einer der nächsten Nächte wieder nach Gehrdorf zurückzukehren und dabei Kontakt mit der kleinen Julia aufzunehmen.

Um hierfür gerüstet zu sein, lässt Feller einen weiteren Mitarbeiter samt den nötigen Geräten, sowie das junge Medium Klara Milletti kommen. Feller ist zwar verliebt in die hübsche Klara, doch der gelingt es immer weniger, ihre Gefühle auch ihm gegenüber offen zu zeigen. Ja, sie scheint viel mehr sogar stetigst den Bezug zu ihrer Umwelt zu verlieren, wirkt blass und oftmals von allem entrückt. Ein Umstand der Feller besondere Sorgen bereitet. Sollte es damit zusammen hängen, dass Klara Milletti mit den Verstorbenen Kontakt aufnehmen kann und mitunter sogar von deren Geist besessen ist?

Das Böse kennt keine moralischen Bedenken:
Es gelingt Feller mit seiner Mannschaft samt dem Verleger Schwaber, die heimlichen Beobachter von Gehrdorf abzuschütteln und in der Nacht einen Treffpunkt nahe des Dorfes mit der kleinen Julia auszumachen. Ein Schlüssel zur gelben Villa, den Feller bereits heimlich von der Häushälterin Rosa erhalten hatte, scheint ebenfalls bereits als instrument des Bösen gegen ihn eingesetzt worden zu sein. Und dann taucht in der Nacht erneut ein Gewitter auf, bei dem plötzlich weder Taschenlampen noch Feuerzeuge oder andere Formen der Lichtquelle zu funktionieren scheinen, bis dass das Gewitter wieder verschwunden ist. Erst später bekommt man mit, dass in dieser Gewitternacht Rosa Abbot das nächste Opfer des Bösen geworden und scheinbar in den Selbstmord getrieben wurde.

Da alles darauf hindeutet, dass der Geist der vertorbenen Anna Berger in Gehrdorf ihre Rache an den Menschen sucht, dringt man trotzdem in die gelbe Villa ein um mit ihrem Geist Kontakt aufzunehmen. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Die Bewohner de Dorfes greifen Feller und seine Mitarbeiter an, Klara wird durch den Geist von Anna Berger übernommen und bald sehen sie sich als Gefangene der Dorfbewohner wieder, die nun nicht nur die Villa in Brand setzen, sondern auch alles daran setzen, die ungebetenen Eindringlinge nicht wieder lebend aus dem Dorf zu lassen. Das Geheimnis der Dorfbewohner scheint darin zu liegen, dass sie alle einer Art satanischer Sekte angehören, die sich während der Gewitter mit der Lebensenergie ihrer Opfer neue Jugend und ein länger währendes Leben erzwingen.

Die einzige Hilfe die Feller und die anderen noch erwarten könnten, müsste von Willie kommen, doch die Bewohner haben bereits begonnen, der kleinen Julia ihre Lebensenergie abzuziehen als Willie endlich mit der Polizei in Gehrdorf anrückt.

Die gelbe Villa der SelbstmörderEine wohl durchdachte Geschichte des Schreckens:
Mit welchen Mitteln man Menschen manipulieren kann und zu welchen schrecklichen Dingen sie dann sogar fähig sind, hat der Autor Hugh Walker (gebürtiger Name Hubert Straßl) in seinem Roman um den Okkultisten Hans Feller und seinem Medium Klara Milletti recht eindringlich und spannend beschrieben. Das Menschen für die scheinbare Unsterblichkeit nicht einmal davor zurückschrecken, selbst ihre eigenen Kinder zu opfern, ist schon für einen Heftroman der damaligen Zeit - VAMPIR-HORROR-ROMAN 100 aus dem Erich-Pabel-Verlag von 1974 - eine beachtliche Hausnummer. Der Roman selbst wurde später nochmal als Heftroman im Bastei Verlag in der Heftromanreihe DÄMONEN-LAND als Ausgabe 27 nochmals 1990 veröffentlicht.

Was die Romane um den Okkultisten Feller und seinem jungen Medium Milletti angeht, hat der Verlag Emmerich Books & Media bereits unter dem Titel DER OKKULTIST einen eigenen Band in der Reihe der Werksausgaben zu den Romanen von Hugh Walker - eine wunderbar aufgemachte und mit Informationen gefüllte Taschenbuchausgabe - heraus gebracht, welche für 15,00 Euro weiterhin zu erhalten ist (z.B. als Printausgabe über Amazon oder Transgalaxis). Als Kindle-Version erhält man diesen Band der Hugh-Walker-Reihe auch für 5,95 Euro bereits auf sein Lesegerät.

Ich will hier auch nun nicht über den Autor Hugh Walker und sein schriftstellerisches Gesamtwerk mehr schreiben als unbedingt nötig, denn seine Romane stechen bereits durch ihre sehr gut durchdachte Schreibweise aus der Masse der Heftromanautoren sichtbar heraus und innerhalb der Gesamtausgaben zu Hugh Walker aus dem Verlag Emmerich Books & Media gibt es neben seinen Romanen auch jede Menge an Informationen über den Autor selbst zu lesen. Aber auch hier im ZAUBERSPIEGEL gibt es einige lesenswerte Artikel um den Autor Hugh Walker/Hubert Straßl und seine Werke, auf die ich hier einmal allgemein gerne verweisen möchte.

Man bekommt es bei dem Okkultisten Hans Feller auch nicht mit den üblichen "Geisterjägern" aus dem Bereich des Romanheft zu tun. Wirken doch insgesamt die betreffenden Helden so mancher Serien wie JOHN SINCLAIR, TONY BALLARD, PROFESSOR ZAMORRA oder MARK TATE mit ihren reichhaltigen Wunderwaffen doch mitunter mehr als recht unglaubwürdig in ihrem Kampf gegen die Mächte der Hölle und des Bösen an sich. Das hat nichts mit einer gewissen Spannung zu tun, die so mancher Roman dieser und ähnlicher Serien durchaus aufbringt. Doch nimmt man es genau, dann dürfte ein Mensch selbst mit einer oder zwei Wunderwaffen gegen die Hölle oder das Böse an sich in etwa so viele Chancen auf einen schnellen Sieg haben, wie ein Klempner mit Abflussreiniger, der krampfhaft damit versucht, den Zünder einer Atombombe auszubauen. Da möchte ich nun wirklich nicht in unmittelbarer Nähe sein, weil mir einfach der Glaube an einem erfolgreichen Gelingen fehlen würde.

Solch einen markanten Fehler begeht Hugh Walker in seinem Roman DIE GELBE VILLA DER SELBSTMÖRDER nicht, was schon zeigt, dass der Autor sich hier zu den sehr grundlegend verschiedenen Kräfteverhältnissen seine Gedanken gemacht hat. So ist der Roman an sich auch dann noch nicht beendet, als die Polizei eintrifft und diese scheinbar in Gehrdorf wieder alles unter Kontrolle zu haben scheint. Denn von einem Sieg über das dort wirkende Böse in den Menschen kann auch in diesem Moment noch keine Rede sein, so das der Autor auch hier nochmals die Spannungsschraube merklich anziehen kann. Darüber hinaus vermeidet es der Autor auch recht gut, Seiten mit sinnlosen oder gar mitunter albern erscheinenden Dialogen zu füllen, sondern konzentriert sich dafür darauf, den Roman mit sicherer Hand in ein nachvollziehbares und durchaus logisches Finale zu steuern.

Die Figur des Hans Feller:
Man mag es vielleicht nicht wirklich glauben wollen, aber die Figur des Okkultisten Hans Feller basiert auf einer wahren Persönlichkeit, deren richtiger Name jedoch hier im Roman aus verständlichen Gründen seitens des Autors geheim gehalten wird.

Laut Aussage von Hugh Walker persönlich, verbrachte der reale "Hans Feller" seine Zeit damit, in Wien in alten Häusern herumzusteigen, die ihrerseits durchaus eine gewisse blutige Vergangenheit aufzuweisen hatten. Hierbei kam es auch dazu, dass der Autor Hugh Walker und der in den Romanen als "Hans Feller" benannte "Geisterjäger" 1960 auch gemeinsam im Gebiet der Wiener Blutgasse unterwegs waren, um auf Spurensuche hinsichlich der legendären Blutgräfin Erzebeth Bathory zu gehen. Hugh Walker hatte in seinen Romanen daher auch späterhin reale wie auch fiktive  Begebenheiten mit dieser Geister jagenden Persönlichkeit in seinen Romanen verarbeitet.

Hugh WalkerEin Ausblick auf Walkers Okkultisten:
Natürlich hätte ich die Geschichten um das Gespann Feller/Milletti in einem Rutsch lesen können und so einen Gesamtartikel zu dem Band DER OKKULTIST aus der Hugh-Walker-Reihe seitens des Verlag Emmerich Books & Media verfassen können.

Jedoch sind die Geschichten um den besagten Okkultisten doch so komplex verfasst, das ich mich hier der Reihe nach durch den hervorragenden Band arbeiten werde und ich mich damit auch jeder der dort verfassten Geschichten/Romane in einem eigenständigen Artikel beschäftigen werde.

Von daher wird in Bälde auch der Roman HEXEN IM LEIB diese kleine Artikelreihe um das Buch DER OKKULTIST von Hugh Walker fortsetzen.

Mein Fazit zu DIE GELBE VILLA DER SELBSTMÖRDER:
Der Beginn an sich ist etwas ruhig gehalten und konzentriert sich zuerst einmal auf die jüngsten Ereignisse um und in der kleinen Gemeinde Gehrdorf. Dabei gelingt es dem Autor recht gut, gleich die Spannungsschraube beim Leser anzuziehen, ohne ihm jedoch inhaltlich direkt zu viel zu verraten. Die Storie an sich scheint auch recht bald einem gewissen Happy End zugeführt zu werden, was jedoch eher eine gewollte inhaltliche Täuschung des Autors sein dürfte, denn in trockenen Tüchern ist innerhalb der Handlung damit noch nichts und auch die Polizei stellt sich ab dann immer hilfloser gegenüber den übersinnlichen Kräften aber auch den Bewohnern des Dorfes dar, an die man als rationaler Beamter eigentlich nicht glauben mag.

Das ganze tiefer gehende Ausmaß des Schreckens kommt dabei quasi fasst schon nebensächlich daher, nämlich was das Schicksal der Kinder in Gehrdorf betrifft. Genau dieses eben nicht plakative hervorheben des Abscheulichen sorgt allerdings dafür, dass sich diese erschreckende Erkenntnis wie ein kalter Schauer im Nacken des Lesers festsetzt und diesen merklich erschaudern lässt.

Auch das Böse an sich bleibt über die gesamte Handlung als bedrohlich aber eben nicht wirklich fassbar präsent und sorgt damit für die perfekte Gruselstimmung über den gesamten Verlauf der Handlung hinweg. Das Ende ist indessen konsequent aber doch nicht gerade nahe an einem allgemeinen Happy End angesiedelt, so das auch am Ende des Romans die Spannung beim Leser nicht einfach in sich zusammen fällt, als hätte man plötzlich die Luft aus einem Ballon entweichen lassen.

Alles in allem ist der Roman DIE GELBE VILLA DER SELBSTMÖRDER  ein durchgehend spannender und schauriger Einstieg in die Geschichten um den Okkultisten Hans Feller und seinem Medium Klara Milletti und machen direkt Lust auf die weiteren Abenteuer innerhalb des Bandes.

Unter dem Strich kann ich diesem Roman aus dem Band DER OKKULTIST aus dem Verlag Emmerich Books & Media ohne kleinere Abstriche die vollen fünf von insgesamt fünf Punkten als Bewertung zugestehen, was mit einer gleichzeitigen Leseempfehlung hinsichtlich dieses Bandes der Hugh-Walker-Reihe (wie auch der anderen Bände der Reihe) einher geht.

Die gelbe Villa der SelbstmörderDie gelbe Villa der Selbstmörder
Der Okkultist
von Hugh Walker

Genre: Horror
Erscheinungsdatum: Dezember 2013
Seitenanzahl: 95 Seiten (von gesamt 380 Seiten)
Illustration & Layout: Beate Rocholz
Textsatz & Korrektorat: Jörg Schukys
Preis/Printausgabe: 15,00 Euro
Ausführung: Paperback
Erhältlich auch als eBook: 5,95 Euro
Emmerich Books & Media

Die Artikel:
- Die gelbe Villa der Selbstmörder
- Hexen im Leib

- Bestien der Nacht
- Geliebtes Medium (Kurzgeschichte)

 

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