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Du bist zu alt für einen mörderischen Psychopathen - Larry

LarryDu bist zu alt für einen mörderischen Psychopathen
Larry

Tief in den Wäldern gibt es ein Feriencamp in denen gerade noch ein Mädchen versucht, die Flucht zu ergreifen. Die anderen wurden schon per Beil (oder auch anderen handlichen Waffen) zu ebenso handlichem Frikassee verarbeitet. Zumindest gibt es Leichenteile, die bereits in der Wärme zu stinken beginnen.

Und dann ist da noch Larry, der Psychokiller mit der Schweinemaske.


LarryNun muss man aber leider feststellen, dass besagter Killer mit der Maske eines Schweines keine wirklich große geistige Leuchte ist. Ein Umstand, den sich die letzte Überlebende zunutze macht, als sie ihn von gewissen Regeln im Serienkiller-Geschäft in Kenntnis setzt. Schließlich überlebt das letzte weibliche Opfer in den Kinofilmen immer, also sollte sich auch dieser Schlitzer gefälligst an diese Regel halten. Das verwirrt Larry allerdings etwas. Sollte er tatsächlich etwas übersehen haben?

Wenn Dummheit einem Knüppel zwischen die Beine wirft:
Schweinegesicht beschließt also, sich an besagte Regel zu halten, obwohl er eigentlich noch nie etwas über diese Regel (oder überhaupt einer Regel in diesem Geschäft) gehört hat. Aber man will ja schließlich in diesem blutigen Geschäft nichts falsch machen. So gibt ein Wort das andere und ehe sich Schweinegesicht recht versieht, schlendert das letzte Opfer davon. Jedoch nicht, ohne Schweinegesicht auf dem Klo erst noch in Brand zu setzen. Zwar überlebt er dies, doch ihm ist nun doch irgendwie bewusst, dass er nun als Serienkiller irgendwie irgendetwas mächtig verkackt hat. Also hängt er schlicht die Schweinemaske und das Hackebeil an den Nagel und lässt die Jahre ins Land gehen, während er weiter bei Muttern irgendwo in den Wäldern lebt und Puzzle legt. Doch neben der Tatsache, dass er im Alter (und Muttern lebt immer noch) Würmer im Stuhlgang hat, juckt es ihn aber plötzlich auch wieder in den Fingern. Er will wieder Blut sehen, kreischende Teenager zerlegen und noch einmal richtig aufdrehen. Man könnte vielleicht – aber Nein – anständige Serienkiller zerlegen ihre Mutti nicht, auch wenn sie einem noch so penetrant auf den Sack gehen.

„Hallo?“, fragte sie, die Stimme überschlug sich. Eine versenkte Luftröhre war daran Schuld. „Bist du weg?“ Schweinegesicht seufzte und gab den Hormonen des Mädchens die Schuld an diesem grausamen Akt. Dann kam er auf die Beine. „Das war's“, sagte er. Fetzen seiner verbrannten Haut hingen an ihm herunter. „Ich gebe auf.“

(Adam Millard: Larry / Seite 20)

Was erwartet den Leser denn nun?
Kurz umschrieben geht es zurück in die wunderbaren Jahre zwischen 1975 bis 1978. Zu dieser Zeit terrorisierte Larry „Schweinegesicht“ Travers das Feriencamp Diamond Creek. Dabei ließ er in den Jahren locker über 100 zugekiffte und notgeile Teenager über die Klinge seiner Axt springen. Die Machete allerdings hatte sich leider schon ein anderer Kollege aus New Jersey an Seite geschafft.

Damit er sich einen gewissen Ruf erarbeiten konnte, zerstückelte er die Leichen der Teenager auf seiner jährlichen Tour. Man will ja nicht als Weichei gelten, dass kein Blut oder diverse Innereien sehen kann. Larry war also schlicht gesagt in seinem Element und für einen anständigen Psycho-Schlitzer wie ihn, konnte es gerade beruflich nicht besser laufen. Die Karriere schien also eigentlich auf lange Sicht als gesichert.

Das ging auch gut, bis zu dem Tag, als das letzte weibliche Opfer ihn böse reingelegt hatte. Damit nicht genug, attackierte sie ihn mit einem Schweizer Taschenmesser und nahm ihn faktisch auf dem Klo auch noch gefangen (man hatte vergessen, ein Fenster einzubauen) und setzte ihn sicherheitshalber gleich samt der gesamten Toilette in Brand.

Eigentlich hielt man seit dem den Serienkiller mit der Schweinemaske für tot. Doch Larry lebte, verschwand aber von der Bildfläche. Doch zumindest die Legende lebt weiter, Jahr um Jahr, bis man plötzlich das Jahr 2014 schreibt. Der Drang zu töten kehrt unvermittelt zurück und immer noch glaubt Larry, dass er das Zeug zu einem gemeingefährlichen Psychopathen aufweist. Und dann ist Schweinegesicht zurück...

„Früher war ich ein gefürchteter Killer, jetzt kann ich nicht einmal mehr niesen, ohne mir ans Bein zu pinkeln.“

(Adam Millard: Larry / Zitat Buchrücken … Larry über sich selbst)

Als nächstes tauchen die ersten Teenager wieder im Camp Diamond Creek auf. Werden allerdings vorher schon mal von einem steinalten Hinterwäldler ohne Zähne im Mund vorgewarnt, dass dieser Ort verflucht sei. Die Teenager stört diese Warnung wenig, zumindest bekommen sie bei dem Opa den dringend benötigten Sprit um überhaupt noch mal irgendwohin zu kommen. Was ihre Intelligenz angeht, scheint allerdings schon das tanken an der Zapfsäule eine ziemlich hohe Anforderung zu sein, die sie gerade noch so eben bewältigen können, ohne sich selbst in Brand zu setzen.

LarryDie Kunst, den Schrecken gnadenlos durch den Kakao zu ziehen:
Das Adam Millard weiß, wovon er hier schreibt, lässt sich schon locker an den diversen Nachnamen der Teenager erraten. Ob nun Loomis, Bateman, Crowley, Myers oder Voorhees, hier ist schlicht alles an Psychopathen bzw. Rollennamen vertreten, was das Kino in den damalig bekannten Slasherfilmen wie HELLOWEEN oder FREITAG DER 13. zu bieten hatte. Und auch an diversen Seitenhieben auf diese Filme wird hier in der Story reichlich Wert gelegt.

Auch was diverse blutige Beschreibungen angeht, geht Millard gleich zu Beginn in die Vollen. Doch irgendwie bekommt man bei diesem Roman als Leser das Grinsen nicht mehr wirklich aus dem Gesicht. Besonders aber auch die Dialoge sorgen des öfteren dafür, dass man einfach aus dem Schmunzeln und diversen Lachern nicht so schnell wieder heraus kommt. Hier handelt es sich daher weniger um einen Angriff auf die Ekelschwelle des Lesers, als viel eher mit voller Breitseite auf dessen Zwerchfell. 

Doch auch bei den Beschreibungen des Camp selbst, trifft Millard den Spaßknopf mit einem sicheren Händchen in Sachen schwarzer Humor und so mancher Situationskomik. Sei es etwa der einzige, ebenfalls noch recht junge Betreuer im Camp, der die Teenager im Gorilla-Kostüm überrascht und dafür gleich mal locker eines auf die Nase bekommt. Oder die Tatsache, dass sich in den nun eher verfallenen Hütten sich jede Art von Nagetiere faktisch zum sterben selbst hingelegt haben, um nun per Hand wieder aus dem Fenster entsorgt zu werden, bis das es dem Betreuer plötzlich einfällt, dass das Haupthaus doch noch relativ gut in Schuss ist.

Auch die Teenager selbst bestehen aus einer recht skurrilen Truppe, die eigentlich zum überleben nicht genügend graue Gehirnzellen zu besitzen scheinen. Erwähnen will ich hier als Beispiel nur eines der Mädchen, die liebend gerne Bäume umarmt, mit Jungs in ihrem Alter allerdings scheinbar nichts anfangen kann.

Ein weiteres Highlight ist Larrys steinalte Mutter, die wirklich auch kein Blatt vor den Mund nimmt und es eben auch nicht gerne sieht, dass ihr mittlerweile recht betagter Sohnemann wieder als Psychopath durchstarten möchte, auch wenn die alten Knochen nicht mehr so recht mitwollen und ein Bingo-Abend in ruhiger Runde unter Rentnern wohl für ihn ergiebiger wäre.

Melissa war vor lauter Angst wie paralysiert, was eine Schande war, weil genau jetzt ein großartiger Zeitpunkt zum Wegrennen gewesen wäre. Auf dem Waldboden rollte Bailey sich herum und versuchte auf die Beine zu kommen, aber er war zu stoned und zu betrunken, eigentlich standen seine Chancen auf eine Erektion besser, als darauf, aufstehen zu können.

(Adam Millard: Larry / Seite 122)

LarryÜber den Autor - Adam Millard:
Ungefähr sechzehn Romane, sechs Novellen und über hundert Kurzgeschichten in den verschiedensten Anthologien und Sammlungen sind von Adam Millard bereits erschienen, der mit seiner Frau Zoe und seinem Sohn Phoenix im schaurig schönen Wolverhampton, England lebt. Die Palette reicht dabei von postapokalyptischer Fiction über Fantasy bis hin zu Gruselromanen für Kinder. Aber auch im Bereich des Bizarro-Fiction hat Millard schon einiges in verschiedenen Verlagen veröffentlicht. In der Amazon Bestsellerliste gelang es ihm so, sich mit seiner DEAD SERIES zwischen die Stephen King und Bram Stoker Award Gewinnern zu platzieren. Bei Voodoo Press sind z.B. auch bereits u.a. von ihm die Bände THE DEAD – TODESKÄLTE oder THE DEAD – TODESZELLEN erschienen. Mit LARRY legt er hier eine der wohl lustigsten Parodien auf die Slasher-Movies der 70er und 80er Jahre hin, die ich bisher lesen durfte.

Mein Fazit:
Lektorat und Korrektorat wurde hier durch Scriptmanufaktur.de nach aktuellem Stand des Duden durchgeführt. Nun, dass dürfte eigentlich auch noch etwas besser gehen, denn ein paar wenige falsche Worte, die den Sinn eines Satzes entstellen können, hatte ich doch gefunden. Da hätte man besser aufpassen können. Leider scheint dies aber bei Voodoo Press eine gewisse Tradition bei ihren Veröffentlichungen zu haben, wie ich auch oftmals von anderen Lesern hören bzw. lesen durfte.

Davon sollte man sich aber hier nun nicht wirklich abhalten lassen, denn drei oder vier solcher Satzfehler entstellen die Story eben nicht wirklich und der Lesefluss wird daher nur recht minimal dadurch unterbrochen, weil man vielleicht gerade da einen gewissen Sinn im Gesamtsatz sucht. Vor solchen Fehlern ist man allerdings mittlerweile auch in manchen Büchern der Großverlage nicht gefeilt, weshalb ich hier der durchaus kurzen aber recht spaßigen Story auch keinen Punkteabzug geben möchte. Denn das Gesamtbild ist ansonsten recht ordentlich und sowohl die Figuren als auch das Setting der Geschichte ist so skurril, abgedreht und spaßig, dass es eine wahre Freude ist, Seite um Seite zu verschlingen.

Wo bekommt man schon solche Teenager geliefert, die in der High School bereits in Sachen Intelligenz mitunter von einem Stück trocken Brot überflügelt werden, sich darüber hinaus auch untereinander nicht gerade grün sind und irgendwie wie perfekte Opfer auf dem Silberteller agieren. Dann noch der Psychopath der mit über 60 Jahren, den Hintern voller Würmer und Angst vor der nächsten Herzattacke, es doch nochmal wissen will, aber dem die Axt mitunter zu schwer ist, um sie anzuheben. Dazu kommt dann noch eine resolute steinalte Mutti die mit einer Kerze … aber lassen wir das. Selber lesen und köstlich lachen bereitet weitaus mehr Freude an dieser wirklich gelungenen Parodie.

Insgesamt bekommt man hier eine Story auf rund 168 Seiten geliefert, die vor rabenschwarzem Humor einfach nur überläuft. Hier trifft Splatter und Slasher auf ansprechendem Niveau auf schräge Rednecks, noch schrägeren Teens aus der Großstadt und noch das eine oder andere ungelöste Rätsel. Nicht zu vergessen, ein Hausschwein, dass sich als einziger Freund eines Serienkillers auch nicht mit Ruhm bekleckert. Mein Fazit daher: Muss man einfach gelesen haben. Bitte mehr davon. Zumindest kann man auf der Verlagsseite von Voodoo Press bereits einen Blick auf das Cover der Fortsetzung LARRY 2 – THE SQUEEEQUEL werfen, was einem in dieser Hinsicht recht positive Hoffnungen macht.

LarryLarry
(Larry)
von Adam Millard
Übersetzung: Michael Preissl
Titelbild: Adam Millard
Genre: Splatter/Parodie
Seitenanzahl: 168 Seiten
Ausführung: Broschiert
Preis: 9,95 Euro
ISBN: 978-3-902802-22-4
Voodoo Press (März 2016)

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