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Sardor - Am See der Finsternis

Zieglers SadorSardor zum Zweiten
 Am See der Finsternis

Dietrich von Warnstein marschierte keuchend weiter. Die Augen hinter dem Glas der Fliegerbrille hielt er starr auf das Metall des Ahnenwegs gerichtet, die Hände waren tief in den Seitentaschen seiner gefütterten Lederjacke vergraben. Die Kälte, der Schnee, der schneidende Wind - barbarisch. Eisnadeln trafen sein ungeschütztes Gesicht; er senkte den Kopf, damit sie ihm nicht die ganze Haut zerstachen. Der Atem hing als weiße Fahne vor seinen blaugefrorenen Lippen. Ein Fluch entschlüpfte ihm.


Zieglers SadorMit AM SEE DER FINSTERNIS gehen die Abenteuer des deutschen Jagdfliegers Dietrich von Warnstein, genannt Sardor, in der fremden Welt weiter. Ihm zur Seite steht Churm, der letzte Hornmann, der ihm im Kampf gegen die Kummerspinne zur Seite steht. Danach geht die Reise der beiden so ungleichen Kampfgefährten weiter bis von Warnstein schließlich den Kampf gegen die Mutter der Mahre aufnehmen muss.

Auch in AM SEE DER FINSTERNIS fällt sofort der kurze und prägnante Schreibstil des Autors THOMAS ZIEGLER auf, der immer noch surrealistische Züge aufweist, besonders dann, wenn der SF-Autor die magische und fremdartig wirkende Welt Sardors beschreibt, über die der Leser allerdings auch im zweiten Band der SARDOR-Trilogie nur sehr wenig erfährt.

Leider ist die Handlung des Romans etwas zu einfach gestrickt und durch die gerade mal 185 Seiten auch zu sehr gerafft, als dass man von den Abenteuern von Dietrich von Warnstein und Churm in irgendeiner Weise fasziniert sein könnte. Erst im letzten Drittel des Romans überschlagen sich die Ereignisse, wenn es zum Kampf gegen die Mutter der Mahre kommt.

 

Zieglers SadorSardor zum Dritten
Der Bote des Gehörnten

von Thomas Ziegler & Markolf Hoffmann
In DER BOTE DES GEHÖRNTEN sieht man ab der zweiten Hälfte des Romans schon die Unterschiede zwischen dem Autor Thomas Ziegler und dem 'Co-Autor' Markolf Hoffmann, der den Roman zu Ende geschrieben hat. Stammten die ersten fünf Kapitel noch aus der Feder von Ziegler, sind die Kapitel sechs bis zehn, also von DIE GLOCKE VON GORM bis HEIMKEHR, von Hoffmann verfasst, der sich zwar Mühe gibt, dem Roman aber ein etwas seltsam anmutendes Ende verpasst, mit das er nicht gerade überzeugen kann.

Doch lassen wir Markolf Hoffman kurz einmal selbst zu Wort kommen.

"Ich kannte Thomas Ziegler nicht, hörte den Namen zum ersten Mal, als mich aus dem Lektorat des Golkonda Verlags die Frage erreichte, ob ich nicht den Boten des Gehörnten zu Ende führen wollte. Ich habe lange gezögert; zu vermessen erschien mir diese Aufgabe, zu gewichtig die obigen Befürchtungen. Aber spätestens nachdem ich den Dialog zwischen dem Schwarzen Mirn und dem Bosling im ersten SARDOR-Band gelesen hatte, ließ mich das wildwuchtige Fantasy-Epos nicht mehr los.

Und ich verstand es als Herausforderung, dem halbfertigen Roman im Sinne Thomas Zieglers zu einem würdigen Ende zu verhelfen ... zumal genügend Freiraum für eigene Ideen blieb, da als Vorgaben im Nachlass des Autors nur die Titel der fünf unvollendeten Kapitel gefunden worden waren, von der »Glocke von Gorm« bis zur verheißungsvoll-bedrohlichen »Heimkehr«. Diesen Freiraum habe ich weidlich genutzt, ohne je zu vergessen, auf welch mächtigen Schultern diese kirschrote Welt ruht, die ich nun mit blutiger Feder zunichtemachen durfte."

Fazit: Faszinierend ist die SARDOR-Trilogie durchaus. Mir persönlich gefiel der erste Band am besten, weil darin die Unterschiede zwischen der Welt des deutschen Erste-Weltkrieg-Fliegers Dietrich von Warnstein und der Welt von Sardor am besten zum Vorschein kommt, auch wenn man leider nicht sehr Hintergrundinformationen zu dieser phantastischen Welt erfährt. 

Dagegen wirkt AM SEE DER FINSTERNIS etwas uninspirierend und trotz der kurzen und prägnanten Sprache von Ziegler etwas langatmig, auch weil der Roman etwas braucht, bis er in die Gänge kommt. Was bei gerade mal knapp 185 Seiten etwas fatal wirkt.

Der Abschlussband DER BOTE DES GEHÖRNTEN hätte etwas werden können, wenn nicht Thomas Ziegler frühzeitig verstorben wäre, so dass nach seinem Tod, nur die Hälfte des Romans vorlag. Markolf Hoffman gibt sich zwar viel Mühe, aber es gelingt ihm nur annähernd an den einzigartigen Schreibstil von Thomas Ziegler heranzukommen, so dass mich die zweite Hälfte des Romans, und insbesondere das Ende, nicht unbedingt vom Hocker gehauen hat. Hier wäre mehr drin gewesen.

Ein kurzes Wort noch zu den Titelbildern, die nicht gerade sehr ansprechend wirken. Legt man die drei SARDOR-Romane nebeneinander, ergibt sich ein Komplett-Bild von einer etwas surreal wirkenden Landschaft. Als alter Fantasy-Fan kann ich jedoch persönlich wenig mit diesen Titelbildern anfangen. Ein paar fantasyvollere Bilder im Stile von Ken Kelly, Frank Frazetta, Boris Vallejo etc. hätten dagegen viel besser zum Inhalt gepasst.

Sardor 2: Am See der Finsternis
von Thomas Ziegler
Klappenbroschur, 185 Seiten
ISBN 978-3-942396-52-3
14,90 Euro

Sardor 3: Der Bote des Gehörnten
von Thomas Ziegler und Markolf Hoffmann
Klappenbroschur, 193 Seiten
ISBN 978-3-942396-53-0
14,90 Euro

Golkonda

© by Ingo Löchel

 

 

Kommentare  

#1 Lefti 2014-03-26 11:06
Zitat:
Ein kurzes Wort noch zu den Titelbildern, die nicht gerade sehr ansprechend wirken. Legt man die drei SARDOR-Romane nebeneinander, ergibt sich ein Komplett-Bild von einer etwas surreal wirkenden Landschaft. Als alter Fantasy-Fan kann ich jedoch persönlich wenig mit diesen Titelbildern anfangen. Ein paar fantasyvollere Bilder im Stile von Ken Kelly, Frank Frazetta, Boris Vallejo etc. hätten dagegen viel besser zum Inhalt gepasst.
Einerseits haben die Leute vom Golkonda Verlag ein glückliches Händchen, was die Titelbilder der alten Captain Future und Hellboy-Roman(e) zeigen (vom Titelschriftzug abgesehen); andererseits sind die Cover von Sardor, Kane und den neuen Captain Future-Ausgaben schlicht ein Verbrechen! :-x
Ich glaube eher, dass die Lizenzen der alten Captain Futures und bei Hellboy die Titelcover mitenthalten haben.

Andererseits, wenn der Golkonda Verlag sich Captain Future und Kane annimmt... vielleicht nimmt er sich auch den John Carter-, Pellucidar- und Venus-Zyklen an?!
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#2 Carn 2014-03-26 14:53
Die TiBis sehen in der Tat etwas eigenartig aus - auf Fantasy-Literatur weisen Sie beim ersten Betrachten nicht unbedingt hin...
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#3 Valerius 2014-03-26 18:32
Bei den alten CAPTAIN FUTURE - Romanen wird ja auch auf die Original-Titelbilder der entsprechenden Pulp-Magazin-Ausgaben zurückgegriffen.
Und ja, auch das Titelbild zur ersten Kane-Ausgabe vom Golkonda Verlag sieht auch nicht sehr ansprechend aus. Hier hätte man vielleicht auch auf Titelbilder von Ken Kelly etc. zurückgreifen sollen.
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#4 Carn 2014-03-26 19:29
Ja, Valerius, das KANE-Cover is auch nix - da denke ich mit Wehmut an die herrlichen alten Frazetta-Cover. Menschenskind, es gibt doch genug Illustratoren, die da etwas Heroic-Fantasy-mäßiges hingebastelt bekommen. Zur Not hätte ich mich da auch angeboten :)
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#5 Torshavn 2014-03-27 06:53
Ich bin sehr froh, das Golkonda sich der alten Bücher annimmt. Da nehme ich fast gerne die 'miesen' Cover in Kauf. Auch wenn das im Verkaufsgespräch zusätzliche Überzeugungskraft benötigt.
Wenn sich schon Piper, Heyne und Bastei nicht mehr um die Klassiker kümmern. Ich hoffe Michael Moorcock findet auf diesem Weg wieder zurück in den deutschen Buchhandel.
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#6 Lefti 2014-03-27 09:23
Die Cover von Sardor sind sowas von nicht ansprechend! Wer sich solche Cover bei einem angeblichen Nischenprodukt mit nur 190 Seiten und einem Verkaufspreis von 14,90 € leisten kann und auf 'Verkaufsgespräche' mit zusätzlicher Überzeugungskraft, statt einem tollen Cover als Eyecatcher setzt... bitte schön! :-?
Von Michael Moorcock ist noch so viel auf dem gebrauchten Büchermarkt zu günstigen Preisen und guten Zuständen im Umlauf, dass sich eine Neuauflage, in der ein einziger Roman ca. 15,- € kosten würde, sicher (noch) nicht lohnen würde.
Ich denke eher, dass sich diesbzgl. eine HC-Variante, wie Klett-Cotta sie von Autoren wie J.R.R. Tolkien, Patrick Rothfuss und Ted Williams produziert, wesentlich besser machen würde.

@Valerius: Ist denn der Sardor mit John Carter zu vergleichen?

In den USA ist eine (positive) Rückentwicklung zur Retro-SF ala Flash Gordon zu beobachten, allerdings wohl nur im ebook-Bereich. Dort gibt es herrlich aufgemachte Internet-Seiten, von denen man entsprechende Pulp-Comics und Pulp-Stories downloaden kann. Quasi eine Entwicklung von Steampunk hin zur Retro-SF, bzw. Science Fantasy, in der ebenfalls viele Steampunk-Elemente zu finden sind. Ich finde, dass es da durchaus fließende Übergänge gibt. So gesehen würde man dort bestimmt auch anständige Cover für Sardor finden.
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#7 Valerius 2014-03-27 10:42
@ Lefti:
Nein, Sardor läuft auf einer ganz anderen Schiene. John Carter erlebt ja seine Abenteuer auf dem Mars, ist also SF.
Sardor hingegen ist Fantasy. Dietrich von Warnstein wird ja während des Ersten Weltkrieges mit seinem Flugzeug in die Welt Sardors katapultiert, wo der Geist Sardors in ihm wiedergeboren wird und er den Kampf gegen Böse aufnimmt. Dabei steht ihm Churn, der letzte Hornmann, vermutlich ein Zwerg, hilfreich zur Seite. Das Problem ist jedoch bei Sardor, dass man über die Fantasy-Welt so gut wie gar nichts erfährt. Auch nicht über die Vergangenheit, im speziellen über Sardor.
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#8 Andreas Decker 2014-03-27 11:22
Diese Ausgabe ist eine Enttäuschung. Immerhin geht es um einen verstorbenen Autor. Da hätte man Informationen zu seinem Werk, dem Menschen oder zumindest zu diesem Werk erwarten können. Beispielsweise gehört in so eine "Gesamtausgabe" auch die Kurzgeschichte, die den Grundstein zu Sardor lieferte. Für 45 Euro wäre das wirklich nicht zuviel verlangt gewesen.

Moorcock ist ja im Ausland ja noch immer dabei, seine Romane mal wieder rauszubringen. Teilweise zum x-ten Mal bearbeitet. Dafür finden sich hierzulande (leider) keine Käufer mehr. Oder nicht genug, dass da die Kosten wieder reinkommen.
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#9 Carn 2014-03-30 10:44
Es ist mir ein echtes Rätsel wie man mit solchen Covern ein Heroic-Fantasy-Publikum locken will (?) Habe ich im Golkonda-Interview noch die Lansdale-Cover über den grünen Klee gelobt (und das zu recht), so stürzt man hier schräg ab - ich kann mir eigentlich nur ausmalen, dass man einen halbnackten Kerl mit Schwert als zu plakativ empfindet (wobei man Kane nun nicht in der Frazetta-Weise proträtieren müßte. Aber wenn man schon den Roman mit der Hauptfigur (KANE) betitelt, sollte eigentlich schon ein Porträt das Cover schmücken - wobei ich auch den Schriftzug für total mißlungen halte - wie eine Covergestaltung derart (gesamtheitlich) in die Hose gehen konnte ist mir ein Rätsel...
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#10 Andreas Decker 2014-03-31 09:54
zitiere Carn:
Es ist mir ein echtes Rätsel wie man mit solchen Covern ein Heroic-Fantasy-Publikum locken will (?) Habe ich im Golkonda-Interview noch die Lansdale-Cover über den grünen Klee gelobt (und das zu recht), so stürzt man hier schräg ab - ich kann mir eigentlich nur ausmalen, dass man einen halbnackten Kerl mit Schwert als zu plakativ empfindet (wobei man Kane nun nicht in der Frazetta-Weise proträtieren müßte. Aber wenn man schon den Roman mit der Hauptfigur (KANE) betitelt, sollte eigentlich schon ein Porträt das Cover schmücken - wobei ich auch den Schriftzug für total mißlungen halte - wie eine Covergestaltung derart (gesamtheitlich) in die Hose gehen konnte ist mir ein Rätsel...



Das Kane-Cover ist schrecklich. Es muss nicht immer Frazetta sein, gerade bei der Figur Kane wäre so viel möglich gewesen. Aber das ist einfach nur lahm.
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#11 Valerius 2014-03-31 10:58
Die US-amerikansiche Hardcover-Ausgabe, in dem die Kane-Romane komplett enthalten sind, hat ein sehr schönes
Cover von Ken Kellly, das hervorragend
zum Inhalt der Romane passt. Das wäre ein sehr guter
Blickfang für den ersten Kane-Roman von Golkonda gewesen.
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#12 Carn 2014-04-01 19:20
Du meinst das Cover mit Kane, sehr hellhäutig, mit beiden Armen seine Axt schwingend, auf dem schwarzen Hengst - ja wirklich sehr ausdrucksstark, eine tolle Interpretation und ein starker Eyecatcher!
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