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Der kleine Horror für zwischendurch – Dee Hunter’s Böse Brut

Böse BrutDer kleine Horror für zwischendurch
Dee Hunter’s Böse Brut

Es gibt bekanntlich eine ganze Menge an kurzen und eindringlichen Horrorstorys, die man getrost in einem Rutsch lesen kann, weil sie eben recht kurz sind und ab einem gewissen Punkt so richtig schön unter die Haut gehen. Dee Hunter versteht sich in diesem Punkt recht gut darin, knapp und knackig dem Leser manchmal eine kleine Gänsehaut zu verpassen. Ganz billig ist das aber als Printausgabe nicht immer.


Böse BrutWenn wir hier über den Preis reden, dann reden wir hier über eine Summe von lockeren 4.99 Euro. Klingt im Moment nicht viel für ein Taschenbuch. Doch Vorsicht, die Bezeichnung Taschenheft würde hier weit besser bei knapp 60 Seiten gesamt passen.

Im vorliegenden Fall handelt es sich bei dem Büchlein mit dem Titel BÖSE BRUT um drei Kurzgeschichten die es allerdings durchaus in sich haben. Nicht das Dee Hunter hier die Leser nun in knappen Storys richtig in Blut und Gedärmen baden lässt. Nein, dass ist nicht wirklich ihr Stil. Aber die Storys sind spannend und mitunter regen sie auch an, über das gerade gelesene auch mal etwas länger nachzudenken. Dabei ist es auch nie der Fall, dass man hier auf recht bekannte Abläufe des Genre trifft. Dee Hunter lässt daher eigentlich bisher die Finger von üblichen Klischee-Monster des Horrors, doch wenn sie wie in der Kurzgeschichte BLUTSCHOCK dann doch mal auf Vampire zurück greift, dann gestaltet sich die Story doch völlig anders, als man es sich im allgemeinen vorgestellt hatte.

Meinen ersten Kontakt mit Dee Hunter hatte ich mit dem Büchlein DER DAMM, den ich damals hier bereits im Zauberspiegel rezensiert hatte. Mittlerweile umfasst das Gesamtwerk von Dee Hunter, dessen Kurzgeschichten usw. über AMAZON als Printausgabe und eBook erhältlich sind, schon einiges mehr an Lesestoff. Hinzu gekommen sind hierbei DIE TOTEN – EIN WITCHWOOD-THRILLER (Print und eBook), INS DUNKLE (eBook, als Printversion im Buch BÖSE BRUT enthalten) oder THE SHILD in drei Bänden mit den jeweiligen Untertiteln pro Band: DAS LABOR (Band 1.), DAS CAMP (Band 2.) und DIE STADT (Band 3.). THE SHILD ist dabei eher in seiner Gesamtheit ein Zukunftsroman mit starkem Dystopie-Einschlag.

BÖSE BRUT ist allerdings ganz klar im Bereich des Horrors anzusiedeln, umfasst aber als Printausgabe gerade mal wie gesagt ca. 60 Seiten. Wem da also 4,99 Euro zu teuer sind, aber über ein entsprechendes Lesegerät für eBooks verfügt, der kann es sich auch für 2,99 Euro auf seinen Kindle herunter laden. Nun ja, ich mag eBooks nicht und greife daher dann doch lieber zur Printausgabe. Ist zwar etwas teurer aber dafür habe ich es in der Hand, kann wie in meinem bisherigen Leben gelernt und geliebt darin blättern wie ich will und muss keinen Strom verschwenden, den es bekanntlich auch nicht für taube Nüsse gibt.

Was macht Dee Hunter denn privat:
Dee Hunter lebt und arbeitet nicht in Deutschland, sondern im schönen Innsbruck in Tirol und kämpft sich beruflich durch das, was wir allgemein als Werbung bezeichnen. In ihrem früheren Leben, so steht es dort geschrieben, hat sie neben dem analysieren von Bilanzen noch nebenbei wissenschaftlich die Männerbünde untersucht. Heute schreibt sie allerdings vornehmlich Thriller mit einem Hauch von mystischem Hintergrund. Dabei sind ihre Geschichten durchweg eher recht düster und beklemmend angelegt.

Dabei lässt sie sich nicht nur von den Nebeltagen auf der Nordkette inspirieren, sondern auch von Personen wie Stephen King, David Lynch, Robert A. Heinlein, Jules Verne, Blake Crouch oder Edgar Allan Poe. Aber auch aus Serien und Filmen zieht sie ihre Inspirationen, wie etwa aus der Serie TWIN PEAKS oder etwa dem Kinoblockbuster ALIEN.

Auch über das, was sie fasziniert weiß sie zu berichten. Da wären Felsen, Wald, Nebel, Schnee, Tunnel, Fabriken oder schlicht die Stille zu nennen. Und wer direkt über ihre neusten schriftstellerischen Arbeiten informiert sein will, der kann auch auf ihrer Homepage „Dee's Newsletter abonnieren und dürfte damit stets auf dem neusten Stand sein. Leider gibt es aber bis auf ein schwarzweiß verfremdetes Foto kein vernünftiges Bild im freien Netz, so das ich euch die Autorin auch nicht in optisch präsentieren kann.

Ja liebe Freunde, Dee Hunter ist eine Autorin die recht gut weiß, wie man den Leser schnell an die betreffenden Seiten einer Story fesselt. Das beklemmende in einer geschilderten Situation und eine gewisse Form des nicht gleich offensichtlichen Schreckens scheinen ihr zu liegen. Doch schauen wir uns doch mal kurz etwas die drei Kurzgeschichten an, ohne jedoch in Sachen Inhalt hier zu viel zu verraten.

Der Schrecken in drei verstörenden Geschichten:
INS DUNKLE: Jack und seine kleine Tochter Sophie machen sich mit dem Wagen auf den Weg zu seiner früheren Studienfreundin Rachel, wo sich dieses mal die ganze Clique von früher trifft. Eigentlich hat er diese jährlichen Treffen immer alleine bewältigt, doch Sophies Mutter ist mittlerweile in einer geschlossenen Anstalt.

Das dies so ist, daran ist Jack leider nicht ganz unschuldig. Rachel indessen ist aus dem Job ausgestiegen und lebt ihren eigenen kleinen Traum in einem Haus mitten im Wald. Doch dieser Wald hat etwas bedrohliches. Auch Rachel weiß von manchen mysteriösen Dingen über diesen Wald zu berichten. Und dann, in einem unachtsamen Moment ist die kleine Sophie plötzlich verschwunden und Jack macht sich auf in den Wald um sie zu suchen. Doch was er darin finden wird, hätte er vorher in seinen schrecklichsten Albträumen nicht erwartet.

Fangen wir mit der kritischen Betrachtung der ersten Geschichte mit dem Titel INS DUNKLE an, die man wie oben bereits erw臧nt auch separat als reine eBook-Ausgabe herunterladen kann.

INS DUNKLE führt den Leser zu Beginn erst einmal kurz auf eine falsch gelegte Fährte. Man könnte daher schnell auf die Idee kommen, es handle sich hier um eine Story, in dem ein Killer mit  Kettensäge den dunklen Wald unsicher macht. Doch weit gefehlt. Das eigentliche Grauen in das Jack bei seiner Suche im Wald stößt, nährt sich nämlich von seinen Fehlern als Mensch, als Ehemann und als Vater. Dies hört sich erst einmal interessant an, wartet aber mit einigen Schrecken auf, die man selbst als Leser so dann doch nicht direkt vorhersehen konnte. Die Story ist atmosphärisch sehr dicht und weiß den Leser recht schnell bis zum Ende zu fesseln. Und ja, eine gewisse versteckte Aussage transportiert die Story ebenfalls, auch wenn sie nicht wirklich aufdringlich im ersten Augenblick zu erkennen ist. Aber man sollte wissen das gewisse Taten auch immer gewisse Reaktionen zeitigen. In Jacks Fall eben auf eine sehr drastische und überaus böse Weise. INS DUNKLE bekommt da von mir die vollen fünf von fünf möglichen Punkten.

KREATUREN ist wohl die kürzeste Geschichte. Ed jedenfalls versucht etwas zum Familienunterhalt beizutragen, während seine Tochter die kleine Bar schmeißt. Doch seine Tochter ist darüber nicht wirklich glücklich, denn was Ed macht, könnte ihm vorzeitig das Leben auf recht üble Art kosten und so ganz legal ist es wohl auch nicht. Und dann hat Ed doch eines dieser Kreaturen in einem Verlies hinter der Bar gefangen. Leicht verdientes Geld, glaubt Ed, doch dem ist leider nicht so. Der eine Käufer sucht schon aufgrund des bösartigen Anblicks der Kreatur wieder das Weite und dem zweiten Käufer ist schlicht der Preis viel zu hoch dafür. Wäre Ed nicht so gierig und stur, wäre er diese Kreatur vielleicht längst wieder los. Doch käme sie frei, wäre das Resultat alles andere, nur eben nicht erstrebenswert. Auch diese Story ist atmosphärisch recht dich in aller Kürze. Wie die Kreatur allerdings aussieht, da muss sich jeder selbst in seiner Phantasie ein Bild von machen. Man erfährt zwar das eine oder andere von ihr, eine wirkliche Beschreibung verwehrt uns hier allerdings Dee Hunter bewusst. Das hat ein wenig von Lovecraft, der ebenfalls nicht jeden Schrecken bis ins Detail beschrieb, sondern bewusst vieles der Phantasie des Lesers überließ. Für meine Begriffe war diese Story aber etwas zu kurz geraten. Man könnte auch sagen, etwas mehr Fleisch am Knochen hätte dem Genuss durchaus nicht im Wege gestanden. Drei von fünf Punkten ist die Story aber durchaus noch Wert.

BLUTSCHOCK bringt uns zu einer ziemlich gestressten Lynn, die selbst noch spät am Abend mit einem Taxi zu einer Schlachterei fahren muss, um wirklich alle Daten für eine Firmenpräsentation zusammen zu bekommen. Zumindest ist dies der letzte Job für diesen Abend, auch wenn sie am liebsten müde ins Bett fallen würde. Auch das miese Wetter trägt nicht gerade zu einer besseren Stimmung bei. Da hebt es dann auch nicht ihre Stimmung, dass der Taxifahrer sie vor dieser miesen Gegend warnt. Als dieser aber dann auch noch von Vampiren redet, zweifelt Lynn schon etwas an seinem Verstand. In der Firma angekommen, scheint allerdings alles glatt zu gehen. Irgendwie viel zu glatt bis - ja bis der smarte Hanson sie mit allen Mitteln dazu drängt, noch eine Führung durch die Schlachterei über sich ergehen zu lassen. Nein, hier jagt jetzt kein Vorstadt-Dracula hinter seinem jungen, weiblichen Opfer hinterher um sie zu beißen. Hier geht es um Verrückte mit Spaß an ihrem Beruf und um die Panik, die sie bei Lynn auszulösen vermögen. Doch das sind nicht die einzigen seltsamen Gestalten, die in dieser düsteren und eher verrufenen Gegend ihr Unwesen treiben. Gänsehaut will hier zwar nicht wirklich aufkommen, denn das Ende kommt doch etwas zu plötzlich um die Ecke, doch die wirklich überraschende Wendung zum Schluss der Geschichte und die völlig durchgeknallten Typen in der Großschlachterei reißen dieses Manko locker wieder heraus, so das diese Kurzgeschichte bei mir dann doch noch auf vier von insgesamt fünf Punkte kommt.

Eine kleine Abschlussbetrachtung:
Ja, BÖSE BRUT von Dee Hunter ist für diesen Preis als Printausgabe schon ein ziemlich dünnes Taschenbuch. Wer da also keine Abneigung gegen ein elektronisches Lesegerät hat, der kommt hier auch billiger und schneller an den kurzen Lesestoff. Darüber hinaus muss man allerdings sagen, dass Dee Hunter wirklich gut die jeweiligen Storys vorantreiben kann und mit Wendungen aufwartet, mit denen man so zu Beginn einer Story nicht unbedingt rechnet. Ich mag diese dünnen Taschenbüchlein besonders, weil ich sie schön kompakt auf der Arbeit in den Pausen lesen kann. Vielleicht hätte man bei manchen Figuren etwas mehr in die Tiefe gehen können, doch dies wäre unter dem Strich zum einen nur Seitenschinderei gewesen, zum anderen ist es eben auch nicht üblich, in Kurzgeschichten die Protagonisten von jeder Seite zu beleuchten. Es sieht z.B. auch etwas dumm aus, wenn man in einer Kurzgeschichte fünfzig Seiten dazu verwendet, die handelnden Figuren umfassend zu beschreiben, während die Handlung mit lockeren fünfundzwanzig Seiten auskommt. Dem Spannungsbogen wäre dies ebenfalls wohl kaum förderlich. Eine Kurzgeschichte ist nun mal kein Roman von lockeren vierhundert Seiten. Wem das aber doch etwas zu wenig ist, der darf gerne auch zuerst direkt zu einem etwas längeren Werk von Dee Hunter  greifen. Was Ideen, Düsternis und interessante Wendungen angeht, überrascht BÖSE BRUT durchaus in seinem Minimalismus.
Böse Brut
Böse Brut
Drei Horrorgeschichten: Ins Dunkle/Kreaturen/Blutschock
von Dee Hunter
Titelbild: James Smith
Genre: Horror
Seitenanzahl: gesamt 60 Seiten
Preis: (TB) 4,99 Euro/(eBook) 2,99 Euro
ISBN: 978-1482791051 Printausgabe
Bezug: Amazon
Eigenverlag/Doris Döppler, Innsbruck

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