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Ein Blutsauger und die freie Interpretation - »Dracula«

Dracula Ein Blutsauger und die freie Interpretation
»Dracula«

Jonathan Harker befindet sich auf einer mitunter beschwerlichen Reise nach Transsilvanien zum Schloss des Grafen Dracula, wo er als Bibliothekar dessen umfangreichen Bücher neu katalogisieren soll. Doch ist dies eigentlich nur eine Tarnung, denn Harker ist in Wirklichkeit ein Vampirjäger und setzt nun alles daran, der Schreckensherrschaft des Grafen Dracula endlich ein Ende zu setzen. Indessen erweist sich Dracula zuerst eher als ein Wolf im Schafspelz.

DraculaDabei dauert es auch nicht lange, bis Harker auf dem Schloss von einer jungen Frau regelrecht angebettelt wird, ihr zur Flucht vor dem grausamen Grafen zu verhelfen. Doch in der Nacht zeigt auch sie ihr wahres Gesicht, als sie Harker plötzlich attackiert um sein Blut zu trinken. Dabei ist es sogar Dracula selbst, der plötzlich auftaucht und sie daran hindert, wobei er bei dieser rüden Auseinandersetzung auch Harker bewusstlos schlägt.

Als Harker wieder aufwacht, neigt sich indessen der neue Tag wieder seinem Ende zu, weshalb er sich schnellstens auf die Suche nach der Gruft von Dracula macht, um dem Terror der Vampire noch vor Einbruch der Nacht ein entgültiges Ende zu bereiten. Hierbei macht er jedoch den Fehler, zuerst die Vampirfrau zu vernichten, weshalb Dracula erwacht und seinen Sarg verlässt. Und dieser lässt Harker keine Chance und macht auch ihn zu einem Vampir, indem er ihm das Blut aussaugt.

Als Dr. Abraham Van Helsing als Partner von Jonathan Harker im Kampf gegen die Vampire, von diesem nach längerer Zeit kein Lebenszeichen mehr erhält, reist auch er zum Schloss von Dracula in den Karpaten, kann aber hier nur noch den zum Vampir gewordenen Harker von seinem nun untoten Dasein erlösen. Dracula selbst ist indessen bereits verreist, denn ihn zog es zu Harkers Verlobten Lucy Holmwood, um hier nun grausame Rache zu nehmen.

Van Helsing macht sich indessen ebenfalls direkt wieder auf den Weg, um  Lucy und deren Familie vom Tod Jonathan Harkers zu berichten und ihnen sein Beileid auszusprechen. Doch hier scheint es seit kurzem auch um den Gesundheitszustand von Lucy nicht gerade zum Besten bestellt zu sein, und auch mit Lucys Bruder Arthur kommt Van Helsing zuerst auf keinen grünen Zweig. Schließlich sind ihm die wenigen Informationen, die Van Helsing ihm und seiner Frau Mina (Mia in der damaligen deutschen Kinofassung) zu dessen Todesumstände gewährt, schlicht zu mager.

Van Helsing ahnt indessen hinsichtlich Lucy schon böses und empfiehlt der Familie, Lucys Zimmer mit jeder Menge Knoblauch auszustatten und die Fenster stets verschlossen zu halten. Doch Arthur hält von seinen Vorschlägen nichts und lehnt seinerseits die Hilfe von Van Helsing ab. Erst als Lucy in der Folgezeit am hohen Blutverlust stirbt und als Blutsaugerin plötzlich in den Nächten umherwandelt, finden ihr Bruder Arthur und Dr. Van Helsing wieder zueinander. Gemeinsam pfählen sie Lucy um somit auch ihrer menschlichen Seele wieder Frieden zu schenken.

Doch recht bald benimmt sich ebenfalls auch Mina nun recht merkwürdig, als sei nun sie unter den bösen Einfluss von Graf Dracula geraten. Gemeinsam mit Arthur beschließt Van Helsing daher, das Zimmer von Mina aus dem Garten heraus zu beobachten, um eingreifen zu können, wenn sie Dracula Zugang gewähren will. Doch dieser taucht in der Nacht nicht vor dem Haus auf, dennoch scheint es ihm trotzdem irgendwie gelungen zu sein, Mina erneut anzugreifen. Mittels einer Blutspende gelingt es zwar danach, Mina vor dem Tod und damit einem Dasein als Vampir zu retten, dafür findet man allerdings auch heraus, dass Dracula schon seit einiger Zeit selbst mitsamt seinem Sarg im Keller der Holmwoods hauste und so für Mina zu einer direkten Bedrohung wurde.

Da dieses Versteck von Dracula nun aufgeflogen ist, entführt dieser Mina und flüchtet zurück in sein Schloss. Doch Van Helsing ist ihm direkt auf den Fersen, so das es zu einem letzten Entscheidungskampf zwischen ihm und Graf Dracula kommt. Doch auch Van Helsing scheint dem Vampir nicht gewachsen zu sein und droht im Kampf zu unterliegen. Da bemerkt er durch den Spalt der Vorhänge das Licht der aufgehenden Sonne. Unter Aufbringung aller Kraftreserven gelingt es Van Helsing, die Vorhänge herunter zu reißen und Dracula mittels eines Kruzifix ins Sonnenlicht zu zwingen. Dort vergeht Dracula qualvoll durch das für ihn tödliche Licht zu Asche, worauf nur noch seine Kleidung und sein Siegelring zurückbleiben.

Lugosi oder Lee - zwischen Charmeur und Raubtier:
Als 1958 Christopher Lee zum ersten mal in die Rolle des Grafen Dracula schlüpfte, gab er dieser Figur eine bisher völlig neue Richtung. Hatte eher Bela Lugosi die Darstellung des Grafen Dracula zuerst auf der Bühne und danach auch im Film entscheident geprägt gehabt, so wischte Christopher Lee Lugosis Darstellung als eher charmantem Vampir mit einem etwas exotischen Gestus beiseite und verlieh der Figur des Dracula nun etwas raubtierhaftes.

Scheinbar zvorkommend zu Beginn, schlägt bei Lee das freundliche Verhalten von Dracula plötzlich um und offenbart nun wesentlich wildere Charaktereigenschaften, die von einer eher hohen Gefährlichkeit und animalischen Durchsetzungskraft zeugen. Gelang es Lugosi vorher eher, Dracula als eine düstere und bisweilen verschlagene Kreatur zu präsentieren, die den aristokratischen Charme eher als Mittel zum Zweck nutzte, so verlieh Lee nun der Figur des Dracula eher wölfische Wesenszüge. Dieses raubtierhafte suchte man bei Lugosi wie auch dessen nachfolgenden, eher zweit- bis drittklassigen Dracula-Darstellern wie Lon Chaney Jun. oder gar John Carradine eher vergeblich. Damit legte Christopher Lee in seiner Rolle als Dracula allerdings auch die Messlatte so hoch, dass es kaum einem anderen, später nachfolgenden Darsteller des Grafen Dracula wirklich gelang, diesem Anspruch wirklich gerecht zu werden.

Auch der erotische Aspekt wurde hier wesentlich weiter in dieser Hammer-Produktion gefasst. Denn die durchaus auch aus sexueller Sicht zu verstehende Praktik, bei den vornehmlich weiblichen Opfern mit den Zähnen in die zarten Hälse einzudringen, nachdem man sie vorher verführt hatte (als Synonym für den Geschlechtsakt), erfährt hier nochmals eine enorme Steigerung. Die Performance des Eindringens mit den Fangzähnen hat nun bei Christopher Lee eher dominante, ja sogar herrische Züge. Aber auch die vor Erregung zitternden weiblichen Opfer vermitteln hier eher ein devotes, ja höriges Verhalten, welches eher in Richtung des Sadomasochismus als der geistigen Wehrlosigkeit weist, welche man bisher eher aus der Drastellung der weiblichen Opfer bei Lugosi her kannte.

Selbiges, also den Einfluss der Elemente des Sadismus seitens Dracula als auch des Masochismus bei den weiblichen Opfern, vermittelt Christopher Lee auch bereits zu Beginn des Films, wo er mit der Vampirin bei der Auseinandersetzung nicht gerade zimperlich umgeht, sondern eher wie eine bestialische Urgewalt über sie herfällt. Einen weiteren vergleichbaren Hinweis hierauf liefert aber auch bereits die Vampirin selbst, als sie Harker verängstig anfleht, sie aus den brutalen Klauen des Grafen zu befreien.

Lassen wir hier mal die darstellerische Eigenart des Vampir aus NOSFERATU - EINE SYMHONIE DES GRAUENS (1922/Stummfilm) von Friedrich Wilhelm Murnau  mit Max Schreck in der Titelrolle beiseite, so hatte die britische Hammer-Produktion mit DRACULA und der Wahl von Christopher Lee für die Hauptrolle völlig neue Akzente gesetzt, an denen sich fasst alle späteren Filme und Darsteller hinsichtlich der Figur des Draculas messen lassen mussten. Gelingen konnte dies zum einen, weil man mit Christopher Lee einen Darsteller gefunden hatte, der dieser Figur wieder frisches Blut einhauchen konnte und zum anderen aber auch, weil man sich mit der Verfilmung von DRACULA von 1958 nicht mehr sklavisch an der literarischen Vorlage von Bram Stoker hielt, sondern in der Interpretation völlig neue, eigene Akzente setzte. Lee jedenfalls gab der Figur des Dracula ab diesem Augenblick ein völlig neues und unumkehrbares Gesicht.

Weit weg von Bram Stokers literarischer Vorlage:
Wie richtig und doch wie falsch man eigentlich liegen kann, zeigt sich hier recht schön in einer Aussage seitens des FILMDIENST im Internet:

Der mehrfach verfilmte Stoff von Bram Stoker wird in dieser Version der englischen Hammer-Produktion liebevoll ausgestattet und mit inszenatorischer Sorgfalt aufbereitet.

(Filmkritik seitens FILMDIENST zu Dracula von 1958)

Nun ja, "liebevoll ausgestattet" wurde der Film DRACULA (Alternativtitel auch HORROR OF DRACULA) durchaus, auch wenn z.B. das Schloss in den Karpaten schon eher sauber wie geleckt erscheint. Leider geht der farbenfrohen Kulisse damit aber auch etwas die bedrohliche Atmosphäre verloren. Wirklich störend macht sich dieser Verlust jedoch kaum aus, denn als Zuschauer schwelgt man doch durchaus recht schnell in den berauschenden Bildern. Wem kommt hierbei z.B. nicht direkt der reißende Bachlauf vor dem Schloss in Erinnerung, dessen wildes Wasser stimmungsvoll an einem Felsen hochpeitscht? Man kann also durchaus sagen, das Hammer hier Bilder gelangen, die sich fest in die Erinnerung der Zuschauer  brannten. Bilder also, die Hammer bei späteren Filmen mit Christopher Lee als Dracula leider dann mitunter nicht mehr wirklich so perfekt gelungen sind, was allerdings auch manchmal am finanziellen Budget gelegen haben mag.

Was jedoch Stokers Roman und die "inszenatorische Sorgfalt" angeht, so scheint man beim FILMDIENST weder den Film nur bruchstückhaft gesehen, oder andererseits Stokers Werk nicht wirklich gelesen zu haben. Denn zwischen dem Film und Stokers Roman gibt es doch sehr wesentliche Unterschiede. Im Grunde bildet Stokers Werk bei dieser Hammer-Verfilmung nämlich nur noch das nötige Fundament, auf dem die Handlung faktisch neu aufgebaut wurde.

So fehlen hier z.B. wesentliche Charaktere wie Renfield oder Morris völlig. Und Jonathan Harker wiederum ist hier kein unwissender Anwalt und Makler, sondern ein Vampirjäger, der um die Existenz dieser teuflischen Blutsauger weiß und sich ihnen im Film von 1958 auch gleich zu Beginn entgegenstellen will. Dabei versagt und stirbt er jedoch, um dann selbst zum Vampir gemacht zu werden. In Stokers Roman wiederum überlebt Harker nicht nur und kann dem Schloss mit den dortigen weiblichen Blutsaugern sogar entkommen, sondern trägt am Ende auch mit dazu bei, das Dracula getötet wird.

Aber auch die konstellationen der Figuren wurden im Film DRACULA nun wesentlich verändert. Denn statt wie bei Stoker, ist hier nun Lucy statt Mina die Geliebte bzw. Verlobte von Jonathan Harker. Und im Roman von Stoker reiste der Londoner Rechtsanwalt Harker zwecks einer Maklertätigkeit für den Grafen Dracula nach Siebenbürgen (Transsilvanien/südöstliche Karpaten), die Haupthandlung wechselt dann aber nach London (Großbritannien) um erst am Ende wieder nach Siebenbürgen zurück zu wechseln. Auch dies ist im Film DRACULA von 1958 so nicht mehr enthalten.

Hervorzuheben ist jedoch besonders, das Vampire, und in diesem Fall eben Dracula, eigentlich laut Bram Stoker nicht durch Sonnenlicht vernichtet werden können, wie es im finalen Kampf zwischen Dr. Van Helsing und Graf Dracula im Film von 1958 nun zu sehen ist. Denn bei Stoker kann Dracula sehr wohl auch am Tage bei Sonnenlicht aktiv werden, wobei das Sonnenlicht nur seine außergewöhnlichen Fähigkeiten abschwächt, die erst in der Dunkelheit der Nacht ihre vollen Möglichkeiten entfalten. In der Verfilmung von DRACULA aus dem Jahre 1931 muss sich zwar auch Bela Lugosi im Morgengrauen als Dracula in seinen Sarg zurückziehen. Dieser Film geht aber nicht auf eine mögliche tödliche Wirkung von Sonnenstrahlen auf den Vampir ein. Vielmehr kann man dies auch so auslegen, das Dracula bis zur Nacht ruhen muss, um seine übernatürlichen Fähigkeiten wieder voll ausschöpfen zu können.  Also in gewisser Weise so, wie eben auch jeder normale Mensch seinen Schlaf benötigt, um den nächsten Tag wieder ausgeruht und gestärkt angehen zu können. Das Sonnenlicht einen Vampir tötet, hatte indessen bereits Murnau in seiner unautorisierten filmischen Version von 1922 abweichend von Stokers Roman mit eingebunden gehabt, so das diese Abweichung hier durchaus keine reine Erfindung seitens des Drehbuch von Jimmy Sangster oder der Hammer Studios war.  

Meine Filmkritik:
Es war eigentlich schon längst fällig, dass dieses filmische Meisterwerk seitens der Hammer-Studios restauriert und als vollständige Fassung auch auf Blu-ray erhältlich ist.

Und als heimlicher, filmischer Nostalgiker gefallen mir natürlich hierbei auch diese sehr schönen, satten Farben, die man dem damaligen Technicolor zu verdanken hatte. Da muss ich hier nun nicht unbedingt betonen, dass ich bei manchen Filmen diese  Farbgebung mitunter doch manchmal wirklich vermisse. Das hatte damals einfach einen eigenen Flair, der allerdings wohl innerhalb der Filmindustrie nun völlig verloren scheint.

Positiv, und dies möchte ich hier besonders einmal hervorheben, bewerte ich hier auch, dass man seitens der Hammer-Produktion  die literarische Vorlage von Bram Stoker nur als recht lockeres Fundament herangezogen hatte, um dann allerdings eine ganz andere und durchaus temporeichere Verfilmung auf die Beine zu stellen.

Der jüngeren Generation dürfte hierbei kaum auffallen, dass die Verfilmung von DRACULA mit Christopher Lee auch schon damals eine Steigerung im Härtegrad darstellte. Hierfür muss man nämlich durchaus nur die frühere Verfilmung von DRACULA aus dem Jahre 1931 mit Bela Lugosi als Vergleichswert heranziehen. Doch welcher jüngere Zuschauer, der den Härtegrad dieses DRACULA mit Christopher Lee heute eher belächeln dürfte, kennt denn wirklich noch die Filmfassung von 1931?

In den weiteren Jahren bekleckerten sich hierbei allerdings auch die Hammer-Studios in weiteren Verfilmungen zu DRACULA nicht immer wirklich mit Ruhm, wobei ich persönlich den Film DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (DRACULA A.D. 72) aus dem Jahre 1972 (ebenfalls mit Christopher Lee und Peter Cushing) trotz mancher Logiklöcher und der recht eigenwillig-verschrobenen Darstellung der Hippie-Jugend nicht als schwächste Verfilmung ansehe. Der für mich wirklich schlechteste Dracula-Film mit Christopher Lee und Peter Cushing kam nämlich ein Jahr später seitens der Hammer-Studios und trug den Titel DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (THE SATANIC RITES OF DRACULA/1973).  Dieser deutsche Titel passte daher auch wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge, denn die hier etwas okkult unterfütterte Story wirkte nun nicht nur völlig  blutleer, sondern man merkte auch recht gut, dass in Sachen DRACULA bei den Hammer-Studios schlicht die Luft wohl raus war. Das dabei auch Christopher Lee seiner Paraderolle als Graf Dracula überdrüssig wurde, kann man hier als Fan und Filmfreund dann auch durchaus gut nachvollziehen.

Aber wie kam ich denn nun auf den Film DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN? Ach ja ... dem Studio Hamburg Enterprises GmbH, welche diese BD von DRACULA dankenswerterweise nun in hoher Qualität vorgelegt hat, hat sich bei der Cover-Rückseite nämlich bei den Bildern wohl etwas vergriffen. Denn neben dem Eingangstext prangt ein Bild der Schauspielerin Stephanie Beacham. Nur das Stephanie Beacham im Film DRACULA aus dem Jahre 1958 nicht mitspielt, zumal die britische Schauspielerin zu diesem Zeitpunkt gerade mal 11 Jahre gewesen ist (geboren wurde sie im Februar 1947). Das Foto von ihr auf der Cover-Rückseite zeigt nämlich eine Szene aus eben dem Film DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN von 1972, wo sie neben Christopher Lee und Peter Cushing die Rolle der Jessica Van Helsing spielte. Aber gut, über einen solchen kleinen Fehler in der Präsentation will ich hier gerne wegsehen, wenn es um die eigentliche Filmbewertung geht.

Mit 82 Minuten Laufzeit liegt zwar nun die vollständige Fassung von DRACULA vor, doch trotzdem hätten einige Minuten dem Film damals durchaus noch gut getan. So ist der Film zwar recht temporeich, aufwendig gedreht und dicht erzählt umgesetzt worden, aber die eine oder andere Szene hätte dem Film doch noch recht gut getan, denn an manchen Stellen wirkt er dann doch irgendwie etwas zu flott, wenn es darum geht, die Handlung voranzutreiben. Ich erinnere hier nur mal an die Gruft von Dracula im Schloss selbst, wo einem als Zuschauer irgendwie das Gefühl beschleicht, das diese gleich neben dem Zimmer liegt, in der Harker nächtigt.  So scheint Harker auch keine Probleme zu haben, diese Gruft auf Anhieb zu finden. Sehr glaubwürdig wirkt dies nicht, wenn man bedenkt, das Harker das Schloss des Grafen Dracula ja eigentlich nicht kennen dürfte und somit erst auch einmal nach entsprechenden Hinweisen suchen müsste.

Aber auch über solche Kleinigkeiten darf man eventuell noch ohne weiteres hinwegsehen, denn mit satten vier von insgesamt fünf  Eckzähnen erfährt dieser Klassiker des Gruselfilm bei mir in der Bewertung durchaus noch eine Krönung für jeden Genre- und Filmfreund. Eine Empfehlung, sich diesen Film unbedingt für das eigene Heimkino zuzulegen, kommt mir dabei ebenfalls noch locker über die Lippen.

DraculaDracula
(Dracula)
mit Christopher Lee, Peter Cushing, Melissa Stripling, Carol Marsh, John Van Eyssen, Michael Gough, Valerie Gaunt, Charles Lloyd Pack, Janina Faye, Olga Dickie, Barbara Archer, George Merritt, George Woodbridge, Miles Malleson u.a.
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster
Produktion: Anthony Nelson Keys, Michael Carreras, Anthony Hinds
Musik: James Bernard
Genre: Horror
Laufzeit: 82 Minuten (BD/Restaurierte Fassung)
DVD/FSK: 12 Jahre
Extras: Original 1080p HD Master v. Warner Bros., Audiokommentar, Trailer, Werberatschläge, Bildergalerie
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises GmbH
Großbritannien 1958

Kommentare  

#1 Friedhelm 2020-01-08 00:48
Ja, was kann man über "Hammers" Dracula oder Christopher Lee -und seine zunehmende Abneigung gegen diese Rolle- eigentlich noch sagen? Der erste war der beste (der Hammermovies) - darüber, glaube ich, ist man sich schnell einig. Lee hätte ja gerne mal eine buchgetreuere Version verfilmt - und war der Meinung, dass wohl bis dato niemand das Potential des Romans richtig begriffen hätte. Es gibt die Anekdote, dass Jess Franco ihm so etwas versprochen habe ("Nachts,wenn Dracula erwacht/El Conde Dracula,1970"). Aber als Lee die übermäßigen Zooms mitbekam (wohl so etwas wie ein gerne gebräuchliches Stilmittel des Spaniers..) wäre ihm klar geworden, dass daraus wohl wieder nur Schund werden würde.

Davor und danach fanden originalgetreue Buchverfilmungen ja auch nicht statt - selbst Francis Ford Coppola hat sich in seiner Verfilmung aus den 90ern diverse Freiheiten erlaubt. Bei Hammer kam am Anfang zumindest Harkers Tagebuch zum Einsatz. Und das Buch ansich besteht ja nun mal nur aus Briefen und Tagebucheintragungen, über der Plot transportiert wird.

Hammers erster Dracula hat heute immer noch nicht viel von seiner Wirkung verloren, finde ich jedenfalls. Alleine die Titelmusik hat mich schon bei der ersten TV-Ausstrahlung geflasht. Naja und für seine Zeit war der Film tatsächlich schon so etwas wie "starker Tobak". :cry:

Zitat:
Das dabei auch Christopher Lee seiner Paraderolle als Graf Dracula überdrüssig wurde, kann man hier als Fan und Filmfreund dann auch durchaus gut nachvollziehen.
Lee hat ja immer die lausigen Drehbücher bemängelt -und sich dann immer wieder überreden lassen, weil man ihm in dieser Hinsicht Besserung gelobte.
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#2 Laurin 2020-01-08 15:31
@ Friedhelm:
Na ja, Jess Franko und seine Versprechen. :lol:
Er hat zwar ein paar nette Filme gemacht, aber generell war Franko kein filmischer Künstler oder ein Perfektionist. Da war Christopher Lee wohl bei Hammer wesentlich besser aufgehoben gewesen. ;-)

Andererseits wird man auch wohl nie eine perfekte Buchverfilmung auffinden können. Denn was in der Literatur funktioniert, muss bei einer Verfilmung noch lange nicht klappen. Diverse "Freiheiten" seitens des Regisseur und/oder aufgrund des Produzenten oder Drehbuchautoren sind da auch mitunter durchaus durch die Verfilmung erzwungen, weil der Film (Handlung/Spannungsbogen usw.) an sich sonst eventuell eben nicht funktionieren würde. Und Stokers Roman, bestehend aus Tagebucheinträgen und Briefen ist in dem Punkt wohl wirklich keine perfekte Vorlage die man buchgetreu verfilmen kann. Francis Ford Coppola war in dem Punkt also durchaus sehr nahe dran.
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#3 Friedhelm 2020-01-08 16:39
Zitat:
Er hat zwar ein paar nette Filme gemacht, aber generell war Franko kein filmischer Künstler oder ein Perfektionist.
Franco darf man getrost als einen der schlechtestens Filmemacher aller Zeiten betiteln. Sein halbgarer "Dracula-Trash war wenigstens der Versuch einmal etwas richtig zu machen. Der Mann hatte von cineastischer Dramaturgie Null Ahnung. Klaus Kinski soll angeblich anfangs gar nicht gewusst haben, dass er in einem "Dracula" mitmacht. Wenn ja, dann wäre garantiert die "Post abgegangen."

Lee hätte sich bei einer buchgetreueren Version (damals, in den 60ern und 70ern wäre das wohl noch möglich gewesen) garantiert richtig reingehängt. Eigentlich mochte er die Figur ja..

Stimmt schon, nur sehr wenige Buchautoren denken auch cineastisch. Ich fand, z.B. den "Exorzisten" adequat umgesetzt - da waren Buch und Film (fast) eine Einheit. Naja, und zu Stokers Zeiten gab es nur das Theater....

Was Coppolas Dracula betrifft: ich fand diese idiotsche "Liebesbeziehung" zwischen Dracula und Mina deplaziert -ja fast unglaubwürdig. Im Roman ist sie ja eher angeekelt von dem Gedanken, dass der Vampir Kontrolle sie kontrollieren kann.
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#4 Laurin 2020-01-09 15:26
Zitat Friedhelm:
"Franco darf man getrost als einen der schlechtestens Filmemacher aller Zeiten betiteln. Sein halbgarer "Dracula-Trash war wenigstens der Versuch einmal etwas richtig zu machen. Der Mann hatte von cineastischer Dramaturgie Null Ahnung."

Na ja, so hart wollte ich es jetzt nicht ausdrücken, kommt aber hin. :lol:

Zitat:
"Was Coppolas Dracula betrifft: ich fand diese idiotsche "Liebesbeziehung" zwischen Dracula und Mina deplaziert -ja fast unglaubwürdig."

Ehrlich gesagt, bin ich bei Stokers Buch DRACULA nie so weit gekommen, dass ich hier was von Minas Ekel wirklich mitbekommen hätte. Denn Stokers Schreibe ist so was von ermüdend, da könnte ich mir auch Bleigewichte an die Augenlider hängen. Bisher ist daran jeder Versuch, das Buch vollständig zu lesen jedenfalls kläglich gescheitert. :zzz

Das Lee die Figur des Grafen Dracula eigentlich mochte, ist dabei durchaus nachvollziehbar, sonst hätte er sich wohl auch nicht so oft überreden lassen, diese Rolle zu spielen. ;-)
Allerdings glaube ich wie gesagt nicht wirklich daran, das es jemals gelingen wird, Stokers Buch wirklich auch buchgetreu irgendwann zu verfilmen. Und eventuell dürfte dies noch nicht einmal wirklich negativ sein. :-*
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#5 Friedhelm 2020-01-09 17:05
Naja, man darf selbstverständlich einen Schriftsteller wie Bram Stoker (und dessen Schreibstil) nicht mit neuzeitlichen (und deren moderner Schreibe) vergleichen. Damals war Stoker Dracula-Roman in etwa das, was heute "Harry Potter" ist. Abgesehen davon - ich persönlich mag den Roman - ebenso wie Mary Shelleys "Frankenstein". :-*
Zitat:
Das Lee die Figur des Grafen Dracula eigentlich mochte, ist dabei durchaus nachvollziehbar, sonst hätte er sich wohl auch nicht so oft überreden lassen, diese Rolle zu spielen
Na, da würde ich doch eher sagen, dass man ihm den Vampirgrafen monetär versüßt hat. Da lässt sich fast jeder gerne überreden, gelle?Und dann gab es für Lee ja immer auch eine gewisse Diskrepanz zwischen dem Roman und den Verfilmungen von Hammer. Er selber hat tatsächlich davon "geträumt", den Grafen so darzustellen, wie Stoker ihn im Roman beschrieben hat. Ansatzweise sah man das sogar in Francos Trash-Dracula. :-)

Im übrigen glaube ich tatsächlich das heute eine romangetreue Verfilmung möglich wäre. :P
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#6 Thomas Mühlbauer 2020-01-09 17:32
Die in meinen Augen gelungenste Verfilmung stammt von Dan Curtis, die er 1973 mit Jack Palance in der Titelrolle produziert hat.

Aber natürlich ist man von jenen Hammer-Filmen geprägt, die seinerzeit im "Phantastischen Film" im ZDF liefen. Und damals war man mehr mit der eigenen Aufregung und Gänsehaut beschäftigt und hatte nicht den Blick für einige unlogische Stellen, die erst nach wiederholter Sichtung und über viele Jahre hinweg aufgefallen sind.
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#7 Andreas Decker 2020-01-10 13:32
zitiere Laurin:

Ehrlich gesagt, bin ich bei Stokers Buch DRACULA nie so weit gekommen, dass ich hier was von Minas Ekel wirklich mitbekommen hätte. Denn Stokers Schreibe ist so was von ermüdend, da könnte ich mir auch Bleigewichte an die Augenlider hängen. Bisher ist daran jeder Versuch, das Buch vollständig zu lesen jedenfalls kläglich gescheitert. :zzz


Das ist Geschmacksache, da steckt viel drin an Themen, die immer noch aktuell sind. Wem die alten Übersetzungen zu mühsam sind, die von Noll (DTV) und Willms (Bastei) sind "moderner". Wozu immer das gut sein soll.

Coppolas Dracula ist schrecklich. Die Re-Inkarnationsgeschichte Dracula/Mina ist eine hirnrissige Zumutung, die nicht das geringste mit der Vorlage zu tun hat und den Film kaputt macht. Einfach nur lächerlich. Was besonders schade ist, weil es opulente Bilder sind und der Film eigentlich die athentischste Verfilmung der Vorlage bietet, die es gibt. Coppola macht so viel richtig - die Bräute-Szene., die Lucy-Szenen, usw - und dann versenkt er den Film mit diesem erzwungenen Romantik-Kitsch, weil er Dracula als tragischen Helden darstellen will und nicht als der Soziopath, der er nun mal ist.
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#8 Laurin 2020-01-10 19:07
@ Andreas Decker:
Genau die Übersetzung von Willms (Bastei) liegt mir ja vor. Wenn die alten Übersetzungen noch schwerfälliger sind, na dann Danke. :cry:

Und Coppolas Dracula fand ich eigentlich nicht mal so schlecht. Gut, die Liebesgeschichte um Elisabeta/Mina ist ein bisschen dick aufgetragen, aber sonst.

Ich frage mich da auch irgendwie, ob ich persönlich eine buchgetreue Verfilmung von Stokers DRACULA überhaupt bräuchte. Und ehrlich gesagt fehlt diese mir irgendwie nicht. Aber wer es mag, dem drücke ich hier mal gerne die Daumen für eine entsprechende Verfilmung. ;-)
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