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Das Elend mit dem goldenen Käfig - »Spencer«

SpencerDas Elend mit dem goldenen Käfig
»Spencer«

1991 - es ist mal wieder Weihnachten und die königliche Familie trifft sich auf ihrem Landsitz Sandringham House in Norfolk. Auch Prinzessin Diana befindet sich alleine auf dem Weg dorthin, scheint sich allerdings etwas verfahren zu haben, weil sie mehr ihren privaten Gedanken nachgehangen hatte. Dann trifft sie aber zufällig auf den königlichen Koch ihrer Majestät, Darren McGrady. Doch statt sich ihm gleich anzuschließen, sucht sie auf einem nahen Feld erst einmal eine Vogelscheuche auf.

SpencerDenn die wurde mit einer Jacke versehen, welche Diana nur zu gut kennt. Schließlich ist sie ja genau hier selbst sogar als Kind geboren und aufgewachsen. Und so schwelgt sie denn auch in früheren Erinnerungen, was natürlich dazu führt, dass sie mal wieder unpünktlich im königlichen Sandringham House eintrifft. Und dies wird wie so vieles andere von der Queen nicht gerade mit Verständnis bedacht. Allerdings führt dies auch nie wirklich zu einem offenen Streit. Dafür fühlt sich Diana immer mehr wie in einem goldenen Käfig unter ständiger Überwachung, was ihr immer mehr die Freiheit einzuschränken scheint.  Allerdings wird es auch das letzte Weihnachtsfest sein, welches Diana mit dem Thronfolger Charles als Ehepaar verbringen wird. Denn der gibt sich auch nicht unbedingt mehr die größte Mühe, seinen Affäre mit Camilla Parker Bowles vor Diana zu verheimlichen. Am Ende dieses Fest wird Diana daher eine Entscheidung fällen, um diesem goldenen, aber gefühllosen Käfig endlich zu entfliehen.

Ob es aber wohl genau so ablief ...
... kann man allerdings zu Recht eher bezeifeln, da doch recht vieles im Film rein fiktiv ist. Denn hier hatten auch die Macher des Film SPENCER eigentlich keine direkten Einblicke in die besagten Festtage auf Sandrinham House erhalten. Allerdings geht es Regisseur Pablo Larrain und auch dem Autor des Drehbuch, Steven Knight nicht wirklich darum, hier nun akribisch den genauen Hergang mit dem entsprechenden Wortlaut nachzuvollziehen.

Vielmehr will man den Zuschauer in die gefühlskalten Umstände eintauchen lassen, in denen Diana während ihrer glücklosen Ehe mit Prinz Charles gefangen war. Und hier spielt Charles ebenfalls nur wieder eine Rolle von vielen, denn auch die Queen samt ihrem Hofstaat sorgen dafür, dass sich die eigentlich lebenslustige junge Prinzessin immer mehr wie eine Gefangene vorkommt, der man das ganze Leben nach den königlichen Regeln vorschreiben will.

Nicht umsonst scheint Major Alistar Gregory im Auftrag der Queen offenbar jeden kleinen Schritt der Prinzessin zu überwachen. So näht man z.B. der Prinzessin sogar einfach die Vorhänge zu, da diese sie auch beim ankleiden nie völlig zuzieht. Als Grund werden ihr mögliche Fotografen der Boulevardmedien genannt, die in der Nähe des königlichen Anwesen gesichtet worden sein sollen. In Wahrheit ist es jedoch eine eher perfide Form, Diana vor Augen zu führen, dass sie offenbar für die Medien interessanter ist, als die Queen selbst. Und dies wird eben nicht gerade in der Königfamilie und besonders seitens Elisabeth II geschätzt.

Aber auch sonst wirkt das frostige Verhalten über die Festtage eher wie ein Gefängnis auf Diana. So wird Ihr sogar vorgeschrieben welche Kleider sie z.B. zu welchem Anlass des Tages zu tragen hat, oder ob und wann sie das Haus verlassen darf und wann nicht.

Das ganze wird hierbei recht interessant unterlegt mit Traumsequenzen bzw. Visionen seitens Diana selbst, welche ihre seelische Zerissenheit in den letzten Zügen dieser unglücklichen Beziehung zu Charles und der Königsamilie aufzeigen sollen. Ein wirklich tieferes Verständnis oder liebevolle Zuwendung findet Diana hier faktisch nur bei ihren beiden Söhnen William und Harry, als auch in der ihr freundschaftlich ergebenen Hofdame Maggie, die fast wie eine Schwester für Diana ist.

SpencerNun bin ich wirklich ...
... kein Fan diverser Königshäuser dieser Welt. Oder anders gesagt, handelt es sich hier für mich um Personen, die die Welt wirklich nicht mehr benötigt. Und sicherlich auch nicht die Windsors des britischen Königshaus. Und alles was mich z.B. bei der Queen bisher interessiert hatte war, ob Elisabeth II, die schon seit 1952 auf dem Thron saß - also schon bevor ich neun Jahre später geboren wurde - es auch schaffen würde, als Queen mich noch zu überleben. Unkraut hält sich ja bekanntlich sehr hartnäckig und die Windsors schienen sich in der hinsichtlich auch sehr langlebig zu halten. Also nicht das jetzt jemand glaubt, ich hätte ihr zu einem möglichst langen Leben (über 100 mit Ansage) noch die Daumen gedrückt, oder mir hätte irgendwie gefühlsmäßig etwas an ihr gelegen. Sie war einfach schon immer da, das war es dann aber auch schon von meiner Seite an Interesse.

Genau genommen hatte mich ihr Tod jetzt auch nicht wirklich berührt, auch wenn sie in letzter Zeit durchaus etwas lockerer geworden zu sein schien und offenbar auch mal echte Gefühle zeigte. Aber am Ende nahm ich ihr Ableben eben nur mit einem Überraschungsmoment von ca. 3 Sekunden zur Kenntnis.

Ganz anders war es damals allerdings bei der Princess of Wales, die im Juli 1961 eben in Sandringham als geborene Diana Frances Spencer das elektrische Licht der Welt erblickte und damit sogar rund zwei Monate jünger war als ich. Ihr plötzlicher Tod im August 1997 in Paris wirkte hingegen seltsamer Weise auf mich, der mit den eher überfinanzierten Adelsfamilien dieser Welt eigentlich noch nie etwas anfangen konnte, wie ein surreales Ereignis, was man einfach zuerst nicht glauben wollte. Diana war irgendwie immer anders in meinen Augen und offensichtlich auch in vielen Augen der anderen Menschen. Sie war von ihrer ganzen Haltung und ihrer Wärme und Menschlichkeit her eher ein freudiger Farbklecks innerhalb eines grauen Königshauses, welches schon damals völlig aus der Zeit gefallen schien.

Und dies lag einfach auch daran, das Diana nie so verstaubt wirkte wie ihr Ex-Ehemann Charles wohl bereits als Teenager. Charles nannte man ja schon damals den ewigen Thronfolger, da er einfach durch seine eiserne Mutter nicht zum Zuge kam. Allerdings Geschmack bei Frauen hatte Charles schon damals nicht, wenn man sieht, an welcher Dame sein Herz wirklich hing. Die damals noch sehr junge Diana war es jedenfalls nicht. Man hätte daher wohl besser gleich im Vorfeld die arme Diana eindringlich vor diesem Mann und der dahinter stehenden königlichen Familie mehr als ernsthaft warnen sollen. Denn das sie in dieser Beziehung nie wirklich glücklich werden würde, merkte man damals schon recht bald nach ihrer Hochzeit. Trotzdem schaffte sie es schnell, in die Herzen der Menschen in aller Welt zu gelangen, statt in die versteinerten Blutpumpen seitens der Queen und ihrem ältesten Sohn.

Mein Fazit zum Film ...
... SPENCER aus dem Jahre 2021 fällt heute durchaus für mich überraschender Weise sehr positiv aus, da es dem Film durchaus gelingt, seinen Zuschauern einen Eindruck vom bedrückenden Leben der jungen Prnzessin inmitten einer eher gefühlskalten Königsfamilie zu vermitteln, für die royale Regeln über menschlicher Wärme und Zuwendung zu stehen scheint. Das man sich hierbei im eigentlichen Handlungsverlauf so einige Freiheiten herausgenommen hatte, ist dabei nur zu verständlich. Schließlich gibt es eben keine zugänglichen Aufzeichnungen darüber, wie das letzte Weihnachtsfest wirklich detailliert in der königlichen Familie abgelaufen war. Da hielten die britischen Blaublüter eben wirklich gerne dicht um gegenüber dem eigenen Volk nur ja gut durchs Jahr zu kommen. Also war hier durchaus Phantasie seitens der Filmschaffenden gefragt, um die 116 Minuten Spielzeit (der mir vorliegenden Blu-ray) irgendwie auszufüllen, aber auch die seelische Zerissenheit der jungen Diana eindringlich transportieren zu können. Denn in erster Linie ging es hier darum aufzuzeigen, wie selbstherrlich und ohne wirkliche Empathie die königliche Familie die eigentlich lebenshungrige Diana immer mehr seelisch einzuengen versuchten, bis das sie von Charles eh betrogen, die Scheidung anstrebte. Und so bekommt man als Zuschauer auch recht gut im Film geschildert, wie der rosarote Prinzessinnentraum vieler weiblicher Heranwachsender in der Realität sich zu einem wahren Albtraum entwickeln kann.

SpencerPunkten kann der Film SPENCER ...
... aber auch mit den DarstellerInnen. Allen voran allerdings der Schauspielerin Kristen Stewart (SPEACK - DIE WAHRHEIT ÄNDERT ALLES/2004, AMERICAN ULTRA/2015 oder UNDERWATER - ES IST ERWACHT/2020), die sich hier wieder in darstellerischer Perfektion der historischen Figur seitens Diana Spencer angenähern konnte. Nicht umsonst wurde Kristen Stewart hierfür auch für ihre Rolle als Diana sowohl für die Critics Choice Awards 2022, den Golden Globe Awards 2022 als auch für die Oscarverleihung 2022 jeweils als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Ebenfalls recht interessant zeigte sich z.B. aber auch der britische Schauspieler Timothy Spall (GOTHIC/1986, HARRY POTTER UND DER GEFANGENE VON ASKABAN/2004 oder der Miniserie THE ENFIELD HAUNTING/2015) in seiner Rolle als Sicherheitsmann Major Alistar Gregory, der Diana seitens der im Film völlig gefühlsbefreiten Queen (gespielt übrigens von Stella Gonet) offenbar besonders im Auge halten sollte.

Insgesamt betrachtet kann ich den Film SPENCER, der übrigens auch an deutschen Schauplätzen gedreht und durch deutsche Filmförderungen mitfinanziert wurde, jedem nur ans Herz legen, sofern dieses Thema einen auch neugierig macht. Leider sucht man aber auf der DVD als auch auf der Blu-ray leider vergeblich nach weiterem Bonunsmaterial, was nun wirklich bei diesem Thema und seiner filmischen Umsetzung sehr schade ist.

SpencerSpencer
(Spencer)
mit Kristen Stewart, Sally Hawkins, Timothy Spell, Jack Farthing, Sean Harris, Stella Gonet, Richard Sammel, Jack Nielen, Freddie Spry, Amy Manson u.a.
Regie: Pablo Larrain
Drehbuch: Steven Kneight
Produktion: Juan de Dios Larrain, Pablo Larrain, Jonas Dombach, Paul Webster u.a.
Musik: Jonny Greenwood
Genre: Drama/Filmbiografie
Laufzeit: 116 Minuten (BD)
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: LEONINE
Deutschland, Großbritannien, USA, Chile 2021

Kommentare  

#1 Mainstream 2022-11-12 10:24
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Text fehlt am Anfang des zweiten Absatz.
#2 Laurin 2022-11-12 13:24
Ist nur ein Satz @Mainstream, der wohl beim einpflegen im Zauberspiegel unerlaubt das Weite gesucht hat. Habe den hier also gleich mal selbst wieder vervollständigt, damit Horst hier mal was entlasstet wird. ;-)

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