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Das Saarland - Mythen und Sagen: Teil 32

Sagen und MythenVon den Quellen bis zur Mündung
Teil 32

Das Geheimnis der 'Silberquelle' vom Schloß 'La Motte' bei Lebach

Das barocke Schloss La Motte löste die frühere Burg Motten ab, die seit etwa 1300 Stammsitz des Geschlechtes war. Das Schloss behält deren Bezeichnung als Eigenname bei. Erbaut wurde es in den Jahren 1707 bis 1711 unter Johann Wilhelm Ludwig Freiherr von Hagen (*1673 - †1750), wobei dessen Bruder Johann Hugo von Hagen, Domherr zu Eichstätt, die eigentliche Bauleitung hatte.

 

Etwa gleichzeitig mit der Französischen Revolution erlosch auch die Linie von Hagen zur Motten mit dem Tod des Reichshofratspräsidenten Johann Hugo von Hagen im Jahre 1791 im Mannesstamm.

Um das Erbe entstand ein Streit zwischen den hinter bliebenen Schwestern Johann Hugos und dem lothringischen Zweig, der seine Ansprüche geltend machte. Die lothringische Linie derer von Hagen, de la Haye, übernahm letztendlich nach langen Auseinandersetzungen vor Gericht, 1806 große Teile des Besitzes, darunter auch das Schloss Motten. Nachdem auch diese Linie im Mannesstamm erloschen war, stand das Hofgut 1822 zum Verkauf, 1846 schließlich zur öffentlichen Versteigerung frei. Von den Besitzern in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ der Bankier Abraham Mayer bis zum Jahre 1882 den größten Teil des Schlosses abreißen. Der übriggebliebene Torbau dient heute als Wohnhaus.

Die 'von Hagen' waren verwandt mit dem Geschlecht derer 'von Hunoldstein' (sie sollen von Hunold, dem Gefährten von Hagen von Trontge abstammen) von der gleichnamigen Burg, und sollen von Hagen von Trontge (ja, der aus den Nibelungen) abstammen, der angeblich auf der Burg Dhronecken im Hochwald seinen Stammsitz gehabt haben soll.

100 Schritte vom Torhaus des Schlosses 'La Motte' ragt die  756 Jahre alte 'Geistereibe' (ein Baum) auf, ein saarländisches Naturdenkmal.

Laut Legende hat das Aussterben derer 'von Hagen' aber triftigen Grund:
Einer der Ritter vom Hagen 'Zur Motten' hatte die Tochter seines Waffenmeisters geschwängert, und wie es auch noch heute passiert, sitzengelassen.

Eines Tages ging das unglückliche Mädchen (in der Sage heißt es Jungfrau, wobei das ja wohl nicht mehr zutrifft!) in ihrem tiefen Leid zu der stillen Quelle, die in der Nähe der Burg lag, und selbst im Winter nicht zufror. Sie schaute ins Wasser hinein und sah ihr Ebenbild. Sie erfreute sich am Widerschein ihrer Schönheit (steht so in der Legende. Finde ich etwas eitel!) und wünschte sich doch bei all ihrer Schönheit den Tod.

Plötzlich sah sie eine sonderbare Gestalt, halb Fisch, halb Mann, mit Augen wie Amethysten, aus dem Wasser emporsteigen. Entsetzt floh sie bei diesem Anblick. Als der Wassergeist sah, dass die Schöne verschwunden war, tauchte er wieder in die Tiefe seines Reiches hinab.

Am Tag der heiligen Dreifaltigkeit herrschte unter der Linde, die noch im Jahre 1920 vor dem Waldeingang zum Distrikt 'Kuhtränke' stand, frohes Treiben. In der riesigen Krone des Baumes spielten die Musik zum Tanz auf. Auch die unglückliche Tochter des Waffenmeisters war unter den Tanzlustigen.

Da stieg der Wassergeist wieder aus seinem tiefen Reich empor, stieg aus der Quelle, und – sobald er das Ufer betrat –  verwandelte sich in einen stolz gewachsenen und gutgekleideten Jüngling. Er ging zu der Linde hin, um mit dem schönsten Mädchen zu tanzen, und sah die Tochter des Waffenmeisters, in die er sich schon beim ersten Mal verleibt hatte.

Bald hatte er sie bezaubert und bat sie um einen Tanz. Und sie tanzten und tanzten, immer schneller und schneller. In immer weiteren Kreisen tanzten sie und entfernten sich von der Linde. Doch das bekam das Mädchen, das von der Schönheit des Jünglings bezaubert war, nicht mit. Plötzlich tanzten sie in das Wasser des Quells hinein. Auf bunten und lustigen Wegen ging es immer tiefer ins Erdreich hinein, bis sie zu einem Palast von Korallen und Muscheln kamen, aus dessen Boden Silber in großen Mengen hervorquoll.

Doch die junge Frau konnte der Reichtum nicht erfreuen. Der Wassermann ahnte was sie quälte, und als sie ihm gestand, dass sie Heimweh hatte, gab er ihr ein prachtvolles Silberstück, eine Münze mit dem Bild einer Nixe und seltsamer Zeichen einer Geheimschrift. "Diese Münze", sagte er dem Mädchen, "hat Zauberkräfte. Der jenige, der sie besitzt, hat Glück. Verliert er sie jedoch, ist er des Todes und sein Geschlecht stirbt aus. Wer es findet, und es hierher zurückbringt, der ist von allem Erdenleid erlöst und wird unsterblich sein." Dann führte der Nix das Mädchen zum Ufern des Quells zurück und verschwand.

Am anderen Tag (und niemand wunderte sich wo sie inzwischen war...) war die Tochter des Waffenmeisters mit dem Schlossherrn wieder einmal allein.  Sie zeigte ihm das prachtvolle Silberstück. Er nahm es in die Hand und betrachtete es mit großer Bewunderung.

Als die Frau sah, dass er große Freude daran fand, schenkte sie es ihm und sagte: "Es wir Euch Glück bringen, wenn Ihr es immer tragt. Doch verliert es nicht, sonst seid Ihr des Todes und Euer Geschlecht stirbt aus."

Begeistert nahm der Ritter die Zaubermünze, steckte sie in sein Kleid und trug sie immer bei sich. Doch einige Monde später verlor er sie unbemerkt bei einer Treibjagd.

Die Tochter des Waffenmeister ging durch den Wald und fand das zauberkräftige Silbertstück im Distrikt  'Taubentälchen'. Da der Ritter sie noch immer nicht von der Schande befreit hatte und sich zu ihr bekannte, gab sie ihm die Münze nicht wieder.

Noch am selben Abend ging sie an die Quelle und warf das Silberstück hinein.  Der Nix kam und brachte sie wieder in sein Palast aus Korallen und Muscheln, aus dessen Boden – wie wir uns erinnern – Silber quoll. Seit dem wurde das schöne Mädchen nicht mehr gesehen.

Der Ritter von Hagen, suchte die Münze zwar verzweifelt, fand sie aber nicht. Wenig später starb er, und 1791 starb der Letzte der deutsche Linie seiner Familie, 1816 der letzte der lothringischen Linie (de la Haye = von Hagen), so das dass Familienwappen über dessen Grab – wie es Brauch ist – zerbrochen wurde.

Die Tochter des Waffenmeisters – wenn man den Worten des Wassermann glauben schenken kann – wurde unsterblich und lebt noch heute im Palast aus Korallen und Muschel, aus dessen Boden wohl noch heute Silber fließt.

Schlittchen bei Oberlöstern:
Rund um das "Schlittchen" und den "Wellstein" in der Lösterschweiz

In der alten Sage, die sich mit der Entstehung des „Schlittchens“ beschäftigt, und die auch den „Wellstein“ miteinbezieht, wurzelt ein großes Stück Lokalpatriotismus und Heimatstolz. Erzählt wird da von einem Mephisto, der seinen Neid über das landschaftlich reizvolle Löstertal mit einer Gewalttat Befriedigung verschaffen wollte. Eine Hotte riesigen Ausmaßes belud er mit mächtigem Gestein. Damit sollten Dörfer und Menschen an der Löster bombardiert werden. Mit diesen Plänen flogt der Ikarus in Teufelsgestalt via Löstertal. Doch die unzulängliche Stabilität seines Tragkorbes durchkreuzte das teuflische Vorhaben. Mitten über dem Lösterwald drückte die Last der Felsmassen den Boden aus der Hotte, und die Steine besäten das gesamte Waldrevier ringsum. Da die Wände der Hotte sich nach unten verengten, fand ein Stein wegen seines riesigen Ausmaßes in der Bodenöffnung des Korbes keinen Durchlass. Er blieb weiterhin Passagier dieser zerstörenden Flugreise. Doch auf der anderen Talseite hielten die Wände der Hotte seiner Last nicht mehr stand und barsten auseinander. Und unser „Wellstein“ – er war es natürlich – fand Aufnahme im Wiesengrund. Somit hatten sich alle Steine vor Erfüllung ihres Auftrages der teuflischen Hand entwunden.

Um solche Märchen ist man auch heute noch nicht verlegen. Ein weiteres beschäftigt sich ausschließlich mit dem "Wellstein". Diesem traut man die wunderliche Eigenschaft zu, dass er alltäglich, wenn aus den Dörfern das Läuten der Mittagsglocken herauf dringt, sich aus eigener Kraft zum nahen Lösterbach wälzt, und sich ganz vom Wasser abspülen lässt. Diesem Sinn für Reinlichkeit bleibt er jedoch nur dann treu, wenn er sich nicht von Menschenaugen beobachtet weiß. In früheren Jahrzehnten fielen oftmals Lausbuben auf diesen abergläubischen Schwindel herein, wenn sie sich zur Mittagsstunde in den Hecken um den "Wellstein" herum versteckten, um das Bad des Naturgiganten, das man ihnen so oft geschildert hatte, selbst bestätigt zu finden.

"Der Wellstein fühlte sich beobachtet. Dann rührt er sich nicht vom Fleck!" Dieses transparente Trostpflaster drückte man den Burschen daheim auf ihre arge Enttäuschung.

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