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RÖMISCHES SCHIFFSWRACK ENTDECKT

Römisches Schiffswrack entdecktRömisches Schiffswrack entdeckt

Am 15. Februar 2004 eröffnete der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma auf dem Kurt-Hackenberg-Platz gemeinsam mit Werner Böllinger und Walter Reinarz, Vorstand der Kölner Verkehrs-Betriebe AG, Professor Dr. Heinz Günther Hörn vom Ministerium für Wohnen und Verkehr Nordrhein-Westfalen und Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper, Direktor des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln, die archäologischen Ausgrabungen für den Kölner U-Bahnbau.


Die archäologischen Ausgrabungen, die bis 2010 im historischen Kölner Stadtzentrum anlässlich des Baus der Nord-Süd Stadtbahn unternommen werden, sind eines der größten archäologischen Unternehmen in einer europäischen Metropole, vergleichbar der U-Bahn-Archäologie in Athen, London oder Neapel. Die vier Kilometer lange Trasse zieht sich wie ein roter Faden durch die Kölner Innenstadt und durchquert deren historische Stadtentwicklungsphasen, von der römischen Zeit bis in das 21. Jahrhundert. Dank der überwiegend unterirdischen Bauweise im Tunnelvortrieb beschränken sich die Erdeingriffe auf die zukünftigen unterirdischen Haltestellen, technischen Bauwerke sowie die umfangreichen Leitungsgräben. Diese Bauareale summieren sich zu einer Gesamtfläche von rund 30.000 Quadratmetern und entsprechen damit etwa der Größe von drei Fußballfeldern.

Da die im Laufe von über 2000 Jahren gewachsenen Bodenschichten stellenweise mehr als 13 Meter mächtig sind, ergibt sich ein archäologisches Gesamtvolumen von nahezu 150.000 Kubikmetern. Mehr als einhundert Archäologen und Naturwissenschaftler arbeiten unter der Fachaufsicht des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln auf zehn Ausgrabungsflächen. Der Bau der Nord-Süd Stadtbahn Köln ist der bislang umfangreichste Eingriff in die unterirdische Geschicht der Stadt.

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RÖMISCHES SCHIFFSWRACK ENTDECK
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Anfang Dezember 2007 stießen die Archäologen, die den Bau der Nord-Süd-Stadtbahn begleiten, unter dem Alter Markt in 11,50 Metern Tiefe auf Teile eines römischen Schiffswracks. Die Fundstelle liegt gegenüber dem Rathaus, im Bereich des ehemaligen römischen Hafens.

Das Wrack weist eine erhaltene Ladeflächenbreite von 3,50 Meter auf, von den seitlichen Bordwänden ist nur eine Länge von zwei Metern erhalten.

Der Mainzer Schifffahrtsexperte Ronald Bockius hat das Wrack inzwischen untersucht. Nach seiner Bestimmung gehört es zu einem sogenannten Prahm, einem römischen Schwerlastschiff, das für eine Last von 20 bis 30 Tonnen ausgelegt war. Sowohl Tiere als auch Steine, Brenn- und Bauholz wurden auf den - zur Römerzeit typischen - Plattbodenschiffen transportiert.

„Derartige Schiffstypen verkehrten als Binnenschiffe im römischen Europa. Die Schiffe transportierten Steine und sonstige Baumaterialien nach Köln." (1)

Erhalten sind der flache Boden mit 3,50 Metern Breite, was eine ursprüngliche Schiffslänge von mindestens 23 Metern annehmen lässt, und Ansätze der steilen Bordwände. Die mit Eisennägeln zusammengehaltenen Planken und Spanten haben sich in zwei Jahrtausenden zersetzt. Um die Holzteile bergen zu können, wurden sie gevierteilt.

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Bisher wurden in Europa knapp 25 römische Schiffe dieses Typs entdeckt, in Köln nun bereits das dritte. Die ersten beiden Wracks wurden Anfang der 1980er Jahre beim Bau der Philharmonie gefunden; sie waren bei weitem nicht so gut erhalten wie das aktuelle Fundstück.


Experten haben begonnen, das Alter des Schiffs zu bestimmen - nach  ersten Vermutungen stammt es aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.,   als  das  römische Köln seine erste Blütezeit erlebte.

„Das genaue Alter ist noch offen. Keramikbruchstücke, die auf dem Schiff gefunden wurden, lassen sich aber in die zweite Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datieren.“ (2)

Experten der Universität Köln haben die Jahresringe des verwendeten Eichenmaterials bereits unter die Lupe genommen und teilten mit, dass die Eiche, aus der die Planke geschnitten ist, im Jahr 142 vor Christus gekeimt sei.

„Das sagt uns aber noch nicht genau, wann das Schiff genau gebaut wurde“ (3)

Erste Resultate legen aber nahe, dass das Schiff nicht nur in Köln gesunken ist, sondern hier auch gebaut wurde. Das untersuchte Eichenhholzstück stammt aus dem Bergischen Land.

„Alles deutet darauf hin, dass dieser Eichenstamm im Oberbergischen gestanden hat - und wir ziehen den Schluss, dass das Schiff in Köln gebaut wurde.“ (4)

Zugleich handele es sich um einen „großen Mosaikstein in der Geschichte des Rheins“, der in der Römerzeit die wichtigste Verkehrsader in Mitteleuropa war.

„Es besteht die reelle Chance, dass es sich um das älteste römische Lastschiff in Mitteleuropa handelt. Es ist ein aufregender Fund, der sehr viel überliefern wird über die Technik- und Transportgeschichte“.  (5)

Mainzer und Kölner Archäologen prüfen Möglichkeiten einer Konservierung des Schiffs für das Römisch-Germanische Museum (RGM) in Köln

Die Bergung des Wracks ist kompliziert. In vier Teilen soll es unter Stahlplanken geschoben, verschäumt, gehoben und sofort feucht gelagert werden. Der größte Teil des Schiffswracks liegt jedoch noch hinter einer Betonwand verborgen.

„Eine Betonwand für die Bauarbeiten hat das Schiff durchschlagen, jenseits dieser liegt mit Sicherheit der größere Rest des Schiffes.“  (6)

Die Bergung des Stücks hinter der Betonwand ist allerdings nicht geplant.

„Wir Archäologen haben Geduld. Die Kollegen, die nach uns kommen, werden andere und weiter entwickelte Techniken zur Verfügung haben."  (7)

 

(1) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper
(2) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper
(3) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper
(4) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper
(5) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper
(6) Archäologe Rudolf Nehren.
(7) Professor Dr. Hansgerd Hellenkemper


© 2007 by Ingo Löchel
Bilder: Archiv des Autors

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