Leit(d)artikel KolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Ein Filmklassiker - Zwei Mädels und jede Menge Ponys

Ein FilmklassikerFolge 33
Zwei Mädels und jede Menge Ponys

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. So ein Heimatfilm sollte in dieser Reihe auch nicht fehlen.

Die Mädels vom ImmenhofDie Mädels vom Immenhof
Den Originaltitel in Klammern können wir uns hier mal sparen, denn das ist der Originaltitel. Dafür zog dieser Film noch zwei Fortsetzungen nach sich. Anfang der 70er Jahre kamen dann nochmals zwei Filme hinzu, bei denen jedoch nur noch Heidi Brühl von der ehemaligen Besetzung übrig geblieben ist. Das hätte man auch nicht wirklich ändern können, denn nicht wenige aus der alten Filmbesetzung waren zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben oder konnten im Filmgeschäft nicht weiter Fuß fassen und verschwanden in der Versenkung, wie etwa Angelika Meissner, welche neben Heidi Brühl in der Rolle der quirligen "Dalli" die ältere "Dick" gespielt hatte.

Angelika Antja Voelkners (im Vorspann der Filme auch als Angelika Voelkner bzw. Angelika Meissner-Voelker aufgeführt) Karriere startete nämlich als sogenannter Kinderstar und endete dann 1963 mit dem Fernsehspiel HUNDERTTAUSEND TALER. Ihr letzter richtiger Kinofilm war indessen HUBERTUSJAGD aus dem Jahre 1959. Überlebt haben dürfte sie freilich fast alle Darstellerinnen und Darsteller der ersten drei Filme um den IMMENHOF, denn Angelika Antja Voelkner die nun unter dem Namen Angelika Meissner lebte, verstarb vor noch nicht langer Zeit am 10. Januar 2018 in Berlin. Das ihr Nachname nicht nur bei diversen Filmen im Vorspann wechselte, lag an der Scheidung der Eltern, welche dann Namensänderungen nach sich zogen. Am Ende trug sie dann eben nur noch den Namen Angelika Meissner.

Heidi Brühl, die hierbei auch über ihre Zeit als Kinderstar hinaus sowohl national wie international (sie feierte auch Erfolge in den Vereinigten Staaten) erfolgreich im Film- und Musikgeschäft blieb, war ja bereits im Juni 1991 in Starnberg verstorben, als man eine Notoperation nach rund 30 Minuten abgebrochen hatte. Es folgte darauf wegen der wohl weit fortgeschrittenen Krebserkrankung ein Versagen des Herz-Kreislauf-Systems, weshalb die sympathische Schauspielerin und Sängerin mit gerade 49 Jahren aus der Narkose nicht mehr aufwachte. Heidi Brühl hatte sich bereits längerer Zeit vorher einigen Brustkrebsoperationen unterziehen müssen, lehnte jedoch damals eine Amputation der Brust kategorisch ab. Danach wandte sie sich dem Naturheilverfahren zu. Laut Aussagen war sie sich des Risiko der letzten Operation im Vorfeld jedoch durchaus bewußt gewesen.

Die Mädels vom ImmenhofHeidi Brühl blieb so in allen fünf Filmen zum IMMENHOF die einzige wirkliche Konstante der Filmreihe. Ob und warum man nicht auch bei Angelika Meissner angeklopft hatte, als man sich entschloss, mit den Filmen DIE ZWILLINGE VOM IMMENHOF (1973) und FRÜHLING AUF IMMENHOF (1974) die ersten drei Filme fortzusetzen, kann ich hier leider nichts zu berichten. Es dürfte allerdings wohl auch eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, das Angelika Meissner zu diesem Zeitpunkt bereits zu lange aus dem Filmgeschäft verschwunden war.

Das Angela (da offiziell in der Fortsetzung verstorben), gespielt von Christiane König in der Fortsetzung nicht mehr mitspielte, hatte so seine Gründe. Paul Klinger wollte damals bereits von Anfang an seine Ehefrau Karin Andersen an seiner Seite haben, was dann auch in der Fortsetzung umgesetzt wurde. Christiane König wiederum durfte bei der Premiere von DIE MÄDELS VOM IMMENHOF in Hannover dann nicht einmal mehr mit den anderen Darstellerinnen und Darstellern auf die Bühne, um sich und den Erfolg des Film feiern zu lassen. Der Grund hierfür und damit auch für ihr frühes Ausscheiden aus der Filmreihe lag darin begründet, dass sie ein sehr eindeutig-zweideutiges Angebot des Produzenten Gero Wecker abgelehnt hatte. Dies war dann seitens Wecker auch wiederum das Aus für Christiane König und ihre Rolle als Angela in den Fortsetzungen. Man sieht also, auch im frühen deutschen Film gab es schon eine kleine "Weinstein-Affäre" zu vermelden, welche damals aber noch niemanden wirklich entrüstet auf die Barrikaden gebracht hatte. Übrig blieben so eben nur die etwas schmierigen Fakten, welche Christiane König späterhin in einem Interview kaum noch wahrgenommen offenbarte.   

Die Mädels vom ImmenhofDer Immenhof - wohl keine so heile Welt:
Im Großen und Ganzen geht ein Heimatfilm ja immer mit einem Happy End in die Endrunde. Vorher darf aneinander vorbei geredet werden, sich ab und an auch mal kräftig auf die Brotluke gehauen werden und in ganz harten Fällen wird auch mal gestorben mit allem was dazu gehört an Herz und Schmerz. Aber am Ende muss dann in 98 - 99 Prozent ein Happy End stehen. Ansonsten wurde Oma und Opa nicht glücklich vor dem Fernseher.

Im ersten Film DIE MÄDELS VOM IMMENHOF geht es hierbei gleich schon richtig in die Vollen, denn Oma Jantzen und ihre drei Enkelinnen Angela, Barbara (Dick) und Brigitte (Dalli) plagen enorme Geldsorgen. Da steht der Hof dann auf der Kippe wie noch nie. Zum Glück springt dann Dank Dick Jochen von Roth ein, den Oma Jantzen zuerst so garnicht koscher findet. Der gibt seine Pferdezucht auf, steckt sein Geld für die Reitpferde in die Rettung des IMMENHOF und schmeißt sich dann auch gleich an die älteste Enkelin, Angela heran. Scheint also alles auf ein Happy End heraus zu laufen. Doch hier wird der Zuschauer im zweiten Film HOCHZEIT AUF IMMENHOF eines besseren belehrt. Zwei Jahre sind vergangen, Oma Jantzen lebt nun mit Dick und Dalli bei Jochen von Roth, da auf dem Immenhof wieder mal der Gerichtsvollzieher lustwandelt. Und auch sonst lief es alles andere als Glücklich, denn Angela starb nur wenige Wochen nach der Hochzeit mit Jochen. Da muss dann die Idee von einem Ponyhotel her und ein Geldgeber, da die Banken von dieser Idee nicht so ganz angetan sind. Toll übrigens, dass der potentielle finanzielle Retter auch noch eine heiratsfähige Tochter (Margot) in der Hinterhand hat, die Jochen ganz schnell vor den Traualtar führt. In FERIEN AUF DEM IMMENHOF gehts dann auch gleich weiter, denn Dick, Dalli, Ethelbert und dessen Freund Ralf Schüller tragen mit ihrem Werbeblättchen für das Ponyhotel Immenhof etwas zu dick auf. Die Finanzsorgen lauern immer noch wie ein Damoklesschwert über Jochen, Margot und Oma Jantzen, aber am Ende scheint endlich mal das Happy End zuzuschlagen.

Tja, sollte man denken. Aber dem ist immer noch nicht so. Denn als man 1973 daran ging, mit dem Film DIE ZWILLINGE VOM IMMENHOF die drei filmischen Vorgänger fortzusetzen, scheint wohl alles damals nicht wirklich funktioniert zu haben. IMMENHOF ist längst kein Ponyhotel mehr, weil diese Idee wohl bald eine volle Bruchlandung hinlegte. So blüht hier wieder die schnöde Landwirtschaft mit Ponys in der Hinterhand unter dem Pächter Alexander Arkens (Horst Janson) samt seinen Zwillingen Sibylle (Billy) und Roberta (Bobby) und dessen Großmutter, die man auch nett als die "Zarin" bezeichnet.

Die Mädels vom ImmenhofBrigitte (Dalli) war wohl die einzige, die noch auf dem Immenhof zurückgeblieben ist. Alle anderen sind weder verstorben oder hatten schon vorher das Weite gesucht. Auch Brigitte tingelt nun beruflich als Dolmetscherin um den Globus, bis das sie vom Stress zusammen klappt. Ein Urlaub muss her und wo sollte man den besser verbringen können, als auf den IMMENHOF zurückzukehren und in Erinnerungen zu schwelgen.

Ab da hätte man den Film auch locker in 30 Minuten abhandeln können, denn die Handlung greift auf nur zu bekannte Muster der ersten drei Filme zurück. Großmutter Arkens wird vom Dr. Tiedemann umgarnt, so wie es früher der Tierarzt Dr. Pudlich es bei Oma Jantzen vorgemacht hatte. Billy und Bobby sind die etwas billigere Variante von Dick und Dalli, wobei das erste Auftauchen und die erste Verliebtheit zwischen Ethelbert und Dick hier auch nochmals wieder kopiert wird. Parallelen zu den ersten drei Filmen um den IMMENHOF gibt es also in Massen in DIE ZWILLINGE VOM IMMENHOF und FRÜHLING AUF IMMENHOF. Auch die Idee eines Ferienhof mit Ponys und Pferden wird wieder aufgewärmt, was Dalli allerdings in den Filmen nicht gerade mit ungeteilter Freude quittiert. Würde Alexander Arkens dabei nicht als dauerhaft sturer wie wortkarger Pächter auffällig werden, ließen sich die Verwicklungen und Unebenheiten in den letzten beiden Filmen um den IMMENHOF samt der sich entwickelnden Beziehung zwischen Alexander und Dalli zeitlich enorm zusammenstreichen. Um die Filmlänge also doch noch zweimal zu erreichen, wirken die Zwillinge Billy und Bobby mit ihren Streichen nun leider eher schon als Füllmaterial, da ein sturer Jochen mit der Zeit eher nur nervig wirken würde. Unter dem Strich bleibt das "finanzielle Grundproblem" bis zum Ende des fünften Films drohend über dem IMMENHOF hängen, was ein nun endlich mal eintretendes Happy End auch über den fünften Film hinweg wieder etwas trübt.

Die Mädels vom ImmenhofDa hätte es noch einen vierten Film geben sollen:
Ja, nach den ersten drei Filmen hatten ganz Mutige noch einen vierten Film geplant gehabt, welcher 1958 gedreht werden sollte. Auch ein Titel stand wohl schon fest, der wohl SOMMERNACHT AUF IMMENHOF hätte lauten sollen.

Aus mehreren Gründen wurde dieser Plan dann jedoch wohl schon im Ansatz nie verwirklicht und der Film als solches auch nie gedreht. Doch so ganz ist diese Idee dann doch noch nicht gestorben gewesen, denn Mario Würz, nicht nur der wohl größte Fan der IMMENHOF Filme, sondern auch Betreiber des "Immenhof-Museum" in Bad Malente, hat diese Geschichte mit dem Titel SOMMERNACHT AUF IMMENHOF zumindest in einem 110-Seiten-Taschenbuch zusammengefasst, welches durchaus erhältlich ist. Ein weiteres Taschenbüchlein steuerte Würz dann nochmals als Autor hinzu mit dem Titel ABSCHIED VOM IMMENHOF mit lockeren 76 Seiten Umfang. Beide Büchlein haben allerdings wohl durch die Bank mit einigen Kritiken zu kämpfen. Von "schmalztriefend" geschrieben bis zum Charakter des Schreibstil eines "Schulaufsatz" wie bei einem "achtjährigen Kindes", wissen hier so manche Leserinnen und Leser bei Amazon zu berichten. Ich selbst kenne keines dieser Taschenbüchlein und bin hierfür wohl auch kaum der richtige Ansprechpartner, da ich hierbei eh eher auf die fünf verfilmten Versionen stehe, Romane hierzu aber wohl nie wirklich anfassen würde.

Hätte man diesen vierten Film allerdings in Angriff genommen gehabt, so hätten wir heute wohl sechs Filme um den IMMENHOF. Und auch wenn in den letzten beiden Filmen anfang der 70er Jahre vieles wieder etwas abgewandelt eingeflossen ist, was man bereits aus den ersten drei Filmen her kannte, so erfüllen sie trotzdem noch einen gewissen netten Sympathiewert, den ich hier gerne mitnehme, solange ich in Sachen Heimatfilm keine rauhen bayrischen Burschen auf ihren Lederhosen die Alpen herunter rutschen sehen muss, um ihre Hämmorrhoiden los zu werden und nebenbei die fesche Resi im Dirndl dabei vor den Traualtar zerren, bevor sie dann wieder im Wald Hirsche umschubsen gehen. Oder anders gesagt, Heimatfilme und besonders solche aus dem Raum Bayern sind und waren noch nie wirklich mein Ding. In der Regel verlasse ich bei solchen Filmen nämlich fluchtartig den Raum. Die Filme um den IMMENHOF bilden da also quasi eine auffällige Ausnahme von der bekannten Regel. Zum anderen muss ich zugeben, dass ich schon als Kind in gewisser Weise eine Art Fan von Heidi Brühl war, auch wenn ich nicht wirklich zu den Frühreifen zählte (die Mädchen wurden bei mir erst mit 14 oder Anfang des 15 Lebenjahr wohl interessant).

Doch riskieren wir hier nun einen flotten Einblick in die Handlung von DIE MÄDELS VOM IMMENHOF, welcher von Wolfgang Schleif (Regie) und Gero Wecker (Produktion) umgesetzt wurde. Das Drehbuch stammte im übrigen von Peer Baedeker und Erich Ebermayer, wurde dann aber nochmals überarbeitet von Wolfgang Schleif und Hansi Kessler.

Die Mädels vom ImmenhofEin Gestüt, Liebe und Geldsorgen und jede Menge Ponys:
Auf dem Gutshof Immenhof trägt sich Oma Jantzen mit beträchtlichen Geldsorgen und auch der Gerichtsvollzieher steht hier schon in den Startlöchern. Da helfen auch die guten Zuchterfolge bei den Ponys nicht wirklich weiter.

Ihr zur Seite steht ihre Enkelin Angela und deren jüngere Schwestern Dick und Dalli. Besonders die zwei jüngsten Mädchen verbringen hier ihre wohl unbeschwerteste Jugendzeit. Und dann wäre da noch der alte Tierarzt Dr. Pudlich, der sich gerne bei Oma Jantzen aufhält, hatte er doch schon immer gehofft, die Dame einmal vor einen Traualtar bringen zu können.

Angela wiederum hat es der Nachbar Jochen von Roth angetan, der in den Augen von Oma Jantzen allerdings eher etwas kritisch betrachtet wird. Jochen wiederum möchte eines seiner wertvollen Reitpferde verkaufen, um das Geld dann in eine ordentliche und gewinnbringende Pferdezucht zu stecken. Selbst würde er aber wohl auch Angela liebend gerne vor den Altar bringen um sie zu seiner Ehefrau zu machen.

Da auch bald Ferien sind, erwartet man auch noch den jungen Ethelbert als Feriengast auf Immenhof, auf den besonders Dick und Dalli gespannt sind. Doch der junge Bursche entwickelt sich erst einmal für die Mädchen als große Enttäuschung. Benimmt er sich doch zu Beginn wie ein arroganter Schnösel aus der eher entfernten, aber finanziell gut betuchten Verwandtschaft.

So wird Ethelbert trotz des anfänglichen Interesses von Dick an ihm, zu einem Außenseiter, dem auch mal Jochen ins Gewissen reden muss. So nähert er sich wieder Dick an und rettet mit ihr in einer Gewitternacht auch noch ein verletztes Fohlen und wacht mit ihr gemeinsam die ganze Nacht über das Fohlen im Stall.

Die Geldsorgen werden jedoch nicht weniger, sondern ziehen sich quasi immer bedrohlicher über dem Immenhof zusammen, so das sich Oma Jantzen schweren Herzens sogar über den Verkauf von Immenhof Gedanken macht. Das wiederum bekommt natürlich auch Dick mit und wendet sich hierzu hilfesuchend an Jochen. Der wiederum kippt hierauf seine eigenen Träume von einer Pferdezucht und kauft für den Erlös seiner Pferde erst einmal das bisher nur gepachtete Forsthaus Dodau. Mit diesem Geld ist es Oma Jantzen dann auch möglich, den gierigen Pleitegeier vorläufig über Immenhof zu vertreiben.

Doch da Jochen sich so stark eben auch für den Immenhof eingesetzt hat, sieht es Oma Jantzen nun mit einigem Wohlwollen, wie sich die Dinge in Liebesfragen nun recht schnell zwischen Jochen und Angela entwickeln. Da aber auch die Ferien nun wieder am Ende sind, fällt es auch Ethelbert recht schwer, sich besonders von Dick zu trennen. Schließlich haben sich zwischen ihm und dem Mädchen auch einige zarte Bande gebildet.

Die Mädels vom ImmenhofMeine Filmkritik:
Wie bereits oben gesagt. Ich war schon immer irgendwie ein Fan von Heidi Brühl und den Filmen um den IMMENHOF, welche für mich immer schon erfrischend anders als die typisch bayrische Heimatfilm-Industrie waren, die mich als Kind am laufenden Meter (meistens  Samstags am Abend) im Fernsehen geradezu quälten. Meine Eltern jedenfalls konnten von dem Bergvolk nicht genug kriegen, weshalb diese Heimatfilme alle geschaut, dann noch mit dem Komödienstadl angereichert wurden und man auch am Tage noch durch jodelnde Hilfeschreie mit musikalischer Unterfütterung verfolgt wurde.  Und auch was die komischen Bühnenstücke anging, standen mir damals das Ohnsorg-Theater oder die Millowitsch-Bühne in Köln weitaus näher. Das verstand ich zumindest und da konnte ich mitlachen. Bei den Bayern gelang mir dies nie wirklich, weil deren Humor oft irgendwie falsch und gekünselt bei mir herüber kam.

So kamen mir die Filme um den IMMENHOF auch nie wirklich als Heimatfilme vor. Sie waren eher beste Unterhaltung wie etwa auch die vielen Filme mit Heinz Erhardt, die mich schon in ganz jungen Jahren vor den Fernseher zogen.

Mit einem gewissen Abstand wirkt das Schauspiel mitunter heute zwar etwas altbacken, aber dieses Problem haben eben nicht nur die alten Filme um den IMMENHOF und der reine Nostalgiefaktor lässt einen da auch irgendwie wieder milde darüber hinwegsehen. Die zwei letzten Filme, wo nur noch Heidi Brühl von der Urbesetzung übrig geblieben ist und wo man ihr die Zwillinge Birgit und Bettina  Westhausen samt Horst Janson zur Seite stellte, wirken dagegen eher in vielen Szenen wie eine Wiederholung aus den ersten drei Filmen. Man nehme nur das Fohlen eines Ponys, welches in den alten Filmen unter einem Ast begraben wurde. Hier nun liegt es erschöpft im Wasser. Das Resultat jedoch ist faktisch gleich, denn steht das Fohlen wieder auf allen Vieren und trinkt Milch beim Muttertier, dann überlebt es natürlich auch. Diese sehr auffälligen Gleichungen könnte man hier noch eine ganze Weile weiter auflisten. Ein wenig mehr eigene Ideen hätten den zwei späteren Fortsetzungen jedenfalls eher gut getan. Und Horst Janson nervt mitunter auch mit seiner gespielten Sturheit, bei der man ihm ab und an gerne mal eine Dachlatte auf den Hinterkopf knallen würde, damit er mal endlich in der Realität des zwischenmenschlichen Austausch ankommt. Aber wie sagt man so schön, alles ist besser, als ein jodelnder Bayer mit Zahnschmerzen.

Die Mädels vom ImmenhofIn meiner Filmsammlung dürfte daher auch die DVD-Box mit allen fünf Filmen um den IMMENHOF etwas auffällig und sonderbar wirken, aber auch  solche kleinen Ausrutscher muss es schließlich geben wie das Salz in der Suppe. Gesamt gesehen kann ich da allen fünf Filmen noch gute vier von insgsamt fünf Ponys als Bewertung geben. Der Film DIE MÄDELS VOM IMMENHOF schafft es dabei auf lockere fünf von insgesamt fünf Ponys in der Bewertung. So schneidet die Filmreihe bei mir persönlich also durchaus noch recht gut ab, so das ich mir diese Reihe wohl auch noch so einige male in den Player legen werde. Man muss ja auch mal eine Pause haben bei so vielen Filmen mit Blut, Gedärmen und wandelnden Leichen.

Ausblick:
Ein altes Sprichwort sagt, dass die Geschichte immer von den Siegern erzählt wird. Das gilt auch in großen Teilen für die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den weißen Siedlern und ihren Soldaten, den Blauröcken auf der einen und den Indianern auf der anderen Seite.

Als Soldat weiß man da zumindest, dass man auf der richtigen Seite steht. Zumindest glaubt man das nur zu gerne. Das man Stück für Stück den Ureinwohnern das Land weg nahm und ihre Jagdgründe ruinierte, ganze Stämme faktisch ausrottete und die letzten Überlebenden der ehemals stolzer Stämme in Reservate zusammen trieb, da sieht man denn auch gerne mal drüber weg.

Die USA tut sich da heute immer noch recht schwer, sich richtig mit ihrer eigenen Geschichte auseinander zu setzen. Zwar mag sich auch hier einiges verbessert haben gegenüber dem Geschichtsbild, welches man noch vor, sagen wir mal, rund 80 Jahren pflegte. Es ändert nur leider nichts an den Tatsachen, dass die Geschichte der USA immer noch von einer Welle von Lügen und Halbwahrheiten durchsetzt ist. Und damit dies so bleibt, kaschiert man die Grausamkeiten und Verbrechen gerne mit dem viel zitierten Pioniergeist der ersten Siedler auf dem neuen Kontinent ... und eben auch denen, die ungebeten ihnen noch in Massen nachfolgen sollten.

Da geloben die Kinder dann auch immer noch in den Schulen ihre Treue zu einer "Nation unter Gott", wobei man hier auch mal kritisch fragen sollte, unter welchem Gott ihr blutiger Pioniergeist denn gewirkt hatte? Man kann im Hinblick auf die USA durchaus ab und an nämlich kritisch die Frage stellen, ob es sich hier immer um den selben Gott handelt, der uns da in der Bibel seitens des Christentums präsentiert wird. Zumindest was die USA betrifft, bin ich mir da nämlich nicht immer so sicher. Deren Glaube wandelt nämlich nicht unbedingt selten auch schon mal hart an den Grenzen von systematischem Selbstbetrug und ungesundem Größenwahn.

In dem nächsten Filmklassiker nehmen wir uns daher einmal wieder einen Western vor, der in diesen Punkten dem Pioniergeist und der vorgeblich richtigen Seite durchaus sehr kritische Töne verpasst. Und dies gerade durch den Blickwinkel eines Mitglied eben der Blauröcke. Dieser zugegeben noch junge Soldat jedenfalls agiert in der Darstellung der damaligen Zeit eben noch im festen Glauben, auf der richtigen Seite zu stehen. Da hilft dann auch so manches zureden nichts.

Doch dann steckt er plötzlich mittendrin ... irgendwo zwischen dem massenhaften Sterben und jeder Menge blutiger Grausamkeiten. Und die gehen von einer Seite aus, von der er solches bisher nicht einmal im Traum annahm.

Nun, mehr möchte ich hier nicht verraten. Vielleicht kommt der eine oder andere auch bereits beim ersten durchlesen des "Ausblick" auf den Titel des Western, dem ich mich am nächsten Samstag in der Reihe DER FILMKLASSIKER annehmen werde. Zumindest halte ich persönlich diesen Western für einen der wichtigsten Beiträge in diesem Genre, weil er eben nicht das so einfache wie verlogene Bild in billigen Schwarz und Weiß präsentiert, in dem man so gerne filmisch die Gründergeschichte der USA präsentiert hatte.

Mal sehen, wer als erster den Titel dieses Western errät, der bereits damals in den Kinos für einige Diskussionen sorgte.
.

Die Mädels vom ImmenhofDie Mädels vom Immenhof
(Aus der DVD-Box: Immenhof - Die 5 Originalfilme)
mit Angelika Meissner, Heidi Brühl, Paul Klinger, Margarete Haagen, Matthias Fuchs, Paul Henckels, Christiane König, Josef Sieber, Ruth Lommel, Dirk Dautzenberg, Peter Tost, Hans Obermeyer, Tilo von Berlepsch u.a.
Regie: Wolfgang Schleif
Drehbuch: Erich Ebermayer, Peer Baedeker
Überarbeitung des Drehbuch: Wolfgang Schleif, Hansi Kessler
Produktion: Gero Wecker
Musik: Norbert Schultze
Genre: Heimatfilm
DVD-Box: Mit allen fünf Immenhof-Filmen/Gesamtlaufzeit ca. 444 Minuten
Laufzeit: 91 Minuten
DVD/FSK: 6 Jahre
Vertrieb: Universum Film
Deutschland 1955

 Zum ersten Artikel -  Zur Übersicht

 

Kommentare  

#1 DarkDancer 2018-08-25 04:57
Meine Großmutter,Gott hab sie selig,war ein Fan der Immenhof Filme und so musste ich notgedrungen auch die jeweilige Ausstrahlung mitgucken.
OK die Teile tun niemandem weh und plätschern so vor sich hin,warum nicht?
Zum Ausblick.. Soldier Blue war damals schwer im Gerede der älteren Jungs und besonders eine Szene wurde hinter vorgehaltener Hand immer diskutiert.
Nun viele Jahre später habe ich den Film selbst gesehen und erster Eindruck war einfach nur Langeweile pur. Bis auf etwa fünf min.
Zuwenig um bei mir bleibende Erinnerungen zu hinterlassen.
#2 Laurin 2018-08-25 09:08
@ DarkDancer:
Die Immenhof-Filme sind ja wie bekannt keine Action oder gar Spannungsfilme. Die sieht man sich einfach dann und wann mal an, wenn man mal ganz leichte Kost mag. Ich kenne da mittlerweile ein paar jüngere Filmfreunde (also jünger zumindest als ich, die die 50 noch nicht überschritten haben), die schauen sich sogar Filme an wie die "Lümmel von der ersten Bank" oder so. Die sind stellenweise eventuell noch was lustiger aufgebaut (oder an anderen Stellen auch eher etwas albern), aber treffen zu bestimmten Momenten eben dann doch den entsprechenden Nerv zwischen Action-, Horror und Thriller. Ich sehe mir die Immenhof-Filme wie gesagt auch ab und zu recht gerne an und mutiere da allerdings auch nicht zum dauerhaften Softie, sondern bleibe meinem Lieblingsthema Horror treu. :lol: Die persönliche Stimmung muss halt stimmen für solche Filme.

Der Film aus dem "Ausblick" mag für manche Sehgewohnheiten gewisse Längen aufweisen, was mich allerdings weniger stört, denn unter dem Strich zählt hier eher die Aussagekraft und die Richtigstellung einer in den USA sich selbst schöngeredeten Pionierzeit und all ihrem auch oft verlogenen Pathos. Wer da allerdings den Western von der Stange sucht (mit einer vieldiskutierten Szene), der dürfte wahrlich enttäuscht gewesen sein.
#3 Friedhelm 2018-08-25 10:58
Ach ja, der "Immenhof" - da habe ich halt immer mitgeschaut, wenn meine vier Schwestern sich die Dinger reingezogen haben. Jetzt war ich nie ein großer Fan - aber einiges ist da bei mir schon hängen geblieben. Irgendwie hat mich das immer an meine Sommerferien erinnert - allerdings war ich nie in einem Ponyhotel, in Schleswig (kleiner Scherz..) ;-) Was mich -ganz ehrlich- wirklich einmal berührt hat, das war dieser Abschied am Ende vom Teil 1. Wenn Barbara/aka Dick zu Pferde dem abfahrenden Zug nachschaut, in dem "ihr" Ethelbert (welch ein Name..) sitzt. Und man weiss ja, dass die beiden sich nie wieder sehen werden. Das ist schon gelungenes 50er-Schnulzenkino..

Was Meissners Abschied aus der Filmwelt betrifft, so hatte dieser wohl rein private Gründe. Wie man so schön sagt: "Es wurde ihr alles zuviel.."

was die beiden Fortsetzungen aus den Siebzigern betrifft - die fand ich eigentlich mehr als überflüssig. Ich habe beide Teile nur im TV gesehen - und war von dieser bieder hölzernen Machart "not amused".

Da hat man wirklich alles falsch gemacht. Während ich den beruflichen Ausstieg der älteren Dalli noch nachvollziehen kann/könnte, fehlt mir jedes Verständnis dafür, warum sich die Frau ausgerechnet in den farblos plotschigen Horst Janson verguckt. Und dann die Zwillinge - nicht nur dass sich die beiden im ersten Film ihren Vater blödsinnig nervender Weise verbal teilen ("Aber Va - "tiii"), nein, diese Mädels sind auch noch völlig uninteressant und spielen ihre Rollen vorschulmäßig runter.

Thanks God hat man uns mit einem dritten Film verschont...

Zum Ausblick: Ein anderer Film als das "Wiegenlied vom Todschlag/Soldie Blue" wäre mir da auch nicht eingefallen. Der eingedeutschte Titel biedert sich ja offensichtlich an einen Meisterwestern des Kult-Directors Sergio Leone an.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich "das Wiegenlied" nie vollständig gesehen habe - weiss der Geyer, warum. Ich kann mich allerdings an eine kurze Szene erinnern, in der einem Indianer der Kopf abgerissen wird. Fand ich damals -für die Entstehungszeit- schon recht "schocking".

Alles in allem ist das kein "schön gefärbter" Western, in dem der Held am Ende in den Sonnenuntergang reitet.
#4 Andreas Decker 2018-08-25 12:13
Mädchen und Pferde, ich habe das noch nie wirklich kapiert :lol: Aber das Rezept funktioniert ja immer noch, genau wie das mit den Zwillingen und dem Internat. Enid Blytons "Hanni und Nanni", die eigentlich Patricia und Isabell heißen, läuft ja auch immer noch nach fast 80 Jahren. Zwillinge sind immer gut. ;-)

Ist lange her, dass ich "Wiegenlied" gesehen habe. Fand ich immer einen der inspirierteren deutschen Neu-Titel. Aber ich habe den auch als nur als ziemlich zäh in Erinnerung.
#5 Laurin 2018-08-25 17:04
Zitat Friedhelm:
" Was mich -ganz ehrlich- wirklich einmal berührt hat, das war dieser Abschied am Ende vom Teil 1. Wenn Barbara/aka Dick zu Pferde dem abfahrenden Zug nachschaut, in dem "ihr" Ethelbert (welch ein Name..) sitzt. Und man weiss ja, dass die beiden sich nie wieder sehen werden. Das ist schon gelungenes 50er-Schnulzenkino.."

Nun ja, sag niemals nie, denn unser Ethelbert (ja, der Name ist schon kurios) ist in allen drei Filmen präsent. Nur halt schlägt da das Herz von Dick nicht mehr so heftig für ihn wie im ersten Film. Denn Ethelbert bringt ja quasi den neuen Schmachtboy für Dick gleich mit, während Dalli sich nach Ethelbert etwas die Hände reibt. Die Bahn ist ja jetzt für sie frei. ;-)

Zitat:
"Was Meissners Abschied aus der Filmwelt betrifft, so hatte dieser wohl rein private Gründe. Wie man so schön sagt: "Es wurde ihr alles zuviel..""
Könnte auch galoppierende Lustlosigkeit gewesen sein oder ... oder...!? Von "zu viel" kann gegen Ende allerdings keine Rede mehr sein. 1959 waren es insgesamt noch vier Filme in denen sie mitspielte. Danach kam nur noch warme Luft bis 1963, da holte man sie nochmals für das oben besagte Fernsehspiel vor die Kamera. Ich schätze eher, sie ereilte das gleiche Schicksal, welches viele ehemalige Kinderstars schon ereilt hat - sie wurde, nun erwachsen - für die Filmemacher uninteressant.
#6 Friedhelm 2018-08-25 18:25
Zitat:
Nun ja, sag niemals nie, denn unser Ethelbert (ja, der Name ist schon kurios) ist in allen drei Filmen präsent
Au Mann, in letzter Zeit lässt mich aber mein cineastisches Gedächtnis in Stich. Klar, er taucht nach 2 Jahren wieder auf, und da ist nichts mehr wie vorher. Das würde ich zunächst allerdings auch ganz schön traurig finden - wie gesagt, zunächst.. ;-)
Naja, habe die Filme auch seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Sind zwar des öfteren wieder gelaufen - habe ich allerdings auch dann nicht reingeschaut.

Zitat:
ch schätze eher, sie ereilte das gleiche Schicksal, welches viele ehemalige Kinderstars schon ereilt hat - sie wurde, nun erwachsen - für die Filmemacher uninteressant.
Da hätte man Sie wahrscheinlich dementsprechend anders eingesetzt. Es gibt ja nun viele Kinderstars, die es ins "Erwachsenenfach" geschafft haben - und umgekehrt natürlich auch, klar.

Aber Meissners Abschied vom Kino hatte tatsächlich wohl auch Gründe, die im Elternhaus zu finden waren. Will sagen, Muttern hat fleißig die Kohle ihrer Tochter ausgegeben.
So kam wohl eins zum anderen - da zog sie wahrscheinlich doch lieber "die Reissleine.."

Nu, fragen können wir sie ja eh nicht mehr - und ich will auch nicht unbedingt auf die Richtigkeit meiner Infos bestehen..
#7 Laurin 2018-08-25 19:19
Zitat Friedhelm:
"Nu, fragen können wir sie ja eh nicht mehr - und ich will auch nicht unbedingt auf die Richtigkeit meiner Infos bestehen.."

Jo, der Möglichkeiten sind da viele. Können ja auch mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben, wer weiß das noch so genau? Und fragen können wir sie ja nun leider wirklich nicht mehr.
#8 Rüdiger 2018-08-26 09:40
Was die Filme allein sehenswert macht, ist die hochbegabte Angelika Meissner ...

Sie hätte Weltkarriere machen können.
#9 Rüdiger 2018-08-26 09:42
... und wer sich über die Gründe ihres frühen Karriereendes informieren will wird im Internet umfassend fündig.
#10 Andrea 2018-12-27 22:29
Ich mag Heimatfilme gerne und kann mich beim Zuschauen so richtig entspannen.

Vor einigen Jahren hat es eine Abstimmung über Heimatfilme gegeben, bei denen alle Immenhof Filme recht gut abgeschnitten haben.

Herzliche Grüße

Andrea

Der Gästezugang für Kommentare wird vorerst wieder geschlossen. Bis zu 500 Spam-Kommentare waren zuviel.

Bitte registriert Euch.

Leit(d)artikelKolumnenPhantastischesKrimi/ThrillerHistorischesWesternAbenteuer/ActionOff TopicInterviewsHintergründeMythen und WirklichkeitenFictionArchivRedaktionelles

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Webseite zu analysieren. Indem Sie "Akzeptieren" anklicken ohne Ihre Einstellungen zu verändern, geben Sie uns Ihre Einwilligung, Cookies zu verwenden.