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Ein Filmklassiker - Reformationszeit, Kriege und Ungereimtheiten

Ein FilmklassikerFolge 13
Reformationszeit, Kriege und Ungereimtheiten

In dieser Reihe DER FILMKLASSIKER werde ich ein wenig meine Schatzkammer in Sachen DVDs öffnen, in der sich neben mehr oder weniger aktuellen Filmen eben auch mitunter manche Klassiker des Films tummeln. Wir werden hierzu einen Streifzug unternehmen, in dem wir uns z.B. von manchen Actionfilmen über Western bis hin zu besonderen Romanzen einen Einblick gewähren werden. Wenn man dann aber etwas nicht versteht, dann nennt man das Kunst.

Ursula (Ursula)Ursula (Ursula)
Wenn man allgemein fragt, mit welchen Ländern des damaligen, politisch definierten "Westen" die Deutsche Demokratische Republik, auch DDR abgekürzt, gemeinsam Filme gedreht hatte, dann tritt im Allgemeinen ein sehr betretenes Schweigen ein. Gab es da überhaupt einmal eine filmische Zusammenarbeit? Und ja, die gab es durchaus. Hier haben wir nämlich wohl ein Exemplar mit dem Titel URSULA, welcher eine Gemeinschaftsproduktion zwischen dem Fernsehen der DDR und dem Fernsehen der Schweiz war. Die jeweilige Erstausstrahlung erfolgte am 05. November 1978 auf dem Schweizer Fernsehen DRS und am 19 November 1978 auf dem Sender DDR 1 seitens des Fernsehens der Deutschen Demokratischen Rrepublik.

Der Film hat sogar am Anfang einen phantastischen Einschlag, der sich im Film selbst viel später nochmals wiederholt. So gibt es gleich zu Beginn eine Tanzszene, bei der URSULA den Tanzpartner wechselt der wiederum der Teufel in männlicher Gestalt ist. Als sie sich hierbei tief in die Augen blicken, beginnen URSULAS Augen zu bluten. Etwa im letzten Drittel des Films erscheint zudem die Figur des Jesus mit der Dornenkrone auf dem Schlachtfeld, der hier vom Tod in einem weißen Gewand verfolgt und auch ergriffen wird.

Doch Vorsicht, dies macht den Film URSULA noch lange nicht zu einem Beitrag bezüglich des phantastischen Films. Diese Szenen sind nur zwei sehr auffällige Elemente, die im Film verstreut immer wieder mal auftreten und eher als experimentelle Einlagen innerhalb eines Filmes bezeichnet werden. Und solche Elemente können den Zuschauer durchaus schon mal recht offensichtlich irritieren. Da hilft dann nur der einfache Satz, dass man, wenn man etwas nicht mehr wirklich rational versteht, man es hier mit Sicherheit mit einer form von Kunst zu tun hat.

Ursula (Ursula)Nix Phantastik, sondern Brüche in der Handlung:
Solche Elemente gibt es noch einige mehr im Film selbst, die den Zuschauer, der diesen Film zum ersten mal sieht, ziemlich irritieren können, sofern sie ihm überhaupt im Handlungsfluss auffallen.

Da wäre z.B. eine kurze Szene, in der während einer Predigt kurz auf das Publikum geblendet wird, dass plötzlich in recht moderner Kleidung der Predigt folgt. Oder aber es setzt plötzlich auf dem Schlachtfeld jemand ein Schnellfeuergewehr ein. Dann schwingt sich im Film irgendwo ein Wiedertäufer plötzlich mit einem Deltagleiter in die Lüfte um kurz darauf hiermit wieder abzustürzen. Und als bei einem Kameraschwenk Hanslis Haus gezeigt wird, tauchen plötzlich auch Strommasten kurz im Bild auf. Und man mache sich die Zeit nochmals deutlich, in der dieser Film spielt, diese beginnt nämlich im Jahre 1523 und endet irgendwo 1529 bis 1530.

Mal ehrlich gesagt, manches war mir noch nicht einmal direkt aufgefallen. Zumindest nicht beim ersten mal anchauen. Das kommt dann, wenn man ihn ein zweites oder drittes Mal ansieht erst wirklich frontal zu Geltung. Auffällig ist darüber hinaus, dass man hier im Film nicht nur mitunter eine derbe Wortwahl pflegt, sondern auch zur damaligen Zeit nicht gebräuchliche Schimpfworte benutzt, die es zu dieser Zeit so nicht gegeben hatte. Hinzu kamen diverse Gewalt und Nackt- bzw. derbe Sexszenen, die wohl den Zuschauer zuerst einmal von manchen kurzen, zeitlichen Handlungsbrüchen offensichtlicher ablenkten.

Und dann passiert es auch noch, dass die Wiedertäufer plötzlich hier oder da (allerdings eher selten) scheinbar Kernsätze des Marxismus verwenden, diese aber irgendwie mit dem Rest der Aussagen nicht wirklich im Einklang stehen. So würde es Karl Marx wirklich gut gefallen haben, wenn diese etwa das Volkseigentum propagieren. Doch wenn gleich im nächsten Satz jedem Mann auch noch gleich ein neues, möglichst junges Weib versprochen wird (die eigene Alte kennt man ja zu genüge), dann dürfte auch Karl Marx im Grabe vor ungläubiger Verwunderung etwas die Augen verdrehen.

Ursula (Ursula)Das ganze nennt sich dann eben wohl Kunst. Hat aber gleichsam einen recht faden Beigeschmack wie, wenn Joseph Beuys wie damals geschehen, ein Pflaster in eine alte Badewanne klebt und dies dann auch irgendwie als Kunst deklarierte (jedenfalls bis das die Putzfrau kam). Dies ist dann schon ein Beispiel, wo dem normalen Durchschnittsbürger geradezu schon körperliche Schmerzen ereilen, wenn hier von "Kunst" gesprochen wird, während man eigentlich schon vom Kommerz durch blöde Käufer reden könnte. Aber bei der Kunst ist das ja fasst wie bei den Geschmäckern. Was des einen Grauen ist, ist des anderen sein Orgasmus.

Diese Sprünge zwischen historischen Bildern in bester Farbgestaltung und Einblendungen mit Elementen der Gegenwart, kam schon damals manchem Filmfreund und Kritiker vor, wie eine gefährliche Gratwanderung hin zur plakativen Lächerlichkeit. Denn manche dieser Elemente der Gegenwart wurden nicht gerade sinnvoll in den Gesamtfilm eingegliedert. Andere wiederum empfanden diese "Kunstform" als durchweg experimentell Mutig und "im positiven Sinne verstörend". Ob dies nun gefällt oder nicht, mag daher jeder für sich selbst entscheiden müssen.

Brüche gab es aber auch bei den Dialogen selbst, weshalb auch hier der Kritik genügend Futter vorgelegt wurde. Wechselte man doch im Film munter vom hochdeutsch ins Schweizer Stadtbaseldeutsch, was die Zuschauer in der DDR nun kaum noch verstanden, um dann z.B. auch noch ins Schweizerdeutsch zu wechseln, was wiederum in der Schweiz einige Irrationen auslöste, weil dieser Dialekt nicht einmal im Ansatz in die Züricher Umgebung passte, wo die Handlung eigentlich spielt. Ob dies ebenfalls eine Art "Kunstgriff" sein sollte, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Ursula (Ursula)Die eigentlich wahren Aufreger - Sex und Gewalt:
Späterhin kam der Film URSULA in der Schweiz auch weiterhin zur Ausstrahlung im Fernsehen, jedoch gegenüber der Premiere dann nur noch geschnitten und durch einige hinzugefügte, erklärende Parts ergänzte Version. Diese Fassung wurde im übrigen auch im Fernsehen der Bundesrepublik ausgestrahlt. Hier fand die Erstausstrahlung des Films URSULA am 10 Juni 1982 auf dem Sender S3 Südwestfunk (SWF) statt. Man bekam also hier bisher nie den Originalfilm via Fernsehausstrahlung zu sehen. In der DDR kam der Originalfilm indessen nur zur Premiere einmaligst zur Ausstrahlung und verschwand dann völlig im filmischen Giftschrank. Da wurde er dann erst wieder nach der "Wende" herausgeholt. Für Egon Günthers war URSULA zugleich auch die letzte filmische Arbeit innerhalb der DDR. Günther wehrte sich im übrigen auch intensiv dagegen, dass sein Film URSULA eine Art Liebesfilm sei. Er selbst wollte diesen filmischen Beitrag als eher rein religiösen Film betrachtet wissen.

Irritierten die Sprünge in den Dialekten bei den Dialogen und bei den Sprüngen zwischen Historie und Gegenwart im Bild, so sorgten andere Elemente für intensivere Kritiken. Da wären zum einen die sexuellen Darstellungen.

So steigt am Anfang eine Frau auf eine Leiter, hebt ihren Rock bis der Unterleib nackt freiliegt und rutscht dann so herunter, dass sie einem Mann mit ihrem Geschlechtsteil fasst ins Gesicht gleitet. Da kamen vielleicht dunkle Erinnerungen an den eigenen ersten oralen Geschlechtsakt bei manchen Zuschauern auf. An anderer Stelle führt ein Mann mit einer Frau den Geschlechtsakt in der typischen Hündchenstellung aus, wobei die nicht gerade kleinen Brüste der Frau dem Zuschauer faktisch wie Kirchenglocken vor den Augen baumelten. Oder URSULA selbst, die gegen Ende des Films ihren Rock hebt und zum Zweck der Desinfektion auf eine tiefe Schnittwunde von Hanslis Bein uriniert.

Doch auch die Szene, in der ein Söldner scheinbar in den Schnee zu scheißen gedenkt oder URSULA sich scheinbar fasst an einer Jesus-Figur auf einem Kruzifix befriedigt, dürfte hier recht böse aufgestoßen sein bei den damaligen gläubigen Zuschauern. Oder man nehme ziemlich zu Beginn die Szene, als ein nackter Wiedertäufer auf Hansli zugeht und dieser ihm seine Waffe zwischen die Beine klemmt, die so wiederum recht gefährlich nahe und für alle gut ersichtlich an seinen Hoden und dem Penis sitzt.

Ursula (Ursula)Die Szenen über Sex und Orgien in Verbindung mit religiösen Artefakten und Anspielungen sorgten in der Schweiz nach der Premiere sogar für zwei Gerichtsverfahren wegen "Verletzung von religiösen Gefühlen", denen jedoch in beiden Fällen kein Erfolg beschieden war. Aber auch in der DDR wurden diese zumeist auch recht derben Sexszenen sehr kritisch betrachtet, auch wenn es keine offizielle Filmkritik innerhalb der DDR gab. Aber auch die diversen Gewaltdarstellungen wurden sowohl in der Schweiz als auch in der DDR nicht durchgängig unkritisch betrachtet.

Nach den jeweiligen Premieren waren die Empörungen jedenfalls nicht gerade geringer Natur, wobei insbesondere die Freizügigkeit im sexuellen Berich, in Verbindung mit den stets präsenten religiösen Elementen dafür gesorgt hatten, dass URSULA schnell zu einem offensichtlichen Skandalfilm wurde. Um vieles ruhiger dürfte es dagegen um die literarische Vorlage gegangen sein. Denn der Film URSULA basiert auf einer gleichnamigen Novellensammlung von Gottfried Keller (geboren 1819 in Zürich - gestorben 1890 ebenfalls in Zürich) aus dem Jahre 1876 bis 1877. Hierbei handelt es sich um die "Züricher Novellen". Diese umfassten folgende Erzählungen wie HADLAUB, DER NARR AUF MANEGG, DER LANDVOGT VON GREIFENSEE oder neben weiteren eben auch URSULA. Teile hiervon wurden damals auch in der von Julius Rodenbergs DEUTSCHER RUNDSCHAU zum Teil vorabgedruckt. Danach kamen sie als Buch bei GÖSCHEN heraus. Keller selbst verbrachte zwei Studienjahre in München und beteiligte sich politisch an der militanten Bewegung, die im Jahre 1848 zur "staatlichen Neuordnung der Schweiz" führte. Danach gewährte die Züricher Regierung ihm ein Reisestipendium, mit dem er in Heidelberg Staatswissenschaften und Geschichte studierte um späterhin in Berlin noch eine Ausbildung als Theaterschriftsteller zu absolvieren. Anstelle von Dramen für die Bühne wandte er sich jedoch in der Hauptseite dann Romanen und Novellen zu.

Es gibt alleine zum Film URSULA noch einiges mehr zu berichten, doch ihr kennt das ja. Die Zeit ist knapp und mein PC möchte zwischendurch auch mal eine verdiente Ruhepause genießen. Kommen wir daher (weil ich ja auch keinen Artikel in Überlänge produzieren möchte) nun zur eigentlichen Handlung des Films URSULA.

Ursula (Ursula)Über die Kirche, sexuelle Wirrnis und Glaubenskriege:
Das Schweizer Oberland im Jahre 1523. Der Söldner Hansli Gyr kehrt aus Italien zurück, wo er an der Seite des Papstes gekämpft hat. Doch dann muss er erkennen, dass in seiner Heimat längst ein religiöser Umbruch stattgefunden hat und Ursula, das Mädchen das er liebt, mit seinen moralischen Vorstellungen von körperlicher Liebe nicht mehr klar kommt. Huldrych Zwinglis Lehren und das Wiedertäufertum haben das Oberland bereits fest im Griff. Zwar hat Hansli seiner Verlobten Ursula einen Ring mitgebracht und würde gerne bei ihren Eltern um ihre Hand anhalten, doch die neuen Entwicklungen verwirren ihn und so will er nach Zürich weiter ziehen, um  dort genaueres über die neuen Verhältnisse zu erfahren.

Hier trifft er selbst auf Zwingli, der von der Kanzel des Großmünster aus gegen den Papst und seine Lehren predigt. Während bald der bürgerliche Mob plündernd das Züricher Großmünster verwüstet, schließt sich Hansli den Männern um Zwingli an. Ennoch Schnurrenberger, Ursulas Vater propagiert indessen in der Heimat, das von nun an alles allen gehören möge und es beginnt eine wahre Orgie auf der Wiese von Hansli. Dieser kehrt ebenfalls zurück und wird von Ursula statt bei seinem richtigen Namen verwirrender Weise als Herr Gabriel angesprochen. Hansli ist schockiert über das, was ihre Eltern aus Ursula gemacht haben und verlässt seine Verlobte somit wieder. Kurz darauf werden sie, ihre Eltern und andere Wiedertäufer von den Soldaten Zwinglis festgenommen. Weder sie schwören ihrem Glauben ab, so Zwingli, oder man soll sie in ihrer Zelle verhungern lassen. Doch diese Rechnung geht nicht auf, denn Hansli dringt bis zu den Gefangenen vor und befreit sie aus ihren Kerkern.

Bald danach sieht Zwingli erneuten Krieg heraufziehen und tatsächlich haben die Bewohner von fünf katholischen Orten den Pfarrer Jakop Kaiser, auch genannt "der Schlosser", als Ketzer verbrannt. Dies geschah, trotz dem Umstand, dass Zwingli gegen ein solches Vorgehen im Vorfeld interveniert hatte. Man schreibt mittlerweile das Jahr 1529 als Hansli im Heer von Huldrych Zwingli gegen die katholischen Orte zu Felde zieht. Der Krieg kann jedoch durch Schiedsleute und einem gemeinsamen Essen von Milch und Brot verhindert werden. Hansli zieht indessen weiter mit den anderen Söldnern nach Italien und nimmt dort bei dem Angriff auf das Schloss Musso teil. Dessen Herr, Gian Giacomo Medici  ist gezwungen, sein Anwesen überstürzt zu verlassen. In einer Taferne trifft Hansli danach auf eine schöne Italienerin, die ihn zu verführen versucht. Hansli indessen setzt alles daran um sie für den rechten Glauben zu bekehren. Doch ein Ring, den sie am Finger trägt, erinnert ihn plötzlich wieder an Ursula in seiner Heimat, worauf er beschließt, wieder ins Schweizer Oberland zurück zu kehren.

Bald wissen die Wiedertäufer, dass Hansli Gyr wieder zurück ist und auch ein neuer Krieg gegen die katholischen Ortschaften droht erneut. Ursula, die eine Statue des Jesus "verarztet", lässt das Kruzifix fallen und eilt nach Zürich. Dort hängt sie sich an den Soldaten an und folgt ihnen auf das Schlachtfeld, wo sie die Gräueltaten des Krieges mit eigenen Augen sehen muss. Zwingli fällt während der Kämpfe und wird von seinen Gegnern bestialisch zerstückelt und seine Leichenteile danach verbrannt. Während dessen ist es Ursula die zwischen den ganzen Leichen ihren Hansli Gyr sucht und ihn sogar schwer am Bein verwundet findet. Um die Wunde zu desinfizieren uriniert Ursula darauf und schleppt Hansli auf ihren Rücken gestützt zurück auf seinen Hof.

Dort ist Hanslis Hof jedoch fasst verfallen. Beide nehmen sich vor, sich nun hier gemeinsam einzurichten um miteinander als Ehepaar zu leben. In diesem Moment ziehen wieder Söldner auf der Suche nach kräftigen Männern für den Kampf am Hof vorbei. Ursula bittet sie zuerst darum, ihr Hansli nun zu lassen, doch die Söldner scheinen nicht daran zu denken, ihrer Bitte nachzukommen. Erst als Ursula sie aufs äußerste beschimpft, ziehen die Söldner unverichteter Dinge weiter und lassen das Paar schließlich wohl sich selbst überlassen zurück.

Ursula (Ursula)Meine Filmkritik:
Wie bereits gesagt, man könnte noch einiges mehr über den Film berichten, der in der Reihe DDR-TV-Archiv digital restauriert  seitens "rbb Media" und freigegeben ab 12 Jahre auf DVD erhältlich ist. Alleine schon durch die Gemeinschaftsproduktion zwischen der Schweiz und der damaligen Deutschen Demokratischen Republik  dürfte der Film eine gewisse Sonderstellung genießen. Aber auch was die Handlung und die Umsetzung betrifft, ist dieser Film durchaus als ein FILMKLASSIKER zu betrachten, den man sich auch trotz verschiedener Mängel durchaus noch gut ansehen kann.

Die wesentlichsten Kritiken dürften damals wohl an dem Punkt erfolgt sein, wo man einige wirklich derbe wirkende Sex- und Nacktszenen mit den religiösen Wirren der Zeit zusammen geführt hatte. Das mag in der damaligen Zeit den meisten Menschen in ihrem christlichen Glauben noch ziemlich herb aufgestoßen sein. Heute kann man die Nackt- und Sexszenen getrost als noch recht dezent bewerten und auch die Verbindungen zur Religion dürften Heute kaum noch breite Schichten der Bevölkerung hinter dem Ofen herlocken oder gar bitterböse Proteste entfachen.

Die Altersfreigabe als solches ist hier ebenfalls weder überhöht noch zu gering ausgefallen. Die Sex- wie auch die Gewaltszenen dürften mittlerweile keinen Jugendlichen ab 12 Jahre mehr wirklich schockieren. Aber auch das sah damals noch ganz anders aus, besonders wenn man in Richtung Schweiz sieht. Selbst die DDR war in Sachen Sexualität durchaus schon damals viel offener und freier als mancher Staat im sogenannten politischen Westen, einschließlich der noch jungen BRD.

Doch Vorsicht. URSULA wird auch in unserer Zeit nicht nachträglich zu einem Blockbuster für das Fernsehen werden. Die irritierenden Elemente, die man damals (aber durchaus auch noch in gewissen Kreisen der heutigen Zeit) als Kunstgriffe bezeichnet, machen den Film nun eher etwas schwerer verdaulich. Und auch bei den Dialekten die den Darstellerinnen und Darstellern da mitunter so durchgerutscht sind, sind für heutige Begriffe in ihrer Mischung durchaus eher gewöhnungsbedürftige Kost.

Loben muss man indessen die Kostüme und die Darstellung des ländlichen Lebens in dieser dunklen, geschichtlichen Zeit. Hätte man da auf diese künstlerischen Kniffe verzichtet, die mitunter wirklich hart am Rande der Lächerlichkeit grenzen und hätte man hier dafür noch mehr das Augenmerk auf die geschichtlichen und sittlichen Wirren der Zeit gelegt, wäre dieser Film ein wirkliches kleines Schmuckstück in jeder Filmsammlung geworden.

Aber auch in der darstellerischen Form hätte man einiges hierzu ändern müssen. Denn man merkt durchaus beim Spiel der Akteure, dass die Macher hier verstärkter eine Art filmisches Kunstwerk kreieren wollten statt einen in sich stimmigen historischen Film. So scheint es gerade so, als hätte man nicht gewußt, ob man hier nun durchgängig einen filmischen Stil oder eine Form der Darstellung wählen sollte, wie man sie wohl eher vom Theater her kennt. Diese nicht gerade leicht verdauliche Mischung setzt sich dann natürlich auch in den Dialogen fort, die irgendwie zwischen einer glaubhaft-authentischen Wiedergabe und einer gekünstelt wirkenden Sprachform hin und her wechselt.

Ursula (Ursula)Dafür ist dieser Film allerdings auch eine gewisse Art von filmischem Zeitdokument, bei dem ich nicht umhin komme, sichere vier von insgesamt fünf Punkte zu vergeben. Eine allgemeine Empfehlung möchte ich dennoch nicht aussprechen, denn Filme, die wie hier etwas mit der Brechstange auf "Kunst" getrimmt wurden, sind nicht unbedingt jedermanns Sache.

Ausblick:
Was ist denn nun wirklich ein "Blutgericht"?

Nun, bei uns im Bergischen Land (auch wenn es hier keine Berge wie in Bayern gibt) wird man bei diesem Wort eventuell eine Schnitte Schwarzbrot mit Blutwurst, Senf und Zwiebeln bekommen.

Diese einfache Version leitet sich durchaus irgendwie von der hier recht bekannten wie beliebten "Kottenbotter" ab, die aus zwei Scheiben Schwarzbrot oder alternativ zwei Scheiben Graubrot, mit Butter, geräuscherter und geschnittener Mettwurst (beliebt ist hier auch selbiges aus Pferdefleisch, was man dann Kottenwurst nennt), sowie Zwiebelscheiben und Senf gebastelt wird. Und wie gesagt, es gibt hier durchaus Ecken, wo man hierzu auch statt auf Mettwurst auf Blutwurst zurück greift oder (falls das jemand hier nicht kennt) Panhas, was ebenfalls aus dem Blut (vornehmlich Schweineblut und Knochenbrühe) nach der Schlachtung von einem guten Metzger gezaubert wird. Hier handelt es sich eigentlich um den westfälischen Panhas, der jedoch auch hier sehr verbreitet ist. Doch letztere Versionen haben mit der ursprünglichen Form eher recht wenig zu tun. Überigens sollte man Panhas am besten in der Pfanne braten und dann auf Schwarzbrot mit Zwiebeln reichen ... lecker.

Aber mal ehrlich, ich könnte jetz auch noch schreiben, woher diese rustikale Mahlzeit namens Kottenbotter herstammt. Die Kottenbotter kommt nämlich aus dem Bereich Remscheid, Solingen, Wuppertal und hat auch etwas mit dem Verlauf des Flusses "Wupper" zu tun. Doch ich wollte hier eigentlich keine Heimatgeschichte betreiben, auch wenn der Fluss und die angegebenen Städte quasi in meiner Nachbarschaft liegen.

Ein "Blutgericht" hat auch beim nächsten Film nicht wirklich viel mit einem Bundesgerichtshof für ansässige Vampire zu tun, wie man etwa denken könnte, wenn man mit Blick in Richtung eines PHANTASTISCHEN FILMKLASSIKER schielen sollte.

Streng genommen besitzt dieser von mir ausgesuchte Film noch nicht einmal wirklich ein übernatürliches Element, auch wenn sich nur wenige hier wirklich vorstellen können, sich entsprechend zu ernähren bzw. in dieser Form zu leben.

Und mal ehrlich, der besagte Film stammt auch nicht aus dem Bergischen Land, sondern aus den USA. Obwohl ... mit einem bestimmten Mordinstrument können so einige Bewohner des Bergischen Landes auch etwas anfangen. Besonders dann, wenn sie sich beruflich mit der Fällung von Bäumen beschäftigen.  Also irgendwie scheint es für uns hier in diesem Teil der Republik doch noch um eine Art Heimatfilm zu handeln. Es kommt eben ganz darauf an, wie man das ganze nun betrachten möchte.

Ach ja, ihr werdet euch bestimmt noch fragen, warum man die Gegend hier bei mir nun "Bergisches" Land nennt, auch wenn wir keine wirklichen Berge haben. Nun, Berge brauchten wir auch nicht dafür, die überlassen wir wie gesagt den Bayern. Dafür hatten wir hier aber früher ein berühmtes Raubritter-Geschlecht, die sich auch die Grafen von Berg nannten. Hier kommt dann auch unser berühmtes Schloss Burg ins Spiel, welches in früheren Zeiten die Stammburg der Grafen und späteren Herzöge von Berg war. Wer sich diesen Prachtbau mal genauer ansehen möchte, der sollte nach Solingen  (Stadtteil Burg an der Wupper) kommen.

Nun habe ich aber genug Werbung für den Tourismus gemacht und die Kenner unter euch dürften wohl auch schon wissen, über welchen Horrorfilm (oder sollte ich besser sagen Slasher-Film) ich mich hier das nächste mal auslassen werde. Bis dahin also noch viel Spaß bis zum nächsten Teil von DER PHANTASTISCHE FILMKLASSIKER.

Ursula (Ursula)Ursula
(Ursula)
mit Suzanne Stoll, Jörg Reichlin, Matthias Habich, Wolf Kaiser, Klaus Piontek, Franz Viehmann, Jutta Hoffmann, Wolfgang Schulze, Lothar Förster, Harald Moszdorf, Peter Heiland, Cornelia Schröder, Heidrun Kaltwasser, Gerhard Möbius, Gerd Blahuschek, Eckhard Bilz, Reiner Genns, Jörg Gillner, Detlef Bierstedt u.a.
Regie: Egon Günther
Drehbuch: Helga Schütz, Egon Günther
Nach einer Novelle von: Gottfried Keller
Produktion: DEFA (Fernsehen der DDR) & SRG SSR, Bern (Schweiz)
Genre: Literaturverfilmung
Laufzeit: 111 Minuten
DVD/FSK: 12 Jahre
Vertrieb: rbb media
DDR/Schweiz 1978

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Kommentare  

#1 Friedhelm 2017-11-25 00:37
Im TV läuft gerade Bernhard Wickis "Kennwort Morituri (Bayern 3) - und ich schaue zwischendurch mal widder in den Zauberspiegel...

Nun gut, diese Co-Produktion zwischen der DEFA und dem SRG...ect.. habe ich eigentlich nie wirklich gesehen. Warum wusste ich letzten Samstag, worum es geht? Tatsächlich ist mir vor längerer Zeit mal ein Beitrag über die DEFA untergekommen, in dem auch über diese kuriose Zusammenarbeit berichtet wurde. (Ein Wunder, dass ich mich daran überhaupt noch erinnern konnte..). Und ich glaube, mir ist das Ding auch in einer Biogaphie über Matthias Habich aufgefallen.

Zum Ausblick: Du machst es deinen Lesern in letzter Zeit aber echt leicht...(was nicht unbedingt von Nachteil ist - damit wir uns nicht etwa missverstehen...)

Nur soviel: Der gesuchte Film stand lange auf dem Index - und der Regisseur ist vor kurzem verstorben. Ich sage nur: "Kettensäge..."

Auch hier gilt: Hätte eh jeder gewusst, darum kann ich hier ruhig "mit der Säge kommen". Das dürfte als niemanden, der evtl noch mitraten wollte, wirklich verärgern. (Wäre auch gar nicht meine Absicht...)
#2 Laurin 2017-11-25 02:09
Eigentlich solltet ihr euch ja im "Ausblick" von meiner ausschweifenden "Heimatkunde" in die Irre führen, oder zumindest ablenken lassen. ;-)

Hat aber wohl leider nicht geklappt. :oops:

Allerdings ist es bei diesem Film im "Ausblick" auch dieses mal verdammt schwer, etwas zu schreiben, ohne gleich auch einen brauchbaren Hinweis zu hinterlassen. :sigh:
#3 DarkDancer 2017-11-25 10:22
Ablenken? Wenn im ersten Satz das Wort Blutgericht fällt? Ähm..nein ausgeschlossen.
#4 Andreas Decker 2017-11-25 10:43
Klingt interessant. Hatte ich auch noch nie von gehört. Es gibt einige derartiger Filme. Vor allem aus dem Osten. Guter Tip.

Hoffentlich nimmst du das Originalgericht und nicht das fade Remake. :-)
#5 Andreas Decker 2017-11-25 14:04
Ich meinte natürlich Ursula mit dem Tip :lol:

Aber was die Tips angeht, ich schrieb von "Hexenjagd" von Otakar Vavra von 1970, ein tschechischer s/w Film. Den hatte ich zufällig ausgerechnet auf dem Billigsampler "Die Hexen und Dämonenjagd Collection". 6 obskure "Gruselfilme" wie "Roger Cormans Dracula" oder "Eleonore" von Bunuel mit Picolli und Liv Ullman. Ernsthaft :-)

Eigentlich sind das alles historische Kostümfilme.
Die meisten sind schwer langweilig und von schwacher Bildqualität, aber für 9 Euro sollte man nicht meckern. Und "Hexenjagd" ist bierernst und hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit den deutschen Exploitationschockern der Zeit.

Gab es über die Wiedertäufer von Köln oder so nicht mal einen zweiteiligen ZDF-Film in den 90ern? Habe ich eine verschwommene Erinnerung daran. Am Ende wurden sie alle nach der katholischen Friedenslehre hingerichtet.
#6 Laurin 2017-11-25 15:12
zitiere DarkDancer:
Ablenken? Wenn im ersten Satz das Wort Blutgericht fällt? Ähm..nein ausgeschlossen.

Nun ja, Blutwurst mit Kettensäge hätte wohl statt dessen auch nicht wirklich funktioniert. :P

zitiere Andreas Decker:
Klingt interessant. Hatte ich auch noch nie von gehört. Es gibt einige derartiger Filme. Vor allem aus dem Osten. Guter Tip.

Hoffentlich nimmst du das Originalgericht und nicht das fade Remake. :-)

Ich habe hier sogar ein Remake, dass eigentlich sehr gut funktioniert. Aber hier gehe ich mal an den von Tobe Hooper ran. ;-)

Ob es da einen ZDF-Film gab in den 90ern zu den Wiedertäufern aus Köln, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ist aber durchaus möglich.
#7 Erlkönig 2017-11-26 20:50
Andreas Decker
Der Zweiteiler im ZDF hieß "König der letzten Tage" und handelte von den Wiedertäufern in Münster.

Ausblick
Herrlich enervierende Terror-Atmosphäre.

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