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Ein Filmklassiker - Mädchen, Beziehungen und die Probleme ihrer Zeit

Ein FilmklassikerFolge 26
Mädchen, Beziehungen und die Probleme ihrer Zeit

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Da wird manchmal was zum Erwachsenenfilm welcher keiner ist.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)
Nun, wirklich viel an Hintergrundinformationen wird man im Internet zu diesem Film wohl nicht finden. Denn so sehr dieser Film gerade in der passenden Altersklasse (aber auch etwas darunter und darüber) damals die jungen Leute ansprach, so schnell verschwand dieser durchaus geniale Film auch wieder irgendwo in der allgemeinen Vergessenheit.

Dabei hatte der Film eigentlich alles, was er benötigte. Er verfügte über ansprechende französische Darstellerinnen und Darsteller, haute mit den in der Handlung genutzten Songs aus den damaligen Pop-Charts so richtig schön in die Kerbe und brachte auch ein Thema wie ungewollte Schwangerschaften und Abtreibung als Thema ein, ohne hierbei nun den moralischen Zeigefinger zu heben oder gleich mit der Moralkeule um sich zu schlagen. Dabei war auch Deutschland neben Frankreich und Kanada in die Produktion mit involviert. Und das damalige West-Germany war in der Frage der legalen Abtreibung 1980 noch lange nicht auf der Höhe der Zeit, wie man nun auch mittlerweile wieder feststellen kann, wenn man sich hier ernsthaft noch darüber streitet, ob man für Abtreibungen Werbung machen dürfe oder nicht. Da holen dann gerade die Parteien mit dem "C" im Namen wieder recht heuchlerisch ihre christlich-abendländischen Werte aus dem Keller ihrer düsteren Seele hervor, damit sie nicht völlig als reiner Club der doch eher rückwärtsgewandten Konservativen enttarnt werden.

Und weil die Sache so schön ist, kommt man an den Film (zur Zeit) ja eigentlich auch erst heran, wenn man 18 Jahre ist. So steht es jedenfalls auf dem Cover der DVD, denn dort prankt ja das rote Teil der Freiwilligen Zensurbehörde für Medien in Deutschland. Mal abgesehen davon, dass diese Altersfreigabe eh für den Film völlig überzogen ist, kann ich hier mal mit gutem Gewissen manchen, vielleicht hier besorgten Eltern sagen, dass sie ihren Kids den Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN ruhig sehen lassen können. Denn in diesem Film ist bis auf das eher schon schamhaft kurze aufblitzen von nackten Brüsten nichts, was Jugendliche verstören oder sie in ihrer Entwicklung beeinträchtigen könnte. Und nackte Brüste sehen selbst die Kleinsten schon länger als in diesem Film, wenn sie an einem Kiosk vorbei kommen, in dem gerade der Playboy ausliegt.

Das man da seitens des Vertrieb nicht bereits hingegangen ist, um den besagten Film neu in der Altersfreigabe bewerten zu lassen, hat allerdings seinen Grund. Zum einen passt die Altersfreigabe zu der Filmreihe seitens WVG Medien GmbH, welche mit diesem Film hier allerdings wiederum eigentlich nichts zu tun hat und zweitens bezieht sich die Altersfreigabe hierbei wohl auch nicht wirklich auf den Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN selbst. Aber dazu unten gleich etwas mehr.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Über Just Jaeckin als Regisseur und die Altersfreigabe:
Gut, bei dem Regisseur Just Jaeckin ist man in Sachen Softporno und Erotikfilm ja so einiges mehr gewohnt. Auf sein Konto gehen nämlich bekanntlich Filme wie EMANUELLE (1974/Hauptdarstellerin Sylvia Kristel) nach dem autobiografischen Roman von Emanuelle Arsan, der neben Frankreich auch in vielen weiteren Ländern zu einem beachtlichen Erfolg in Sachen Erotikfilm führte und darüber hinaus auch einer ganze Reihe von Nachfolgefilmen in Sachen EMANUELLE nach sich zog.

1975 zog Jaeckin mit der Verfilmung des SM-Romans von Pauline Reage (gebürtiger Name Anne Cecile Desclos/ein weiteres Pseudonym von ihr war Dominique Aury) nach, welcher auch den Romantitel DIE GESCHICHTE DER O trug und sich dem Thema Sadomasochismus annahm. Die Hauptrolle spielte hier neben dem deutschen Schauspieler Udo Kier (BLADE/1998 oder THE MOTHER OF TEARS/2007), der sogar nicht wirklich sehr weit von mir in Köln-Lindenthal (NRW) geboren wurde, Corinne Clery (JAMES BOND: MOONRAKER - STRENG GEHEIM/1979 oder EINER GEGEN DAS IMPERIUM/1983). Hierbei sorgte der Film DIE GESCHICHTE DER O durchaus für einigen Gesprächsstoff, denn in Frankreich führte dieser Film zu einer Zensurdebatte und in Großbritannien blieb der Film bis zum Jahre 2000 sogar verboten.

1981 legte Jaeckin mit dem Erotikfilm LADY CHATTERLEY, nach dem Roman LADY CHATTERLEY'S LOVER von D.H. Lawrence (1928) nach, in dem ebenfalls wieder Sylvia Kristel (DIE NICHTE DER O/1974 oder DRACULAS WITWE/1989) die Hauptrolle spielte. Jaeckins letzter Film GWENDOLINE, basierend auf den Comics SWEET GWENDOLINE des Zeichners und Bondagekünstlers John Willie, kam 1984 mit Tawny Kitaen (WITCHBOARD - DIE HEXENFALLE/1986 und HERCULES IM LABYRINTH DES MINOTAURUS/1994) in die Kinos.

GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN fällt dabei selbst im Hinblick auf die anderen Filme von Just Jaeckin eigentlich völlig aus der Rolle. Zwar spielt hier das Thema Liebe und erste sexuelle Erfahrungen von heranwachsenden Jugendlichen eine wesentliche Rolle, jedoch sind offensichtliche Nacktszenen hier schon als verschwindend gering einzuordnen und auch sonst handelt es sich hier bei dem Film eher um eine direkt an ein jugendliches Punblikum ausgerichtete Coming-of-Age-Story.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Das die DVD GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN also mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen wurde, dürfte wahrscheinlich  eher der Vertriebsfirma WVG Medien GmbH anzurechnen sein. Denn ebenfalls auf der DVD befinden sich nicht wenige weitere Trailer zu deren sogenannten Reihe EROTIK-CLASSICS-COLLECTION, die hier durch mehrere Ausschnitte aus diversem filmischem deutschen Sexklamauk der 70er Jahre gespeist wird, wie etwa zu Filmen wie HAUSFRAUEN-REPORT, JAGDREVIER DER SCHARFEN GEMSEN, DIE HEISSEN NÄCHTE DER JOSEFINE MUTZENBACHER oder DIE MUNTEREN SEXSPIELE UNSERER NACHBARN, um hier nur einige der anhängenden Trailer zu nennen.

Wie ich an anderer Stelle ja schon einmal sagte, kamen auch Jugendliche unter 18 Jahren damals ohne Probleme bei GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN ins Kino (wobei man schon nicht einmal mehr fragte, ob diese mindesten 16 Jahre alt sind) und auch in den Videotheken konnten Jugendliche diesen Film ohne Probleme locker und reichlich auf VHS ausleihen. Da mich also diese Frage interessierte, forschte ich hier einmal nach und fand so eine weitere Version des Films auf DVD, die bei gleicher Laufzeit eine Freigabe ab 16 Jahre hatte, allerdings seit einiger Zeit wohl schon nicht mehr erhältlich ist, so das man hier zur Zeit nur noch auf die DVD seitens WVG Medien GmbH zurückgreifen kann, welche die Altersfreigabe durch die hier angefügten Trailer anderer Softsexfilmchen, vornehmlich deutscher Produktion, nach oben geschraubt hatte.

Man muss sich da natürlich auch fragen, was sucht ein Film wie GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN in dieser EROTIK-CLASSICS-COLLECTION? Diese Gemeinschaftsproduktion zwischen Frankreich, Deutschland und Kanada passt nämlich zu den sonstig darin verbratenen Softsexfilmchen in etwa so gut wie ein Holzbrett als Belag auf einem Butterbrot. Also liebe Eltern, wenn ihr euere Kids so ab 14 oder 16 Jahre den Film sehen lasst, denkt bitte an die Trailer, die für die hohe Altersfreigabe verantwortlich sind. Im Zweifelsfall macht man den Kids dann den Film an und nimmt die Fernbedienung mit, um sicherzustellen das sie sich nicht auch noch die Trailer reinziehen (wobei die heute wohl auch eher lächerlich als verstörend auf Jugendliche wirken dürften).

Doch kommen wir hier nun langsam zur eigentlichen Handlung des Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN, dessen Handlung an sich durchaus jugendgerecht einfach gestrickt ist, aber hinsichtlich seiner Aussagen durchaus trotz mancher lustigen Szenen besser den Kern von Problemen der Teenager trifft, als so manche moderne (filmische) Massenware für Jugendliche, welche völlig an jeglicher Realität der Jugend vorbei nur auf Klamauk orientiert sind oder Lebensverhältnisse übermitteln, die mit der Realität vieler Jugendlicher ebenfalls nur recht wenig zu tun haben.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Disco, vergessene Verhütung und andere Lügen:
Das Cafe "Sans Souci" ist der allgemeine Treffpunkt der Mädchenclique um Annie, Catherine, Susanne und deren jüngerer Schwester Betty. Für die drei ersten Mädchen ist die Schule gerade einmal zur Vergangenheit geworden und so wird gejobbt, studiert oder eben auf andere Weise das nötige Geld aufgetrieben, was man eben so benötigt. Nur Betty drückt noch weiter die Schulbank.

Denn am Abend ist natürlich wie bei allen jungen Leuten die Disco und das tanzen angesagt. Allerdings ist gerade auch ein völlig anderes Thema bei den Teenagern gerade hoch im Kurs. Nämlich die Tatsache, das Betty immer noch Jungfrau ist, was ihrer Schwester Susanne durchaus aber noch recht ist.

Diesen Umstand möchte jedoch Betty selbst nun möglichst schnell ändern und da hat schließlich auch schon ein hübscher Bursche, der auch beruflich als Filmvorführer in einem Kino arbeitet, bereits ein Auge auf Betty geworfen. Damit die anderen sie also nicht weiter mit diesem Thema nerven, lässt sie den süßen Bengel zwar zuerst ein klein wenig zappeln, ist aber dann doch recht schnell nach einem Ausflug auf seinem Motorad bereit, diesen biologisch bedingten Umstand gleich in der freien Natur grundlegend zu ändern.

Das Betty nun weiß, wozu Jungs auch noch da sein können, trifft bei der Clique durchaus auf wohlwollen, schließlich haben alle schon mal diese Erfahrung durchmachen müssen. Nur das Betty mangels Kondome und Pille dann auch noch schwanger wird, war in diesem Plan wohl nicht wirklich bei den anderen Mädchen vorgesehen gewesen.

Da man also Betty auch nicht im Regen stehen lassen will, diese aber wegen ihres Alters noch die Einwilligung der Eltern (in diesem Fall ihres Vaters) benötigt, macht man sich auf die Suche nach einem anderen Weg um einen Schwangerschaftsabbruch durchführen zu lassen. Das aber wiederum kostet eine Menge Geld, welches auch der Bursche nicht mal eben aus der Tasche locker machen kann, der hierbei ja ebenfalls sein Vergnügen hatte. Der will auch zuerst nichts davon wissen, dass er der Vater des ungewollten Kindes sein könnte. Und überhaupt sind sich Susanne, Annie und Catherine darin einig, das Strafe in diesem Punkt einfach sein muss, was dem jungen Mann am Ende durch den tatkräftigen Einsatz der Mädchen auch seinen Job im Kino kostet.
Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)
Auch Catherine hat so ihre eigenen Sorgen. Sie lässt sich gerne mal mit dem einen oder anderen Jungen ein, macht die Nächte durch und würde eigentlich lieber die Nähe und Geborgenheit ihrer Mutter schätzen, die jedoch in ihrem Job als Putzfrau für die Flugzeuge am Flughafen völlig ausgelastet ist. Da ihre Mutter aber aus ihrer Jugendzeit weiß, wie es für ein Mädchen sein kann, welches durch die Eltern in ihrer Freiheit und Entwicklung mehr als nur eingeengt wird, glaubt sie ihrer Tochter sogar etwas gutes zu tun, indem sie ihr alle Freiheiten lässt, die diese (scheinbar) benötigt.

Hinzu kommen bei Catherine noch Minderwertigkeitskomplexe, weshalb sie ihre Freundinnen in dem Glauben lässt, ihr Vater sei finanziell gut betucht und sie würde auf der Uni studieren. In Wahrheit lebt ihre Mutter jedoch ohne Trauschein mit einem anderen Mann zusammen und Catherine selbst arbeitet nur als Telefonistin an der Uni.

Diese Probleme stehen jedoch zuerst einmal ganz hinten an, denn das Geld das man für Betty auftreiben muss, reicht hinten wie vorne nicht. In dem Moment kommt Catherine auf die Idee, dass sie und Annie sich etwas älter geben und in einer noblen Bar versuchen, den dort verkehrenden Männern das Geld aus der Tasche zu locken. Schließlich sind nach ihrer Meinung ja auch die Männer schuld, wenn beim Sex etwas völlig aus dem Ruder läuft.

Die Sache scheint, Dank der hiefür ausgesuchten Kleider, nach einer Weile auch zu funktionieren und so geht Catherine mit einem Firmenvertreter mit aufs Zimmer, um ihn um das nötige Geld zu erleichtern. Der wiederum hält Catherine jedoch für eine professionelle Prostituierte und erwischt sie sogar, als sie ihre Fingerchen gerade in seiner gut gefüllten Briefftasche hat. In diesem Moment tauchen auch noch zwei seiner Kollegen auf und in seiner Erregung vergewaltigen sie Catherine als eine Art Strafaktion für den versuchten Diebstahl. Erst danach bemerken die Männer, was sie dem Mädchen wirklich angetan haben und versuchen sich nun mit dem Geld ihr schlechtes Gewissen gegenüber Catherine reinzuwaschen.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)So gelangt die Clique also an das nötige Geld für Betty, die den Schwangerschaftsabbruch durchführen lässt, was aber mittlerweile auch ihrem Vater aufgefallen ist, der erst einmal aus allen Wolken fällt. Auch der jugendliche Übeltäter taucht, bevor er die Stadt verlässt, nochmals bei Betty auf und übergibt ihr nachträglich das Geld, welches sie für die Abtreibung benötigt hätte. Doch als Betty Catherine das Geld wieder zurückgeben will, rastet Catherine völlig aus und verschwindet, denn sie hat den anderen bisher verschwiegen, das sie an dem Abend von den Männern vergewaltigt wurde.

Als Annie, Betty sowie Susanne mit ihrem Freund einen Ausflug mit Annies Freund, einem Musiker machen wollen, nagt natürlich dieser Vorfall bei ihnen bedenklich in der Seele, zumal sie auch immer noch nicht wissen, was plötzlich in Catherine gefahren ist. Kurz entschlossen schnappen sich die drei Mädchen das Auto des Musiker, lassen diesen samt Susannes Freund an einer Tankstelle zurück und fahren los um Catherine zu suchen. Erst hierbei fällt ihnen allerdings auf, dass sie von Catherine eigentlich nichts wissen, denn weder wohnt Catherine in dem angegebenen Elternhaus, noch ist der betreffende reiche Mann dort ihr Vater.

Erst nachdem sie durch einige Hinweise herausbekommen, wo Catherine wirklich lebt und was sie beruflich macht, können sie sie abholen um mit ihr an die Küste zu fahren. Erst dort fällt ihnen bei dem klärenden Gespräch mit Catherine auf, wie tief ihre Freundschaft zueinander wirklich ist und wie oberflächlich sie genau diese, für sie wichtige Freundschaft, bisher gepflegt hatten.      

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Meine Filmkritik:
Wie oben bereits gesagt, hat der Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN von der inhaltlichen Qualität von Filmen wie EMANUELLE oder GWENDOLINE seitens des Regisseur Just Jaeckin nichts zu tun, da es sich hier eigentlich nicht um einen Erotikfilm handelt, wie es uns auch die WVG Medien GmbH durch die Aufnahme des Films in ihre DVD-Erotik-Filmreihe gerne suggerieren möchte. Da werden in dieser sogenannten EROTIK-CLASSICS-COLLECTION nämlich Äpfel mit Birnen in einen Korb geworfen, ganz in der Hoffnung, es merkt ja eh keiner.

Diverse (fasst) hüllenlose Szenen sind also verschwindend gering und wer hier also eher auf optische Schlüsselreize im Film hofft, der dürfte sichtlich enttäuscht werden. Dafür hatte Jaeckin allerdings bei der Auswahl der zum Teil noch recht jungen Darstellerinnen und Darsteller ein besonders gutes Händchen. Zu nennen wäre da z.B. Anne Parillaud, die auch 1989/1990 in dem französischen Thriller NIKITA (Regie und Drehbuch Luc Besson) so richtig in Sachen Härtegrad und Action  für Jubel bei den Fans sorgte. Zwar gab es seitens der USA später ein filmisches Remake mit Bridget Fonda in der Hauptrolle unter dem Titel CODENAME: NINA (1993), jedoch konnte diese US-Kopie dem Originalfilm nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen, egal ob bei dem Härtegrad, der Action oder der gebotenen Leistung der Hauptdarstellerin. Weitere bekannte Filme mit Anne Parillaud sind zudem der Vampirfilm BLOODY MARIE - EINE FRAU MIT BISS aus dem Jahre 1992 oder DER MANN MIT DER EISERNEN MASKE aus dem Jahre 1998.

Ebenfalls wäre als Beispiel noch zu nennen die Darstellerin Isabelle Mejias, die 1984 in dem Film DAS NÄCHSTE OPFER zu nennen, wo sie neben Kiefer Sutherland, Liv Ullmann und Mathieu Carriere spielte.  Aber auch in dem kanadischen SF/Horrorfilm SCANNERS II: THE NEW ORDER (in Deutschland unter dem Titel SCANNERS II. gelaufen), unter der Regie von Christian Duguay aus dem Jahre 1991, spielt sie mit.

Der Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN fängt, wie es sich für einen Film über und für Jugendliche gehört, erst einmal ziemlich locker und bisweilen auch lustig an. Doch schon nach einer überschaubaren Spielzeit nimmt die Dramaturgie immer fester die Zügel innerhalb der Handlung in die Hand.

Da werden dann nicht nur Lügen thematisiert, die z.B. Catherine um sich aufgebaut hat, weil sie glaubt, sonst nicht mehr von ihren Freundinnen akzeptiert zu werden oder die fehlende Liebe und Zuwendung, weil die Mutter zum einen in ihrer Arbeit voll eingespannt ist und auch der Meinung ist, die Fehler bei ihrer Tochter so wieder gut machen zu können, die sie als Jugendliche selbst durch die Einschränkungen seitens ihrer Eltern am eigenen Leib erfahren musste. Dabei jedoch verfällt sie ins andere Extrem und zeigt ihrer Tochter keine Grenzen auf, so das Catherine bei ihr auch einen gewissen menschlichen Halt und Geborgenheit vermisst.

Auf der anderen Seite gibt es dann auch für die anderen Mädchen so ihre Probleme mit den Jungs, was eben die jüngste, Betty dazu verleitet, ihre Jungfräulichkeit aufs Spiel zu setzen, ohne zumindest über die Verhütung und damit möglichen Folgen nachzudenken, was natürlich in einer ungewollten Schwangerschaft mündet, von der der junge "Liebhaber" natürlich wiederum erst einmal nichts wissen will.

Damit sich Betty allerdings nicht ihr noch junges Leben völlig mit einem Kind verbaut, kommt nur ein Schwangerschaftsabbruch in Frage. Nur der kostet eine Menge Geld und den Eltern will man die Schwangerschaft nun auch nicht gerade auf die Nase binden. Also sucht man locker flockig Mittel und Wege, um für Betty das Geld aufzutreiben.

Genau hier setzt der Film recht anschaulich und Verständlich für gerade junge Zuschauer an, indem er aufzeigt, dass eine bestimmte Aktion auch immer der Auslöser einer bestimmten Reaktion sein kann, dessen Gefährlichkeit man im Vorfeld vielleicht noch nicht einschätzen kann. Und in diesem Fall ist die Reaktion alles andere als positiver Natur, denn es kommt zu einer Vergewaltigung durch mehrere männliche Unternehmensvertreter, denen man hier sichtlich gerne ans Geld möchte.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Gesamt gesehen ist GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN trotz der einen oder anderen durchaus lustigen, wie romantischen Einlage ein Film mit einem gehörigen Tiefgang, ohne jedoch gleich mit einer gerne eher aufgesetzt wirkenden Moralkeule aufzuwarten, die an der eigentlichen Realität junger Menschen dann eher vorbei geht.

Man sieht also, der Film trifft mit so manchem ernsten Thema auch so manche wunden Punkte, die Jugendliche durchaus umtreiben können. dabei ist der Film aber auch trotzdem mit lustigen Einlagen versehen und mit jede Menge recht guter Songs aus der damaligen Zeit unterlegt, so das es sich hier nicht um ein Drama handelt, welches eventuell völlig an den Sehgewohnheiten junger Menschen vorbei geht.

Da ich so manchen Film von Just Jaeckin durchaus sehr ansprechend finde, auch wenn sie in der Regel eher dem Erotikfilm zuzurechnen sind, so muss ich ihm hier aber auch neidlos zugestehen, das er mit GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN damals in Sachen Jugend und jugendgerechte Filme mit einem gewissen Anspruch durchaus den Finger an die richtigen Punkte gelegt hat, ohne nun durch die Gestaltung der Handlung Oberlehrerhaft herüber zu kommen. Von mir gibt es dafür eigentlich glatte fünf von insgesamt fünf Punkte als Bewertung. Doch einen Punkt muss ich leider abziehen, was allerdings nicht am Film bzw. dessem Inhalt selbst liegt, sondern an der Art der Veröffentlichungspraxis seitens der WVG Medien GmbH, die durch die fälschliche Aufnahme dieses Films in ihrer EROTIK-CLASSICS-COLLECTION und damit durch die zahlreich angehängten Trailer diverser 70er-Jahre-Sexfilmchen, die Altersfreigabe für die gesamte DVD damit auf die völlig unrealistische Höhen von 18 Jahren geschraubt hat. Verbleiben so also wegen dieser doch recht seltsamen Veröffentlichungspolitik nun vier von insgesamt fünf möglichen Punkte für den Film GIRLS - DIE KLEINEN AUFREISSERINNEN.

Ausblick:
Oder Weitblick ... oder doch eher Rückblick? Den Ausblick hattet ihr ja bereits bekommen, weswegen das Thema auch zu diesem Film hier ja bereits etwas Gegenstand diverser Kommentar-Diskussionen im ZAUBERSPIEGEL gewesen ist.

Dies betrifft natürlich auch die kleine Reihe von Animationsfilmen die sich in meiner Sammlung befinden und größtenteils aus dem Hause DC Comics/Warner Bros. stammen. Diese kleine Reihe wird, auch wenn hier im ZAUBERSPIEGEL an anderen Stellen schon einige Artikel zum Bereich Animationsfilme von mir erschienen sind, erst einmal die Lücke füllen, die das Ende der Reihe DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER nun hinterlassen hat. Da hat sich nämlich in meiner Sammlung in den letzten Monaten so einiges getan, weswegen wir uns nächsten Samstag in eine Epoche nach Gotham bewegen werden, wo in England noch Königin Victoria mit dem Zepter um sich geschmissen hat und die Industrialisierung per Dampf und Gestank so richtig in fahrt kam.

Dies war dann auch die Zeit, in der ein Serienkiller mit weitreichenden Kentnissen der menschlichen Anatomie im Londoner East End für einige Zeit sein Unwesen trieb, welchen man auch als The Whitechaple Murderer oder Leather Apron benannte. Unter einer weiteren Bezeichnung ist er jedoch in der Welt wesentlich bekannter geworden. Zudem ist er der Serienkiller, bei dem man selbst heute noch immer nicht wirklich sagen kann, welche Person hinter diesen grausigen Taten steckte (einige mehr oder weniger gute Verdächtige hatte man ja bis heute schon zumindest präsentieren können).

Wer also diesen AUSBLICK nun nicht mitverfolgt hatte, wo die Frage nach dem Titel des Animationsfilm aus dem Hause DC gestellt wurde, der darf gerne ab hier noch mitraten. Aber Vorsicht, es geht nicht um den bekannten Namen des Serienkillers, auch wenn der darin eine recht überraschende Rolle spielt.

Damit wünsche ich hier schon einmal viel Spaß mit der (eher) kleinen Reihe DER BUNTE SAMSTAG DER HELDEN und verabchiede mich erst einmal bis zum nächsten Wochenende.

Girls - Die kleinen Aufreisserinnen (Girls)Girls - Die kleinen Aufreisserinnen
(Girls)
mit Anne Parillaud, Zoe Chauveau, Isabelle Mejias, Charlotte Walior, Christophe Boursailler, Etienne Chicot, Pilipphe Klebert, Catherine Lachens, Paul Blain, Jacques Houssou, Laszlo Szabo, Gerard Louissine, Yves Knapp, Ludwig Abrahami, Georg Burki Michael Schwarzmaier, Claus Obalski u.a.
Regie: Just Jaeckin
Drehbuch: Just Jaeckin, Jean-Luc Voulfow
Produktion: TV 13 Filmproduktion, Horst Hächler
Genre: Romantik/Drama/Erotik
Laufzeit: 95 Minuten
DVD/FSK: 18 Jahre (vorliegende Version wegen der Trailer, ansonsten 16 Jahre Altersfreigabe)
Vertrieb: WVG Medien GmbH
Frankreich/Deutschland/Kanada 1980

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Kommentare  

#1 Andreas Decker 2018-05-26 14:13
Manche Neuveröffentlichungen sind schwierig. Entweder superedel, aufwändig und teuer. Oder billig und oft schrottig. WME ist da besonders auffällig. die bringen viele alte Soft-Erotikfilme mit neuen, nichtssagenden Covern. Wie man einen Laura Gemser-Film ohne Laura Gemser auf dem Tibi vermarkten kann, ist mir nicht ersichtlich. Oder Ingrid Steeger ohne Ingrid Steeger. Da ist zb. Donau-Film ein ganz anderes Kaliber. Immer ordentlich gemacht.

Dass so wenig Neueinreichungen wegen der FSK gibt, ist verständlich. Das kostet nur Geld, und bis das wieder drin ist, muss man einige DVDs verkaufen. Und es ist nicht mal gewiss, dass man bei der FSK damit durchkommt.

Man wundert sich, dass überhaupt noch so viel produziert wird. So oft, wie die DVD totgesagt wird. Ist wohl wie beim Heftroman :-)
#2 Andreas Decker 2018-05-26 14:22
Übrigens interessant, dass Jaeckin auch anderes konnte. ich kenne von ihm nur die offensichtlichen Klassiker wie "Emmanuelle" oder "O". "Gwendoline" lief mal recht häufig im TV, aber in letzter Zeit wohl auch nicht mehr.

Hast du "Draculas Witwe" mal gesehen? Ist mir leider unbekannt und soll ziemlicher Schund sein, klingt aber spaßig.
#3 Friedhelm 2018-05-26 16:22
Ganz ehrlich, diese Teenie-Movies haben mich irgendwie nie wirklich interessiert. Mein Kumpel hat mich damals (in den Siebzigern..) in so ein französisches Filmchen mit dem Titel "Her mit den kleinen Engländerinnen reingeschleppt - da wäre ich dann fast eingeschlafen.

Zitat:
Hast du "Draculas Witwe" mal gesehen? Ist mir leider unbekannt und soll ziemlicher Schund sein, klingt aber spaßig.
Schund ist da noch untertrieben - das war echter Zelluloid-Shit. Ich mag ja eh keine Silvia-Kristel-Vehicle" - aber der wäre auch mit einer anderen Darstellerin unterste Schublade gewesen.

Zum Ausblick: Okay, wenn du da den Titel möchtest kann ich erstmal nur das Original nennen - müsste "Gotham by Gaslight" sein.

In anderer Sache: Als Ersatz für die "Phantastischen Filmklassiker" könntest du doch eine Reihe bringen, in der du deine "Kino-Erlebnisse" darstellst. Mich interessiert ja immer, wie andere Filmfans ihre frühen Jahre mit dem Kino "verbracht haben". Manchmal entdeckt man da nämlich echte "Gemeinsamkeiten..." Dürfte durchaus interessant werden - denke mal drüber nach...
#4 Laurin 2018-05-26 17:16
@ Andreas Decker:
Wie gesagt oben, der muss nicht neu eingereicht werden wegen der FSK, der hat schon eine 16er Freigabe. Man muss einfach nur die Masse an Trailer von der DVD schmeißen mit diesen sinnfreien Softpornos der 70er Jahre. Zumal dieser Film oben in diese Nackedei-Edition nicht einmal hinein gehört.
"Draculas Witwe" habe ich nicht gesehen und ehrlich gesagt, zieht es mich zu diesem Film auch nicht wirklich hin.
Das da bei manchen Filmen mit Covern von anderen Filmen hantiert wird und entsprechend dann auch Namen von Darstellern auftauchen die nicht einmal mitspielen, ist schon eine ziemlich üble Kiste.
Und der Niedergang der DVD bzw. BD wird schon lange immer mal wieder herbeigeredet. Da gebe ich eigentlich nichts mehr drauf weil die Realität da sichtbar eine völlig andere Sprache spricht.

@ Friedhelm:
Och, den Film "Her mit den kleinen Engländerinnen" fand ich durchaus spaßig. Ist nur so verdammt lange her, wo ich den das letzte mal gesehen hatte.

Das eine oder andere könnte in Sachen "Erinnerungen an die früheren Kinoerlebnisse" durchaus ebenfalls spaßig sein. Für eine ganze Reihe reichen aber da die Erinnerungen wohl nicht ganz aus, da nicht jeder Besuch und das Erlebte wirklich noch gut hängen geblieben ist. Das würde also für maximal drei Artikel was bringen. Vielleicht hat Horst aber auch gefallen an der Idee, dann könnte ich da mal zwei bis drei Artikel liefern, wenn ich da mal in mich gehe.

PS: Der Originaltitel "Gotham by Gaslight" ist auch der deutsche Titel. Also 100 Gummipunkte sind dir nun sicher. ;-)
#5 Friedhelm 2018-05-26 17:41
Zitat:
Das würde also für maximal drei Artikel was bringen
Wie wäre es da mit einem Gemeinschaftsprojekt? Ich würde dann ab und an einen Artikel beisteuern, du könntest ja mal schauen, ob deine Erlebnisse nicht doch noch mehr hergeben. Und wenn man evtl noch ein paar Mitstreiter fände, dann könnte das durchaus eine "runde Sache ergeben."
#6 Laurin 2018-05-26 22:14
Na ja, nicht alles ist mit den Jahrzehnten wirklich noch hängen geblieben und man muss da auch vorsichtig sein, weil man aus der Jugend doch gerne auch mal so einiges verklärt sieht.
Aber mach doch einfach mal eine kleine Grobplanung wer da was beitragen könnte (also ich halte da mal drei Artikel für mich erst mal als gesichert fest).

Und dann wäre da noch die Frage der "Mitstreiter", wer würde denn da gerne was zu in die Tastatur hämmern? :-)

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