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Ein Antiheld für ganz besondere Fälle – F. Paul Wilsons Die Gruft

Die GruftEin Antiheld für ganz besondere Fälle
F. Paul Wilsons Die Gruft

Ich kann die Frage in den Augen der Leser quasi schon sehen: Was ist jetzt ein Antiheld? Nun, lassen sie sich nicht durch diese Bezeichnung in die Irre führen. Sie werden Jack lieben. Ich jedenfalls suche schon wie verrückt nach Romanen über ihn, die eigentlich nur noch gebraucht zu erhalten sind.

Aber keine Angst, es gibt auch noch neuwertige Romane bzw. Neuerscheinungen in Deutschland über Jack beim FESTA Verlag.


Darunter auch der legendäre erste Roman DIE GRUFT, den es im FESTA Verlagsprogramm gleich mit zwei verschiedenen Covern gibt. Cover 1. gibt es schon seit längerem und schmückt in schönem einheitlichen Gestaltungsformat den Roman als Bestandteil des WIDERSACHER-Zyklus von F. Paul Wilson (Vor kurzem hatten wir ja schon einen Artikel im Zauberspiegel zum ersten Band/DAS KASTELL des Zyklus). Eine weitere Auflage mit anderer Cover-Gestaltung des Romans DIE GRUFT gehört zur HANDYMAN JACK-Reihe im FESTA-Programm. Wer den Artikel zum Buch DAS KASTELL von F. Paul Wilson nicht gelesen hat, der dürfte jetzt vielleicht etwas verwirrt sein.

Die GruftEin Rückblick - Der Widersacher-Zyklus:
Hier also nochmals eine kurze Erklärung: Die erfolgreiche Reihe von F. Paul Wilson um HANDYMAN JACK spielt quasi in einem eigenen kleinen Universum, in dem sich auch die Ereignisse um den Widersacher abspielen. Der Roman DIE GRUFT kann daher eigenständig gelesen werden, auch wenn er Bestandteil des WIDERSACHER-Zyklus ist. Aber in der Reihe um HANDYMAN JACK spielt eben auch der Widersacher immer eine mehr oder weniger gewichtige Rolle, ohne das es jetzt den Lesegenuss eines Einzelroman schmälern würde. Der Widersacher ist für sich genommen quasi der rote Faden der sich durch dieses eigene Universum schlängelt. Wer aber die Abenteuer von HANDYMAN JACK zu lieben beginnt, der wird den WIDERSACHER-Zyklus nicht missen wollen. Ist der Zyklus doch so eine Art Grundgerüst dieses von F. Paul Wilson kreierten Universums.

Wenn die Sammelwut einen packt:
Jetzt mag sich aber jeder Fragen, warum sucht der Mann denn gebrauchte Romane aus der Reihe um HANDYMAN JACK? Die Frage ist schnell geklärt, denn der Verlag BLANVALET (Verlagsgruppe Random House) hatte seinerzeit 9 Romane um HANDYMAN JACK im Programm, die aber neuwertig längst nicht mehr im Handel erhältlich sind und (leider)manchmal über entsprechende Internetportale wie AMAZON usw. auch ziemlich teuer (manches Taschenbuch kann bis zu 30 Euro zu Buche schlagen)gehandelt werden. Die legendäre Nummer 1 und dann ab Band 10 usw. gibt es aber brandneu im FESTA Verlag zu erstehen, so das z.B. dieses Jahr der Roman DURCH DAS SCHWERT (12. Handyman Jack Thriller) als deutsche Erstausgabe das Licht der Leselampen erblickte.

»Ist der Abfluss verstopft, ruft man den Installateur, wurde man überfallen, ruft man die Polizei, aber wenn die Du-weißt-schon-was am Dampfen ist, wird es Zeit Handyman Jack zu rufen.«

(Zitat: New York Daily News)

Was erwartet euch in der Gruft:
Wirkliche Lust zu arbeiten hat Handyman Jack eigentlich nicht. Er knabbert immer noch daran, dass seine große Liebe Gia mit ihm Schluss gemacht hat. Denn langsam musste sie sich fragen, wer Jack eigentlich überhaupt ist? Was für ein Mensch war er wirklich? Und das was er tat um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, schien ihr wirklich alles andere als zu gefallen, als sie es endlich erfahren hatte. Und gerade im Hinblick auf ihre kleine Tochter Vicky fragte sie sich ernsthaft, wie weit Jack seine gewalttätige Ader unter Kontrolle hatte. Das Vicky Jack abgöttich liebt und in ihm quasi schon einen Vater sieht, macht dieses Problem für Gia auch nicht gerade einfacher. Als dann aber auch eine der Tanten ihres Ex-Mannes, mit denen sie sich immer noch bestens versteht, spurlos verschwindet, bleibt ihr nichts anderes übrig als Jack zu kontaktieren. Zudem hat Tante Nellie (die Schwester der Verschwundenen) darauf bestanden das Gia Jack hinzuzieht, denn die Polizei ist schon nach kurzer Zeit mit ihrem Latein wohl am Ende und die Polizei ist bekanntlich ein rotes Tuch für Jack. Jack selbst sieht darin jedenfalls eine Chance, seine Beziehung zu Gia zu retten, dafür sucht man auch schon mal liebenswerte, ältere Tanten.

In diesem Sinne hat Jack also eigentlich auch überhaupt keine Zeit für einen anderen Auftrag. Doch irgendwie lässt dieser Inder mit   Namen Kusum Bakhti nicht locker. Soll Jack doch eine Halskette für ihn wieder beschaffen, bei dessen Raub seine Mutter im Krankenhaus gelandet ist und scheinbar durch die Gewaltanwendung bereits im Sterben liegt.

Bald stellt sich heraus das die Halskette nicht von wirklichem Wert ist, also weder aus Gold, Platin oder Silber gefertigt wurde, aber, wie Bakhti betont, für seine Familie von unschätzbarem ideellen Wert sei. Die Wiederbeschaffung ist für Jack dann letztendlich nicht das größte Problem. Viel problematischer ist, dass die Kette irgendwie im Zusammenhang mit der verschwundenen Tante steht. Und bald sieht sich Jack mit einem jahrhundertealten Fluch und einer höllischen Brut dämonischer Wesen konfrontiert, die es auch auf Gias kleine Tochter Vicky abgesehen haben. Für Jack verrinnt die Zeit und um Vickys Leben zu retten, muss er auch hinter das Geheimnis der seltsamen Halskette gelangen. Und welche Rolle spielt Bakhtis jüngere Schwester, die bildschöne Kolabati in diesem Spiel des Grauens?

»Die Gruft ist einer der besten all-out adventure Romane die ich in den letzten Jahren gelesen habe.«

(Zitat: Stephen King – Präsident des Handyman-Jack-Fanclub)

Die GruftWisst ihr was ein Rakosh ist?
Nein? Dann fragt einen Inder eures Vertrauens. Na gut, so viel will ich euch verraten, als Rakosh bezeichnet man die dämonischen Wesen in diesem Roman und die haben es in sich, mehr sei hier nicht verraten. Verraten sei aber hier schon mal, dass F. Paul Wilson auch eine Kurzgeschichte mit dem Titel DER LETZTE RAKOSH geschrieben hat, die man wiederum in dem Hardcover-Band HANDYMAN JACK – ERZÄHLUNGEN nachlesen kann. Aber auch dieses Buch, erschienen 2008 im FESTA Verlag, muss man leider auf dem Gebrauchtmarkt erstehen, denn diese Kurzgeschichtensammlung mit und um HANDYMAN JACK ist leider beim Verlag schon seit einiger Zeit vergriffen.

»Metalltrümmer und brennende Holzstücke prasselten bei ihrer Rückkehr aus dem Himmel auf die Bucht herunter und zischten und dampften, als sie auf das Wasser trafen. Jack wurde Zeuge, wie der Rakosh den Kopf in den Nacken warf und ein unirdisches Geheul ausstieß, so traurig und verloren, dass er ihm beinahe leidtat.«

(Zitat: DIE GRUFT/Seite 455)

Was ist denn nun an Jack ein „Antiheld“?
Irgendwie hat man bei Handyman Jack zuerst den Eindruck, man hätte es mit einem Privatdetektiven zu tun, wie man es in der Krimi und Thriller Literatur zur genüge kredenzt bekommt (manche Leute nennen so etwas Klischee). Fehlt nur noch das der so betreffende Held ehemals mal ein Polizist war (das sprichwörtliche Sahnehäubchen auf dem Klischee). Beides muss aber nicht heißen, dass der Roman damit automatisch schlecht wäre.

Bei Jack trifft beides nicht zu. Er meidet die Polizei, denn wenn er einen Auftrag übernimmt, ist der Grad zwischen Legalität und Illegalität kaum noch zu erkennen. Und da Jack diese Grenze ohne größere Skrupel gerne mal übertritt, ist die direkte Nähe zur Polizei eben nicht gerade eine intelligente Entscheidung. Das positive bei seinem Job ist, man bezahlt keine Steuern weil man eigentlich gar nicht existiert. Da man also auch kein Konto auf einer Bank sein eigen nennen kann um Zinsen zu kassieren (so klein sie auch sein mögen), sollte man Jack besser gleich in bar bezahlen.

Wenn Jack also einen bösen Buben erwischt, dann wandert dieser nicht durch seine Hand hinter Gittern. Dafür sollte dieser aber schon eine gewisse Vorstellung davon haben, wie viele Knochen man im Körper hat, die ein Handyman Jack einem brechen kann. Und wenn man bei Jack in den Lauf einer Pistole blickt, sollte man lieber keine Wetten darüber abschließen, ob Jack Skrupel hätte, hier den Finger zu krümmen. Seine Aufträge erhält Jack z.B. durch Zeitungsanzeigen mit dem Hinweis, dass er für sie bestimmte „Dinge“ repariert. Wenn sie ihn also anrufen, weil gerade ihre Wasserleitung leckt, dann rechnen sie nicht mit einem Rückruf. Ist die Sache aber eine heikle Angelegenheit, dann dürften sie bald einen Termin für eine schummrigen Ecke in einer Kneipe erhalten, um Jack ihr Problemchen anzutragen.

F. Paul WilsonKlingt also alles nicht nach einem moralisch und ethisch keimfreien Helden. Stimmt. Und doch, sie als Leser werden Jack lieben. Denn eines ist Jack nicht – ein Auftragskiller. Er geht nur eben nicht die üblichen Wege, die ein Privatdetektiv oder Polizist zu nehmen pflegt, weil Gesetze und Vorschriften einem immer Knüppel zwischen die Beine werfen.

Insgesamt ist DIE GRUFT ein Thriller der perfekt Realismus und Phantastik vereint, ohne dabei irgendwann eventuell ins  lächerliche abzugleiten. Vielmehr fängt man schon nach kurzer Zeit an, mit den verschiedenen Charaktere quasi mitzufiebern. Selbst die Bösen besitzen hier Ecken und Kanten, die sie irgendwie wieder menschlich erscheinen lassen. Ja, nimmt man z.b. hinzu, unter welchen Bedingungen, Voraussetzungen und Werte mancher aufgewachsen ist, kann man sogar ein Gefühl des Verstehens als Leser in sich aufkeimen spüren, ohne jedoch das Ziel aus den Augen zu verlieren.

F. Paul Wilson weiß sehr genau, wie er seine Figuren innerhalb der Handlung entfalten muss, um beim Leser jeweils eine gewisse persönliche Nähe zu ihnen zu wecken. Da wird z.B. mit Vicky ein kleines Kind vom Autor in Szene gesetzt, dass man als Leser bald selbst gerne in den Arm nehmen würde um es vor allen Gefahren der bösen Welt zu beschützen. Rechnen sie sich also selber aus, wie sie dann als Leser förmlich mitfiebern, um es dann aus den Klauen höllischer Wesen wieder befreit zu sehen. Kurz und knapp: DIE GRUFT ist eine schon perfekte Mischung aus nervenaufreibendem Thriller und düsterstem Horror, die den Leser an die Seiten fesselt, während sich die Action zu dessen Freude förmlich überschlägt.

Die Gruft
(The Tomb)
Handyman Jack Reihe (und Widersacher-Zyklus)
von F. Paul Wilson
Übersetzung: Michael Plogmann
464 Seiten / 13,95 €
Ausführung: Paperback/Umschlag in Lederoptik
FESTA Verlag

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