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Das Perry Rhodan-Universum und die Nummer 1 - UTOPIA Comics

Das Perry Rhodan-Universum und die Nummer 1 - HJB UTOPIA ComicsDas Perry Rhodan-Universum und die Nummer 1
HJB UTOPIA Comics

Ich gebe es hier einmal zu, Perry Rhodan gehört schon lange nicht mehr zu meinem bevorzugten Lesestoff in der Science Fiction und überhaupt. Und als Kind bestand mein erster Kontakt mit Perry Rhodan in Form von Comics, die man aber bei uns in der Stadt anfangs eher suchen musste.

Erst späterhin gab es eine direkte Anlaufstelle für meine geliebten PERRY-Comics.


Perry Rhodan und ich:
Erst später kam ich zu den Romanen, als eine Neuauflage gerade startete und ich so direkt mit der Nummer 1. einsteigen konnte. Späterhin wagte ich mich auch mal an die Erstauflage heran, hörte aber hier irgendwo bei der Nummer 1000 auf zu lesen. Voltz bewegte für mich persönlich das Perryversum in eine Richtung, der ich nicht mehr folgen mochte. Spätere Versuche, wieder mal einen Fuß in die Serie zu bekommen, waren leider dann auch nur von recht kurzer Dauer. Nur PERRY RHODAN ACTION konnte mich bei der Stange halten, wurde aber dann leider mangels genügender Absatzzahlen wieder eingestellt. Also wandte ich mich wieder einige Zeit den Silberbänden zu, da ich die damaligen älteren Heftromane nicht mehr besaß.

Auch ein kurzer Einblick in PERRY RHODAN NEO ließ mich schaudern und so ließ ich irgendwann die Romane völlig links liegen und wandte mich anderen Lesestoffen zu.

Doch eine Leidenschaft um Perry Rhodan ist geblieben. Was mit einem Heft der Serie PERRY RHODAN IM BILD begann, wollte späterhin nicht Ruhe geben und so besorgte ich mir bisher den größten Teil der Reprint-Comics zur größten deutschen SF-Serie. Gut, einige fehlen mir noch, aber diese Menge ist mittlerweile recht überschaubar. Hinzu kamen die diversen Versuche, neue Perry Rhodan Comics auf dem Markt zu etablieren. Dazu gehören auch Comic-Alben wie DAS KONZIL DER SIEBEN aus dem HJB-Verlag oder die Comics der Alligator Farm.

Vor kurzem gelang es mir daher wieder einmal, ein Reprint-Album der frühen PERRY Comics zu ergattern, dass noch in meiner Sammlung fehlte und als kleine Zugabe kam ich auch recht günstig damit in den Besitz des ersten UTOPIA COMICS (Nummer 1.) aus dem Hansjoachim Bernt Verlag, in dem es sich gleich auch um eine Story aus dem Perryversum handelte, ohne das die Hauptfiguren der eigentlichen Serie hier einen Auftritt erhielten. Wann kommt man auch schon noch mal an dieses Heft in absolut neuwertigem Zustand? Also schlug ich zu und erfreute mich daran, nun auch das Abenteuer des Jülziish (Blues) namens Cülynk auf dem Planeten Kopperton meiner Sammlung einverleiben zu können.

Der Aufbau der Kosmischen Hanse, die für den interstellaren Handel sorgt und darüber hinaus zum völkerverbindenden Faktor werden soll, geht nicht immer reibungslos vonstatten – das ist bei dem galaktischen Ausmaß des ganzen und bei den Anforderungen, die an einzelne Individuen gestellt werden, ganz natürlich.
Was aber soll ein Neuankömmling tun, der ein nagelneues, im Aufbau befindliches Handelskontor erwartet und stattdessen ein Musterbeispiel allgemeiner Verwahrlosung vorfindet, mit verrückten Maschinen – und Menschen, die sich noch verrückter benehmen...?

(Story-Einführung / Utopia Comic 1 / Seite 1)

Das LügenparadiesDas Lügenparadies (Originaltitel des Comics):
Nun, Cülynk gehört zum Blues-Volk der Taroj und ist nicht zum ersten mal auf dem Planeten Kopperton in der galaktischen Eastside. Bevor der Planet an die Kosmische Hanse verkauft wurde und auf den Namen Kopperton umgetauft wurde, hieß er Calym-Zecol und Cülynk war Soldat auf dieser Welt in einem Krieg gegen das Hauptvolk der Gataser. Doch dieser Krieg ging irgendwann auf seltsamer Art und Weise zu Ende, denn irgendwo widerstrebte es allen, weiter zu töten und so warf man die Waffen weg und philosophierte lieber über den Sinn des Lebens.

Als Cülynk nun wieder auf Kopperton landet, zeigt sich der neue Raumhafen des Kontors eher wie eine verlassene und heruntergekommene Baustelle die immer mehr zu vergammeln scheint. Der Zentralcomputer nennt sich selbst nun BARON und macht Versprechungen, die er jedoch selten zu halten pflegt. Um mit Cülynk weiterhin kommunizieren zu können, schickt BARON einen Androiden in Form einer menschlichen weiblichen Frau. Zwar ist Cülynk mit einer Lüge nach Kopperton gekommen, indem er dem Zentralcomputer erzählt, er hätte die untere Sektion seines Diskusraumers samt seiner Frauen und seiner 217 Kindern verloren und suche sie nun (in Wirklichkeit befindet sich die Sektion seines Schiffes samt seiner Familie auf dem einzigen Mond von Kopperton in Sicherheit, da er im Auftrag der Kosmischen Hanse die Zustände untersuchen soll) auf diesem Planeten. Doch Cülynk ist nicht der einzige, der lügt. Auch der Zentralcomputer versucht ihm weiß zu machen, dass alle Menschen (mehrere Hundert) alle in der nähe des Kontors begraben lägen, weil sie alle einem unbekannten Virus zum Opfer gefallen seinen.
Doch auch die Lügen des Zentralcomputers halten nicht lange vor, als plötzlich ein lebendiger Mensch im Kontor auftaucht. Hierbei handelt es sich um den ehemaligen Kommandanten des Raumhafens mit Namen Fellmer Staber, der nur noch ab und zu zurück kommt, um sich mit Lebensmitteln einzudecken.

Von Staber erfährt Cülynk, dass niemand gestorben ist, sondern alle irgendwo leben und nur noch ihren Träumen nachgingen. Sei es am Strand Sandburgen bauen oder wie ein Ara-Mediziner, der sein Glück darin sieht, flache Steine über das Wasser springen zu lassen. Ursache für das seltsame Verhalten könnte ein seltsames, lebendes Geflecht sein, dass sich vorwiegend am Bauch der einzelnen Individuen festsetzt und von den Menschen vereinfacht nur als „Sonnengeflecht“ bezeichnet wird.

Zwar hat auch Cülynk an jedem nächsten Morgen dieses Geflecht am Körper, doch es gelingt ihm mühelos es zu entfernen und kann auch keine veränderten Reaktionen auf seinen Geisteszustand feststellen. Doch dann muss er feststellen, dass es eine scheinbare unsichtbare Wesenheit auf dem Planeten gibt, die durch das „Sonnengeflecht“ die Menschen dazu bringt, statt ihren Pflichten nachzugehen, nur noch ihren innersten Träumen zu folgen. Cülynk selbst wurde von dem seltsamen Geflecht nur immer wieder heimgesucht, damit das Wesen ihn völlig abtasten kann, um eine perfekte Kopie von ihm zu erschaffen. Durch diese Kopie kommuniziert dieses Wesen nun mit Cülynk und versucht ihm zu verstehen zu geben, dass es den Menschen nur ihre ganz persönliche Freiheit ermöglicht. Genauso, wie es damals vor Jahrzehnten dafür sorgte, dass das Töten unter den Blues ein Ende nahm. Nun liegt es an Cülynk, dieser Wesenheit klar zu machen, dass es die Menschen damit erst recht in eine unfreie Sackgasse geführt hat.

Ernst VlcekInformatives zum Comic:
DAS LÜGENPARADIES entstand Laut Heftangaben erstmalig im Jahre 1987 und gehört damit neben der 1988 entstandenen PR-Story UNTER DEM REGENBOGEN zu den zwei einzigen größeren Comics, vom Zeichner Olaf Schwarz. Schwarz selbst wurde 1967 geboren und begann nach dem ableisten des Wehrdienstes eine Ausbildung im grafisch-gestalterischen Bereich. 1991 nahm er dann ein Grafik-Design-Studium in Düsseldorf auf. Danach trat das Zeichnen von Comics jedoch weitgehend in den Hintergrund.

Die Comics DAS LÜGENPARADIES und UNTER DEM REGENBOGEN basieren beide auf Perry Rhodan-Kurzgeschichten und wurden in Fortsetzungen in den Heften der 4 und 5 Auflage der PR-Serie veröffentlicht.

Die hier vorliegende Story zu DAS LÜGENPARADIES entstammt einer Idee vom Autor Ernst Vlcek.

Eine kritische Betrachtung:
Was die Zeichnungen angeht, kann man schlicht sagen, dass sie ziemlich durchwachsen sind. Das Schwarzweiß-Comic kann durchaus hoch Punkten mit der Darstellung der Blues und einigen wenigen technischen Darstellungen wie z.B. einem Wachroboter gleich zu beginn der Story. Menschen und insbesondere menschliche Gesichter scheinen Olaf Schwarz jedoch nicht wirklich zu liegen und wirken mitunter recht Laienhaft. Legt man hier als Comic-Freund bzw. Fan nicht zu hohe Maßstäbe an, dann kann man sich jedoch durchaus an den Zeichnungen und der Geschichte erfreuen. Das ganze hat eben irgendwo seinen eigenen Flair. Ein weiteres Manko, dass die Zeichnerischen Möglichkeiten massiv einschränken, dürften die ziemlich großen Textblöcke und Sprechblasen darstellen. Dies liegt wiederum an der Story von Ernst Vlcek selbst, denn was in einer Kurzgeschichte durchaus reibungslos funktionieren kann, lässt sich nur sehr widerspenstig in einem Comic umsetzen. Um die Story nämlich überhaupt für den Leser verständlich zu machen, benötigt es jeder Menge Sprechblasentexte und erklärenden Textblöcken. Ansonsten wäre das gesamte Heft Story-Technisch wohl in den Sand gesetzt worden.

Comics verfahren nämlich nach einem Doppelprinzip, indem (wenn überhaupt) kleine Textblöcke verwand werden und auch die Texte in den Sprechblasen eher auf das nötigste bzw. wichtigste reduziert sind. Der andere wesentliche Faktor sind die Zeichnungen in den einzelnen Panels die die Handlung per Bild erzählen und voran treiben. Das dürfte mit einer solchen tiefschürfenden Geschichte aber kaum möglich sein, weshalb die einzelnen Bilder mit Textblöcken und großen Sprechblasen eher völlig überladen wirken. Und selbst am Ende bleibt der Leser noch ratlos zurück, denn wer oder was ist dieses Wesen denn nun? Streift es über den Planeten? Ist es überall auf dem Planeten gleichzeitig? Ist vielleicht der Planet selber eine Art Lebensform und wirkt auf die Individuen ein, die sich auf ihm niederlassen? Schon hier fehlen wichtige Antworten, die man vergeblich sucht trotz der textlichen Überladung. Auch die Frage nach dem Sinn dieses Handelns wird nicht logisch aufbereitet. Kurz und gut, bevor man das ganze nun noch tiefer analysiert, kann man unumwunden sagen, dass man sich im Hinblick auf ein vernünftig umgesetztes Comic auch besser einer vernünftig umsetzbaren Story bedient hätte.

Für den damaligen Preis von 9,80 DM dürfte das Resultat eher für den Gelegenheitsleser von Comics oder dem Comic-Leser mit gewissen Mindestansprüchen eine Endtäuschung gewesen sein. Wie viele Hefte überhaupt unter dem Label UTOPIA COMICS erschienen sind (laut Angabe ca. drei Hefte pro Jahr), kann ich nicht sagen, es dürften aber nicht wirklich viele gewesen sein, was schon an dem damalig sehr hohen Preis gelegen haben mag. Empfehlen kann man es daher nur eingefleischten PR-Fans die alles um die SF-Heftromanserie sammeln, oder eben Sammlern wie mich, die in Sachen PR-Comics der Vollständigkeit wegen zugreifen. Was den Preis heute betrifft, so muss sich der Sammler eben in betreffenden Foren im Internet oder (bei viel Glück) auf dem Flohmarkt umschauen, wobei auch der Zustand des Heftes eine nicht kleine Rolle spielen dürfte.

Das Lügenparadies
(eine Story aus dem PR-Kosmos)
Utopia Comics
Zeichnungen: Olaf Schwarz
Story/Idee: Ernst Vlcek
Erscheinungsjahr: 1992
Seitenanzahl: 41 Seiten gesamt plus Cover usw. (Schwarzweiß-Comic)
HJB (=Hansjoachim Bernt Verlag)

Kommentare  

#1 AARN MUNRO 2015-10-28 12:07
Das Prinzip von zuviel Text im Beiblock oder in der Sprechblase war auch schon bei den "Illustrierten Klassikern" verwendet worden, vom "Hamlet" bis zum "Schloß Otranto". Dadurch wirkten diese Hefte auch etwas mühsam auf einen damals 14jährigen. Wären die Bilder nicht gewesen...
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#2 Laurin 2015-10-28 22:17
Man muss hier sagen, AARN MUNRO, dass diese gesamte Textmasse den Charakter eines Comics in diesem speziellen Fall bereits schon zu erschlagen droht. Ich wüsste aber auch nicht, wie man die Story anders hätte umsetzen können, weil sie eigentlich nicht vernünftig und damit Comic-Kompatibel über die Szenen der Bilder transportiert werden kann .
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