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Ein Einblick in das Unheimliche – Oliver Susami: S3

S 3Ein Einblick in das Unheimliche
Oliver Susami: S3

Eines sei hier zur Erklärung voraus geschickt. Wenn sie das Buch von Oliver Susami mit dem Titel S3 in Händen halten, so werden sie bald feststellen, dass sie keinen üblichen Roman zu lesen bekommen. Ob sie das, was sie lesen werden, letztendlich glauben oder nicht, bleibt ebenfalls von meiner Seite aus ihnen überlassen. Auch die von mir eingeschobenen Zitierungen stammen nicht aus dem Buch, sondern sind Ausschnitte vom Text des Buchrückens und sind wie ersichtlich, zeitlich angeordnet.


S 3Auch werde ich hier keine Zitierungen aus dem Interview verwenden, das Christian Sidjani dankenswerter Weise mit dem Autor Oliver Susami zu seinem Buch S3 in seinem Blog geführt hatte. Daraus festzuhalten ist jedoch, das laut Aussage von Oliver Susami, der zur Zeit in Köln lebt, die aufgezeichneten Mitschnitte der Interviews, die in seinem Buch vorkommen, nach wie vor in seinem Besitz sind. Der Bibliothekstrakt S3 der Universität besteht jedoch nach Aussage des Autors nicht mehr in der dargestellten Form, da durch das auffinden von Asbest im Gebäude eine umfangreiche Sanierung stattgefunden hat. Die Form des Ich-Erzählers wählte Oliver Susami in seinem Buch eben deshalb, weil es sich im Roman um seine Person handelt und es sich um die von ihm gemachten Interviews, ihm zugetragene Erzählungen und eigene Erlebnisse handelt. Kleinere Ausschmückungen die laut Oliver Susami im Buch durchaus vorhanden sind, dienen dazu, die Handlung in einen flüssigen Guss zu bringen.

Anfang Februar 2008 erzählte mir eine Mitstudentin, ihr sei im Untergeschoss der Universitätsbibliothek, im Buchbereich S3, etwas Unheimliches passiert. Schon zuvor hatte ich von unerklärlichen Ereignissen in diesem Bereich gehört. Ich entschloss mich, eine Art „Untersuchung“ zu S3 zu machen.

(Oliver Susami: S3 / Klappentext)

Ein weiterer Fakt, der das Buch in den Bereich eines Tatsachenbericht rückt ist das Cover-Motiv. Dieses Foto stammt laut Aussage des Autors von einem Studienfreund, der hier den Korridor eingefangen hat, den er am 30. April 2008 betrat. Eigentlich zeigt dieses Bild erst einmal nicht mehr als eben einen Ausschnitt des Korridors im Dunkeln und eben die Metalltür am Ende. Man könnte also sagen, wenn der Autor es darauf anlegt, den Leser zu gruseln, hätte er sich ein eindringlicheres Motiv wählen können. Jedoch, wenn man das Motiv erst einmal richtig auf sich wirken lässt, dann wird einem durchaus etwas mulmig zu Mute. Jedes reißerische Motiv hätte zudem dem Sinn eines „Tatsachenbericht“ entgegen gestanden und diese Aussage als Absurdum geführt.

Ein weiterer Blickfang befindet sich mit der Zeichnung des Bereich S3 auf Seite 6. Sie hilft durchaus dem Leser, sich ein räumliches Verständnis zum S3 Trakt zu machen.

Zwischen Februar und April 2008 führte ich mehrere Interviews mit Studenten und Mitarbeitern der Bibliothek, sammelte Berichte unheimlicher, unerklärlicher Erlebnisse. Auch verbrachte ich selbst viele Abende alleine auf S3. Es herrscht eine unheimliche Atmosphäre da unten. Es ist dunkler als in anderen Bereichen der Bibliothek, mir kommt es auch kälter vor. Und gerade abends ist es sehr ruhig, stundenlang keine Geräusche.

(Oliver Susami: S3 / Klappentext)

Die Besonderheit des Buches besteht auch darin, das es hier keine romanhaft flüssige Handlung gibt, die mit dem Element der sich steigernden Spannung arbeitet und so einem gewissen gefälligen Stil folgt. Vielmehr besteht ein nicht unwesentlicher Teil aus Abschriften der Interviews, die nicht um Äußerungen wie „Äh“ oder „Ähm“ durch die Personen bereinigt wurden. Auch Versprecher und Grammatikfehler wurden nicht bereinigt, um die Interviews möglichst Originalgetreu wieder zu geben (wortgetreue Transkripte von Tonbandaufnahmen). Und schon Eingangs wird darauf hingewiesen, dass aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes alle Namen geändert wurden.  

Trotzdem gelingt es Oliver Susami den Leser bei der Stange zu halten, denn wenn auch die Spannung kein Hauptelement ist, so reizt doch die Neugierde und sorgt dafür, das man dieses Buch eigentlich in Rekordzeit liest. Ein nicht unbedeutender Faktor dürfte aber auch bei Lesern der Reiz am Unheimlichen sein, der dazu führt, sich intensiv mit dem beschriebenen zu befassen. Manchmal kann ein Gänsehautgefühl einem kleinen Orgasmus ziemlich nahe kommen.

Mitte April 2008 begann ich von S3 zu träumen. Unter dem Eindruck eines Albtraumes entschloss ich mich, keine Interviews mehr zu führen und keine Zeit mehr auf S3 zu verbringen. Ich wollte Abstand gewinnen. Doch die Sache ließ mich nicht mehr los. Mittlerweile war ich mir sicher, dass dort unten etwas vor sich geht, etwas Übernatürliches.

(Oliver Susami: S3 / Klappentext)

Quasi unterbrochen und zugleich doch bereichert wird die Handlung, indem Oliver Susami eine Jugenderinnerung in die Gesamthandlung mit einpflegt. Diese hat ebenfalls ein übernatürliches Element, wobei der Autor in diesem Rückblick, wie aber auch im gesamten Buch, nie wirklich ausschließen will, das es für die Ereignisse eventuell auch eine höchst logische Erklärung geben könnte. Diese Möglichkeiten werden stets eingebracht und durchweg abgeklopft um letztendlich doch den Leser im Zweifel zu belassen. Denn eigentlich logische Erklärungen greifen nicht, wenn eben die dafür benötigten Voraussetzungen einfach nicht vorhanden sind. Und genau hier taucht dann doch das Element der Spannung bei den Lesern auf, die gefesselt an der weiteren Entwicklung, dem weiteren Verlauf kleben bleiben. Und da sei von mir aus ein kleiner Tipp eingefügt: Nicht jeder sollte das Buch in der Nacht im Bett lesen, denn schnell bekommen dabei eigentlich völlig normale Geräusche in der Nacht eine gewisse Eigendynamik, die einem ruhigen Nachtschlaf eher im Wege stehen dürften.

Ende April 2008 verbrachte ich drei Nächte im Untergeschoss der Bibliothek. Seit der dritten Nacht betrete ich S3 nicht mehr.

(Oliver Susami: S3 / Klappentext)

Mein Fazit zum Buch S3: Wie gesagt, ich werde hier keine Wertung abgeben, ob ich die hier dargestellten Ereignisse für wahre Begebenheit halte, oder eine geschickte Form darin sehe, die Thematik des Übernatürlichen zu verpacken. Für die einen mag es durchaus die gelungene schriftliche Form eines „Blair Witch Project“ sein, für andere wird das Buch eventuell die eine oder andere unheimliche Geschichte wieder ins Gedächtnis rufen, die man eventuell selbst einmal gehört hatte, sei es aus dem Familien- oder Freundeskreis. Der Autor jedenfalls garantiert zu Anfang, das alles so wie geschildert passiert ist und nichts hinzuerfunden wurde.

Sollte es der Realität nicht entsprechen, so macht der Autor jedenfalls nicht den Fehler, das Ende reißerisch zu überfordern und damit die Grenze zur Glaubwürdigkeit zu überschreiten. Dabei ist der Gänsehautfaktor trotzdem recht hoch und das Gefühl der Bedrohung wird beim lesen durchaus individuell spürbar. Sollte es jedoch wie beschrieben den Tatsachen entsprechen, so ist dem Autor zu danken für die dezente Wiedergabe. Denn für andere Autoren wäre die Thematik vielleicht wohl eher das Grundfundament, um daraus einen Horror-Schocker zu kreieren, in dem es zumindest am Ende heftig und blutig zugehen dürfte.

Grundsätzlich halte ich es in diesem Punkt mit dem Spruch, das es zwischen Himmel und Erde noch eine Menge gibt, das wir weder erklären noch begreifen können. Und in diesem Sinne wirkt S3 geradezu realistisch. Natürlich würden andere sehr schnell plausible Erklärungen liefern können, wie es bereits einmal in einer ähnlichen Thematik, in einer Spezial-Sendung von Gallileo (Sender Pro 7) gemacht wurde. Einiges an diesen rationalen Erklärungen mag auch richtig sein, ob es jedoch wirklich in der gesamten Bandbreite so einfach abzutun ist, möchte ich schlicht bezweifeln. In diesem Sinne kann ich Oliver Susami's Buch S3 wirklich nur empfehlen, egal welchen Wahrheitsgehalt man als Leser ihm letztendlich persönlich zugestehen will.
S 3
Daten zum Roman:
S3
von Oliver Susami
Erstausgabe: November 2012
Genre: Tatsachenbericht
ISBN: 978-1481079341
Preis: 8,99 Euro/Taschenbuch
Seitenanzahl: 196 Seiten
CreateSpace Independent Publishing Platform (Amazon Distribution)

Kommentare  

#1 Cookie 2016-03-11 08:19
Ich habe S3 gerade zu Ende gelesen und muss sagen: wow. Ich hatte recht hohe Erwartungen an das Buch und wurde nicht enttäuscht. Der Stil ist im ersten Moment gewöhnungsbedürftig, lässt das erzählte aber realistisch erscheinen.

Anfangs dachte ich mir noch, dass ich bis zum Ende sicher weiß, ob es wahr oder eine Erfindung ist, aber ich bin mir immer noch nicht sicher. Sicher bin ich mir nur, dass es mehr auf der Welt gibt, als wir mit Sicherheit wissen.

An einigen Stellen mochte ich nachts sogar nicht weiter lesen und habe dann bis zum nächsten Tag gewartet. Das passiert mir selten, aber gerade der Realitätsanspruch ist mir manchmal sehr nah gegangen. Von meiner Seite aus also auch eine absolute Leseempfehlung.
#2 Laurin 2016-03-11 22:02
Da kann ich dir nur zustimmen, Cookie. S3 ist schon eine Klasse für sich und hinterlässt durchaus Spuren beim Leser. Mir persönlich blieb viel von diesem Buch in Erinnerung und mittlerweile habe ich es bereits zweimal gelesen.
Selbst wenn Susami hier eine rein fiktive Story erzählen sollte, hebt er sich mit dieser extrem positiv vom normalen Mainstream ab.

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