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Kleine, gemeine und recht blutige Geschichten - Festa extrem

Festa extremKleine, gemeine und recht blutige Geschichten
Festa extrem

Neben dem klassischen Grusel gibt es ja auch die härtere Kost an Lesefutter, die vielleicht nicht jedem liegen dürfte. Doch wenn man damit umgehen kann und in Sachen Splatter, Gore und Slasher einen festen Magen hat, dem dürfte solches Lesefutter gerade recht kommen.

Und so liefert der FESTA Verlag jeden zweiten Monat eine kleine, recht blutige Köstlichkeit.


Vorab sei gesagt, dass es sich in der Extrem-Reihe des FESTA Verlages zumeist um Storys handelt, die im Schnitt unter 200 Seiten liegen. Es handelt sich also um ein recht schnelles Lesevergnügen, dass sich jedoch bereits einen ziemlich begeisterten Leserkreis, nicht nur männlicher, sondern auch weiblicher Fans, erschlossen hat. Natürlich kommen diese Geschichten zumeist direkt aus den USA, wo sich so mancher Autor des Extrem-Horror bereits einen Namen gemacht hat, bei dem deutsche Großverlage nur ängstlich zusammen zucken. Wer darüber hinaus eines der Bände aus der Extrem-Reihe sein Eigen nennen möchte, dem sei angeraten, direkt an die Quelle, sprich den Verlag zu gehen, denn diese Bände haben keine ISBN-Nummer und können somit auch nicht über den üblichen Buchhandel erworben werden. Nette Menschen wie z.B. ich, haben hierzu schon zu Beginn der Reihe ein Abonnement abgeschlossen, um bei diesen blutigen Köstlichkeiten immer in der ersten Reihe zu sitzen.

Wie gesagt, hier wird in der Handlung nicht irgendjemand verwunschen, verhext, ausgesaugt (na ja, gesaugt wird manchmal schon, aber meistens nicht an der Halsschlagader) oder sonst wie eher steril um das bisschen Leben gebracht. Andeutungen oder Umschreibungen werden hier nicht gerade gepflegt von den Autoren und so treffen sich derbe Brutalität, hammerharte Gewalt, abgründiger Sex und manchmal ein gehöriger Schuss Übersinnliches aus der dunkelsten Ecke des Bösen, um sich mal hart, mal bizarr und manchmal gewollt überzogen zu vereinigen. Hierzu werde ich in abständen immer mal wieder die eine oder andere Neuheit, aber auch manchen schon etwas länger auf dem Markt befindlichen Band der Extrem-Reihe im Doppelpack vorstellen (einige der Ersten wurden ja auch schon von mir hier einzeln vorgestellt). Heute fassen wir die zwei aktuell erschienenen Bände in diesem Artikel einmal zusammen.

Willkommen in Hell, TexasTim Miller: Willkommen in Hell, Texas
Den Anfang macht hier der Autor Tim Miller aus den USA. Tim Miller hat schon als Teenager damit begonnen, Kurzgeschichten zu schreiben, um seinen Freundeskreis damit zu beglücken (oder um den Schlaf zu bringen). Studiert hat unser Autor auch und zwar Religion und Psychologie. In seinen Storys liebt es Tim Miller jedenfalls, den Gore und Splatter-Faktor enorm auf Schleudergang zu bringen, damit sich dem freudigen Leser auch mal der Magen umdreht. Mit WILLKOMMEN IN HELL, TEXAS (Band 11. der Extrem-Reihe) legt der gute Tim Miller bei seinem Deutschland Debüt gleich ein Brett von einem Schocker hin, der es knallhart in sich hat. 

In der Mauer waren Reliefs, die aus Körperteilen und Organen zusammengesetzt waren. Als sie an einem vorbeikamen, sah er, dass es ein menschlicher Torso mit einem Kopf war, dem die Augen und der Unterkiefer fehlten.

(Willkommen in Hell, Texas / Seite 25)

Zwei College-Paare befinden sich auf einem Roadtrip durch den tiefsten Süden von Texas, als sie plötzlich mitten im Nirgendwo von einem Sheriff mit einem denkwürdig veraltetem Streifenwagen gestoppt werden. Da unsere jungen Leute alle mexikanischer Abstammung sind, beschuldigt der Sheriff sie, illegale Einwanderer zu sein. Zwar können sie alle amerikanische Dokumente und Ausweise vorweisen, jedoch scheinen die den Sheriff und seinem nunmehr hinzugeeilten Deputy nicht sonderlich zu interessieren. Gewaltsam verhaftet, gefesselt und auf zwei Streifenwagen verteilt, werden sie in das Städtchen Hell gebracht, dass an keinem Highway oder brauchbarer Seitenstraße liegt und auf keiner Karte verzeichnet ist. Sehr schnell müssen die Vier lernen, dass die rassistischen Bürger von Hell nach ihren eigenen kranken Regeln leben und die Kunst der sadistischen Vernichtung von Fleisch und Seele bis ins unermessliche perfektioniert haben.

Tim MillerWILLKOMMEN IN HELL, TEXAS lässt den Leser kaum wirklich Zeit, Luft zu holen und brennt nach kurzer Einführung ein wahrliches Feuerwerk an Blut, Sadismus und Mord ab, dass einem schon schwindelig werden kann. Dabei ist der Tod noch so ziemlich das beste, was unseren jungen Studenten ereilen kann. Die Figuren bleiben jedoch an sich etwas oberflächlich, was aber auch der kürze von rund 160 Seiten geschuldet ist. Miller ist es auch zu verdanken, dass es sich im Städtchen Hell einmal nicht nur um geistig eingeschränkte Landeier handelt, die rein aus Langeweile und grenzwertiger Dummheit vergewaltigend und mordend sich ihre Zeit vertreiben. Er setzt ihrem sadistischen Treiben ein rassistisches Motiv zu Grunde, was durchaus System hat, denn die Täter, darunter ein ehemals erfolgreicher Arzt, wissen ihre Grausamkeiten durchaus anhand negativer Erfahrungen mit Menschen anderer Abstammung zu unterfüttern. Diese Begründungen mögen an den Haaren herbei gezogen erscheinen, doch ist dies in der Realität bei rassistisch motivierten Menschen nicht anders. Zu kritisieren ist eigentlich an der Story nur der Schlussteil, wo Millers Albtraum in Hell etwas die Luft ausgeht. Gesamt gesehen kann der Hardcore-Fan in Sachen Extremhorror aber bedenkenlos zugreifen, denn in Sachen Gore und Splatter dürfte Miller, wenn er so weiter macht, schnell auch hier an Kultstatus gewinnen. Wer aber in einem Roman unbedingt einen Sympathiebolzen oder Strahlehelden benötigt, dem sei gesagt … Finger weg! Die gibt es nicht bei Tim Miller sondern nur bei Aldi.

Geil auf Sex und TodShane McKenzie: Geil auf Sex und Tod
Band 12. der Extrem-Reihe des FESTA Verlages, ist ebenfalls fest im Griff eines weiteren neuen Autoren auf der deutschen Horrorbühne. Shane McKenzie lebt mit Frau und Tochter in Austin Texas und ist Herausgeber von Sinister Grin Press und zählt in den USA mittlerweile als einer der einfallsreichsten neuen Autoren des Horrorgenres. Sein GEIL AUF SEX UND TOD mit 192 Seiten ist jedoch nicht sein erster Roman in Deutschland. Vor wenigen Monaten veröffentlichte der FESTA Verlag in seiner Horror und Thriller-Reihe bereits seinen Blut triefenden Debütroman MUERTE CON CARNE, in dem menschliches Fleisch letztendlich im leblosen Endstadium seinen Zweck noch auf der Speisekarte erfüllte.

Sie war kein Zombie, soweit war sich Gary sicher. Und er betrachtete sich immerhin als Zombie-Experten. Wenn man mal von der Tatsache absah, dass sie eben vor seinen Augen aus der Erde gekrochen war, hatte sie sonst nichts von einem Untoten an sich. Nein, dieses Mädchen, dieses Ding war etwas anders. Etwas das Gary nicht kannte. Das Licht aus ihren Augen wurde schwächer, verlor mit jedem Bissen an Strahlkraft, bis es schließlich ganz erlosch. Ihre Augen, jetzt tiefschwarz, wirkten müde, die Lider schwer.

(Geil auf Sex und Tod / Seite 57)

Gary arbeitet in einem Comicladen und selbst da kommt er auf keinen grünen Zweig. Auch dürfte wohl eine Menge Süßkram schuld daran sein, das Gary schon in jungen Jahren in der Körperfülle mächtig aus dem Leim gegangen ist und zu heftigen Schweißausbrüchen neigt, die ihm nicht gerade eine Duftnote in Richtung Lavendel beschert. Und seien wir ehrlich, Gary ist ein absoluter Loser, der sogar noch von den jüngeren Nerds gemobbt und verdroschen wird. Die größte Hoffnung, die Gary hat, ist die, dass er mit seinen Manga-Zeichnungen einmal als Comiczeichner berühmt wird. Doch auch hierbei steht ihm keine gute Fee zur Seite. Ganz im Gegenteil, denn der neue Freund, der seine Mutter ständig bespringt, will diesen Nichtsnutz endlich aus dem Haus haben. Nun, ohne Job und ohne Heim verkriecht sich Gary erst einmal in den Wald unter einen ganz bestimmten Baum, den er immer aufsucht, wenn er alleine sein will um an seinem Comic zu arbeiten. Doch statt zu zeichnen legt Gary mal wieder Hand an sich selbst um zu entspannen. Just in diesem Moment gräbt sich eine Art dämonisches Mädchen aus dem Erdreich, nennt ihn Meister und verspricht ihm jede Menge Sex mit wem immer er will und Rache an allen, die Gary je gemobbt haben. Der Deal ist einfach zu verlockend für Gary, doch er hat einen entscheidenden Haken. Diese Kreatur aus der Erde ist ein Fressling der sich von Sex und Gewalt ernährt und niemals satt wird. Zwar hat Gary bei diesem Fressling noch alles einigermaßen unter Kontrolle, doch unter der Erde wartet bereits der Bruder dieser dämonischen Kreatur und dieser ernährt sich beständig von Blut und Tod.

Shane McKenzieGEIL AUF SEX UND GEWALT beginnt weit vor unserer Zeit. Eine junge Frau mit Namen Cassandra und einige Männer vergraben zwei teufliche Wesen unter einen Baum, um für immer von ihnen befreit zu sein. Schon das geht nicht unblutig, aber dennoch erfolgreich von statten. Danach macht der Autor einen gewaltigen Zeitsprung in die Gegenwart und transportiert uns direkt zu Gary, der gerade mit einem Comicheft im Ladenklo onaniert (was vom Inhaber nicht unbemerkt bleibt). Schon ab diesem Moment dürfte es dem Freund von willensstarken und tugendhaften Heldenfiguren langsam dämmern, dass ein solcher Charakter wohl eher im Wunderland als in diesem Roman zu finden sein wird. Vom Autor scheinbar durchaus gewollt ist Gary schlicht eine Unperson, der man bald alles, nur nichts gutes wünschen will. Auch die anderen Figuren strotzen nicht gerade vor Sympathiewerten beim Leser. Dieser Zustand könnte einem Roman, auch wenn er nur rund 190 Seiten umfasst, schnell den Todesstoß verpassen. Doch halt, wir haben ja noch die Fresslinge, die genau die Lücken füllen, die dem Leser sonst schmerzhaft aufstoßen würden. Schon der Filmemacher Lars von Trier stellte sinnig fest, dass das Böse die stärkste Faszination auszulösen im Stande ist. Und genau dieser Part fällt in dieser Geschichte den zwei dämonischen Wesen zu, die solange Gary als ihren Meister akzeptieren, solange er sie mit dem füttert, was sie am meisten begehren. Durchatmen kann unsere Hauptfigur nur dann, wenn diese Wesen einer anderen Welt überfressen in eine Art Tiefschlaf verfallen. Doch wehe, sie werden wach und damit auch wieder hungrig.  Denn das Spiel zwischen Meister und Kreatur hat sich spätestens  dann erledigt, wenn der Meister nicht mehr liefern kann oder will. Gut, ich habe nicht wirklich etwas dagegen wenn der Hauptcharakter eher Kotzbrocken statt Held ist, doch ein solches Ekelpaket wie Gary füllt wahrlich keine rund 190 Seiten mit Spannung und die Nebenfiguren stehen Gary da in nichts nach. Und genau hier springen die dämonischen Kreaturen in ihrer frischen Art in die Presche und mutieren quasi mit ihrer sadistisch – bösartigen Art zu den heimlichen Stars der Handlung. Als Fazit kann man hier sagen, GEIL AUF SEX UND TOD reicht nicht wirklich an das heran, was uns Shane McKenzie vorher mit dem Roman MUERTE CON CARNE abgeliefert hatte. Doch alleine diese innovativen Figuren die hier Fresslinge genannt werden, sind es Wert, sich diesen Roman schnellstens zur Brust zu nehmen.
Willkommen in Hell, Texas
Extrem-Band 11: Willkommen in Hell, Texas
Autor: Tim Miller
Übersetzung: Patrick Baumann
Genre: Horror/Thriller
Seitenanzahl: 160 Seiten/Cover Lederoptik
Preis: 12,80 Euro
FESTA Privatdruck ohne ISBN 
Geil auf Sex und Tod
Extrem-Band 12: Geil auf Sex und Tod
Autor: Shane McKenzie
Übersetzung: Stefan Pannor
Genre: Horror
Seitenanzahl: 192 Seiten/Cover Lederoptik
Preis: 12,80 Euro
FESTA Privatdruck ohne ISBN   

Verkauf direkt über: Festa-verlag.de / ab 18 Jahre

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